Wallerius 1750
Johann Gottschalk Wallerius, Mineralogie, oder Mineralreich, Berlin [Christoph Gottlieb Nicolai] 1750.
pp. 53–89
I. Abteilung oder Ordnung.
Kalkarten.
Lapides calcarei.
Kalkarten werden die Steine genant, welche im Feuer gebrannt von einander in Staub zerfallen, welcher aufs neue mit Wasser oder etwas anderm, auf verschiedene Art, vermischt, eine neue Härte annimmt; sie sind auch so los, daß sie gegen Stahl geschlagen, kein Feuer von sich geben.
Unter diese Abteilung rechnet man folgende Steingeschlechter.
§. 34.
1. Kalkstein. Genus VII.
Calcareus lapis. Marmor fusaneum. DIOSCOR. Marmor rude, LINN. Saxum calcareum AGRIC.
1. Die kleineste Teilchen im Kalksteine sind zart, und kan man keine besondre gewisse Figur, ausser wie Funken und kleine Flokken bemerken.
2. Bricht oder zerschlägt man diese Steine; so zerfallen sie in ungewisse Stükke und Ekken.
3. Ist zwar aller Kalkstein hart, läst sich aber doch mit Eisen und der Feile leicht zerreiben: nimmt auch nicht gern eine Politur an; besizt auch nicht reine und lebhafte Farben.
4. In der Luft verwittert er sich selbst, und zerfällt unter dem blossen Himmel. Eine Art mehr, die andre weniger; doch je feiner die Art ist, je leichter zerfällt sie.
5. Wenn man ihn im Feuer brennt und calciniret, ziehet er darauf viele Feuchtigkeit in sich, und verfällt von selbst in der Luft in einen Staub. Eben auch, wenn man ihn in Feuer calciniret, giebt er mit dem Salmiaksgeiste einen starken urinösen Geruch.
6. Mit Scheidewasser und andern scharfen Kunstgeistern gähret er stark auf, wenn er auch gleich noch roh und ungebrennt ist.
7. Seine ihm eigne Schwere (gravitas specifica) ist gegen das Wasser, wie 2.810 : 1000. oder 2,81 : 100.
§. 35.
I. Dichter Kalkstein. Species 41.
Calcareus particulis indistinctis. Calcarius aequabilis. Calculus littoralis. DIOSCOR. CAESALP. ENCEL.
Ist ein so fester und ebner Kalkstein, daß dessen Teilchen mit den blossen Augen nicht gesehen, noch weniger von einander getrennet werden können. Er bricht oft in ausgehöhlte und erhabne Stükke, und kan alsdenn nicht anders als mit dem Feuerstahl, oder der Feile, oder dem Scheidewasser von einem groben Feuersteine unterschieden werden. In Ansehung der Farbe findet man ihn mancherlei:
1. Weissen dichten Kalkstein, Calcareus æquabilis colore albo.
2. Grauen dichten Kalkstein, Calcareus æquabilis griseus.
Solcher feste Kalkstein findet sich auf Frösö in Jämtland. Hier in Upland, um Upsala herum, findet sich auf den Aekkern ein lichtgrauer Kalkstein, in kleinern Stükken, welcher in eingetiefte und ausgebogne Stükke bricht, und gänzlich wie ein lichtgrauer Flintenstein aussiehet.
3. Dunkelgrauen dichten Kalkstein, Calcareus æquabilis ferreo colore.
Ist von dunkler Eisenfarbe, und wird auch auf Frösö gefunden: von einer andern dunkelgrauen
Farbe findet sich welcher bei Brüchsal, welcher sich wie ein Feuerstein von einander splittert, und dem selben gleich ist. Königl, Schwed. Wiss. Akad. Handl. Vol. I. p. 210.
4. Braunen dichten Kalkstein. Calcareus æquabilis fuscus.
Von solcher Farbe findet man ihn im Osmundsberge im Rättwikskirchspiele in Daleland. K. S. W. A.. Vol. I, p. 203. Bei diesem Rättwikskalksteine ist zu merken, daß er bei einem gewissen Grade der Wärme im Feuer zu Glase schmelzet. Es scheint, als ob man die Ursache dazu mit Fuge von dem eingemischten Bergöhle und der Vitriolssäure herleiten könne.
5. Rothen dichten Kalkstein, Calcareus æquabilis rubens.
6. Grünen dichten Kalkstein, Calcareus æquabilis viridis.
Von solcher grünen Farbe ist der Pragische Kalkstein.
7. Schwarzen dichten Kalkstein, Calcareus æquabilis niger.
Wird eben auch bei Prage [!] gefunden. Man könte auch den dunkelsten Frösökalkstein hieher rechnen.
8. Aderichen und gereiften, Calcareus æquabilis venosus.
1. Anm. Die Kalksteinsgeschiebe von Töpliz gehören auch hieher unter die Kalksteinsabänderungen, und man führet sie zu der Verschiedenheit, von deren Farbe sie ihr Teil haben. Wenn unter der Erde ein ganzer Haufe Steine auf einer gewissen Stelle aufgehäufft gefunden wird, welche ehedem, ausser allem Zweifel von einigem Berggange aufgebrochen worden sind; so nennen die Bergleute diesen gesammleten Steinhaufen ein Geschiebe, das ist, durch einander geworfene Steine.
2. Anm. Dieser Art Kalkstein ist von fremder Vermischung anderer Steinteilchen, als Glimmersand und anderen, am meisten rein. Wenn er zu Kalk gebrant ist, giebt er einen festen und guten, ob gleich nicht allezeit weissen Kalck.
II. Schimmernder Kalkstein. Species 42.
Calcareus particulis scintillantibus. Calcareus scintillans.
Weiset kleine Funken, und gleichsam kleinen Samen oder Gipskörner, welche zuweilen der Länge nach, zuweilen unordentlicher Weise fallen. Unter diese Kalksteinart menget sich gerne fremder Stof, am liebsten Glimmer: wodurch er denn an Farbe sowol als Gestalt, allerlei Wechsel leidet. Man findet:
1. Weissen schimmernden Kalkstein, Calcareus scintillans albus.
2. Grauen schimmernden Kalkstein, Calcareus scintillans griseus.
3. Grünlichen schimmernden Kalkstein, Calcareus scintillans viridescens.
4. Schwarzen schimmernden Kalkstein, Calcareus scintillans niger.
Findet sich unterweilen in Eisengruben, auch anderswo, und wird daselbst oft, obwol unrecht, Hornstein genant.
5. Vielfarbigen schimmernden Kalkstein, Calcareus scintillans variegatus.
Wird oft unter dem Marmor, aber mit Unrechte aufgewiesen, wie aus den Eigenschaften des folgenden Geschlechtes, oder Marmors, ersehen werden kan.
6. Wellenförmigen schimmernden Kalkstein, Calcareus scintillans undulatus.
7. Streifenartigen schimmernden Kalkstein, Calcareus scintillans stratosus. Calcareus lapis Polyzonies.
Liegt in Schichten von verschiedener Farbe.
Anm. Von diesem Kalksteine nutzet man den schlechtesten Kalk: die mit einschleichende fremdartige Dinge (heterogenea) sind Schuld daran.
III. Körniger Kalkstein. Species 43.
Calcareus particulis dispersis. Calcareus inæquabilis.
Dessen Teilchen fallen grösser und deutlicher, daß man entscheiden kan, sie haben die Eigenschaft von kleinem Spathgries oder Gipsbrokken: oft enthält er etwas fremdartiges, welches sich gerne in gewissen Strichen und Lagen enthält, und dem man daher, wenn man seiner gebrauchen will, ausweichen kan. Man findet ihn beides an Farbe mannigfaltig und in seinem Verhalten veränderlich.
1. Weissen körnigen Kalkstein, Calcareus inæquabilis albus.
2. Grauen körnigen Kalkstein, Calcareus inæquabilis griseus.
3. Grünen körnigten Kalkstein, Calcareus inæquabilis viridescens.
4. Wellenförmigen körnigen Kalkstein, Calcareus inæquabilis undalatus.
5. Streifenartigen körnigen Kalkstein, Calcareus inæquabilis stratosus. Lapis Calcareus Polyzonies.
1. Anm. Dieser Kalkstein giebt in seiner Nuzung den weissesten, und eben so leichtlich den festesten Kalk.
2. Anm. Von dieser Steinart nehmen die Bergleute am liebsten ihren Leimstein, dessen sie sich bei den Schmelzöfen zum Flusse, das ist, zum Absorbiren, und, in Folge davon, zum Aufflösen und Verstöhren der Schwefelsäure und des Schwefels selbst, bedienen. Denn der alkalische Kalk ziehet alle Säure in sich. Doch braucht man im Notfalle auch die vorige Kalksteinarten.
Anmerkung von den Kalksteinen.
1. Anm. Bei ungerührten Kalkbergen kan man klärlich sehen, wie der schimmernde und körnigte Kalkstein, in gewissen Lagen zerwittert und zerstöhret ist; daraus man alsobald finden und urteilen kan, daß daselbst eine Vermischung vom fremden Stoffe vorhanden sei.
2. Anm. Bei chemischen Versuchen verhält sich aller Kalkstein nicht gleich. Denn, wenn man Kalksteine destilliret, so geben sie einen Saft von sich, welcher, von einem Teile Kalksteine, den Violsyrup rothfärbet, die Silbersolution präcipitiret, und vom aufgelöseten Queksilber im Scheidwasser einen Merkurius sublimatus macht. Von einem anderm Teile Kalksteine färbet die destillirte Feuchtigkeit den Violsyrup grünlicht, schlägt die Silbersolution weis nieder, und färbt die Kupfersolution im Scheidwasser Meergrün und etwas dikke: woraus zu ersehen ist, daß in den Kalksteinen ein Salzgeist ist, welcher auch ausserdem mit Vitriolöhle klärlich daraus abgezogen werden kan: desgleichen findet man hieraus, daß in den Kalksteinen ein irdisches alkalisches Salz sei. Dieses alkalische Salz ist bey einem Teile dieser Steinarten flüchtiger und in stärkerer Menge, so, daß es auch überdestilliret wird, und zuweilen zu einer salzartigen Festigkeit gedeihet, und alsdenn im Halse der Retorte sitzen bleibet. S. Friedr. Hofmanns Disp. de thermis Carolinis Cap. IV. §. 2. HENKELS Appropr. p. 126. n. 4. EPH. N. C. V. p. 325. &c. zuweilen folget dieses zugleich mit der übergehenden Feuchtigkeit, wovon der Violsyrup und Kupfersolution grüngefärbt wird, und dergleichen. Bei einem Teile Kalksteine ist dies alkalische Salz etwas dauerhafter im Feuer, und fester, und zeiget sich nicht ehe, als bis der Kalkstein gebrannt ist und gelöscht werden soll; indem alsdenn der dabei aufsteigende Rauch den Violsyrup grün färbet, und das Sublimat orangefarbe präcipitirt wird. Hieraus versteht man, warum die aus den Kalksteinen destillirte Feuchtigkeit so veränderlich ist, und daß die Kalksteine von ungleicher Beschaffenheit sind. Beim Kalkbrennen empfindet man auch durch den Geruch, daß in den Kalksteinen etwas schwefelartiges oder bituminöses vorhanden sey.
3. Anm. Was das anbetrift, daß ein Teil Kalksteine bei gelinden, ein Teil bei stärkerm Feuer, ein Teil gar nicht zu Glase werde; so meint man, daß man aus voriger Anmerkung die Ursache davon abnehmen könne: nemlich aus dem untermengten flüchtigen Salze, welches mit dem Salzgeiste im Brennen ein Salmiak macht, welches, mit ungelöschtem Kalke vermischt, eine Masse giebet, welche nicht allein selbst im Feuer schmelzet, sondern auch alle schwer schmelzende Sachen zum Schmelzen und einem Glasflusse bringen kan. Das Sal ammoniacum fixum erläutert diese Sache, und beweiset, daß der blosse Salz-Spiritus, mit Kalke vermischt, es fliessend mache. Doch sagt man ganz unrecht, daß der Kalkstein zu einem Glase zerfliesse; denn dies geschiehet niemahls: denn der Kalk selbst folgt dem salzartigen Wesen, und siehet aus, als ob es zu Glase geworden wäre, da es doch allein im Glase untermenget ist. Daher wird alles Glas, zu dessen Zubereitung Kalk genommen ist, mit der Zeit unklar, milchfarben und staubicht; und da erhellet denn, ob und wie der Kalk zu Glase geworden sei? Nicht weniger darf man befürchten, als ob so wenig alkalisches Salz im Kalke wäre; denn wenn man den Kalk oft und mit vielem Wasser ablauget, so wird man finden, daß das Salz gegen die Erde die Hälfte, wo nicht mehr, in den Kalksteinen ausmachet, welche im Feuer schmelzen: in den übrigen, welche nicht schmelzen, ist das Salz in solcher Menge nicht. Zu dieser Vitrification einiger Kalksteine tragen auch die andre mit untermengte fremdartige Dinge ein vieles bei, welche in dem einen Kalksteine mehr als im andern sind.
§. 36.
II. Marmor, Marmor. Genus VIII.
Marmor nitidum LINN.
1. Die Teile im Marmor sind fein und gelinde, und zeigt sich hier weder Hökker noch Grus.
2. Zerspringt in ungewisse Stükken und Ekken.
3. Ist wol hart, kan aber doch mit Stahl gerieben werden, und nimmt eine schöne Politur und Glanz an: besizt hohe und reine Farben.
4. Zuerst erhärtet aller Marmor, der neulich gebrochen ist, in der Luft, da er loser war, als er im Berge gebrochen wurde: dagegen aber ist der Marmor auch mehr als ein andrer Stein geneigt, wenn er einige Zeitlang an der Luft gewesen ist, wieder zu zerfallen.
5. Im Feuer verhält sich der Marmor allerdings wie ein Kalkstein. (§. 33. 5.).
6. Mit Scheidewasser desgleichen, wie ein Kalkstein (§. 33. 6.).
7. Seine eigentümliche Schwere gegen das Wasser ist, wie 2,718 : 1000 oder 2,70 : 100.
Anm. Aus den vorhergehenden und benanten Eigenschaften, welche der Marmor besitzet, findet man, daß sie eines Teils eben die sind, welche der Kalkstein hat; nichts desto weniger, umso viel mehrerer Deutlichkeit und besserer Käntnis willen, als auch um der (n. 1. 3. 4. 7.) angeführter besonderer Eigenschaften willen, werden die Marmorarten, als ein besonderes Geschlecht angesehen.
§. 37.
Ob gleich die Marmorarten in grosser Menge aufgeführet werden, kan man doch mit Rechte es nicht achten, daß mehrere als folgende Arten wirklich sind.
I. Einfacher Marmor. einfärbichter Marmor. Marmor unicolor. Species 44.
Bestehet allein aus Einer Farbe, welche doch hoch und lebhaft ist. Man findet:
1. Weissen Marmor, Marmor unicolor album. Lapis Parius. Lychnites. Lapides Lygdini. PLINII.
Man hat ihn halbdurchscheinend gefunden: welcher weisse Marmor ehemals Phengites PLINII oder auch Tassus genant wurde; und auch undurchsichtig, welcher seinen Namen von den Oertern, wo er gebrochen wurde, her hat, als Lapis Coraliticus; Lapis Arabicus; Chernites &c.
2. Schwarzen Marmor, Marmor unicolor nigrum. Marmor taeniarum. Marmor Luculleum. Lapis Lydius.
Ein Teil davon findet sich, welcher die Eigenschaft hat, daß er übel riechet, wenn man ihn reibet, und giebt in Feuer einen weissen Kalk. Ein Teil ist lokkerer schwarzer Marmor, welcher nach dem Reiben nicht riechet, und dieser wird zum Probirsteine gebraucht. Die schwarze Farbe kommt von einer harzigten Materie her: dies ist die Ursache, daß aller schwarze Marmor übel riechet.
Anm. Die Steinmezen nennen den festen schwarzen Marmor Tusebe, welcher, um zum Probirsteine gebraucht zu werden, zu hart ist.
3. Gelben Marmor, Marmor unicolor flavum. Marmor Seravitianum CAESALP. Phengites AGRIC. Numidicum.
Ob gleich dieser Marmor von gelber Farbe ist, giebt er im Feuer doch einen weissen Kalk.
Anm. Die gelbe Farbe scheint von einer flüchtigen Säure abzuhangen. Daher macht das Scheidewasser, wenn man es auf weissen Marmor giesset, denselben gelblich: eben daher wird auch der Moscovitische weisse Kalkstein, wenn er lange an der Sonne gelegen ist, gelbe.
4. Rothen Marmor, Marmor unicolor rubrum. Rufum IMPERATI.
Alle die rethe Marmorarten, welche von den Schriftstellern aufgeführet werden, gehören Teils zu den Jaspisarten; als der Porphyr; Teils sind sie von vermischter Farbe. Doch der Marmor rubrum Ratisbonense KENTMANNI dürfte hieher kommen.
5. Dunkelbraunen Marmor, Marmor unicolor Lividum. Marmor Numidicum.
6. Grauen Marmor, Marmor unicolor Venetum. Marmor Palumbinum.
Man findet ihn sowol lichtgrau als dunkelgrau.
Anm. KENTMANN in Nomencl. rer. f. berichtet von einem grauen Marmor bey Hildesheim, welcher wie gebrant Horn riechet.
7. Grünen Marmor, Marmor unicolor viride. Verdello CAESALP. ITALIAE ?
II. Gesprenkelter Marmor. Species 45.
Marmor variegatum. Marmor maculosum. AGRIC.
Besteht aus den benanten Farben des einfacher Marmors, doch mit eingemengten verschiedenen bald Flekken bald Adern. Man findet:
1. Weisgesprenkelten Marmor, Marmor variegatum album. Marmor candidum maculis vel venis distinctum. AGRIC.
Ist weisser Grund, die Flekken und Adern aber grau oder anderer Farbe.
2. Schwarzgesprenkelten Marmor, Marmor variegatum nigrum. Marmor Africanum. Marmor Carrariense. Paragone CAESALP.
Ist ein schwarzer Marmor, welcher eingesprengte weisse, gelbe, rothe und andre Flekken, oder dergleichen ihn durchlaufende Adern besitzet.
Anm. Bei dem Africanischen Marmor, welcher weis und schwarz ist, ist zu merken, daß die schwarze Flekken zu Glase, die weisse zu Kalke werden. Wenn unsre weisse und dunkle Feldsteine so milde wären, daß sie eine Politur annahmen, so möchten sie diesem Afrikanischen Feldsteine oder Felsenbruchart nichts nachgeben.
3. Gelbgesprenkelten Marmor, Marmor variegatum flavum. Marmor Porta Santa.
Der gelbe Marmor ist sowol mit rothen Flekken, welchen man Porta Santa nennet, als mit weissen gefunden worden; man möchte ihn auch mit andern Flekken finden. Auch hat man ihn geadert, mit weissen Adern, angetroffen.
4. Rothgesprenkelten Marmor, Marmor variegatum rubrum.
Wird mit weissen, gelben, schwarzen, oder andern Flekken und Adern angetroffen. S. BRÜCKM. Epist. it. XXIV. KENTM. Nom. Foss.
5. Braungesprenkelten Marmor, Marmor variegatum lividum. Marmor Lesbium.
Ist auch mit rothen, grauen, schwarzen und andern Flekken und Adern gefunden. S. BRÜCKM. l. c.
6. Graugesprenkelten Marmor. Marmor variegatum Venetum. Marmor Marmiridicum. Marmor Numidicum.
Man findet ihn mit weissen, gelben, rothen abwechselnden, vielleicht auch andersgefärbten Flekken und Adern. Der Marmiridische Marmor hat schwarze Flekken; der Numidische gelbe.
7. Grüngesprenkelten Marmor. Marmor variegatum viride. Marmor Lacedaemoni. Marmor Augustum. Marmor Laconicum. Marmor Tiberium. Thyites. Aconis.
Ist mit verschiedener Art Flekken und Adern gefunden. Im Kohlmordischen Marmorbruche, in Ostergyllen, findet man ihn mit weissen, grauen und gelben Flekken oder Adern.
Anm. Unter den gelbgesprenkelten Marmor hat man vor diesem allezeit den Serpentin Stein mitgerechnet, welcher doch eine Hornsteinart ist, und im Feuer feste stehet.
8. Streifenartigen Marmor. Marmor variegatum stratosum. Marmor Polyzonias.
Hat eine Streife oder Lage über der andern, von verschiedener Farbe. Es findet sich mehrenteils auch darinnen ein Flintensteinartiger oder quarzhafter Stof.
III. Figurirter Marmor. Species 46.
Marmor figuratum. Marmor picturae rudimentis ornatum.
Weiset gleichsam allerlei Gemählde und Schildereien. Man findet:
1. Florentiner Marmor. Marmor figuratum Florentinum.
Zeiget gleichsam verstöhrte Städte, Schlösser, Thürme, Gebürge und dergleichen mehr.
2. Heßischen Marmor. Marmor figuratum Hassiacum
Ist mit Mahlerei, als wie von Bäumen und kleinem Buschwerke, ausgezieret.
Anmerkung über den Marmor.
1. Anm Die Marmorarten sind nicht alle gleich hart und dichte. Denn so sind einige 1) Lose, so, daß sie leichtlich geschnitten und gedrehet werden können. 2) Einige hart, so, daß sie nicht gedrehet werden, ia kaum mit Mühe geschnitten und gedrehet werden können. Einige sind 3) spröde und körnige, und gehen unter der Arbeit leicht entzwei; heissen daher marmora granulata. Einige sind 4) von mittelmäßiger Härte, dienen zu allerlei Arbeit, und werden marmora nobiliora genennet.
2. Anm. Daß der Marmor von neuem wachse, das hat Bagliv in seinem Tractate de Vegetatione Lapid. mit augenscheinlichen Zeugnissen bewiesen, so, daß weiter davon zu handeln unnötig ist. S. §. 2. Anm. 2. n. 3. und 4.
3. Anm. In chemischen Versuchen zeigt sich der Marmor eben wie der Kalkstein (§. 34 Anm. 2.); doch findet sich weniger flüchtiges Salz im Marmor als in vorigen; hingegen besizt er mehr schwefelartiges und harzigtes, wovon dessen Teilchen besser vereinigt werden, und in Folge davon giebt der Marmor einen schönen Glanz von sich. Dieses schwefelichte und harzigte Wesen ist es auch, welches zugleich mit einigem metallischen Dunst die schöne und mannigfaltige, dem Marmor eigne Farben, hervorbringet. Hieraus nimmt man auch wahr, warum daselbst, woselbst die Menge bituminöser Sachen, nebst Kochsalz oder Seesalzwasser, wie in Italien, vorhanden ist, der schönste Marmor gefunden werde. Hievon kommt es auch, daß einiger Marmor riechet. (conf. §. 34. Anm. 1.)
4. Anm. In Betrachtung der einerlei beschaffenen natürlichen Zuthat, (ingredientia) so wol des Marmors als Kalksteines, (§. 34. Anm. 2. auch Anm. 3. dieses §.) desgleichen beiderseits Eigenschaft, im Feuer zu Kalke zu brennen (§. 33. n. 5. und §. 35. n. 5.) kan man billig schliessen, daß sowol der Marmor als Kalkstein von einiger Kreideart oder Brennerde (§. 9.) gezeuget werde: oder auch, und vielleicht eher von einiger Mergelartigen Erde (§. 14.), wozu ein alkalisches, bald mehr, bald weniger flüchtiges Salz kommt: nach diesem kochsalzartiges Wesen, fernerhin eine schwefelichte und harzartige Fettigkeit, welche alles mit einander zusammen bindet, zugleich mit einem metallischen Dunste, welcher zuweilen dazustösset.
§. 38
III. Gips. Genus IX.
Gypsum. Marmor fugax LINN.
1. Die Teilchen in dieser Steinart sind von einer gewissen Figur; obgleich nicht allezeit so deutlich sichtbar. Sie sind entweder rhomboidalisch und kugelförmig vermischt; oder rhomboidalischblätterich; (lamellosae ) oder Fadenartig.
2. Die Gipssteine zerbrechen entweder in ungewisse Stükke, oder in Scheiben und Flächen, oder in Fäden.
3. In Ansehung der Härte sind die Gipssteine mehrenteils so lokker, daß sie mit den Fingern zerrieben, und wenigstens mit dem Messer zerschnitten werden können: daher sie auch meistenteils keine Politur annehmen.
4. Wird der Gipsstein im Feuer calcinirt, und hernach mit Wasser vermischt, bekommt er eine harte Festigkeit. Er ziehet sonst wenige Feuchtigkeit aus der Luft an sich, erhizt sich auch davon nicht, sondern bleibet dergestalt unbeschädiget, ohne in der Luft zu zerfallen; auch in der Beschaffenheit, wozu er durchs Feuer gebracht ist. Eben so, wenn er im Feuer calcinirt ist, giebt er keinen urinösen Geruch von sich, wenn man ihn mit Stinkgeistern reibet. Doch wird der Alabaster hievon ausgenommen.
5. Die rauhe Gipssteine gähren im geringsten nicht mit Scheidewasser und andern sauren Geistern auf, der Alabaster gähret ein wenig, wenn er calciniret ist.
6. Die eigentümliche Schwere der Gipssteine ist etwas veränderlich, und soll bei jeder Art angemerket werden.
Anm. Diese Gipssteine sind bei andern Schriftstellern teils zum Marmor, teils zu den Spathen eingerechnet; da sie aber viele, von diesen beiden unterschiedene, Eigenschaften besitzen: so hat mans vors beste angesehen, diesem Geschlechte seine eigne Stelle zu geben.
§. 39.
I. Alabaster. Species 47.
Gypsum particulis minimis, punctulis nitens, polituram admittens. Alabastrum.
Bestehet aus feinen kleinen schimmernden Teilen, wie Pünctchen: läst sich poliren, doch nicht zu dem Glanze wie der Marmor. Unterscheidet sich ausser dem vom Marmor darin, daß seine Teilchen feiner, sanfter, und kugelgleicher sind. Auch darin, daß diese Art rohe mit Scheidewasser nicht aufgähret, auch loser als der Marmor ist. Calcinirt, und mit Salmiak gerieben, riecht er. Brauset (effervescirt) auch mit Scheidewasser. Mit Wasser vermischt, erhärtet er nicht, sondern verhält sich wie ein Kalkstein. Seine eigentümliche Schwere gegen das Wasser, wie 1,872 : 1000. Man findet:
1. Weissen Alabaster. Alabastrum candicans.
2. Weissen Alabaster mit schwarzen Flekken. Alabastrum candicans maculis nigris.
3. Röthlichen Alabaster. Alabastrum ruffescens. Onychites.
Dieser röthliche Alabaster riecht mit Scheidewasser oder destillirtem Eßig, wie Hepar Sulphuris, und wird grün, mit Eßig gelb gefärbet.
4. Alabastrit. Alabastrum durius opacum. Gypsum glebosum, quod marmoris modo nitet et micat. KENTM. SCHEUCHZ. Marmor alabastrites. AGRIC.
Ist etwas härter und dichter, und dabei ganz undurchsichtig: im übrigen aber kommt er ganz mit den andern Abänderungen vom Alabaster überein.
II. Gips. Species 48.
Gypsum particulis parallelipipedeis, et globosis concretum. Gypsum.
Bestehet aus ablänglichtvierekten oder parallelipipedeischen, zugleich auch aus runden kuglichten Teilchen, welche dicht neben einander vermischt, aber schwerlich zu merken find. Er unterscheidet sich darin vom Spath, daß die Gipspartikeln niemahls eine reine rhomboidalische Figur bekommen, auch nicht würftig brechen, sondern mehr blätterich, schiefrich, und schuppenartig fallen. Es nimt auch der Gips keine Politur, noch minder einigen Glanz an. Calcinirt und pulverisirt brauset er ein wenig mit Scheidewasser. Seine eigentümliche Schwere gegen das Wasser, ist wie 1, 900 : 1000. Man findet:
1. Grobkörnigen Gips. Gypsum particulis maioribus, mollius.
Besteht aus gröbern und grössern Teilen; ist aber dabei ganz weich und lokker, so, daß er leicht zwischen den Fingern zerrieben werden kan.
2. Kleinkörnigen Gips. Gypsum particulis minoribus, durum.
Ist so hart, daß man kaum mit den Fingern etwas davon abreiben kan, bestehet auch aus feinen kleinen Teilen.
3. Sandartigglänzenden Gips. Gypsum arenarium. Lapis arenarius. BRÜCKM. Ep. itin. XLVII. VI. 14.
Ist nicht anders, als ob er aus Sande oder Sandteilchen bestunde. (conf. §. 27. 4.1.)
4. Lüneburger Porcellain. Gypsum in igne vitro albo obductum. Gypsus natiuus seu porcellana Luneburgica. BRUCKM. l. c.
Ist ein mit Sande vermischter Gipsstein, welcher im Feuer mit weissen Glase überzogen wird.
1. Anm. Man findet ausser dem den Gips von verschiedener Farbe: nemlich weis, welcher zuweilen so bereitet werden kan, daß er zu Kreide tauget, BRÜCKM. M. D. T. II. p. 657; lichtgrau, grau mit schwarzen Flekken, röthlich, grün.
2. Anm. Brennt man den Gips in einem küpfernen oder eisernem Tiegel, gnistert er wie Salz, und barnächst, bei stärkerem Feuer, kocht er mit Blasen, wie mit Wasser.
3. Anm. Bei Zubereitung des Glauberischen Salzes, welches vom Kochsalze und Vitriol gemacht wird, bekommt man eine weisse flüßige Materie oder cremor, welche eine vollkommene Gleichheit mit dem Gipse hat. Histor. Paris. 1719. p. 13. et seqq.
III. Gipscristallen. Gipsdrusen. Species 49.
Gypsum cristallisatum. Selenites. Fluor seleniticus. SCHEUCHZ. Selenites cristalloides. SCHEUCHZ.
Ist ein kristallisirter, und in Figuren angeschossener Gips, welches Teilchen man meistens alsdenn in rhomboidalischer Figur oder Fasern findet. Doch die Ekken haben allezeit stumpfe und abgebrochene Kanten; wodurch er auch, ausser obenangeführten besondern Eigenschaften, vom Spathkristallen und Spathdrusen unterschieden wird. Man findet:
1. Gipskristallen von rhomboidalischer Figur. Gypsum cristallisatum figura Rhomboidali.
2. Gipskristalle von parallelipipedischer sechsekkiger Figur. Gypsum cristallisatum figura parallipipedea hexangulari.
3. Gipskristalle in grössern und kleinern Pyramiden. Gypsum cristallisatum figura pyramidali.
4. Gipskristalle in Fasern. Gypsum cristallisatum filamentosum. Gypsum capillare KENTM.
Solche fadenartige Gipskristalle werden auf der Kupfertafel Fig. I. vorgestellet.
Anm. Wenn diese Gipskristalle in Menge, in einem Stükke beisammen gefunden werden, werden sie Gipsdrusen, Drusa selenitica, genennet.
IV. Selenit. Spiegelstein. Species 50.
Gypsum lamellis rhomboidalibus pellucidum. SELENITES. Lapis specularis PLIN. AGRIC.
Glacies Mariae. Speculum Asini. MATTHIOLI. Vitrum Ruthenicum AGRIC. Vitrum Muscoviticum. Lapis glacialis. Argyrolithos. Aphroselenites GALENI. Spuma Lunae &c.
Bestehet aus lauter Blattern und Scheiben, so, daß ein Blätchen, so dünne es auch ist, doch in andre Scheibchen zerteilet werden kan. Diese Scheiben brechen auch mehrenteils, wenn sie etwas dikke sind, allezeit in eine rhomboidalische Figur. Der Stein ist ganz durchsichtig. Calcinirt verliehret er seine Durchsichtigkeit. Er gähret auch alsdenn nicht mit Scheidewasser, giebt auch ebenfalls mit Salmiaksgeiste keinen urinösen Geruch. Seine eigen tümliche Schwere zum Wasser, verhält sich, wie 2,322 : 1000.
Man findet:
1. Weissen Selenit. Selenites albus.
2. Gelben Selenit. Selenites flavus.
3. Schimmernden Selenit. Selenites versicolor.
1. Anm. Von dieser Farbe findet man den Selenit in Gipsbruche bei Quedlinburg. BRÜCKM, Ep. itin. XLVII., V. a. n. 7. ad 14.
2. Anm. Das Rußische Glas, Kazengold und Kazensilber, sind wol diesem Selenit sehr gleich; gehören doch aber, weil sie im Feuer aushalten, nicht hieher, sondern unter den Glimmer.
3. Anm. Bei vielen, eben auch auf Apotheken, nennet man diesen Selenit, aber unrecht, Marienglas.
V. Schiefergips. Species 51.
Gypsum lamellis inordinatis. Gypsum lamellosum.
Bricht in dünne Scheiben und Blätterchen, welche ohne eine gewisbestimmte Figur sind. Im Feuer wird er zu Gips ohne von einander zu gnistern. Man findet:
1. Undurchsichtigen Schiefergips. Gypsum lamellosum opacum.
Ist von grauer Farbe von unbestimmter Figur, die Scheiben sind bald dünner, bald dikker. Mehrenteils wird zwischen den Blätterchen ein gefärbter Gips gefunden.
2. Gradebrüchigen klaren Schiefergips. Gipsum lamellosfum, lineis rectis fissile, pellucidum.
Hat etwas biegsame Blätterchen, wird in Parallellinien gebrochen und geschnitten, doch ohne bestimmte Figur.
3. Schuppenartigen Schiefergips. Gypsum lamellosum, squamulis irregularibus, pellucidum.
Dieser Art Scheibchen sind nicht in grade Linien abgeschnitten, sondern unbestimmt; sie sind auch Schuppenartig, dem Kazensilber nicht ungleich. Gnistern ein wenig, wenn man mit einem Messer oder Nagel etwas daran reibet, beinahe wie Talk. RINMAN.
VI. Strahlgips. Species 52.
Gypsum filamentis parallelis compositum. Gypsum striatum.
Bestehet aus Parallelen-festzusammengesezten Fasern, welche entweder perpendikulär, oder liegend oder schiefrecht gehen. Im Feuer wird er weiß, wie eine Kreide, und klebt alsdenn an den Fingern. Brauset doch mit Scheidewasser gar nicht auf; giebt auch mit den Salmiaksgeiste keinen urinösen Geruch. Man findet:
1. Amianthartigen Strahlgips. Gypsum striatum filamentis perpendicularibus. Gypsum Amianthiforme. SCHEUCHZ. Talcum striatum WOODW. Spathum Amiantho simile WOODW. T. II. add. p. 6.
Ist dem Amianth ganz gleich, wird auch von vielen vor Federalaun aufgewiesen, welcher es beides am Farbe und Structur gleichet, aber das Feuer, wie auch ein erfahrnes Auge, unterscheidet sie leichtlich.
2. Schieferalaun. Gypsum striatum, filamentis in lamellas compactis. Alumen scaiolae. Alumen plumosum. Lapis schistus albus. Talcum album KUNDM. Alumen scissile.
Bestehet aus Fasern, welche in Blätterchen und Scheiben dichte zusammengesezt sind.
Anm. Man findet Schieferalaun so wol dunkel als durchsichtig, eben auch am Farbe veränderlich, als weiß, roth, aderich, oder sonst vermischt.
VII. Durchscheinenden Gips. Species 53.
Gypsum solidum, pellucidum, fibrosum. Gypsum solidum.
Ist beinahe so fest, daß keine Teilchen in demselben, ausser dies, daß er etwas faserich (fibrosum) erscheint, unterschieden werden können: er teilt sich auch leichter in Fasern, als in Scheiben; ist ganz durchsichtig und klar. RINM.
VIII. Scheinender Stein. Bononiensischer Stein. Species 54.
Gypsum irregulare, lamellosum, calcinatum, in tenebris lucens. Phosphorus Bononiensis. Lapis illuminabilis. Lapis Bononiensis.
Besteht aus faserichten Scheiben, welche wie mit einer Haut überzogen sind; ist halb durchsichtig; im Finstern leuchtet er; brauset auch mit allen sauren Geistern auf, und hat alsdenn einen widrigen Geruch.
1. Anm. Was dieses scheinenden Steines Natur betrifft, sind folgende chemische Versuche gemacht. conf. Acad. Bonon. Comment. p. 186. Die Lauge, welche man von und nach diesem calcinirten Steine macht, präcipitirt des Mercurius Sublimatus Solution schwarz; präcipitirt auch gleicher Gestalt die Blei- Silber- und Vitriolssolutionen; gähret mit allen sauren Geistern auf; hat dergleichen Geruch und Geschmak, als wenn man Operment, ungelöschten Kalk und Wasser vermischet. Hieraus schliesset man, daß in diesem Steine, ausser dem alkalischen und schwefelhaften Wesen, auch etwas arsenikalisches zu finden sein müsse.
2. Anm. Was die Phosphorescirung dieses Steines angehet, so ist dabei zu merken, daß diese Eigenschaft so eigentlich demselben alleine nicht zugehöret; sondern die Erfarung bezeuget, daß alle Gips- Marmor- und Kalkarten, wenn sie einmahl oder öfter gebrant sind, nachdem sie nunmehr erkaltet sind, im Finstern leuchten. Auch geben alle diese Marmor-Kalk und Gipsarten ein lichtsblaues Licht von sich. Nicht aber auch diese Arten phosphoresciren allein, sondern es ist zu merken, daß alle ganz durchscheinende und elektrische Steine, diese phosphorescirende Eigenschaft zugleich besizen. Dergestalt, wenn man blos einen klaren Kristall, oder einen Demant und Topas, oder einen andern, den Tag über in den Sonnenschein leget: so wird man finden, daß er auf den Abend im Finstern leuchtet, ohne daß eine andre Zubereitung nötig wäre. Ein Teil der Steine leuchtet im Finstern nicht ehe, als bis sie in Scheidewasser aufgelöset sind. Sind also meist alle Steine, wenn man sie verschiedentlich handthieret, dahin zu bringen, daß sie im Finstern leuchten: ausgenommen Agathe, Jaspisarten, Felssteine, Flintensteine, samt den Steinen, die im Feuer ausdauren.
IX. Nierenstein. Species 55.
Gypsum viride, semipellucidum, fissile. Lapis Nephriticus.
Ist ein grüner, bald mehr, bald weniger halbdurchscheinender Gipsstein, schiefricht und lokker, und fühlt sich etwas fettig an. Seine eigentumliche Schwere ist 2,894.
Anm. Daß man diesen Nierenstein zu den Gipsarten gerechnet hat, find folgende Ursachen: 1) ist er rauh und schiefricht. 2) läßt er sich nicht poliren. 3) ist er fettig, wie eine Talkart. 4) ist er so lokker, daß er sein Gewebe ändert, wenn er allein in ein Kräuterdecoct gelegt wird, wie WORMIUS, BOYLEUS und König p. 226. berichten 5) ist er halb durchscheinend. 6) ist er von POTT, nachgemachten Versuchen, zu den kalkartigen Steinen gerechnet worden. I. Disp. de sol. Corp. partic. p. 120. Und in der Disp. de Sale comm. p. 81. 7) wird im Kochsalzgeiste und Aqua Regis ganz und gar, und im Salpeterspiritus mehr denn zur Hälfte aufgelöset. 8) giebt durch die Destillation ein übelriechendes Oehl, auch einigen Salmiak. NEUMANN Prael. chem. p. 1581. In Betrachtung alles dessen, ist dieser Stein unrecht von einigen unter die Agathe, von andern unter die Jaspis arten gerechnet: es ist nunmehro auch nicht schwer, denselben von einem Malachit zu unterscheiden.
§. 40.
IV. Spath. Genus X.
Spatum. Marmor metallicum. Selenites. Glarea BRÜCKM.
1. Die Teilchen dieses Steins bestehen mehrenteils aus Spizen und länglichten Würfeln, und allezeit glatten glänzenden Flächen, oder ebenen Seiten.
2. Der Spath zersplittert sich in eben solche Stükke, wie seine Teile jezt beschrieben sind.
3. In Ansehung seiner Härte ist er veränderlich. Denn, einige Spathe sind so lokker, daß sie mit Fingern zerrieben werden können; einige sind so harte als Feuersteine; einige von mittelmäßiger Härte.
4. Im Feuer gnistert er meist entzwei, und wird so broklich, daß er zwischen den Fingern zu Mehl zerrieben werden kan. Uber, wenn er calcinirt ist, ziehet er doch die Feuchtigkeit aus der Luft so bald nicht an sich, erhizt sich auch so schnell mit Wasser nicht, als der andre Kalkstein; im übrigen aber verhält er sich eben also, beide mit dem Löschen mit Wasser, als mit Salmiak, wie Kalkstein.
5. Mit Scheidewasser, und andern, Geistern, gähret er stark auf.
6. Die eigentümliche Schwere vom Spath, ist et was veränderlich, doch ist dieser Stein einer von den schweresten, und gehet seine eigentümliche Schwere zum Wasser über 4,000 : 1000.
§. 41.
I. Würfelspath. Species 56.
Spatum rhomboidale opacum. Spatum tessulare. Marmor metallicum.
Geht ordentlich in scharfe Würfel von einander, ist undurchsichtig, fest und sehr schwer, seine eigentümliche Schwere verhält sich zum Wasser, als 4,266 : 1000. Man findet:
1. Weissen Würfelspath. Spatum tessulare album.
2. Grauen Würfelspath. Spatum tessulare cinereum.
3. Braunen Würfelspath. Spatum tessulare fuscum.
4. Gelben Würfelspath. Spatum tessulare flavum.
5. Rothen Würfelspath. Spatum tessulare rubrum.
6. Grünen Würfelspath. Spatum tessulare viride.
7. Schwärzlichen Würfelspath. Spatum tessulare nigrescens.
Anm. Alle diese Abänderungen vom Würfelspath findet man so wol in grössern als kleineren Würfeln. Sie sind auch fast alle in der Salbergsgrube zu finden.
II. Schieferspath. Blättericher Spath. Species 57.
Spatum lamellosum molle. Spatum lamellare.
Bricht in dünne Blätter, und ist ganz weich, so, daß er mit den Nägeln gerieben werden kan: im Feuer schmelzt er doch leichtlich zu Glase; gnistert aber zuvor entzwei.
1. Anm. Solcherart findet man bei den Kungsbergischen Gruben in Norwegen, worauf öfters angeflogen Glaserz befindlich ist.
2. Anm. Eine andere dünnblätteriche Spathart findet sich in den Harzischen Bergwerken, muß aber ihrer vielfältigekkigen Figur wegen, zu den Spathkristallen gezogen werden.
III. Körniger Spath. Species 58.
Spatum particulis dispersis, irregularibus. Spatum arenaceum.
So nennt man den, dessen Teilchen so unordentlich untereinander vermenget liegen, daß man ihre Würfel, die bald kleiner, bald grösser, und von verschiedenen Farben sind, nicht unterscheiden kan. Man findet:
1. Weissen körnigen Spath. Spatum arenaceum album.
2. Grauen körnigen Spath. Spatum arenaceum cinereum.
3. Rothen körnigen Spath. Spatum arenaceum rubrum.
Anm. Diese Abänderungen finden sich in den Eisengruben zu Utö.
IV. Durchsichtiger Spath. Species 59.
Spatum pellucidum molle. Spatum pellucidum. Androdamas PLIN. SCHEUCHZ.
Ist würflich, doch ein wenig rhomboidalisch: ganz weich, und gänzlich durchsichtig. Man findet:
1. Weissen durchsichtigen Spath. Spatum pellucidum album.
Wird aus der Bären-Insul bei Archangel in Rußland gefunden.
2. Gelblichen durchsichtigen Spath. Spatum pellucidum flavescens. Androdamas flavescentis coloris. SCHEUCHZ.
3. Brandgelben durchsichtigen Spath. Spatum pellucidum croceum. Androdamas rubelli coloris. SCHEUCHZER.
4. Aderichen durchsichtigen Spath. Spatum pellucidum venosum.
Dergleichen findet man mit schwarzen, rothen und andern Adern durchlaufen. SCHEUCHZ. Oryctogr. p. 147.
5. Schwärzlichen durchsichtigen Spath. Spatumpellucidum nigricans. Androdamas nigricans SCHEUCHZ, p. 148. l. c.
6. Grünlichen durchsichtigen Spath. Spatum pellucidum viride. Androdamus smaragdinus SCHEUCHZ. l. c.
V. Doppelstein. Isländischer Kristall. Species 60.
Spatum pellucidum obiecta duplicans. Cristallus Islandica. Rhombites AGRIC. Selenites rhomboidalis. Androdamas PLIN. SCHEUCHZ. Talcum DE LA HIRE.
Ist ein klarer, durchsichtiger, spizwürflichter Spath, welcher alles das, was man durch ihn siehet, verdoppelt. Zugleich ist er schiefricht, und wenn man ihn in einem Tiegel glühet, gnistert er in scharfwürfliche Stükke entzwei, und leuchtet oder schimmert alsdenn im Finstern: giebt auch einen starken Schwefelgeruch von sich. Seine eigentümliche Schwere verhält sich zum Wasser, wie 2,720 : 1000.
Anm. Wegen der besondern Eigenschaften, so dieser Doppelstein hat, kan man nicht anders, als ihn von dem durchsichtigen Spath n. 4. welcher weder das, was man durch ihn siehet, verdoppelt, noch so schiefricht ist, unterscheiden. Die viele Arten, welche SCHEUCHZER in der Oryctogr. Helv. p. 147. sqq. alle zum Androdamas gerechnet hat, muß man dergestalt unterscheiden, daß man ein Teil zum durchsichtigen Spathe n. 4. ein Teil zum Doppelsteine, n. 5. und ein Teil zu den Spathkristallen n. 6, rechnet; indem sie alle durchsichtig und zu schönen Kristallen angewachsen sind.
VI. Spathkristalle. Spathdrusen. Species 61.
Spatum cristallisatum. Drusa selenitica. Drusa Spatica.
Sind in mancherlei Figuren angeschossene Spathe, welche, wenn sie sich in Menge zusammengesezt haben, Spathdrusen genennet werden. Man findet sie fast allesamt ohne Spizen, wodurch sie auch leichtlich von Bergkristallen unterschieden werden. Man findet:
1. Vielseitige durchsichtige Spathkristalle. Spatum cristallisatum pellucidum, polygonum.
2. Vierekkigte Spathkristalle. Spatum cristallisatum cubicum.
Findet sich so wol mit schrägen, als graden Ekken und Seiten, so wol einfach als gedoppelt: S. Figur 2. woselbst eine einfache rechtseitig, und Figur 3. wo eine doppelte schrägseitig vorgestellet wird. Man findet sie in Rotendal in Daleland.
3. Sechsseitige kegelförmige Spathkristalle. Spatum cristallisatum hexangulare.
Diese werden bei Dannenbre in Upland gefunden, und daselbst Berg- oder Schweinzähne genant, weil sie denselben einigermassen gleichsind, wie man in Sigur 4. a. sehen kan, woselbst ein solcher Kristall spizig vorgestellet ist. Man findet sie auch in Enden zerteilt, zuweilen wie eine Borste, Figur 4. b. Zuweilen trift man sie auch mit zwei Spizen, oder an beiden Enden gespizt an, wie man Figur 4. c. sehen kan; insonderheit wenn sie noch im Bergleder eingekleidet sizen.
Anm. Fünfseitige von diesen Schweinzähnen habe ich noch nicht warnehmen können, aber oft genug siebenseitige.
4. Sechsseitige prismatische Spathkristalle. Spatum cristallisatum prismaticum hexangulare.
Ist allezeit in die Quere abgebrochen zu finden, wie in Figur 5. zu sehen ist, bald mehr, bald weniger regulair, ohne Spizen.
5. Sechsseitige kegelförmige stumpfe Spathkristalle. Spatum cristallisatum prismaticum hexangulare truncatum.
Von solchen sechsseitigen, auch wol siebenseitigen Stumpfen kegelförmigen Spathkristallen, sind die meiste Spathklumpen, welche man in Daleland findet, zusammengesezt, und wird man dieser Spathkristalle, so bald man einen solchen Klumpen entzwei schläget, gewahr. Ein solcher kegelförmiger Kristall zeiget sich Figur 6.
6. Achtseitige pyramidalische Spathkristalle. Spatum cristallisatum octaedrum. Fluor seleniticus octaedrus. SCHEUCHZ. It. Alp. p.155.
7. Neunseitige pyramidalische Spathkristalle. Spatum cristallisatum pyramidale hendecaedrum. Fluor seleniticus hendecaedrus SCHEUCHZ. l. c.
Wie solche acht und neunseitige Pyramiden gebildet werden, zeiget Figur 7.
8. Vierzehnseitige prismatische Spathkristalle. Spatum cristallisatum prismaticum tetradecaedrum.
9. Vierzehnseitige würfliche Spathkristalle. Spatum cristallisatum figurae tessularis tetradecaedrum.
10. Vierzehnseitige blattericht und Drusenweis durchflochtene Spathkristalle. Spatum crisstallisatum lamellosum et fasciculatim plexum tetradecaedrum.
Diese Drusenweis geflochtene Spathkristalle findet man bei den Harzischen Bergwerken, so wol in Trümmern als in Klössen.
11. Blatterichte Spathkristalle, mit ungleichhalben sechs oder acht Ekken. Spatum cristallisatum lamellosum, figura dimidiam partem octogoni vel hexagoni repraesentans.
12. Spathrosen. Spatum cristallisatum lamellosum, lamellis crassis et distinctis in peripheria, sed in centro concretis, instar petalorum florum. Spati rosae cristallinae. Echinorum instar IMPERATI?
13. Liegende ordentliche Spathkristalle. Spatum cristallisatum cristallis ordinatim decumbentibus.
14. Traubenweise wachsenden Spath. Spatum cristallisatum Botryiticum.
15. Cylindrische Spathkristalle. Spatum cristallisatum cylindricum.
16. Runden Spathklos. Spatum cristallisatum globosum.
VII. Saustein, Stinkstein. Species 62.
Spatum opacum, frictione foetidum. Lapis suillus.
Ist ein dunkelbrauner und durchsichtiger Spath, welcher, gerieben oder gescheurt, übel riechet; nach der Calcination verliehrt er diesen Geruch, und wird an Farbe weis. Dessen Teilchen, in welcher Gestalt sie sich auch sammlen, gehen doch allezeit in einen schrägen Abschnitt aus. Man findet:
1. Prismatischen Saustein. Lapis suillus prismaticus.
Findet sich so wol von dunkelbrauner als lichter, oder weisgrauer Farbe.
2. Strahlförmigen Saustein. Lapis suillus radiatus.
Solcherlei findet sich genug auf den Aekkern in Westgyllen.
3. Sphärischen Saustein. Lapis suillus sphaericus.
Die Strahlen von diesem Sausteine schiessen vom Mittelpuncte aus, und gehen zur Peripherie. Man findet ihn in Krasnaselo in Ingermanland.
1. Anm. Der Saustein hat gemeiniglich in der Nähe von Alaunwerken sein Lager.
2. Anm. Wenn der Saustein in offenem Feuer gebrant wird, gnistert er wie Salz; destillirt man ihn durch eine Retorte, so gnistert er anfangs, giebt nachhero so wol eine Feuchtigkeit, als Oehl und Salz von sich. Der Saft riecht nicht so sehr übel; er färbt den Violsyrup grün; gähret mit der Silbersolution, auch mit der Kupfer und noch stärker mit den Eisensolutionen, doch allezeit ohne etwas zu pracipitiren; er färbt auch den succum heliotropii violet. Das Oehl ist dem gleich, welches von Steinkohlen destilliret wird, oder einem schwarzen Bergöhl mit starkem Geruche. Das Salz, welches im Halse der Retorte sizen bleibet, riechet wie alter Urin; ist grau an Farbe; schmeket wie Salmiak; pracipitiret die Silbersolution weiß, ändert aber die Kupfers Zinn und Bleisolution nicht. Was das caput mortuum betrift, so zeiget es Zeichen vom Kochsalze, wennman dessen Lauge mit der Silbersolution versuchet. Hieraus siehet man, daß in dem Sausteine ein wirklich sal urinosum und ammoniacale nebst einigem Kochfalze, befindlich ist Man findet auch, daß der Geruch, der dem Sausteine eigen ist, von dem mit Oehle vermischten urinösen Salze abhängt. Und solchergestalt weis man, ohne weitere Versuche, daß alle Steine, welche gleichen Geruch mit dem Sausteine besizen, eben den Grund zu ihrem widrigen Geruche haben müssen.
VIII. Glasspath. Species 63.
Spatum solidum plus minus pellucidum, particulis non distinguibilibus. Spatum vitreum. Spatum solidum.
So nennt man einen dichten festen Spath, welcher mehr oder weniger durchsichtig ist, und keine Figur hat, sondern bricht, wenn man ihn zerschlägt, wie Glas oder Quarz in Scherben. Oft ist er, dem äusserlichen Ansehen nach, einem Agath nicht ungleich. Zuerst springet er im Feuer, wie andrer Spath, entzwei, nach diesem aber wird er zu Glase. Gegen den Stahl schlägt er kein Feuer, sondern man kan ihn mit einem Messer ritzen. Er gähret auch mit Scheidewasser nicht auf. Man findet:
1. Weissen Glasspath. Spatum vitreum album.
Wird bei Upsiö im neuen Kupferberge, desgleichen bei Striposen in Norberg gefunden.
2. Violetten Glasspath. Spatum vitreum violaceum.
3. Dunkelgrauen Glasspath. Spatum vitreum obscure cinereum.
4. Grünlichen Glasspath. Spatum vitreum viridescens.
Ist entweder klar, dunkel- oder Meergrün, gleicht zuweilen einem Serpentinmarmor. Bricht man ihn zu kleinen Stükken, ist er etwas durchscheinend. Wird er braun gebrant, leuchtet er im Finstern. Man findet ihn bei Salberg.
Anm. Ob man nicht den Lithophosphorus Sulensis, welcher purpurfarben ist, von welchem WOODWARD in seinem Catal. T. II. addit. for. nat. fossil. p. 9. n. 29. spricht, zu der andern Abänderung, nemlich dem violetten Glasspath: desgleichen, ob man nicht den fluor mineralis Stolbergicus, wovon er eben daselbst p. 9. n. 30. redet, zu einer von den andern Abänderungen ziehen könne, kan man nicht mit Gewisheit sagen. Nach den Umständen scheinen beide Glasspathe zu sein; denn beide leuchten calcinirt im Finstern, und beide find Flüssen gleich.
IX. Feldspath. Species 64.
Spatum durum, lateribus nitidis, ad chalybem scintillans. Spatum pyrimachum. Spatum durum scintillans LINN.
Ist der harte Spath, welcher zugleich nebst andern Teilchen, Kies in sich hält: ist so hart, daß er gegen die Feile bestehet, und am Stahle Feuer schlägt: gährt auch mit Scheidewasser auf. Seine Teilchen brechen meist in glatte gradseitige Würfel, und haben glatte Flächen, wodurch er vom Quarze unterschieden wird. S. Königl. Schwed. Akad. H. 1740. Jan. Tilas. Man findet:
1. Weissen Feldspath. Spatum pyrimachum album.
2. Grauen Feldspath. Spatum pyrimachum cinereum.
3. Rothen und röthlichen Feldspath. Sparum pyrimachum rubrum.
Anm. Man findet den Feldspath bald in grössern, bald in kleinern Würfeln, zuweilen so klein, daß der Stein fast körnigt aussiehet,
Anmerkung vom Spath.
1. Anm. Je weicher sich der Spath findet, je grössere Hofnung hat der Bergmann, in der Nähe edle Mineralien anzutreffen.
2. Anm. Wenn man Pulver vom Schwefel und ungelöschtem Kalke, wol unter einander gemenget, zusammen kochet, hernach die durch das Kochen erhaltene rothe Solution durchseiget, (filtrirt ) und in einem warmen Gemache zur Ausdünstung stellet; so schiessen würkliche Kristallen an, welche den Spathkristallen gleich sind, und welche sich im Wasser nicht auflösen, wodurch ihre Steinartige Natur bezeuget wird.
3. Anm. Daß Spath und die Spathkristalle ihren Ursprung vom Wasser, nebst einigem alkalischen Wesen, wie Kochsalz, haben, das zeuget nicht allein dieser Körper Destillation; sondern es zeiget sich auch daher: 1) Daß der Urin, nach einer vier, bis fünfjährigen Ausdünstung spathische Kristalle hervorbringt. S. HENCKEL de Lap. orig. p. 68. bis 93. c. 2) Daß in Bergklüften, wo die Gebürge geborsten sind, und sich nachhero gesezt haben, sich Spathkristalle befinden: welche auf keine andere Art haben wachsen können, als daß sie sich vom Wasser gesezt haben. 3) Daß in den Ilmenauischen Silbernieren, die um die Höhlungen herum gefundene Spathkristalle, würklich von dem in den Vertiefungen angetroffenen klarem Wasser ihren Ursprung her haben müssen. (conf. § 43. n. 4. 4. Anm.) Siehe HENCKEL Pyritol. p. 358. &c.
