Schedel 1798
Johann Christian Schedel, Praktisches Taschenwörterbuch der Waarenkunde; ein vollständiges Handbuch für Kaufleute bey dem Ein- und Verkauf aller Produkte, Waaren und Handelsartikel I, Leipzig [Voß und Compagnie] 1798.
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Farben, Farbwaaren
Farben, Farbwaaren, davon giebt es bey der Handlung zweyerley Hauptarten: nämlich Malerfarben und Färberstoffe, oder Materialien für Färber. Zu der erstern gehören, die verschiedenen Artikel, wovon die Maler, Lackierer etc. ihre Wasser- Saft- oder Oelfarben zu bereiten pflegen. Dergleichen sind die verschiedenen Farbenerden, Mineralien, z. B. Berggrün, Operment, grüne Erde und dergl., wie auch chemische Produkte, als, Berlinerblau, Berlinerroth, Schüttgelb, Karmin, Florentiner- und Wienerlack etc. hieher gehören auch die gemahlenen mit Oel zubereiteten Farben, die zum Anstreichen der Schiffe und Gebäude gebraucht werden, und die man in Fäßchen von 60–70 Pfd. zum Handel bringt. Diese gehen häufig nach Amerika und anderwärts mehr hin. Alle diese verschiedenen Farbenartikel kommen unter ihren besondern Namen vor.
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Ocher, Ocker
Ocher, Ocker, L. Ochra, gelbe oder röthlichte, aus zerstörten Erzen entstandene Bergerde, die hier und da in Bley-Eisen- und Kupfergruben gegraben wird. Die erstere Farbe ist eigentlich nur natürlich, die andere aber, oder die rothe, wird durch Feuer hervorgebracht. Diese und jene liefern uns England, Frankreich, das Sächsische Erzgebirge, Böhmen und einige andere Gegenden. Eine der vorzüglichsten Arten ist die, welche in Berry gewonnen, und häufig von Nantes, Bourdeaux etc. verfahren wird. Man hat da davon gelben und auch rothen, der bey Oxhöft von 600–700 Pfd. gehandelt wird. Je trockener, zarter und höher in der Farbe diese Waare ausfällt, desto besser ist sie. Den blaßgelben Ocker heißt man in Frankreich schlechtweg Ochre jaune, den dunkelgelben Ochre de rue, den braunrothen brun rouge oder Potée. Auch diese Waare erhält man aus England. Sie wird von Malern zum Anstreichen, und von Beutlern und Handschuhmachern zum Färben des Leders verbraucht. Etwas weniges kömmt auch in die Apotheken, wo man den Ocher, seiner zusammenziehenden Kraft wegen, zu Pflastern nimmt. Außerdem wird er noch zum Putzen der Spiegel und mancher Metalle angewandt. Goslar am Harz giebt gleichfalls Ocher, der in Menge, ins Preussische verfahren wird. Toskana, insonderheit die Gegend um Siena, liefert zweyerley Sorten, eine dunkelgelbe, eigentlich Bolerde, der sich nicht allein die Maler zur Farbe, sondern auch die Aerzte gegen Bauchflüsse etc. bedienen: die andere ist hellgelb, und dient den Malern. Ungarn giebt dunkel- und hellgelben Ocher, so auch das Römische Gebiet; und alle diese Sorten sind sehr im Ruf.
