Schedel 1791/II

Johann Christian Schedel, Neues und vollständiges Waaren-Lexikon worinnen alle und jede im deutschen und fremden Handel gangbare Artikel, sowohl rohe als verarbeitete Produkten und Kunstsachen, für Kaufleute, Fabrikanten und Geschäftsmänner deutlich und bestimmt beschrieben sind; und zwar nicht allein in Rücksicht auf ihre Natur und Kunstgeschichte, sondern auch nach ihrer Anwendung und Benutzung, ihren Verhältnissen in Waage, Maaß, Verkaufsart, u. s. w. II, Offenbach am Mayn [UlrichWeiß – Carl Ludwig Brede] 1791.


pp. 140–141

Ocher, Ocker

Ocher, Ocker, lat. Ochra, eine gelbe, oder röthliche Bergerde, welche hier und dort in den Bley- und Kupfergruben gegraben wird. Die erstere nur ist eigentlich natürlich, die andere Farbe aber, nämlich die rothe, wird durch das Feuer hervorgebracht. Die eine und die andere liefern uns England, Frankreich, das sächsische Erzgebirge, Böhmen, und einige andere Gegenden, zum Handel. Eine der vorzüglichsten Arten ist die, welche in Berry gewonnen, und häufig über Bourdeaux [!] und Nantes ausgeführt wird. Man hat davon gelbe und auch rothe. Die Waare wird nach Oxhöft gehandelt. Je trockener, zarter und höher in der Farbe dieser Artikel ausfällt, je besser ist er. Auch England liefert uns diese Waare. Sie wird meistens von Mahlern zum Anstreichen, und von Beutlern und Handschuhmachern zum Färben des Leders verbraucht. Etwas weniges davon kömmt auch in die Apotheken, wo man den Ocher, seiner zusammenziehenden Kraft wegen, zu Pflastern nimmt. Ausserdem wird er noch zum Putzen und Abreiben der Spiegel, des Stahls, Messings, &c. gebraucht. In Polen heißt man: Danziger Ocker, eine gelbe Bergerde, die zwar von Danzig geholt wird, die man aber aus Preussen und Frankreich zuführt. Bey Goslar wird Ocker gewonnen, von dem viel in die preussischen Länder geht. Toskana, insonderheit die Gegend um Siena, liefert ein paar gute Sorten Ocker, und zwar in Menge, zur Handlung. Eine hiervon ist dunkelgelb, eigentlich eine Boluserde, der sich nicht allein die Mahler zur Farbe, sondern auch die Aerzte bey Bauchflüssen u. d. bedienen. Diese wird durch das Calciniren roth. Eine andere, die hellgelber ausfällt, aber doch auch beym Calciniren ihre Farbe in Roth verändert, wird gleichfalls von Mahlern zu ihren Arbeiten angewandt. Diese beyden Arten, wenn man solche mit einer blauen Erde vermischt, die in der nämlichen Gegend gegraben wird, geben eine schöne grüne Farbe, die die Mahler gut brauchen können.