Prange 1782a

Christian Friedrich Prange, Farbenlexicon, worinn die möglichsten Farben der Natur nicht nur nach ihren Eigenschaften, Benennungen, Verhältnissen und Zusammensetzungen sondern auch durch die wirkliche Ausmahlung enthalten sind. Zum Gebrauch für Naturforscher, Mahler, Fabrikanten, Künstler und übrigen Handwerker, welche mit Farben umgehen, Halle [Johann Christian Hendel] 1782.


Christian Friedrich Prange (1752–1836) was a German philosopher, lawyer, and theorist and historian of art. He studied at the University of Halle, where he composed a three-part project for an Academy of Fine Arts. He later served there as an associate professor of philosophy and drawing and also lectured on the history of art and architecture. In 1791, he founded the Royal Provincial School of Art in Halle and was later named an honorary member of the Prussian Academy of Arts in Berlin. Prange’s Farblexicon (1782) represents an ambitious attempt to compile a comprehensive explanatory catalogue and color chart of pigments.


pp. 3–5

Erster Abschnitt.

Von den Farben überhaupt.


Erstes Kapitel.

Erklärung und Eintheilung der Farben in Haupt- und Nebenfarben.

Der allgemein angenommene Begriff von dem Wort Farbe, bedeutet, diejenige Eigenschaft eines Körpers, vermöge welcher er dieses oder jenes Licht zurückwirft. Man nimmt nämlich in der Naturlehre sieben Hauptfarben an, die durch die verschiedene Strahlenbrechung entstehen, und diese sind Roth, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indig, Violet, deren jede ihre Nüanzen hat. Aus der Vereinigung dieser sieben Hauptfarben in gleicher Stärke entstehet das Weisse, und aus ihrer Abwesenheit das Schwarze. Mittel oder Nebenfarben nennt man nun diejenigen, welche aus der Verbindung und Vermischung dieser jetzt angezeigten Hauptfarben entspringen. Uebrigens lasse ich mich nicht tiefer in dieses Lehrgebäude des Newtons ein. Ich mag mich nicht in Streit einlassen: ob nämlich die Farben wirklich in den gefärbten Gegenständen ohne Zuthuung des Lichts sind, oder ob sie von den Vibrationen und Brechungen der Lichtstrahlen wirklich entstehen? Ob das bloße Brechen sie verursacht, oder ob die Wirkung des Lichts das Organ auf diese, oder jene Weise in Bewegung setzt? Ob die Farben durch die Mischung wirklich verändert werden, oder ob es nur so scheint, und die Sinne betrogen werden? Diese Fragen sind alle sehr wichtig; ich zweifle aber, ob der Naturkundige, diese, so wie viele andere Schwürigkeiten in der Natur, jemals vollkommen auflösen wird. Man studiere daher so die Natur, wie sie ist, und suche sie nachzuahmen, ohne gewisse Hypothesen, welche nur scheinbar sind, für Glaubensartickel zu halten. Es ist genug, wenn wir wissen, daß der Fleiß der Menschen im Schooße der Erden gefärbte Materialien findet, die entweder vor sich allein, oder gemischt jene himmlischen Farben darstellen.

Wenn wir aber die Farbenmaterialien, oder die gefärbten Körper auf unserer Erde untersuchen, so zeigt uns die Natur hier eigentlich nur sechs Hauptfarben: Braun, Roth, Blau, Gelb, Schwarz und Weiß, und es findet sich hierin ein Widerspruch mit dem System des Newtons; denn Grün, Violet, und Orange entstehen aus der Mischung. Hier ist das Braune eine Hauptfarbe, bey jenem eine aus Mischungen entstehende Nebenfarbe. In der Lehre von den Lichtstrahlen giebt es kein Schwarz, es entsteht nur aus dem Mangel der übrigen Farben, wenn man anders sagen kann, daß etwas entsteht, was wirklich nicht da ist; hingegen hat der menschliche Fleiß es aus mancherley Materien zusammenzusetzen gelernt. Bey der weissen Farbe findet sich der größte Widerspruch. Nach dem Newton ist das Weiß eine Vermischung von den sieben Hauptfarben, es entspringt aus ihrer Vereinigung, und eine jede der Hauptfarben besteht allein, ohne es hervorzubringen. Das Weisse, als eine Materialwaare betrachtet, bestehet hingegen allein für sich; ja es ist so zu sagen der Grund aller übrigen, weil man es mit den Hauptfarben vermischt, und weil es mit den Nebenfarben eine unendliche Menge von Tinten hervorbringt. Eine jede Farbe kann zwar ohne Mischung mit Weiß bestehen; aber die Materialien, welche die Farben geben, sind, wie wir in der Folge sehen werden, einige Arten von Ocher ausgenommen, zu leicht, wenn man ihnen nicht durch Beymischung des Weissen eine mehrere Consistenz giebt; sie bedecken das, was man anstreichen will, nicht genug.

Ich nehme also für mein System eigentlich sechs Hauptfarben an, nemlich Braun, Roth, Blau, Gelb, Schwarz und Weiß. Es könnte zwar das Braun füglich als eine Nebenfarbe angesehen werden, weil man solche aus der Vermischung mit schwarz und roth erhält, indessen ist es doch nicht wohl möglich die verschiedenen Grade der braunen Farben, durch die Mischung mit Schwarz und Roth genau hervorzubringen. Auch das Grün wird von einigen Künstlern als Hauptfarbe angesehen; indessen findet man doch in der Natur kein Farbenmaterial, aus welchen die unzähligen Abwechselungen des Grünen entstünden, sondern man muß zu diesem Endzwecke allemal das Gelb und Blau miteinander vereinigen. Ob nun gleich die Meinungen in Absicht der Zahl der Grundfarben getheilt sind, so kommen doch die mehresten darinn überein, daß man nicht weniger als fünfe, und nicht mehr als achte annehmen könne. Herr le Blond und Lambert, thun hierinn zu wenig, wenn sie nur drey Hauptfarben, nemlich Roth, Gelb und Blau annehmen. Es ist zwar möglich, aus diesen Farben eine große Anzahl von Tinten, und selbst eine Art von Schwarz hervorzubringen; allein er muß demohngeachtet sich der weissen Farbe des Papiers zum Grunde bedienen, um die Farben verlierend zu machen, und überdem kann man sich leicht vorstellen, daß daraus ein mattes und gequältes Kolorit entstehen muß, welches kaum zur Erleuchtung der Kupferstiche tauglich ist. Um aber alle diese verschiedenen Hauptfarben nach ihren wesentlichen Eigenschaften erst kennen zu lernen, so ist es nöthig von jeder insbesondere zu handeln.


pp. 5–6

Zweites Kapitel.

Von den schwarzen Körpern, welche als Farbenmaterialien angewendet werden.


I.

Von der schwarzen Kreide oder Ocher und Steinkohlen.

Unter den verschiedenen Substanzen, welche von Natur mit einer tiefen und dauerhaften schwarzen Farbe versehen sind, giebt es nur sehr wenige, welche sich die Kunst zu Nutze machen kann, um diese Farbe andern Körpern mitzutheilen. Die einzigen natürlich schwarzen Körper, welche als Farbenmaterialien angewendet werden, sind die schwarze Kreide oder schwarzer Ocher, und die Steinfohlen. Man bedient sich der erstern vornemlich zum Zeichnen, und trockne Farben daraus zu machen, er ist auch der schwarze Stein der Tischler &c.

Die Farbe dieses schwärzen Ochers wird aus der Erde gegraben, und siehet dem gewöhnlichen Reißbley ähnlich, ist aber viel schwärzer. Zu welcher Art der Mineralien es gerechnet werden müsse, ist schwer zu bestimmen. Es ist kein eigentliches Metall, weil es sich nicht schlagen noch schmelzen läßt; man kann es auch nicht unter die Steine zählen, weil es so wenig Festigkeit hat; es bleibt daher nichts übrig, als daß man ihm einen Platz bey den verschiedenen Erdarten anweiset, die sich in sauren Liquoren weder auflösen lassen, noch ihre Farbe verändern. Man kann daher mit einigen neuern Schriftstellern sagen: daß es eine Art einer festen Erde sey, in ihrem Gewebe etwas blättricht, gleich dem Schiefer; überhaupt er weiset sich dieselbe als eine Erde, von ganz anderer Natur, als die gemeine Kreide, und scheinet vielmehr unter das Geschlecht der pechartigen Schiefer zu gehören. In dem Feuer brennt sie sich weiß, mit einer beygemischten schwächen Röthe, und wird zugleich sehr mürbe. Sie läßt sich leicht in ein unfühlbares sanftes Pulver zermalmen, ohne eine merkliche Verminderung ihrer Schwärze. In diesen Zustande vermengt sie sich mit Oel ganz leicht in einen finden Teig, und wenn man sie durch Umrühren im Wasser vertheilet, setzt sie sich langsam zu Boden, in Form eines schwarzen zähen Schlamms. Alles dieses sind Eigenschaften, welche dieselbe zum Gebrauch für den Mahler sowol in Oel als Wasserfarben sehr bequem machen. Ganze Massen davon in Wasser gelegt, werden ebenfalls nach und nach von denselben durchdrungen und zertrennt.

Die Steinkohlen oder schwarze Erde, ist eine Art von Kohlen, die man ebenfalls aus dem Schooße der Erde gräbt, und welche hauptsächlich zur Freskomahlerey gebraucht werden. Die aschgraue Farbe der Gebäude, welche in unsern Tagen den Geschmack ausmacht, ist davon hergenommen. Alle übrigen nun folgende schwarze Farben, als Farbenmaterialien betrachtet, entstehen durch die Kunst.


pp. 6–8

II.

Von dem Schwarzen, das vermittelst des Feuers bereitet wird.

Die Kohle und der Ruß sind die zwey dauerhaftesten und brauchbarsten schwarzen Farben für den Künstler, welche durch das Verbrennen einiger Substanzen aus dem Thier und Pflanzenreiche hervorgebracht werden. Die Kohle ist besonders von ungemeiner Dauerhaftigkeit, und widerstehet der Gewalt der Zeit und allen bekannten Zerstöhrungsmitteln der Natur; nur allein das offne Feuer ausgenommen, durch welches dieselbe zu einer weissen Asche verbrannt wird Ausser diesem Werth ihrer Beständigkeit, haben sie auch den Vorzug einer vollkommnen Farbe, und sind unter allen Formen, unter welchen gepulverte Anstrichfarben angewendet werden, leicht zu verarbeiten; wenn sie nur vermittelst eines gänzlichen Durchbrennens in verschlossenen Gefässen, und hernach durch das Zerreiben der erhaltenen Kohle zu einem Pulver von gehöriger Feinheit, eine sorgfältige Zubereitung bekommen haben.

Einige Künstler machen in Ansehung der schwarzen Farbe von Kohlen, einen Unterschied, und geben gemeiniglich besondern Gattungen von Holz, wie zum Beispiel der Weinrebe und Pfirsichkernen, vor andern den Vorzug. Im Grunde unterscheiden sich auch diese angezeigten Kohlen von den übrigen, welche von Kirschen- Apfel- Birn- Pflaumen- Feigenbaum, der Birke, Eiche, dem Holderbaum, der Erle, dem Epheu, der Schlehe, dem Haselnußbaum, der Fichte und Tanne gebrannt werden, besonders dadurch, daß ihre Farbe hauptsächlich bey der Vermischung mehr auf das Blaue spielt, und eine wahrhaftig schwarze und schönere Farbe hat. In den Farbenläden wird auch eine gewisse Zubereitung, unter dem Namen von Blauschwarz verkauft, welches nichts anders als die Kohle von Pfirsichkernen ist. Die Härte der Kohlen stehet allezeit mit der von dem Subject, wovon sie bereitet worden, in Verhältniß. So sind die Kohlen von den härtern Hölzern z. B. Buchs- und Franzosenholz, um ein gar merkliches härter, als die von weichen Holz; die Schalen und Steine der Früchte geben noch weit härtere Kohlen; da indessen die Kohlen der Kerne und Früchte ganz weich und mürbe sind. Man macht auch eine schöne schwarze Farbe von gebrannten Korkholz, und diese nennt man Spanischschwarz.

Das Deutsche oder Frankfurterschwarz wird von Obstkernen und Weinhefen gebrannt. Diese geben eine sehr sanfte und weiche Kohle, welche zwischen den Fingern leicht in feines Mehl zusammengehet. Daß die Frankfurterschwärze nichts anders als eine Pflanzenkohle sey, erhellet daraus; daß selbige so wie gepülverte Holzkohle auf einem rothwarmen Eisen zu weißer Asche verbrennt, und von den Vitriolsäuren in einen bitterschmeckenden Liquor aufgelöset wird; da hingegen die Asche von Substanzen aus dem Thierreiche von diesen Säuren nur wenig angegriffen wird. Man bekommt diese Art Schwarz von Frankfurt und von Straßburg, in Klumpen oder in Pulver. Man muß dasjenige vorzüglich wählen, das ein wenig feucht ist, wenn es nur nicht naß gemacht worden. Es muß schön schwarz, glänzend und weich seyn, und sich leicht zerreiben lassen: das beste ist dasjenige, welches am wenigsten sandig ist.

Horn und Bein sowol von Fischen als landthieren, geben Kohlen, welche glänzender und dunkler gefärbt sind, als die Pflanzenkohlen. Uebrigens sind sie härter, und taugen wenig oder gar nichts Papier damit zu schwärzen. Diese Härte hängt hier gleichfalls von der ersten Materie ab. Einige dieser Kohlen sind in dem Grade der Farbe von andern sehr merklich unterschieden: die von Elfenbein bereitete übertrift die andern alle, und ist ohne Zweifel die feinste unter allen von Kohlen bereiteten Farben. Es giebt in der That keine schwarze Mahlerfarben, welche an Schönheit dem Elfenbeinschwarz gleichkommen, wenn es wohl bereitet ist; aber in der Auswahl desselben ist einige Vorsicht nöthig, da das, welches gemeiniglich unter diesem Namen verkauft wird, anders nichts ist, als die Kohle von gemeinen Beinen der Ochsen und Schaafe. Indessen scheinen die Schattirungen und Tinten von denen Kohlen aus dem Thierreiche mehr ins Braune als Blaue zu fallen.

Man bedient sich zum öftern auch des Hirschhorn-Schwarzes, welches nichts anders ist, als dasjenige, was in der Retorte zurückbleibt, wenn man das Oel und den flüchtigen Geist von dem Hirschhorn abgezogen hat. Es ist fast eben so gut in der Mahlerey als das Elfenbeinschwarz.


pp. 8–9

III.

Schwarze Farben von Ruß bereitet.

Die schwarzen Farben von dieser Art sind gemeiniglich viel weicher und von gelinderm Gewebe, als die von den Kohlen hergenommene, und brauchen nicht so viel Reibens, um sie mit ölichten, wäßrigen oder geistigen Flüßigkeiten in eine gleichförmige Masse zu vereinigen.

Die feinste Sorte unter den schwarzen Farben, die aus dem Ruß bestehen, und beynahe die einzige, deren man sich zum Schwarzmahlen bedient, ist das sogenannte Lampenschwarz oder der Kühnruß. Wie dieses lampenschwarz verfertiget werde, ist in den Transactions philos. auf das Jahr 1754 als eine solche Arbeit beschrieben, die von derjenigen abhängt, durch welche man das gewöhnliche Pech erhält. Der unreine harzige Saft, welcher von denen an Tannen und Fichten gemachten Einschnitten gesammelt wird, wird mit ein wenig Wasser ausgekocht, und weil er noch warm ist, durch einen Sack gerungen. Die Unreinigkeiten und Stücke von Rinden, welche in dem Sacke zurückbleiben, werden in einem niedrigen Ofen verbrannt, aus welchem der Rauch vermittelst einer langen Röhre in ein viereckigtes Zimmer geleitet wird, welches oben an der Decke eine Oefnung hat, an welcher ein von schlechten oder dünngewebten wollen Zeuge gemachter großer Sack befestigt ist. Der Rauch oder Ruß sammelt sich theils in der Kammer, wo man ihn alle zwey oder drey Tage mit einem Besen von den Wänden abkehret, theils in dem Sack, auf welchen man zuweilen sachte mit einem Stock klopfet, sowol in der Absicht den Ruß herunter fallen zu machen, als um die Zwischenräume der Fäden des Sacks zu reinigen, um vermittelst derselben einen hinlänglichen Durchzug der Luft zu unterhalten.

Auf diese Weise wird dieses Schwarz, welches man unter dem Namen Lampen- oder Rußschwarz verkauft, verfertigt. Am meisten und häufigsten gebrauchen solches die Buchdrucker zu ihrer schwarzen Farbe, indem sie vorher gutes Leinöl so stark als es zu ihrem Gebrauch nöthig ist, kochen, und es nachher mit diesem Kühnruß vermengen. Nicht undienlich jedoch kostbar würde hiezu Nuß- oder Terpentinöl seyn, welches auch die Kupferdrucker gut gebrauchen könnten. Die Künstler aber, welche zu ihrem Gebrauch ein recht reines Lampenschwarz haben wollen, machen sich solches lieber selbst, indem sie eine Art eines Kupfernen Tellers über einer brennenden Lampe aufhängen, damit sich der Rauch daran anlegen könne. Daher kommt es vermuthlich, daß das vorhin beschriebene Schwarz, welches man in den Kaufläden verkauft, auch diesen Namen bekommen und Lampenschwarz genennet worden.

Aus dem sogenannten Glanzruß wird die braune Farbe bereitet, die man Rußbraun (bistre) nennet, zum Mahlen in Wasserfarben.


pp. 17–19

Viertes Kapitel.

Von den blauen Körpern, welche als Farbenmaterialien angewendet werden.


I.

Schmalte, Schmelz, blaue Stärke, Schmelzgläser, Schmelzblau, Bleu d’email, Smalte, Azur.

Es ist dieses ein aus Kobald oder Kobaldärze verfertigtes Blau, das man erstlich durch vieles Rösten vom Arsenik befreyet, hernach zu feinen Pulver stößt, und dann mit drey oder viermal so viel gleichfalls pulverisirten glasartigen Sande oder reinen Kiesel und eben so viel Potasche vermischet, in irdenen Geschirren zu einem Glase schmelzet, welches man ferner, nachdem man es aus den im Wasser abgekühlten und alsdenn entzweygeschlagen Krügen genommen hat, fein zerstößt, oder auf einer Farbenmühle mahlet, im Wasser durch vieles Herumtreiben von den Erdtheilen, die sich bald auf den Boden setzen, reiniget, endlich wieder trocknet, und in Tonnen zum Verschicken packet. Es wird diese Farbe fast nur in Sachsen bereitet, und zwar die meiste bey Schneeberg, und wird nach Italien, Holland und England verschickt; von da kommt sie nach Portugal und andern Orten mehr, woselbst sie zu dem Porcellangeschirre genommen wird; auch kommt sie nach Hanau, Nürnberg und andern Örten, wo man nur mit dem weissen glassurten Geschirre umzugehen weiß. Die beste muß recht schönblau, trocken und zart seyn. Es giebt vornehmlich zwo Arten derselben, eine hoch und vollfärbige, und eine bleiche, die man gewaschene oder geschlemmte Schmalte nennt. Beyde sind dauerhaft, auch sogar in der freyen Luft und im Feuer. Die gemeine oder vollfärbigte gibt manchmal an Schönheit auch dem Ultramarin nichts nach.

Die verschiedenen Arten der Schmalte entstehen also durch ein wiederholtes Schlemmen in Wasser in feinern und gröbern Sorten. Die letztern, welche an Farbe immer stärker sind, kommen von dem, was sich zuerst zum Boden gesezt, jene aber von dem, was länger vermischet in dem Wasser schwimmet, und dann mit diesem zum zweyten oder drittenmal abgegossen, und in ein anderes Gefäß übertragen werden kann. Daher ist diejenige Farbe, welche man sonst in Frankreich den gemeinen oder den holländischen Ultramarin (L’outremer commun, ou l’outremer d’ Hollande) nennt, nichts anders als die bleiche oder geschwaschene Schmalte.

Die Chursächsische blaue Farbe wird für die schönste und feinste gehalten. Sie kommt bey Schneeberg in Meissen her. Die dasige Blaufarbenmanufaktur dependirt sonderlich mit ihren Gebäuden, Waaren, Rechten, Bedienten und Arbeitern, von einer Societät, darinnen die Intressenten mit einander in Compagnie die Kobaldzechen in dasigen Bergwerken bauen, auf ihren Farbenmühlen, die blaue Farbe daraus verfertigen lassen, und den daran gewonnenen Profit, nach Proportion ihrer daran habenden Antheile, unter sich theilen. Solches Werk genießt in Sachsen des Bergrechts, steht unter der Jurisdiction des Schneebergschen Bergamts, und wird gleich andern Zechen, in 128 Kure eingetheilt, daher die Contrahenten auch Gewerke genennet werden. Dieser Werke sind in gedachter Gegend vier, nemlich 1) bey der Stadt Schneeberg; 2) das Schindlerische an der Mulde, eine Meile von Schneeberg; 3) das Pfannenstielische, auch unweit Schneeberg; und 4) das Zschopenthaler bei dem Städchen Tschopa oder Zschopau, 4 Meilen von Schneeberg, welche drey letztere gewissen Privatpersonen zugehören. Wenn die Farbe aus den Kobalden auf den gedachten Mühlen bereitet worden, wird sie in Fässer, davon die größten 33/8, die darauf folgenden 1, und die kleinsten Centner Berggewicht, den Centner zu 112 Pfund gerechnet, halten, eingepackt. Solche Fäßchen werden sodann wohl zugeschlagen, mit guten Reifen verbunden, sorgfältig mit Zwecken und Nägeln beschlagen, und oben an dem Auflageboden theils mit dem sächsischen Generalbrandzeichen, theils unter diesem mit den Generalbrandbuchstaben um die Feine und Sorte anzuzeigen, bezeichnet, alsdenn verladen, und theils nach Schneeberg, theils nach Leipzig auf das Lager geliefert, von da aber in großer Menge nach Holland, England, durch ganz Deutschland, und auch sogar nach China verführet.

Man findet auch ein Blaufarbenwerk zu St. Andreasberg im Oberharz, welches daselbst im Jahr 1728 unter der Silberhütte angelegt worden. Auch sollen sich dergleichen zu Schauberg bey Coburg, zu Ludwigsstadt bey Gräfenthal, in Sitzendorf, in Sophien-Auge, ingleichen zu Besnitz, Commothau und Joachimsthal in Böhmen befinden.

Ausser dem Kobald kann die blaue Schmalte auch aus dem Wißmutherzte, oder vielmehr aus dessen Speise oder Todtenkopfe verfertigt werden, welcher zurückbleibt, nachdem der leichtflüßige Wißmuth herausgeschmolzen worden. Ja, wenn das Wißmuthärz nicht mit fremden Berg und Steinarten vermischt ist, so fält die daraus zubereitete Schmalte viel feiner und schöner aus, als aus dem besten Kobald.


pp. 19–21

II.

Der Lasurstein (Lapis Lazuli, des Plinius Saphirus. S. Nat. hist. 1. 37. c. 9.) und der daraus verfertigte Ultramarin.

Der Lasurstein ist ein undurchsichtiger, schwerer, blauer Stein, von der Farbe der Kornblume, mit wildem Gesteine vermischt, hin und wieder mit goldnen und weißkießlichten Adern und Punkten von verschiedner Größe und Gestalt versehen. Dieser Stein ist nach der Meinung einiger Schriftsteller eine Kupferstufe, die eine durchsichtige Materie zum Grunde hat, welche von dieser glänzenden blauen Farbe, die das Kupfer allen alkalischen Flüßigkeiten mittheilet, gefärbt worden. Dieses ist wenigstens die gemeine Meinung. Andere haben im Gegentheil gezeigt, daß diese Grundlage nichts anders als das Eisen sey. Er ist sehr hart und fest, und nimmt eine sehr schöne Politur an, daher man auch verschiedene Arten von Schmuck daraus verfertiget. Er wird aus der Erde in Stücken von verschiedner Größe gegraben. Einige darunter sind so groß als eine Faust, und einige wägen wohl vier bis fünf Pfund. Er hat niemals eine Rinde von einer fremden Materie, und siehet einem Steine gleich, der, nachdem er sauber abgewaschen und von seiner Haut befreyet worden, nur gleichsam von ohngefähr eine runde Figur erhalten hat. Man findet ihn in beyden Indien und Persien. Der, welcher am meisten geschätzet wird, kömmt vornehmlich aus der bucharischen Kalmuckey. Ein anderer wird zuweilen auch in Deutschland und in Böhmen gefunden. Jener heißt daher auch der Morgenländische, und ist unendlich schöner und theurer, als der Deutsche und Böhmische, wiewol dieser letztere oft anstatt jenes verkauft zu werden pflegt. Man muß sich daher wohl in Acht nehmen, und ehe man vieles kauft, vorher eine kleine Probe davon machen, wenn man nicht gern betrogen seyn will. Der europäische Lasurstein calcinirt sich viel leichter, und nimmt dabey eine ins grüne schielende Farbe an; der asiatische oder afrikanische lasurstein aber behält bey der Calcination seine schöne blaue Farbe, die ihm natürlich eigen ist, und verliert solche niemals. Er wird vornehmlich gebraucht, um das Ultramarin daraus zu verfertigen.

Die Ultramarinfarbe, welche in Ansehung ihrer dauerhaften Schönheit insgemein der Vorzug nicht nur vor den übrigen blauen, sondern auch vor allen andern Farbenstoffen gegeben wird, ist in unsern Materialbuden eine Seltenheit. Der Name Ultramarin kömmt entweder von dem, daß diese Farbe zuerst aus Cypern oder sonst übers Meer gekommen ist, oder doch von dem, daß sie die bläulichte See übertrift.

Es wird diese kostbare Farbe aus dem Lasurstein, von welchem wir vorhin geredet, auf folgende Art bereitet. Man läßt den Stein, um ihn mürbe zu machen, oder auch seine Farbe zu erhöhen, einigemal im Feuer glühen, und löscht ihn jedesmal in guten Eßig ab; zerstößt ihn alsdenn in einem Mörser. Andere wollen, man soll ihn zuvor zu einem Sande oder gröblichen Pulver stossen, dann mit Leinöl vermengen, und in einem Schmelztiegel, um ihn zu calciniren, etliche Stunden glühen lassen; hernach aber mit Weineßig übergiessen, wo er bald wird auf und von den eingemengten Quarzen oder andern Steinkörnern abgelöset werden. Von diesen kann man ihn nachher durch das Waschen oder Schlemmen gänzlich reinigen; endlich auf einem Prophyr-, oder Achatsteine zu einem zarten Pulver reiben; dessen Farbe im Weingeiste noch mehr kann erhöhet werden.

Andere bereiten den Ultramarin auch auf folgende Art. Wenn man den Stein calcinirt, zerstossen und mit Lein- oder Nußöle zu einem sehr feinen Pulver zerrieben hat, so vermengt man dieses mit dreymal so viel Teig, welcher aus gleichen Theilen von Wachs, Colophonium und Tannenharz, nebst einer kleinern Dose von Terpentin- und Leinöl, auf einem gelinden Feuer unter einander gemengt und zusammengeschmolzen worden. Mit diesem Pflaster oder Gemenge soll man die Farbe auf einer Tafel wohl untereinander arbeiten, hernach einige Wochen digeriren lassen, alsdenn aber in warmen Wasser, durch vieles Umschlagen oder Kneten wieder absondern, und durch wiederholtes Waschen, von dem Fette reinigen, endlich trocknen. Man scheidet alsdenn in einem frischen Wasser dasjenige Pulver, welches noch in dem Teig zurückgeblieben seyn könnte, durch abermaliges Kneten in diesem Wasser, wodurch man ein Pulver erhält, das zwar schlechter ist als das erstere, aber doch noch immer eine sehr schöne blaue Farbe hat.

Diese mühsame Behandlung soll der Farbe mehr Schönheit und Glanz ertheilen, welches auch möglich seyn kann. Nur dieses müssen wir hier noch anmerken, daß diejenigen Stücke vom Lasursteine, die mit keinen Gold- oder Kießkörnern vermenget, und darum geringer geschätzet werden, eben am meisten Farbe geben. Trümmern von etwa zerbrochenen Gefäßchen und verschiedenen Galanteriewaaren, oder Knöpfe und dergleichen aus diesem Steine verfertigte Dinge, die ganzlich aus der Mode gekommen, könnten da ebenfalls zu Nutze gemacht werden.

Diejenigen, welche sich nicht selbst die Mühe geben wollen, das Ultramarin zu machen, müssen nur darauf sehen, daß sie ein solches bekommen, welches recht hoch an der Farbe und gut gerieben ist, welches man leicht erkennen kann, wenn man nur ein klein wenig davon zwischen seine Zähne bringt. Sobald man etwas fandiges noch verspührt, so ist solches ein Zeichen, daß es nicht fein genug gerieben worden. Es ist auch sehr leicht zu erkennen, ob es recht rein oder vermischt und verfälscht worden ist. Man darf nur ein wenig davon in einen Schmelztiegel werfen, und es bis zum Rothwerden ausglühen. Wenn das Pulver diese Probe aushält und seine Farbe nicht verändert, so kann man versichert seyn, das es rein: wenn es aber nur im geringsten die Farbe ändert, oder man würde einige schwarze Flecken und Punkte gewahr, so ist es ein gewisses Zeichen, daß solches vermischt worden.


pp. 21–23

III.

Bergblau, blauer Ocher (Asurum, coeruleum montanum.)

Man hat von diesem Blau sehr viele, an Stärke und Blässe der Farbe und an Feinheit merklich unterschiedene Sorten, welches theils von dem Waschen oder Schlemmen kommt, theils von den verschiednen Mineral- oder Steinarten, woraus das Bergblau bereitet wird. Es ist eigentlich ein natürlicher und zu einem so zarten Pulver zerstoßner und geriebener Stein, daß man es fast nicht fühlen kann, und welche dem bleichen Ultramarin in etwas beykommt.

Die in ältern und neuern Zeiten berühmteste Art solcher blauen Steine, woraus es verfertiget wird, ist der armenische Stein (Lapis Armenus), der diesen Namen führt, weil er vor Alters nur aus Armenien kam wie Plinius schreibt: Armenia mittit (coeruleum) quod eius nomine appellatur, l. 35. cap. 6. Jetzt liefern denselben Tyrol, Ungarn, und das Bannat, aus ihren Kupferbergwerken, eben nicht selten. Es ist immer eine Art eines Lasursteins (lapis lazuli), und wird von dem, der eigentlich diesen Namen hat, nur dadurch unterschieden, daß er lichter an der Farbe, und mit keinen Kiessplittern oder Goldkörnern vermengt ist. Die Farbe, die daraus bereitet wird, kömmt derjenigen, die man von dem europäischen Lasursteine macht, an Schönheit und Dauer am nächsten.

Andere Bergarten, die ein Bergblau geben, heissen bey den Mineralogen meistens Kupferblau; weil sie ihre blaue Farbe vom Kupfer haben, zuweilen aber werden sie auch Bergblau genannt, weil sie die Farbe schon deutlich zeigen, oder in ihrer eigentlichen Gestalt enthalten. Sie sind immer mürber als der armenische Stein, manchmal schiefricht, ein andermal körnigt, oder auch ganz locker und erdenartig.

Die Farbe wird aus einer und der andern Art auf folgende Weise bereitet. Man zerstößt und zerreibt den Stein oder die Bergart, zu einem doch nicht gar feinen Pulver; vermengt dieses alsdenn mit Wasser, und nachdem man es eine Zeitlang wohl untereinander bewegt hat, läßt man die Farbe, welche schwerer ist, sich auf den Boden setzen; das Wasser gießt man mit den damit vermischten irdenen oder andern unreinen Theilchen ab; diese Farbe sammelt man, zerreibt sie noch feiner, und wäscht sie wieder; oder auch, wenn sich von noch merklich schmutzig und unrein zeiget, das Wasser das dritten und viertenmale. Hernach gießt man eine Schale frisches Wasser darüber, in welchem doch zuvor ein wenig von arabischen Gummi aufgelöset worden, und mengt es mit dem Finger oder einem Holzsplitter wohl untereinander; alsdenn aber läßt man es etwa eine halbe Stunde ruhen; wo die Farbe, größtentheils zu Boden sitzen wird; nur der feinste, sehr bleiche Theil derselben wird noch im Wasser schwimmen, den man denn mit diesem in ein andres Glas übergiessen muß, wo er sich doch nach ein paar Tagen setzen wird. Ueber den gröbern, hochfärbigen Theil kann man abermals mit Gummi vermengtes Wasser giessen, und auf solche Art die Farbe in so viele Sorten, als einem beliebt, theilen.

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pp. 159–160

Zehntes Kapitel.

Von den gelben Körpern, welche als Farbenmaterialien angewendet werden.


1.

Gelber Ocher.

Alle Ocherarten sind nichts anders als gemischte, fette, schwere Erden, die einen Geschmack und eine Farbe haben, die durch das Feuer erhöhet wird. Sie sollen von Metallen, z. B. von Zink, Eisen und Kupfer entstehen, die sich vitriolisirt und mit den Erden gesetzt haben. Sie lassen sich in den Wasser leicht auflösen und zertheilen.

Es giebt Ocher von verschiedenen Farben, und man hat dergleichen gelbe, rothe, blaue, grüne, braune u. s. w. Man zählet wol achterley gelbe Ocher, und eben so viel rothe, eine Art blaue, eine grüne, zweyerley braune, und auch schwarze. Alle diese Arten können auch zum Mahlen gebraucht werden. Die grössere oder geringere Menge der metallischen Theilchen, woraus die Ochererden bestehen, bestimmen auch die mehrere oder geringere Schönheit und Lebhaftigkeit dieser Farben. Die gelben, braunen und rothen Ocher haben ihre Farbe vermuthlich von den Eisentheilchen, erhalten. Durch das Brennen im Feuer erhalten alle gelbe Ocher eine gelbrothe oder rothbraune Farbe.

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pp. 163–165

4.

Das wahre Neapolitanische Gelb (Giallolino, Iaune de Naples).

Das eigentliche Neapolitanische Gelb, ist eine Art von gelben Gesteine, den man in der Gegend von Neapel aus der Erde holt. Dieser Stein, wovon es Gattungen giebt, die heller oder dunkler gelb sind, ist sehr porös, und scheint blos aus Körnern von einer Art von gelben Sande zusammengesetzt zu seyn, die ganz locker miteinander verbunden sind, weil man sie leicht mit der Mörselkeile zerstossen kann. Diese Materie verändert ihre Farbe im Feuer nicht, und kann von keiner einzigen Säure aufgelöset werden. Das Land, wo sie herkommt, läßt leicht vermuthen, daß sie das Produkt eines feuerspeyenden Berges seyn müße. Der P. Maria redet in seiner Beschreibung, die er von den Materien gemacht hat, welche der Vesuv hervorbringt, im 5 Capitel a. d. 94 und f. S. von einer Materie, welche man aus dem Innern des Vesuvs herausgeholet, welche er Il solfo frustato d. i. einen abgenutzten, oder erschöpften Schwefel nennet, der mit dem Neapolitanischen Gelb stark übereinkommt. Nach dem Bericht eben dieses Schriftstellers sind alle Steine schwammicht, welche aus feuerspeyenden Bergen herauskommen, und die Lava verlieret durch die Zeit etwas von ihrem Gewichte. Man kann um so viel eher glauben, daß das Neapolitanische Gelb ein Produkt von dieser Natur sey, da die Salze, welche man auf den Laven findet, im Feuer eine gelbe Farbe annehmen, und da die feuerspeyenden Berge einen großen Ueberfluß an Eisen haben, so kann man das Neapolitanische Gelb als einen Eisensafran ansehen, den anfänglich ein feuerspeyender Berg bearbeitet, und der in der Erde, worinnen er gelegen, seine gelbe Farbe vollends bekommen hat; oder als eisenschüßige Materien, welche durch die Hitze des feyerspeuenden Berges halb zu Glase geworden, und deren unvollkommene Vitrification nachgehends in der Erde aufgelöset worden ist. Diese Steine halten ganz und gar keinen Schwefel, weil man nichts davon riecht, wenn man sie ins Feuer legt. Die Menge der kleinen löcher, womit diese Steine angefüllet sind, und die Leichtigkeit, mit der sie sich pulverisiren lassen, sind Merkmale, daß sie gewisse Materien verlohren haben, welche sie dichter machten, oder ihnen mehr Verbindung gaben. Es ist gewiß, daß der Stein, worinn sich das Neapolitanische Gelb befindet, eine Auflösung anzukündigen scheint.

Daß in dem wahren Neapolitanischen Gelb Eisentheilchen befindlich sind, erhellet daraus: daß, wenn man solches zu Pulver zerreibet, ein wenig Vitriolgeist darüber gießt, und solches auf heisser Asche miteinander digiriren läßt, so erhält man, nachdem der Liquor mit einer gewissen Quantität Wasser verdünnet worden, eine wahre Eisensolution, die sich sogleich offenbaret, wenn man etwas von einem phlogistischen Alcali tropfenweise hineingiesset, indem man alsobald ein sehr schönes blaues Präcipitat erhalten wird, welches ein unläugbares Zeichen ist, daß Eisen darinn befindlich ist.

Indessen hat sich dieses wahre Neaplergelb anjetzt sehr rar gemacht, und wie man sagt, dadurch, daß diejenige Familie in Italien, welche aus der Zubereitung desselben ein Geheimniß gemacht, ausgestorben sey. Der Grundstoff oder diejenige Kruste des Gesteines, woraus man dieses Gelb verfertigen kann, ist zwar so selten nicht; allein die Absonderung der Farbe aus diesem Gestein hat mir niemals durch Schlemmen noch durch andern Zubereitungen gelingen wollen.

Es sind daher schon mehrere auf die Gedanken gekommen, dieses Gelb auf andere Weise nachzumachen. Besonders ist dieses dem Herrn Fougeroux geglückt, welcher den Proceß in einer der Akademie der Wissenschaften a. 1766. vorgelegten Abhandlung bekannt macht. Man muß zu diesem Ende 12 Unzen schönes Bleyweiß, 2 Unzen von dem Antimonium diaphoreticum, ½ Unze calcinirten Alaun und 1 Unze von gut gereinigten Salmiak nehmen. Wenn nun diese Materien in einem steinernen Mörsel zart zerstoßen und untereinander gemischt worden, so thut man solche in einen irdenen Schmelztiegel, der mit seinem Deckel versehen ist, und calcinirt alles bey einem gemäßigten Feuer, welches anfänglich ganz gelinde seyn, nach und nach aber stärker gemacht werden muß, doch so, daß der Schmelztiegel nur dunkelroth werden könne. Diese Calcination dauert ohngefähr 3 Stunden, und nach dieser Zeit findet man die Materie in ein sehr schönes Gelb verwandelt. Wollte man es aber noch höher und recht goldgelb haben, so muß man die Dosis des Antimoniums und des Salmiacks vermehrem.

Dieses ist also das künstliche Neaplergelb, welches zwar die Stelle des Natürlichen vertreten kann, jedoch von diesem letztern sehr wesentlich unterschieden ist. Denn sobald man zu dem erstern im geringsten einige Eisentheilgen zusetzet, so wird die Farbe des fabricirten Gelbes schwarz und verdorben seyn.

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Funfzehntes Kapitel.

Von den rothen Farben.


pp. 287–289

11.

Der Zinnober (Cinnabaris, Cinnabrium, Vermillon.)

Der Zinnober ist ein hartes, dichtes, schweres, glänzendes, krystallartiges, sehr rothes Mineral, das aus Schwefel und Quecksilber entsteht, wenn sie durch das Feuer sublimirt werden. Man hat natürlichen und künstlichen Zinnober. Den ersten findet man in den Quecksilberbergwerken in der Gestalt eines rothen Sandes, den man durch öfteres Waschen reiniget, worauf man solchen mit Weingeist und Urin abreibt und trocken werden läßt. Der künstliche Zinnober entsteht, wenn man Schwefel und Quecksilber untereinandermischt, und beydes sublimiret, da man ihn den oben am Gefäße als eine harte ins Violetbraune fallende Masse findet. Den letztern muß man aussuchen und zwar solchen, der in schönen, schweren, und hellrothen Stücken besteht, und keine glänzende metallische Theilchen hat, die anzeigen würden, daß nicht alle Theilchen des Quecksilbers mit dem Schwefel gehörig verbunden sind. Durch langes Reiben bringt man ihn endlich zu einem feinen Pulver, daß eins der schönsten Farben giebt. Einige nennen diese Farben alsdenn Vermillon, wenn sie ächt und nicht mit Mennige verfälschet sind. Der Zinnober läßt sich leicht mit Oel oder auch zu Wasserfarben mit leim, oder auch zum Miniaturmalen mit Gummi vermischen, ohne seine Farbe zu ändern.

Man bringt uns zweyerley Zinnober aus Holland, der eine ist blässer, der andere ist sehr hochroth, im Grunde aber ist es doch nur einerley Farbe. Der Unterschied von beyden kommt nur davon her, daß der eine besser und feiner abgerieben ist, als der andere. Wenn der Zinnober feingerieben ist, so wird er blasser, aber viel lebhafter und frischer aussehen; wo aber nicht; so wird seine Farbe dunkler und härter seyn. Man darf ihn aber nur noch einmal reiben, so wird er bald dem ersten gleich seyn.

Der künstliche Zinnober wird auf folgende Weise zubereitet. Man nimmt 25 Unzen wohl gereinigtes Quecksilber und 7 Unzen Schwefel; diesen letztern schmelzt man, and wenn er geschmolzen ist, gießt man das Quecksilber hinein. Man rührt es hierauf wohl untereinander, und wenn das Feuer hineinschlägt, löscht man es alsobald mit einem darauf gedeckten Gefässe aus, und erstickt also die Flamme. Wenn nun die Vermischung recht heiß ist, so verwandelt sich solche in ein Pulver, das man in einem Sublimirgefäß auf ein starkes Feuer setzt, welches noch immer Gradweise verstärkt wird, bis daß das Quecksilber und der Schwefel völlig sublimirt worden sind, in der Gestallt einer rothen gestreiften und schweren Materie, die vollkommen dem natürlichen Zinnober gleich siehet, und zum Mahlen eben so gut gebraucht werden kann.

Man kann auch einen künstlichen Zinnober auf dem nassen Wege zubereiten. Nehmet ein halb Drachma von einem guten und reinen Quecksilber und thut solches in ein gläsernes Gefäß, das eine sehr enge Oefnung hat. Giesset auf dieses Quecksilber 1½ Unze von der Tinktur des volatilischen Schwefels oder von dem durchdringenden Liquor des Boyle und sehet wol zu, daß das Gefäß nicht mehr als höchstens halbvoll werde. Wenn es hierauf wohl verstopft worden, so müsset ihr das Quecksilber in die allerkleinsten Kügelchen zu verwandeln suchen und zu diesem Ende alle Tage zum öftern herumschütteln. Anfänglich wird es schwer werden, wenn man aber mit dem Schütteln fortfährt, und es wechselsweise in eine gelinde Wärme setzt und digeriren läßt, so wird es sich endlich in Zinnober verwandeln unter der Gestalt eines sehr rothen Pulvers. Der Liquor wird keinen übeln Geruch mehr haben, er wird dagegen ganz klar und mit einem salzigten Häutchen bedecket seyn.

Will man die Leber des flüßigen Schwefels, oder welches einerley ist, den durchdringenden Liquor des Boyle erhalten, der zu diesem Versuche nöthig ist, so mischet man in einem steinernen Mörsel nach und nach 3 Pfunde in der Luft abgelöschten und durchgesiebten Kalk, 1 Pfund Salmiack und 8 Unzen Schwefelblumen untereinander. Wenn dieses Pulver in eine Retorte gethan wird, so gießt man noch 6 Unzen Wasser darauf, bringt hierauf die Retorte in einen Reverberierofen, setzt den Deckel darauf und verlutiret die Oefnung durch welche der Hals der Retorte durchgeht mit Leim und legt einen großen Recipienten vor, der mit einem kleinen Loche versehen ist. Wo diese Gläser zusammenstossen, da lutiret man mit einem fetten Leim und mit Streifen von Leinwand, die mit einem Leim, der aus Kalk und dem Weißen von Eyern gemacht wird, überstrichen worden sind. Hierauf läßt man diese Materien in einander wirken, ohngefähr einige Stundenlang, um dem Wasser Zeit zu lassen, daß es sich einziehen und in diese Mischung recht eindringen könne. Man fängt so dann die Distillation mit einem gelinden Feuer an, damit die Gefässe allmählig warm werden. Die ersten Tropfen die herübergehen haben keine Farbe, nachgehends aber werden sie citronenfarbig. Wenn ohngefähr 6 Unzen schwer Liquor herübergegangen ist; so erheben sich auf einmal weiße und elastische Dünste. Daher muß man das Feuer wohl regieren und von Zeit zu Zeit das kleine Loch in dem Recipienten aufmachen. Wenn die Dünste nachlassen, so vermehret man das Feuer Gradweise, bis der Hals der Retorte ziemlich roth wird, und unterhält solches in diesem Zustande ohngefähr eine Stundelang, oder bis man gegen 12 bis 14 Unzen Liquor erhalten hat. Dieser Liquor ist die Leber des flüchtigen Schwefels, und man bewahret solchen auf in einer wohl verstopften gläsernen Flasche bis zum Gebrauche, da man ihn mit dem Quecksilber vermischet, wenn man auf dem nassen Wege Zinnober machen will.

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pp. 292–293

15.

Braunroth, (Rouge brun oder Brun rouge.)

Diese Erdfarbe sieht ihren Namen nach, röthlichbraun aus. Sie wird in Schweden stark gebraucht; denn die Soldaten und andere königliche Bedienten bemahlen ihre Häuser damit, und vermischen es wohl mit Ochsenblut, daß es besser halten soll. Die Schuster bemahlen damit die Absätze an den gemeinen Bauerschuhen. Jedoch haben es auch die Mahler unter ihren Farbenarten. Es wird dasselbe, mit einem geringen Firniß gerieben. Soll es nicht zu roth seyn, so reibet man in gewisser Proportion und nach dem Augenmaaß, Umber darunter; soll es aber eine kastanienbraune Farbe werden, so mische man in gehöriger Menge Kienruß darzu. Es ist eine wolfeile aber sandichte Farbe, daher sie sorgfältig gerieben werden muß.

Das englische Braunroth, (Rouge d’Angleterre) ist das beste, und muß, wenn es gut seyn soll, in kleinen und hochrothen Stücken, von einer mittelmäßigen Härte, die sich leicht zerreiben lassen, bestehen. Wenn man sie zerstößt, und zu einem gar feinen Pulver reibet, giebt sie eine ziemlich schöne rothe Farbe. Man hat auch ein Violbraunroth (Rouge violet), welches aus England kommt.


p. 293

16.

Rother Ocher.

Der gemeine gelbe Ocher erhält durch das Brennen im Feuer eine fast ziegelrothe Farbe, welche zu allen Arten der Mahlerey sehr brauchbar ist.

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pp. 317–320

Achtzehntes Kapitel.

Von den grünen Farben.


Die grüne Farbe ist eine von denjenigen Farben, welche sowol die Natur als die Kunst hervorbringt, und die von einigen unter die einfachen oder Hauptfarben, von andern aber und zwar mit mehrerem Rechte unter die zusammengesetzten oder Nebenfarben gerechnet wird. In dem Regenbogen findet man die grüne Farbe allezeit zwischen blau und gelb. Aber nicht hier allein, sondern auch in der ganzen Schöpfung, in allen drey Reichen der Natur auf unserer Erde, kommt sie anders nicht zum Vorschein, sondern überall, wo man sie antrift, muß schon vorher Blau und Gelb fertig vorhanden gewesen seyn.

Unter den Metallen scheint die grüne Farbe in dem Kupfer schon fertig vorhanden zu seyn, weil alle Kupferauflösungen grün aussehen. Allein erstlich scheint die Farbe der Kupfersolution nur grün zu seyn, sie färbt aber nicht das mindeste vor sich, weder grün noch anders, mithin fehlt noch etwas dazu; denn das Kupfer hat nur die blauen Farbetheile zum Grünen, aber nicht die Gelben; und daß sie grün aussieht, rührt nur von dem dabey befindlichen vielen sauren Salzen her, welche die blaue Farbe grünlich machen. Soll diese Kupfersolution recht grün werden und grün färben, so muß noch eine Eisensolution dazu kommen, als welche die gelbe Farbe wirklich so gut als die Kupfersolution die Blaue, enthält. Zweytens muß vorher noch ein Laugensalz dazu kommen, ehe das Kupfer auch nur blau färbt; mithin enthält es weder die gelbe, noch die grüne Farbe, sondern nur die Blaue.

Die grüne Farbe ist also weder in dem Kupfer noch in allen andern Metallen, als eine fertige grüne Farbe, oder als eine einfache und Hauptfarbe vorhanden, sondern überall, wo man sie in dem Metallreiche anzutreffen meint, sind es nur entweder blaue Farbetheile mit vielem sauren Salz vermischt, wie in dem Kupfer, oder gelbe Farbetheile, nämlich Eisentheile mit Kupfertheilen verischt, wodurch eine metallische oder mineralische Auflösung mehr oder weniger grün wird, je nachdem von einem oder dem andern Theile mehr oder weniger in der Mischung ist. Weil nun in dem Metallreiche die grüne Farbe nicht anders, als durch eine Vermischung von Eisen- und Kupfertheilen entsteht: so kann sie unmöglich eine gute feste und vollkommene Farbe werden, da weder das Eisen eine gute gelbe, noch das Kupfer eine gute blaue Farbe dazu liefert, sondern diese beyde Farben selbst schlecht genug sind, daß keine gute Farbe aus ihrer Vermischung entstehen kann.

Mit den Foßilien hat es in Ansehung der grünen Farbe, eben die Bewandniß, wie mit den Metallen. Denn auch alle grüne Edelsteine haben eine metallische Kupfererde und ein saures Salz oder Eisentheile in ihrer Mischung; oder es können auch mit den Kupfertheilen solche verdünnte und geschwächte Goldtheile vermischt seyn, welche nur gelbe Farben geben, wovon die grüne Farbe entsteht. Von beyder Art aber ist diese grüne Farbe der Edelsteine keine feuerfeste Farbe, sondern wenn mit den Kupfertheilen Eisentheile vermischt sind, so wird die Farbe entweder mehr blau oder gar weiß werden; sind hingegen Goldtheile damit vermischt, so wird die grüne Farbe entweder gelb oder gar roth werden. Die erstern werden dadurch weicher, und die letztern erlangen im Feuer mehr Härte. Die grünen Edelsteine sind in dieser Beschaffenheit schwerer, als die blauen und gelben, aber nicht so schwer, sondern leichter als die rothen oder violetten. Sie sind allemal durchsichtiger als die ganz blauen.

Zu den grünen mineralischen Körpern gehören:

I. unter den Erdarten:

A. Eine gewisse grüne Erde, oder Kreide, die von den Mahlern zum Mahlen in Oelfarben und in Fresco gebraucht wird. Wallerius hält solche für ein zu Stauberde aufgelösetes Berggrün, worinn ihm aber Pott widerspricht, weil durch keine chymische Proben etwas von einem Kupferwesen darinn zu finden ist. Man hat davon zweyerley Gattungen; nämlich die Veroner Erde, fr. Terre verte de Verona, welche in Italien bey der Stadt Verona gefunden wird; und die gemeine grüne Erde, Terre verte commune, die an verschiedenen Orten, und unter andern auch in Frankreich gefunden wird. Die erste von diesen beyden Gattungen muß recht grün und sehr steinig seyn; sie muß aber nicht inwendig Adern von ordentlicher Erde haben. Die zweyte ist desto besser, je mehr sie der erstern gleich kommt. Letztere ist gemeiniglich etwas fettig, löset sich nicht gut im Wasser auf, und muß daher wohl damit abgerieben werden, wenn man sie gebrauchen will. Sie giebt ein ziemlich helles Grün. Die von Verona, ist von mehrerer Consistenz, und giebt ein schönes Grün.

Man kann die grüne Erde sowol unter Oel, als auch unter Wasser anwenden. Als Oelfarbe gebraucht, verändert sich der Anstrich damit auch in Luft und Wetter im mindesten nicht, so lange der Glanz der Farbe dauert; und man kann darauf rechnen, daß sich dieser Glanz, wie bey andern fettigen thonartigen Farben an 5 Jahrelang erhält. Bedient man sich ihrer als einer Wasser- oder Leimfarbe, (welches aber selten geschicht, weil sie keinen Anstrich von angenehmer Farbe darstellt): so bleibt ein solcher Anstrich, so lange derselbe an einem reinlichen und nicht feuchten Orte aufbewahret wird, ebenfalls unverändert.

B. Grüner Bolus.

C. Grüner Glimmersand.

D. Berggrün

D. Berggrün, Erdgrün, Schiefergrün, oder Steingrün, gr. und l. Chrysocolla, Chrysocolla nativa fossilis s. metallica, Aerugo nativa terræ, Viride montanum, Ochra veneris, fr. Verd de montagne, Verd d’Hongrie, ist eine Art eines natürlichen Kupfergrünen, oder natürlichen präcipitirten grünen Kupfers. Es ist von erdiger Consistenz, und von hellerer oder dunklergrüner Farbe. Es scheint dieses natürliche Product ein aufgelösetes Kupfer gewesen zu seyn, welches durch ein Alkali oder eine alkalische Erde präcipitirt worden ist. Bisweilen besteht ein Berggrün aus vielen erdigten Theilen mit präcipitirten Kupfertheilchen vermischt; bisweilen aber sind auch weniger erdigte Theile dabey zu finden. Es kommt aus Ungarn und der Moldau. Wenn es hart und steintig ist, und entweder an sich selbst schiefericht, oder mit einem schieferichten Gesteine vermischt, angetroffen wird, bekommt es den Namen Schiefergrün; dergleichen man in Toscana, bey Massa, wie auch in Meissen und an andern Orten findet. Es sind von dem Berggrün zwo Arten bekannt: die eine, welche aus der Erde gegraben wird, von welcher bisher geredet worden; und die andere, welche nachgemacht ist. Die erstere wird entweder eben so, wie sie in der Erde gefunden wird gebraucht, oder vorher gewaschen. Dieses geschieht, wenn das Berggrün im Mörsel gestossen und mit Wasser abgewaschen wird, welches so oft wiederholet werden muß, bis das Pulver rein und hell geworden ist; alsdenn wird es an der Sonne getrocknet. Also zeigt sich z. E. bey Zellerfelde im Oberharze, Berggrün mit Kupferkies vermengt.

Die nachgemachte Art Berggrün, soll von dem ächten zu Pulver gestoßenen Berggrün, welches in Eßig gebeitzt, mit Alaun und andern Zusätzen vermischt worden, seinen Ursprung haben. Eine andere Zubereitung davon beschreibt Plinius, welcher sagt, daß es aus cyprischem Grünspan und Kinderurin mit zugesetztem Salpeter verfertigt werde; und diese Sorte hat den Namen Santerna erhalten.

Man gebraucht das Berggrün zur leim und Gummiwassermahlerey. Zur Oelmahlerey taugt es nicht viel, weil es sehr nachfärbt.

Weil auch das beste Berggrün viel kalkartige Erde und wahren Gyps in sich enthält: so fällt der mit Oel zubereitete Anstrich niemals schön grün aus, sondern verwandelt sich gar bald in ein schmutziges gelbliches Grün. Steht ein solcher Anstrich nicht in freyer Luft, sondern innerhalb den Gebäuden, so ist in kurzer Zeit ganz und gar keine grüne Farbe mehr daran zu erkennen; sie wird vielmehr in ein unangenehmes Braun verwandelt. Das Berggrün ist also nur als eine Wasser oder Leimfarbe zu gebrauchen; und auch dieser Gebrauch ist oft mit dem Uebel verknüpft, daß die zubereitete Farbe, indem sie aufgestrichen wird, sehr schäumet, daher man niemals einen reinen glatten Anstrich erlangt.

Io. Laur. RAVSCH de coeruleo & chrysocolla. Ien. 1668. 8v.

Ferner gehören zu den grünen mineralischen Körpern, welche die Natur hervorbringt:

II. unter den Steinarten: der grüne Kalkstein, verschiedene Arten von grünem Marmor und Spath, der Nierenstein, Paspachat, grüner Jaspis, verschiedene Arten von grünen Quarzen, der Smaragd, hellgrüne Chrysolith, grüne Kalk, der Serpentinstein, grüne Schörl, grünliche Asbest u. a. m.

III. Unter den Salz und Erdarten: der grüne Vitriol, grüner Bergsalmiack, grüne Nahpta, grünliche Bernstein,

IV. Unter den Metallen und Halbmetallen: das grüngelbe Operment, Kupfergrün, grünliches Kupfererz, grünes Bleyerz, grünes Silberglas &c.

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pp. 356–357

Ein und zwanzigstes Kapitel.

Von den braunen Farben.


I.

Braune Farben aus dem Mineralreiche.

Hierher gehören:

Umbra

1) Das Umbra oder Umbraerde. Dieses ist eine trockne Erde, die, wenn sie mit Wasser angemacht wird, eine sehr dunkelbraune Farbe giebt. Einige haben ihren Namen von Vmbra, d. i. Schatten herleiten wollen, weil man sie besonders zu den Schattirungen gebraucht, die man den gemahlten Sachen geben will; allein es ist viel wahrscheinlicher, daß sie ihren Namen bekommen hat von derjenigen Landschaft Italiens, aus welcher wir sie zuerst erhalten und ihren Gebrauch gelernt haben. Wenn man diese Farbe im Feuer glühen läßt, so giebt sie eine sehr schöne Koffeebraunefarbe, welche noch besser als in ihren natürlichen Zustande zu gebrauchen ist.

Spanischbraun oder Köllnische Erde

2) Spanischbraun oder Köllnische Erde, ist eine Art Umbra, aber viel dunkler und im Gebrauch durchscheinender. Mit dieser Erde geben die Mahler in den Häusern oder Staffirmahler, den ersten Anstrich, wenn sie eine Holzfarbe mahlen wollen. Die beste Farbe dieser Art ist diejenige, welche am wenigsten sandig ist und am dunkelsten aussieht. Man bedient sich derselben zum Grund zu verschiedenen Mahlereyen, sowol als zum Schattieren in einigen. Farben, dergleichen die gelbe und die rothe ist. Es läßt sich diese Farbe auch frischer, besser und reiner machen, wenn man sie im Feuer bis zum Rothwerden calciniret. Es giebt noch einige andere Erden, die mit der jeßt angeführten viel änliches haben.

Anmerk. In No. 31. des Leipz. Intell. Bl. v. J. 1764. S. 267. wird dem Publiko, besonders aber den Materialien und Farbehändlern, Manufacturiers, Baumeistern, Mahlern, Wachsleinewandbereitern, Kartun- und Leinwanddruckern, Lohgerbern, Lederbereitern, Maurern, Tischlern und andern Liebhabern, bekannt gemacht; daß unweit der Fürstl. Sächs. Stiftsresidenzstadt Merseburg, sich eine reiche Ader von einer hoch koffeebraunen Farbe hervorgethan, welche, nach vielen gemachten Proben verschiedener verständiger und erfahrner Künstler, sowol in Oel und Firnissen, worinn sie, gleich den feinsten Lacken, lasirt, als im Wasser, Minitur, Leinwand, à Fresque und nassen Kalk, ungemeine Dienste thut, indem sie gar keinen Sand und Unreinigkeit sondern eine ausnehmende Fertigkeit bey sich führt, und daher als ein gewachsenes Erdlack, zwar kein offen Flammenfeuer verträgt, aber in Zeit und Wetter, auch Sonnenhitze, von ausserordentlicher Dauer und Festigkeit ist, und also allen und jeden Sorten brauner Erdfarben, an englischen Lacken, kölnischer Erde, englischen und andern Umbra u. d. gl. nicht allein in der Güte beykommt, sondern dieselben alle, weil sie sich mit Indigo zum Grün, und mit andern Farben verträgt, dabey lasirt, gut trocknet, leicht am Gewicht, und weit wohlfeller ist, überdies daraus ein rother Purpurlack und feine Tusche bereitet werden kann, an Schönheit und Nutzen weit übersteiget. Der Centner kostet 10 Thaler.

3) Braune Ocher. Diese nimmt man zum Hellbraunen, zur Zimmtfarbe, zur Nachahmung der Steinfarbe, und zu schlechter Steinfarbe vermischt, giebt es eine dunkle oder hellere Holzfarbe.

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pp. 372–379

Vier und zwanzigstes Kapitel.

Von den weissen Farben.

I.

Weisses Bleyweiß, Bleyweiß, Cerusa, Cerussa, Blanc de plomb, Ceruse, Abit, Aboit, Abot.

Das Bleyweiß ist eine Art eines Bleykalkes, welches von dem Sauren des in Dämpfe verwandelten Eßigs durchdrungen, zernaget, und gleichsam halb aufgelöset, hernach zu einer weißen sehr schweren Materie, die leichtlich zu zerreiben gemacht worden ist. Eine jede Anstalt also, wodurch zuwege gebracht wird, daß vermittelst einer gelinden Wärme, die Dünste des Eßigs aufsteigen, und in die über dem Eßig befindlichen Bleybleche unaufhörlich eindringen, ohne daß die Bleybleche sich in dem fliessenden Eßig selbst befinden, ist geschickt, Bleyweiß hervorzubringen.

Nach des Herrn von Justi Vorschrift kann man mit fast gleichem Vortheil und Bequemlichkeit auf zweyerley Art Bleyweiß verfertigen. Man kann sich erstlich einer Anstallt bedienen, die vollkommen zum Destilliren eingerichtet ist. Eine zinnerne Blase, (den die kupfernen und eisernen würden zu sehr von dem Eßig angegriffen werden,) mit einem etwas hohen Huth oder Helm, und denen erforderlichen Röhren, würde dazu am geschicktesten seyn. Wenn man sich einer Kupfernen Blase, Helms und Röhren bedienen wollte, so müßten sie stark überzinnt werden, und zwar mit reinem Zinn, das nicht mit Bley legirt wäre. Bey irrdenen glasurten Gefäßen, die zwar gleichfalls brauchbar wären, würde in Ansehung ihrer Zerbrechlichkeit kein Vortheil seyn. Der Helm oder Huth müßte unten ein paar Fingerbreit über der Stelle, wo er in die Blase eingepasset wird, mit einem beweglichen Gitter von starkem zinnernen Drath versehen seyn, welches dazu dienet, daß der ganze Helm oder Huth mit zusammengerollten dünnen Bleyblechen angefüllet werden kann, welche kreutzweise übereinander zu legen wären. Die Blase müßte zur Hälfte mit einem guten Weineßig angefüllet, und derselbe mit gelindem Feuer herüber destilliret, und solches Destilliren etwa drey- bis viermal wiederholt werden, bis die in dem Helm befindlichen Bleybleche durch die unaufhörlich in dieselben eingedrungenen Eßigdämpfe genugsam durchfressen und in Bleyweiß verwandelt wären, als woben es auf die Größe der Gefäße ankommt, und die Erfahrung die beste Lehrmeisterinn ist.

Die andere Art kann in eben solchen Anstallten bewerkstelliget werden, jedoch ohne den Eßig herüber zu destilliren. Es muß hier die Blase nicht sehr bauchigt, sondern etwas höher, der Helm hingegen oben stark erweitert, und gleichfalls höher seyn. Die Ursache ist, daß die Dünste des Eßigs, welche hier nicht abdestilliret werden, sondern in sofern sie nicht in das Bley eindringen, sich in Tropfen sammlen, und wieder in den Eßig zurück fallen, destomehr Raum oben haben müssen. Allein, das Feuer bey dieser zweyten Art müßte überaus mäßig seyn, damit die Dünste nicht zu häufig aufsteigen, sich durch die Hitze zu sehr ausdehnen, und den Helm durch ihre ausdehnende Kraft abwerfen. Wenn nun durch eine gelinde Wärme das Aufsteigen der Eßigsdämfe etwa 6 bis 8 Tage gedauert hat, so werden die Bleybleche gleichfalls genug durchfressen und in Bleyweiß verwandelt seyn. Da sowol bey der ersten als zweyten Anstallt niemals ein starkes Feuer nöthig ist, so können die Oefen dergestallt eingerichtet werden, daß in einem Ofen allemal vier Blasen stehen, und durch einerley Feuer getrieben werden, um die Feuerung desto mehr zu schonen. Es wird sich bey dieser zweyten Art finden, daß die aufgestiegenen Dünste, die sich wieder in Kopfe sammlen und in den Eßig herunter fallen, etwas aufgelösetes Bley mit in den Eßig hereinführen. Allein, dieses ist kein Schade oder Verlust für die Fabrick; denn, wenn der Eßig genug gebraucht ist, und sich viel aufgelösetes Bley in demselben befindet, so kann man Bleyzucker daraus machen.

Man muß bey Anlegung einer Bleyweißfabrick die Einrichtung machen, daß der hierzu nöthige Eßig dabey selbst bereitet werde. Man bedienet sich aber hierzu nicht nur des Weineßigs, sondern auch des Bier- Obst- und Brandteweinseßig, welche letztere Arten freylich wohlfeiler als die erstern sind, aber auch in größerer Menge erfordert werden, weil sie nicht soviel Säure als der Weineßig besitzen; den Waitzen- und Obsteßig ausgenommen, welche dem erstern ziemlich gleich kommen. Demohnerachtet ist der Gebrauch der letztern Eßige, besser weil ihre Säure und vornemlich des Biereßigs, eher durch die Destillation loszehrt, als bey dem Weineßig.

Um das Aufsteigen der sauren Theile des Eßigs zu beförderu, kann man denselben mit einer kleinen Portion eines sauren mineralischen Geistes versehen. Man hat nicht zu befürchten, daß hierdurch das Bleyweiß in seiner Natur geändert werde, weil dieser Zusatz weiter nichts thut, als daß er die sauren Geister des Eßigs geschwinder von seinen terrestrischen Theilchen entbindet, und zum Aufsteigen geschickter macht. Er selbst bleibt allemal in dem Gefäß zurück, und kann nur durch heftiges Feuer und ein stärkeres Sauer übergetrieben werden.

Nachdem das Bley durch die Dämpfe des Eßigs in Bleyweiß zernaget ist, so wird es auf großen Reibesteinen, die als Maschinen in einer großen Fabrick am vortheilhaftesten vom Wasser getrieben werden können, auf das zarteste gerieben und dabey mit Wasser angefeuchtet, daß ein dicker Brey daraus wird. Sodenn wird das Bleyweiß in Formen gebildet, die gemeiniglich pyramidenförmig sind, und im Sommer an der Luft, im Winter aber in einer mäßig warmen Stube getrocknet. Um besten wäre es, wenn das Bleyweiß allemal unverfälscht gelassen würde. Allein, man hat in den holländischen und englischen Fabricken einmal eingeführt, daß solches allemal mit einer guten Quantität zartgeriebener und geschlämmter Kreide vermischt wird. Das Englische hält man für noch schlechter als das Holländische, weil noch mehr Kreide darunter steckt. Nur das in Venedig verfertigte Bleyweiß wird unverfälscht gelassen, daher auch solches vorzüglich gesucht und in viel höhern Preiße bezahlt wird. Man läßt zwar auch in Holland, Engeland und in Berlin einen Theil des Bleyweisses unverfälscht, und sucht hierzu dasjenige aus, welches am besten ausgefallen ist; allein, man nennet alsdenn dieses nicht Bleyweiß, sondern Schieferweiß oder Schulpweiß, l. Cerussa lamellata. Diejenigen also, welche glauben, daß das Schieferweiß größtentheils aus Zinn verfertiget werde, irren sich. Das in dem Commercio befindliche  Schieferweiß ist weiter nichts als das beste und reine Bleyweiß, und ist keine Spur von Zinn darunter.

In der Bleyfabrick zu Berlin, calcinirt man das Bley in Pferdemist. Das Bley, woraus das Bleyweiß calcinirt wird, schmelzt man in einem großen Kessel, und gießt es mit Schmelztiegeln in einen kleinen 2½ Fuß langen 1½  Zoll breiten und einige Linien tiefen Einguß von Eisenblech, so daß nach dem Willführ des Arbeiters kleine Tafeln entstehen, welche 1½ bis 2 Pfund wiegen, und Beynahe 2½ Fußlang, 1½ Zoll breit und einige Linien dicke sind. Der Einguß stehet beym Giessen auf nassem Sande, damit das Bley bald kalt werde, und die Formen wieder gebraucht werden können. In dieser Absicht entfernt man sie auch schnell von dem Feuer. Die Arbeiter rollen die Tafeln mit der Hand zusammen, ohne darauf zu sehen, wie einige Schriftsteller verlangen, daß sich die Flächen nicht berühren. Das Calciniren in Mist geschieht in einem Stall, der die Größe einer mittelmäßigen Stube hat. Auf dem Boden des Stalles wird Mist eine Elle hoch geworfen; und die Arbeiter behaupten aus einer langen Erfahrung, daß der Mist von den Hengsten der beste sey. Sie müssen aber den Mist von den Wallachen zu Hülfe nehmen, weil jener nicht zureicht. Vor dem Mist der Stuten hüten sie sich sorgfältig, weil er nach ihrer Aussage das Bley nicht calcinirt. Auf dem Mist werden die gefüllten Töpfe in verschiedenen Reihen nebeneinandergesetzt, und in jedem Topf wird ein halb Nösel Biereßig gegossen. Der stärkste ist jederzeit der beste, und daher würde der Weineßig hierzu am brauchbarsten seyn, wenn nur der festgesetzte Preiß des Bleyweisses die Kosten wieder einbrächte. Gedachte Töpfe werden von weisser gebrannter Erde verfertigt; ihre Höhe und ihre größte Weite beträgt 6 Zoll. Ueber dem Eßig passet der Arbeiter in die Töpfe ein Holz ein, und auf dieses wird die Bleyrolle gesezt, und der Topf mit einer Bleyplatte bedecket. Jeder Topf muß auf allen Seiten mit Mist umgeben werden, und über alle Reihen wird gleichfalls Mist geworfen, und das ganze lager mit Bretern bedecket. Auf diese Breter kann man wieder Mist auftragen, und auf die vorige Art ein neues lager von Töpfen und Mist aufhäufen, und solange fortfahren, bis das Gebäude ausgefüllt ist. In dieser Fabrick calcinirt man in jedem lager von Töpfen 3 Centner Bley. Der Mist muß nicht zu naß und auch nicht zu trocken seyn, wenn er gehörig wirken soll; daher wird er, während daß die Töpfe in den Mist stehen, fleißig begossen. Die Hitze des Mistes erhitzt den Eßig, löset ihn in Dünste auf, und diese dringen in das Bley und verwandeln es in einen weißen Kalk. Im Durchschnitt stehen die Töpfe drey Wochen in dem Mist; allein, diese Zeit kann nach der Güte des Eßigs und des Mistes, kürzer und auch länger seyn. Bey dem Herausnehmen der Töpfe aus dem Mist, findet man statt des Bleyes in und auf dem Topf, (denn beydes calcinirt sich,) einen weißen Kalk, auf dem etwas bläuliches hervorscheint. Beydes, die Tafeln auf dem Töpfen und die Rollen, sind alsdenn ganz, allein sie zerfallen unter den Händen in kleine Stücke. In schlechtem Mist bekommt der Kalk schwarze Flecke, die man abnehmen muß; und zuweilen ist das Bley sogar nur weiß angelaufen, und die Fabrick sieht sich alsdenn genöthigt, dieses letztere wieder einzuschmelzen. Das Schieferweiß verkauft man so wie es aus den Töpfen kommt, an die Mahler; das mehreste aber wird auf einer Roßmühle gerieben, welche zugleich ein Streckwerk, zu Verfertigung der Bleyplatteen beweget, und durch Reibsteine das Schieferweiß zermalmt. Alle Theile dieser Maschine sind in einem Zimmer im untern Stockwerke, und in einigen andern über diesen im zweyten Stockwerk vertheilet. In der Mitte des Zimmers im untern Stockwerk, welches 29 Fuß ins Gevierte hat, steht eine senkrechte Welle, und ragt bis an die Decke. Einige Fuß von der Erde sind in die Welle 4 starke Hölzer, so lang als es das Zimmer erlaubt, nach rechten Winkeln in die Welle eingezapft. Vier Riegel vereinigen die Bäume untereinander; und 4 Streben geben ihnen Festigkeit. An der äussersten Spitze der eingezapften Hölzer werden die Pferde angespannt. Unter der Decke des Zimmers trägt die senkrechte Welle ein Rad, welches oben und unten Zähne hat, und also ein Stern oder Kammrad zugleich ist. Als Kammrad bewegt dies Rad das Streckwerk. Die Zähne auf der Stirn des obern Rades der senkrechten Welle fassen in ein Getriebe von 52 Stäben, und hierdurch wird eine Mühle in Bewegung gesetzt, worauf man in der Fabrick das Bleyweiß zerreibt. Die senkrechte Welle dieses Getriebes durchbohrt die Decke des untern Stockwerks, und trägt im zweyten Stockwerk ein Stirnrad mit 52 Zähnen. Dieses bewegt 4 Getriebe an allen 4 Seiten. Die beyden ersten haben 14, das dritte 12, und das vierte 10 Stäbe. Jedes Getriebe setzt an einer senkrechten eisernen Stange einen Läufer auf einen Bodenstein in Bewegung. Diese kleine Reibesteine haben 2 Fuß im Durchmesser, und sind mit einem Reif von Böttcherarbeit, wie die Mühlsteine umgeben. Der unterste wird auch wie in den Mühlen gestellet. Man hauet sie aus den härtesten Werkstücken, die man nur bekommen kann. Sie stehen auf vier Abschnitten neben einander, und find insgesammt durch Rinnen vereinigt. Durch diese vortheilhafte Stellung der Steine wird das zermalmte Bleiweiß vermittelst der Rinnen, von dem obersten zu den niedern Steine geführet. Eine Abbildung dieser Mühle, findet man in Sprengels 4ter Sammlung.

Die Fabrick reibt das Bleyweiß zwar auch unvermischt; allein, größten, theils erhält es auf der Mühle einen Zusah von Kreide. Das reine Schieferweiß schüttet man blos auf den obersten Mühlstein, benetzt es mit Wasser, und wiederholt dieses zum öftern, während daß es gemahlen wird. Es läuft durch gedachte Rinnen von dem obersten Steine zu den drey übrigen, und wird von allen 4 Steinen völlig zermalme Von dem letztern Reibsteine läuft es durch eine Rinne in ein hölzernes Gefäß, und aus diesem wird es in kleine dreykantige Formen von Thon, welche ohngefehr 4 bis 5 Zoll hoch, und oben eben so weit sind, geschöpft. In diesen steht es so lange bis es zusammenfällt, und alsdenn wird es auf den Bretern eines hölzernen Gestells in der Luft getrocknet. Nach Beschaffenheit der Witterung verfliessen 2 bis 6 Wochen, ehe es völlig trocken ist. Man wickelt es endlich, damit es desto weisser scheinen möge, in blau Papier zum Verkauf. Ist es aber vor dem Einwickeln nicht völlig ausgetrocknet, so wird es in dem Papier roth. Die holländischen und englischen Fabricken nöthigen die hiesigen, (damit sie mit jenen einerley Preiß halten kann,) ihr Schieferweiß größtentheils mit Kreide zu versetzen, und diese Mischung heißt alsdenn vorzüglich Bleyweiß, ohngeachtet auch das zermalmte Schieferweiß diesen Namen erhält. Man mahlt nämlich Schieferweiß und Kreide mit einander, und verfährt hieben, wie bey dem unvermischten Schieferweiß. Die Kreide wird vorher zerschlagen, und es müssen alle Steine ausgelesen werden. Beym Mahlen muß man diese Vermischung gleichfalls mit Wasser begiessen, und es wird auch wie das Schieferweiß geformt und getrocknet. Ein Centner Bleyweiß kostet 9, und das Schieferweiß 12 Thaler.

Das Blenweiß, welches mehr gedachtermaßen nur ein durch das Eßigsaure zerfressenes Bley ist, enthält allzuwenig von diesem Sauren, als daß es sich in dem Zustande eines Mittelsalzes befinden sollte. Da es aber ein bereits sehr geöffnetes und sehr getheiltes Bley ist, so ist es leicht, dasselbe bis zur Sättigung mit diesem Sauren zu vereinigen. Man darf in dieser Absicht nichts weiter thun, als das Bleyweiß mit einer solchen Menge destillirten Eßig digeriren, daß es sich darinnen ganz auflösen könne. Der Liquor heißt nach dieser Auflösung Bleyeßig. Wenn man ihn durchseiget, abrauchet und zum Krystallisiren hinsetzt, so giebt er eine Menge schöner Krystallen, welche geschickt sind, sich völlig im Wasser aufzulösen, und einen salinischen, metallischen und zuckerartigen Geschmack haben, welches diesem Salze den Namen Bleyzucker oder Bleysalz zuwegegebracht.

Nachricht vom Bleyweiß; aus dem aten Theil des Dänisch Norwegischen Oekon. Magaz. übersetzt, steht im 6ten Theil der von C. G. Mengel aus dem Dän. übers. ökonomischen Gedanken, Copenh. und Leipz. 1759, gr. 8. S. 71–73. und im 4ten St. des Vten Th. der neuen Auszüge &c. Frankf. und Manh. 1767, 8. S. 53–54.

Von Anlegung einer Bleyweißfabricke, s. das Ite St. des Iten B. der vermischten Abhandl. der physisch-chymisch. Warschauer Gesellschaft. 1768, 8. S. 38–40.

Von der Fabrickatur des Bleyweiß, s. v. Justi vollständige Abhandl. von den Manufakt, und Fabricken, 2ter Th. Kopenh. 1761, 8. S. 17 u. fgg.

Bleyweiß zu machen, s. Simons Unterricht vom Brandweinbrennen. Dresden 1765, 8. S. 308–310.

A relation of the making of Ceruss, by sir Philipp Vernatti, st. in No. 137 der Philos. Transact. for Ian. et Febr. 1678; S. 935 f.

Das gemeine Bleyweiß ist in der Mahleren gleichsam der Grund aller Farben, weil man sie unter alle mengt. Es giebt ihnen mehrere Consistenz, und macht sie schöner und glänzender. Ueberdies macht es die Farben auch noch weit brauchbarer für den Mahler, weil sie die anzustreichenden Sachen weit besser decken, als ohne Bleyweiß; und sie trocknen auch leichter, weil das Bleyweiß aus einem Mineral und einer Erde zusammengesetzt ist, und dadurch eine stärkere trocknende Eigenschaft erhält. Es unterscheidet sich das Bleyweis vom Schieferweiß theils durch eine weniger weiße Farbe, theils durch das Gewicht, weil es bey gleicher Größe leichter ist.

Wenn man das Bleyweiß zum Mahlen gebrauchen will, so muß es mit weißem Weineßig gereiniget werden. Man reibet es demnach auf einem Porphyrstein, nachdem man es mit diesem Weineßig angefeuchtet hat, so lange, bis es zu einem unfühlbaren Pulver geworden ist. Hierauf wird es zum Abwaschen in ein Gefäß voll Wasser geschüttet, welches man eine Zeitlang schüttelt, läßt es eine kurze Zeit die gröbsten Theilchen zu Boden fallen, und giesset das noch weißgefärbte Wasser in ein anderes Gefäß, und lässet alles Weiße, das noch in dem Wasser ist, zu Boden sitzen, worauf man das darüberstehende Wasser abgiesset. Auf diese Art erhält man ein sehr schönes und feines Weiß, welches von allem entlediget worden, was seiner Weiße Schaden thun und solche verändern könnte. Denn dieses Weiß fällt nur deswegen gern in das graulichte oder schwärzlichte, weil die Bleytheilchen, die darinnen sind, entweder nicht genugsam aufgelöset worden, oder doch zum wenigsten bey der geringsten Berührung der Luft sehr geneigt sind, sich wieder in Bley zu verwandeln. Der Weineßig aber hilft dazu, daß diese Bleytheilchen völlig aufgelöset werden, und zwar weit besser, als es eine mineralische Säure thun würde, weil derselbe kein brennliches Wesen, wenigstens nicht offenbar mit sich führt. Aus diesem Grunde aber wird man sehr wohl thun, wenn man nicht mehr von diesem Bleyweiß auf einmal reiniget, als man jedesmal nöthig hat, und solchem, wenn es aus dem Wasser herausgenommen wird, alsobald etwas von Gummi giebt, wenn man es als eine Wasserfarbe gebrauchen will.

Ein Zeichen der Verfälschung des Bleyweiß mit Kreide ist folgendes. Wenn man mit solchen verfälschten Bleyweiß mahlet, und, wenn es trocken worden, den Finger daran streicht, so bleibt die Kreide am Finger hängen und schmutzet. Man hat übrigens bey der Verfälschung keinen Vortheil; denn das reine Bleyweiß läßt sich dünner streichen, und man kommt folglich weil er damit, als mit dem verfälschten. In der Oelmahlerey, muß man reines und gutes Oel dazu nehmen, denn sonst wird die Farbe nicht recht weiß, sondern gelblich.

Der Gebrauch des Bleyweißes erfordert die größte Vorsichtigkeit wegen seiner Schädlichkeit, besonders wenn es zu einem zarten Pulver gerieben wird. Denn wenn man es in diesem Zustande einathmet und es in die Lunge hinab kommt, so verursacht es erschröckliche Engbrüstigkeit, die fast unheilbar und sehr oft tödlich wird. Man sieht auch mehr als zu viel betrübte Beyspiele, und schädliche Folgen dieses Metalles, bey solchen Leuten, die mit Bley viel umgehen und in Bley arbeiten müssen besonders aber bey denjenigen, die das Bleyweis verfertigen, und bey den Mahlern, welche in Häusern anstreichen.


pp. 379–380

2.

Das Schieferweiß, Schulpweiß, Kremserweiß.

Das Schieferweiß ist unstreitig das schönste Weiß zur Mahleren. Zuweilen bleiben in der Mitte einige Schulpe, die nicht genug calcinirt sind und zur Farbe nichts nützen; diese müssen abgesondert werden. Zuweilen ist die Oberfläche auch fett und gelb, welches ebenfalls, ehe man die Farbe reibt, abgekratzt werden muß. Es kommt dieses daher, wenn das Bley, ehe man es in das Gefäß mit Eßig bringt, nicht zuvor gereinigt worden. Will man das Schieferweiß recht schön haben, so muß man es viermal auf dem Reibstein mit reinem Wasser, und so hurtig als möglich abreiben. Je mehr man reibt, desto weißer wird es. Einige reiben es sogleich mit Eßig ab, und waschen es nachher im Wasser, weil sie glauben, der Eßig, wodurch es erst entstanden, mache es auch weißer; es ist aber besser, gleich Wasser zu nehmen. Will man es nach dem Abreiben aufheben, so läßt man es in kleinen Stücken oder Körnern an einem reinlichen Orte, wo es nicht staubt, trocknen, und kann es alsdenn sehr wohl aufheben. Ist es hingegen zur Oelmahlerey bestimmt, so vermischt man es, nachdem es zum viertenmal gut abgerieben worden, mit sehr weißen Mohnöl, indem man das Weiße immer schlägt, um das Wasser heraus, und das Oel an dessen Stelle zu bringen. Man reibt es alsdenn von neuen sehr klar, und nur wenig auf einmal, hebt es in einem irdenen glasurten Gefäß auf, und gießt einen Finger hoch Wasser darüber, damit die Farbe sich besser halte, und sich keine dicke Haut darüber anlege. Die Zubereitung mit Wasser macht das Schieferweiß reiner und weißer, als wenn man es sogleich mit Oel abreibet. Dieses schöne Weiß wird zum Glasuren auf gemeines Bleyweiß gebraucht. Das unter dem Namen Kremserweiß bekannte Weiß ist im Grunde nichts anders, als ein mehr gereinigtes und feiner zubereitetes Schulpweiß, welches daher in der Mahlerey allen übrigen weißen Farben vorzuziehen ist.


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3.

Spanisches, Weiß Blanc d’Espagne, oder Blanc de Bougival.

Es ist eine Erde oder weißer Mergel, der im Wasser leicht schmelzt, und nur zu Wasserfarben gebraucht wird. Niemals wird es mit Oel gebraucht, weil es zu leicht und dünne ist. Man kauft es stückweise. Es wird folgendergestalt zubereitet. Wenn der Mergel gegraben ist, läßt man ihn in einem reinen Gefäß in klaren Wasser zergehen, um ihn von den bey sich führenden kleinen Steinchen zu reinigen. Er setzt sich alsdenn ohne weitere Mühe von selbst zu Boden. Das erste Wasser, welches insgemein gelb und schmutzig ist, wird abgegossen. Dies wiederholet man mit frischem Wasser so oft, bis es weiß wie Milch wird, und gießt alsdenn die ganze Masse in ein anderes Gefäß, wo es sich setzt. Nunmehr wird das Wasser ohne den Satz zu beunruhigen, sachte abgegossen. Wenn der Bodensatz so dick als ein Teig geworden, giebt man ihn die gehörige Form, und trocknet ihn an der luft. Von dem feinsten macht man kleine Stücke. Aus dem gröbern Bodensatz, von den letzternmalen, da man die Masse gewaschen hat, macht man Stücke zu einem Pfund schwer und darüber, läßt solche ebenfalls an der Luft trocknen und hart werden, da man sie alsdenn zur Mahleren gebrauchen kann. Wenn das Spanischweiß gut zubereitet ist, so ist es in Ansehung seines schönen Weißen selbst dem Schieferweiß vorzuziehen. In Ermangelung desselben wird jederzeit feine Kreide genommen.

4.

Die Kreide.

Das Kreidenweiß ist fast von eben der Beschaffenheit, als das vorhinbeschriebene Spanische Weiß, aber härter. Man gebraucht es zu den Crayons, und die Decken zu weissen. Die Kreide, wovon diese Farbe bereitet wird, ist eine kalkartige Erde, die sich leicht zerreiben läßt, und im Wasser sehr auflöset.

5.

Perlenweiß.

Es giebt viele, welche den Gebrauch des Weissen anrathen, das aus den weissesten Theilen der Austerschaalen, nachdem solche zu Pulver zerrieben worden, gezogen ist und dieses nennen sie Perlenweiß.


p. 381

6.

Eyerschaalenweiß.

Das Weisse von Eyerschaalen giebt zum Fresko- und Pastellmahlen eine angenehme Weisse. In dieser Absicht zerstampfet man die Schaalen, reibet und siedet sie mit ungelöschtem Kalk in Wasser von ihren Hefen rein, und seibet sie durch; wiederholt das Waschen und Reiben, bis das Wasser klar abläuft, und machet aus ihnen auf dem Farbensteine einen Pastellteig, den man an der Sonne trocknet. Noch besser aber ist es, dieses Weiß im Ofen backen zu lassen, weil es an feuchten Orten einen unerträglichen Geruch an sich zieht. Man braucht es zur Fleischfarbe und weißen Gewändern.

7.

Karmeliterweiß.

Diese ist die schönste und sauberste Art, die Wände zu weißen. Man nimmt eine gute Menge des besten Kalks, siebet solchen durch eine feine Leinewand, schüttet ihn in ein hölzernes Gefäß mit einem Zapfen, und zwar so hoch, bis an das inwendige loch des Zapfens, gießt klares Brunnenwasser darauf, rührt es mit Stäben fleißig durcheinander, und läßt es sich 24 Stunden setzen. Daraauf läßt man das Wasser, welches zwey queer Finger breit über den Kalk stehen muß, ablaufen, und gießt wieder frisches darüber. Dieß Schlemmen wiederholt man einige Tage hintereinander. Je mehr man den Kalk wäscht, desto weißer wird er. Zuletzt wird der Kalk wie ein Teig. Wenn man ihn nun gebrauchen will, so thut man eine gewisse Quantität in einen irrdenen Topf, und mischt et was Berlinerblau oder Indigo darunter, um das Weiß desto dauerhafter zu machen; darauf rührt man es mit Handschuhleim und ein wenig Alaun ab, und übertüncht die Wand 5 oder 6mal mit einem großen Pinsel oder Quaste. Man muß die Wand jedesmal nur ganz dünne übertünchen, und so lange warten, bis der Anstrich sehr trocken ist. Endlich nimmt man einen Pinsel von wilden Schweinsborsten, und reibt die Wand scharf damit ab, wodurch sie den Glanz bekömmt, der die Schönheit dieser ganzen Arbeit ausmacht, und ihr zuweilen das. Ansehen von Marmor oder Stuck giebt. Das geht aber nur auf neu beworfene Wände an; wollte man es bey alten Wänden thun, so müßte man das Oberste erst gänzlich abkratzen, und gleichsam eine neue Wand machen.