Pfeiffer 1777/III.1

Johann Friedrich von Pfeiffer, Lehrbegrif sämmtlicher oeconomischer und Cameralwissenschaften III/1, Mannheim [Christian Friedrich Schwan] 1777.


Lehrbegrif
sämtlicher
oeconomischer
und
Cameralwissenschaften
Dritter Band,
darin
von der Städte-Wirtschaft, den Bergwerken,
Fabriken, Manufacturen, der Schiffarth
und dem Handel in- und ausserhalb Landes
gehandelt wird.


Zweites Hauptstück.

Von Künstlern und Handwerkern, so die
erforderlichen Baumaterialien zubereiten,
oder zum Gebrauch geschickt machen.


Erstes Capitel.

Von Kalch-Brennereien.

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pp. 17–22

§. 12.

Verschiedene Arten des Kalchsteins.

So überflüßig es seyn würde, den Nutzen des Kalchs beim Bauwesen zu beschreiben, so nöthig ist es, dessen verschiedene Arten und Zubereitungen zu gedenken. Man findet den Kalchstein, in Steinbrüchen, wo er sein ordentliches Streichen zu halten pflegt; man findet ferner z. E. in der Schweitz und in Ungarn ganze Felder damit bedeckt. Man findet ihn in Form der Feldsteine in Flüßen und Bächen, z. E. in der Arge, Gräflich-Montfortschen Gebiets. Man findet ihn auch weich wie Butter, in gewissen Gegenden von Sachsen und der Grafschaft Ruppin. Letzteren nennet Herr Sprengel ohne allen Grund Sparkalch; er legt überdem dem weichen ruppinschen Kalch, der bei Lujar gegraben wird, Unvollkommenheiten bei, die er nicht hat; es scheinet ihm sogar die Zubereitungsart, eben so unbekannt, als die Beschaffenheit der übrigen in Deutschland befindlichen Kalch-Arten zu seyn. Was er jedoch von den bei Berlin brechenden Rüdersdorfschen Kalch erzählt, ist der Warheit vollkommen gemäß.

Der weiche Kalch, so unter andern im Ruppinschen gleich unter weniger Damm-Erde zu finden, und der so weich als Butter ist, wird in besondre dazu bestimte Oefen gebrant, alsdann er alle Dienste thut, die man von dem Rüdersdorfschen Kalch erwarten kann, ausser daß er geringere Hitze, und weniger Ausdehnungs-Kraft, als letztere besitzet.

In Böhmen, in der Gegend von Eger, bricht ein Kalkstein der 10 bis 12 Schuh Dammerde über sich hat, und z bis 3 Schuh mächtig ist; dieser Kalchstein zerfällt nach dem Brennen sehr langsam, und liefert einen grauen, blos zum Mauren geschickten Kalch. In Franken, in der Gegend von Nürnberg, hat man eine Kalchart, von der nemlichen Beschaffenheit, die wenig zusammenhangend, und fast gar nicht in Steinen anzutreffen ist. Im Voigtlande, im Herzogthume Würtenberg, im Herzogthum Bergen, und andren Orten mehr, bricht man einen marmorartigen Kalchstein, der in allen Absichten fürtreflich, und um so besser ist, je näher er der Beschaffenheit des Marmors kommt.

§. 13.

Die in der Gegend von Berlin gewöhnliche
Kalch-Brennereien sind fehlerhaft.

Das Brennen des Kalchsteins geschiehet auch auf verschiedene Art. Herr Sprengel sagt: Alle Kalchöfen weichen insofern von den Ziegelöfen ab, daß sie jederzeit eine gewölbte Decke erhalten, weil diese nicht nur die stärkere Hitze, die der Kalchstein haben wollte, zusammen hielte, sondern ihn auch für der Nässe, so ihm schädlicher, als dem Backenstein seyn soll, schützten. Hätte Herr Sprengel gesagt, daß die Berliner Kalchöfen die beschriebene Structur hätten, und wäre mit seinen vermeintlich physicalischen Gründen zu Hause geblieben, so wurde sein Satz richtig seyn. Denn es ist wahr, daß die Berlinische Kalchöfen aus vier zusammenhängenden Mauren bestehen, auf welche die gewölbte Decke ruhet. Es ist wahr, daß die Oefen die Gestalt länglicher Vierecke haben, 18 Schuh lang, 12 hoch und 15 Schuh breit sind. Es ist wahr, daß man in dergleichen Oefens 5 Prahm Kalksteine auf einmal brennen könne, und daß jeder Prahm 21 Schuh lang, 7 Schuh breit, und 3 Schuh hoch seyn müsse. Es ist wahr, daß man denen Berliner-Oefen die Stärke von 7 Schuh gegeben, und dazu Ratenauer Ziegelsteine, so sehr stark gebrant sind, gegeben habe. Allein es ist nicht wahr, daß dieses die einzige, weniger die beste Verfahrungsart des Kalchbrennens sey. Ich wenigstens halte sie für eine übel ausgesonnene, und Holz-verschwendrische Bereitungsart, und erbiete mich zum Beweis. Ehe ich aber diesen Beweis antrete, will ich um den Leser nicht aus der Connexion zu bringen, das anderer Orten gewöhnliche Kalchbrennen erzehlen.

§. 14.

Pfälzische Kalchbrennereien

In der Pfalz und anderer Orten mehr wird gemeiniglich der Kalch mit in den Ziegelofen gebrant; allein diese Ziegel-Oefen sind ganz anders wie die Berliner Kalch, und Ziegel, Oefen construirt. Der Ziegler, kann alles Holz, auch Stockholz brauchen; er hat ein gar mäßiges Feuer, blos an der Mündung des Ofens, und der dem Feuer verschafte Zug, und Circulation macht den ganzen Ofen, also auch den am hintersten Ende eingesetzten Kalch glüend. Die dasige Ziegler wissen, daß die Gahrmachung eines Kalchsteins, nur das Durchglüen von einer halben Stunde erfordere. Sie wissen ferner, daß die Klafter Holz 5 bis 6 Gulden kostet, und dieses Wissen hat sie öconomisiren gelehrt.

§. 15.

Schwäbische, Oesterreichische, Steyermarkische Kalch-Brennereien.

In Ober Schwaben, in Oesterreich, in Steyermark hat man keine gewölbte Kalch-Oefen. Man gräbt an der Seite eines Berges verhältnismäßige Löcher aus, deren Seiten gemeiniglich mit Bruchsteinen ausgemauert, theils Orten auch nur mit geringen Holze, und zwar blos um das Nachsinken der Erde zu verhüten, ausgeschürzt werden. Der Kalchbrenner macht ein gar niedriges Gewölbe von rohen Kalchsteinen, und pakt hiernächst auf dieses Gewölbe den ganzen Raum voll Kalchsteine, vergißt jedoch nicht einige kleine hölzerne Stangen, in seinen Bau aufzurichten, und wenn der Ofen die verlangte Höhe erreichet hat, das ganze Gebäude, mit verkehrt gelegten Rasen und Erde zu bedecken. In dem durch den ganzen Ofen gehenden Gewölbe macht er Feuer; die hölzerne Stangen, so er Kerzen nennet, verbrennen, und befördern sodann den Zug, und die Circulation des Feuers. Die Uebung und der Geruch lehren ihm den Zeitpunkt bestimmen, den das Auslöschen des Ofens erfordert; er wartet hiernächst das Erkalten ab, um den Ofen aufbrechen, und den Kalch fortschaffen zu können. Bei welcher Verrichtung er aus leicht zu übersehenden Ursachen trockene Witterung zu wünschen Ursach hat; und da diese nicht in seiner Gewalt ist, so sollte man dergleichen an sich ohntadelhafte Oefen, wie auch den Platz vor den Oefen mit einem leichten, an den Seiten offnen Dache bedecken, um der Witterung trotzen und den Kalch für das Naßwerden, bewahren zu können.

§. 16.

Niederländische Kalchbrennereien.

In den Niederlanden wird der Kalch-Stein mit Stein Kohlen, in trichterförmigen oben offnen Oefen gebrannt. Der Kalch-Stein, und Kohlen, werden Schichtweise, oder stratum super stratum eingeschichtet, und der Ofen damit angefüllt, endlich von unten auf mit geringen Reisholze und Stroh in Brand gesetzet. Alle zwölf Stunden, wird der unterste Kalch, durch die in solcher Absicht angebrachten Ausziehlöcher, aufgezogen, und fortgeschaft, auch der Ofen von oben, beständig mit andern Stein und Kohlen angefüllt. Dieses Kalchbrennen pflegt den 1ten May angefangen und bis im December ohnunterbrochen fortgesetzt zu werden. Es ist unstreitig, die beste, die bequemste, die wohlfeilste Brennart. Man hat sie in einigen böhmischen Herrschaften nachgeahmet, jedoch die Oefen nicht mustermäßig erbauet. Man läßt jeden Einsatz rein ausbrennen, und den Ofen erkalten ehe zu einen andern Einsatz geschritten werden kann, wodurch Zeit, Kosten und Kohlen unnöthigerweise verschwendet werden. Im Herzogthum Bergen, und zwar im Amte Porz wird der Kalch zwar auch auf belobte niederländische Art, jedoch nicht mit Stein-Kohlen, sondern mit einer Art von Erdkohlen, welchen der gemeine Mann Drast nennt, gebrannt. Es scheinet mir befremdlich, warum man bei der großen Stadt Wien, wo man häufig bauet, und keinen Uebersfluß von Holz hat, nicht die niederländische Kalch-Oefen einführet. An guten marmorartigen Kalch fehlet es von Wien bis nach Baden nicht. Da es Berg ab gehet, würde der Kalchstein ohne viele Beschwerde, bis nach den Ufern der Donau gebracht, und mit den zu diesem Endzweck sehr geschickten Keltweiner Steinkohlen, von welchen man in den Vorstädten von Wien, ein groß Magazin hat, gebrannt, mithin den Kohlen Debit verschaft, und zugleich viel Holz erspart werden können. Ich will nun näher nach den belobten Berliner Kalchofen zurück gehen.

§. 17.

Mangel der berlinischen Kalchbrennereien.

An denen durch Herrn Sprengel ganz richtig beschriebenen Berliner Kalchöfen, tadle ich die Struktur der Oefen, die dadurch verursachte Holzverschwendung, und daraus unmittelbar erwachsende Kalche Vertheurung; überdem ist die Gegenwart so vieler Kalchöfen, in einer großen Stadt, der Gesundheit gar nicht zuträglich, noch deren Daseyn mit den Gesetzen der Haushaltungskunst vertraglich. Wozu dienen die sieben Schuh starke, aus Stäben oder Pfeilern versehenen Wände, und die drei Stein starken Gewölbe? Vermuthlich um die Hitze beisammen zu halten, und das Auseinandergeben der Oefen zu verhüten: dieses läßt sich jedoch mit weit geringeren Kosten in Hügeln, oder angehenden Bergen, wie wir im vorigen §. gesehen haben, veranstalten. Wozu bedarf es zum Aufführen der Oefen, der sehr hart gebrannten Ratenauischen Ziegelsteine? Weiche oder halb gebrannte Ziegelsteine, dauren im Feuer länger, als die harten, so dem Zerspringen unterworfen, und nur im Wasser, oder in der Luft von vorzüglichen Nutzen sind. Warum muß zum Brand eine so beträcheliche Menge, trocknen Fichten- oder vielmehr Kiefernholzes (Fichten hat man dortiger Gegend nicht) angewendet werden? Weil die Oefen übel construire sind, und das Feuer, oder die Hitze nicht überal circuliren, mithin die Steine nicht zugleich, sondern nur nach und nach erwärmen kann.

Es würde, wie ich glaube, zu Ersparung des Holzes, und Kostenaufwands, zuträglich, auch zu Erhaltung der Gesundheit nützlich seyn, das Kalchbrenner-Geschäfte nach den Rüdersdorfschen Kalksteinbrüchen zu verweisen, und diese Operation in dasigen Hügeln, und zwar in offnen Oefen verrichten, folglich nur den gebrannten Kalch transportiren zu lassen. Die Berliner Kalchbrenner, sind verbunden, den Kalchstein von Rüdersdorf, und das Brennholz noch viel weiter kommen zu lassen; beide Materialien werden sodann vom Wasser, nach den Kalch-Ofen auf Schubkarren gebracht, und endlich das Einsetzen, und Brennen veranstaltet, der gebrannte Kalch aber, um die Luft abzuhalten, in leichte Fässer gepackt. Alle diese Operationes könnten abgekürzt, und mit verminderten Kosten auch Holzaufwand, bei den Kalchbrüchen selbst veranstaltet werden, wo man das Holz bei der Hand hat. Man würde folglich entweder diese Ware wohlfeiler verkaufen, oder aus dem Kalchbrenner-Geschäfte, eine beträchtlichere Revenüe ziehen können. Warum wird diese augenscheinliche Verbesserung vernachläßiget? Das weiß ich nicht; wenn ich aber Vermuthungen wagen darf, so dürfte die Berlinische Cämmerei, so den Pacht von den dasigen Kalchöfen beziehet, dawider schreien, denn die ganze Revenüe würde alsdann dem Amte Rüdersdorf oder der königl. Cammer heimfallen, die jedoch die Cämmerei schadlos halten könnte, und eine in mehr denn einer Absicht nüzliche Abänderung nicht vernachläßigen sollte.

§. 18.

Mergel- und Eyerschalen Kalch.

In einem andern Abschnit beschreibet Herr Sprengel, den Proceß beim Brennen des weichen oder Mergelkalchs, mit allen ihm von Prenzlo aus bekannt gemachten Umständen. Wir haben dieser Kalchart bereits gedacht, und wollen nur noch hinzusagen, daß das Wesentliche der ganzen Operation darauf ankomme, diese Kalkmasse, in förmliche Stücke, ohngefehr wie den Stechtorf 12. Zoll lang 6. breit, und 4. dick zu graben, diese Stücke im Schatten (und nicht nach Herrn Sprengel in der Sonne) zu trocknen, auch diese getrocknete Stücke, als Ziegelsteine zu behandeln, und zu brennen. In Wien hat man angefangen, sich zum Ausweissen der Zimmer, eines aus Eyerschalen gebrannten Kalchs zu bedienen. Er trocknet geschwinder, ist auch gesunder, als der gewöhnliche Kalch, allein wieviel Eyer müssen verzehrt werden um zu einem mäßigen Vorrath dieser Kalchart zu kommen?

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Drittes Hauptstück.

Von denen Künstlern, und Handwerkern, so 
die Baumaterialien verarbeiten, und uns folglich
bequeme Wohnungen, und äusserliche
Zierathen der Städte verschaffen.


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pp. 121–123

Zweites Capitel.

Von den Bau-Materialien.

§. 149.

Das Allgemeine der Baumaterialien.

Die Baumaterialien sollen nach §. 147 der Witterung widerstehen können. Dazu gehören vorzüglich verschiedene Stein, und Holzarten; sie können aber nur selten eine so starke Verbindung als nöthig ist, geben, wenn man sich nicht zugleich andrer Dinge bedienet, so diesen Zusammenhang zu verstärken vermögen. Man wird also diese Stücke nennen, und sowohl ihre Vollkommenheiten als Fehler zu beurtheilen verstehen müssen.

§. 150.

Eigenschaften der verschiedenen Steinarten.

Vom Zubereiten der Ziegelerde, und dem Ziegelbrennen, ist §. 24–30 gehandelt worden; wir fügen nur noch hinzu, wie die Hauptmerkmale guter Ziegelsteine darin bestehen, daß sie erstens hell klingen, und zweitens auf den Bruch keine grobe Körner zeigen.

Die Bruch- und Kalchsteine haben auch §. 12–139 die Musterung passirt, doch ist noch zu erinnern, daß da einige Arten der Bruchsteine die Eigenschaft haben, an der Luft zu verwittern, andre aber von der Luft feuchte zu werden, man sich für beide Sorten hüten müsse, und wenn man ihre Eigenschaften nicht kenne, solche ein Jahr der Luft ausgesetzt seyn lassen soll, um diese allemal nachtheilige Fehler kennen zu lernen.

Die gewöhnlichste Bauholzarten sind auch §. 60–65 bezeichnet, und für mangelhaftes Holz gewarnet worden.

§. 151.

Eigenschaften des Kalchs u. des Lehms.

Man braucht zu Verbindung des Mauerwerks  Leder-Kalch, und Sparkalch. Die Vollkommenheit des ersten erfodert:

1) Daß die Steine, wenn sie aus dem Ofen kommen um ¼ leichter geworden, und einen Klang von sich geben.

2) Daß sie weiß geworden,

3) Daß sie sich in frischem Wasser stark aufblähen, auch sich leicht auflösen lassen.

Die Güte des Sparkalchs äussert sich daran, wenn er bald nach dem Naßwerden, bindet und hart wird.

Der Lehmen ist gut, wenn er rein, oder ohne Steine ist.

Kalch und Lehm werden durch Hülfe des Wassers flüßig gemacht, und verwandeln sich wieder in harte Körper, sobald das Wasser entweder in die Hölungen der verknüpften Körper dringt, oder durch die Wärme in Dünsten weggeführet wird. Der Lederkalch wird in Gruben nach dem Ablöschen, naß aufbehalten, auch mit Sand, und Brettern bedecket. Die Erfahrung hat gelehret, daß ein Kalch, der lange in der Erde gelegen, eine weit bündigere Mauer verschaffe, als wenn er frisch genutzt wird. Dies ist folglich das Mittel ihn zu verbessern.

Der Sparkalch hingegen bindet gut, so bald er naß gemacht worden; er kann also an einem trocknen Ort verwahrt werden.

§. 152.

Unterschied zwischen Mörtel und Cement.

Die gewöhnliche Vermischung des Kalchs geschiehet mit Sande. Sie ist nothwendig bei dem Lederkalch, falls er zum Binden soll gebraucht werden. Der Kalch ist zu leicht und zu fett, der durch einen Zusatz von Sand zu verbessern stehet. Eine solche Vermischung nennen einige Mörtel; andre verstehen darunter eine Vermischung von Lederkalch, Sand und Sparkalch. Cement ist eigentlich eine Vermischung von Kalch mit zerstoßenen Ziegelsteinen, oder von Kalch mit Draß §. 37. 38 oder von Kalch mit Porcelan-Erde. Diese Art von Cement ist sonderlich zu Gebäuden im Wasser dienlich, wodurch die Mauren, so im Nassen als Trocknen lange dauerhaft bleiben.

§. 153.

Eigenschaft des Bausandes.

Guter Bausand, soll rein, hart, trocken, und nicht glänzend seyn. Reibet man ihn zwischen hölzernen Tellern, und er rauscht stark, so ist er trocken; läßt er keinen Staub zurück, so ist er hart, und rein; glänzt er nicht, so ist er nicht zu hart, sondern nimmt die Feuchtigkeit an sich, welches beim binden nothwendig ist.

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pp. 215–218

Achtes Capitel.

Vom Handwerke der Maurers.

§. 234.

Erforderliche Eigenschaften des Maurers.

Der Mauer-Meister soll die Riße, und Zeichnungen von allerhand Art Gebäude entweder selbst zu zeichnen wissen, oder doch einen ihm vorgelegten Riß kennen, und die Gebäude nach dieser Vorschrift aufzuführen verstehen. Er soll, das vollkommene, und unvollkommene der zu verarbeitenden verschiedenen Steinarten des Kalchs, des Gypses, des Lehms, des Sandes kennen; er soll wissen, wohin sich jede Art von Materialien am besten schickt; wie der Kalch zu löschen, und aufzubehalten; wie die verschiedene Arten von Mörtel, und Kütt zu machen, auch wo und wie sie anzuwenden.

Nicht weniger muß er alle Arten von Mauren auszuführen, einer jeden die erforderliche Stärke zu geben, und wohl zu verbinden, auch die mancherlei Arten von Gewölben zu spannen, und zu mauren verstehen; er muß ferner seine Gesellen zum Fleis, und zu Fertigung rüchtiger Arbeit anweisen, und anhalten, auch von rechtswegen für die Tüchtigkeit seiner Arbeit, gewisse Jahre haften.

Von einem Mauer-Polier, oder Meister-Gesellen, wird eine ähnliche Geschicklichkeit verlanget, wohingegen man mit den übrigen Gesellen zufrieden seyn kan, wenn sie den Kalch tüchtig zu löschen, Mörtel zu machen, die Mauren lothrecht aufzuführen, die dazu angewandte Steine gehörig zu verbinden, ein Ziegeldach in Kalch zu legen, Gewölbe zu spannen, und zu mauren verstehen, daneben fleißige Arbeiter sind.

§. 235.

Wie der Kalch zu löschen.

Ehe der Maurer, sich zu Ausführung eines Gebäudes anschicken kan, müssen die Materialien bei der Hand seyn, und beim Kalch-Löschen der Anfang gemacht werden. Man öffnet nach dem Verhältnis der Menge des zu löschenden Kalchs, eine 3 bis 4 Schuh tiefe Grube, an einem dazu schicklichen Ort, setzet die Kalch-Banke, so aus einem länglicht viereckigen, von Brettern zusammen gesetzten Kasten bestehet, dessen vordere Seite mit einem Schiebebrette versehen, an die zum Kalch gewidmete Grube, füllt den Kasten etwa zur Hälfte mit gebrannten Kalchsteinen, und begießt sie allgemach mit Wasser. Die Kalchsteine erhitzen sich, blähen sich auf, der Maurer gießt mehr Wasser hinzu, rührt den Kalch mit der Hacke durch, und fähret mit diesem Geschäfte, und dem Wasser zugiessen so lange wechselsweise fort, bis der Kalch erweichet, aufgelöset, und zu einem mäßig dicken Brey geworden ist. Diesen Sättigungspunct hat der Maurer genau zu beobachten, weil er mit einem zu geringen Zusatz von Wasser den Kalch verbrennen, oder ihn mit dessen Ueberfluß ersäufen kann. Ist der Kalch gehörig abgelöscht, so öfnet er das Schiebebrett, läßt den gahren Kalch, in die Grube, versiehet den Lösch-Trog mit andern Kalchsteinen, und fäbrer mit dem Löschen so lange fort, als ungelöschter Kalch vorräthig ist; endlich wird der gelöschte Kalch, wenn er erkaltet, und steif geworden, mit etwas reiner Erde, und Bretter bedeckt, in welchem Zustand er Jahre lang bleiben kan, und dadurch nur immer bessere, oder mehr bindende Kraft erhalten wird.

§. 236.

Zurichtung des Mörtels.

Der Mörtel, oder die Speise, wird bald aus Kalch und Sand, bald aus Kalch, Lehm und Sand, auch aus bloßem Lehm und Sand bereitet, je nach dem es der Ort, wozu er angewendet werden soll, verlanget. Von den Eigenschaften sämtlicher Bau Materialien ist unter dem Artikel von der bürgerlichen Baukunst gehandelt worden, daher solches hier übergangen, und nur hinzugefüget wird, daß der Mörtel weder zu trocken, noch zu naß seyn müsse, obgleich der letzte Fehler nicht so nachtheilig als der erste ist. Die Vermischung der zum Mörtel gehörigen Materien muß vollkommen, folglich die Materie wohl geschlagen, und gearbeitet, auch nach Beschaffenheit der Arbeit, mit Kälber-Haaren, mit Hammerschlag und mit pulverisirten Ziegelsteinen vermischt seyn.

§. 237.

Aufführung der Mauren.

Soll das Gebäude, oder die Mauren errichtet werden, so fängt man beim Fundament an, ich setze voraus, daß der Grund nach den Gesetzen der Bau-Kunst geprüfet, und tüchtig befunden ist. Nach dem Verhältnis der Hohe und Stärke der Mauren, wird das Fundament dicke oder dünne aus der Erde gemauert, dabei aber keine Ziegel, oder Mauersteine, sondern rauhe Bruch- Kalch- und Feld-Steine angewendet. Zu einem Hause von drei Etagen, sollen die Umfangs-Mauren der unteren Etage wenigstens 2 ½ Schuh, in der 2ten Etage 2 Schuh, in der dritten 1 ½ Schuh, die Zwischen-Wände aber dürfen nur eines Schuhes, oder eines Steins dicke seyn. Jeder Maurer-Geselle muß ein Gefässe mit Wasser neben sich stehen haben, und jeden Ziegelstein eintauchen, welches zwar von den wenigsten befolget wird, gleichwohl zu Verstärkung der Bindungskraft sehr nöthig ist. Die Mauren müssen vollkommen senkrecht aufgeführet, wohl verbunden, auch der einmal auf seinen Platz gelegte Ziegelstein, nicht wieder aufgenommen, und anders gelegt werden, er verliert seine Bindungskraft. Die Ziegelsteine müssen erst der Länge nach, über die Fugen zweier Steine aber, andre der Breite nach dergestalt geleger werden, daß niemals eine Fuge auf die andre treffe. Zwischen den Fugen, und Steinen, sollen keine lere Räume bleiben, sondern alles mit zerschlagenen Steinstücken, aufs genaueste ausgefüllt werden. Keine Wand soll auf Hölungen stehen, sondern mit dauerhaften Bögen unterzogen werden. Auf die Mitte eines wohlgemachten Gewölbes kan ohne Gefahr, niemals aber auf dessen Schenkel eine Mauer gesetzt werden. In den Hauptmauren des zweiten und dritten Stockwerks gehören von rechtswegen eiserne Anker.

Scheide-Wände so auf hölzernes Fachwerk bestehen, werden vorher beröhrt, das Rohr mit eisernem Drat fest genagelt, einen halben Stein dick ausgemauert, geputzt, und mit Kalch beworfen. Jedoch ist dieses eine übel angebrachte Ersparnis; wer diese Scheide-Wände von ungebranten Ziegelsteinen macht, wird dauerhaftere Mauren, und geringere Kosten haben. Alles fertige Mauerwerk wird mit Kalch und Sand, auch mit Kalch und Gyps geputzt, und wenn alles trocken geworden, überweißt.

Wenn der Steinhauer die Treppenstufen nach dem Maße zugehauen, mauert sie der Maurer, nach der ihm vorzuschreibenden Hohe mit Kalch ein.

Die Fuß-Böden in den Vorhäusern, werden bald mit Marmor, bald mit verschiedener Art von Pflaster-Steinen beleget, bald mit Gyps ausgegossen, so auch der Maurer zu verrichten, und auf ein geschicktes Zusammenfugen, auch auf den wagerechten Stand zu sehen hat.

In den Zimmern, besonders der untern Etage pflegen einige die Decken zu wölben, oder doch etwas gebogen zu machen. Wenn man unter den Balken Bretter annagelt, diese berohrt, das Rohrwerk mit eisernem Drat befestiget, auch mit Kalch und Gyps überputzt, so entstehen die geschalten Decken. Diese Schalungen erhalten ein vorzügliches Ansehen, wenn man sie nach der Form der Spiegel oder Muldengewölbe angiebt.

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pp. 219–220

§. 239.

Handwerkzeug der Maurer.

Von Werkzeugen ist das erste so der Maurer ergreift, das Schurzfel, so an vielen Orten aus einem gahrgemachten Kalbfelle, an andern aus leinen Schürzen bestehet.

Der Mauerhammer, und die Kelle; mit ersterem behauet er die Steine, mit letzterm wird Kalch und Mörtel auf die Steine gelegt.

Der Sprengpinsel, womit er die Steine besprützt, wenn er sie nicht in Wasser tauchen will, so besser ist, aber raube Hände verursacht.

Das Schoßloth, ist eine 30 bis 40 Schuh lange Schnur, auf eine Rolle gewickelt; am Ende der Schnur hängt ein Gewichte. Sie dienet die Mauren zu richten, und senkrecht in die Höhe zu führen. Der Weispinsel an dessen vordern Ende Schweinsborsten angepicht sind, mit den Schlemmpinsel so ein abgenutzter Weispinsel ist, werden die Wände abgerieben, und das erstemahl, sodann vollends mit dem Weispinsel überweisset.

Das Richtscheid, wird im kleinen gebraucht, die Setzwage drauf zu setzen, um die Mauer wagerecht zu machen, oder in der Maurersprache abzurichten.

Das Wagescheid ist im Großen, was jenes im kleinen ist; es dienet zu Abwägung grosser Mauren, oder eines ganzen Gebäudes ins Gevierte.

Die Setzwage zum Abwägen der Mauer. Sie bestehet aus einem gleichschenklichten Dreyeck, dessen Grundlinie, durch einen Einschnitt in zwei gleiche Theile getheilet ist. Aus der Spitze des oderen Winkels hängt ein Bleyloth herab, bis auf die bemerkte Hälfte der Grundlinie. Man hat grose und kleine Setzwagen.

Die Tünchscheibe, wird beim Tünchen und Putzen gebraucht, den Kalch drauf zu legen.

Das Reibebrett. Der Kalch wird damit an den Wänden fest gerieben. Ein dergleichen grösseres Reibebrett, heißt eine Cartätsche, und dienet die Wand eben zu machen.

Der Gips-Tisch, ein gewöhnlicher, mit Leisten umgebener Tisch, um Gyps und Kalch auf selbigen zu mischen. Picken, Brechstangen, Flechen, werden zum Einbrechen der Mauren gebraucht. Die Fleche ist auch eine Art von Picke, aber an der einen Seite breit, und scharf.

Latthammer, werden um die Latten auf den Dächern anzuschlagen, und Schellhammer zum Fundament mauren, und Zurichten der Steine gebraucht. Putz-Eisen, sind bestimmt, die Gesimse auszuputzen.

Böcke, Bretter, Stricke, Rüststangen, und Reßbäume, gehören insgesamt zu den Rüstungen. Schablonen sind ausgeschnitte Bretter, mit denen die Glieder der Gesimse gezogen werden.

Der Grundbohrer, das Erdreich der Fundamente zu untersuchen.

Das Winkelmas wird gebraucht, den Bau damit nach den Winkel anzulegen.

Der Dachkasten, wird mit Kalch gefüllt, auf den Dächern gebraucht, und an die Latten gehangen.