Adelung 1777/III

Johann Christoph Adelung, Versuch eines vollständigen grammatisch-kritischen Wörterbuches der Hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der oberdeutschen III (L–Scha), Leipzig [Johann Gottlob Immanuel Breitkopf] 1777.


Johann Christoph Adelung (1732–1806) was a prominent German linguist and lexicographer. In his multi-volume Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, he also provided explanations of the meaning and etymology of certain terms related to mural painting. In this case, the term refers to a masonry tool used for plastering work.


col. 162–163

Leim

1. Der Leim, oder Leimen, eine gelbe zähe Erde, S. Lehm.

2. Der Leim, des -es, plur. doch von mehrern Arten, die -e. 1. überhaupt, ein jeder flüssiger, klebriger Körper, welcher nach dem Erhärten zwey Körper oder Flächen mit einander verbindet; in welcher allgemeinen Bedeutung es nur noch in einigen Fällen üblich ist. Der Vogelleim, ein solcher aus dem Mistelbeeren oder Rinden der Stechpalmen gemachter zäher Körper, kleine Vögel damit zu fangen. Die Mahler pflegen auch einen solchen zähen Körper, welchen sie aus Gummi oder auch aus Honig zu den Goldgründen verfertigen, gleichfalls einen Leim zu nennen. 2. In engerer Bedeutung, ein aus gewissen thierischen Theilen gesottener Leim; zum Unterschiede von dem Gummi, Kleister, Kitt, Pappe u. s. f. Der gemeine Leim oder Tischlerleim, welcher aus Ochsenfüßen und Häuten, Schaffüßen und Schafhäuten gesotten wird. Der Pergamentleim, welchen man aus den Abgängen des Pergamentes bereitet. Der Buchbinderleim oder Mundleim, welcher nur mit dem Munde befeuchtet werden darf und aus den reinsten Abgängen des Pergamentes bereitet wird. S. auch Hausenblase, welche ein aus Fischblasen gesottener Leim ist und daher auch Fischleim heißt. Das Schreibpapier hat keinen Leim, wenn es nicht gehörig geleimet worden.

Anm. Im Nieders. Liem, im Angels. Lim, im Engl. Lime, im Dän. Liim, in Schwed. Lim, im Isländ. Lijm. Es ist mit Lehm ein und eben dasselbe Wort, und eines Geschlechtes mit klamm, Schlamm, Schleich, Bley, kleben u. s. f. Siehe diese Wörter.

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col. 163

Leimen

Leimen, verb. regul. act. 1. Mit Leime verbinden, befestigen. Ein Bret leimen. 2. Mit Leim überziehen. So leimen die Buchbinder die Rücken der Bücher. 3. Mit Leim tränken. Die Papiermacher leimen das Schreibpapier, die Weber den Aufzug des Garnes u. s. f. Im Dän. lime, im Angels. geliman, im Nieders. limen.

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Leimfarbe

Die Leimfarbe, plur. die -n, eine mit Leimwasser aufgetragene Farbe. Etwas mit Leimfarbe anstreichen. Mit Leimfarbe mahlen. Imgleichen ein Farbenkörper, welcher sich nur mit Leimwasser bearbeiten lässet. Beydes im Gegensatze der Öhlfarben.

Leimfuge

Die Leimfuge, plur. die -n, der Ort, wo zwey Körper mit Leim zusammen gefüget worden.

Leimicht

Leimicht, adj.adv. leimichter, leimichtste, dem Leime ähnlich, zähe wie Leim. In einer andern Bedeutung, S. Lehmicht.

Leimig

Leimig, adj.adv. Leim enthaltend. S. auch Lehmig.

Leimküche

Die Leimküche, plur. die -n, bey den Papiermachern, ein Zimmer, in welchem die Papiere geleimet werden.

Leimkumme

Die Leimkumme, plur. die -n, eben daselbst, eine Kumme oder Faß, woraus das Papier geleimet wird. S. 2 Rumpf.

Leimleder

Das Leimleder, des -s, plur. doch nur von mehrern Arten oder Quantitäten, ut nomin. sing. die Abgänge von dem Leder, so ferne Leim daraus gesotten werden soll.

Leimpinsel

Der Leimpinsel, des -s, plur. ut nomin. sing. ein Pinsel, den aufgelöseten Leim damit aufzutragen.

Leimruthe

Die Leimruthe, plur. die -n, bey den Vogelstellern, Ruthen oder Spindeln von weichem Holze, welche mit Vogelleim überzogen werden, damit die Vögel, wenn sie sich darauf setzen, kleben bleiben; Leimspindeln, im Oberd. Kleberüchlein.

Leimsieder

Der Leimsieder, des -s, plur. ut nomin. sing. derjenige, welcher den Leim aus allerley thierischen Abgängen siedet.

Leimspindel

Die Leimspindel, plur. die -n, S. das vorige.

col. 163

Leimstange

Die Leimstange, plur. die -n, eben daselbst, eine lange schlanke Stange, in welche die Leimruthen gesteckt werden.

Leimtasche

Die Leimtasche, plur. die -n, eine lederne Tasche der Vogelsteller, die Leimruthen darin zu tragen.

Leimtiegel

Der Leimtiegel, des -s, plur. ut nomin. sing. bey den Tischlern, Buchbindern u. s. f. ein Tiegel, den Leim darin durch Kochen aufzulösen; der Leimtopf, wenn er einem Topfe ähnlich ist.

Leimwasser

Das Leimwasser, des -s, plur. inusit. mit aufgelösetem Leime versetztes Wasser.

Leimzwinge

Die Leimzwinge, plur. die -n, bey den Tischlern, zwey starke Breter mit zwey senkrechten Zapfen, zwey Breter, welche mit ihren Schärfen zusammen geleimet werden sollen, darin zusammen zu zwingen, oder fest zu keilen.


col. 1350

Reibebret

Das Reibebret, des -es, plur. die -er, bey den Mäurern, ein vierseitiges Bret mit einem Riemen, die Faust durchzustecken und den an die Mauer angeworfenen Kalk damit aus einander zu reiben.