Knoller 1768

Martin Knoller, Die Gedanken eines Erfahrenen auf dem schweren Weg der Wissenschaft a la Fresque zu malen, von einem ehemaligen Mitglied der Gesellschaft der Arkadier M. K. 1768 (Ms.)

Universitätsbibliothek Eischstätt, Cod. sm 531.1


Die Gedanken eines Erfahrenen auf dem schweren Weg der Wissenschaft a la Fresque zu malen, von einem ehemaligen Mitglied der Gesellschaft der Arkadier M. K. 1768

Auf dem Komersee, dem reizzenden Wasser der Welt, fuhr ich gestern zur Erholung mit Meister Scaramuzi, meinem Mauer welcher mir so fleißig bei meinem Malen Dienste leistet, Lustig ergrif ich die Flasche und rief, Es lebe die Vergangenheit – und deine liebliche Viola braver Meister auch

Wer nit liebet Wein &c. &c.

Nun ist aus dem armen Tirolerbuben doch ein tüchtiger Mann noch geworden, und ich stehe noch in der Blüthe meines Lebens und gedenke noch manche Werke zu schaffen.

Es kommet mir an hand heut in den Sinn, eine Geschichte und Beschrieb der Malerei, so man a la Fresque nennet, zu schreiben – auf daß jene vielen Materialien die ich längst dazu gesammelt nicht unbenutzt verloren gehen. Viele alte Schriften stehen mir zu Gebothe, unter anderen eine von Leonardo da Vincius aus der Bibliothecke des Grafen Firmian. – Dan ein ferneres des Aniball de Carazi und so noch manches andere.

Nun in Gottesnamen will ich das Werk beginnen, Gott der Allmächtige gebe seinen göttlichen Sägen dazu.

Sey Gebetten

Du, der du mich findest, und uns nit kennest, die wir etwan schon verwesen, wenn du dieses gelesen, thun es wieder hin, wo du es genommen, so bringt es die Nutz und Frommen.

Bitte Gott für
unsere Seelen.

Es ist aber diesen Beschrieb eine viel langwierigere Arbeit als ich mir vorgenommen, ich bin zwar kein Lehrer in Rom gewesen allein dem ungeachtet ist es sehr schwer – Ich will daher in Gottes Namen die alten Griechen und Römer und dergleichen gehen lassen und frisch und lustig mit dem Cimabüe beginnen doch, welcher, was auch meine Colegen streiten, der eigentliche Vater der heutigen Malerei genannt werden kann.

Die Fresko-Mallerei ist eine der ältesten Malereien, indem bekanntlich schon die alten Griechen und Römmer auf den Kalch oder die Tünche ihrer Mauren malten. Das Mallen selbst geschiehet auf einer mit frischen Mörtel beworfenen Mauer und ist der Art auf schon alte, trockene Mauren mit Öhl oder Leimfarben zu mallen weit vorzuziehen indem sich die Farben in den noch nassen Mörtel hineinziehen, und wenn die Sache anders gehörig behandelt wurde, auch auf der Mauer bleiben so lang noch eine Spur von Mörtel vorhanden und dies zume unverändert, d. h. ohne ihren jeder Farbe eigentümlich Ton zu verlieren. – Ausgenommen wenn die Mauer vom Sali ergriffen ist. Jedoch habe ich dagegen ein Mittel erfunden und will es getreulich offenbaren damit diese hochherrliche Praktika nicht verloren gehe, sondern daß selbe unsterbliches Lebend erlange.

In den Mittelzeiten wurde diese Kunst, nachdem sie seit den Griechen so lange geschlummert, zum ersten wieder verwendet und ausgeführt von Giov. Cimabü und die Künstlern so sich von dem Anfang des 14ten bis zu Ende des 16ten Jahrhundert, darin besonders ausgezeichneten sind außer dem obgennanten Aug. di Bandone gen. Giotto, Stephano di Lopo, Ambrosio Lorenzetti, Pietro Cavalini, Andr. Orgagna, Thoma. Giottino, Joh. und Hubert van Eyck, An. Mamertini gen. Antonello da Messina, Tom. Massaccio, F. Squarcion, Ph. Lippi, Andr. di Castagno, Gentili di Fabriano, A. Verochio, Dom. Ghirlandajo, Gentili Bellini, Giov. Bellini, Giorg. Barbareli, And. Mantegna, Pietro Vanuci gen. Perugio, welches der Lehrer Rafaels gewest. Im 16ten und 17 Jhht., wo eine neue Periode mit der Öhlmallerei anfing, blühte auch die Freskomalerei und wie besitzen von Coreggio, Raphael und Michel Angelo noch herrliche Werke im Vatikan und in anderen römischen Pallästen nur haben selbe in Hinsicht des Kolorits viel verloren, da man zu Raphaels Zeiten die Behandlung des Mörtels und der Mauern noch nicht so gut verstand als später zu des Caraci Zeit, den man findet Gemäld von Anib. Caraci, welche in Hinsicht des Colorites alles übertreffen namentlich in der Gallerie des Farnesischen Palastes was vor und nach ihm gemacht wurde. Sein eigenhändig geschriebenes Werk gibt uns viel zum Nachdenken an die Hand und da seine Manier beinahe die nämliche ist als wie meine eigene so finde ich reiflicher Massen überleget es für sehr taugbar meine Art mit seiner Praxis einiget, hieher zu schreiben.


Sollte die Mauer noch ganz roh ohne allen Mörtel sein, so lasse man selbige in der Art mit Mörtel verwerfen daß sie eben und glatt wird; alte Mauern auf welchen schon Tünche gelegen, daß heißt welche schon lange über worfen und geweißet waren selbige läßt man mit einem Instrument abpicken und neuen und glatten Grund wie bei anderen Mauern darauf legen. Das geht den Mauer an, nur müßte bemerkt werden, daß derselbe nie mehr Sand dazu nehme als ungefähr den achte Teil des Kalkes, auch mischet man an diesen Kalk seines Hanfwerck, welches besser als Kälberhaar oder Sauborsten den Mörtel zusammenhält.

Ist nun dieser Grund recht ausgetrocknet so lasse man von dem Mauer einen ähnlichen Mörtel bereiten, an welchem wie gesagt nur ungefähr der 8 Teil Sand ist und mit diesem Mörtel trägt man soviel als man von seiner Zeichnung selbigen Tages noch malen will auf den vorigen Anwurf – und machet es recht hübsch eben und glatt – ungefähr 3 Messerrücken hoch also ungefähr ████ doch ist es zu merken daß an diesem Strich die Breite genohmen werden muß. Tutheman aber an bedec[kten] Orten mallen wo nit viel frische Luft hinwehet dann läßet man es der Länge nach des Striches genomen aufwerfen aber gleich so viel als man auf zwei Tagen mallen kann, es vertrocknet gewißlich nit.

Und jetzt könnte man gleich malen. Man mallet nach sogenannten Kartonen große Zeichnungen perfekt mit der Kohle auf Papier gezeichnet und mit einem Pinsel umrissen. In dieser Zeichnungen teile ich in lauter Vierecke und schneide also wenn es möglich ist immer genau ein 4 Eckicktes Stück ab und zeichne es mit einem spitzigen Eisen durch ohne es hinter zu schwärzen den es druckt sich schon von selber in den frischen Kalk und man verliehret auch seine Umrisse nit so leicht. Bin ich nun abends fertig so darf ich nur die Ränder mit einem Liniale gerad abschneiden und es ist für die nur Mauer das Ansetzen leichte von frischem Mörtel andern oder 3ten Tages wo man aber beständig einen Maure haben kann, da ist es besser wenn man die Hintergründe ganz arbeite auf einmal in das Nasse, oder in doch so vielen Stücken als es Lichter sind oder bis zum selbigen Absatz wo neue Wolken kommen. Und dann die Figuren später heraussticht und frisch bewirft und hineinmalt wenn das Uebrige fertig ist. Dazu gehört aber ein sehr verständiger geschickter Mauer, welcher darauf geübt ist und welchen man sich dazu ziehen sollte wie ich meinen Scaramuzzi in Milano, den sonst ist das Freskomallen für einen guten Ohlmaller eben nit so schwer, wen er nur immer eine gute Anleitung dazu hat, den es ist merkwürdig was für seltsamm Meinungen über Fresko in Köpfen der Maler sind. Der eine tüncht seine Mauer sechsmal bevor er sich zu malen getraut; es ist aber gewiß daß je dünner die Malschicht je besser sie auch haltet, den es sind ja die vielen Schichtehn sehr schädlich, denn sie nehmen der Malerei den Zusammenhang, stören namentlich, daß man keinen festen Schatten ausführen kann und was ist denn die Fresko mallen anders als blos Kalchfärberei. Freilich muss es gut gefärbt werden doch dieß sei der Inhalt nachfolgender Bemerkungen.

Bevor man anfängt zu mallen müssen alle Farben in ihre Geschirre gerieben werden. Diese Farben muß man trachten stets recht rein und sauber aus den Handlungen zu erhalten damit nicht sie mit Ungleichheit färben. Diese Farben reibet man in gut glasierte irdene Geschirre. Man bedient sich einer Mallerpallete von weißen Blech und angestrichen mit Öhlfarbe braun, damit man die Farben recht erkenne. Es muß die Palette einen ringsumgehenden Rand haben damit die wässerig Farben nicht ablaufen. Die Farben lasse oder reibe man sich ja recht fein. Damit die Mallerei  auch in der Nähe recht schön herauskommt und rein und warm wird. Auch thut man die Mauer, ehe man darauf zeichnet mit einem Filzballen von den Hüttnern recht abreiben, damit etwaige Sandkörner davon weggerieben werden. Auch ist zu bemerken, daß der Mauer sich vieler Kellen bedienen muß, ganz kleiner und auch großer daß er sich reinen Arbeit befleißen muß und ja nicht auf die Mallerei spitzt oder selbige sonst beflecket. Man bezahle ihn gut, auch kann man ihn zum Handlangen und Farbreiben abrichten, denn er hat ja sonst den ganzen Tag keine Arbeit den in der Frühe ist er in einer Stunde mit unserer Arbeit hinlänglich fertig.


Farben

Weiß.

Das Weiße von altem längst abgelöschten Kalk habe ich allein angewendet. Andere Künstler wollen sich allerlei andern Vermischungen als Marmor und Eyrschalen bedienen. Ich halte nichts davon und nehme guten alten Kalk, welchen ich so rein als möglich zu erhalten suche. Ich thue eine Quantität, das heißt einen Haufen schon längst abgelöschten Kalk in einen weiten Hafen thut dan reines Wasser hinzu und rührt es schnell um, die dan gießet man diese ganze Geschichte bis auf den Bodensatz in ein anderes Geschirr worin man die Sache sich setzen laßt. Dan hat man unten seines Kalkweiß welches man also noch reibt auf dem Reibstein und recht schön und rein gebrauchen kann. Das obenstehende Wasser sowie auch der Boden ersten Hafen, welches meisten Steine und grober Sand ist, kann man nicht mehr gebrauchen. Auch andere Farben, welche viele Unreinlichkeiten enthalten, kann man auf diese Weise reinigen.

Alle Farben werden mit Wasser gerieben und mit Kalkwasser angemacht ebenso wie man die Leimfarben in Wasser reibt und den Leim später dazu giebet. Dieses Kalkwasser wird zu bereitet, indem man Kalk recht düne mit siedenten Wasser ablöschet und später sich den Kalk setzen läßst, die obenstehenden Brühe aber unter Bezeichnung Kalkwasser aufhebt. Die übrigen Farben sind in der Freskomalerei nit anwendbar, überhaupt ist es nit notwendig, das je ein anderes Weiß als der Kalk ist, erfunden wird. Er ist vollkommen hinlänglich und deckt auch ziemlich gut.

Ja ich habe mich schon oft besonnen, ob man den Kalk nicht in der Ohlmalerei gebrauch könnte, bis jetzt aber kein Resultat erfahren.

Gelb.

Neapolitanergelb ist eine sehr schöne und in Fresko gut zu gebrauchende Farbe, nur muß man sehen, daß man reinesbekomme, den wenn es wie es unter 100mal 99mal geschieht, mit Königsgelb oder mit Kaisergelb oder andern grell gelben Farben vermischt wird so ist die Folge, daß es am Kalk bald abstirbt, sich ins Graue verändert und alle andern Farben, mit denen es gemischet wurde, auch mit verändert. Für sich selbst ist es sehr dauerhaft, trotzet jedlicher Witterung und ist ganz vorteilhafft und unentbehrlich zum Malen.

Ocher Farben

Die Ocherfarben spielen in der Freskomalerei eine wesentliche Rolle, und sind dem Maller unentbehrlich.

Der lichte Ocher rein geschlämmt auf die Art wie der Kalch ist ein sehr schönes Gelb und wegen seiner Dauer und seines eigenen angenehmen gelben Tons unter alle gelben Farben zu mischen. Wird der lichte Ocher gebrannt so verändert er seine gelbe Farbe und heißt nach der Mallerbenennung lichtgebrannter Ocher, er wird hellrötlich.

Der Mittelocher hat seine Benennung von seinem Mittelton zwischen dem lichten und dem dunkeln Ocher. Er ist sehr schön, haltet sehr gut und ist als Fresko Farbe sehr anwendbar. Er wird auch gebrannt gebrannd  und erhält dadurch eine rötliche aber von dem lichten Ocher sehr verschiedene Farbe, er verträgt sich trefflich mit allen anderen Farben.

Das Ambergergelb ist auch eine sehr schöne Farbe und trieft in seinem rohen Zustande, sowie auch im gebrannten vollkommen mit allen Eigenschaften überein, welche zu Freskomaler Farben erforderd werden.

Goldocker ist eine sehr schöne und angenehme Farbe, im rohen Zustande wendete ich ihn aber nit an weil ich gefunden habe, daß er leicht nachdunkelt, aber in leicht gebrannten Zustande, wo er seine Farbe in tiefes Roth verändert, ist er sehr beständig.

Der Dunkelocher hat einen sehr schönen braungelben Charackter, man kann diesen Ton durch Mischen nicht hervorbringen, er eignet sich vorzüglich, und noch besser gebrannt und bekommt eine dunkel braunrothe Farbe.

Grüne Erde gehört auch unter die Ocherfarben, die Veronsergrüne ist die schönste, sie ist seladongrün, sie ist sehr haltbar, nur muß man sehen, daß man wirkliche Veroneßer Erde bekomme und nicht unter diesem Namen Sächsische oder Tyroler. Diese Erde, welche grün schon vielen Werth hat, bekommt beim Brennen einen (eigenthümlichen) zum Malen für Fleisch und dessen Schatten gut eigenthümlichen Ton, welcher sich nicht mischen läßt. Es kommt im Handel ein lichtes und ein dunkles Veroneßergrün vor, die beide großen Nutzen haben als Maler Farben und beide unzerstörbar sind.

Auch eine eigene rothe Farbe habe ich bereitet, welche im Handel nicht vorkommen kann, ich habe sie Scharlachrot genannt. Sie ist von einem gebrochenen orangerothen Ton und ihn Ohl und Fresko sehr dauerhaft.

Man nimmt eine beliebige Menge Eisenvitriol, welchen man in jeder Apotheke haben kann und röstet ihn im Kohlenfeuer in einer eisernen Pfanne und rührt ihn mit einem eisernen Löfel oder ähnlichen Gegenstand. Er gerät sodann in Fluß, und wenn sein Wasser verdunstet ist, wird er trocken und roth zu werden anfangen. Das Umrühren und Glühen wird so lange fortgesetzt bis er den höchsten Grad von Schönheit erreicht hat, wovon man von Zeit zu Zeit Propen auf Papier herausnehmt, um den gehörigen Ton den man wünscht bestimmen zu können. Je länger man ihn über Feür läßt, desto schöner wird er, daß heißt dunkler. Diese Farbe, welche im Handel nicht vorkommt, wird den Künstler gewiß ansprechen. Sie ist unzerstörbar.

Das Neapelrot wird in der Gegend von Neapel gefunden, und ich bin der erstn derselbe in Öhl und Fresko angewendet. Sie ist sehr haltbar und zum Mallen für Fleisch, Köpfe u. digl. mir beinahe unentbehrlich geworden. Im Handel kommt sie nicht vor. Jedoch kann man sie von den neapolitanischen Bauern gleich haben.

Das Englischroth ist beständig und halt viel Körper, ist [ich?] wande sie schon an jedoch nur als Roth ohne Mischung, weil sie einen zu kalten, blaülichen Ton bekommt, wenn man selbiges mit anderen Farben mischet. Ich habe sie der stärksten Rothglühhitze unterworfen und bekam dann eine dunkelbraunrothe gehende gesättigte Farbe, die sehr vorteilhaft angewendet werden kann und unzerstörbar ist.

Die Terra di Siena ist eine Ocherfarbe, welche man roh und gebrannt in der Freskomalerei anwenden kann. Roh ist es ein sehr schönes Gelb, mit Blau zu einem angenehmen Grün verbunden auch sehr haltbar und zum Malen von Goldhaare &c. &c., auch zur Erhöhung von Neapelgelb, beinahe unzerstörbar. Ich habe solche Farbe in drei verschiedenen Hitzegraden gebrannt. In dem ersten erhielt ich ein sehr tiefes und sehr haltbares und warmes Braun, in den zweiten noch stärkeren Hitze ein noch dunkleres, dann immer mehr erhitzt ein hellrothes Farbenpräparat, welches in Fresko an das Wetter wo man keinen Zinnober anwendet, den ich auch in Gebäuden zu Gewändern nahm vollkommen ersetzt. Beim Brennen muß man sie von Zeit zu Zeit propen, auf kleinen Papierstückchen herausnehmen, danach man erkent, ob sie genug gebrannt ist. Aber beim letzten Brennen werden nie alle Körner gleich hellroth, selbige muß man daher sortieren.

Umbra gebrauche ich nur jene Sorte, welche stark ins rötliche schillert. Sie gilt als Probstein für Freskomalerei, indem man die Gemischten Farbentöne daraufsetzt mit einem Pinselstrich, worauf das Wasser augenblicklich vertrocknet und die Farbe zum Vorschein kommt, welche die Mischung im trockenen Zustande besitzet. Bei der Freskomalerei kommt diese Farbenton erst nach gänzlicher Trocknung des Gemäldes zum Vorschein. Und somit wird dem Künstler auf diese Art die Farbenmischung etwas erleichtert, vorzüglich den Anfängern. Uebrigens vertritt die trockene, weiße oder Grundkreide, welche meine Landsleute, die Tiroler, herumführen, dieselbe Stelle. Wenn man aber die Umbra der starken Rotglühhitze aussetzt, so erhält man je nach dem Hintergrund eine schöne, rote, auffalend dunkle Farbe die man durch Mischen nicht vorbringen kann und die überall, besonders in Gewändern, vortreffliche Dienste leistet.

Rote Farben.

Zinober obwohl diese Farbe gar nicht in die Freskomalerei gehört, so habe ich ihn doch nach einer alten Vorschrift so zubereitet, daß man ihn im Innern eines Gebäudes trefflich gebrauchen kann. Man thut ihn in ein Geschirr von Buchenholz – von Holz muß es sein – man nimmt dazu reinen Bergzinnober, welcher in ganzen Stücken kommt und thut diese Stücke vorher so fein als möglich mit Spiritus Vini abreiben und hernach wieder trocknen lassen, dann trocken zermalmen zu Pulver und thue in jennes Geschirr. Und übergieße ihn mit siedenden Wasser, worin vor dem Sieden ein Stück Kalk abgelöscht wurde. Die Prozetur des Aufgiesens wiederhole man einigemale, nachdem man jedesmal das obenstehende Wasser abgeklärt hat. Durch dieses Aufgießen des Kalkwassers verliert der Zinober seine giftigen Eigenschaften. Man kann ihn nun nochmal auf das feinste reiben und gebrauchen, je feiner man ihn reibt, desto schöner wird er. Ich habe ihn zu Gewände sehr zu brauchen können, aber an das Wetter nehme ich nie einen, damit ja keine Gefahr für das Bild da ist. Überhaupt thut man sehr gut wenn man ihn sehr sparsam geberdig braucht, gieb ja andere schöne Roth.

Der römische Vitriol im Ofen gebrannt – ist eine sehr schöne dunkelrothe Farbe. Wenn er mit weißem Glühwein abgerieben wurde, gibt er eine sehr schöne purpurrothe Farbe; ich gebrauche ihn besonders zu der Unterlage des Zinobers, wo dan beide Farben vereiniget, wen sie zu einem Gewand gebraucht, werde die schönste Purpurfarbe geben. Für sich allein hat er an das Wetter ziemliche Dauer, mit Zinober verbunden freilich nicht. Jedoch ersetzt den Zinober sodan die Terra di Siena.

Blau.

Das Kobaltblau ist für den Künstler eine vortreffliche schöne und haltbare Mallerei. Es deckt gut, hat viel Körper und verträgt sich gut mit anderen Farben.

Ich habe von mehreren Künstler gehört, daß sich der Kobalt verändert. Dem kann ich nicht beistimmen, den wenn das Kobaltblau rein ist, ist es beinahe unmöglich, daß es sich verändert. Wenn sie unrein und verfälscht ist, dan ist freilich Veränderung möglich – daher soll es der Künstler aus der sächsischen Blaufarbenw[erks]-Copagnie versiegelt beziehen.

Schmalte habe ich auch stark angewendet, nur muß selbe 2 mal aufgetragen werden, weil sie sonst nicht bleiben würde. Sie muß auf einen Farbstein von Porphir gerieben werden, weil sie alle anderen Farbsteine angreifen thut.

Ultramarin ist freilich sehr schön, jedoch allzu kostbar, als des er stark angewendet werden kann, wenn er aber nicht gar zu theuer fällt, soll man denselben doch anwenden, wo er namentlich sehr gut haltet. Er läßt sich mit allen anderen Freskofarben mischen, in Öhl ist er auch gut zu gebrauchen, nur mit Wienerlack laßt sich nicht gebrauchen, da sie, wen sie mit ihm gemischt wird, bald allen Farbstoff dem Lack entzieht und ganz blau grau wird.

Ich wüßte freilich auch Rezepte zur Bereitung dieser Farbe, da sie aber auch nicht wohlfeiler kommt als die gekaufte, so ist es unnötig selbe herzusetzen.

Braune Farbe.

Kölnische Erde ist ein sehr schönes Braun, welches sich sehr gut anwenden läßt. Wenn man sie für sich im Naturzustande gebraucht, ist selbe schon sehr nützlich – aber noch kann selbige auf andere Art benützet werden wie folgt. Wen man sie in einem Tiegel gut verschließt, sie dan in verschiedenen Graden der Hitze aussetzet, so wird man verschiedene dunkelbraune Farben, bei Stärkerer Hitze aber eine ganz dunkel Tiefbraune Farbe erhalten. Selbe sind sämtlich ungemein dauerhaft.

Blaue Kohlenfarbe

Diese Farbe wurde von einem großern Herrn Laboranten meinem Freunde erfunden und ist vorzüglich schön und haltbar und namentlich zu Schatten auf blauen Gewänder sehr gut. Man erhält sie, wenn man Weinrebenkohle mit gleichen Theilen Pottasche abreibt, hierauf in einen Tiegel über Feuer so lange schmelzend erhält, bis sie nicht aufschwillt, dan auch einen [???] ausbießet und etwas Schwefelsaüre dazu gießt in einem Krug von Stein, wie ihn die Wirthe haben, gießt, und etwas Schwefelsaüre hinzu gießt. Die Flussigkeit wird blau und ein dunkelblauer Niederschlag fällt zu Boden, der nachdem er ausgeglüt, glänzend schwarzblau wird.

Ofenschwärze habe ich fein geriebe sehr gut gebraucht zu Schatten in Fleisch und auch zu schwarzen Gewändern, welche mit dieser Farbe angelegt und mit Rebenschwarz oder Frankfurterschwarz darein schattiert. Diese Farbe habe ich auch in Öhl stark gebraucht, als ich aus einer Schrift die mir zufällig in die Hände kam, ersah das Vandick, der große Maler, sie stets zu seinen herrlichen Gewändern angewendet hat.

Beinschwarz kann sehr gut gebraucht werden und ist auch sehr schön.

Rebenschwarz ebenso.

Und somit were die Reihe der Farben abgeschlossen, ich habe blos mit diesen Farben die größten Kirchen und Säle gemallet und ich denke, wenn ich es kannte, wird es wohl ein anderer auch können. Die Farbenverzeichnisse des Leonhardo da Vinci und des Annibal Carrazi sind noch viel kleiner und doch malte ersterer das hochherrliche Abendmahl und der zweite eine ganze Gallerie Farnße.

Die Pinsel so man zum Freskomalen hat müssen etwas länger als andere gewöhnliche Wasserfarb Pinsel sein. Auch dürfen Fischpinsel nur zum Hineinarbeiten der letzten Drucker und der eisersten und höchsten Lichter gebrauchet werden. Pinsel, welche schon gebrauchet sind immer besser als ganz neue, daher man die ganz neuen zu den Gründen und Anlegen nehmen und erst wenn sie dort Korn erhalten zu dem Fertigmachen verwendet werden. Vor dem Mallen weicht man die Pinsel eine Viertel oder Halbe Stunde im Wasser, wornach sie viel haltbarer werden, indem das Holz an denselben aufschwillt, auch die Pinsel die Farben besser fließen lassen.

Erst nachdem der Mörtel durch Abtrocknen jennen Grad von Härte erhalten hat, daß man nicht leicht einen Pinsel Finger darein drucken kann, sondern noch einige Gewalt anwednen muß, dann erst fanget man an zu mallen.


Jetz muß ich schließen, den es wird Abend, morgen aber muß ich früh auf und ihn den Palazo des Grafen von Este um aldort Jupiter und Juno zu malen.

Nun ist der Tag vollbracht, der majestätliche alte Heidengott und seine Frau ist nun gemalt und ich will versuchen, eine Beschreibung des Tages zu liefern. Früh morgens auf und nachdem ich eine Zeitlang gearbeitet an Zeichnungen, hernach in den Pallazo. Scaramuzzi, der Maure war schon dort und arbeitete, was wir gestern übrig gelassen mit Kalk zu überziehen. Da muß man nun aber wißen, daß daß heute auf eine besondere Abtheilung jene 2 Personen in einem Gemache mit Vorhängen gezieret gemallt werden sollte. Der Maurer ist mit einem Anwurf fertig. Ich zeichnete die Kartons durch, mallte den Vorhang sonach mit Dunkelkohlenblau, Tera di Siena und die Schatten nacher hinein arbeiten mit chölischer Erde und gebrannten Tera di Siena.

Hirauf ging es gleich an Jupiter. Zuerst mischte ich eine Farbe aus Ofenschwärtze und Tera di Siena gebrannt und übermalte alle Stücke und Partien, wo ganze und halbe Schatten hinkommen sollten, hernach mischte ich eine Fleischfarbeaus Tera di Siena, licht Ocker und Weiß und überzog mit dießer Farbe alles, was ich von Jupiter gemallt hatte vorhin und was von ihm an den Lichtstallen noch nicht gemalt war jene aber nehme ich den bis auf Augen, Mund und Haare. Meine Umrisse hatte ich bei dieser Art keineswegs verloren, sie sind tief in den Kalk gedrückt. Nunmehr mischte ich eine Schattenfarbe und Tera Siena geb. und etwas blau und Umbra und machte Hauptschatten hinein. Halbschatten darf ich keinen mallen, die sehen noch sehr gut von der ersten Anlage durch. Die Fleischfarb durch dan nehme ich etwas lichtgelbe Terra di Siena und malte die Lippen und schattierte selbe mit Scharlach Ocker und mallte die Hauptschatten der Lippen mit dunkel gebrannter chölischer Erde. Hierauf aber malte ich das Roth der Wangen und übrige Röthe des Körpers mit so Bauernroth von Neapel und machte die ersten Hauptlichter mit Weiß, gelb Ocker und Neapolroth gemischt. Hierein ferner dan die dunklen Drucker mit chölische Erde gebrannte und ungebrannte vermischt, malte ihm noch Augen und braune Haare und setzte die Hauptlichter mit Weiß und etwas lichtgebrannten Ocker vermischt auf den Körper. Machte sodann die übrigen Sachen in Schatten durch Schraffieren fertig und malte ihm den blauen Mantel. Legte zuerst aus ofenschwärze und Kobalt vermischte Schatten an und überging dann alles mit Kobalt, setzte auf die durchscheidenden HauptHalbschatten die Haupschatten aus Kohlenblau, und arbeitete die Lichter aus Schmalte hinein.

Jugendlich und majestätisch schaut er mich nun an und scheint mit gerunzelten Augenbrauen mit der eifersüchtigen Juno zu zanken. Ja, zanke nur mit ihr, bösse Weiber verdienen es hinlänglich. – Dixi.

Nunmehr malte ich die Juno. Zuerst alles wie beim Jupiter, alles was Schatten heißt mit einer Farbe, so hier aus Kohlenblau, Weiß und Umbra gemischt übermalt. Dann ihren recht zarten Fleischton aus Neapelgelb und Roth mischen und alles übermallen. Nun schauen die Schatten lieblich und süß hindurch, jetzt darf ich es nur fertig machen wie bei Jupiter, doch alles nach Standesgebühr, hier muß alles weicher und lieblicher gehalten werden. Ihr roter Mantel wird aus gebrannten chölischer Erde angelegt, dann das Ganze mit mit Glühwein abgerieben Vitriol und sodan das Ganze die Lichter mit Zinober und die Hauptlichter mit Neapelgelb gebrochen. Ferner werden die Drucke mit dunkler Tera die Siena hinein gemalt – und somit ist es in kurzer Zeit geschrieben, was lange Arbeit machte.

Scaramuzi hieß es nun bestia malletta, laß dein Neapelgelb stehen (er rieb gerade solches), nim das Linial und das Krümmesser und schneide alles übrige weg, den jetzt muß Feüerabend gemacht werden. Ich ging nun noch ein Weile spazieren, trank in einer Ostera eine Flasche Falerner und bin nun wieder in meinen Studierzimmer zu schreiben vom geschehenen, weiß selber nit für wen?


Sollte es vorkommen, daß es Flecken in der Malereigibt, oder daß der eine oder andere Schatten oder Lichter vergessen oder auch zu weich geworden – so sieht man zuerst nach, ob die Mauer ausgetrocknet ist. Nun dies geschehen, so thut man frischen Kandiszucker in Wasser auflösen und mahlet damit die Schatten oder Lichter verstärkt, nachdem man die Farbe, an welche aber kein Kalkwasser sein darf, mit Zuckerwasser verbunden hat. An bedeckten Orten geht es so schon an, an das Wetter darf aber diese nicht geschehenden, das wurde vom ersten Regen weg gewaschen.

An das Wetter nimmt man frische Molken oder sogenannte Doba, vermischt die Farbe mit demselben und thut also die Schatten oder Lichter höher oder tiefer, jedes nach Erforderniß. Die Farben müssen aber mit sehr starkem Kalkwasser ganz wässrig zu diesem Zwecke gemacht werden. Auch Risse in alten Freskomalereien kann man auf diese Weise mallen, nachdem man sie vorher mit einem Kitte bestehend aus ½ Theil Kalk gelöschten, und ½ Teil Doba ausgefüllet hat. Dies Weiß noch kein Maler, ich ward der erste, der es unternahm Freskomalereien zu restaurieren.

Auch habe ich es unternohmen alte ganz feuchte Fresken an wechen aus Wasser herabtraüfelte zu trocknen und auf diese Art von dem bestimmten Verderben zu retten. Und dies geschah folgender massen. Das Rezebte hat mir ein großen italienisher Chemikus, mein Freund mitgetheilet. Man läßt ¾ Pfund Seife, am besten Venetianischen Seife, in 10 Pfund Wasser zergehen und laßt das Ganze in einem Hitzrad tüchtig kochend. Thut es sodan noch siedent anwenden, es muß aber unter der Arbeit noch immer siedent bleiben und darf nicht aus der Hitze kommen, daher man es am besten in der Glutpfanne den Haufen mit diese Auflösung stehen läßt. Man nimmt einen Borstpinsel mit langen Haaren und tunket selbigen in die Seifenlösung, nimmt dan ein Stück Blech und schabet damit am Pinsel herunter, damit ein feiner Dunst aus dem Pinsel auf das Bild spritze.

Ist dieses geschehen so thu, und das ganze Bild ist durchaus überall an allen Pläzen von der Auflösung berühret, so laßet man es 24 Stunden trocknen und sodann lößet man in 40 Pfund Wasser ½ Pfund Allaun auf und trägt ihn wie die Seife ebenfalls siedent mittles Pinsel spritzen und schaben auf die Mauer. In Zeit von 3 Monaten ist alles trocken und wir nie wiederum nas. Doch darf man mit dem Pinsel selbst durchaus nicht streichen, den die nasse Freskomalerei wenn selbige gleich schon über hundert Jahr alt ist gleich verwischet, da könnte man ungeheüren Schaden thun und auf so nassen Stellen könnte man mit Pinsel und Farbe nicht mehr ausbessern.

Sind alte Freskobilder ganz verschimmelt und aber sonst wollkommen trocken so läßet man sich in der Apotheken Queksilber Sublimat im Weingeist lösen und spritzet mit dieser Auflösung die Bilder, wie schon oben gelehrt wurde. So wird sich der Schimmel verliehren und nie mehr zurückkehren.

Ich habe auch schon alte Bilder al Fresko gemalt welche man nie lechen schenkte, will den Palast, in dem sie standen, abgebrochen wurde, ganz auf Leinwand übertragen, auch auf einen anderen Kalkfläche könnte man die Bilder tragen. Man leimt auf einen Teil des Freskobildes Leinwand und sucht es mit allem Fleiße und mit allen Instrumenten welche die Liebe und der Fleiß einem Menschen an die Hand geben in einem großen Stückabzusprengen. Dießes wiederholte man so oft, als man das Bild ganz herunter hat, laß sich sodan eine hölzerne Tafel oder eine Mauer mit erhöhten Stand bearbeiten, in welche erste heißes Pech und die Malereien hinein, oder in die zweite die Freskomalereien ordentlich mit Mörtel wieder hineingemauert werden. Die Risse &c. &c. zu zustopfen wurde schon gezeigt.

Gar manches alte, hochherrliche Bild were heute noch die Lußt und die Augenweide der Maler, Künstler und Kenner, wen man es auf diese Art fleißig abzunehmen probiert hätte. Dem Fleiß ist keine Ding zu schwer und ich habe ein großes Bild von Mantegna auf diese Weise abgenommen und würde mich jede Stunde an das große Abendmahl des da Vincius getrauen. Mehr könnte nicht mehr daran geschehen, als was die Zeit schon für Unheil daran angerichtet hat. Und gerade jenes Bild ist ein wunder der Künst und unterliegt früher oder später nach dem Zahne der Zeit.

Der menschliche Fleiß ist so groß das ungeachtet der verschiedenen Gegenstände die er bereits gefunden u. welche wohl gnügsam weren derselbign immer wieder nach neüen Erfindungen strebet darüber öfters sogar älteren u. auch sehr gute vergißt, leider vergießt oft nochmal sei es gesagt Sachen vergißt welche noch werthwoller sind als das jennige welches wie neü erfunden haben. Unsere auch die dauerhafteste Freskomalerei dauert nicht über 400–600 Jahre. Ich könnte mich wenigsten nicht entsinnen, derlei Gemälde gesehen zu haben, jenne des Cimabue und seiner Lehre haben schon so viel verlohren, daß selbe im Verhältniße wohl nicht mehr so lange, als sie bereits gestanden dauern und das Aufsehen und die Bewunderung der Nachwelt auf sich zu ziehen werden. Nunmehr aber ein mehreres zu sprechen, so sind in Aegypten alte Freskomalereien in den Ruinen von Teben und anderwärt die schön und edel und wundervoll erhalten in Kolorit. Diese Bilder, also ungefähr, o staune, menschlicher Geist 5000 Jahre alt, mitter unter der brennender Sonnenhitze der Wüste, und was ist alle die Dauer unserer Bilder gegen diese fabelhafte Angabe.

So schien es wenigstens mir, aber auf meinen Kunststreifen durch die Italienischen Statten hat mir ein Lazaroni eine alte Schrift zum Kaufen gegeben, welche in gedrängter altertümlicher Darstellungsweise eine der Freskomalerei gleichende behandelte, die so dauerhaft sein soll, daß man sogar das Innere der Springburnnen auf diese Art behandeln könne.

Da nun Gott mir die Gnade erwiesen, so studierte ich aufmerksam die ganze Technik und kamm endlich zu der Meinung, daß die Sache wohl ausgeführt werden könnte, namentlich solche Orte, welche seegesalzene Stellen haben, wo beständig eine feuchte Luft Herrscht und wo man auf den heutigen Tag nie dauerhafte Freskomalereien ausführen konnte, da die Seeluft sogar den Ohlgemälden in den Zimmern Schaden bringet, so kam ich, wie gesaget, auf die Meinung, daß sich an sotannen Orten solche Manier des Mallens sehr gut verwenden ließte. Dieser Meinung voll, habe ich selbige Manier auch erproben und ein Hauß in Venedig auf diese Art gemallet; selbiges Haus stehet nun schon 10 Jahre unverändert, währent an anderen Gemälden ein Jahr hinreicht selbigen merklich zu schaden.

Es bestehet aber diese Technick in folgenden: Man thut Kalkbrennen in einem Ziegel oder Kalkofen, laßte ihn aber nun halb brennen. Das heiß wen ein Ziegler den Ofen voll Kalksteinen hate, aus welche er Kalk brenen will, so darf er nur so lange das Feüer brennen lassen, bis es halb gebrannt ist, hernach thut man es ausgehen lassen das Feüer und den Offen kalt werden lassen. Ist dieses nun geschehen, so wird der Ofen neu eingerichtet. Um die Kalksteine lauter Erdkohlen um und um das heißt um die vorher nur halb gebranten Kalksteine wird die Hälfte Erdkohlen gemischt, dan zündet man die Erdkohlen an und laßet selbigen in Gottes und hl. Jungfrau Nahmen brennen solange sie brennen wollen. Ist nun dieses geschehen so nimmt man die ganze Geschichte heraus, wo nun die Kalksteine ausgebrannt mit der Asche der Erdkohlen zu finden ist. Da thuet man nun alles auf eine Mühle und laßt es mahlen bis es wird wie Mehl, sodann mischet man von diesem Mehl an den Kalk anstatt dem Sand und man kann auf diese Art mit diesem Mörtel in das Wasser mauern, so härt wird es, und wen man es zu dem Mahlgrund in Fresko anwendet, so wird es steinhart und die Farben die an und für sich dauerhaft sind, aber mit dem Mörtel wie man ihn sonst gebraucht, bald hin sind, haben mit diesem Eisenmörtel beihnahe ewige Dauer. Freilich kostet es etwas mehr, aber doch sind die Kosten nit so gar bedeutent und man hat auch das auch etwas, wovon man sagen kann: Ich habe gemalet für die Nachwelt, daß selbige stauen und bewundern kann.

Dieses ist eine prächtige Art. Alle Mauermeister sollen ihre Hauser wenigstens 3 Schuh über dem Boden mit diesem Mörtel mauern, den dadurch würden selbige viel größere Dauer erlangen. Den dießer Mörtel ist auch feuerbeständig, ja er hält den Saliterwachs vollkommen ab, alles rechts und links, was mit anderem Mörtel gemalt wurde, ist feücht und naß geworden, jenne Stellen, welche aber mit diesem Mörtel gemacht wurden, sind ewig und beständig.

Ich machte ferneres den versuch und bemalete eine Stelle meines Hofraumes damit und als es ungefähr 14 Tage getrocknet hatte und ich glaubte, es wäre hinlänglich ausgetrocknet, ließ ich ein großes Feüer darunter machen und es bei einem fort in der größen Hitze fortbrennen. Als es nun geschehen, so war das ganze Bild glühend heiß und ganz schwarz von Rauch, nur hir und da schienen die gelben und roten Gewänder wie Feüer und Flammen hindurch und einzelne Köpfe schauten hindurch wie verdammte der Hölle.

Rathet nun, was ich that, mit siedenter Lauge wusch ich das ganze Bild ab und mit Pottasche und siehe alle Gesichter, Gewänder, der Himmel, die Baüme, die Thiere und das Gras, alles kamm wieder herof hervor. Es bestätiget sich hiermit, daß soche Kalkmalerlei eine wahre Wissenschaft ist. Ich hatte eine große Freude über dieße Entdeckung und wollte es anfangs ausposaunen mit vollen Backen. Allein, nein, nein, der denkende arme Maler, der erfährt solche Sachen nicht, es kommt nur wieder den großen Hoffmalern zu gute, welche treffen und laufen, in ihre Art zwar fleißig sind, aber doch, was für ein Fleiß alle Tage zwei Stunden arbeiten und sagen: O du undankbare Nachwelt, wen selbige etwa zu vorlaut in ihrem kritisieren ist.

Da mir alle Bibliotheken offen standen, während meines Wirkungskreißes als Lehrer, so hatte ich öffters Gelegenheit mich mit reichen Erfahrungen zu bereichern. Unter anderen auch kamm ich eines Tages im Vatikan zu Rom zu einer Reihe von Manusripten und draf  hier ein altgriechisches Schreiben an, welches ganz originelle Tatsachen und Gedanken über Malerei enthielt. Unter anderen war eine Beschreibung einer Malerei dabei, welche ich hierhersetzen will, da selbige gar so seltsam ist.

Man könnte diese Malerlei an vielen Pätzen gut gebrauchen an welchen lustige heitere Gegenstände gemalt werden sollten. Ja, sie ist viel schöner als Fresko und lasset bedeütenst mehr Farben zu rothe Lacke, verschiedenen Gelbe, Grüne, alles hat mir bis auf diesen Augenblick gehalten. Große Landschaften sind immer schwerer gewesen a la Fresque auszuführen. Mit diese Mahlereiart da glaube ich, ging es endlich an, es ist das letze, was ich beschreiben kann von meinen Erfindung. Sie nahmen bis jetzt eine schöne Zeit hinweg und doch wie winzig Raum nehmen selbigen auf dem Papier ein.

Das Verfahren ist kurz und einfach dieses:

Die Mauer wir ganz so zubereite wie zu meiner Freskomaler Maniere und wird aber recht rein und schön auf des genauesten geglättet, dan wird der heiße Putz sogleich mit Leinöhl überstrichen. Nach einigen Zeit, wen der Anstrich eingesogen ist, wird es wiederhollt und dieses solange fortgefahren, bis die Mauer kein bisle Öhl mehr schlücket. Alsdann werden mit gewöhnlicher Wasserfarben ohne ihrgendein Bindemittel für Farben, welche mit Wasser gerieben und woran weder Leim moch sonst etwas, und nach einigen Tagen, wan die Mauer trocken ist, werde die Mellereien mit wollenen Lappen abgerieben, worauf die Farbe fest sitzet und Glanz annimmt.

Ich habe es erpropet und, wie gesaget, ganz bewährt gefunden, es müssen aber folgende Punkte ganz genau beobachtet werden folgends:

1. Eine sehr fein geputzte Wand.

2. Sobald das Glätten vorbei ist, defor es auch Zeit zum Trocknen hatte, muß die Wand fleißig mit Öhlgeträncket und dieses bis zur vollkommenen Sättigung fortgesetzt werden. Ist dieses wichtig geschehen, dan kommt erst die Hauptsache, in welcher das Gelingen des Arbeit liegt und welche Sache nur durch Übung und Erfahrung gelehrent werden kann, nehmlich zu bestimmen, wan der richtige Grad der Trockung eingetreten ist, daß man anfangen muß die Farbe abzureiben. Dieses ist mir gesagt ein sehr wichtiger Punkt, ja der wichtigste. Reibt man es zu früh ab und fangt man es an, vor die Farbe trocken ist, so geht die Farbe ab. Läßt man es hingegen zu lange trocknen, so erhält die Mauer nicht mehr den schönen hellen Spiegelglanz, den sie sonst im gehörigen Augenblick erhalten wurde, auch brauchen nicht alle Farben gleiche Zeit zum Trocknen. Z. B. Kobald und die golden Ocker trocken viel schneller, so wie überhaupt alle gelben Farben eher trocken sind als die rothen – daher müssen selbigen früher ald die rothen Farben gerieben werden. Bei richtigen Verfahren erhält man auserordenlich schöne Farben, die einen wunderschönen Spiegelglanz besitzen.

Die herrliche Mallerei kann bei weiteren Benützung und Ausbildung vielfältig gebrauchet werden und bei näher Ehrforschung muß und wird sich noch manches finden lassen. Jetzt nur noch ein zwei Worte.

Die Ohlmalerei is die Basis aller anderen Mahlarten und ihre Technick entwickeln sich alle übrigen am vorteilhaftesten. Sie führt zu einend eigenen gewißen und sicheren Schwung im Farbenauftrage, und ihre freie Ausübung mach die Hand des Künstlers sicher und leicht, tühn und unternehmend. Wer die erste Grundlage in der Freskomalerei gelegt hat und sich längere Zeit schon mit ihr beschäftigte, dem geht Ohlmalen nich gleich währent der Ü, wen er es jetzt erst lernen will, wer aber nachdem er die Ohlmalerei längere Zeit getrieben sich auf das Freskomelen leget, dann geht es leicht, besonders wenn er einen guten Leitfaden in ihrem wegen den Farben oft schwierigen Gängen hat. Dießes Werkchen wern freihlich ein guter Leitfaden für die armen Schelme, allein nein, teures Blatt, Betraute meiner Gedanken, soll, was ich jahrelang geforschet, den gierigen Augen jenner Halunken Preiß gegeben werden [?] O nein, dazu ist es zu gut, sie sollen nur selber forschen und um 50 Fl. Farben zusammen malen, wie es mir im Anfang gegangen.

Ich weiß selber nicht, warum ich dieses Werk geschrieben, allein es war theils inerer Drang, theils auch weil pater Eustach und Benedikt die ehmaligen buon Kammerrado, wohl nicht glauben, daß ich ein Schriftsteller werden könnte, die gleich meinten, weil ich einen Buchstaben so, den andern so Formme, darüber kente, keine Seelenstimmung hervorgebracht werden. O, die arme Tröpfe, wie werde ich selbige auslachen.


Weiter

Große, unbewegliche Wandgemälden haben die Bestimmung auf das Augen und auf das Gemüth des Beschauers einen lichten, heiteren, und lebensvollen Eindruck in dauernder Weise hervorzubringen. Sie sollen das Gemüth erhaben, wiederschlagende Einwrikungen des gewöhnlichen Lebens entfernt halten und einen erheüternden lebensvollen Einfluß üben. Zu diesem Zwecke ist es Bedürfniß die Farben im allgemeinen höher und koloritvoller zu stellen, als sonst notwendig wäre. Dieses kann in großen Wandgemälden im ganzen wohlberechnete Zusammenhangn auch geschehen, ohne daß die Kunst oder das Kunstgefühl verletzt wird. Wen die Farben in zarter und doch kräftiger Abstufung abweichen und dieselbe mit Gefühl wohl gewählt einander entgegenstellt werden, so können und müssen sie sogar bei solchen Gemälden auf das höchste gehalten werden. Ebenso verhält es sich mit Malereien für andere öffentlichen Zwecke.

Jetzt da alles von Fresko, was nur gesagt sein kann, gesagt ist, noch einige Worte über Öhlmalerei. Meine Bilder, welche ich in Ohl malte, werden halten bis die morsche Leinwand von den alten Rahmen fällt. Warum? Aus der einzigen Ursache, weil ich die Leiwe Leinwand nie mit Kleister oder Papp bestreiche, welches nur ein sparsammer Maler aufbrachte, sondern gleich mit dem Ohlgrund komme. Ist der Kleister recht ausgetrocknet, oder wird das Bild naß, so giebt es sich gleich vorne in die Höhe und ruiniert das ganze Bild mit. Ist aber die Farbe gleich auf die Leinwand gemalt so getragen, die Grundfarben Grundkreidte u. reines Bleiweß – den das Hautroth dunkelt nach und machet die Bilder wachsten, so werden die Fädern der Leinwand von dem Öhl recht tüchtig durchdrungen und das ganze hält furchtbar fest. Auch wenn diese Malerei schon weit über 100 Jahr alt ist, so hält sie doch das Rollen aus, welches eine andere nie kann.

Ferner überziehe ich meine Bilder nie mit Eiweiß da werden alle obere Farben zerstört, sondern en die Bilder gleich in voller Schönheit prangen sollen, so überziehe ich sie mit einer Auflösung von 2 Loth Hausenblase in 20 Loth [Wasser]. Dann hatt das Bild gleich einen schönen Glanz, welcher freilich nur 3–4 Monate hält, dann muß man ihn mit Wasser abwaschen und durch Firniß ersetzen. Z. B. Mastix machet die Bilder gut halten.

Bei Dieses wäre von der Dauer der Leinwandbilder, jenne auf Holztafeln biegen und krümmen sich bald von des Holz nicht ungeheuer dick genommen wird. Da thut man gemeinglich starke Leisten hinten herum machten, ach lieber Herr Jesus, die zaümen das Roß beim Schwanz auf. Den 10 mal habe ich schon Bilder auf Holz gesehen, welche durch dieses Verfahren in das Mitte herunter gespalten waren.

Ich hei hingegen wende nur das einfache Verfahren des Johanes de Udine, Raphaels Schüler und Erbe mit Julio Rommano an. Ich trage auf mein Holz den Grund hinten und fornen auf allen 2 Seiten gelichförmig zugeschliffen, und nie ist mir eines krum geworden, nie hat sich eines geworfen. Diese einfache, aber wohl überlegte Art sollte sich jeder Maler zu Nütze machen, damit seine Gemälde nicht noch bei seinen Lebenszeiten so werden, daß er sie nicht mehr erkennt.

O großer Gott!
O große Noth!

Doch wer kan gegen alle Thorheiten der Welt zu Felde ziehen. – Ich nicht, bleibe in meiner Malerstuben liegen, treuer Zeüge meiner Gedanken bis vielleicht eine unbescheiden Hand ergreifet die Gedanken

                                                                                                                      des

                                                                                                                      Ma. Knlr.


Editions

Ludwig Reisberger (ed.), Eine Lanze für die Freskomalerei mit einer Anleitung zur Freskomalerei nach dem Manuskripte Martin Knollers (1768). Die Gedanken eines Erfahrenen auf dem schweren Wege der Wissenschaft à la fresque zu malen (= Technische Flugblätter der Deutschen Malerzeitung Die Mappe 1, Separatabdruck aus Mappe, Fachzeitschrift für Dekorationsmalerei), München [s. d.]; Joseph Popp, Martin Knoller. Zur Erinnerung an den hundertsten Todestag des Meisters (1725–1804). Ein Beitrag zur Kunstgeschichte des 18. Jahrhunderts, Zeitschrift des Ferdinandeums für Tirol und Vorarlberg 3, 1904, pp. 1–139 (120–122) (excerpts); Joseph Popp, Martin Knoller. Zur Erinnerung an den hundertsten Todestag des Meisters (1725–1804). Ein Beitrag zur Kunstgeschichte des 18. Jahrhunderts, Innsbruck 1905, pp. 120–122 (excerpts); Ernst Berger, Martin Knollers Anleitung zur Freskomalerei, Münchner kunsttechnische Blätter 2, 1905–1906, pp. 3–4, 11–12, 63–64, 66–68, 71–72; Ernst Berger, Fresko- und Sgraffito-Technik nach älteren und neueren Quellen (= Beiträge zur Entwicklungs-Geschichte der Maltechnik V), München 1909, pp. 92–97 (excerpts); Ludwig Reisberger (ed.), Eine Lanze für die Freskomalerei mit einer Anleitung zur Freskomalerei nach dem Manuskripte Martin Knollers (1768). Die Gedanken eines Erfahrenen auf dem schweren Wege der Wissenschaft à la fresque zu malen (= Technische Flugblätter der Deutschen Malerzeitung Die Mappe 1, Separatabdruck aus Mappe, Fachzeitschrift für Dekorationsmalerei), München 1914; Paolo Mora – Laura Mora – Paul Philippot, Conservation of Wall Paintings, London 1984, pp. 399–408 (excerpts).


Notes
  1. Cf. Stephan Kellner, Die neuzeitlichen Handschriften der Universitätsbibliothek Eichstätt II, Wiesbaden 2002, pp. 198–199. ↩︎