Ludovici 1755/IV
Carl Günther Ludovici, Eröffnete Akademie der Kaufleute: oder vollständiges Kaufmanns-Lexicon, woraus sämmtliche Handlungen oder Gewerbe, mit allen ihren Vortheilen, und der Art, sie zu treiben, erlernet werden können… IV (N–S), Leipzig [Bernhard Christoph Breitkopf] 1755.
col. 90–91
Neapolitanisch Gelb
Neapolitanisch Gelb, oder gelbe neapolitanische Erde, franz. Jaune de Neaples, ist eine heutiges Tages sehr berühmte gelbe Farbe, deren sich die Maler, sowohl diejenigen, die in Wasserfarben, als die, so in Oelfarben malen, sehr stark zu bedienen pflegen, um ihre schönste gelbe und glänzende Arbeit, sonderlich in Miniatur, daraus zu machen. Sie wird für eine gelbe Erde ausgeben, und hat ihren Namen daher, weil sie aus Neapel gebracht wird. Eigentlich kömmt sie aus den Mündugnen und Rauchlöchern des Berges Vesuvius, wenn dieser Berg geschmolzene Steine und andere entzündete Materien unter den Wirbeln von Feuer und Asche auspeyet. Doch glauben einige, es sey das neapolitanische Gelb nichts anders, als ein geschmolzener und wieder zusammen gebackener Schwefel, weil es nicht allein die Farbe davon hat, sondern auch nur unter dem Schwefel selber gefungen wird. Pott in seinen chymischen Untersuchungen hält es für ein gekünsteltes Product. Man muß aber nur dajenige von diesem neapolitanischen Gelben erwählen, welches recht trocken ist, sich leicht zerreiben läßt, und eine so hohe Farbe hat, als es nur seyn kann.
col. 247–250
Ocher, oder Ocker, und Ogger
Ocher, oder Ocker, und Ogger, lat. Ochra, franz. Ochre, oder Ocre, nennet man überhaupt eine mit Metall vermischte Farbenerde, oder alle von Natur gefärbte metallische Erden, oder Sinter und ausgetrocknete Guhren, welche entstehen, wenn ein Metall oder Halbmetall, welches das, wodurch es aufgelöset wird, in seiner Natur hat (das ist welches entweder vom Wasser, oder durch einen gelinden Schwefeldunst aufgelöset wird) aus diesem Auslösungsmittel zu Boden fällt. Alle Metalle und Halbmetalle, welche natürliche Vitriole geben, haben daher ihren Ocher, die andern aber nicht: und so viele natürliche Vitriole es giebt; so viele veränderliche Ocher giebt es auch. Da nun, so viel man bisher weiß, keine andere Metalle und Halbmetalle, als Eisen, Kupfer und Zink, natürliche Vitriole geben; so folget, daß wir, so viel man noch zur Zeit weiß, auch keine andere Gattungen von Ocher hat, als aus diesen Metallen. Einige von diesen Ochern verändern den Namen Ocher in einen andern, dahingegen andere diesen Namen behalten: also wird 1) der Zinkocher, Galmeyerde genennet, siehe Galmey. 2) Der Kupferocher wird, wenn er von grüner Farbe ist, Berggrün, und wenn er blau assieht, Berblau gennenet, siehe diese Wörter, imgleichen den Artikel Kupfer. 3) Der Eisenocher allein behalt mehrentheils den Namen des Ochers, und dieser wird unter dem Worte Ocher insbesondere verstanden. Die (a) Gestalt des Eisenochers ist sehr verschieden: man findet ihn nämlich bald von ganz blatzender, bald dunkelgelber, bald rother, und bald ganz dunkelbrauner Farbe, so daß er von dem hellesten Lichtgelb, bis zur tiefen dunkelbraunen Rörthe aufstiegt; wie denn auch derjenige, der nicht von Natur roth ist, im Feure allemal roth wird. Seiner Consistenz nach, ist er manchmal ganz zart anzufühlen, und pulverartig, manchmal brüchig oder rindenartig, und besteht aus über einander liegenden Schalen, und manchmal ganz derb oder compact und steinartig. Nach dieser Verschiedenheit seiner Farben und Consistenz erhält er verschiedene (b) Benennungen. Enn ist er von gelber Farbe, er mag im übrigen locker oder hart seyn, so heißt er gelber Ocher, Ochergelb, Berggelb, gelbe Erde, oder auch, von seinem unten zu bestimmenden Gebrauche, Kollerfarbe, und, wenn er ganz safrangelb ist, wie er zuweilen in Steinen gefunden wird, Steinmergel, oder Seeschaum. Gewisser maßen gehöret auch der Trippel mit unter die Arten des gelben Ocher, siehe Trippel. Hat der Ocher eine braune Frbe, so wird er brauner Ocher genennet. Ist seine Farbe halb roth, so heißt er rother Ocher, und war insbesondere, wenn sein Cosistenz pulverartig ist, Bräune; wenn aber solche nur tewas lose und körnicht wie Pulver ist, brauner Eisenmulm. Ist er hart, zähe, dunkelroth, mit Thon vermischt, fett anzufühlen und zum Schreiben dienlich, so wird er Röthelkreide, oder Rothsetein genannt. Man (c) findet aber den Ocher nicht nur um und bey den Metallen; sondern auch wohl in eigenen großen Adern; dergleichen bey den eisenhaften Sauerbrunnen; ferner bey den Stollenmundlöchern, in versteinerten Holze; als Leimen, in den sogenanten Adlersteinen, desgleichen in verschiedenen gefärbten Sanden, aus denen er durch Auschlemmen abgesondert werden kann, etc. Wo man ihn in Menge finde, wie z. E. in vielen deutsche Bergwerken, als bey Nürnberg, und in dem meißnischen Obererzgebirge, etc. geschieht; da wird er gesammlet, in Tonnen eingeschlagen, und zum Verkauf an die damit handelnden Materialisten und Droguisten versendet. In Frankereich, vornehmlich in dem Herzogthume Berry, wo ganze Ochergruben befindlich sind, hat man dessen auch genug, der viel schöner ist, als der in Deutschland; daher der französiche Ocher auch viel theurer ist, als der deutsche. Man bringt ihn in großen Tonnen heraus. Aus England kömmt auch viel Ocher von verschiedenen Farben, als gelber, englisch Ochergelb genannt; und brauner, welcher unger dem Namen Baunroth verkauft wird, etc. Es sind aber alle diese Gattungen von englischem Ocher bey weitem nicht so gut, als die französischen, und können zu gewissen Arbeiten nicht anders, als mit der Hälfte französischem Ocher vermischt, gebraucht werden. Aus Neapel wird das neapolitanische Gelb gebracht, von dem ein eigener Artikel handelt. Derjenige Ocher wird für den (d) besten gehalten, welcher trocken und zart ist, sich leichtlich zerreiben läßt, und eine sehr hohe Farbe, ohne vielen Sand hat. Man (e) gebraucht den Ocher zu vilerley Schachen: die Maler bedienen sich dessen zu uhren gelben, braunen und rothe Oel- Leim- und Wasser-Farben; wozu ihn auch die Mäurer gebrauchen, um die Gebäude sowohl äußerlich als innerlich damit anzustreichen. Die Beutler, Handschuhmacher, imgleichen diejenigen Leute, so allerhand Lederwerk waschen, und unter solchen insonderheit die Soldaten, bedienen sich des gelben Ochers, um ihre Handschuhe, Hosen, Patrontaschen und Carabinerriemen, und Koller, etc. damit gelb zu farben; daher den auch der gelbe Ocher die schon oben angeführte Benennung der Kollerfarbe erhält. Er wird ferner gebraucht, um die Spiegelgläser, Zinn, Messing, Stahl und Eisen damit zu putzen, wozu sonderlich das englische Braunroth allein stark gebraucht wird. Die Apotheker und Mundärzte nehmen ihn, wegen seiner zusammenziehenden Kraft, unter etliche Pflaster. Endlich kann auch aller Ocher mit einem brennlichen Wesen, wo nicht vorher einige andere dazu untaugliche Erdart darunter gemischt ist, ganz und gar ein Eisen reduciret werden, und giebt nach diesem ein rothbrüchiges Eisen. Uebrigens geben einige (f) das Bleygelb, so aus Bley oder Reißbley durch Brennen gemacht wird, bis er eine gelbe Farbe bekömmt, auch für einen Ocher aus; welchen Namen es aber so wenig verdienet, als andere Ocher aus Silber, Zinn, etc. deren einige gedenken.
