Adelung 1774
Von den verschiedenen Arten der Mahlerey, in: [Johann Christoph Adelung (ed.)], Leipziger Wochenblatt für Kinder VIII/178 (4. Julii 1774), Leipzig [Crusiussische Buchhandlung] 1774, pp. 1–16.
Johann Christoph Adelung (1732–1806) was a German linguist and lexicographer. Among his many activities, he launched the first German periodical for children, the Leipziger Wochenblatt für Kinder, in Leipzig. In 1774, the eighth volume included an essay on different types of painting, with one subsection devoted to fresco painting. The tone of the essay corresponds to the scholarly style typical of contemporary encyclopedic texts and is not in any way adapted to a child readership.
p. 1
Von den verschiedenen Arten
der Mahlerey.
Die Kunst zu mahlen ist sehr alt; man kann nicht einmal sagen, wer sie erfunden hat. Ohne Zweifel ist sie so wie andere Künste und Erfindungen von ungefähr entdecket, und erst nach und nach zur Vollkommenheit gebracht worden. Indessen muß man diese Kunst schon sehr frühe ausgebildet haben, weil man zur Zeit des Trojanischen Krieges, schon eine Art der Mahlerey in Feuer und nach dem Leben gewirkte Tapeten antrifft.
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pp. 4–5
3. Von der Mahlerey auf frischen Kalk.
Man nennt diese Art der Mahlerey auch mit einem Italienischen Worte die Fresko-Mahlerey, oder die Mahlerey al Fresko. Sie erfordert einen geschickten Künstler, der eine schnelle und feste Hand und eine geübte Zeichnung hat.
Diese Arbeit wird auf Gewölber und Mauren gemacht, so mit Mörtel von Kalk und Sand bekleidet sind. Man läßt die Stelle, die man mahlen will, von einem Maurer mit diesem Mörtel bewerfen, und glatt streichen. Wenn der Mörtel etwas fest, (aber nicht trocken geworden ist) legt man die auf Papier entworfene Zeichnung darauf, und fähret mit einem Stifte über den Umriß des Papieres, so daß sich die Linien in den frischen Mörtel eindrucken. Wenn der Umriß auf diese Art gemacht ist, mahlet man darauf, und zwar mit Erdfarben, die man in bloßem Wasser aufgelöset hat. Die Farben vereinigen sich alsdann mit dem Mörtel, trocknen mit ihm zugleich, und erhalten sich viel Jahrhunderte. Man siehet in Italien Gemählde dieser Art, welche noch aus den Zeiten der Römer her sind, und sich vortreflich erhalten haben, ungeachtet sie viele Jahrhunderte hindurch unter dem Schutte alter Gebäude versteckt gewesen sind.
