Adelung 1774/I
Johann Christoph Adelung, Versuch eines vollständigen grammatisch-kritischen Wörterbuches der Hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der oberdeutschen I (A–E), Leipzig [Johann Gottlog Immanuel Breitkopf] 1774.
Johann Christoph Adelung (1732–1806) was a prominent German linguist and lexicographer. In his multi-volume Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, he also provided explanations of the meaning and etymology of certain terms related to mural painting. In this case, the terms concern plastering work, as well as the designation of painting tools and pigments.
col. 69
Abputzen
Abputzen, verb. reg. act. überhaupt, was von einem Körper hervorraget wegschaffen. Besonders, 1) den Butzen an dem Lichte wegnehmen. Das Licht abputzen, oder putzen. 2) Glatt, eben machen; so heißt bey den Mäurern abputzen, den angeworfenen Kalk mit dem Reibebrete gleich aus einander streichen. 3) In noch weiterm Umfange der Bedeutung, als unrein, untauglich wegschaffen. Die Unreinigkeiten abputzen. Noch mehr aber metonymisch, gehörig reinigen, säubern. Die Weinstöcke abputzen. Ein Gefäß abputzen. Die Wurzeln eines Baumes umher abputzen. 4) Figürlich, einen wacker abputzen, d. i. ihm einen derben Verweis geben, im gemeinen Leben. S. auch Ausputzer.
Anm. Nieders. aufputzen, Dän. afputse. Putz, und alle davon abstammende Wörter sollten freylich mit einem weichen B gesprochen und geschrieben werden, und die meisten Oberdeutschen thun es wirklich. Allein bey den Obersachsen und Hochdeutschen hat die Aussprache der Niedersachsen, welche wider ihre Gewohnheit in diesem Falle härter ist, das P schon längst nothwendig gemacht. S. Butz und Putz. übrigens ist abputzen ein Wort, welches in der edlern Schreib- und Sprechart wenig vorkömmt.
col. 764–765
Berappen
Berappen, verb. reg. act. bey den Mäurern, eine Wand berappen, d. i. sie vor dem Tünchen mit Kalk oder Mörtel bewerfen, oder überziehen. Im Schwedischen heißt diese Arbeit rappa, und im Französischen crepir. Ihre glaubt, das erstere könne von dem letztern, oder auch von dem Holländischen Rappe, die Rinde, die sich auf den Wänden setzet, abstammen. Allein es kann mit diesem Worte auch auf das Abraffen des angeworfenen Kalkes gesehen werden, welches bey dieser Arbeit wirklich geschiehet, um überall eine gleiche Fläche zu erhalten. Rapen und rappen bedeuten im Niedersächsischen raffen. So auch die Berappung.
col. 871
Bewerfen
Bewerfen, verb. irreg. act. S. Werfen, werfend bekleiden, bedecken, besudeln u. s. f. Jemanden mit Koth bewerfen. Eine Wand mit Kalk, eine Mauer mit Lehm bewerfen. Den Hopfen bewerfen, die Erde um denselben aufhäufen; S. Bewallen. Daher die Bewerfung.
Anm. Peuuerfen findet sich schon bey dem Notker. In Oberdeutschland wird dieses Wort auch für beziehen gebraucht. So bewerfen wir uns auf dessen Inhalt. Worauf unsere Zuschrift sich lediglich bewirft, beziehet.
col. 1018
Borstpinsel
Der Borstpinsel, des -s, plur. ut nomin. sing. ein Pinsel, der aus Schweinsborsten zubereitet wird.
col.. 1732
Erdfarbe
Die Erdfarbe, plur. die -n. 1. Eine Farbe im Abstracto, so der Farbe der Erde, besonders in ihrem trockenen Zustande gleicht, ohne Plural, erdfahle Farbe. 2. Eine körperliche Farbe, welche aus einer farbigen Erde bestehet, dahin alle so genannte Bergfarben, Umbererden u. s. f. gehören, im Gegensatze der harzigen und Saftfarben.
Erdfarbig, adj. & adv. der Erde an Farbe gleich, S. Erdfarbe 1.
