Krünitz 1788/XLII
Johann Georg Krünitz, Oekonomische Encyklopädie, oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- u. Landwirthschaft, in alphabetischer Ordnung XLII, Berlin [Joachim Pauli] 1788.
pp. 2–157 (2–152)
[Kobalt]
Kobalt (*), L. Cobaltum, Fr. Cobalt, ein im Bergbaue und in der Minefralogie übliches Wort, wo es verschiedene Producte des Mineral-Reiches bezeichnet.
(*) Im g. L. oft Kobelt, Kobold, welches doch ein anderes Ding ist; im Dän. Kobolt, im Engl. Cobalt.
1. Der Galmey ist in einigen, besonders oberdeutschen, Gegenden unter dem Nahmen des Kobaltes bekannt.
2. Am häufigsten ist der Kobalt ein Halb-Metall, welches von allen Farben angetroffen wird, im Schmelzen einen weißglänzenden spröden König (Kobalts-König, Kobalt-Speise, Regulus Cobalti,) und eine unmetallische Erde gibt, aus welcher mit Sand und Alkali die Schmalte oder blaue Farbe bereitet wird, daher er auch der Farben-Kobalt, oder Blaufarben-Kobalt, genannt wird. In der engsten Bedeutung ist in den Blaufarbe-Werken Kobalt oder Blaufarbe das aus der Erde des Kobaltes bereitete, dunkelblaue Glas; zum Unterschiede von dem blassern, welches Aeschel oder Eschel genannt wird.
3. In weiterer Bedeutung werden auch solche Mineralien, welche dem jetzt gedachten Kobalte gleichen, aber entweder keine färbende, oder doch keine arsenikalische und regulinische Theile haben, Kobalte, bestimmter aber unvollkommene oder unächte Kobalte genannt.
4. In noch weiterer Bedeutung heißt bey den Bergleuten oft alles Kobalt, was im Schmelzen kein Metall gibt, nach Schwefel und Arsenik riecht, und andere Metalle raubt oder spröde macht.
Daher kobaltisch, dem Kobalte ähnlich, imgl. Kobalt enthaltend.
Die Geschichte der Handlung, wie auch der Haus- und Land-Wirthschaft aus verschiedenen Welt-Theilen, stellt uns die überzeugendsten Beweise dar, daß es Producte gibt, die nur wenigen Ländern ganz eigen sind. Dieses findet auch bey dem mineralischen Kobalte Statt. Seit ungefähr 162 Jahren hat man erst angefangen, sich um den Nutzen dieses so lange unbrauchbar gebliebenen Minerales besser zu bekümmern, und ein gangbares Kaufmanns-Gut daraus zu verfertigen.
Die Ursache, warum dieser mineralische Körper so wenig abgehandelt worden ist, besteht wohl hauptsächlich darin, daß solcher, gegen andere Erz-Arten zu rechnen, nicht so häufig und überall gefunden wird. Hiernächst hat man an denen Orten, wo solcher auch gebrochen hat, jederzeit ein großes Geheimniß daraus gemacht, und es ist nicht wohl möglich gewesen, solchen, so wie andre Stufen, zu haben, um so mehr, da man an denen Orten, wo derselbe gefunden wurde, besondre Leute in Eid und Pflicht hatte, welche auf die Ausfuhre und das Wegschleppen der Kobalt-Erze genaue Achtung geben musten. Ferner haben Viele dieses Mineral nicht einmahl der Mühe werth geachtet, aus dem Vorurtheile: Es ist doch kein Gold und Silber darin, oder wenn ja von letzterm öfters eine nicht zu verachtende Spur dabey ist, so verlohnt es sich nicht der Mühe. Mancher hat auch wohl vor der Untersuchung desselben, wegen des dabey befindlichen Arseniks, sich mehr gefürchtet, als nöthig war. Noch andere haben es gar nicht für ein besonderes Mineral gehalten, sondern es bald da, bald dort, mit untergesteckt.
Wie es überhaupt sehr schwer hält, den Ursprung der Nahmen aus den alten Sprachen deutlich nachzuweisen, so geht es auch mit dem Kobalte. Nach Hrn. Bergr. Lehmann hat dieses Mineral den Nahmen Kobalt daher erhalten, weil sie dasselbe und dessen Nutzen nicht kannten, sondern es für eine eben so schädliche und gefährliche Berg-Art hielten, als der Berg-Geist ihnen zu seyn schien, der seit uralten Zeiten von vielen Einfältigen nicht allein geglaubt, sondern auch mit eben dem Nahmen (welcher aber eigentlich Kobold lautet,) belegt wird. Kurz, man verstand unter Kobalt einen schwärmenden, die Menschen verführenden und tödtenden, oder wenigstens beschädigenden Geist. Da nun das Mineral des Kobaltes die Bergleute öfters durch sein schönes Ansehen verführt, indem er nicht selten dem Weißgülden- und Fahl-Erze ziemlich ähnlich sieht, durch den darin enthaltenen Arsenik aber die Menschen tödtet, oder wenigstens um ihre Gesundheit bringt, so bekam er daher diesen nicht gar rühmlichen Nahmen.
Schon die alten Schriftsteller haben dieses Minerales gar selten mit Ehren gedacht. So sagt z. B. Matthesius, in der Sarepta, in der 10ten Predigt: „Nach dem Quecksilber und Rothgülden-Erz, ist Kobold und Wißmuth-Rauch das giftigste Metall, damit man auch Fliegen, Grillen, Mäuse, Vieh, Vögel und Leute tödten kann“. Ja, er will gar daselbst behaupten, das Land Cabul, welches Salomo dem Hiram schenkte, (I Kön. 9.) habe seinen Nahmen von Kobold, womit diejenigen sehr überein kommen, die den Nahmen Kobold von חבל, destruxit, herleiten wollen. Noch mehr! In den alten Berg-Gebethchen und Berg-Liedern wird ausdrücklich gebethet, daß Gott die Bergwerke und Bergleute vor Kobolden und Blenden bewahren, hingegen gute Erze schenken wolle, da doch ersteres jetzt ein so nützliches Mineral geworden ist, letzteres aber seinen großen Nutzen auf Zink gewiß haben würde, wenn man es in größerer Menge haben, folglich eigene Schmelz-Vorrichtungen darauf machen könnte.
Hrn. Rath Adelung scheint Kobalt aus dem Böheim. herzustammen, wo Kow, Erz, und kowalty, erzhaltig, erzartig, ist, so, daß Kobalt eigentlich ein dem Erze ähnliches Mineral, d. i. ein Halb-Metall, bezeichnen würde, welches es auch wirklich ist.
Im Lat. heißt es Cadmia fossilis, Cadmia fossilis pro coeruleo, Cadmia metallica, Cobaltum pro vitro coeruleo, Fr. Cadmie fossile.
Matthesius ist der Meinung, dieser Nahme rühre von Cadmus her, welcher die Bergwerks- und Schmelz-Wissenschaft zuerst nach Europa gebracht hat, und bezieht sich hierbey auf den Plinius, welcher L. 7. c. 56. ausdrücklich sagt: Lapicidinas Cadmus Thebis, aut (ut Theophrastus) in Phoenice invenit; und weiter unten: Auri metalla & conflaturam, Cadmus Phoenix ad Pangeum montem invenit. Es kann auch wohl seyn, daß in der Folge ein solches metallisches und halb-metallisches Gemenge, dergleichen besonders die Cadmia fornacum, oder der zinkische Ofenbruch, ist, den Nahmen von ihm erhalten hat; ob ihm aber eben die Cadmia fossilis metallica bekannt gewesen sey, ist noch ungewiß.
Andere würden vielleicht den Nahmen Cadmia von קדמיה, er ist eher gewesen, herleiten, und hieraus zu behaupten suchen, daß der Kobalt ein unreifes Silber-Erz, und also eher gewesen seyn, als die dabey öfters brechenden Silber-Erze.
Es gibt zwar noch verschiedene Dinge, denen der Nahme Cadmia beygelegt wird, aber sehr uneigentlich. So findet sich also 1. Cadmia fossilis Plinii, wovon Derselbe L. 34, c. 10. handelt, welche aber nichts anders ist, als theils die Flores zincinci, oder das Nihilum album, theils aber die bey dem Schmelzen der Erze im Ofen sich anhängenden Ofenbrüche, welche Cadmia fornacum genannt werden. Eben der Plinius legt, a. ang. O. so gar dem Galmey den Nahmen Cadmia bey, worin ihm Agricola gefolgt ist. Hingegen erwähnt Derselbe, L. 9, c. 7. einer Cadmia sublimata in vase clauso, welches vermuthlich wieder nichts anders seyn kann, als ein aus Kobalt, oder einer andern Minera arsenicali sublimirtes Gift-Mehl. Im 16 Cap. des 10 B. redet er von einer Cadmia atramentosa, welche verwittert und mit Vitriol beschlägt; welches also wohl nichts anders, als ein Schwefel- und Vitriol-Kies, seyn kann. Er müßte denn schon zu seiner Zeit diejenigen mit Kies vermischten Kobalt-Arten gekannt haben, welche man noch heut zu Tage an verschiedenen Orten findet, und die in der Luft leicht verwittern, aber doch reich genug an Farbewesen sind. Es ist also aus dem Mißbrauche des Wortes Cadmia bey dem Agricola eine große Unordnung entstanden; doch ist er noch so vorsichtig gewesen, unsern Kobalt mit dem Nahmen Cadmia fossilis metallica, von dem andern zu unterscheiden.
Es gibt viele Mineralien, denen einige Schriftsteller den Nahmen Kobalt gegeben haben, wiewohl dieselben das Halb-Metall, welches Kobalt-König genannt wird, und dessen Kalk in der Verglasung blau wird, nicht enthalten, sondern weil sie mit dem Kobalt-Erze eine äussere Aehnlichkeit haben. Allein, alle diese Mineralien können nur als falsche Kobalt-Arten angesehen werden. Man unterscheidet sie von dem wirklichen Kobalte dadurch, wenn man sie probiert, ob sie das Azur-Blau und die sympathetische Tinte geben können, oder nicht. Der röthliche Beschlag ist ebenfalls eins von denen Kennzeichen, wodurch man den wirklichen Kobalt von dem falschen unterscheiden kann; dieser Beschlag findet aber nur Statt, wenn dieser mineralische Körper eine Zeitlang der Wirkung der Luft und der Feuchtigkeit ausgesetzt worden ist.
Ueberhaupt pflegt der Bergmann alles dasjenige, was er nicht kennt, Kobalt oder Kobolt zu nennen; und der Hüttenmann kann räuberische Erze, oder auch solche, die strengflüssig, flüchtig oder arm sind, und doch äußerlich wie reiche Erze aussehen, nicht ärger schimpfen, als wenn er sie Kobolt nennt.
Daher nennt Ersterer:
1. Den so genannten Wasser-Kies, Gift-Kies, weißen Kies, oder Mißpickel, englischen Mondick, Kobolt, ungeachtet derselbe mit dem wahren Kobalte weiter nichts gemein hat, als daß er arsenikalisch ist, und zwar um so viel stärker, weil er in seiner reinen Gestalt nichts, als ein Gemenge von Arsenik und Eisen, abgibt.
2. Wird dieser Nahme auch denjenigen Schwefel- und Vitriol-Kiesen beygelegt, welche sich schleifen lassen, folglich sehr compact sind, und unter dem Nahmen der Gesundheits-Steine, Inca-Steine, Piedra quadrata du Perou, bekannt sind; kurz, den derben, bald würfeligen, bald in anderer Gestalt vorkommenden Kiesen, welche, wegen ihrer Festigkeit, der Verwitterung nicht so leicht unterworfen sind, als andre Schwefel- und Vitriol-Kiese, und welche sich auf der Scheibe schleifen lassen. Diese haben nun gar nichts mit unsern eigentlich so genannten Kobalten gemein, indem sie bloß aus Vitriol, Schwefel, und etwas Eisen, bestehen.
3. Muß unter dem Nahmen Kobalt öfters der derbste und reinste gewachsene Wißmuth mit laufen. Nun lassen zwar die meisten, ja, fast alle Wißmuth-Erze, nach geschehenem Ausschmelzen des Wißmuthes, die so genannten Wißmuth-Graupen, oder den mit Wißmuth vermischt gewesenen Kobalt zurück; allein einem reinen Wißmuth-Erze den Nahmen des Kobaltes beyzulegen, ist wieder die Natur.
4. Finden sich gewisse Silber-Erze, welche sich, ihres ansehnlichen Silber-Gehaltes ungeachtet, mit dem Nahmen Kobalt abweisen lassen müssen. Dahin gehört z. B. eine gewisse, dem Weißgülden-Erze sehr ähnliche, Silber-Erz-Art auf Catharina Neufang zu St. Andreasberg, welche den Nahmen Kobalt nur deswegen verdient, weil sie ziemlich arsenikalisch ist, und einem blanken Kobalte etwas ähnlich aussieht. Alsdann müßte man aber auch das Rothgülden-Erz Kobalt nennen, weil es ebenfalls nicht wenig Arsenik hält. Eben dergleichen Art, aber nicht so reich an Silber, findet sich auch zu Straßberg im Stollbergischen am Border-Harze auf dem Kreuze, welche zwar nicht so reich an Arsenik, als die vorige, desto mehr aber antimonialisch oder eisenschüssig ist, und daher mit dem, bey dem Erze häufig brechenden andern isabellfarbigen Eisen-Steine eine Speise, welche der Kobalt-Speise beynahe gleich sieht, aber kein Blau, gibt. Auch gehört dahin eine gewisse reiche Silbererz-Art, welche schwarz aussieht, und bey Biber im Hanauischen gebrochen wird, aber weder eine sympathetische Tinte, noch blaues Glas, gibt.
5. Gehört auch der reine eigentlich so genannte Scherben-Kobalt, gar nicht unter die Kobalte, und er ist von dem reinen Mißpickel nur darin unterschieden, daß dieser ein Gemenge von Arsenik und Eisen, jener aber, wenn er ganz rein ist, ein wirklich gewachsener schwarzer König des Arseniks ist, der sich auch fast ganz und gar sublimiren lässet, und durch Schmelz-Feuer ganz davon geht, ohne etwas mehr, als ein wenig lockere graue Erde, keinesweges aber Speise, zurück zu lassen, auch keine Glas-Masse blau färbet.
Der eigentliche und wahre Kobalt ist ein gegrabener mineralischer Körper, welcher keine bestimmte Gestalt, eine mehr oder weniger glänzende graue Farbe, ein feines Korn hat, derb, fest und schwer ist; wenn er einige Zeit lang an der Luft gelegen hat, auf seiner Oberfläche mit einem pfirsichblüthfarbigen Staube oder Beschlage bedeckt wird; an und vor sich in seiner reinen Gestalt keinen metallischen König gibt, sich in sauern Auflösungs-Mitteln theils ganz, theils nur zum Theil auflösen lässet; an und vor sich in seiner reinen Gestalt, auch so gar durch Zusatz alkalischer Flüsse, keinen metallischen König gibt, mit Kochsalz-Saurem allezeit die sympathetische grüne Tinte gibt, mit Alkali aber und einer glasachtigen Erde im Feuer allezeit ein blaues Glas darstellt.
Was die Geschichte unsers Kobaltes betrifft, so scheint es, daß derselbe den ältesten Natur-Beschreibern ganz unbekannt gewesen sey. Ob gleich Plinius (1) der Arsenik-Arten und ihres Nutzens in der Medicin erwähnt: so gedenkt er doch mit keinem Worte, ob und woraus derselbe gemacht sey. Vielmehr ist gewiß, daß die Alten unter dem Arsenik nichts, als unser jetzt gewöhnliches Rauschgelb verstanden und gekannt haben. Plinius hat ihn also ganz gewiß nicht gekannt. Hieraus folgt aber deswegen nicht, daß ihn andere Leute nicht gekannt haben sollten (2).
(1) Hist. nat. L. 34, c. 18.
(2) Man findet hiervon die deutlichsten Spuren im Plinius, insonderheit L. 33, c. 13. wo es heißt: Caeruleum harena est, cuius genera tria fuere antiquitus. Aegyptium, quod maxime probatur; Scythicum, hoc diluitur facile, cumque teritur, in quatuor colores mutatur, candidiorem nigrioremve crassiorem tenuioremve. Praefertur huic etiamnum Cyprium. Accedit his Puteolanum et Hispaniense, harena ibi confici coepta. Tingitur autem omne, & in sua coquitur herba, bibitque succum reliqua confectura eadem quae Chrysocollae. Ex caeruleo fit, quod vocatur lomentum; perficitur id lauando terendoque, & hoc est caeruleo candidius. Pretia eius, XXIII in libras, caerulei XVIII. Usus in creta, calcis impatiens. Nuper accessit & Nestorianum ab Autore appellatum; fit ex Aegyptii laeuiffima parte; pretium eius XL. in libras. Idem et Puteolani usus, praeterquam ad fenestras. Vocant coelon. Non pridem apportari & Indicum est coeptum, cuius pretium XVII. in libras; ratio in pictura ad incisuras, hoc est, vmbras diuidendas ab lumine. Est & vilissimum genus lomentis, quidam tritum vocant, quinis assibus aestimatum.
Diese Stelle ist so merkwürdig, daß ich sie erläutern muß, um so mehr, da alle Naturkündiger die Entdeckung der blauen Farbe aus dem Kobalte nur den leßtverwichenen Jahrhunderten zueignen wollen. Nachdem Plinius von den mineralischen Farben geredet hat, kommt er, a. ang. O., auf das Sil, oder die gelbe Erde, und auf das Blau. Er sagt: diese blaue Farbe käme als Sand im Handel und Wandel vor. Wem ist wohl das so genannte Streu-Blau, dessen man sich öfters als Streu-Sand bedient, und welches nichts anders, als ein grob gemahlnes Kobalt-Glas, ist, unbekannt? Er sagt ferner: das scythische, wenn es gerieben würde, gebe 4 verschiedene Sorten, welche theils hochblau, theils blaß und dünn von Farbe wären. Es ist bekannt, daß, wenn ein gutes Streu-Blau gerieben und verwaschen wird, ein Hoch- und ein Blaß-Blau fällt. Was er von puteolanischen und spanischen sagt, kommt mit vorigem überein, nähmlich daß es als ein Sand im Handel und Wandel vorkomme. Es irrt aber Plinius, wenn er dafür hält, es werde diese blaue Farbe aus einem Kraute gemacht. Wie kann er ein Blau aus dem Pflanzen-Reiche zu Färbung der Fenster-Scheiben gebrauchen, welches aber mit gemahlenem Kobalt-Glase sehr leicht angeht. Auch war ihm die Art, wie dieses Blau bereitet werde, ferner deswegen ganz unbekannt, weil er sagt: es werde wie Chrysocolla bereitet. Er möge nun unter Chrysocolla den Borax, oder was er wolle, verstanden haben, so ist gewiß, daß alle diese Präparationen von unserm blauen Sande weit abgeben. Aus diesem blauen Glase, fährt Plinius fort, wird durch Reiben und Waschen ein blässeres Blau, welches Lomentum oder Eschel genannt wird. Auch dieses trifft bey dem blauen Farben-Glase aus Kobalt ein.
Stückchen von blauem Glase, die man zwischen Mumien gefunden hat, machten es Hrn. Delaval glaublich, daß die Aegypter den Kobalt gekannt haben. Delaval (3) sagt: er habe solches Glas im Feuer untersucht, und dabey keinen Unterschied vom Kobalt entdecken können. Ein solcher artiger Versuch hätte wohl verdient, ausführlich beschrieben zu werden. Er selbst gesteht dabey, daß die Alten den Lasur-Stein auf diese Weise angewendet haben; aber die von Plinius angeführte Verfälschung des Lasurs erklärt er durch einen Zusatz von Kobalt-Glas. Gleichwohl ist es gewiß, daß auch Eisen eine Farbe geben kann, die doch allemahl, bey dem nachlässigen Bergbaue der Alten leichter erfunden werden konnte. (Beckmanns phys. ökon. Bibliothek. 10 B. 1 St. S. 70).
(3) An experimental inquiry into the cause of the changes of colours in opake and coloured bodies &c. by Edw. Huffey Delaval. Lond. 1777, 4.
Es ist demnach aus den blauen mosaischen Arbeiten der Alten ihre Bekanntschaft mit dem Kobalte nicht zu erweisen, ungeachtet nach Lehmann, auch Hr. Ferber (4) diese Meinung noch neuerlich vertheidigt hat.
(4) Briefe aus Wälschland, S. 114.
In den nachfolgenden Zeiten, in welchen ohnedies alle Wissenschaften, und also auch die Natur-Geschichte, danieder lagen, findet man des Kobaltes keine Erwähnung, bis auf die Zeiten des Ge. Agricola, welcher in seinen Schriften, besonders de ortu et causis subterraneorum, de natura fossilium, und in Bermanno, verschiedenes davon gedenkt. Aber auch ihm war der Gebrauch des Kobaltes zu blauem Glase unbekannt. Denn die Alten kannten nicht einmahl unsern Arsenik, als welcher erst seit etwa 200 Jahren bekannt geworden ist. Ihr Arsenik war unser Auripigmentum nativum.
Wie schlecht unser Kobalt bey dem Matthesius in Ansehen gewesen sey, habe ich bereits oben erwähnt. Albinus (5) gedenkt zwar auch der Kobalte, er weiß aber auch weiter nichts anzugeben, als daß sie ein sehr giftiges Minerale wären, und hat hierin den Matthesius und Agricola größten Theils ausgeschrieben. Im 16 Tit., wo er von dem Wißmuth redet, führt er unter andern an: der Wißmuth wachse, wenn er in Fäßchen eingeschlossen werde, wieder zusammen, welches ein reiner Wißmuth nicht thut, wohl aber ein gepochter Kobalt. Cardanus (6) hat auch von dem Kobalte, als einer ätzenden und giftigen Sache, nur sehr kurz gehandelt. Ferrandus (7) führt bloß des Plinius Nachricht von Wort zu Worte an; und im 7 Cap. des 26 B. erwähnt er der Cadmia argentaria; so viel aber aus der Beschreibung erhellt, hat er keine andere Kobalt-Art, als den Scherben-Kobalt, darunter verstanden. Löhneis muß den Kobalt eben so schlecht gekannt haben, wenn er, im Bericht vom Bergwerke, S. 79, den Kobalt für eine durch Kunst gemachte Sache hält, und vorgibt, es werde dieses Mineral aus rammelsbergischen Erzen gemacht. Hingegen S. 173, erwähnt er der blauen Farbe aus den Wißmuths-Graupen. Es scheint also, daß der Nutzen des Kobaltes in Deutschland nicht eher bekannt geworden sen, als um das J. 1617, da man, nach Melzer’s Berichte (8), in Schneeberg besonders darauf zu reflectiren angefangen hat, um so mehr, da sich damahls die Silber-Erze daselbst sehr abgeschnitten hatten.
(5) In der meißnischen Berg-Chronik, Tit. 7.
(6) Im 5 B. de Mistis.
(7) Hist. nat. L. 4, c. 6. 7.
(8) In der Schneebergischen Chronik, S. 406.
Die nachherigen Natur-Forscher des vorigen und jezigen Jahrh. haben dieses Minerales verschiedentlich Erwähnung gethan; allein, es hat sich keiner recht genau die Mühe genommen, dessen Geschichte gehörig zu erörtern, und die meisten haben sich bey dessen Anführung bloß nach gewissen Absichten gerichtet. So gedenkt zwar Kunkel, in der Glasmacher-Kunst, des Kobaltes, aber bloß in Absicht auf die daraus verfertigte Zaffera. Pomet (9) glaubt, der Safflor sen ein Mineral, welches aus Suratte zu uns gebracht werde. Sam. Dale, in der Mineralogie, S. 70, ist der Meinung, der Safflor sey ein Sublimat. Valentini (10) weiß auch nichts mehr davon zu sagen, als was er aus Kunkeln und Andern ersehen hat. Barba erwähnt dieses Minerales in seinem Bergbüchlein gar nicht. Bromel vermengt, in seiner Lithographia Suecana, Kobalt und Mißpickel mit einander, und Linné denkt, in seinem Systema Naturae, nicht viel ordentlicher. Wallerius, in der Mineralogie, erwähnt zwar der Kobalt-Erze etwas genauer, er vermengt aber die davon fallende Speise, oder den Regulum Cadmiae fossilis metallicae, mit dem Kobalte selbst. Gesner (11) hat noch am ordentlichsten, aber auch am kürzesten, verfahren. Solcher Gestalt hat dieses Mineral, ich weiß nicht ob aus Furcht vor dessen arsenikalischen Dämpfen, oder weil es so schwer zu bekommen ist, in einer ziemlichen Dunkelheit bey den Schriftstellern gesteckt. Denn obgleich Pott (12) bey Gelegenheit des Wißmuthes etwas hat einfließen lassen, so ist es doch nur sehr wenig, indem auch im eigentlichen Verstande Kobalt und Wißmuth zwey ganz verschiedene Mineralien sind. Sonst haben zwar auch Henkel, Kramer, Gellert und von Justi, in ihren Schriften hin und wieder etwas von dieser Materie einfließen lassen, allein ex professo haben sie doch nicht davon systematisch gehandelt. Diesen Ruhm trug Hr. Bergr. Lehmann (13) davon. Er entschloß sich zur Bekanntmachung seines Werkes, als die kön. großbritann. Gesellschaft zur Aufnahme der Künste, Manufacturen, und der Handlung, im J. 1756 eben diese Materie zur Aufgabe erwählte. Er übersandte derselben die 5 ersten Abschnitte, oder den ersten Theil dieses Werkes. Sie würdigte, zu Ende des 1759 J. seine eingesandte Schrift ihres vorzüglichen Beyfalles, welchen sie ihm durch die Ertheilung des ausgesetzten Preises, durch die Aufnahme seiner selbst in ihre Gesellschaft, und die in das Englische übersetzte und in London gedruckte Preis-Schrift öffentlich an den Tag legte. Dieses veranlassete ihn, sein zum Druck fertig liegendes Werk nochmahls durchzugehen, zu verbessern, zu vermehren, und es zum Druck zu befördern. Hr. Lehmann hat aus mehr als 300 sicherer Stuffen von Kobalt, sowohl seine Eintheilung gemacht, als auch damit seine Versuche angestellt. Indessen hat er das wahre blau färbende Wesen des Kobaltes noch nicht als ein eigentliches Halb-Metall gekannt. Er glaubte, daß die Eigenschaft, welche der Kobalt hat, mit gewöhnlicher Glas-Fritte ein blaues Glas zu liefern, nicht dem metallischen Antheile desselben, sondern einer gewissen damit vermischten Erde, zu zuschreiben sey. Hr. Bergr. Pörner hat aus der bloßen Schmalte, oder der so genannten blauen Farbe, wie sie in Sachsen bereitet, verkauft und gebraucht wird, durch die Reduction ein wirkliches Metall erhalten, welches, von neuem calcinirt und mit Glas-Flüssen geschmolzen, ein schönes blaues Glas gab. Das Halb-Metall hatte eben das Ansehen und die Beschaffenheit, wie es Cronstedt, in seiner Mineralogie, S. 223, beschreibt; es war hart, brüchig, von Farbe weißgrau, und auf dem Bruche feinkörnig. Es bleibt also kein Zweifel übrig, daß dasjenige, was sich aus der Schmalte als ein Metall reducirt, und von neuem calcinirt, wieder ein blaues Glas gibt, für eine wirkliche metallische Substanz, und zwar für ein Halb-Metall, zu halten ist, welches, da sein Kalk die Glas-Flüsse blau färbt, ein von andern Halb-Metallen unterschiedenes und besonderes Halb-Metall ist. Von diesem Halb-Metalle ist auch noch die besondere Eigenschaft zu merken, da es, im Sauern und besonders im Salpeter-Sauern aufgelöset, mit dem Alkali des Koch-Salzes, die sympathetische Tinte gibt, wovon ich weiter unten sprechen werde. Obgleich Hr. Bergr. Brandt (14) der erste ist, welcher gezeigt hat, daß der Kobalt ein Metall sen, so haben doch viele noch im Zweifel gestanden. Der Verdienste der neuern Chemisten um diese Materie, wird in der Folge Erwähnung geschehen.
(9) Hist. Simplic. P. 2, L. 3.
(10) In Hist. Simplic. reform.
(11) Jo. Alb. Gesneri historia cadmiae fossilis, & ex illo praeparatorum Zaffarae & Smalti. Pars I. Berol. 1744. 4. 4 B.
D. übers. u. d. T. Joh. Albr. Gesners Historie vom Cobalt, und der daraus bereiteten Zaffera und Schmalten, st. wieder aufgelegt im 10 St. der Stutg. Select. phys. oecon. S. 352– 355; 11 St. S. 361–378; 12 St. S. 423–439; 15 St. S. 230–246; 16 St. S. 335–339, und 17 St. S. 392–399.
Eb. Dess. Beschreibung einer besonders raren Erz-Stuffe aus der Insel Sumatra; nebst einigen Anmerkungen von andern raren Mineralien, st. im 6 St. der Stutg. Select. phys. oeconom., (1752, 8.) S. 514–522.
Eb. Dess. einige Nachricht von dem Cobalt, woraus die blaue Stärke oder Smalte gemacht wird, und von einer besonders aus diesem Mineral bereiteten, so genannten sympathetischen Dinte, st. im 7 St. ders. S. 20–29.
(12) In Observatt. & animadvers. chym. Collect. I.
(13) Cadmiologia. oder Geschichte des Farben-Kobolde, nach seinen Nahmen, Arten, Lagerstätten, darbey brechenden Metallen, Mineralien, Erzten und Steinen, wie auch dessen Verhältniß nach der Probier-Kunst, dessen Gebrauch und andern dabey vorfallenden Umständen; nebst Beschreibung derer dazu gehörigen Oefen, Maschinen und Arbeiten, theils aus andern Schriften, größtentheils aber aus eigener Erfahrung und sorgfältig angestellten Versuchen und Wahrnehmungen zusammen getragen, und mit denen nöthigen Kupfern erläutert, von D. Joh. Gottlob Lehmann. Erster Theil, Berl. 1760, 4. 17 B. u. 9 K. T. Zweyter Theil. Königsb. und L. 1766, 14 u. e. h. B.
(14) Cobalti nova species, examinata & descripta à Ge. Brandt, st. in Act. Soc. Reg. Sc. Upsal. ad A. 1742, Stockh. 1748, 4. S. 33–41.
D. übers. u. d. T. Untersuchung und Beschreibung einer neuen Art des Kobaltes, von Ge. Brandt, st. in Crell’s neuen chem. Archiv, 3 Th. S. 221–230.
Rede von dem Farben-Kobalde, gehalten vor der königl. Acad. d. Wiss. zu Stockholm, bey der Niederlegung des Vorsitzes, d. 30 Heum. 1760, von Ge. Brandt, st. im 1 B. der von G. S. Gruner aus dem Schwed. übers. Auserles. Samml. 3. Vortheil der Staatswirthsch. &c. (Basel, 1763, gr. 8.) S. 335–358.
Eine andere Uebers. u. d. T. Abhandlung von den Farben-Kobolten, der kön. Akad. d. Wiss. zu Stockholm, im J. 1760 vorgelesen von Hrn. Ge. Brandt, aus dem Schwed. übers. von Jo. Andr. Murray, st. im 69 und 70 St. des hannov. Magaz. v. J. 1765.
[die Oerter]
Was die Oerter betrifft, wo die Kobalt-Erze (d. i. Stein-Arten, so fern ihr Haupt-Gehalt Kobalt ist,) Minera Cobalti, am meisten gefunden werden, so sind solche vorzüglich die sächsischen Ober-Erzgebirge, als: Freyberg, Ehrenfriedersdorf, insonderheit aber Schneeberg, Annaberg, und Johann-Georgen-Stadt.
Zu Schneeberg führt insonderheit der hebersche Gang, welcher das Granit- und Schiefer-Gebirge von einander trennt, reiche Silber- und Kobalt-Erze; aber Trümmer, die von ihm in den Granit ausgehen, führen Zinn-Erze. Doch will man auch Beyspiele haben, daß die Kobalt-Gänge sich in den Granit-Keilen edel bewiesen hätten. In den schneebergischen Gebirgen thun die stehenden Gänge nicht gut; flache und Spat-Gänge führen Kobalt in Quarz, und sind die Haupt-Gänge, worauf mit Eifer gebauet wird; Morgen-Gänge führen Silber, gemeiniglich in spathartigen Gang-Steinen, werden aber jetzt wegen starken Triebes des Kobalts-Baues nicht so viel belegt, wie sie wohl verdienten. Der ganze schneebergische Kobalt-Bau ist von Eisenstein-führenden granitartigen Gebirgen umschlossen, in welchen auch Zinn-Erze und Flüsse oder Flöße (Fluß- und Gyps-Spathe,) die als Zuschläge bey dem Eisen-Schmelzen gebraucht werden, brechen. Die Kobalt-Gänge haben größten Theils Quarz, bisweilen auch Schiefer und Letten, aber selten Spath, zur Gang-Art. Wenn der Quarz fein und weiß ist, wird er zu den Blaufarben-Werken verkauft. Die Mächtigkeit der Kobalt-Gänge, ist von einigen Zollen bis zu 2 Ellen. Die schmahleren sind die edelsten; die mächtigen führen wenigen, oder keinen Kobalt, sondern lauter Quarz, dergleichen man viele im blauen Schiefer in den hohlen Wegen um Schneeberg bemerken kann. Alle schneebergische Kobalt-Gebäude werden durch zwey churfürstl. tiefe Stollen, und einige von Privat-Stollen, gelöset. 1) Der tiefe Fürsten-Stollen hat abgehende Flügel-Oerter zu jeder Grube, welche besondre Nahmen erhalten. So ist z. B. der Nahme Jesus-Stollen in Adam Heber ein Flügel-Ort des tiefen Fürsten-Stollens, welcher 49 L. Teufe einbringt. 2) Der tiefe Max Semmler-Stollen bringt im höchsten Gebirge 120 L. flache, oder 90 L. seigere Teufe, ein.
Jo. Jac. Ferbers neue Beytr. zur Mineralgeschichte verschied. Länder, 1 B. (Wietau 1778, gr. 8.) S. 216, 198.
Von dem Blaufarbe-Werke zu Schneeberg, wird weiter unten eine ausführlichere Nachricht erfolgen.
In Böheim, ist besonders St. Joachimsthal deswegen berühmt, wie auch Gottesgab, Platten, Aberdam &c.
Der Kobalt und dessen verschiedene Arten, brechen zu Joachimsthal mit und unter den Silber-Erzen auf verschiedenen Gängen. Der reine, und wenig oder gar kein Silber haltende Kobalt wird zu Schlich gezogen, und hernach an die Blaufarbe-Werke, sowohl in Böheim, als auch an einigen Orten im deutschen Reiche verkauft. Der Centner kostet, nach Verschiedenheit seiner Güte, von 13 zu 40 bis 45 Gulden. Bey Joachimsthal, auf dem Wege nach der Silber-Schmelzhütte, liegt das Puchnerische, und zwischen Platten und Johann-Georgen-Stadt 3. andere böheimische Blaufarben-Werke; imgleichen befindet sich bey Platten eins, welches Privat-Personen zugehört. Ferner gibt es auf der Kammeral-Herrschaft Preßnitz ein kais. königl. Blaufarben-Werk. Auch hat der Graf v. Heimhausen auf seiner Herrschaft Kuttenplan eins errichten lassen.
Im deutschen Reiche sind verschiedene, die mit joachims-thalischen Kobalte versehen werden. Darunter verdient das im ginzinger Thal zu Girgenbach 1750 errichtete Kobalt-Werk Erwähnung, weil dessen Besitzer mit der kais. kön. Kammer einen Contract unter gewissen Bedingungen schlossen, vermöge dessen ihnen ausschließungsweise die in Böheim gewonnenen Kobalte gegen bare Bezahlung, 20 Jahr hindurch, überlassen werden sollten. Man hatte ehedem, wegen geringen Absatzes dieses Halb-Metalles, jährlich nur ungefähr 2000 Centner in Böheim gewonnen; nun wendete man mehr Eifer an, und gewann gegen 10000 Centn. Da aber die Gewerkschaft ein solches Quantum weder abnehmen, noch bezahlen konnte, so mußte jener Contract wieder aufgehoben werden. Dieser Umstand machte indessen, daß man in den letzten Jahren für 60,000 Gulden Kobalt übrig behielt, wozu kein Käufer da war. Aber jetzt, seitdem man sich befleißigt, ihn reiner und besser auszuscheiden, als ehedem, und den Abnehmern Frist zur Zahlung gibt, scheint der Absatz wieder zuzunehmen.
Die meiste böheimische blaue Farbe geht nach Holland. Ungeachtet man in Böheim eben so gute Kobalte gewinnt, als in Sachsen: so kennt man doch dort noch nicht die erforderlichen Handgriffe und Vortheile bey Bereitung der Schmalte, wodurch die Sachsen nach dem Muster arbeiten, dessen Farbe ohne Fehler verfertigen, und die Beschickung darauf einrichten, welches die Böhmen nicht wissen, sondern die Art der erzeugten Schmalte erst nach der Bereitung und durch Vergleichung mit den Mustern festsetzen.
J. C. Sinapius Fragmente aus dem Gebiete des Handlungswesens, oder Kaufmännische Hefte, 10 St. (Altona, 1781, 8.) S. 944 f.
Von den Blaufarben-Werken zu Joachimsthal und zu Platten, in Böheim, werde ich weiter unten ein Mehreres beybringen.
Auf dem Ober-Harze hat sich dann und wann bey Braunlahe, auf dem St. Andreas-Berge, und zwar auf der so genannten Farb-Grube, drey Ringen, Theuerdank, fünf Bücher Mosis, Maximilian-Fundgruben &c. Kobalt gezeigt, welcher aber sehr mißpickelig und arsenikalisch war. So hat man auch zu Clausthal dann und wann Anzeige davon gefunden, welche aber, wie die andreasberger, sehr arsenikalisch, und an Farbe-Theilen arm, waren. Zu Lauterberg hat man einen Kobalt mit reichem Kupfer-Erze auf der frischen Lutter-Fundgrube gebrochen.
In der Grafschaft Hohenstein, gegen Nordhausen, nicht weit von Ilefeld, auf der langen Wand bey Wiegersdorf genannt, beweiset sich ein Kupfer-Schiefer-Flötz auf den Wechseln mit Kobalt, welcher aber wenig Sand verträgt. Da hingegen nicht weit von Wernigerode, in den Vorgebirgen des Brockens, vormahls eine Kobalt-Grube, die Thomkuhle genannt, umgegangen ist, wovon der Kobalt sehr mißpickelig war, doch aber ein sehr liebliches, obgleich nicht sehr hochblaues Glas gab.
Dergleichen Flötz- und Wechsel-Kobalt hat auch bey Gollwitz in der Grafschaft Mansfeld, königl. preuß. Hoheit, nicht weit von Rothenburg, gebrochen, welcher theils aus derbem Kobalt, theils aus Kupfer-Nickel, theils aber aus einem kobaltischen Letten bestand.
Hessen bekommt seinen besten Kobalt von Riechelsdorf und von Bieber, in der Grafschaft Hanau.
Die Gänge, worin sich der in Riechelsdorf brechende Glanz- und stahlderbe Kobalt findet, durchschneiden meistentheils seigergerade das horizontal liegende Kupfer-Flötz, sie setzen bis 30 Lachter nieder, und gehen in die Höhe bis unter die Damm-Erde, wo aber die Kobalte meist verwittert sind. Diese Kobalt-Gänge bestehen aus einer andern Stein-Art, als das Flötz. Zusammen geleimte abgerundete Quarze ist die Stein-Art, und der schwere Gyps-Spath die Gang-Art, worin der Kobalt ist. Erstere Art wird von den Bergleuten speckgrubige genannt, wegen der weißen unförmlichen Quarz-Stücke. Diese Stein-Masse ist grau, so weit sie den Kobalt begleitet; dahingegen das Todte oder Liegende, welches eben diese Stein-Art ausmacht, roth ist. Von dem ganzen Flötze ist diese Stein-Art das Liegende. Man hat sie noch 12 Lachter abgeteuft, allein immer einerley vorgefunden. Bey dem frankenberger Kupfer-Flötze ist sie ebenfalls das Liegende, und die Stadt Frankenberg liegt auf einem Berge, welcher bloß aus dieser Stein-Art besteht. Die Kobalt-Schräme sind 2 bis 8 Z. mächtig; der Kobalt wird mit Schießen gewonnen, und die Arbeit strossenweise getrieben.
Chymische Untersuchungen des Glanz- und stahlderben Kobolds, von Riechelsdorf in Hessen, von Mönch, st. in Hrn. Bergr. Crell chem. Journal, 3 Th. (Lemgo, 1780, 8.) S. 46–79.
Des Karlshafenschen Blaufarbe-Werkes, im Hessischen, wird weiter unten Erwähnung geschehen.
Schlesien hat sich weder in den ältern noch neuern Zeiten sonderlich mit ächten Kobalten gezeigt, ausser daß man vor etwa 30 Jahren, bey Kupferberg, Spuren von Kobalt mit Wißmuth nesterweise gefunden hat. Auch wird im 49 St. der oekon. Nachr. der patriot. Gesellsch. in Schlesien, v. J. 1773, S. 392, gemeldet, daß auf dem gräfl. von Schafgotschischen Territorio zu Querbach, unweit Hirschberg, wo schon seit geraumer Zeit ein Kobalt-Bergwerk mit ergiebigem Vortheile betrieben wird, abermahl eine neue Fundgrube dieses ungemein nützlichen Halb-Metalles vor kurzem entdeckt, und den Bau auf dieselbe, unter bereits erlangter landesherrlicher Genehmigung, vorzurichten, von dem edel gesinnten Eigenthümer des genannten Gutes, mit möglichst guter Hoffnung auf einen reichen Segen, der Anfang gemacht worden sen, dergestalt, daß nunmehr die aus der gemeldeteten Berg-Art zu verfertigende blaue Farbe in beträchtlicher Menge, und zugleich von vorzüglicher Güte aus inländischen Bergwerken werde gewonnen werden. Von diesem Werke zu Querbach, werde ich unten eine ausführlichere Nachricht liefern. Zu Schreiberau, in Schlesien, hat man Kobalt, welcher merkwürdig ist, weil er fast gar keinen Arsenik hat.
Ungarn hat zwar auch an einigen Orten, als: zu Puganz, Spuren von Kobalten, die aber nicht erheblich sind.
Oestreich, Kärnthen, Tyrol, Steyermark, Salzburg, Bayern, können auch nur kleine Proben aufweisen.
Italien hat an einigen Orten, als: im Piemontesischen, einige Anzeigen darauf, aber noch ist die Menge desselben nicht so beschaffen, daß man mit Nutzen Farbe-Werke darauf anlegen könnte.
Aus Helvetien hat man noch keine Nachricht, daß Kobalt daselbst gefunden würde. Hingegen findet sich in Schwaben, besonders im Herzogthume Würtemberg, bey Alpirspach und Wittichen, auf dem Wolfgang und Eberhard, Mosis-Segen, Dreykönigsstern, zu Bulach und im Christophs-Thale, desto mehr und von besonderer Güte.
In Franken hat man auch keine Spuren von Kobalt gefunden; dagegen aber ist das benachbarte Naila, am meisten aber Saalfeld auf dem Rothenberge und den darauf befindlichen Zechen, mit vortrefflichen und zum Theil ganz besondern Kobalten versehen.
Die saalfeldischen Kobalt-Gruben liegen in dem flötzartigen Rothenberge, dessen Schichten zwar größtentheils einerley sind, aber doch auf die Art sich verändern, daß nicht alle überall vorhanden sind. Auch fallen zufällige bänderungen in der Mischung des Gesteines vor so, daß ein kalk- oder thonartiges Flötz nicht überall gleich rein, sondern mehr oder weniger märgelartig ist. Durch dieses aus verschiedenen über einander liegenden Flötz-Schichten bestehende Gebirge, setzen streichende Gänge durch, auf welchen Kobalt- Silber- und Kupfer-Erze brechen. Da nun die Flötz-Lager nicht völlig horizontal liegen, sondern gegen Mitternacht einschießen, und die Gänge ohnehin nicht ganz seiger sind, so sieht man leicht ein, daß ein Gang im Hangenden und Liegenden auf einer Strecke nicht allesmahl einerley Neben-Gestein, sondern oft verschiedenes, haben könne und müsse; ja es kann sich treffen, daß der Wechsel zweyer Flötz-Lager auf einer Strecke einfällt, da denn die Firste und ein Theil des Hangenden oder Liegenden aus dem Gesteine des obern, und die Sohle und der untere Theil des Hangenden oder Liegenden aus dem Gesteine des tiefern Flötz-Lagers bestehen muß. In dem Lager der auf die Kalk- gelben und braunen Flöße folgenden grauen Flöße, welche 2 bis 3 Lachter mächtig sind, und aus einem harten, sehr kleinlöcherigen, graugelblichen Kalk-Tuff bestehen, führen die Gänge den schwarzen Kobalt, entweder mulmig wie ein Ruß in den Klüften, oder derb erhärtet. Der Centner kostet 9 bis 20 Rthlr. In dem weiter unten liegenden Sand-Gebirge, brechen Silber- und Kupfer-Erze, wie auch Kobalte. Die in dem darauf folgenden weißen Schiefer-Gebirge brechenden Silber- und Kupfer-Erze sind noch ärmer, als die im Sand-Gebirge; die Kobalte aber sind hier die feinsten und besten, und werden zu 20 bis 30 Rthlr. der Ctn. verkauft.
Man findet überhaupt in den saalfeldischen Gruben: 1. braunen und gelben Kobalt-Mulm. Wenn er Sand-Flöße bricht, entstehen daraus die so genannten Sand-Kobalte. 2. Grünen Kobalt-Mulm. 3. chwarzen Kobalt-Mulm, welcher viel Farbewesen, und wenig Eisen und Kupfer, enthält. Er findet sich entweder russicht oder erhärtet, und im letztern Falle bisweilen glänzend im Bruche (Schlacken-Kobalt). Hr. Prof. Ferber sahe eine Stufe schwarzen saalfeldischen Kobalt, der wie ein schwarzer Glaskopf in kleinen Kugeln erhaben war. 4. Der gewöhnliche Glanz-Kobalt ist allemahl silberhaltig, und hält von einigen Lothen zu 1 bis 3 Mark im Centner. Er kommt zuweilen in spiegelnden Flächen vor (Spiegel-Kobalt). 5. Kobalt-Beschlag und Kobalt-Blüthe findet man hier von ausnehmender Schönheit. In dem Glanz-Kobalte bricht Kupfer-Nickel. Die aus saalfeldischen Erzen allein bereitete blaue Farbe ist nicht so lieblich, wie die schneebergische, weil sie kupfericht ist.
Ferber, a. ang. O. S. 303, fgg.
Von dem saalfelder schwarzen mulmigen Kobalte, folgt unten eine ausführliche Nachricht.
In der Nachbarschaft der Stadt Friderichroda, im Herzogthume Gotha, gräbt man Eisenstein und Kobalt.
Frankreich hat bis jetzt noch keine gute Kobalte, ausser derjenigen Art, welche im Elsaß an der lothringischen Gränze zu Ste. Marie aux Mines gefunden worden ist, und die Sauer in den Memoir. de l’Acad. de Paris beschreibt, welche aber sehr arsenikalisch ist.
Spanien führt bey Bielsa in Aragonien artige Kobalte; und es bestätigt sich aus der oben angeführten Stelle des Plinius. Im Anfange des jetzigen Jahrh. fand ein Bauer aus dem Tale Gistau, in den Pyrenäen von Aragonien, daß die Steine an einem Orte des hohen Berges, der gerade vor Plan in Nordwest ist, schwerer, als die gewöhnlichen Steine, wären. Er vermuthete, daß es eine Silber-Miner sey. Er nahm einen Stein, und brachte ihn zu einem Privat-Mann nach Saragossa, den er für einen Kenner von Erz-Stufen hielt. Dieser machte alle erdenkliche Versuche, um das Silber, das er darin zu finden hoffte, zu entdecken; endlich aber kam er aus seinem Irrthum, und fand, daß es Kobalt-Erz sey. Er sandte einige Proben an die Schmalte-Fabrik in Deutschland, wo man Versuche damit machte. Da es von vollkommen guter Beschaffenheit befunden wurde, suchten die Deutschen von dem Reichthume der Mine Vortheil zu ziehen, ohne den Spaniern von dem Werthe desselben, noch von ihrem Geheimnisse, etwas zu entdecken. Zu dem Ende wurde ein deutscher Commissionär nach Spanien gesandt, mit den Aragoniern um die Ausbeute der Minen des Thales von Gistau zu handeln, und der Vorschlag gethan, dem Könige jährlich eine gewisse Quantität Bley zu einem guten Preis zu liefern. Der Hof stand ihm sein Gesuch zu, ohne zu vermuthen, daß ein anderes Metall in dieser Mine sey. Hierauf machten der Deutsche und Spanier einen geheimen Contract, in welchem Dieser sich verpflichtete, Jenem allen Kobalt, der aus der Mine gebrochen wurde, den Quintal, brutto zu 35 Pesetas zu liefern.
Da die Leute im Lande von dem Bergbaue wenig verstanden, so ließ man aus Deutschland einige Bergleute kommen, sie zu unterrichten, und man fing an, den Kobalt, der in der Mitte des Berges war, zu brechen, auf dessen Gipfel man eine andre verschüttete Mine findet, welche die Mine Philipp’s IV. genannt wird, weil sie unter seiner Regierung befahren wurde. Bowles (15) sagt: Ich weiß nicht, was für Metall sie bricht; vermuthlich ist es Kobalt, weil man mit der Arbeit aufhörte, sobald man kein Silber darin fand. Damahls kannte man dieses Metall noch nicht, noch wozu es zu nützen war (16). Nur das begreife ich nicht, warum man solche zugeworfen hat, da die an eben dem Orte sich befindenden Bley- und Kupfer-Minen offen gelassen sind.
(15) Introduccion a la historia natural y la geografia fisica d’Espana, por Don Guillermo Bowles. Madr. 1775, 4.
(16) Diese Unwissenheit des Werthes des Kobaltes, ist den Spaniern nicht allein eigen; es ging in Deutschland eben so. Denn aus Mangel hinlänglicher mineralogischer Kenntnisse wurden ehemahls viele Erze und Fossilien unter dem Schutt weggeworfen. Man wird kaum ein Land finden, welches Bergwerke hat, wo nicht zu einer oder anderer Zeit die Landstraßen mit erzhaltigen Steinen oder Felsen gepflastert waren. „Ich weiß es aus zuverlässigen Nachrichten,“ spricht ein deutscher Schriftsteller: „daß es ehemahls so mit dem Kobold-Erze in Hessen ging, die gegenwärtig nach Abzug aller Unkosten 14000 Pfund Sterl. eintragen.“ Raspe Vorr. zu der engl. Ueberset. von Born’s Reisen durch den Temeswarer Bannat &c. Lond. 1777.
Lange Zeit zogen die Deutschen jährlich 5 bis 600 Quintal Kobalt von hier. Er wurde von Plan nach Toulouse gesandt, daselbst auf dem Canal von Languedoc eingeschifft, und so weiter über Lyon und Straßburg der Fabrik zugeschickt. Als endlich die Deutschen der spanischen Mine gleichsam das Fett abgeschöpfet hatten, und sie keinen Vortheil mehr dabey fanden, so verliessen sie dieselbe im J. 1753. „Begierig, diese Mine zu suchen,“ meldet Bowles: „begab ich mich gleich nach meiner Ankunft zu Plan dahin. Ich fand in dem ganzen Theile des Berges viele Schächte; denn da der Kobalt gewöhnlich nicht in Gängen streicht, so hatten die Deutschen viele Schächte gemacht, um ihn desto leichter zu fördern.
Ich untersuchte hierauf die Schächte, und fand einige Stücke guten Kobalt von einem feinern bläulich-grauern hellern Korn, als der sächsische. Die Kobalt-Stücke lagen neben einer Art harten Schiefer, der so glänzte, als wenn er mit einem Firnisse überzogen wäre, und Flecken von der Farbe einer verwelkten Rose hatte, aber der Kobalt nimmt diese Flecken nicht an, ob er gleich der Feuchtigkeit so sehr, als der Schiefer, ausgesetzt ist. Diese Flecken sind in den vielen Jahren, da ich sie in meinem Cabinet aufhebe, weder lebhafter noch blässer geworden. Denen, welche diese Kobalt-Mine wieder befahren wollten, würde der schwarze Schiefer mit den rothen Flecken zum Zeichen dienen können. Ich konnte ihn nicht aufmerksamer untersuchen; denn da die besondere Verpachtung noch währte, so sahen die Pächter meine Untersuchungen nicht ohne Eifersucht an. Ich begnügte mich also mit dem, was ich ohne Graben sehen konnte, und reisete damahls aus Spanien, voller Verzweiflung, die Vortheile, welche die Natur selbst anboth, dergestalt vernachlässigt zu sehen, indem solche nur zu Bereicherung der Ausländer diente, welche man die Materie einer Mine weghohlen ließ, die tausend Mahl seltener, als Gold und Silber, war, und deren Metall Jahrhunderte dienen konnte, das Fayance und Porzellan des Reiches mit dem schönsten Blau zu färben, und durch dessen Ausfuhre viel Geld in das Land zu bringen.
Da die Spanier sich unstreitig dereinst im Ernst befleißigen werden, den Kobalt, der in dem Berge von Gistau, und vielleicht auch in vielen andern Gebirgen des Reiches sowohl, als in Amerika, ist, aufzusuchen: so will ich eine Anweisung geben, wie man ihn finden kann.
Wenn ein schwerer grauer Stein mit dem schwärzlichen glänzenden Schiefer, dessen ich vorhin gedacht habe, vereinigt ist, so darf man nicht zweifeln, daß dieser Stein Kobalt sen, wovon der Schiefer die Gang-Art ist. Wenn der Stein von allem Schiefer getrennt worden ist, so mache man mit einem spitzigen Eisen Strahlen darauf; wenn diese schwarz scheinen, so ist es eine starke Anzeige, daß es Kobalt ist. Um sich desto besser davon zu versichern, zerschlage man den Stein zu Pulver. Dieses schütte man in eine Flasche von sehr feinem Glase; denn je feiner das Glas ist, desto weniger wird die Flasche zerbrechen. Hierauf setze man es in ein eisernes, mit Sande angefülltes Gefäß, so, daß der Hals der Flasche frey bleibt, und der Fuß den Boden des Gefäßes nicht berührt, und stelle dieses Gefäß in einen gemeinen Küchen-Ofen. Durch den Hals der Flasche wird aller Arsenik ausdunsten, und der Kobalt geläutert bleiben. Nach dieser Operation behält er noch seine graue Farbe, und mit Sand und ein wenig Asche der Soda oder Barille vermischt, wird das daraus, was die Sachsen Zaffer nennen. Wenn man diesen Zaffer in einen gut erhitzten Ofen bringt, schmilzt er, und es wird ein schöner blauer Stein daraus, den man Schmalte nennt, und der, in einen sehr feinen Staub verwandelt, die schöne, blaue Farbe liefert, die in dem Porzellane so sehr bewundert wird.“
In den Versuchen, welche in Deutschland mit dem spanischen Kobalte gemacht worden sind, hat man ihn so rein von fremdartigen Materien, so voll von blau färbender Erde, befunden, daß er 3 bis 4 Mahl mehr Sand oder Quarz annahm, als der sächsische. Die grüne Farbe der daraus verfertigten sympathetischen Tinte ist weit lebhafter, als die aus ächtischem Kobalte gemachte. Der spanische fällt auch nicht so in das Graue als der sächsische, sondern ist blau, wie geschmolzenes Bley. Daher es auch in verschiedenen Fabriken, besonders in des Grafen Aranda Fayance-Fabrik zu Alcora in Valencia, ohne weitere Zubereitung gebraucht wird, als daß man den Stein, so wie er aus der Mine bricht, zu Pulver macht; und mit diesem blauen Pulver in seinem natürlichem Zustande wird die Ware bemahlt.
Joh. Talbot Dillon Reise durch Spanien, aus dem Engl. übers. (Lpz. 1782, gr. 8.) S. 257, fgg.
Von Portugal, ist dergleichen noch nicht bekannt.
England hat erst seit etwa 30 Jahren auf die Aufsuchung des Kobaltes gedacht. Nach dem Berichte des Gentlem. Magaz. v. J. 1755, ist Verschiedenen derjenigen, welche sich bemühet haben, Schmalte oder blaues Glas aus dem englischen Kobalte zu verfertigen, der Versuch fehlgeschlagen, weil sie die Abscheidung des färbenden Metalles im Schmelzen nicht verhütet haben; und Andern ist es bloß von ungefähr gelungen.
Der englische Kobalt ist an diesem Metalle sehr reich; vielleicht reicher als einige Art des sächsischen, und läßt dasselbe im Schmelzen weit leichter fahren. Die meisten sächsischen Kobalte färben das Glas blau, wenn sie nur damit zusammen geschmolzen werden, indem ihr Metall in der That als eine Miner oder ein Kalk darin steckt, und sich ohne Zusatz des Verbrennlichen nicht abscheiden oder wieder herstellen lässet. In dem englischen hingegen, ist das Metall in einem vollkommenern Zustande, und setzt sich, so bald die Mischung in Fluß geräth, in seiner eigentlichen metallischen Gestalt zu Boden. Das einzige Mittel dieses zu verhindern, ist, daß man den metallischen Theil durch die Kunst in einen Kalk verwandelt, entweder durch Einäscherung der Miner mit einem nach und nach verstärkten lange anhaltenden Feuer, oder durch Gebrauch des Salpeters bey dem Flusse.
Abhandlung von dem engländischen Blaufarben-Kobalte, und einer neu entdeckten halbmetallischen Substanz, dem Nickel, welches dieser in sich enthält, aus dem Gentlem. Magaz. 1755, S. 540, st. in Schrebers Samml. verschied. Schriften &c. 3 Th. (Halle, 1758, gr. 8.) S. 156—159.
Holland ist, wie von andern Metallen und Halb-Metallen, also auch von Kobalt-Gruben ganz entblößt. Hingegen haben andere kleine Staaten, z. B. im Nassau-Siegenschen und Dillenburgischen, ganz artige Kobalt-Anbrüche.
In Norwegen hat man noch nichts von Kobalten entdeckt. In Schweden hat man, nach Bromel’s Zeugnisse, erst vor einigen 30 Jahren im Kirchspiele Ferila, in Helsingland, Wißmuth-Erze angetroffen, und von ächten Farben-Kobalten nur etwas weniges unter den Kupfer-Erzen bey Skila Kupferwerk in Westmannland, gefunden.
Eben so wenig hat man Nachricht, daß in Rußland Kobalte sich gezeigt hätten. Am wenigsten aber kann sich Polen dessen rühmen.
Daß man in der Insel Cypern vormahls Kobalt gebrochen habe, ist fast aus der oben angeführten Stelle des Plinius zu vermuthen.
Was Asien betrifft, so gibt es gewiß daselbst Kobalt-Minen, weil die Chineser und Japaner schon lange vorher, ehe in Europa die Blaufarben-Werke bekannt geworden sind, ihr Porzellan blau gemahlt haben; denn es wäre wohl einfältig, mit Neuhof (17) zu glauben, daß das Porzellan mit Indigo gemahlt werde; und in der oben angeführten Stelle des Plinius wird auch des indischen blauen Sandes gedacht, woraus zu schließen ist, daß allerdings, wenigstens vor Zeiten, Kobalt daselbst müsse seyn gefunden worden. Es scheint aber, daß in China und Japan die Kobalt-Minen entweder erschöpft seyn, oder daß der Kobalt schlechter ist, oder daß sie ihn nicht gut zubereiten; denn das Blaue auf ihrem neuen Porzellane ist nicht so gut, wie auf dem alten (18).
(17) In seiner chinesischen Reisebeschreibung.
(18) Bowles sagt bey dieser Gelegenheit: „Man lieset in verschiedenen Büchern, daß das Blau, welches die Chineser und Japaner gegenwärtig ihrem Porzellane geben, nicht so schön, als das ehemahlige, sey, weil ihre Kobalt-Minen erschöpft wären, und sie sich daher einer geringern blauen Farbe bedienen müßten. Ich weiß nicht, woher dieses Vorgeben entsteht. Lieber möchte ich glauben, daß diese betriegerischen Nationen, da sie die schwärmerische Liebe der Europäer zu ihrem Porzellan sehen, sie zu hintergehen suchen, und ihnen schlecht gemahlte Waren verkaufen. Die wahre Ursache liegt ohne Zweifel an dem Thone, dieser macht den Unterschied zwischen dem alten und neuen Porzellan, ohne daß man sagen kann, daß der Kaolin oder der Petunse erschöpft seyn, oder ausarten, wie diees mit dem Kobalte geschehen seyn soll.“ Aber Bowles erwähnt die vornehmste Ursache nicht, die von jenen Schriftstellern angeführt wird, nähmlich die ansehnlichen Partien Zaffer und Schmalte, die jetzt von Europa nach China gebracht werden. In England ist der Zaffer so nützlich geachtet worden, daß die Gesellschaft zur Beförder. der Künste, Manufact. und Handlung, im J. 1755 demjenigen eine Belohnung von 30 Pfund Sterl. versprach, der den meisten und besten Zaffer und Schmalte aus englischem Kobalte machen, und mit zulänglichen Attesten der Gesellschaft vorlegen würde, doch nicht unter 5 Pfund Zaffer und 15 Pfund Schmalte.
Das innere Afrika ist noch zu wenig bekannt, als daß man die Anwesenheit des Kobaltes in dortigen Gebirgen bejahen oder verneinen könnte; doch, da Plinius eines Streu-Blau Erwähnung thut, welches aus Aegypten käme, so sollte man fast glauben, daß daselbst, wenigstens in den vorigen Zeiten, Kobalt-Sorten gefunden seyn müßten. Hr. Bergr. Lehmann versichert, selbst an einigen Kupfer-Stufen vom Berge Atlas, Spuren von gutem Farben-Kobalte angetroffen zu haben.
In Amerika hat vielleicht der Geiz der Spanier, welcher meistentheils auf Gold und Silber geht, noch nicht zugelassen, dieses Mineral zu suchen; wenigstens erwähnt Barba, als der zuverlässigste Schriftsteller und Erforscher des Mineral-Reiches in Amerika, nichts davon.
[Kobalt-Arten]
Bey Bestimmung der Kobalt-Arten, sind die Mineralogen bisher auf verschiedene Art verfahren.
Der Ober-Berg-Meister Stephani, in Henckelio redivivo, gibt 6 Arten des Kobaltes an; als: 1. Blaufarben-Kobalt; 2. Kobalt-Blüthe; 3. Kupfer-Nickel; 4. Arsenikal-Kiese; 5. Wißmuth-Erz; 6. Gift-Kies. Wer sieht aber nicht, daß Arsenikal- und Gift-Kiese einerley sind, und folglich unter die wahren Kobalte nicht gehören!
Weltersdorf, im Systema minerale, hat keine besondere Classe von Kobalten gemacht, sondern rechnet dieselben theils zu den Wißmuth-Erzen, theils zu den Arsenik-Erzen.
Wallerius, im Mineralreich, führt 7 Arten von Kobalt-Erzen an; als: Kobalt-Erz, Spiegel-Kobalt, Schlacken-Kobalt, Kobalt-Drusen, Kobalt-Blumen, Kobalt-Erden, und Wißmuth-Erze. Allein, er irrt gleich anfangs, wenn er Kobalt und Speise für einerley hält; hiernächst hat er auch die Characteres specisicos des Kobaltes nicht gehörig angegeben.
Cartheuser, in Elementis Mineralogiae, macht 5 Haupt-Classen, nähmlich: 1. derben, glänzenden, speisigen Kobalt; 2. drusigen Kobalt; 3. Schlacken-Kobalt; 4. Kobalt-Blumen; 5. Kobalt-Erden.
Agricola, in Bermanno, Cap. 40, macht gar nur 3 Arten, nach dem Unterschiede der Farben, nähmlich: den schwarzen, den aschgrauen, und den eisenfarbenen.
Gesner, in seiner Historia Cadmiae fossilis, tritt der Sache ziemlich nahe, und führt 12 Arten der Kobalte an; nähmlich: Spiegel-Kobalt; Schlacken-Kobalt; Glanz-Kobalt; weißen und gelben Kobalt; schwarzen, mulmigen Kobalt; derben Kobalt; Speise-Kobalt; Scherben-Kobalt; gewachsenen Kobalt; drussigen Kobalt; Kupfer-Nickel, und Wißmuth-Kobalt.
Hr. v. Schwachheim (19) macht nur 2 Sorten, nähmlich spurium und verum. Unter dem ersten versteht er einen Kobalt, wie er gemeiniglich mit fremden Metallen, Halb-Metallen, Arsenik &c. gemischt ist. Unter der letzten Sorte ist diejenige Art des Kobaltes, die ausser der tingirenden Erde nichts anders in sich hat.
(19) Franc. Rud. de Schwachheim diss. sistens Cobalti historiam, producta & novas quasdam species. Hall. 1757.
Lehmann theilt die Kobalte nach folgender Tabelle ein:

Unter den derben und reinen Kobalten, versteht Derselbe erstlich diejenigen Arten, die entweder gar keinen Arsenik führen, durch Schmelzen gar keine Speise geben, übrigens aber entweder gar keine, oder eine kaum merkliche Spur eines andern darin befindlichen Metalles geben, mit reinem alkalischen Salze und Sande aber ein schönes, hohes und liebliches blaues Glas machen.
Die zweyte Art der reinen Kobalte, sind diejenigen, welche in derben reinen Stufen vorfallen, durch die Calcination Arsenik geben, durch Schmelzen mit verschiedenen Arten von Flüssen eine wahre Speise, oder den gewöhnlichen Kobalt-König, fallen lassen, und mit Glas-Satze ein schönes, hohes und liebliches Glas hervor bringen, übrigens aber, ausser der Speise, dem Arsenik, und der blauen Farbe, nichts von andern Mineralien in ihrer reinen Gestalt aus sich bringen lassen.
Unter den vermischten Kobalten versteht er diejenigen, die zwar alle die Eigenschaften eines derben Kobaltes haben, aber ausser dem Arsenik, der Speise und dem blau färbenden Wesen, auch noch andere Mineralien, z. B. Metalle, Halb-Metalle, Schwefel, und verschiedene Erd- und Stein-Arten in sich halten.
I. Die erste Art der derben und reinen Farben-Kobalte, ist der schwarze mulmige Kobalt, oder der Kobalt-Mulm, Ochra cobalti nigra, Minera cobalti calciformis pulverulenta, Minera cobalti exesa. Dieser ist eine schwarze, lockere, leichte Kobalt-Art, welche sich größten Theils mit den bloßen Fingern zerimalmen lässet. An Farbe kommt sie dem, auch nicht so gar häufigen silberhaltigen Feder-Erze fast gleich, doch ist sie von demselben in folgenden Stücken unterschieden. 1. Das Feder-Erz ist aus lauter zarten Spießchen zusammen gesetzt, die an Farbe schwarz, in Ansehung der Figur aber einander alle gleich länglich sind. Der schwarze mulmige Kobalt hingegen ist aus schwarzen, unförmlichen, kleinen Theilen zusammen gesetzt, scheint auch dann und wann in seiner derben und reinen Gestalt mehr drusig. 2. Das Feder-Erz hält wirklich Silber, der Kobalt hingegen nicht. 3. Das Feder-Erz zeigt bey dem Probieren in verschlossenem Feuer wahren Arsenik, Schwefel, und öfters häufige antimonialische Theile. 4. Das Feder-Erz löset sich in Säuren nicht so auf, welches doch der höchst reine, schwarze mulmige Kobalt in verschiedenen Säuren vollkommen thut. 5. Das Feder-Erz gibt mit dem Sande und alkalischen Salze keine blaue Farbe, welches hingegen der schwarze mulmige Kobalt thut. 6. Das Feder-Erz verliert, wegen der damit verbundenen flüchtigen Theile, durch das Rösten unter der Muffel sehr viel am Gewichte, da hingegen der schwarze mulmige Kobalt wenig, oder vielmehr gar nichts, am Gewichte durch diese Arbeit verliert, wofern man dabey behutsam und reinlich zu Werke geht. Hr. B. R. Lehmann sagt, er habe diese Art des Kobaltes, nebst den beyden folgenden, dem weißen und dem Schlacken-Kobalte, als die reinlichsten gefunden zu denen Arbeiten, wo es hauptsächlich auf die Bestimmung der Bestand-Theile des wirklichen Farbenwessens ankommt. Sie bricht auf den Bergwerken, bald nester-, bald flötzweise. Sie findet sich öfters auf klüftigem Gestein; und vielleicht würde sie häufiger gefunden werden, wenn ihr äußerliches Ansehen nicht viele verführte, solche für etwas weniger Brauchbares zu halten, als sie wirklich ist; denn wer sich unter dem Nahmen Farben-Kobalt ein festes, schweres, metallisch aussehendes Gemenge vorstellt, wird freylich kaum glauben können, daß eine solche lockere Erd-Art ein Kobalt seyn könne. Man hat dieselbe bisher meistens im Saalfeldischen auf verschiedenen Gruben, bald mehr, bald weniger rein, öfters mit gelbem Kobalt, Eisen-Ocher, selenitischem Spath, auch wohl Sand-Gebirge vermischt, gefunden. Hr. v. Justi versichert, dergleichen zu St. Annaberg im Oestreichischen angetroffen zu haben. Hr. Lehmann gesteht, auch an andern Orten Spuren davon gefunden zu haben, welche aber meistens entweder nicht recht rein waren, oder bloß auf alten Halden gelegen hatten.
Der weiße Kobalt, Minera cobalti terrea alba, ist einer der seltensten, und es hat niemand, als Gesner, dessen Erwähnung gethan. Er meldet von demselben, daß er sehr rar sey, und seltener als ein weißer Rabe, weil er nur in sehr weniger Quantität in Würtembergischen bey Alpirspach gefunden, und größten Theils auf blaue Farbe verarbeitet worden, daher sehr wenig davon in Cabinete gekommen sey. Diese Kobalt-Art unterscheidet sich von dem gewachsenen krystallinischen weißen Arsenik, 1. dadurch, daß der Kobalt nicht krystallinisch weiß und durchsichtig, wie der gewachsene weiße Arsenik, sondern nur als eine weiße, in das Grünliche fallende Erde von unförmlicher Gestalt anzusehen, gedachter Arsenik hingegen schön weiß, durchsichtig, und wegen seiner Krystallen von einer bestimmten Gestalt ist. 2. Der gewachsene Arsenik gibt mit Sande und Laugen-Salze kein blaues Glas, welches doch dieser Kobalt thut. 3. Wenn man etwas weniges von dem weißen Kobalte in einer beschlagenen, kleinen gläsernen Retorte, in das offene Feuer legt, und den stärksten Grad desselben gibt, so viel sich bey gläsernen Gefäßen thun lasset, so wird man wenig, ja fast gar nichts, sublimiren; stellt man hingegen eben diesen Versuch mit dem reinen, weißen Arsenik an, so wird man sehen, wie viel unten in der Retorte bleiben wird. 4. Der weiße Kobalt löset sich auch in der größten Menge Wassers durch Kochen nicht auf, und noch weniger erhält man aus dem abgeseiheten Wasser Arseniks-Krystallen, welches doch der gewachsene weiße Arsenik wirklich thut. 5. Mit Schwefel versetzt, gibt der weiße Kobalt kein Auripigment, aber wohl der krystallinisch gewachsene Arsenik. 6. Der weiße Kobalt gibt eine wahre, obgleich schwache, sympathetische Tinte, welches hingegen der weiße Arsenik nicht thut.
Die dritte Art der derben und reinen Farben-Kobaltes, ist der Schlacken-Kobalt, Minera cobalti nigra vitrea, Minera cobalti calciformis indurata, M. c. scoriaeformis. Unter Schlacke versteht man sonst einen durch die Schmelzung, und also durch die Kunst hervor gebrachten Körper, welcher ziemlich fest, keinesweges elastisch, sowohl auf der Oberfläche, als auch im Bruche, glatt, übrigens aber nach Beschaffenheit der dazu gekommenen metallischen oder anderer mineralischen Theile, bald ganz, bald halb-undurchsichtig, und aus eben diesen Ursachen von verschiedener Farbe ist, im Bruche aber gemeiniglich concav erscheint. Schlackenartige Körper sind also solche Körper, die entweder von Natur, oder durch die Kunst, wo nicht alle, doch die meisten dieser Eigenschaften erhalten haben. Unter Schlacken-Kobalt müßte man sich solchemnach einen Kobalt vorstellen, der gar nicht metallisch aussieht, bald mehr, bald weniger fest ist, eine glatte Oberfläche und glatten Bruch hat, übrigens von verschiedener Farbe ist. Allein, wie weit gehen die unter dem Nahmen derber Schlacken-Kobalte gemeiniglich vorkommenden Arten davon ab, als welche gemeiniglich ein recht derber, speisiger Kobalt, folglich von metallischem Ansehen, vorzüglicher Schwere &c. sind. Ich werde von dieser Art bey den speisigen Kobalten ein Mehreres sagen. Hier ist aber der Ort, die Schlacken-Kobalte etwas genauer zu bestimmen. Ich schließe also aus der Zahl derselben alle diejenigen aus, die nicht wenigstens einen großen Theil der Aehnlichkeit mit den Schlacken haben; und es gibt eigentlich nur 3 Haupt-Arten, welche sich diesen Nahmen mit Recht zueignen können. Die erste ist diejenige, die schwarz von Farbe, mittelmäßig schwer, auf der Oberfläche glatt und glänzend, so wie im Bruche, aussieht, ausserdem aber löcherig ist, und hin und wieder gleichsam wie ausgesogen aussieht. Diese seltene Art findet sich besonders auf Klüften hin und wieder, z. B. auf der fröhl. Zusammenkunft im Saalfeldischen. Diese Art löset sich in Salz- und Salpeter-Saurem ganz auf, sie zeigt keinen Arsenik, und im Schmelzen gibt sie weder Speise, noch Wißmuth, sondern mit Sande und Sale alcali fixo ein schönes hohes und liebliches Blau. Die zweyte Sorte ist diejenige, welche in ziemlich festen Stücken, doch auch wie eine poröse Schlacke sich dann und wann findet; sie ist schwarzgrau, etwas schwerer als die vorhergehende, bisweilen mit schwarzem mulmigen Kobalt, mit dergleichen gelben, und etwas Sand, selenitischem Spath &c. durchflossen. Sie zeigt im Rösten eben so wenig Speise, als die vorige, macht aber auch ein schönes blaues Glas. Man findet dergleichen z. B. in der Prinz Ernst Friedrichs-Fundgrube im Saalfeldischen. Die dritte Art des Kobaltes, die den Nahmen eines reinen Schlacken-Kobaltes verdient, ist eine gewisse schwarzbraune, mittelmäßig schwere Sorte; sie gibt eben so wenig Arsenik und Speise als die beyden vorigen; sie sieht ebenfalls im Bruche und auf der Oberfläche glatt aus. Die Farbe, die sie gibt, ist aber nicht so hoch und schön, als die von den andern beyden Arten.
Der Bergrath Henkel pflegte auch den sonst so genannten kirren Kobalt vom sosauer Glück am Dürrenberge, bey Schneeberg in Sachsen, mit dem Nahmen eines schwarzen Schlacken-Kobaltes zu belegen; allein man kann solchen vielmehr zu den mit Hornstein innig gemischten Arten, wovon ich weiter unten sprechen werde, rechnen.
Die drey jetzt beschriebenen Kobalt-Arten, machen die erste Classe der reinen Farben-Kobalte aus. Die zweyte Classe der reinen und derben Kobalte begreift diejenigen unter sich, die ausser der Speise, dem Arsenik und der blauen Farbe, nichts von andern Metallen und Halb-Metallen, oder wenigstens nur in fast unmerklichen Spuren, zeigt. Ich rede hier von dem vollkommen reinen, stahlderben, speisigen Kobalte, in welchem man weder mit bloßen Augen, noch durch Vergrößerungs-Gläser, fremde eingesprengte Geschicke gewahr wird, ja, die auch nicht einmahl durch sorgfältig angestellte Proben etwas von Silber, Kupfer, Wißmuth &c. aus sich darstellen lassen. Diese Kobalt-Art pflegt gemeiniglich eine schwere, ziemlich feste, metallisch aussehende, bald mehr weiß als ein Weißgülden-Erz, bald als ein derber reiner Mißpickel, bald aber fahl aussehender Körper zu seyn, in welcher letztern Farbe er bald dem reichen silberhaltigen Fahl-Erze, bald dem Kupfer-Fahl-Erze, nahe kommt. Seine Figur ist bald drusig, bald aber auch unbestimmt. Eben um dieser Ursache willen, bekommt diese Art Kobalte so verschiedene Nahmen. Bald heißt er derber,bald speisiger Kobalt, bald Glanz-Kobalt, oder glänzendes Kobalt-Erz, Minera cobalti arsenicalis et sulphurata nitens, M. c. tessularis Waller. Den Nahmen speisig, hat dieser Kobalt daher erhalten, weil er durch die gehörige Schmelzung eine metallische Mischung absetzt, die man eigentlich Speise, oder Kobalt-Speise, zu nennen pflegt. Den Nahmen Schlacken-Kobalt kann man dieser Art aus keinem andern Grunde beylegen, als weil derselbe, wenn er mit Sande und alkalischem Salze geschmelzet wird, unten, auch wohl hin und wieder mitten im Glase einen König absetzt, da hingegen das davon fallende blaue Glas als eine gefärbte Schlacke über demselben oben aufsitzt. Was die Benennung drusiger Kobalt betrifft, so kann dieselbe zwar ein Unterscheidungs-Zeichen für diejenigen abgeben, die mineralische Körper nach ihrer äußerlichen Gestalt einzutheilen pflegen; allein, da bey vielen Erzen die Gestalt sehr zufällig ist, so kann man den drusigen Kobalt mit Recht zu den derben speisigen Kobalten zählen. Auch der wegen seiner dem gefloßnen Bley-Glanze beynahe ähnlichen Gestalt so genannte Glanz-Kobalt gehört zu diesen Kobalten. Kurz, der auf den meisten Bergwerken so genannte derbe Schlacken-Kobalt, drusige Kobalt, Glanz-Kobalt &c. gehören, wenn sie wirklich blaue Farbe, Speise und Arsenik geben, insgesammt unter die Classe der derben speisigen Kobalte; denn alle Neben-Umstände von angeflogenen, eingewitterten und sonst damit vermischten Metallen, von verschiedenen Farben, Figuren &c. sind so erheblich nicht, daß man deswegen besondere Classen formiren sollte.
Dieses waren also die wirklich reinen und derben Blaufarben-Kobalt-Arten. Ich komme nun zu den gemischten.
II. Unter den mit andern Körpern gemischten Kobalten, verstehe ich diejenigen Arten von Blaufarben-Kobalten, die, nebst dem Arsenik, der Speise, und dem blau färbenden Wesen, zufälliger Weise eine merkliche Quantität von andern Metallen, Halb-Metallen, Schwefel, und verschiedenen Erd- und Stein-Arten, aus sich bringen lassen. Es ist hier aber nicht die Rede von Kobalten, die in und bey verschiedenen andern metallischen und mineralischen Körpern brechen, noch von solchen, wo wirklich sichtbare Erz-Arten eingesprengt sitzen, oder, wo der Kobalt mit allerley Arten von Spath, Quarz, und andern Horn-Steinen und Erd-Arten vermengt ist; sondern es sind hierunter diejenigen Arten zu verstehen, welche mit dergleichen fremdartigen Theilen so durchsetzt und vermischt sind, daß man auch nicht einmahl mit bewaffnetem Auge eines von dem andern unterscheiden kann. Es gehören also die silberhaltigen Kobalte nicht hierher, wo man gewachsenes Silber, Rothgülden-, Weißgülden-, Fahl-Erz, Bley-Glanz, u. d. gl. deutlich sitzen sieht. Eben so wenig kann man die mit allerley Arten von Kupfer-Erz vermischten Kobalt-Erze hierher rechnen, worunter insonderheit derjenige gelbe Kobalt gehört, welcher, nach Gesner’s Nachricht (30) [!], auf dem Wolfgang und Eberhard zu Alpirspach gefunden wird, welcher wirklich gewachsenes Kupfer in Gestalt von Blättchen, Körnern und Aesten, in sich führt. Ich werde in der Folge etwas davon erwähnen. Auch kann man eine gewisse sehr seltene dem Ultramarin an Farbe gleich kommende, blaue, krystallinische Kupfererz-Art, von Bulach im Würtembergischen, wo hin und wieder Farben-Kobalt, und zwar ziemlich derb, eingesprengt sitzt, nicht hierher rechnen. Eben so wenig gehört hierher der mit Zinn-Zwittern und Bley-Glanze vermischte Kobalt. Daß im derben Eisen-Stein wirkliche Farben-Kobalte sich finden sollten, ist eben nicht bekannt. Auch kann man, in Absicht auf den Wißmuth, denjenigen Kobalt nicht hierher rechnen, welcher mächtige Trummer (Trömer) und Nieren von Wißmuth in sich hat, als welcher in solchem Falle vielmehr für ein fremdartiges, und zufälliger Weise durch eine ganz besondre unterirdische Wirkung dazu gekommenes Wesen, anzusehen seyn würde. Eben dieses ist auch von dem in einigen zinkischen Blenden sich findenden Kobalte zu merken. Kobalt mit Spießglanz und Quecksilber-Erzen, ist noch niemahls vorgekommen. Man kann demnach die mit fremdartigen Theilen innigst vermischten Blaufarben-Kobalte so eintheilen, wie die Probier-Kunst lehrt; nähmlich vermischt: 1. mit Metallen, 2. mit Halb-Metallen; 3. mit verbrennlichen Mineralien; 4. mit Salzen; 5. mit Erd- und Stein-Arten.
(20) In den Stutg. Select. phys. oecon. Th. 1, S. 516.
A. Mit Metallen vermischter Kobalt. Da das Gold, so viel bis jetzt bekannt ist, niemahls vererzt zum Vorschein kommt, so ist auch nichts von güldischen Kobalten zu gedenken; es wäre denn, daß man den Kobalt bloß als die Matrix ansähe, auf welcher, nicht aber aus, mit und in welcher das Gold erzeuget, oder durch denselben mineralisirt worden ist. Doch hat man bis jetzt nichts von eigentlichem Farben-Kobalt, welcher offenbar goldhaltig gewesen wäre, gehört, gesehen, oder gelesen. Man sieht also, wie unüberlegt die Einbildung derjenigen seyn, die sich in dem Kobalte, wer weiß was vom Golde, Gold-Samen, der prima materia lapidis, u. d. gl. vorstellen.
Was das Silber betrifft, so ist solches so gar ungewöhnlich nicht; denn man hat sehr oft Farben-Kobalte gefunden, welche ziemlich hoch in Silber-Gehalte gekommen sind. Doch scheint wohl dergleichen reicher Silber-Gehalt größten Theils von den hier und da zart eingesprengten Silber-Erzen her zurühren, wenn man auch solche nicht mit dem bloßen Auge, auch nicht mit Vergrößerungs-Gläsern, erkennen kann. Was diese Meinung noch mehr bestärkt, ist dieses, daß, wenn man von einer Kobalt-Stufe an verschiedenen Orten etwas abstufet, und jedes Abgestufte besonders probiert, man von einer solchen Stufe öfters verschiedene Gehalte an Silber bekommt. Doch ich werde weiter unten, etwas Mehreres von dem Silber in dem Kobalte anzuführen, Gelegenheit haben. So viel aber ist in der Erfahrung gegründet, und es hat auch Gesner bereits angemerkt, daß, je mehr die Kobalte silbern, desto schlechter die Farbe davon falle. Von solchen silberhaltigen Farben-Kobalten, kommen verschiedene Sorten in Schneeberg, St. Annaberg, Johann-Georgen-Stadt, St. Joachimsthal in Hessen, im Hanauischen, Saalfeldischen, Eisenachischen, Würtembergischen und im Elsaß, wie auch an andern Orten, vor. Ueberhaupt ist diese Art von Kobalt nicht wohl äußerlich zu erkennen, sondern es wird eine sorgfältige Probier-Kunst dazu erfordert. Im Großen aber pflegt man am sichersten zu gehen, wenn man die bey dem blauen Glas-Schmelzen fallende Speise gehörig untersucht.
Kupfer ist eines von den vollkommenen Metallen, welche sich am gewöhnlichsten bey dem Kobalte finden. Es scheint dessen Gesellschaft auch so gar in einer innigen Mischung zu lieben. Ja, man wird bey der chemischen Untersuchung desselben finden, daß das Kupfer nicht etwa nur vielleicht, sondern bey den meisten Kobalten ganz gewiß, etwas, wo nicht zu dem Blaufarben-Wesen selbst, doch wenigstens zu der Lieblichkeit desselben beytrage, und also gewisser Maßen, und in gehöriger Proportion, bey einigen Kobalten ein unumgänglich nothwendiger Bestand-Theil sey. Wiewohl auch nicht zu läugnen ist, daß, wenn zu viel Kupfer mit eingemischt, oder wenn die naturgemäße Aneignung desselben mit dem Kobalte nicht innig genug geschehen ist, die aus dergleichen Kobalten verfertigte Farbe schlecht und in das Violette fällt. Man nennt dieses auf den Farben-Werken: die Farbe hat den Fuchs, sie fällt fuchsicht. Die gewöhnlichste und stärkste Mischung des Farben-Kobaltes mit Kupfer, zeigt sich in dem Kupfer-Nickel. Dieses Mineral ist eine Mischung von Kobalt, Arsenik, sehr vielem Kupfer, und etwas Eisen. Aeusserlich sieht es gelb und in das Röthliche spielend aus; doch ist diese gelbe Farbe nicht so hoch, als die des Schwefel-Kieses, aber auch nicht so blaß als ein Arsenik-Kies, Mißpickel, Mondyck, oder Henckel’s gelblicher Kies. Es ist compacter als der Kies, folglich auch fester, und beschlägt, wie der Kobalt, an einigen Orten mit einem sehr angenehmen pfirsichblüthfarbigen Beschlage, öfters auch hin und wieder mit einer angenehmen Grüne. Die davon bereitete Farbe fällt sehr fuchsig.
Ausser dem Kupfer-Nickel findet sich auch noch eine und die andere Art, wo der Farben-Kobalt ziemlich stark mit Kupfer vermischt ist, obgleich nicht so stark, als der Kupfer-Nickel. Auch diese Arten sind zum Theil ziemlich kenntlich; denn, da sonst die meisten Kobalte, wenn sie nicht sehr speisig und regulinisch sind, weißlich oder grau aussehen, so fallen diese mit Kupfer stark vermischte, zwar äusserlich auch grau; wenn man sie aber frisch austuset, so spielt ihre Farbe öfters in das Graugelbliche. Man findet sie am meisten auf dem Ober-Harze, besonders auf der frischen Lutter-Fundgrube zu Lauterberg; auch gibt es einige Arten von rothenberger Zuge im Saalfeldischen von der Art.
Zu der Classe der kupferhaltigen Kobalte gehören auch der grüne, und der blaue Kobalt. Beyde finden sich insonderheit in dem Saalfeldischen auf dem rothenberger Zuge, zuweilen auch an andern Orten. Beyde zeigen durch ihre Farbe, noch mehr aber durch die chemische Untersuchung, eine nicht geringe Menge Kupfer. Nur bey den blauen haben sich mehr Eisens-Theile eingemischt. Ja, man sieht so gar, daß naß gepochte Kobalte und deren Schliche, wenn solche von kupferhaltigen Kobalten herrühren, in kurzer Zeit fest zusammen backen und grün beschlagen, so, daß sie dem gewachsenen grünen Kobalte sehr nahe kommen.
Eisen findet sich mit dem braunen Kobalte verbunden. Dieser bricht, obgleich nicht so gar häufig, an verschiedenen Orten, besonders aber im Saalfeldischen, theils derb, theils mit andern Kobalten vermengt. Diese Art Kobalte ist nicht so leicht durch das bloße Ansehen von dem ocherhaften Eisen-Steine zu unterscheiden, daher muß man die Probier-Kunst zu Hülfe nehmen.
Zu dieser Classe gehört auch der von Gesner angeführte, sehr seltene, gelbe Kobalt. Daß es ein wahrer Kobalt sey, ungeachtet derselbe einem lockern, blassen Ocher sehr gleich sieht, zeigt das davon fallende blaue Glas; daß derselbe aber wirklich seine Farbe einem, mit eingemischten, zarten Ocher zu danken habe, beweisen die damit angestellten Versuche und dessen künstliche Erzeugung. Nach Gesner’s Berichte, ist solcher ehemahls auf dem Wolfgang und Eberhard zu Alpirspach gebrochen. Das Stüfchen, welches Hr. Lehmann besaß, sahe einer gelben Erde ziemlich gleich, ließ sich mit den Fingern zermalmen, und war mit gelblichem Kalk-Spathe melirt. Er war sehr stark mit Blüthe beschlagen; dabey fand sich eine braune, wie Pech glänzende, mit grauen und grünen Nierchen vermischte Kobalt-Art. Die damit angestellten Versuche haben gezeigt, daß diese Sorte sehr wenig Farbewesen besitzt. Lehmann bekam aus 1 Ctn. derselben, mit 3 Sanden, kaum ein gutes M. C. Nicht zu gedenken, daß alle, sowohl bey dem Schmelzen des Kobaltes zu Glase, als auch die bey der Reduction des Kobaltes mit schwarzem Fluß und Glas-Galle fallende Speise, die Gegenwart des Eisens in diesem Mineral zur Genüge beweisen.
Daß man auch bey Zinn-Zwittern dann und wann, obgleich sehr selten, und höchstens nur nierenweise, Kobalt findet, ist zwar nicht zu läugnen; es ist aber auch gewiß, daß solcher nicht innig mit denselben vermischt ist, sondern nur als eingesprengt, und also als ein besonderes Geschick in denselben sitzt. Doch ist es bedenklich, daß man bey sehr vielen Zwittern hier und da Wißmuth zart eingesprengt wahrnimmt, welcher besonders bey dem Feuersetzen in der Grube, durch das Austropfen desselben, sich offenbaret, wo es aber doch auf keine innige Vereinigung des Wißmuthes, sondern ebenfalls nur auf einfache Einwitterung und Anfliegen des Wißmuthes in und auf den Zwittern ankommt.
Eben so verhält es sich auch mit den derben Bley-Erzen, als bey welchen zuweilen zwar Kobalte sich zeigen, doch nicht in einer innigen Verbindung, sondern man kann meistens mit bloßen Augen unterscheiden, daß das Bley-Erz entweder mit dem Kobalte durchflossen, oder daß es auf demselben angeflogen ist, folglich beyde nicht zugleich, sondern zu verschiedener Zeit, oder wenigstens durch eine doppelte Wirkung der Natur, entstanden sind.
B. Mit Halb-Metallen vermischter Kobalt. Es scheint, daß der Farben-Kobalt sich mit Halb-Metallen nicht gern viel zu schaffen mache, nähmlich, daß er solche recht innig in sein Gemenge einnehme.
Zuerst kommt hier der Wißmuth in Betrachtung. Daß die Kobalte häufig mit Wißmuth durchflossen gefunden werden, ist bekannt; ja, es ist auch nicht zu läugnen, daß man sehr selten reinen, gediegenen, derben Wißmuth finden werde, (denn der vererzte Wißmuth scheint wohl ein Non-ens zu seyn,) der nicht wenigstens unter gehöriger Bearbeitung eine Spur von Kobalt, theils durch das Schmelzen mit Sale alcali fixo und Sande, theils durch Darstellung der sympathetischen Tinte, geben sollte. Eben dieses hat Gelegenheit gegeben, daß man öfters das Erz, worin man gediegenen Wißmuth antraf, geradezu Wißmuth-Kobalt genannt hat. Ja, Einige haben auch wohl geglaubt, der Wißmuth trage etwas zur blauen Farbe und der sympathetischen Tinte bey; allein, ein Jeder wird ohne Mühe einsehen, wie sehr man sich hierunter übereile. Denn, man erwäge nur: 1. daß der Wißmuth ein Halb-Metall ist, welches ganz und gar von dem eigentlichen regulinischen Theile des Farben-Kobaltes, oder der so genannten Speise, abgeht, daher sich auch beyde nicht im Flusse mit einander innigst vermischen. Denn, wenn man einen Wißmuth führenden speisigen Kobalt mit schwarzem Flusse und Glas-Galle reducirt, so sitzt, wenn die Arbeit sauber gerathen ist, unter der Schlacke die Kobalt-Speise, und unter solcher der Wißmuth-König. 2. Wird niemahls ein stahlderber, ganz rein gewachsener Wißmuth, oder dergleichen gewachsener Wißmuth in Horn-Stein, mit Glas-Satze ein blaues Glas geben; vielmehr gibt ein reiner wohl calcinirter Wißmuth mit Sande und Sale alcali fixo ein braungelbes Glas. 3. Wenn es an dem wäre, daß der Wißmuth mit dem speisigen und dem färbenden Wesen des Kobaltes so innig vereinigt wäre, würde es sich nicht so leicht, wie bey dem ersten Rösten der ausgeschlagenen Kobalte unter freyem Himmel geschieht, davon seigern lassen, ohne daß doch dem Farbewesen des Kobaltes oder dessen Speise, etwas entginge. 4. Der Wißmuth würde sich nicht, bey der Solution des zur sympathetischen Tinte bereiteten Nitri cubici in destilliertem Wasser, von selbst als ein Magisterium Wismuthi niederschlagen, ohne daß deswegen der von dem Farbewesen herrührenden Tinte etwas abginge. 5. Es würde kein guter Farben-Kobalt ohne Wißmuth existiren können, welches aber wieder alle Erfahrung streitet. 6. Wenn es an dem wäre, daß der Wißmuth durch den Kobalt, es sey durch dessen färbenden, oder regulinischen Theil, mineralisirt werden könnte, so würde man solchen nicht allezeit so weich in den Kobalten finden, daß er sich mit dem Messer schneiden liesse, welches man an der Kobalt-Speise niemahls wahrnimmt. Mehrere Bemerkungen von dem Wißmuthe bey dem Kobalte, werden weiter unten vorkommen.
Kobalt mit Spießglanze, ist, bereits erwähnter Maßen, bis jetzt noch nicht zu finden gewesen.
Eben so wenig findet man Spuren, daß sich Kobalte mit Quecksilber-Erzen, als: Zinnober, oder mercurialischen Letten, vermischten; und es würde auch schwer seyn, dergleichen zu erweisen, weil, wenn man die Probe machen wollte, diese entweder durch das Schmelzen, durch die Sublimation, oder Solution, geschehen müßte. Bey dem Schmelzen mit Fluß, würde, natürlicher Weise, das Quecksilber davon gehen müssen, der dabey gewesene Schwefel aber, wenn er im Zinnober-Erze gewesen, würde mit dem Sale alcali fixo eine Schwefel-Leber machen, und folglich würde es schwer halten, den Kobalt und dessen Bestand-Theile einzeln darzustellen. Bey der Sublimation würde es vielleicht noch eher möglich seyn; denn da müßte entweder der Zinnober in seiner Gestalt, oder das Quecksilber in forma currente, aufsteigen, das Ueberbleibsel aber würde alsdann zeigen müssen, ob es wirklich Kobalt wäre, oder nicht. Wäre es aber möglich, daß Kobalt mit Zinnober-Erze vermischt wäre, so würde mit der Solution wenig oder nichts auszurichten seyn.
Auch hat man noch nicht wahrgenommen, daß der Kobalt sich mit Zink-Erzen, sie seyn Galmen oder Blende, innigst vermische. Daß man aber Kobalt in und auf Blende angeflogen und eingesprengt findet, ist eben so selten nicht.
Mit Arsenik-Könige findet sich der Kobalt insonderheit in dem gestrickten Kobalte, welchen Gesner gewachsenen Kobalt nennt. Dieser Kobalt gehört ebenfalls unter die seltenen Arten. Man bekommt ihn aus Sachsen, vornehmlich von Schneeberg und Markkirchen, oder von Ste. Marie au Marie im Elsaß. Viele Bergleute nennen denselben Blumen- oder Figuren-Kobalt, und zwar hauptsächlich deswegen, weil besonders der von Markkirchen öfters dendritisch aussieht, wobey sie sich Bäume, Sträuche und Blumen vorstellen, da hingegen der sächsische an Gestalt einem Netze, oder einem aus feinem Garne gestrickten Körper, ziemlich ähnlich sieht. Indessen lässet sich doch unter dem sächsischen und dem markkirchner folgender Unterschied bemerken. Ersterer verwittert an der Luft nicht, da hingegen letzterer sehr geschwinde darin zerfällt; doch kann man ihn vor dieser Verwitterung wohl verwahren, wenn man ihn in fest verbundenen Zucker-Gläsern aufhebt. Auch sind die markkirchner selten rein, sondern öfters mit Rothgülden-Erze, Schwefel- und Vitriol-Kiesen, vermengt; und eben von diesen Kiesen rührt die starke Verwitterung her. Man muß aber diese Kobalt-Art nicht mit einer andern verwechseln, welche ebenfalls daselbst bricht, und ein wahrer Scherben-Kobalt und gegrabener Fliegen-Stein ist, der aber ebenfalls nicht selten mit Rothgülden-Erze durchflossen und angeflogen ist. Wenn diese Sorte rein ist, so sublimirt sie sich ganz und gar in regulinischer Gestalt, und zwar bey mäßigem Feuer, so wie der derbe Scherben-Kobalt zu thun pflegt. Der gestrickte Kobalt von Schneeberg, ist, nach Lehmann’s Erfahrungen, ein mit färbendem Wesen vermischter Scherben-Kobalt, und folglich höchst arsenikalisch, und man findet solchen meistens, bald dicker, bald dünner, auf Quarz angeflogen. Man muß aber diesen gestrickten, oder Figuren- und Blumen-Kobalt nicht mit dem in leberfarbenen braunen Horn-Stein dendritisch gewachsenen Wißmuthe von weißen Hirsch zu Schneeberg verwechseln, welcher sich sehr schön schleifen lässet, und alsdann sehr artige Dendriten darstellt. Was die Farbe unsers eigentlich so genannten gestrickten Kobaltes betrifft, so ist solche schwarzgrau; sie ist aber meistens nur zufällig, und rührt von den so häufig dabey befindlichen regulinischen Theilen des Arseniks her, so wie wir gewahr werden, daß der schönste silberfarbige, im reinsten Glase sublimirte Arsenik-König in sehr kurzer Zeit an der freyen Luft schwarz anläuft.
Unter die mit Arsenik-Könige vermischten Kobalte gehört auch zuweilen der Scherben-Kobalt. Dieser ist eigentlich, und in seiner reinen Gestalt, nichts anders, als ein Regulus arsenici nativus. Doch findet man zuweilen Stufen, die, wenn man auch mit dem stärksten Feuer gedachten König sublimirt hat, auf dem Boden der Retorte etwas zurück lassen, welches mit Sande und Sale alcali ein wahres blaues Glas gibt, obgleich solches sehr blaß und schlecht ist.
C. Daß sich Farben-Kobalt bey verbrennlichen Materien finden sollte, als: bey Stein-Kohlen, Agt-Stein, Gagath, in Torf-Fehnen &c. ist eine noch unerhörte Sache. Daß aber solcher in genauer Verbindung mit dem Schwefel-Erze, ich meine den Kies, sich finde, ist mehr bekannt; eben daher rührt es, daß öfters dergleichen Kobalte leicht verwittern, zerfallen, und mit Vitriol beschlagen. Nicht weniger zeigt sich die Gegenwart des Schwefels in verschiedenen Kobalten, bey dem Rösten derselben, da nicht allein der Geruch, sondern auch wohl zarte blaue Flämmchen über dem Ansiede-Scherbel dessen Gegenwart vollkommen beweisen.
D. In diesem Falle kann man auch sagen, daß der Kobalt auch ein mineralisches Mittel-Salz, nähmlich den Vitriol, in seiner Mischung vertrage, doch, wie gesagt, nur in Form von Kiesen; denn es würde vergebens seyn, dergleichen in Atrament-Steinen zu suchen, welche nichts anders, als ausgebrannte, verwitterte, und mit allerley andern Berg-Arten verstürzte und vermengte Kiese, sind.
Auch kann man unter die Mischung der Kobalte mit Salzen alle diejenigen Kobalte rechnen, welche durch das Rösten ein wahres Gift- oder Arsenik-Mehl geben. Diese Arten sind die allergemeinsten, ob man gleich nicht sagen oder beweisen kann, daß der Arsenik etwas zu dem blau färbenden Wesen beytrage, da vielmehr das Gegentheil an denen Kobalten erhellet, die, wie ich bereits angeführt habe, weder Arsenik noch Speise halten, und doch ein schönes Blau geben.
E. Was die mit verschiedenen Erd- und Stein-Arten vermischten Kobalte betrifft, so kommen hier vorzüglich 3 Sorten in Betrachtung, nähmlich: Kobalt mit glasartigen Steinen, mit kalkartigen Steinen, und mit Erden.
1. Daß der Kobalt oft in festen Horn-Steinen vermischt, und innigst verbunden sitze, ist bekannt genug. Ich rede hier nicht von solchen Horn-Steinen, wo eine oder die andre der oben genannten Kobalt-Arten, gediegen oder als Nieren, oder als zarte Trümmer, darin sitzt, wo aber der Horn-Stein, wenn er von solchen eingesprengten Farben-Kobalten rein geschieden worden ist, gewiß keine blaue Farbe geben wird, sondern vielmehr dem Farbewesen zum Theil hinderlich ist; sondern ich spreche hier von denen Kobalt-Arten, wo sich feste Horn-Steine und Quarze finden, deren ganze Masse mit Kobalt durchdrungen ist. Diese Art verräth sich, wenn dergleichen derbe Quarze, ihrer Farbe nach, in das Graue fallen, ob sie gleich nicht roth beschlagen, da die äussere Luft, als die Haupt-Ursache der Verwitterung der Erze, und des Beschlages der Kobalte, in den festen Körper des Quarzes und Horn-Steines nicht so bald wirken kann. Zu dieser Art von Kobalten gehört der bereits oben unter den reinen und derben Kobalten angeführte so genannte kirre Kobalt; dieser ist ein mit Farben-Kobalt durchdrungener schwarzer Horn-Stein, welcher durch die Calcination keinen Arsenik, und durch die Reduction keine Speise zeigt. Er ist sehr fest, und schlägt mit Stahl stark Feuer; im Zerstufen springt er in eden solcher Figur, wie verschiedene andre Horn-Steine, als: Jaspiß, Carneol &c.; seiner Härte wegen beschlägt er niemahls mit rothem Beschlag. Auch gehören zu dieser Kobalt-Art die Sand-Kobalte, Minera cobalti arenaria; diese sind eine Mischung von Sand-Gebirge mit Kobalt durchflossen, welche wenig Arsenik, und sehr selten Speise halten, an der Luft sehr langsam und nur sehr schwach beschlagen, und gemeiniglich flötzweise zu brechen pflegen. Alle diese Kobalt-Arten, welche mit Horn-Stein so innig verbunden sind, taugen nichts: 1) weil sie überaus wenig blau färbendes Wesen in sich haben; 2) weil das beygemischte Gestein meistens so strenge und wild ist, daß es, nebst einem mühsamen Pochen, ein langwieriges Calciniren erfordert, ehe es geschickt genug ist, mit einer verhältnißmäßigen Quantität Salis alcali zu Glase zu fliessen. 3) Es ist auch eben kein Vortheil für ein Blaufarben-Werk, wenn man den zum Glasmachen nöthigen Sand so theuer, als den Kobalt, bezahlen muß, welches aber bey dieser Kobalt-Art unvermeidlich ist, weil derselbe kaum im Stande ist, die bey sich habende glasachtige Erde zu tingiren, geschweige daß er noch mehrern zu zusetzenden Sand vertragen sollte. Es werden also diese Arten wohl mehr zur Completirung der Kobalt-Sammlungen, als zum wirklichen Nutzen und mechanischen Gebrauch, angewendet werden können.
2. Daß der Farben-Kobalt auch nicht selten mit Kalk-Gestein verbunden sey, ist bekannt, und es zeugen davon so verschiedene kobaltische Spathe sowohl, als auch verschiedene mit Kobalt-Beschlag gezierte Kalkstein-Arten von unbestimmter Gestalt. Hierbey kommen besonders 2 Arten vor, nähmlich a) der mit ordentlichem kalkigen und alkalischen Gestein mineralisirte, b) der mit gypsartigem Gestein vermischte Kobalt.
Was den mit Kalk vermischten Kobalt betrifft, so kommt solcher theils in unförmlichem Kalk-Stein zu Gesichte, verräth sich aber meistens, wenn er einige Zeit an der freyen Luft gelegen hat, durch den rothen Beschlag, welcher besonders bey dieser Mischung eher, als bey den andern, zum Vorschein kommt. Auch diese Art taugt nicht viel; denn a) ist dieser Kalk weder durch Pochen, noch Waschen, rein davon zu scheiden, besonders wenn er von der Art des drusigen schweren Kalk-Spathes ist, folglich bleibt der Kobalt immer arm und schwach, und verträgt wenig Sand. b) Bey dem Schmelzen selbst verschluckt er allzu viel Alkali, und wird damit zu Glas-Galle, daher man entweder mehr Pottasche zum Gemenge nehmen, oder gewärtig seyn muß, daß die dazu genommenen Quarze und Sande nicht gehörig fliessen, mithin das davon fallende Glas sehr unrein und schlecht wird, welches sich nicht allein gleich bey dem Schmelzen, sondern am meisten bey dem Vermahlen und Verwaschen zeigt. Zu geschweigen, daß c) bey so vieler entstandener Glas-Galle, diejenigen, welche das geflossene Glas in die Kühl-Pütte ausschöpfen, Gefahr laufen sehr beschädiget zu werden, weil die Glas-Galle, wenn sie fliessend ist, um sich schlägt, so bald sie in kaltes Wasser kommt; und ob man gleich diesem Vorfalle zuvor kommen kann, wenn man dieselbe, bey dem Ausschöpfen des Glases, aus dem Schöpf-Löffel ablaufen lässet, ehe man das Glas in Wasser ablöscht, so sieht man doch leicht, daß hierbey kein Vortheil für das Werk seyn kann. Besonders aber ist es schlimm, daß diese Kobalt-Art, wenn man sie nicht gehörig probiert, mit ihrem häufigen und schönen rothen Beschlage leicht täuschen kann. Man findet sie öfters auch in schönen Kalkspath-Drusen und bunten Flössen, wie zu St. Annaberg in Sachsen, und anderwärts.
Die mit Gyps-Erde und Selenit vermengten, sind nicht viel besser. Dahin gehört vornehmlich eine gewisse Art von Spiegel-Kobalt, welcher nichts anders ist, als ein selenitischer glänzender Spath, schwarz von Farbe, welches von dem damit vermengten Kobalte herrührt. Dieser Kobalt wird ebenfalls weder durch Pochen, noch Waschen, von seiner Unart gereinigt, weil der Fluß-Spath ein schwerer und durch das Wassen nicht wohl zu scheidender Körper ist, folglich, sobald er mit dem Kobalte in den Calcinir-Ofen kommt, und heiß wird, so springt er darin herum, und wenn er auch endlich todt gebrannt, und zu Gyps geworden ist, so ist und bleibt dieser Kobalt doch allezeit arm; ja was noch mehr ist, kommt er endlich mit Alkali in die Glas-Häfen, so macht das Alkali das Vitriol-Sauer los, welches in der Vermischung mit Kalk-Erde der Grund des Seleniten war, und der Selenit wird wieder zu Kalk-Erde, und zu Glas-Galle mit dem Alkali, verursacht also eben die Beschwerde und Schaden, den ich kurz vorher von den eigentlich so genannten kalkartigen Kobalten angeführt habe.
3. Unter den Erden, vermischt sich der Kobalt am liebsten mit Märgel undThon. Da der Märgel kalkartiger Natur ist, so findet bey demselben alles das Statt, was ich so eben von dem mit Kalk-Stein vermischten Kobalte gesagt habe; dergleichen Kobalt nähmlich ist arm und strengflüssig. Man kann es ihm von aussen nicht wohl ansehen, es sey denn, daß er beschlagen sey, welches an freyer Luft sehr bald geschieht. Sind diese angeführte Erd- und Stein-Arten, wie es zuweilen geschieht, zusammen vermischt, so sind sie öfters ebenfalls mit Kobalt durchdrungen, welches auch eben nicht die beste Sorte gibt. Kobalt mit Thon, ist etwas sehr gemeines, und es wird nicht leicht eine Kobalt-Grube seyn, deren Letten und Besteg (Bestegniß) nicht roth beschlagen, folglich von der Gegenwart des Kobaltes zeugen sollte. Es ist aber nicht wohl Gebrauch davon zu machen, weil, wenn man dergleichen Letten auch waschen und schlämmen wollte, in dem dicken Thon-Schlamme, oder der so genannten Trübe, der ohnehin sehr wenige Kobalt-Gehalt bald fortgehen würde; ihn aber ungeschlämmt zu gebrauchen, ist bedenklich, weil die Thon-Erde in starkem Feuer zusammen bäckt, folglich hierdurch das Glas voll Thon-Klümpchen werden, und die daraus verfertigte Farbe sehr schlecht ausfallen würde. Man kennt ihn und seinen Kobalt-Gehalt äußerlich an dem rothen Beschlage, welcher öfters mit einer angenehmen Grüne vermischt ist, zumahl wenn solcher bey reichen Kupfer-Erzen gebrochen ist, dergleichen besonders ehedem in Gollwitz bey Rothenburg im Mansfeldischen, ingleichem bey Schweine im Eisenachischen, und von Kupfersuhl bekannt gewesen ist. Hierher gehört auch der weiße Letten mit Märgel vermischt, welcher vormahls in Eisenstein in Wermeland gebrochen ist, dessen Swedenborg (21) gedenkt, und wovon er erzählt, daß man 1726 auf der Brattforsgrube in Wermeland ein Letten-Torm angetroffen, welches von Morgen gegen Abend gestrichen, und den daselbst brechenden Eisenstein durchschnitten habe. Der Letten habe hier und da bläuliche und gelbliche Nierchen gehabt, wovon er anmerkt, daß solche in der angestellten Probe Silber und Wißmuth, und zwar ziemlich reichlich gehalten, überdies aber durch die Calcination viel Arsenik gegeben, mit Sand und Sale alcali fixo aber ein blaues Glas hervor gebracht haben. Nicht weniger muß hierher Gesner’s schwarzer Berg-Letten gerechnet werden (22). Dieser Letten ist auf dem Dreykönigsstern und Mosis-Segen gebrochen; er ist schwarz mulmig, sehr arsenikalisch, und gibt vor sich ein schlechtes Glas.
(21) In Oper. miner. de ferro, p. 68.
(22) Dessen Hist. Cadm. foss. metall. p. 21, und Selecta phys. oecon. Th. 2, S. 374.
Die Kobalt-Blüthe, oder Kobold-Blumen, Flos cobalti, ist nichts anders, als ein krystallisirter Quarz, bisweilen auch Spath, in dessen Mischung häufige Kobalt-Blüthe eingedrungen ist. Ich werde weiter unten noch etwas davon sagen.
Der Kobalt-Beschlag, Flos cobalti superficialis, ist eine angefangene Verwitterung des Kobaltes von allerley vorher beschriebenen Sorten, welche aber allezeit den Beytritt eines Acidi voraus setzt, wovon unten ein Mehreres vorkommen wird.
Der taubenhälsichte Kobalt ist ein gemeiner Kobalt, welcher aber theils von Wassern, theils von Wettern, mit allerley bunten Farben angelaufen ist, so wie etwa gelbe Kupfer-Erze an freyer Luft mit allerley farbiger Lasur anzulaufen pflegen.
Ich komme zur Betrachtung der Lagerstätten des Kobaltes in der Erde, und der dabey brechenden Metalle, Halb-Metalle und Mineralien.
Was den Ort der Erzeugung des Kobaltes betrifft, so hat derselbe vor allen übrigen Erzen nichts Besonderes voraus, sondern er wird auf eben die Art, wie andere Erze, gefunden. Es gibt hauptsächlich 6 Arten der Erz-Gebirge, und deren Lagen, in welchen und wie man Erze und Mineralien zu finden pflegt, als: gangweise, flötzweise, stockwerkweise, als Geschütte, als Geschiebe, und nesterweise.
Gangweise brechen Erze, wenn sie als ein besonderer, und von dem andern Gesteine des Gebirges unterschiedener Körper, das Gebirge entweder perpendikular oder diagonal durchschneiden. Flötzweise brechen sie, wenn sie auf vorige Weise, aber mehr horizontal, oder wenigstens nur einen geringen Winkel von wenigen Graden machend, und in besondern aufeinander liegenden Schichten, das Gebirge durchsetzen. Stockwerkweise finden sich mineralische Körper und Erze, wenn sie einen großen Theil des Gebirges einnehmen, gemeiniglich weder Hangendes noch Liegendes haben, und ganz seiger in die Teufe setzen. Als Geschütte finden sich Erze, wenn sie wie ein Stockwerk, doch sehr gebrech, und mit allerley Gebirge vermengt, brechen. Als Geschiebe aber, wenn sie einzeln in der Damm-Erde, an Wassern, oder sonst in mäßigen und nicht zusammenhangenden Stücken gefunden werden. Nesterweise trifft man öfters Erze an, wenn sie entweder ganz allein in einem Gebirge sich finden, kein ordentliches Streichen haben, sondern nur einzeln hier und da in demselben herum stecken, oder wenn sie bey andern Gebirgen zwar befindlich sind, aber nicht mit denselben in einem Stücke fortsetzen, sondern sich bald ganz verlieren, bald aber sich wieder anlegen.
Unter diesen 6 Arten bemerkt man nun in Absicht auf den Kobalt, Folgendes. Die gemeinste Art, wie der Kobalt zu brechen pflegt, ist gangweise; und man muß gestehen, daß die auf diese Weise brechenden Kobalte gemeiniglich die besten sind. Sie haben alsdann insgemein ihr ordentliches Sahlband, ihr Hangendes und Liegendes, und ihren Besteg; bisweilen fehlt letzteres, und der Kobalt-Gang ist angewachsen, d. h. er hängt mit dem andern Gesteine des Gebirges fest zusammen. Von dieser Art gangweise brechenden Kobaltes, sind diejenigen, welche in Sachsen, Böheim, Würtemberg, Hessen, auch zum Theil in Saalfeld, Italien, Spanien, Ungarn, auf dem Harze, in Frankreich &c. gefunden werden. Flötzweise brechen die Kobalte hauptsächlich bey Kupferschiefer-Flötzen. Es ist aber sehr selten, daß man Kobalt mit Schiefern unmittelbar vermengt, und in solche eingeschlossen, finden sollte, sondern ihr ordentliches Lager ist in den Wechseln oder Rücken. Wechsel auf Flötzen sind eine besondere Anomalie des Gebirges, wenn nähmlich, an statt daß das Flötz sein horizontales Streichen fortsetzen sollte, solches aufhört, an dessen Statt sich aber ein meistens perpendikular stehendes, öfters auch diagonal das Gebirge und dessen horizontale Schichten durchschneidendes, gemeiniglich kalkspathiges, bisweilen auch flußspathiges Gestein anlegt, in welchen bald derbe Kupfer-Erze, bald Kobalt, bald Kupfer-Nickel, bald auch wohl Bley-Glanz, eingeslossen ist. Hinter diesen Wechseln legt sich das Flötz gemeiniglich wieder an. Dieses erläutert Fig. 2337. Es sind also 1. 2. 3. 4. 5. 6. die Flötz-Schichten; an statt nun, daß diese ununterbrochen das Gebirge durchstreichen sollten, legt sich ein Wechsel * vor, welcher ein ganz besonderes Gestein, gemeiniglich kalkspathiges, führt, in welchem dann, erwähnter Maßen, bald Kobalt, bald Kupfer-Erz, Kiese, Glanze &c. liegen. Diese Wechsel sind bald mächtig, bald schwach. Hinter solchen legt sich alsdann gemeiniglich das Flötz sacht wieder an, bisweilen in gerader Linie mit den vorigen, bisweilen höher und machen einen Spring, wie in gegenwärtiger Fig. 7. 8. 9. 10. 11. 12; bald fallen sie aber auch, und stehen tiefer. Diese Kobalt-Art ist öfters sehr arm, bisweilen aber fällt die Farbe so ziemlich gut davon. Dergleichen sind diejenigen, welche zu Kupfersuhle, Gollwitz, Wiegersdorf bey Ilefeld, auch ehedem bey Ilmenau, gebrochen worden sind. Stockwerkweise hat man noch niemahls Kobalt rein gefunden; denn ob man gleich bey Zinnzwitter-Stockwerken zuweilen Spuren von Kobalt gefunden hat, so bricht derselbe doch nicht eigentlich stockwerkweise, wohl aber die Zinnzwitter, in welchen er liegt. Als Geschütte ist derselbe ebenfalls sehr rar, und man könnte höchstens nur den, zuweilen lose bey derben Kobalten brechenden, Kobalt dahin rechnen, worunter hauptsächlich der schwarze mulmige gehören würde. Von Kobalt als Geschiebe, ist noch nichts bekannt; und sollte man auch dergleichen finden, so würde es noch einer starken Untersuchung bedürfen, ob solche nicht durch einen andern Zufall verzettelt, und an dergleichen Orte gebracht werden. Nesterweise findet sich der Kobalt zum öftern bey Silber-, Kupfer-, Bley-, am seltensten bey Zinn- und Eisen-Erzen. Nach diesen verschiedenen Arten, wie der Kobalt bricht, kann man also selbst wohl einsehen, daß man auch keine gewisse Höhe oder Teufe festsetzen kann, wie derselbe gefunden wird; denn öfters wird solcher in mäßiger Teufe gefunden, bisweilen aber steht er sehr tief, wovon besonders die Kobalt-Gruben in Sachsen und Böheim zeugen. Von den wißmuthischen Kobalten glaubten die Alten, als: Agricola, Albinus, und Andre, daß dieselben unreife Silber-Erze wären; und man muß gestehen, daß diese Meinung sehr wahrscheinlich ist, wenn man diese Arten von Erze so gern und oft bey den Silber-Erzen antrifft, ja dieselben zum öftern dermaßen mit einander vermischt sind, daß man beynahe glauben sollte, sie müßten zu gleicher Zeit entstanden seyn. Hierzu kommt, daß besonders der Wißmuth auf der Capelle sich so verhält, wie ein Silber; denn er treibt wie Silber, er geht in Blumen wie das Silber, nur daß er zuletzt keinen Blick zurück lässet, sondern ganz und gar in die Capelle eingeht. Ich rede hier von einem reinen Wißmuthe, so wie solcher aus seiner Solution mit destilliertem Wasser zu einem weißen Kalke niedergeschlagen, und hernach durch das Phlogiston daraus reducirt wird; denn in dem gemeinen Kauf-Wißmuthe steckt noch zuweilen Silber, ob es gleich nicht der Mühe werth ist, dasselbe daraus zu scheiden.
Die Matrices, in welchen der Kobalt gemeiniglich zu brechen pflegt, lassen sich in metallische, halb-metallische, und gemeine Steine eintheilen.
Unter den metallischen, kommt zuerst das Silber in Betrachtung. Bey derben gewachsenen Silber findet sich Kobalt nicht leicht; ich rede aber hier nicht von gewachsenem Silber auf Farben-Kobalte, als welcher so gar selten nicht ist, denn der zeigt sehr deutlich, daß er nicht die Matrix des Silbers, aber auch das Silber nicht seine Matrix ist. Es ist entweder Kobalt mit Glas-Erz, oder mit Rothgülden-, oder mit Weißgülden-Erz, da man theils mit bloßem, theils mit bewaffnetem Auge genau wahrnimmt, daß das gewachsene Silber auf besagten edeln Geschicken aufsitzt. Hingegen zeigt es sich bey dessen Erzen desto häufiger. Hierunter erscheint nun 1. das Glas-Erz. Verschiedene Stufen desselben von Johann-Georgens-Stadt, von Schneeberg, ja auch von dem Himmelsfürsten zu Freyberg, zeigen uns dieses, welche theils mit derbem Kobalt durchflossen, umgeben, und mit dem schönsten Kobalt-Beschlage geziert sind. 2. In Horn-Erz, welches ohnedieß eine große Seltenheit ist, hat man ihn noch nicht gefunden. Desto häufiger aber findet er sich, 3. bey dem Rothgülden-Erze, wovon ich schon oben verschiedene Beyspiele angeführt habe, da bey den meisten sich zeigt, daß das Rothgülden-Erz sich als die empfangende Mutter des Kobaltes verhält, bey einigen hingegen der Kobalt wieder die Mutter des Rothgülden-Erzes abgibt. Lehmann bemerkt hierbey, daß er in solchen Kobalten, welche ganz ohne Arsenik gewesen sind, niemahls eine Spur von Silber wahrgenommen habe. Eben so ist auch 4. das Weißgülden-Erz öfters so zu betrachten; und man findet Stufen, welche wahres Weißgülden-Erz sind, in der Verglasung aber ein schönes blaues Glas geben, da sich denn das Silber in der Speise setzt. Indessen trägt das Silber zu einer mehrern Schönheit der blauen Farbe aus dem Kobalte nichts bey. 5. Fahl-Erz wird ebenfalls öfters mit Kobalt vermischt gefunden. Der Erfahrung nach aber taugt diese Mischung nichts, und dieser Kobalt gibt gemeiniglich ein schlechtes und weniges Blau, besonders, wenn das Fahl-Erz den Kobalt an Menge und Gewichte übertrifft.
Zweytens treffen wir den Kobalt öfters bey Kupfer-Erzen an, und zwar so innig damit verbunden, daß man keines von dem andern unterscheiden kann, insonderheit bey den Kupfer-Fahlerzen. Diese Kobalt-Art gibt gemeiniglich eine dumme Farbe, wie man es nennt, welche entweder todt aussieht, oder in das Violette fällt. Da in diesem Erze mehr Kupfer vorhanden ist, als zu der Grundmischung des Farbewesens im Kobalt nöthig ist, auch die Aneignung des Kupfers mit dem Eisen, vermittelst der alkalischen Erde, nicht so fest, als in dem eigentlichen Farben-Kobalte, geschehen ist, so ist es kein Wunder, daß auch keine gute blaue Farbe daraus werden kann. In derben Zinnzwittern kommt Kobalt zuweilen, aber selten, vor, so wie auch im Eisen; doch zeigt das Zinnzwitter-Stockwerk zu Altenberg, in Sachsen, öfters Spuren von Wißmuth, wenn mit Feuer gesetzt wird. Auch hat man zu Ehrenfriedersdorf, in Sachsen, zuweilen auf den Zinnzwitter-Gruben Wißmuth und Kobalt gespüret. Hingegen bey Bleyglanz ist er desto häufiger; und man findet öfters Stufen, da der Bleyglanz mit Kobalt vermischt ist, auch wohl überdieß Glas- und Rothgülden-Erz mit gewachsenem Haar-Silber zeuget, dergleichen sich im Himmelsfürsten zu Freyberg findet.
Unter den halb-metallischen Müttern, kommt vorzüglich der Wißmuth in Betrachtung; und dieser ist auch sehr selten, ja fast niemahls, ohne Kobalt, es müßten denn sehr derbe Stufen desselben seyn. Die andern Halb-Metalle machen sich mit dem Kobalte nicht gern gemein; daher sind Quecksilber-Erze, Spießglanz und Zink, nicht leicht damit verbunden; doch findet man ihn bisweilen in einer blendigen Mutter.
Unter den gemeinen Erd- und Stein-Arten, zeichnen sich der Kalk-Stein, Fluß-Spath, Quarz, Horn-Stein, Gems, Gneiß, auch bisweilen gemeiner Sand-Stein, aus. Dieses sind die Stein-Arten, welche bey Kobalt-Anbrüchen gemeiniglich der Zech-Stein zu seyn pflegen. Eben so ist auch der dabey befindliche Berg-Letten öfters als eine Kobalts-Mutter zu betrachten, wie dessen häufiger rother Beschlag beweiset.
Nicht allein aber geben diese metallische und mineralische Körper die Metall-Mutter ab, sondern sie brechen auch öfters bloß dabey, ohne damit vermischt zu seyn. Man findet daher gemeiniglich, besonders auf Gang-Gebirgen, daß um und bey guten Farben-Kobalten, auch edle Anbrüche von Silber-Erzen, und zwar, wie ich oben erwähnt habe, fast alle Arten Silber-Erzes, sind. Vom Kupfer ist die gelbe Kobalt-Art vom Wolfgang und Eberhard zu Alpirspach im Würtembergischen, mit gewachsenem Kupfer, merkwürdig. Ingleichem eine seltene Art von derben Kobalt, mit dem schönsten und höchst blauen, krystallinisch gewachsenen Kupferblau von Bulach, im Würtembergischen, deren bereits oben Erwähnung geschehen ist. Kobalt mit Kupferglas-Erz, ist zwar so häufig nicht, indessen wird es doch auch zuweilen angetroffen. Daß gelbe Kupfer-Erze bey und auf den Kobalt-Gängen brechen, ist bekannt. Vom Zinn habe ich bereits oben gesprochen; und reiches Eisen-Erz hat sich gemeiniglich nur selten dabey finden lassen, das oben angeführte Beyspiel aus Schweden von der Brattforsgrube ausgenommen. Daß aber Bley dabey gefunden werde, lehrt die Erfahrung. Mit Kies wird unser Kobalt auch oft vermengt gefunden; doch ist keine Art so kiesig, als der graue mit Kies durchflossene Kobalt von 10000 Rittern zu Annaberg, in Sachsen, welcher, aller Vorsicht ungeachtet, doch geschwinde und stark verwittert. Daß ferner Quarze, Spathe, Bunteflösse, Horn-Stein &c. ebenfalls nicht selten um und bey den Kobalten angetroffen werden, lehren beynahe alle Stufen-Sammlungen.
Von Versteinerungen, Abdrücken vegetabilischer oder animalischer Theile im Kobalt, hat man bis jetzt noch keine Beyspiele, woraus erhellet, daß diese Art von Gängen auf Gang-Gebirgen wirklich keine merkliche und in dieselben eindringende Veränderung erlitten habe. Hingegen die auf Flötz-Gebirgen und deren Wechseln brechenden, müssen erst nach vorgegangenen Haupt-Veränderungen des Erdbodens entstanden seyn, da also die eigentlichen Flöße entstanden, animalische und vegetabilische Körper schon in solchen begraben, und folglich nur die Zwischenräume, wo diese Flötz-Schichten perpendikular geborsten, mit dergleichen Erzen ausgefüllet worden sind.
Die Gewinnung der Kobalte ist so, wie bey andern Erzen, nähmlich theils mit Schlägel und Eisen, theils mit Bohren und Schießen, und werden die Kobalt-Gruben mit Schächten, Stollen, Strecken, Strossen &c. betrieben. Daß übrigens der beste Kobalt in einer Teufe von 100, 120, 130 Lachter zu seyn pflege, bestätigt die Erfahrung, ob man gleich die Ursache davon nicht so genau angeben kann, weil es uns noch an einer vollständigen Kenntniß des Innersten unsers Erdbodens fehlt.
So giftig und schädlich dieses Halb-Metall, an und für sich selbst betrachtet, sowohl den Menschen und Thieren (23), als auch den Metallen, ist, als welche letztere es raubt und verflüchtigt: so nützlich ist dasselbe doch den bergbauenden Gewerken an denjenigen Orten, wo solches gefunden wird. An und für sich selbst kommt zwar dasselbe nicht so sehr in den Handel, ausser etwas weniges, welches insonderheit bey uns in Deutschland von den thüringer Gänglern heraus gebracht, und, eben so wie der Hüttenrauch (s. Th. XXVII, S. 357) zu Tödtung der Fliegen und Mücken, unter dem Nahmen des Fliegen- oder Mücken-Pulvers (s. Th. XIV, S. 250) verkauft, oder auch von einigen Apothekern und Druguisten, theils zu eben diesem, theils auch zum mediciinischen Gebrauch (da es von einigen Wagehälen unter den Aerzten, wieder die fallende Sucht angewendet wird,) geführt zu werden pflegt; ja, an einigen Orten, insonnderheit in Sachsen, ist so gar aller Verkauf des rohen Kobaltes, und vornehmlich die Ausfuhre desselben in fremde Länder, bey hoher Strafe verbothen. Desto erheblicher und beträchtlicher aber sind die daraus verfertigten und sehr häufig in den Handel kommenden Fabriken-Waren.
(23) Dithloff Benj. Hückelii relatio, concernens sectionem molitoris, qui, sumto cobalto, semetipsum nefarie interfecerat, st. in Select. Med. Francofurt, Vol. III, Frf. V. 1737. 8. Art. 6, p. 238–242.
Observation touchant les effets du Cobolt sur le corps humain, st. in No. 6 der Gazette salut. v. J. 1762.
Reflexions sur un observation rapportées dans la Gaz. salut. No. 6. concernant les effets du poison arsenical, st. in No. 34 ders. v e. d. J.
Unter allen Materien, welche der Kobalt enthält, ist es der demselben eigene König, welcher dieses Mineral schätzbar macht, und wegen dessen man ihn bearbeitet, weil derselbe ein schönes Blau gibt. Es ist das einzige Blau, welches man in der Verglasung brauchen kann. Dem ungeachtet sammelt man bey der Zugutemachung des Kobaltes, aber nur beyläufig, einige andere Substanzen aus demselben, weil es ohne Vermehrung der Arbeit und der Kosten bequem geschehen kann. Da es z. B. nöthig ist, dem Kobalte allen seinen Arsenik zu nehmen, um das Blaue zu gewinnen, so ist man genöthigt, diesen mineralischen Körper anhaltenden und starken Röstungen zu unterwerfen. An statt aber daß man den Arsenik, welcher während des Röstens in Dämpfen aufsteigt, gänzlich verloren gehen lassen sollte, fängt man diese Dämpfe in langen gekrümmten Rauchfängen auf, welche an die Oefen, worin man den Kobalt röstet, angebracht sind, und auf diese Art erhält man fast allen käuflichen Arsenik. Auf gleiche Weise scheiden sich nach diesem Rösten, bey dem Schmelzen des Kobalt-Kalkes mit verglasbaren Materien zu dem blauen Glase, welches man Schmalte nennt, der Wißmuth und das Silber, welches der Kobalt enthält, von ihm, und man sammelt dieselben.
Ich habe bereits oben erwähnt, wie wenig unsere Vorfahren dieses Mineral zu nutzen gewußt haben, ja, wie verachtet es so gar bey denselben gewesen ist, und wie man nur erst seit kurzer Zeit in Deutschland das blaue Glas, und aus demselben die blaue Schmalte, gemacht hat. Man hat lange Zeit diese Sache geheim zu halten gesucht, um so mehr, da die Besitzer der sächsischen Blaufarbe-Werke, als beynahe die ersten in ganz Europa, ansehnliche Vortheile aus diesen Fabriken zogen, welches um so viel weniger zu bewundern war, da im Anfange die Wälder noch nicht so gar dünn gemacht waren, folglich sowohl Pottasche, als auch Brenn-Holz, um leidlichen Preis gegeben wurde, und auch andre Pretia rerum noch nicht so hoch standen. Es wäre unnöthig gewesen, daß man eine solche Sache als ein Geheimniß angesehen hätte, wenn man erwäget, daß ein Jeder, der Kobalte hat, auch blaues Glas und folglich auch blaue Farbe werde machen können, und daß, in Ermangelung derselben, doch niemand dergleichen nachmachen könne. Indessen geschah es doch, und Kunkel steckte besonders in seiner Glasmacher-Kunst zuerst der Welt ein großes Licht an, obgleich Derselbe bloß von Bereitung des Safflores etwas sagte. Endlich hat man zwar von verschiedenen Schriftstellern einige Nachrichten von Bereitung der blauen Schmalte erhalten, aber doch entweder sehr kurz, oder auch sehr fehlerhaft. Rösler (24) handelt sehr kurz und allgemein davon. Nachher ist zwar in der obersächsischen Berg-Academie diese Sache etwas weitläuftiger vorgetragen worden, es würde aber doch noch immer etwas schwer halten, so genau auch diese Beschreibung in allem mit der Wahrheit überein kommt, sich einen vollständigen Begriff von allen dazu gehörigen Oefen, Maschinen und Arbeiten zu machen. Gesner hat ebenfalls einen, doch nur kurzen, Bericht von den dahin einschlagenden Sachen und Arbeiten gegeben. Ich werde demnach hier eine ausführliche Nachricht von dergleichen Fabriken nach Hrn. B. R. Lehmann’s und Hrn. Colleg. Rath v. Cancrin (25) Anweisung, ertheilen, und mit den nöthigsten Abbildungen erläutern.
(24) Im Bergbau-Spiegel.
(25) Im 2 Th. seiner gründl. Anleitung zur Schmelzkunst und Metallurgie, (Frf. v. M. 1786, 8.) S. 4, fgg.
[Bearbeitung des Kobaltes, und Gewinnung der Schmalte]
Um die Bearbeitung des Kobaltes, und die Gewinnung der Schmalte und des Arseniks mit Einem Blicke zu übersehen, schicke ich folgende Beschreibung voran. Um die blaue Farbe aus dem Kobalte zu erhalten, wird 1. das Kobalt-Erz geschieden, trocken gepocht, durch das Sieb geschlagen, und, in so fern er Wißmuth enthält, durch Röstung auf freyer Rost-Stätte davon geschieden, wo der Wißmuth heraus schmilzt, und der Kobalt zurück bleibt. Hierauf wird 2. der Kobalt calcinirt, welches in einem Rost-Ofen mit einem Arsenik-Fange geschieht, welcher in verschiedenen Winkeln an 300 F. in der Länge fortgeführt ist. Das Erz muß dabey zuweilen mit einer wohl abgewärmten Krücke umgerührt werden. Zur Bereitung der blauen Schmalte wird nun 3. eine Glas-Masse erfordert, welche aus reiner Pottasche und Quarz-Kieseln oder Quarz-Drusen zusammen gesetzt und mit dem calcinirten Kobalte vermischt wird. Hierzu werden an Oefen a) der Temper- oderTemperir-Ofen, der zur Erhitzung der Glas-Häfen dient, vorgerichtet; b) der Glas- oderSchmelz-Ofen, in welchem die Schmalte geschmolzen wird, und welcher hierzu 6 Häfen fassen kann; c) der Darr- oderTrocken-Ofen, welcher mit dem vorigen verbunden ist, von demselben seine Hitze bekommt, und zum Trocknen des Holzes gebraucht wird. In den Glas-Ofen wird die Portion des Gemenges für die 6 Häfen eingetragen, welches aus gleichen Theilen Pottasche und Kieseln oder Sand besteht, dem der Kobalt, nach seiner verschiedenen färbenden Kraft, zu gleichen Theilen, zur Hälfte, zum Drittel &c. beygemischt worden ist. Vorher wird dieses Gemisch in einem Kasten mit Schaufeln wohl und fleißig gemenget, und nachher in die Häfen vertheilt. Wenn die Masse fließt, und durch und durch gleich tingirt ist, wird sie mit einem eisernen Löffel aus den Häfen geschöpft, und in ein Faß mit Wasser gestürzt, nachdem vorher die Speise, eine metallische Masse, entweder aus bloßem Kobalt-König, oder Wißmuth mit jenem, in ein besonderes Gefäß gelassen worden ist. Dieses erhaltene blaue Glas wird nun 4. auf einem Pochwerke, welches mit der Mühle verbunden ist, gepocht, sodann auf die Mühle gebracht, und mit Wasser unter Mühlsteinen fein gemahlen. Die gemahlne Masse wäscht, schlämmt und trocknet man hierauf. Die feinste und blasseste Farbe, welche man erhält, heißt Eschel; das, was sich in den Sumpf-Gräben noch zuletzt beym Waschen absetzt, Sumpf-Eschel. Das dunkelste Glas wird hohe Farbe, die mittlern Sorten aber werden Couleuren genannt, von welchen Producten, ausser dem Sumpf-Eschel, vier Sortimente bereitet werden. Ausserdem wird aber auch von den Gewerken der bloß calcinirte Kobalt unter dem Nahmen Safflor auch in verschiedenen Sortimenten verkauft. Der bey dem Calciniren des Kobaltes in dem Gift-Fange sich sammelnde Arsenik, oder das Gift-Mehl, welches mehrentheils grau und unrein aussieht, wird aus dem Gift-Fange heraus genommen, mit noch einmahl so viel Pottasche vermischt, und in besondern Gefäßen sublimirt, wo er eine weiße glasartige Gestalt bekommt, und weißer krystallinischer Arsenik genannt wird. Auch gewinnt man aus dem Arsenik, durch Zusatz von Kiesen, das Auripigment und den Rubin-Schwefel durch Sublimationen, welche Producte man auch sonst aus arsenikalischen Kiesen erhält.
Bey dem Schmelzen und Zubereiten des Kobaltes, kommen überhaupt zwey Stücke in Betrachtung, nähmlich; die dabey nöthigen Werkzeuge, und das Verfahren selbst, oder das Schmelzen und Zubereiten der Kobalte.
Die Werkzeuge, welche man zum Ausschmelzen und Zubereiten der Kobalte gebraucht, sind von zweyerley Art: einfache, und zusammengesetzte.
Die einfachen Werkzeuge, sind: Hammer oder Fäustel, Kratzen, Tröge, Schippen (Schaufeln), Löffel, Räder und Durchwürfe, Siebe, Einsetz- oder Eintrag-Schaufeln, Menge-Kasten, Rühr-Haken, Stech-Eisen, Speise-Butten, Glas-Tiegel, Glas-Töpfe oder Glas-Häfen, Pfannen, Farbe- oder Wasch-Butten, Reibe-Breter mit Walzen, und Farbe-Breter.
Die Hammer oder Fäustel, findet man im XXI Th. S. 327, f. beschrieben, und Fig. 1170 und 1171 abgebildet.
Die Kratze, Fig. 2338, hat an dem Stiele, um des bessern Haltens willen, einen Wiederhaken.
Der Trog, Fig. 2339, ist eine gemeine büchene Mulde, die 1 F. weit und 2 F. lang ist. Diesen Trog setzt man vor einen Fuß, und zieht mit der eisernen Kratze, die einen 2 bis 2½ F. langen Stiel hat, die Erze hinein, und schüttet oder stürzt sie alsdann von einem Orte zum andern.
Die Schippe, oder Schaufel, Fig. 2340 a), besteht in einer im gemeinen Leben gewöhnlichen eisernen Schippe, die einen 3, 4 bis 5 F. langen hölzernen Stiel hat.
Der stark geschmiedete eiserne Löffel, Fig. 2340 b), ist 8 Z. im Diameter und 3 Z. tief. Es wird damit das Glas ausgeschöpfet.
Der Räder, oder Durchwurf, Fig. 2341 a), besteht in einem länglichen, unter einem Winkel von 40 Grad mit dem Horizonte schief gestellten Kasten, abcd, welcher einen eisernen Steg, efg, mit einer Gabel hat, worauf man ihn fest stellen kann, und bey bc offen ist. Dieser Räder ist im Lichten 6½ F. lang, und 2½ F. weit; die Seiten-Breter oder Backen ik, sind bey lm 0, 1 F., bey ik aber 3 F. von dem Seiten-Brete o, nur 9 Z. hoch. In dem Boden dieses Räders ist bey n ein 2½ F. breites, und 3½ F. langes Netz von messingenem oder eisernem Draht, worin die Fächerchen ¼, ½ bis 1 Z. weit sind, gegen die Mitte zu aber ist dieses Netz 2 Z. tiefer, und hat also einen Bauch, hinter dem Netze hingegen sind zwey eiserne, ½ Z. dicke Stäbe in das Kreuz befestigt, damit sich solches nicht zu tief einbiege, und zerbreche. Dieses Netz besteht indessen zuweilen auch aus ½ Z. dicken eisernen Stäbchen. Zuweilen stellt man diesen Räder an eine Wand, wie Fig. 2341 b) zeigt. Zuweilen gebraucht man auch ein rundes, 2 F. weites und 1 F. hohes Sieb mit eben einem solchen Netze, wie beschrieben worden ist, zu dem Rädern, und dieses heißt ein Sieb, oder Hand-Räder, Fig. 2342. Es ist 2 F. weit, und 9 Z. tief. Es ist mit zwey Handhaben a und b, und zwey eisernen Ringen, versehen, der Boden desselben aber besteht aus einem von starkem messingenen Draht geflochtenen Netze. Diesen Räde gebraucht man, um die groben Stücke von den kleinern abzusondern.
Die Einsetz- oder Eintrag-Schaufel, Fig. 2343, ist von ½ Z. dickem Eisen-Blech gemacht, an der Schaufel 1 F. lang, 6 Z. breit, und 5 Z. tief, an dem eisernen ¾ Z. dicken Stiele, ab, 4 Fuß, an dem hölzernen bc aber 2 F. lang. Mit dieser trägt man den zu schmelzenden Kobalt in die Glas-Häfen im Schmelz- oder Glas-Ofen.
Der Menge-Kasten, ist ½ F. weit, 2½ F. hoch, und 8 F. lang, und dient dazu, um den zu schmelzenden Kobalt mit seinen Zusätzen (Zuschlägen) recht genau vermischen zu können.
Der eiserne Rühr-Haken, Fig. 2344, ist am Haken, ab, 1½ Fuß, von b bis c aber 4 F. lang, und ¾ Z. dick, ausserdem aber noch mit einem hölzernen, 3 F. langen, und 1½ Z. dicken Stiele cd versehen. Man gebraucht ihn zum Umrühren des geschmolzenen Kobaltes.
Das Stech-Eisen, Fig. 2345, ist vorn spitzig, am Eisen ab ¾ Z. dick, und 3 F. lang, am hölzernen Stiele bc aber 1½ Z. dick, und 3 F. lang. Man gebraucht es zum Abstechen der Kobalt-Speise, die sich bey dem Schmelzen des Kobaltes niederschlägt.
Die hölzerne Speise-Butte ist 3½ bis 4 F. weit, eben so tief, und nahe bey dem Schmelz-Ofen, worin der Kobalt geschmolzen wird, in die Erde gegraben. Diese Butte füllet man mit Wasser, oder lässet solches darin ab und zulaufen, und schöpft in solche mit dem Löffel aus den Glas-Häfen den in blaues Glas geschmolzenen Kobalt.
Die Glas-Tiegel, Glas-Töpfe, oder Glas-Häfen, Fig. 2346, sind oben im Lichten 2, unten aber 1 F. weit, und 2 F. hoch. Sie sind aus gutem und reinem feuerbeständigen Thon zubereitet, im Boden 3, an der Seite aber 2 Z. dick.
Diese Häfen werden auf folgende Art bereitet. 1. Man nimmt reinen feuerbeständigen Thon, der weder mit Sand, Spath und Quarz, noch mit metallischen Theilchen vermischt ist, und schlämmet ihn sauber, indem man ihn in einer Butte auflöset, das Wasser, wenn der Thon sich gesetzt hat, abgießt, darauf aber den Thon wieder mit frischem Wasser umrührt, und das noch trübe Wasser in eine andere Butte bis auf das Grobe auf dem Boden abschüttet, da sich dann ein reiner und feiner, zu den Glas-Häfen tauglicher Thon zu Boden setzt. 2. Man nimmt alte Glas-Häfen, pocht solche zu einem feinen Mehl, und siebet sie durch ein Haar-Sieb. Von jenem Thone nun nimmt man 3 Theile, von diesem Mehle aber 1 Theil, oder 2 Th. Thon, und 1 Th. Mehl, feuchtet es an, und vermischt es so genau mit einander, daß die Theile dem Ganzen ähnlich werden. 3. Diese Mischung lässet man etwas trocken und zähe werden, und macht alsdann aus solcher auf einem reinen, mit zarter Asche bestreueten Brete einen 3 Z. dicken Kuchen, in der Größe des Bodens von einem Glas-Hafen. 4. Auf diesen Boden setzt man eine von Faß-Dauben, mit eingelassenen eisernen Reifen versehene Form, welche inwendig hohl ist, und auswendig die innere Gestalt eines Glas-Hafens, mithin die Gestalt eines abgekürzten Kegels hat, diese Form aber überzieht man mit zarter Asche oder naß gemachter dichter Leinwand. 5. Man macht aus einem Klumpen Thon ein plattes Stück, welches 2 Z. dick, und so lang und breit ist, daß es die ganze Form umgibt. 6. Dieses Stück legt man um die Form, und schlägt es mit der flachen Hand dicht an, alsdann aber knetet man es mit dem Boden und an der Fuge zusammen, und streicht die Fugen sauber zu. 7. Wenn solcher Gestalt ein Glas-Hafen gemacht ist, lässet man ihn an der Luft etwas trocken werden, und zieht sodann die Form heraus, hernach aber lässet man diesen Hafen ganz austrocknen. Damit derselbe keine Feuchtigkeit anziehe, hebt man ihn an einem trocknen Orte zum Gebrauch auf. Wenn die Häfen gut gemacht sind, stehen sie wohl ein halbes Jahr gut im Feuer.
Die eiserne Pfanne, Fig. 2347, ist am Boden und an den Seiten 2 Z. dick, 8 Z. tief, unten 1 F. 8 Z., oben aber 2 F. weit. In diese mit Kohlen ab-gewärmte Pfannen lässet man bey dem Ausschöpfen des blauen Glases, ehe man solches in die Butte mit Wasser gießt, erst die Speise und die Glas-Galle laufen, weil diese Dinge, wenn sie in das Wasser geschüttet werden, um sich schlagen, und den Arbeitern Schaden thun.
Die Farbe- oder Wasch-Butten, sind 4 F. weit, und 3½ F. hoch, und mit starken eisernen Reifen beschlagen. Sie werden zum Schlämmen und Sortieren der Blaufarbe oder Schmalte gebraucht.
Das Reibe-Bret ist 12 F. lang, 4 Z. breit, und an den Seiten mit 3 Z. hohen Leisten versehen. Man reibt darauf mit einer hölzernen Walze von 1½ F. lang, und 4 Z. dick, die Farbe.
Die Farbe-Breter sind 5 bis 6 F. lang, 1½ bis 2 F. breit, auf allen vier Seiten mit genau anschliessenden, 2 Z. hohen Leisten versehen, und aus hartem und trocknem Holz gemacht. Man gebraucht sie zum Trocknen der Farben in einem warmen Zimmer.
Die zusammengesetzten Werkzeuge, welche man zum Ausschmelzen und Zubereiten der Kobalte gebraucht, sind: der Temper-Ofen, der Schmelz- oder Glas-Ofen, der Darr- oder Trocken-Ofen, das Pochwerk, der Schlämm-Graben, und die Farbe-Mühle, deren Beschreibung in der Folge vorkommen wird.
Um mehrerer Ordnung und Deutlichkeit willen, theile ich sämmtliche dabey vorfallende Arbeiten in drey Classen ein; nähmlich: 1. Arbeiten, welche, bis zum Gemenge machen, mit dem rohen Kobalte vorgenommen werden; 2. Arbeiten, welche zu dem Schmelzen gehören; und 3. Arbeiten, die zu der Aufbereitung der Farbe und Eschel selbst gehören.
Was nun I. die Arbeiten betrifft, welche, bis zum Gemenge machen, mit dem rohen Kobalte vorgenommen werden, so wird dabey folgender Maßen verfahren. Nachdem die Kobalte aus der Grube und über die Hängebank zu Tage ausgefördert worden sind, werden solche zuvorderst geschieden, d. h. es wird alles, was nicht Kobalt ist, so rein als möglich, davon geschlagen. Hierbey scheidet man besonders diejenigen Kobalte, welche viel Wißmuth halten, von den andern. Die übrigen Kobalte, welche wenig oder gar keinen Wißmuth halten, werden, wofern sie derb sind, in mäßige Stücke, wie große Wallnüsse, zerstufet; was aber nicht derb und rein ist, wird in einem trocknen Pochwerke gepocht, und über das Sieb gesetze, indem man nähmlich das gepochte Erz in ein drähternes Sieb stürzt, welches man öfters in einen großen Kübel mit Wasser (das Setz-Faß) taucht. Hierdurch scheidet sich der Kobalt, als das schwerere, von dem leichtern, nähmlich den Bergen, und wird dadurch rein, da denn dasselbe Kobalt-Kleines genannt wird.
Weil der Wißmuth der Blaufarbe schädlich ist, muß solcher vor dem Schmelzen von dem Kobalte ausgeschieden werden. Man belegt, in dieser Absicht, unter freyem Himmel, einen Platz, wo ein fester Boden ist, der ein Quadrat ausmacht, dessen Seite 20 F. groß ist, mit steinernen Platten, die im Feuer nicht springen, und legt auf solche reihenweise vor einander Scheit-Holz, welches so weit von einander liegt, als die Länge des Scheites ist; auf diese Reihen Scheit-Hölzer aber bringt man neben einander anderes dünn gespaltenes Holz. Auf diese Schicht stürzt man den vom Wißmuth zu scheidenden Kobalt neben, aber nicht dicht auf einander, und steckt alsdann das Holz an. Unterdessen, daß dieses Holz an der einen Seite abbrennt, legt man wieder frisches Holz, und zwar so viel, hinzu, daß der Kobalt durchaus glühet, da denn der Wißmuth heraus schmilzt. Wenn dieses geschehen, und alles wieder kalt ist, lieset man den nun von dem meisten Wißmuthe gereinigten Kobalt aus, die ausgebrannte Asche aber schwenkt man in einem Berg-Troge gegen den Wind, so bekommt man den ausgeschiedenen Wismuth. Diesen Wißmuth schmelzt man nunmehr in einem eisernen Topfe zusammen, so setzen sich die Stückchen Kobalt, die vom Wißmuth nicht aufgelöset werden, und unter die Asche gekommen sind, oben auf, weil Wißmuth und Kobalt sich nicht im Flusse mit einander vereinigen können, da der Kobalt schwerer, als der Wißmuth, fließt. Diese oben aufschwimmende Kobalt-Graupen, werden hernach mit anderm Kobalte vermischt, und zur Schmalte gebraucht.
Wie man den Wißmuth genauer, und mit wenigern Holze ausscheiden könne, werde ich, so Gott will, im Art. Wißmuth zeigen.
[Probieren]
Nachdem man nun also derben Kobalt, Wißmuth-Graupen, und Kobalt-Kleines, jedes besonders hat, so schreitet man zum Probieren. Dieses ist um desto nöthiger: 1. weil die Kobalte selbst von so verschiedener Güte sind, indem einige derselben vielen Sand, andere wenig, vertragen. 2. Weil einige an und vor sich ein hohes und schönes Blau geben, andre aber an Farbewesen arm, einige strengflüssig, andre leichtflüssig sind. In allen diesen Fällen muß alsdann eine Sorte der andern durch den Ofen helfen, eines des andern Fluß befördern, oder seine Farbe mit erhöhen, deswegen muß jede Sorte erst vor sich allein probiert werden. 3. Das Probieren ist auch deswegen unumgänglich nöthig, damit man wisse, wie viel man zu einem Gemenge Kobalt-Kleines &c. setzen müsse, um die Höhe und Lieblichkeit der Farbe in das Gemenge zu bringen. Wenn man seine Kobalte schon lange kennt, so kann man dieses durch wenige Proben wissen, bey ganz neuen Anbrüchen aber gehört viel Genauigkeit dazu. Hier ist nun also der Haupt-Vortheil, auf den es bey dem Gemenge machen, in der Folge ankommt. Es kann auch hier nicht wohl eingewendet werden, es ginge dem Kobalte ja doch in dem darauf folgenden Rösten vieles ab; denn es versteht sich, daß man auch bey der kleinen Probe seiner Kobalte gehörig rösten werde, und kann das Farbewesen auch nicht in denselben zerstöret werden, es wäre denn, daß man die Hitze so stark gäbe, daß der Kobalt, zumahl wenn er sehr speisig ist, zusammen schmölze, welches aber schon den Grad des Calcinir-Feuers überschritte.
Die Kobalte können auf eine zweyfache Art auf die Menge ihres Farbewesens probiert, oder im Kleinen untersucht werden, wie reich solche am Farbewesen seyn, nähmlich: 1. durch den nassen, und 2. durch den trocknen Weg.
1. Was die Scheidung des Kobaltes und dessen Farbewesens im nassen Wege betrifft, so besteht dieselbe in der Auflösung des Farben-Kobaltes in sauern Auflösungs-Mitteln. Wenn man Kobalt in einem sauern Auflösungs-Mittel, in Acido nitri, Aceto destillato, Acido formicarum, oder Acido salis, auflöset, und mit reinem Koch-Salze niederschlägt, oder auch den Kobalt nur in der Kochsalz-Säure auflöset, und die Solution abdampfen lässet, so erhält man ein Nitrum cubicum, welches, mit Wasser aufgelöset, die sympathetische Tinte gibt; dieses Nitrum cubicum nun ist ein untriegliches Kennzeichen eines ächten Farben-Kobaltes. Man kann auch das Farbewesen der Kobalte durch den nassen Weg darstellen, und dann dieses concentrirte Farbewesen auf Blauglas probieren.
a) Kobalt im nassen Wege durch die Darstellung der sympathetischen Tinte zu probieren.
α) Die erste Auflösung. Man nimmt jede beliebige Sorte von Farben-Kobalt, reibt sie in einer gläsernen Reibe-Schale zu einem zarten Mehl, oder stößt sie zu einem zarten Pulver, und nachdem man z. B. 4 Loth reines Acidum nitri, oder Acetum destillatum, oder Acidum formicarum, oder auch Acidum salis, in einen Scheide-Kolben gegossen hat, trägt man nach und nach so viel von dem geriebenen oder gestoßenen Kobalte in den Scheide-Kolben, als das Solvens aufzulösen vermögend ist. Wenn die Auflösung geschehen ist, filtrirt man die Solution durch Lösch-Papier, damit man sie rein erhalte. Dasjenige, was sich nicht aufgelöset hat, süsset man mit destilliertem Wasser ab, trocknet und wieget es: so wird man, wenn man dieses Gewicht von dem Gewichte des in die Scheidung gekommenen Kobaltes abzieht, gewahr, wie viel Farbewesen das Acidum aufgelöset hat. Hierauf nimmt man eben so viel gemeines Koch-Salz, als man gefunden, daß sich wirklich von Farbewesen in dem Scheide-Wasser aufgelöset hat, schüttet solches in eine mäßige gläserne Retorte, gießt die filtrirte Solution des Kobaltes darauf, und treibt diese auf einem Sand-Bade gehörig über: so erhält man ein Königs-Wasser (Aqua regis). Hier hat man nöthig, sehr wohl auf alle Phaenomena Achtung zu geben. Denn, wenn es sich einzudicken anfängt, so erscheint gemeiniglich die schönste grüne Farbe, welche sich in der Folge öfters in ein artiges Blau verwandelt. Oefters geschieht es auch, daß die blaue Farbe vorher geht, und die grüne nachfolgt, welches bloß von der Verschiedenheit der Kobalte herrührt. Man lässet bey solchen Umständen alles Flüssige in einer gelinden Wärme bis zur Trockne abdampfen; wenn es kalt ist, erhält man ein pfirsichblüthfarbiges Nitrum cubicum, welches man hernach in destilliertem Wasser auflöset, so, daß man gemeiniglich zu 1 Th. dieses Nitri cubici 3 Th. destillierten Wassers gießt, bey welcher Auflösung sich dann gemeiniglich ein weißes Pulver niederschlägt, wenn Wißmuth mit dem Kobalte vermengt gewesen ist; und dieses weiße Pulver ist nichts anders als ein Magisterium Wismuthi, oder das so genannte spanische Weiß (Blanc d’espagne), wenn es edulcorirt ist. Diese sympathetische Tinte, oder diese Solution des kobaltischen Nitri cubici, hat alsdann die Eigenschaft, daß, wenn man damit auf starkes Papier schreibt, solches, nachdem es trocken geworden ist, über eine gehörige Wärme, oder nahe an einen warmen Ofen, hält, die Schrift, wovon vorher gar nichts zu sehen war, grün (*) erscheint, und sich lesen lässet, und, sobald das Papier kalt wird, wieder vergeht, bey jedermahliger Erwärmung aber wieder zum Vorschein kommt.
(*) Man hat auch eine sympathetische schwarze Tinte, welche aus einer Bley-Auflösung in Pflanzen-Säure besteht, und durch den Dunst der arsenikalischen Schwefel-Leber, auch so gar in einer beträchtlichen Entfernung, schwarz gefärbt wird, wovon ich im Art. Tinte handeln werde.
Die einfachste und geschwindeste Art, sympathetische Tinte zu machen, ist, daß man die Zaffera so nimmt, wie die Droguisten sie verkaufen, und mit Königs-Wasser vermischt. Dieses bemächtigt sich der metallischen Erde des Kobaltes, welche die Blaufarbe in sich schließt. Man vermischt es mit so viel Brunnen-Wasser, als nöthig ist, damit die Farbe nicht zu viel Eindruck auf dem Papiere mache. Man schreibt, und die Schrift bleibt unsichtbar, bis man das Papier an das Feuer hält. Sobald es kalt wird, verschwindet die Schrift wieder, und man kann es, so oft man will, wiederhohlen; nur muß die Hitze nicht so stark seyn, daß die Farbe sich dermaßen eindrückt, daß sie nicht wieder vergeht.
β) Die zweyte Auflösung. Man löset den Kobalt, wie bey der vorhergehenden Auflösung gezeigt worden ist, in Kochsalz-Säure auf, und filtrirt die Solution. Diese filtrirte Solution lässet man, ohne etwas weiter hinzu zu thun, abdampfen, so erhält man ein Nitrum cubicum, welches man in destilliertem Wasser solvirt, so hat man, wenn das probierte Erz Kobalt gewesen ist, eine sympath. Tinte. Die grüne Farbe, welche diese Tinte zeigt, ist ein untriegliches Kennzeichen von Kobalt; und je höher diese Farbe ausfällt, desto reicher ist derselbe am Farbewesen. Ist der Kobalt stark mit Arsenik gemischt, so fällt die Farbe dieser Tinte hell- oder blaßgrün aus; und wenn man aus Arsenik-Erzen eine solche Tinte macht, so zeigt sie eine gelbe Farbe.
Hr. Lehmann zeigt bey dieser Gelegenheit einige Fehler an, welche man in den Beschreibungen der sympathetischen Tinte antrifft. Hier sind seine eigene Worte.
„Erstlich sagen die meisten Beschreibungen, man soll zu deren Verfertigung so schwer Koch-Salz nehmen, als der ganze Kobalt, den man nach und nach in das Scheide-Wasser getragen, gewogen hat; allein, dieses ist grundfalsch, denn die Quantität des Salzes muß dem Gewichte des wirklich in dem sauern Auflösungs-Mittel aufgelöseten Kobaltes gleich seyn. Gibt man hierauf nicht Achtung, so wird die davon bereitete symph. Tinte corrosivisch, und greift das Papier an; und ob man zwar diesem Uebel dadurch abhelfen kann, wenn man bey der Abstraction des Solventis mit dem Feuer etwas länger anhält, um alles überflüssige Acidum fort zu jagen, weil das Farbewesen des Kobaltes, als die Basis dieser Tinte nicht mehr Acidum satis bey sich behält, als es zu saturiren im Stande ist, so ist doch diese Arbeit deswegen mißlich, weil bey dem mehr verstärkten Feuer entweder die Retorten gern springen, oder doch die zurück bleibende Masse nicht schön egal wird. Doch muß ich gestehen, daß ich allerdings bey meinen angestellten Versuchen öfters, und zwar mit Fleiß, diese Proportion deswegen nicht so genau observirt habe, weil ich bemerkt habe, daß bey gewissen Solutionen eine etwas stärkere, bisweilen auch schwächere Quantität des Koch-Salzes nöthig ist.
Zweytens haben die meisten vorgegeben, es müsse diese Tinte roth aussehen. Gesner hat diesen Fehler bereits eingesehen, und besonders von dem Flötz-Kobalte, welcher vor 20 Jahren zu Gollwitz bey Rothenburg in der Grafschaft Mansfeld brach, und der daraus verfertigten symph. Tinte angemerkt, daß solche nicht roth, sondern grün, aussche; und ich werde bald zeigen, daß auch noch andre Sorten Kobalte dergleichen Farben hervor bringen.
Drittens hat Gesner zwar durch viele Versuche gezeigt, daß ein im Salpeter-Sauren aufgelöseter Kobalt, wenn er mit einer saturirten Lauge von alkalischem Salze niedergeschlagen werde, ein röthliches zartes Pulver fallen lasse, welches auch der Wahrheit gemäß ist, gleichwohl aber auch seine Ausnahmen leidet. Um diese Sache deutlich zu machen, theile ich hier einige Versuche mit, welche ich mit verschiedenen Kobalt-Arten und dem Salpeter-Sauren, auch der Präcipitation des Farbewesens aus denselben mit einer alkalischen Lauge angestellt habe.
Zum voraus aber erinnere ich: 1. daß ich die Kobalte so roh und ungeröstet genommen, wie ich sie als Stufwerk meistentheils selbst gesammelt, theils von verschiedenen Kennern dieses Minerals, als: Hrn. Hofr. Gesner in Stuttgardt, und Hrn. Marggraf in Berlin erhalten habe; folglich sind diese Versuche als Stuf-Proben anzusehen. 2. Habe ich mein dabey gebrauchtes Scheide-Wasser gehörig mit seinem Capell-Silber gefället, und nachgeschehener Filtration alsdann nochmahls herüber aus einer gläsernen Retorte destilliert, wie ich denn auch die andern Acida so rein, wie möglich, dazu genommen habe. 3. Habe ich, statt eines gemeinen Alkali von Pottasche, allezeit ein, so viel möglich, reines Weinstein-Salz und das daraus geflossene Weinsteinsalz-Dehl genommen. 4. Meine Sande, deren ich mich zu Verfertigung des blauen Glases bedient habe, sind reine Quarze oder freyenwalder reiner weißer Sand, gewesen, welche ich beyderseits so oft geglühet, und in reinem destilliertem Wasser abgelöscht habe, bis sich solche zu einem zarten Mehl im gläsernen Mörser reiben liessen, wobey ich alle diejenigen Kiesel und Quarze weggethan habe, welche nicht bey dem Durchglühen ihre reine weiße Farbe behielten. 5. Habe ich hier nichts mit den eigentlich zur höhern chemischen Untersuchung gehörigen Wahrnehmungen zu thun, weil jetzt bloß die Rede davon ist, wie die Kobalte auf Farbe probiert werden sollen. 6. Ist als eine Grund-Wahrheit voraus zu wissen, daß je höher roth oder rothbraun diese Solutionen ausfallen, desto reicher ist ein solcher Kobalt an Farbe-Theilen, diejenigen wenigen ausgenommen, welche grün in der Solution und Präcipitation ausfallen. 7. Agiren nicht alle Menstrua acida egal in alle Arten von Kobalten. Die gemachten Versuche selbst sind folgende.
Erster Versuch. Ich nahm vom gelben alpirspächer Kobalt, aus dem Würtemberg., mit rothem Beschlag, Kalk-Spath und schwarzen Horn-Stein 1 Loth, machte es zu zartem Pulver, trug es nach und nach in 4 Loth Scheide-Wasser und ließ es in gelinder Wärme solviren. Es blieben 4 Scrupel unaufgelöset. Ob ich gleich noch einige Tropfen Scheide-Wasser nachgoß, so wollte sich doch nichts mehr auflösen. Ich filtrirte daher meine Solution, und goß sie in eine kleine gläserne Retorte, auf 2 Quent und 2 Scr. Koch-Salz; sogleich ward dieses Gemenge dunkelroth. Ich trieb mit gehörigem Grad des Feuers mein Aquafort, welches wegen des Koch-Salzes zum Aqua regis geworden war, herüber, und es ließ mir ein Magma von der schönsten saftgrünen Couleur, welches, nachdem alle Feuchtigkeit vollends verraucht war, ein schönes rosenrothes Nitrum cubicum gab; und als ich es mit destilliertem Wasser solvirte, ein vortreffliches hochrothes Atramentum sympatheticum darstellte; es präcipitirte sich auch sehr wenig von einem weißen Kalke, zum Zeichen, daß dieser Kobalt sehr wenig Wißmuth enthalte, als woher dieser weiße Kalk größten Theils zu kommen pflegt, auch daher nach geschehener Absüssung desselben, und Trocknung mit einem Phlogiston, so wie andre metallische Kalke reducirt werden kann. Die nach der Solution im Filtrum gebliebene unaufgelösete Erde gab kein blaues Glas, wenigstens war solches höchst blaß und dumm.
Zweyter Versuch. Ein Loth roth, blau und grün beschlagener Kobalt mit eingesprengtem Kupfer-Nickel von Gollwitz, bey Rothenburg in der Grafschaft Mansfeld, solvirte sich in 2¾ Loth Scheide-Wasser, doch blieben 2¾ Quent unaufgelöset, welche durch Schmelzen eine kupferige Speise gaben. Nachdem ich auf vorbeschriebene Art 1 Quent Küchen-Salz zugesetzt hatte und es destillierte, setzte sich anfangs ein grüner Cremor auf dem Magma; das daher zuletzt entstandene Nitrum cubicum sahe grün aus, ward auch nach geschehener Erkaltung nicht roth, und gab mit destillirtem Wasser eine olivengrüne symphath. Tinte, wovon die Schrift an der Wärme schön grün ward.
Dritter Versuch. Ein halb Loth in Kalk- und Horn-Stein zart eingesprengter Kobalt mit rothem Beschlage, von der frischen Lutter zu Lauterberg, in 1½ Loth Scheide-Wasser, solvirte sich mit starkem Schäumen. Das Rückständige wog 1½ Quent. Die Solution sahe roth aus, wurde aber mit 2 Scr. Küchen-Salz olivenfarbig. Nach der Destillation sahe das Nitrum cubicum blaßgrünlich aus, und da es solvirt war, war es violett, und gab eine grasgrüne symphath. Tinte.
Vierter Versuch. Zwey Quent derber, drussiger Kobalt, von Theuerdank zu St. Andreasberg, mit 2 Loth Aquafort, brausete stark, lösete sich schnell auf, und ließ 1 Qu. 1 Scr. unaufgelöset. Die Solution sahe grünlich aus; als sie aber mit 1 Quent Küchen-Salz melirt wurde, ward sie häßlich braun, das Aqua regis ging sehr langsam über die Retorte, und es saß auf dem Magma beständig ein eladongrüner dichter Cremor. Das Nitrum cubicum davon gab eine blaßröthliche Solution, und schöne sympath. Tinte.
Fünfter Versuch. Ein halb Loth grauer, eingesprengter Kobalt in grauem Sand-Gebirge mit rothem Beschlag, von den Flötz-Wechseln an der Langenwand bey Wiegersdorf, nicht weit von Ilefeld, in der Grafschaft Hohenstein, mit 1½ Loth Scheide-Wasser, gab eine rothe Solution, es blieben aber 1¾ Quent unaufgelöset. Mit 2 Scr. Küchen-Salz wurde diese Solution bräunlich. Das Nitrum cubicum sahe gelb aus, und gab eine blasse sympath. Tinte.
Sechster Versuch. Ein Loth eines schwarzen, festen, pechigen Kobaltes, eben daher, mit 2 Loth Aquafort solvirt, ließ 2½ Quent unaufgelöset liegen. Die braune Solution, mit 1 Quent Küchen-Salz vermischt, gab ein papagengrünes Nitrum cubicum. Die sympath. Tinte sahe blaßröthlich aus, und schrieb papagengrün.
Siebenter Versuch. Stahlderber Farben-Kobalt mit Wißmuth von Kupferberg in Schlesien, ½ Loth mit 1½ Loth Scheide-Wasser, solvirte sich ganz, und sahe sehr schön roth aus. Mit ½ Loth Küchen-Salz gab sie ein grünes Nitrum cubicum, und eine schön rothe sympath. Tinte, welche an der Wärme schön grün ward.
Achter Versuch. Farben-Kobalt mit sehr viel Wißmuth, von Anna und Daniel zu Schneeberg in Sachsen, 1 Loth, mit 3 Loth Aquafort, gab eine braunrothe Solution, und solvirte sich ganz. Mit 1 Loth Küchen-Salz gab die Solution ein röthliches Nitrum cubicum, die sympath. Tinte sahe blaßroth aus, und schrieb blaßgrün. Hieraus sieht man, daß die so genannte Minera Wismuthi nicht der Grund von der Sympath-Tinte, wie man vor Zeiten geglaubt hat; denn als ich stahlreine so genannte Mineram Wismuthi auf eben die Art tractirte, erhielt ich gar keine sympath. Tinte.
Neunter Versuch. Ein halb Loth stahlderber und reiner Farben-Kobalt von St. Joachimsthal in Böheim, solvirte sich ganz in 1½ Loth Aquafort, sahe gelbgrün aus, und gab mit ½ Loth Küchen-Salz ein sehr schön grünes Nitrum cubicum, dessen Solution grün aussahe und schön grün schrieb. Hierbey muß ich überhaupt erinnern, daß die meisten eigentlich so genannten Schlacken-Kobalte eine grüne Solution geben.
Zehnter Versuch. Zwey Quent Kobalt aus Tyrol, welcher derb und stahlrein war, solvirte sich mit 1 Loth Aquafort ganz, bis auf einige Gran, und zwar mit größter Erhitzung. Mit ½ Loth Küchen-Salz wurde die Solution grün. Eben diese Farbe hatte auch das daraus erhaltene Nitrum cubicum, welches eine schöne sympath. Tinte gab.
Eilfter Versuch. Schwarzer Kobalt von Prinz Ernst Friedrich Fund-Grube, im Saalfeld. am Rothenberge, 1 Loth mit 4 L. Aquafort, solvirte sich mit Heftigkeit, doch nur 1 Quent. Die filtrirte Solution sahe braunröthlich aus. Mit 1 Quent Küchen-Salz ward sie gelblich. Das Nitrum cubicum sahe sehr schön grün aus, und da ich es mit destilliertem Wasser solvirte, ward es braunröthlich, und alsdann präcipitirte sich ein lockeres braunes Pulver. Diese Tinte schrieb ganz artig grün.
Zwölfter Versuch. Ein halb Loth blanker, derber Kobalt von Riegelsdorf, in Hessen, mit 1½ Loth Aquafort, solvirte sich stark, aber nur 1 Quent. Die Solution sahe röthlich aus. Mit 1. Quent Küchen-Salz gab sie ein röthliches Nitrum cubicum, und eine blaßröthliche sympath. Tinte, welche auch sehr blaßgrün schrieb.
Dreyzehnter Versuch. Ich nahm auf eben diese Art 1 Loth stahlderben, so genannten blauen Schlacken-Kobalt von der Gesellschaft zu Schneeberg, und that solchen in 4 Loth Acidum nitri. Allein, es griff sehr wenig an, ob ich es gleich in eine starke Digestion in heißen Sand setzte; als es nun gar nicht mehr solviren wollte, filtrirte ich diese Solution, welche olivenfarbig war, und goß noch 2 Loth des Salpeter-Sauren auf diesen unaufgelöseten Kobalt; allein, es wollte nicht mehr angreifen. Ein Theil dieser Solution mit der gehörigen Quantität von Küchen-Salz versetzt, und in gehöriger Digestion evaporirt, ward schön grün, welche Farbe auch das Nitrum cubicum, so lange es warm war, behielt. Nach dem Erkalten war es weißlich. Mit destilliertem Wasser solvirt, gab es eine artige seladongrüne sympath. Tinte, welche aber etwas blaß schrieb; die Tinte selbst an und vor sich, war von Oliven-Farbe. Die Ursache davon ist, weil diese Art von Schlacken-Kobalt viel Arsenik und Speise gibt, welche letztere, ehe sie nicht in regulinischer Gestalt dargestellt ist, sehr wenig von dem Aquafort angegriffen wird. Als ich diese Solution 8 Tage in einem zugedeckten Glase in einem kühlen Zimmer stehen ließ, setzte sich oben eine ziemliche Menge Arseniks-Krystallen.
Vierzehnter Versuch. Als ich von eben diesem Kobalte 1 Loth mit 3 Loth Spiritus salis vermischte, solvirte es sich auch in ziemlich starker Digestion sehr schwach; die Solution sahe grüngelblich aus, und gab nach der Evaporation gelbliche Krystallen, welche nach geschehener Auflösung in destilliertem Wasser ein weißliches Pulver fallen liessen. Das oben aufstehende klare Solutum sahe grüngelblich aus, und schrieb etwas blaß seladon, wie alle Kobalte, welche sehr arsenikalisch sind, zu thun pflegen. Indessen hatte auch das Acidum salis nicht alles gehörig solvirt, denn das Ueberbleibsel sahe noch sehr schwarz aus, wovon die Ursache im vorhergeh. Versuche bereits angeführt worden ist, und wovon wir auch in der Folge noch mehr Beyspiele sehen werden.
Fünfzehnter Versuch. Ich nahm 1 Loth von dem so genannten schwarzen Horn- oder kirren Kobalt, vom sosauer Glück am Dürrenberge bey Schneeberg, uncalcinirt, und goß 3 Loth Acidum nitri darauf, allein es griff sehr langsam und nur in ziemlich starkem Digestir-Feuer an; die Solution sahe bräunlich aus, und gab mit der gehörigen Quantität Küchen-Salz, nach geschehener Evaporation bis zur Trockne, schöne rosenrothe Krystallen, und eine schöne sympath. Tinte. Gleichwohl sahe ich, daß dieses Acidum auch nicht alles Farbewesen daraus extrahirt hatte. Ich nahm also frischen dergleichen Kobalt, goß Kochsalz-Saures darauf, und setzte es in Digestion; allein auch dieses extrahirte nicht alles Farbewesen, so wenig als ich solches durch Acidum vitrioli zu bewirken im Stande war. Ich sahe auch die Ursache davon wohl ein; denn da hier das Farbewesen so innig mit dem festen Horne-Steine verbunden war, so war es unmöglich, daß diese Acida gehörig eingreifen konnten. Ich nahm daher 4 Loth dieses Kobaltes, stieß solchen so fein als möglich, setzte ihn mit vier großen Treibe-Scherben unter die Muffel, ließ ihn 2 Stunden durchglühen, und löschte ihn in destill. Wasser ab. Dieses Durchglühen und Ablöschen wiederhohlte ich vier Mahl. Hierauf rieb ich mein Probier-Mehl nochmahls, und brachte in gehöriger Ordnung die vorbesagten Acida wieder daran, welche denn auch weit stärker angriffen, und, nach vollendeter Extraction, nichts als eine weißgraue Erde zurück liessen. Sowohl die Extraction mit Acido nitri, als auch die mit Acido salis gemachte, gaben eine hoch olivenfarbene Solution, und eine schöne olivenfarbene sympath. Tinte. Diese Vorsicht mit Calcinirung des Kobaltes ist nicht allein bey dieser Art nöthig, sondern auch bey allen denen, welche mit festem Gestein verbunden sind, wenn man anders reinliche Proben damit anstellen will, z. B. mit dem in Spath eingeslossenen Spiegel-Kobalte &c. Ja selbst die mit Fluß-Spath melirten Kobalte müssen auf diese Art bearbeitet werden, wofern man das damit verbunndene Farbewesen rein heraus bringen will, weil die sauern Auflösungs-Mittel dieses Sal medium terreum nicht angreifen.
Sechzehnter Versuch. Ich nahm 1 Loth derben Kobalt von der Gesellschaft zu Schneeberg, und zwar von derjenigen Art, welche in frischem Bruche hin und wieder strahlicht, fast wie kleinstrahlichte Magnesia, aussieht, ausserdem mit Wißmuth durchflossen ist, und zum Sahlbande einen bräunlichen Horn-Stein hat, stieß solchen klar, und extrahirte sowohl mit Acido nitri, als auch salis, das Farbewesen. Die Solution sahe schön grün aus, und gab eine schöne sympath. Tinte.
Siebenzehnter Versuch. Ich nahm von eben diesem Kobalte 2 Unzen, stieß ihn mäßig fein, setzte ihn in einem wohl verlutirten Tiegel in den Wind-Ofen, gab gehöriges Feuer, und seigerte also den Wißmuth davon, welcher sich, als ich den Tiegel heraus nahm, und einige Mahl daran klopfte, unten auf dem Boden des Tiegels setzte. Nachdem ich alles hatte erkalten lassen, schlug ich den unten sitzenden Wißmuth ab, und stieß diese Graupen noch einmahl ganz fein. Von diesem Probe-Mehle nahm ich ½ Loth, und extrahirte mit 3 Loth Acidi nitri alles Farbewesen. Dieses Acidum griff sogleich mit Heftigkeit an, und die Solution ward grün, gab nach der Evaporation in der Verbindung mit Sale communi grüne Krystallen, und diese eine schöne sympath. Tinte.
Ich habe eben dergleichen mit verschiedenen Wißmuth-Graupen von andern Zechen versucht, und gefunden, daß sich solche eben auf diese Art untersuchen lassen, und sich, nach Proportion, bald mit grünen, bald braunen, bald rothen Solutionen erweisen.
Achtzehnter Versuch. Ich nahm 1 Unze mit Kobalte-Blüthe und Kupfer-Grün, über und über, durch und durch durchflossenen und beschlagenen Letten, von Gollwitz bey Rothenburg, im Mansfeldischen, lösete ihn in Acido nitri auf, und erhielt eine blaßröthliche Solution, welche mit Sale communi ein blaßröthliches Nitrum cubicum, und diese hernach eine blasse symp. Tinte gaben.“
Diese Versuche zeigen, daß es eine Haupt-Eigenschaft der meisten, ja aller Arten von Kobalten bleibe, daß sie, mit einigen Acidis aufgelöset, und mit dem Kochsalz-Sauren verbunden, ein Nitrum cubicum, oder, wenn es bloß in Acido salis solvirt wird, durch die Evaporation ein solches besonderes Salz geben müssen, welches, mit Wasser aufgelöset, die sympathetische Tinte darstellt; und man hat sich an die Farbe dieser Krystallen, oder ihrer Tinte, nicht zu kehren, genug wenn solche nur an der Wärme auf dem Papiere eine grüne Farbe zeigt. Je höher und saturirter nun diese Farbe ausfällt, desto reicher ist der Kobalt, aus welchem solche gemacht sind, an Farbe-Theilen, und es kann also diese Bearbeitung des Kobaltes mit sauern Geistern, gewiß als eine der hauptsächlichsten Proben desselben dienen. Ebendaher lässet sich auch aus der bereits verfertigten sympath. Tinte das Farbewesen mit Alcali fixo präcipitiren, theil durch Abstrahiren absondern.
Je mehr hingegen die Kobalte arsenikalisch sind, je blaßgrüner fällt, bereits erwähnter Maßen, die sympath. Tinte aus; ja, von wirklichen Arsenikal-Kiesen entsteht zwar auch, auf vorbeschriebene Bearbeitung, ein Nitrum cubicum, welches aber mit destilliertem Wasser eine ganz gelbe sympath. Tinte gibt.
Hr. Lehmann beschreibt seine deshalb angestellte Versuche folgender Maßen.
„Erster Versuch. Ein Loth derber Kupfer-Nickel, von Gollwitz bey Rothenburg, in der Grafschaft Mansfeld, solvirte sich in 3 Loth Scheide-Wasser ganz und gar; die Solution sahe grün aus, und wurde mit 1 Loth Koch-Salz den Augenblick grasgrün. Das Nitrum cubicum davon sahe gelbgrün aus, und die spmpath. Tinte davon schrieb ganz blaßgrün, ja fast ganz gelb.
Zweyter Versuch. Schwarzer, reicher, silberhaltiger, stark arsenikalischer Kobalt, von Biber in der Grafschaft Hanau, ½ Loth, mit 2½ L. Scheide-Wasser, solvirte sich geschwinde und mit großer Heftigkeit, lösete aber nur 1 Scrupel auf. Diese Solution sahe fahl aus, und gab mit 2 Scr. Koch-Salz ein grüngelbes Nitrum cubicum, woraus eine grasgrüne Tinte entstand, welche an der Wärme ganz gelb ward und größtentheils wieder verging.
Dritter Versuch. Zwey Loth grauer Kobalt in grauem Sand-Stein eingesprengt, mit rothem Beschlag und vielem eingesprengten Mispickel, von dem langen Wander Flötz-Wechsel bey Wiegersdorf, nicht weit von Ilefeld in der Grafschaft Hohenstein, solvirte sich in 6 Loth Scheide-Wasser ziemlich schwer, in gelinder Wärme aber noch so ziemlich; doch blieb 1 Loth 1 Qu. unaufgelöset. Die Solution sahe grün aus, und gab mit 3 Qu. Koch-Salz ein papagengrünes Nitrum cubicum, welches solvirt graugrün aussahe, und schön gelb schrieb.
Vierter Versuch. Derber, weißer Arsenik-Kies, vom Reichentroste Ifraels zu Bergreichenstein im Fürstenthume Münsterberg in Schlesien, woraus daselbst Arsenik gemacht wird, 1 Loth, solvirte sich mit 3½ L. Scheide-Wasser ganz gewaltig und mit vielen häßlich stinkenden Dämpfen. Die Solution sahe hochgelb aus, und es blieben an 3 Quent unaufgelöset liegen. Mit 1 Qu. Koch-Salz ward diese Solution orangegelb. Das Magma ließ das Königs-Wasser schwer von sich. Das Nitrum cubicum sahe orangegelb aus; solvirt war es gelb, schrieb aber ganz blaßgelb.
Fünfter Versuch. Derber Arsenik-Kies von Meves-Berge bey Bergreichenstein, ½ Loth, und Aquafort 5 Quent, solvirte aber nur 2 Scr. mit starker Erhitzung, Aufsteigen und erstickenden Dämpfen. Die Solution sahe grau aus, wurde aber mit 1 Qu. Koch-Salz gleich gelbbraun. Bey dem Herübertreiben des Königs-Wassers setzte sich oben ein dichter Cremor, so daß kaum der saure Geist aussteigen konnte. Das Nitrum cubicum sahe gelb aus, gab eine grünliche Solution, und schrieb sehr blaßgelb.“
Man sieht hieraus: je arsenikalischer die Kobalte sind, desto mehr fällt die davon verfertigte sympath. Tinte in das Gelbe. Denn alle die hier untersuchten 5 Kobalte sind wahre Arsenikal-Erze; No. 2 aber gehört eigentlich unter die reine arsenikalische Silber-Schwärze.
Eben so verhält sich auch, in Ansehung des Auflösens, das bereits fertige Königs-Wasser gegen den Kobalt, so daß hierbey nichts besonders anzumerken ist.
Von der aus dem Kobalt-Erze gezogenensympathetischen Tinte lässet sich auch folgender artiger Gebrauch machen. Man nehme einige nur leicht gestochene oder wenig schattierte Kupfer-Stiche, und illuminire sie in gewissen Theilen mit dem rosenfarbigen Liquor. Wenn das Papier im Kalten trocken wird, behält es kein deutliches Merkmahl von dieser Farbe; so bald man es aber mittels mäßig warm macht, erscheint die Zeichnung, überall worüber der Pinsel gegangen ist, in einem schönen Blaugrün. Das Kleid eines Cavaliers, der Rock einer Dame, ein Blumen-Strauß &c. die auf einem Kamin-Schirme gezeichnet sind, werden vor den Augen einer Person, die bey dem Feuer sitzt, eine Farbe annehmen. Dieses kleine Kunststück wird eine noch angenehmere Wirkung hervor bringen, wenn man die sympath. Tinte in den Stand setzt, zwey andere verschiedene Farben dergleichen Illuminationen zu machen; und dieses kann man auf folgende Art bewerkstelligen.
Wenn man das Kobalt-Erz in Scheide-Wasser aufgelöset hat, kann man, statt des See-Salzes, eine gleiche Quantität dieses wohl gereinigten Salpeters dazu thun, und den Liquor ausdunsten lassen. Die Salz-Masse wird, wenn sie trocknet, eine Purpur-Farbe annehmen, welche weiß wird, sobald man Wasser darauf gießt, um sie zergehen zu lassen. Dieses Wasser aber wird eine rosenrothe Farbe bekommen, welche verschwindet, indem sie auf dem Papiere trocken wird, und welche sich wieder sehen lässet, wenn sie zum Feuer kommt.
Hier ist noch eine andere Farbe, womit man seine Zeichnungen ausschmücken kann. In die durch Scheide-Wasser gemachte Solution des Kobalt-Erzes werfe man nach und nach, damit nicht etwa eine allzu große Gährung geschehe, Weinstein-Salz, bis sich in dem Liquor keine Bewegung mehr spüren lässet. Man trockne diese Vermischung durch die Ausdünstung, so bekommt man ein Salz, welches eine schöne Purpur-Farbe hat, so lange es warm ist. Wenn es wieder kalt ist, wird es blaß; wenn man es aber in Wasser auflöset, gibt es eine Incarnat-Farbe auf dem Papiere, welche verschwindet, wenn sie trocken geworden ist, und sich wieder sehen lässet, sobald man sie warm macht. Wenn man den Ort, wo man diesen Liquor hinbringen will, ein wenig mit Wasser-Bley reibt, so wird sie, statt der rothen Leib-Farbe, eine Schattierung zwischen Roth und Violett geben, die man gemeiniglich Tauben-Hals nennt.
Wenn man das Kobalt-Erz auf diese Art mit dem See-Salze, mit dem Salpeter und mit dem Weinstein-Salze zubereitet, bekommt man drey Liquores, welche die Eigenschaft haben werden, zu verschwinden und wieder zu erscheinen, und welche bey der Ausmahlung vier verschiedene Farben annehmen werden.
Nach Gesner’s Erfahrung, lässet der Farben-Kobalt, mit Mercurio sublimato tractirt, in der Retorte ein Pulver zurück, welches anfangs gelb ist, in kurzer Zeit aber roth beschlägt, welche Röthe sich mit warmem Wasser rein abwaschen lasset, da denn in diesem rothen Beschlag fast alles Farbewesen des Kobaltes steckt, so, daß das Ueberbleibsel das Glas nicht mehr blau färbt. Lehmann erinnert hierbey, daß er eben dergleichen aus der Vermischung des Farben-Kobaltes mit Butyro antimonii, wie auch aus der Vermischung desselben mit Spiritu fumante Cassii, erhalten habe, gesteht aber, daß der oben angeführte schwarze Kobalt auch in diesem Stücke sich ganz anders verhalte. Man sieht also, daß der Grund dieser Erscheinung in einem Acido salis concentrato stecke, welches sich in dem Sublimate sowohl, als auch im Butyro antim. und Spir. fum. Cassii, reichlich befindet.
b) Kobalt im nassen Wege durch die Darstellung des abgesonderten und concentrirten Farbewesens zu probieren. Ich habe kurz vorher angeführt, daß durch das concentrirte Kochsalz-Sauer der färbende Theil des Kobaltes so rein ausgezogen werden könne, daß das Uebrige kein blaues Glas mehr gibt. Dunstet man das mit Wasser ausgezogene rothe Pulver ab, welches dem Wasser die Farbe gibt, und süßt es mit destilliertem Wasser aus, so hat man, nach dem Trocknen, das Farbewesen rein und concentrirt. Am deutlichsten aber stellt sich das Farbewesen dar, wenn man, nach Gesner’s Anweisung, die Kobalt-Solutionen mit Alkali niederschlägt. Man löset nähmlich eine gewisse Quantität, z. B. 4 Probier-Centner, Kobalt, die vom Wißmuth, der sich bey der Präcipitation des Farbewesens mit niederschlägt, befreyet worden ist, in reinem Acido nitri auf, filtrirt die Solution, und spühlt das Ueberbleibsel mit Wasser ab. In die mit diesem Wasser vermischte Solution tröpfelt man so lange eine starke Lauge von Pottasche, oder Oleo tartari per deliquium, als sich ein rothes Pulver niederschlägt. Dieses Pulver süßt man ab, trocknet und wieget es. Dieses Präcipitat probiert man auf Blauglas, so hat man, wenn dieses Präcipitat das Glas blau färbt, das reine concentrirte Farbewesen von der aufgelöseten Centner-Zahl Kobalt, und man weiß, wie viel Farbewesen in einem Centner ist, das mit Wasser abgespühlte Ueberbleibsel der Solution aber färbt das Glas nicht mehr blau, wenn die Solution gut von Statten gegangen ist.
Es ist nicht zu läugnen, daß sich hierdurch auch der wenige zugleich aufgelösete Wißmuth mit niederschlägt, doch kann derselbe, wenn man es verlangt, durch gehörige Handgriffe davon geschieden werden. Will man aber dieses nicht thun, so kommt es bloß auf einige sorgfältige Beobachtungen bey der Vitrification dergleichen Farbewesens an, damit man die etwa reducirten Wißmuth-Körner besonders sammle. Hr. L. erläutert dieses mit folgenden Versuchen, weil er wahrgenommen hat, daß auch hier, nach Beschaffenheit der Kobalte, einiger Unterschied ist, und das niedergeschlagene Pulver nicht allezeit roth aussieht.
„Erster Versuch. Ich nahm 2 Loth derben Farben-Kobalt mit sehr wenig Wißmuth, von der Catharina Fundgrube zu Schneeberg in Sachsen, und lösete solche in 8 L. Acidum nitri auf, so daß nur 1 Qu. quarziger Kand, unaufgelöset blieben. Diese Solution präcipitirte ich, nachdem sie filtrirt war, mit ol. tart. p. del., so, daß ich der Solution nach und nach 8 Unzen zugoß. Hiernach brauseten beyde mit einander, und es schlug sich ein grisdelinfarbiges zartes Pulver nieder, welches nach der Filtration, Edulcoration und Trocknung, 1 f. 1 Qu. 18 Gr. wog. Die Lauge gab, nach der Evaporation, ein Nitrum regeneratum.
Zweyter Versuch. Lauterberger Kobalt mit rothem Beschlag, in Horn-Stein eingesprengt, mit etwas Fahl-Kupfer-Erz, von der frischen Lutter daselbst, 2 Loth in 5 Loth Scheide-Wasser aufgelöset, gab eine grüne Solution. Diese, nachdem sie, filtrirt, mit ol. tart. p. del. präcipitirt wurde, schlug sich schön grün nieder; das Präcipitat sahe vortrefflich grün aus, behielt auch diese Farbe nach geschehener Absüssung und Trocknung, und wog 2 Qu. 8 Gr. Daß auch dieses Pulver ein concentrirtes Farbewesen des Kobaltes, doch mit Kupfer vermischt, sey, werden wir bey den Proben im Feuer sehen. Das Ueberbleibsel sahe zwar auch blaßgrünlich aus, gab aber ein sehr schlechtes braunes Glas mit einigen Speise-Körnern.
Dritter Versuch. Farben-Kobalt mit Kupfer-Nickel und rothem Beschlag, von Gollwitz bey Rothenburg, in der Grafschaft Mansfeld, 1 Loth in 6 L. Acidi nitri aufgelöset, die Solution filtrirt, und mit ol. tart. p. del. niedergeschlagen, gab ein gris de lin, fast in das Violette spielendes, Präcipitat, welches nach der Absüssung und Trocknung 2 Qu. 5 Gr. wog.
Vierter Versuch. Schwarzer mulmiger Kobalt von der Prinz Ernst Friedrich Fund-Grube bey Saalfeld, 1 Loth, in 4 L. Scheide-Wasser solvirt, und mit ol. tart. p. del. niedergeschlagen, gab ein graugelbliches Präcipitat, doch in geringer Quantität, und kaum 15 Gran.“
Ich will noch einige dergleichen Präcipitationen des in Acido nitri aufgelöseten Kobaltes anführen. Der Kobalt von Riegelsdorf in Hessen, schlug sich schön gris de lin nieder. Der tyrolische gab ein blaßgrünes Präcipitat. Der St. joachimsthalaer fiel perlarben nieder. Der kupferberger aus Schlesien zeigte das schönste Rosenroth. Der größtentheils wißmuthische Kobalt von Anna und Daniel zu Schneeberg, ließ ein sehr blaßgelbliches Pulver fallen, so wie dergleichen der Kobalt von Rappold zu Schneeberg auch that. Sachswerfner Kobalt (s. oben, bey Verfertigung der symp. Tinte, den 6ten Versuch) schlug sich orangegelb nieder. Sachswerfner (f. a. ang. D. den 5ten Versuch) gab ein schönes rubinrothes Präcipitat. St. Andreasberger Kobalt, drusig und derb von Theuerdank, schlug sich vortrefflich roth nieder. In Kalk-Gebirge eingesprengter Kobalt mit rothem Beschlag, von der fr. Lutter zu Lauterberg, doch ohne Kupfer-Erz und Kies, schlug sich ganz violett, ja fast pur-himmelblau, nieder. Alpirspacher gelber Kobalt aus Würtemberg, schlug sich hoch violett nieder. Auf eben die Art lässet sich das aufgelösete Farbewesen auch aus der Solution mit Acido salis, Acido formicarum, Acido vitrioli, Aceto &c. präcipitiren.“
Sobald man diese nasse Proben wirklich im Großen anwenden will, verfahre man folgender Maßen. Man nehme von jeder Sorte der zum Farben-Werke gelieferten Kobalte, nachdem solche gehörig gepocht, und bis zum Calciniren aufbereitet ist, und zwar nach Art der Probierer, aus allen 4 Ecken des Haufwerkes sowohl, als auch aus dessen Mitte, ungefähr 8 Loth in einen Berg-Trog, mische solche wohl unter einander, und verjünge die Proben, indem man wieder aus allen 4 Ecken und der Mitte dieser gemischten Probe ungefähr von jedem 1 Loth nimmt, dieses nochmahls wohl vermischt, hernach nach Belieben 1 Probier-Centner, oder mehr davon, in ein reines Zucker-Gläschen gethan, und nach und nach so viel Acidum nitri, als nöthig ist, alles zu solviren, darauf gegossen, und diese Solution sauber filtrirt, was sich nicht solviren will, mit reinem Wasser abgespühlt, apart gethan, abgesüßt, gewogen und probiert hat: so wird man gemeiniglich wahrnehmen, daß solches kein blaues, wenigstens nur sehr blasses, Glas geben wird. Die Solution wird mit dem Wasser vermischt, womit man das Ueberbleibsel abgespühlt hat, hernach mit ol. tart. per deliqu. präcipitirt, filtrirt, abgesüßt, getrocknet, gewogen, und sodann auf Glas probiert. Durch diese, zwar etwas mühsame, Probe wird man gründlich belehrt: 1. wie viel Farbewesen wirklich im Centner Kobalt stecke; 2. wie viel also derselbe Sand zu tingiren vermögend sey; 3. wie hoch die Farbe ausfalle; 4. wie viel man, wenn er reich und hoch an Farbe-Theilen ist, geringere Kobalte zusetzen könne; und 5. wie viel derselbe, wenn er geringe ist, gute Kobalte brauche, um damit durchzukommen, und gute Farbe zu geben. Hierdurch kommt man dann auch in den Stand, gewiß zu sagen, wie viel der Centner davon werth seyn, und wie hoch derselbe, nach Abzug aller Unkosten, genutzt werden könne. Man muß hierbey nicht müde werden, seine Versuche mehr als ein Mahl zu wiederhohlen, und sie auf verschiedene Art anzustellen, alle Acida so rein als möglich dazu zu nehmen, solche anfangs, wie sie an und vor sich sind, zu adhibiren, hernach, wenn es die Noth erfordert, mit destilliertem Wasser zu diluiren, welches hauptsächlich bey dem Oleo vitrioli nöthig ist. Will man allenfalls noch weiter gehen, so versuche man sie auch mit Laugen von Mittel-Salzen, u. s. w.
2. Was das Probieren der Kobalte durch Zusammensetzen, und zwar im trocknen Wege und durch das Feuer, betrifft, so kommt es dabey bloß auf einen guten Wind- oder Probier-Ofen, oder, in deren Ermangelung, auf eine gute Schmiede-Esse, an. Das übrige Geräth kommt mit dem andern Probier-Geräthe überein, als: Probier-Scherben, Düten, Zangen &c.
Bey den Proben im Probier-Ofen, wird dieser, wie bey allen Proben, gehörig gefeuert, und indessen der zu probierende Kobalt in einer eisernen Schale fein gerieben, oder in einem eisernen Mörser fein gestoßen, und durch ein zartes Haar-Sieb gesiebet. Wenn alles fein durchgestäubt ist, werden 2 Probier-Centner, oder, nach gemeinem Gewichte 2 Quent, abgewogen, in einen Probier-Scherben gethan, in den bereits glühenden Probier-Ofen gesetzt, und beständig mit einem saubern eisernen Rühr-Häkchen umgerührt, theils, damit er nicht zusammen backe, theils damit derselbe durch und durch egal röste. Bey dieser Arbeit wird der Arsenik fortgejaget, welchen man nicht allein merklich riecht, sondern auch als ein weißes Mehl an dem Rühr-Haken hängen sieht. Mit dieser Arbeit fährt man so lange fort, als man sieht, daß bey dem beständig in einerley Grad erhaltenen Feuer der Arsenik noch stark dampfet; daher wischt man fleißig das weiße Mehl von dem Rühr-Haken ab, bis man gewahr wird, daß der Arsenik sich nur sparsam daran anhängt. Alsdann hebt man den Probier-Scherben aus dem Ofen, und schüttet den gerösteten Kobalt in die eiserne Reibe-Schale, oder in einen reinen eisernen Mörser, und lässet ihn auskühlen, wobey auch sehr viel Arsenik fort geht, daher man mit der Nase nicht zu nahe kommen muß. Wenn es ausgekühlt ist, reibt man alles nochmahls fein, siebet es durch ein feines Haar-Sieb, und wieget, wie viel dem Kobalte bey dem Rösten abgegangen, welches als Gift-Mehl davon geflogen ist. Man sieht leicht, daß dieses fast bey allen Kobalten verschieden seyn müsse. Indessen ist es doch zur Kenntniß der Kobalte auf die große Schmelzung unumgänglich nöthig. Man muß auch diesen gerösteten Kobalt nicht warm reiben, weil 1) der davon gehende Arseniks-Dampf dem Probierer höchst schädlich seyn dürfte; 2) weil öfters der Kobalt nicht allein mit Wißmuth, sondern auch mit zart eingesprengtem Bleyglanz, vermischt ist, da es denn die gesunde Vernunft erfordert, daß man solche erst kalt und hart werden lasse, damit sie im Reiben sich nicht mit dem Kobalte vermischen, sondern in dem Haar-Siebe zurück bleiben.
Sollte der Kobalt allzu reich an Wißmuth seyn, so stößt man denselben klein, füllet damit einen Schmelz-Tiegel an, deckt diesen zu, und gibt um und um Feuer bis zum Dunkelglühen des Tiegels. Mit diesem Grade des Feuers continuirt man, bis man an dem Rühr-Häkchen, mit welchem man fleißig umrührt, gewahr wird, daß der Wißmuth aus seinem Erze geseigert ist, da man dann den Tiegel aushebt, und stark an solchen pocht, so setzt sich der Wißmuth unten zusammen, und das oben auf liegende sind alsdann Wißmuth-Graupen, welche man absondert, fein stößt, röstet, und wie andere Kobalte behandelt. Man kann auch das gestoßene Wißmuth-Erz mit schwarzem Flusse, und zwar 2 Theile Fluß zu 1 Th. Erz, im Tiegel vermischen, und mit schneller Hitze schmelzen, da man dann, wenn man den Tiegel heraus gehoben hat, einige Mahl stark an denselben pocht, und ihn hernach erkalten lässet, so findet man, nachdem man ihn zerschlagen hat, unten den Wißmuth-König, darüber die Wißmuth-Graupen, und ganz oben den dazu gebrauchten Fluß. Noch besser aber lassen sich solche Proben in einer geräumigen Düte machen, weil sich in derselben der König, besonders bey kleinen Quantitäten, besser zusammen setzt, an statt daß bey den Tiegel-Proben doch immer einige Körner hier und da hängen bleiben.
Nachdem nun also der Kobalt gehörig geröster, und von seinem Arsenik und Wißmuth geschieden worden ist, nimmt man einen ziemlich tiefen Probier-Scherben, welcher ungefähr 8 Centner halten kann, oder, in dessen Ermangelung, zwey kleinere. Man wieget hierauf von dem gerösteten und fein geriebenen Kobalte, 1 Ctn., von recht reinen, durch Glühen, Ablöschen und Reiben präparirten und geschlämmten Kieseln oder Sande 3 Ctn., und von einem reinen alkalischen Salze 2 bis 2½ Ctn. ab; am besten ist hierzu ein reines Weinstein-Salz. Man vermischt alles dieses in einem gläsernen Mörser auf das genaueste, und trägt es in die Probier-Scherben, setzt solche in den glühenden Probier-Ofen, und gibt nach und nach immer stärkeres Feuer, bis zum höchsten Grade. Wenn man sieht, daß es zu steigen anfängt, trägt man in die Muffel, in welcher der Probier-Scherben steht, kleine wohl glühende Kohlen, die nicht springen, so, daß der Probier-Scherben um und um damit umgeben seyn, bläset mit einem Hand-Balge noch überdies stark zu, rührt die Probe oft mit einem glühend gemachten Probier-Häkchen, bis man gewahr wird, daß das Glas schön blau, die Sande vollkommen geflossen, und das ganze Gemenge schön klar sey, welches man aus dem am Rühr-Häkchen hängenden Glase gewahr wird. Hierauf hebt man den Scherben heraus und lässet alles erkalten, schlägt es hernach heraus, oder kratzt es gleich, indem es noch weich ist, mit einem eisernen Spatel heraus, säubert es von allem daran hängenden Unrath, und verwahrt es zur Aufbereitung, wovon ich weiter unten sprechen werde.
Diese Probe im Probier-Ofen hat ihre große Vortheile und Vorzüge vor denen, die in dem Wind-Ofen, oder vor dem Gebläse gemacht werden, besonders darin, daß man genau wahrnehmen kann, wie der Kobalt sich im Schmelzen verhalte, ob er sich sehr aufblähe und steige; imgleichen, ob er leicht oder schwer fließe, welches man in den zugedeckten Düten vor dem Gebläse und im Wind-Ofen nicht sehen kann. Eine Sache, so geringe sie auch zu seyn scheint, doch bey Farbe-Werken von Wichtigkeit ist, weil man hieraus sieht, wie durch Zusetzung leichtflüssiger Kobalte die strengflüssigen corrigirt werden können, um desto öfter das Glas ausschöpfen zu können, folglich an der Feuerung etwas zu ersparen, und daß also mehr Glas, folglich auch mehr Farbe gemacht werden könne. Die einzige Ungemächlichkeit dabey ist diese, daß sich bey dieser Probe die Speise oder der regulinische Theil des Kobaltes nicht recht unten setzen will, sondern er bleibt zwischen dem Glase in einzelen Körnern sitzen; allein, eine so viel als möglich, behutsame Auslösung derselben kann auch dieser Sache abhelfen. Noch sicherer ist es, wenn man den Kobalt doppelt, nähmlich sowohl in dem Probier-Ofen, als auch vor dem Gebläse, untersucht.
Da die Beschickung desselben vor dem Gebläse, und in dem Wind-Ofen, einerley ist, so will ich beyde Arten zugleich anzeigen. Man calcinirt den Kobalt auf oben beschriebene Art, vermischt 1 Ctn. mit 3 Ctn. weißen zarten präparirten Sand, Quarz oder Kiesel-Steinen, und 2 Ctn. reinen alkalischen Salze, als: Pottasche oder Weinstein-Salz, schüttet alles wohl vermischt in eine Düte, wie man zu den Bley- Zinn- Kupfer- oder Eisen-Proben braucht, oder in einen ordinären hessischen Schmelz-Tiegel, deckt solche wohl zu, und setzt sie in den Wind-Ofen, oder, in dessen Ermangelung, in eine gemeine Schmiede-Esse, welche man vorher mit einigen Ziegel-Steinen, 2 Hände hoch, umgibt, um Kohlen hoch genug aufschütten zu können. Hierauf lässet man den Wind, nachdem man den Tiegel oder die Düte mit Kohlen bedeckt und solche angezündet hat, entweder durch den Zug des Wind-Ofens, oder vermittelst des Gebläses, hinzu, und lässet es 2 bis 3 Stunden in diesem Feuer stehen, nimmt es sodann heraus, und stößt damit 6 bis 8 Mahl gegen die Erde, doch so, daß die Gefäße nicht entzwey gehen, klopft auch wohl einige Mahl daran, damit die dabey befindliche Speise sich in einen König zusammen setze. Nachdem nun alles erkaltet ist, schlägt man die Gefäße entzwey, und scheidet das geflossene Glas von dem darunter sitzenden Speise-Könige. Man kann auf diese Art 3 bis 4 Proben auf ein Mahl einsetzen, und nach Abnehmung der Deckel zuweilen nach denselben sehen, auch mit Rühr-Häkchen umrühren. Auf eben diese Art verfährt man sowohl im Probier- und Wind-Ofen, als auch vor dem Gebläse mit dem aus dem Kobalte vermittelst des Alkali niedergeschlagenen Farbewesen, nur daß man dabey nicht nöthig hat, dieses zarte Präcipitat vorher zu rösten; auch darf man nur sehr wenig nehmen, um eine große Quantität Sand hoch zu färben; auch hat man vor einem guten und scharfen Gebläse nur 1 Stunde zu dieser Schmelzung nöthig. Es ist dieses auch desto vernünftiger, wenn man erwäget, daß dieses Präcipitat das in die Enge gebrachte Farbewesen aus Kobalt ist.
Hr. Lehmann erläutert dieses durch folgende Versuche.
„Erster Versuch. Ich nahm ¼ Loth zart präparirte, reine, weiße Kiesel, 1 Quent reines Weinstein-Salz, und 8 Gran zartes Farbewesen, welches ich auf die oben angeführte Art mit ol. tart. p. del. aus der in Aquafort gemachten Auflösung des gollwizer Kobaltes niedergeschlagen hatte. Ich vermischte alles sehr wohl, und setzte es in einem Probier-Scherben unter die Muffel in dem glühenden Probier-Ofen, und verfuhr, auf die oben angeführte Weise, so lange, bis ich an dem glühenden Probier-Häkchen, womit ich es zuweilen umrührte, ein zartes dunkelblaues wohl geflossenes Glas bemerkte, da ich es dann heraus hob, und, nachdem es erkaltet war, ein schönes durch und durch wohl geflossenes dunkelblaues Glas bekam, welches ich ausschlug und verwahrte. Hier hatten nun also 8 Gr. Präcipitat von Kobalt, 240 Gr. Sande und Weinstein-Salz, folglich 1 Theil 30 Theile zu schönem blauen Glase tingirt.
Zweyter Versuch. Ein halb Loth zart präparirte weiße Kiesel-Steine, 1 Qu. Weinstein-Salz, und 10 Gr. präcipitirtes Farbewesen aus dem im 5ten Vers. unter den sympath. Tinten angeführten Kobalte, von der Langenwand zu Wiegersdorf, bey Ilefeld im Hohensteinischen, auf obige Art in allem tractirt, gab ein liebliches, doch blasses, blaues Glas. Hier hatte also 1 Theil nur 18 Theile tingirt. Man erinnere sich, daß ich oben angemerkt habe, daß auch das Acidum nitri aus 1½ Loth nur ¼ Qu. extrahiren konnte, folglich dieser Kobalt arm an Farbewesen sey.“
Dritter Versuch. Acht Gran auf oft angeführte Weise aus derbem Farben-Kobalt von Rappold zu Schneeberg niedergeschlagenes Farbewesen, mit 2 Qu. des bereits erwähnten präparirten Kiesels, und 1 Qu. Weinstein-Salz, gab ein schönes blaues wohl geflossenes Glas. 1 Th. hatte also 22½ Th. Glas-Masse tingirt.
Vierter Versuch. Ich habe oben, da ich von Niederschlagung des Farbewesens vermittelst alkalischen Salzes redete, in dem 2ten Vers. angeführt, daß eine Sorte Kobalt von der frischen Lutter zu Lauterberg sich grün präcipittre. Von diesem Präcipitat nahm ich 5 Gran, ½ Loth präpar. Kiesel, und 1½ Qu. Weinstein-Salz; dieses gab ein etwas blasses, doch liebliches blaues Glas. 1 Theil hatte 66 Th. tingirt. Als ich aber 8 Gr. dieses Präcipitates, 1 Qu. reinen freyenw. Sand, und 2 Scr. Weinstein-Salz zusammen schmelzte, erhielt ich ein schönes blaues Glas.
Fünfter Versuch. Acht Gran von dem graugelblichen Präcipitate aus dem schwarzen Kobalte von Prinz Ernst Friedr. Fundgrube bey Saalfeld, 1 Qu. 4 Gr. präpar. Kiesel, und 1 Scr. Weinstein-Salz, gaben sehr schönes und wohl geflossenes Glas, welches schön blau aussahe; folglich hatte 1 Th. 10¾ Th. tingirt.
Sechster Versuch. Hingegen gab die von jetzt erwähntem Kobalt, nach geschehener Solution und Filtration in dem Filtrum zurück gebliebene schwarze Erde, 10 Gran, mit ½ Loth präpar. Kiesel und 1 Qu. Weinstein-Salz, ein schönes saturirtes blaues Glas, woraus erhellet, daß diese Sorte von schwarzem Kobalt, von allen bisher bekannten Kobalt-Arten abgeht, und daß das Acidum nitri nicht sein ganzes Farbewesen auszieht.“
Zuweilen pflegt man auch Speise den Kobalt-Gemengen zu zusetzen. Die genauere Untersuchung derselben, wird weiter unten vorkommen. Hier erkläre ich dieselben nur historisch. Speise ist ein Gemenge von arsenikalischen, metallischen, und halbmetallischen Theilen. Diese pflegt nun nicht selten noch Farbe-Theile in sich zu halten. Daher solche auch nicht ohne Nutzen wieder zugesetzt wird; doch muß sie auch vorher probiert werden. Man nimmt, in dieser Absicht, eine beliebige Quantität derselben, stößt sie in einem eisernen Mörser, oder reibt sie in der eisernen Reibe-Schale sehr fein, siebet sie durch ein subtiles Haar-Sieb, röstet sie wie den Kobalt unter der Muffel, und probiert sie auch auf eben die Art, wie den Kobalt. Nebst den wenigen Farbe-Theilen, welche die Speise dem Glase mittheilt, gewährt sie auch den Vortheil, daß man etwas an Pottasche ersparet, indem sie in die Sande sehr stark eingreift, und ihre Verglasung befördert; doch muß man nicht zu viel davon zusetzen, weil sie öfters, jumahl wenn sie von allzu kupferschüssigen Kobalten herrührt, die Farbe gern violett oder fuchsig macht. Doch auch dieses kommt, wie gesagt, auf die Probe an.
Einige Farbe-Meister pflegen auch, um den Fluß der Sande und Kobalte bey ihrem Probieren zu befördern, um desto eher fertig zu werden, unter das Probes-Gemenge von Kobalt und Sand, an statt der gehörigen Quantität Alkali, etwas von einem Bley-Kalke, als: Mennig, Bleyweiß &c. zu zusetzen, und erhalten dadurch ein weiches, blaues Bley-Glas; aber dieses ist unreinlich gearbeitet, weil man in solchem Falle weder auf die Flüssigkeit der Sande, noch der zu probierenden Kobalte schliessen kann. Zu geschweigen, daß man auch mit einem auf diese Art verfertigten Glase kein Probes-Verwaschen vornehmen kann, welches doch unumgänglich nöthig ist, wofern man seine Probe gehörig zu Ende bringen will.
Wenn man nun also seine Glas-Proben fertig hat, schlägt man sie aus den Gefäßen, worin sie geschmelzt worden sind, heraus, reinigt sie von den darunter sitzenden oder eingemischten speisigen und regulinischen Theilen sowohl, als auch von anderm, von den Tiegeln anklebenden Unrath, legt das Glas, wenn man recht reinlich arbeiten will, zwischen ein starkes Stück Juchten, und schlägt es mit einem hölzernen Hammer zu Stückchen, wie halbe Linsen. Man bedient sich dieser Vorsicht aus verschiedenen Ursachen: 1) damit das Glas nichts von Eisen oder Messing im Zerschlagen an sich nehme; 2) weil ein gläserner Mörser zu schwach seyn möchte, das Zerstoßen des Glases auszuhalten. Wenn nun das Glas so klein zerschlagen ist, reibt man es in einer gläsernen Reibe-Schale mit einer gläsernen Keule so fein als möglich. Hernach nimmt man 6 porzellane Spühl-Näpfe, oder wenigstens tiefe Kaffe-Tassen, gießt reines lauliches Wasser auf das geriebene Glas in der Reibe-Schale, rührt es mit dem Finger 4 bis 6 Minuten stark um, gießt das Wasser geschwinde in die erste Schale, lässet es eine halbe Viertelstunde stehen, und continuirt solcher Gestalt mit Abgießen, bis alles sich gesetzt hat. Man sieht leicht, daß sich hierbey das Gröbere zuerst, und das Feinste zuletzt setzt. Was nun noch nicht fein genug ist, z. B. in der Reibe-Schale und den ersten Kaffe-Tassen, wird ferner fein gerieben, und nochmahls verwaschen, bis man sowohl in Absicht auf die Höhe der Farbe, als auch die Zartheit derselben, seinen Zweck erreicht hat.
[Poch-Werk, Calcinir-Ofen]
Wenn man demnach seine Kobalte durch die Proben kennen gelernt hat, werden dieselben trocken gepocht, und durch einen Räder, Fig. 2341, geworfen, damit das Gröbere zurück bleibe, welches noch ferner klein zu pochen ist. Das Poch-Werk ist mit 3 Stämpeln, und wird gemeiniglich an die Welle der Farbe-Mühle mit angebauet. Dieses Pochen ist eine ungesunde Arbeit, indem der davon fliegende zarte Staub die Pocher an ihrer Gesundheit sehr angreift, besonders wenn die Kobalte sehr arsenikalisch sind. Der gepochte Kobalt kommt alsdann in den Calcinir-Ofen, Fig. 2348.
A, stellt denselben von vorn vor.
a, der Herd, welcher 7 F. lang, und eben so breit ist.
b, ein Schorstein, welcher über dem Schür-Loche heraus geht.
c, ein an einer Kette hängender Hülfs-Haken, in welchen, wenn der Kobalt aufgebrochen oder gerührt wird, die Krücken und Rühr-Haken gehänget werden, damit der Arbeiter solche desto gewisser und leichter regieren könne.
d, das, 3 F. weite und eben so hohe, Ofen-Loch, durch welches der Kobalt eingeleyet wird.
e, das Feuer-Schür-Loch, durch welches das Holz eingeleyet wird.
B, steckt den Herd des Ofens vor.
a, der Herd von gebackenen Steinen.
b, ein 1 F. langes und eben so breites, Loch, durch welches das Feuer, womit der Kobalt calcinirt wird, von unten herauf spielt.
c, ein 1 F. langes und eben so breites, Loch, wodurch der calcinirte Kobalt heraus gekrücket wird.
d, das Loch, durch welches der Arsenik in den Gift-Fang zieht.
e, die Hinter-Mauer des Ofens, an welche der Gift-Fang angebauet wird.
So wie nun der Ofen der Länge nach gestellt ist, ist rechter Hand unter dem Loche, dem Loche b, Fig. B, gegen über, auswärts das Schür-Loch k, durch welches das Feuer angemacht, und vermittelst nachgesteckten Holzes unterhalten wird. Dieses Feuer-Behältniß stellt ein Gewölbe vor, welches 7 Fuß lang, 3 F. weit, und eben so hoch, ist. Man legt dieses Ofen-Loch deswegen gern von aussen an, damit die äussere Luft die Gluth beständig nach dem Loche b, mithin durch solches auf die Kobalte führe, so wie gegentheils das Schür-Loch der Kobalte, dem Anfange des Gift-Fanges d gerade entgegen steht, damit die in den Ofen hinein gehende Luft den Arsenik mit Gewalt nach dem Gift-Fange treibe.
Fig. 2349, stellt den ganzen Ofen, nebst dem Gift-Fange, von aussen vor.
a, das unterste Ofen-Loch, in welches das Feuer gemacht wird.
b, das Gewölbe des Ofens, welcher vom Kobalt-Herde an, 3 F. hoch seyn kann.
c, der Gift-Fang.
d, der Schorstein zu Ende des Gift-Fanges, um den Zug des Arseniks zu befördern.
e, zeigt mit punctierten Linien den Weg, durch welchen der Arsenik aus dem Calcinir-Ofen in den Gift-Fang zieht.
f, das Thürchen, durch welches der Gift-Fang gefeget, und das Gift-Mehl ausgekehrt wird.
g, steinerne Pfeiler, auf welchen der Gift-Fang ruhet.
h, hölzerne Pfeiler, auf welchen derselbe steht.
Der Gift-Fang wird also ganz dicht an die Hinter-Wand des Calcinir-Ofens angeschlossen, und 8 F. hoch, und 4 bis 5 weit, von Steinen gemauert, damit er von der großen Hitze nicht Schaden nehme. Dieses Mauer-Werk geht an 100 Fuß fort; alsdann werden die Pfeiler bloß von Holz, 6 F. hoch und 4 F. weit, gemacht, so, daß der Gift-Fang überhaupt an 250 bis 300 F. lang wird. Doch wird derselbe nicht gern in Einem Stücke gerade aus geführt, sondern er wendet sich mit verschiedenen Ecken, und zwar darum, damit der Gift-Rauch sich desto mehr stoße, und eher anlege. Denn es würde, wenn er gerade aus ginge, die zum Kobalt-Schürloche eindringende Luft einen großen Theil des Arseniks zu dem kleinen Fange, oder Schorsteine, d, hinaus führen, welches der benachbarten Gegend gefährlich seyn, und zum Verlust an Arsenik gereichen würde. Es sey also der Gift-Fang von dem Ofen an, bis an die erste Ecke *, 50 Fuß; von da, bis an die andere Ecke O, wieder 50 F., dieses ist alles Mauerwerk. Hierauf kann man, wenn die Länge des Ortes es zulässet, von 50 zu 50, oder 100 Fuß, eine Ecke anzubringen, bis 250 oder 300 Fuß heraus kommen. Doch kann man auch etwas längere oder kürzere Seiten anbringen. Hin und wieder sind Thürchen, f, angebracht, welche während der Calcination verschlossen werden müssen, und durch welche man das Gift-Mehl ausräumen kann.
Wenn nun der Ofen auf jetzt beschriebene Art angelegt, der Herd gehörig durchhitzt, und der ganze Ofen vollkommen glühend ist, wird der Kobalt hinein geworfen, doch so, daß er nicht dicht auf einander zu liegen komme, damit die Gluth ihn gehörig und egal durchdringen könne. In diesem heftigen Reverberir-Feuer bleibt der Kobalt, nach dem er sehr arsenikalisch ist, 4, 6 bis 8 Stunden. Gemeiniglich lässet man ihn wenigstens 2 Stunden ungestört liegen, ehe man ihn aufbricht, d. i. ehe man ihn das erste Mahl rührt. Dieses Rühren geschieht vermittelst einer wohl gewärmten eisernen Krücke, oder Rühr-Hakens, Fig. 2344, damit der unten liegende Kobalt in die Höhe komme, und von dem darauf spielenden Feuer gehörig calcinirt werde. Der Rühr-Haken muß wohl gewärmt seyn; denn wenn man mit einem kalten Eisen hinein fährt, geschieht es nicht selten, daß der darauf liegende Arsenik aussteht, und alsdann sieht es für den Schürer gefährlich aus, indem ihm öfters sogleich das Blut zum Munde und zur Nase heraus dringt, oder er wohl gar davon stirbt. Hernach fährt man mit dem Aufbrechen von halben Stunden zu Stunden fort, bis man gewahr wird, daß der Arsenik-Dampf nicht mehr so stark geht. Sodann wird der Kobalt nach dem Loche c, Fig. 2348, B, hervor gekrückt, durch welches er, weil es schief abgeht, ☽, heraus fällt, und der Arsenik, welcher etwa noch darauf liegt, an der freyen Luft vollends verfliegt, indessen daß der Kobalt auskühlt. Man merkt gleich, auch ohne vorhergegangene kleinere Probe, ob der Kobalt sehr arsenikalisch ist, wenn man ihn in den Calcinir-Ofen wirft, denn in solchem Falle fängt er sogleich entsetzlich zu dampfen an.
Wenn nun der Kobalt also calcinirt und ausgekühlt ist, wird er nochmahls durch ein enges Draht-Sieb, Fig. 2342, gesiebet; die gröbern im Siebe bleibenden Graupen aber nochmahls gepocht. Diese Graupen entstehen hauptsächlich, wenn der Wißmuth nicht rein ausgeseigert ist, da denn derselbe in dem Feuer zusammen schmilzt. Auf diese Art wäre nun der Kobalt bis zum Gemengemachen und Verschmelzen fertig.
Der Kobalt färbt, mehr erwähnter Maßen, alle glasartige Körper, wenn er mit ihnen durch Hülfe eines Alkali in ein Glas geschmolzen wird, blau, welches Glas dann, zu einem zarten Pulver gemahlen und zubereitet, die Blaufarbe oder Schmalte gibt. Man muß also zu dem Schmelzen und Zubereiten der Kobalte solche mineralische Körper nehmen, die leicht in ein Glas, welches keine Farbe hat, oder weiß ist, geschmolzen werden können; und diese sind die glasartigen Sande und Steine, worunter der Perl-Sand, welcher aus Quarz-Theilchen besteht, der gemeine Quarz und Kiesel, der beste ist. Diese glasartige, zu einem Pulver zubereitete Körper, werden beym Kobalt-Schmelzen Sande genannt.
[Schmelzen und Zubereiten der Kobalte]
Bey dem zum Schmelzen und Zubereiten der Kobalte erforderlichen Sande, kommen die Eigenschaften, und die Zubereitung desselben, in Betrachtung.
Was 1. die Eigenschaften der Sande betrifft, so findet man die glasartigen Sande am häufigsten in kleinen Bächen, worin das Wasser die thon- gyps- und kalkartigen Erden schon meist aufgelöset und weggespühlt hat. Der Quarz und Kiesel können nicht selten an dem Tage gebrochen werden, sie werden aber auch in den Gruben gewonnen. Man muß hierbey darauf sehen, daß sie rein und mit keinen Eisen-Adern durchwebt oder eisenschüssig seyn, wovon die Farbe dumm, d. i. nicht glänzend wird. Daß sie eisenschüssig, und mithin untauglich seyn, erkennt man daran, wenn sie beym Glühen gelbröthlich werden. Auch dürfen diese Körper nicht spathig seyn; denn der Spath erfordert beym Schmelzzen der Kobalte viele Pottasche, macht viele Glas-Galle, und bleibt im Glase in Körnchen sitzen. Ist der Sand mit Thon-Arten vermengt, so schmilzt er schwer, und gibt eine gar schlechte Farbe. Eben dieses geschieht auch, wenn er mit Kalk- und Gyps-Arten vermischt ist.
Was 2. das Zubereiten des Sandes, Quarzes und Kiesels, mit dem Kobalte, betrifft: so poche man a) den Sand, wenn er grobkörnig ist, in dem Pochwerke naß, und zu einem zarten Korn, damit er sich desto genauer mit dem Kobalte vermischen lasse. b) Man schlämme den durchgeräderten Sand auf einem Schlämm-Graben zwey bis drey Mahl, damit der Sand von allen nicht glasartigen Theilen, die leichter, als er, sind, und im Wasser voraus rollen, gereiniget werde; doch so, daß man alles das, was im Graben stehen bleibt, in Haufwerk sticht. Endlich c) glühe man den Sand im Calcinir-Ofen, damit er mürbe werde, und rädere ihn durch ein feines Sieb.
Zur Zubereitung des Quarzes und Kiesels in einen Sand, und zum Schmelzen mit dem Kobalte, röste man a) den Quarz oder Kiesel in großen Haufen, eben so, wie man den Eisen-Stein unter freyem Himmel röstet, oder brenne ihn in dem Brenn- oder Calcinir-Ofen, damit er mürbe werde, und sich leicht pochen lasse. b) Man poche den gerösteten Quarz oder Kiesel eben so, wie kurz vorher gezeigt worden ist. c) Da der Quarz oder Kiesel zuweilen auch mit fremdartigen Theilen vermischt ist, so schlämme man ihn eben so wie den Sand, glühe ihn im Calcinir-Ofen, damit er mürbe und zum Schmelzen geschickter werde, und siebe ihn durch ein feines Sieb, so ist er zum Vermengen mit dem Kobalte geschickt.
Nächst dem Sande, gehört zum Schmelzen und Zubereiten der Kobalte auch Pottasche. Dieselbe ist ein feuerbeständiges Alkali, welches den dem Kobalte im Schmelzen zugesetzten Sand, den er blau färbt, auflöset. Es kommen bey derselben ihre Eigenschaften, und ihre Zubereitung, in Betrachtung.
Was die Eigenschaften der Pottasche betrifft, welche man bey dem Kobalt-Schmelzen gebraucht, so muß dieselbe gut gesotten, wohl calcinirt, und, wenn man sie aufbricht, nicht schwarz, sondern weiß, rein, und mit keinen fremdartigen Theilen vermischt, seyn, damit sie die Blaufarbe nicht verderbe, und in dem Schmelzen des Gemenges die nöthige Wirkung thue.
Gemeiniglich wird die Pottasche verfälscht, und mit Sand oder Kalk vermischt. Dieses erfährt man, wenn man einige Pfunde in Wasser auflöset, und die Solution durch Lösch-Papier filtrirt, da dann der Kalk oder Sand in diesem Papiere zurück bleibt, und leicht bestimmet werden kann, wie viel Kalk oder Sand in einem Centner Pottasche befindlich ist. Eine so verfälschte Pottasche, besonders wenn sie mit Kalk vermischt ist, ist zu dem Kobalt-Schmelzen nicht wohl zu gebrauchen. Denn ist dieselbe mit Sand vermischt, so kann man in dem Gemengemachen dem Kobalte den nöthigen Sand nicht zuschlagen, und der in der Asche befindliche, zum Kobalt-Schmelzen selten taugliche Sand ist für Pottasche bezahlt worden. Ist hingegen die Pottasche mit Kalk verfälscht, so benimmt ihr solcher die Kraft im Schmelzen; und es gibt viele Glas-Galle, die bey dem Ausschöpfen des geschmolzenen Blauglales sehr um sich schlägt, und die Arbeiter beschädigt.
Die Kunst, Pottasche zu sieden, werde ich an seinem Orte beschreiben. Hier will ich noch anführen, daß es wohl gethan ist, wenn man bey einem Blaufarben-Werke, dem es an wohlfeilem und hinlänglich dem Holze nicht fehlt, eine Pottaschen-Siederey anlegt. Ausserdem muß man die gesottene Pottasche, weil sie sehr leicht zusammen fließt, an einem trocknen, nicht feuchten Orte aufheben.
Ich komme II. zur Beschreibung des Schmelzens selbst. Hierzu werden dreyerley Oefen erfordert, nähmlich: der Schmelz- oder Glas-Ofen; der Temper-Ofen; und der Darr- oder Trocken-Ofen.
Was 1. den Schmelz- oder Glas-Ofen betrifft, so zeigt Fig. 2350 dessen ganze Gestalt. Er sieht einem gemeinen Glas-Ofen größten Theils gleich. Die Structur desselben, wenn er, wie am gewöhnlichsten ist, zu 6 Häfen eingerichtet werden soll, ist folgende. Zuvorderst muß unten ein fester und trockner Boden seyn; dieser wird 12 F. lang, und 11 F. breit, eben gemacht. Hierauf wird ein Abzug über das Kreuz, wie Fig. 2351 a) zeigt, 1 F. tief und 1 F. breit von festen Steinen gemauert. Diese vier Abzüge müssen, jeder auf seiner Seite, aus dem Mittelpuncte abschüssig liegen, damit kein Wasser darin stehen bleiben könne. Oben werden diese Abzüge mit festen, breiten Steinen zugedeckt. Wenn diese Canäle fertig sind, werden die vier Quartiere, abcd, welche zwischen diesen Canälen liegen, mit guten festen Steinen ausgesetzt und fest gemauert, so, daß der ganze Umfang eine wasserrechte Ebene vorstelle. Auf diese Ebene wird hernach recht mitten, der Länge des Ofens nach, 2½ F. weit, 2 F. hoch, unter dem ganzen Ofen der Länge nach weg, das Aschen-Loch angelegt, wie solches bey c, Fig. 2352, im Grundrisse zu sehen ist. Wenn dieses Aschen-Loch die Höhe von 2 F. mit seinen Seiten-Mauern erreicht hat, wird es mit einem flachen Gewölbe gedeckt, und zwar von beyden Seiten, ungefähr 4½ F. lang, die übrigen 3 Fuß bleiben offen. Alsdann wird Fig. 2351 b) der Herd zum Schür-Loche gemacht, und über dem offenen Felde, F. 2351 b), Fig. 2352, d. e. zuerst der Rost * von festen Mauer-Steinen gesetzt. Auf diesen Herd kommt hernach das Feuer zu liegen. Der Rost und dieser Herd müssen von gleicher Höhe seyn. Auf diesem Herde werden die Seiten-Mauern 1½ F. hoch, und eben so weit, zum Schür-Loche angelegt, deren eines vorn; das andere hinten, gegen einander über sind. Die Mauern neben dem Roste müssen mit den Mauern in dem Schür-Loche oben in einer Gleiche zu stehen kommen, doch daß sie etwas überhängend gemauert werden. Wenn nun also die Mauern in dem Schür-Loche ihre Höhe erreicht haben, wird oben her, wie in dem untersten Gewölbe, flach gewölbet, nähmlich ½ F. stark. Die Oeffnung mitten im Gewölbe bleibt 2 F. lang, 1½ F. weit, offen. Auf dieses Gewölbe kommt der Herd, auf welchen die Häfen zu stehen kommen, oder das Gefäß, Fig. 2351 c) und d), und Fig. 2352, f. Dieser besteht aus Ziegel-Steinen, welche aber sehr gut seyn müssen; am besten, wenn solche von dem Meister selbst aus reinem Lehm, zerstoßenen alten Häfen, und etwas feinem Sande, gemacht, so, wie andre Back-Steine, geformet und erst gelinde an der Luft getrocknet, hernach aber tüchtig gebrannt werden. Dieser Herd muß recht eben seyn. In der Mitte geht die Oeffnung, g, Fig. 2352, hindurch, durch welche das Feuer spielt, welche 2 F. lang und 1½ F. weit ist. Auf diesen Herd werden alsdann die Häfen gesetzt, deren hier in Fig. 2351 d): sechs, abcdef, und in Fig. 2352, drey, hik, angezeiget werden. Wenn nun also das Gefäß, F. 2351 d), fertig ist, wird der Kranz l, Fig. 2352, zum Ofen angelegt; dieses ist eine runde Einfassung des Gefäßes, welche wenigstens 1½ F. stark von keilförmigen, aus gutem feuerhaltenden Thon bestehenden Steinen gemacht wird. Seine Höhe ist 3½ Fuß. Ganz unten kommt das Werk-Loch, b, Fig. 2350, dessen Boden ganz horizontal mit dem Gefäße seyn muß, die Höhe aber desselben ist 2 Z. höher und weiter, als die hinein zu setzenden Häfen sind. Durch dieses Loch werden die getemperten Häfen eingesetzt, bbb, hingegen mmm, Fig. 2352, und d, Fig. 2350, die Schöpf-Löcher, durch welche das Gemenge zum Glase eingelegt, und das geschmolzene Glas ausgeschöpfet wird; diese sind 14 Z. hoch, oben rund, und 7 Z. weit. Unter diesen Schöpf-Löchern befinden sich die Stich-Löcher, welche 6 Z. weit und 8 Z. hoch sind, und deren unterstes ebenfalls mit dem Gesäße wagerecht seyn muß, cc, Fig. 2350. Wenn nun diese Kranz-Mauer gedachte Größe erreicht hat, werden wieder die Sohlen zu der Haube n, Fig. 2352, und e, F. 2350, von oben erwähnten keilförmigen Ring-Steinen gelegt, und alsdann ein sehr starker eiserner Reif g, Fig. 2350, welcher scharf angezogen werden muß, herum geleget, damit die Hitze den Ofen nicht aus einander treiben könne. Auf diese Sohle wird alsdann die Haube, wie bey andern Glas-Oefen, von keilförmigen Steinen, 3 F. hoch, als ein Gewölbe gesetzt, und mit den, das ganze Gewölbe zusammenhaltenden Pfeilern f, Fig. 2350, wohl verbunden. Wenn nun auf diese Art der Ofen fertig ist, wird derselbe inwendig, wo die Häfen zu stehen kommen, mit einem guten, dem stärksten Feuer wiederstehenden Lehme ausgeschmiert, welches auch auswendig geschehen muß. Sodann lässet man den Ofen gehörig austrocknen.
Fig. 2350, stellt den Glas-Ofen vollständig vor, wie er von aussen bis auf den Grund aussieht.
a, das obere Gewölbe über dem Schür-Loche, welches mit dem Gesäße horizontal ist.
b, das Werk-Loch, wodurch die Häfen eingesetzt werden.
c, die Stich-Löcher.
d, die Schöpf-Löcher.
e, die Haube des Ofens.
f, die Kreuz-Bänder und Pfeiler, welche die Haube zusammen halten.
g, das eiserne Band.
h, der eiserne Vorsatz vor die Schöpf-Löcher.
i, der Arbeiter.
☉, der Ausgang der Abzucht.
☽, der Aschen-Herd.
♀, das Schür-Loch.
Fig. 2351 a), a, b, c, d, der gemauerte Grund des Glas-Ofens.
e, die Abzüchte desselben.
Fig. 2351 b), der Feuer-Herd des Glas-Ofens, in dessen Mitte * der Rost.
Fig. 2351 c), das Gefäß.
☉, die Zunge, durch welche das Feuer spielt.
Fig. 2351 d), das Gefäß.
a, b, c, d, e, f, die Stellung der Häfen auf demselben.
g, die Zunge.
Fig. 2352. a, die Abzüchte unter dem Glas-Ofen.
b, der gemauerte Grund.
c, der Aschen-Herd.
d, der Feuer-Herd.
e, der Rost desselben.
f, das Gefäß.
g, die Zunge.
h, i, k, drey Glas-Häfen.
l, der Kranz des Glas-Ofens.
m, die Schöpf-Löcher.
n, die Haube des Glas-Ofens.
Was 2. den Temper- oder Temperir-Ofen betrifft, so ist solcher eben so gebauet, wie die auf allen Glas-Hütten gewöhnlichen Kühl- oder Temper-Defen; s. im XVIII Th. S. 604, fgg. und die dazu gehörige Fig. 970 a) und b).
Der Darr- oder Trocken-Ofen, wird bloß dazu gebraucht, um das Holz darin zu trocknen. Dieser Ofen, welcher gewölbt ist, und 6 F. lang, und 6 F. weit ist, bekommt seine Hitze von dem Glas-Ofen, an welchen er gebauet ist. In solchen werden die Scheite Holz zum Schüren, nachdem sie gespalten und klein gemacht worden sind, aufgeschüttet, damit sie recht dürre werden; doch muß die Hitze so temperirt seyn, daß das Holz zwar schwarz anlaufe, aber nicht sich entzünde.
Die Bereitung der Glas-Häfen selbst, ist oben gelehrt worden.
Wenn nun alles also vorgerichtet ist, wird der Glas-Ofen einige Tage lang angewärmet; man macht nähmlich Feuer hinein, daß der Ofen nach und nach heiß werde, und endlich den Grad der Gluth erreiche, der zum Glas-Schmelzen erfordert wird. Man thut wohl, wenn man hierzu 3 bis 4 Tage, ja noch länger, Zeit lässet, damit der Ofen nach und nach erglühe, weil er sonst leicht Risse zu bekommen pflegt. Indessen heizt man auch den Temper-Ofen, welcher in der Hütte, und nahe bey dem Glas-Ofen seyn muß, setzt die Häfen ein, daß sie trocken, heiß und glühend werden. Die Schöpf-Löcher werden mit eisernen Vorsätzen, h, Fig. 2350, zugesetzt; sie sind von geschmiedetem Eisen, 1 Z. stark, und 1 Z. höher und breiter als die Schöpf-Löcher. Der obere Ausschnitt daran ist dazu, daß die Luft hinein spielen könne; das Loch in der Mitte aber, daß man sie mit einem eisernen Haken abheben und wieder vorsetzen könne. Die darunter befindlichen Stich-Löcher sind indessen gleichfalls zugemauert, das Werk-Loch aber wird fest zugesetzt. Wenn nun der Ofen in seiner gehörigen Hitze ist, und die Häfen genug getempert sind, wird das Werk-Loch aufgemacht, die heißen Häfen werden auf eisernen Stangen hinein gebracht und in Ordnung gestellt, hernach wird dieses Loch vermauert; wobey zu merken ist, daß ein Hafen von dem andern nur 2 Z. abstehen darf, doch muß die mittelste Oeffnung frey bleiben, damit das Feuer durchspielen kann. Nachdem sie nun in voller Gluth sind, wird oben zu den sechs Schöpf-Löchern, deren jedes just über einen Hafen steht, das erste Gemenge eingelegt. Besser aber ist es, wenn man Sumpf-Eschel hat, daß man solchen das erste Mahl einlege, damit die Häfen sich inwendig damit verglasen. Was Sumpf-Eschel sey, werde ich weiter unten zeigen. Da aber der Ofen, je länger er geht, desto mehr in Hitze kommt, so ist nicht zu bestimmen, wie lange man das Glas müsse stehen lassen, ehe man es ausschöpft. Gemeiniglich schöpft man in den ersten 6 bis 8 Tagen, alle 12 Stunden. Allein, hier ist durchgehends keine Zeit festzusetzen, sondern der Farbe-Meister probiert so lange mit dem Rühr-Eisen, bis er sieht, daß das Glas rein geflossen ist; denn manche Sande und Kobalte fliessen leichter, andre schwerer. Dasjenige, was nun zum Glasmachen gebraucht wird, heißt zusammen das Gemenge, und besteht aus Kobalt, Sand und Pottasche.
An dieser Vermischung des Kobaltes mit Sand und Pottasche, in dem zu einer bestimmten Höhe der Blaufarbe gehörigen Verhältnisse, oder an dem Gemengemachen, ist überaus viel gelegen, wenn man eine gute Blaufarbe und Kaufmanns-Ware machen will. Man hat hierbey hauptsächlich auf drey Dinge zu sehen, nähmlich: auf die Güte der Kobalte; auf die Höhe der Farben, die man machen will; und auf das Gemengemachen selbst.
[Güte der Kobalte]
Die Güte der Kobalte beurtheilt man überhaupt daraus, wenn sie ein schönes, hohes und liebliches Blauglas geben, und viele Sande vertragen, also viel Farbewesen, oder viele das Glas blau färbende Materie enthalten. Diesen Gehalt der Kobalte nun, und da man öfters verschiedene Kobalt-Sorten in ein Gemenge nimmt, muß man sehr wohl kennen, ehe man ein Gemenge macht; man muß nähmlich untersuchen, wie viel Sand jede Sorte der Kobalte verträgt, wenn man die Höhe der Farbe, die man sucht, heraus bringen will. In dieser Absicht muß man verschiedene Proben machen. Wie man nun eine jede Art Kobalt probieren solle, ist oben gezeigt worden.
Bey der Höhe der Farben, hat man darauf zu sehen, ob man auf hohe Farben, Couleuren oder Eschel, arbeiten, also zu dem Gemenge mehr oder weniger Kobalt, oder mehr oder weniger Sand, nehmen könne, welche Sache dann von der Höhe der Farbe, die im Commercio gesucht wird, abhängt.
Wenn die Kobalte auf ihre Güte probiert sind, und dabey bestimmt ist, auf welche Höhe der Farben man arbeiten müsse, so ist alsdann das eigentliche Gemengemachen eine leichte Sache. Man verfährt dabey folgender Maßen. 1. Man addirt, weil das Gemenge nach Centnern gemacht wird, so viele einzele Centner Kobalt, als verschiedene Sorten in ein Gemenge kommen sollen; eben so addirt man aber auch die Centner-Zahl der Sande, die jede Sorte bey der zu machenden Höhe der Farbe verträgt: so hat man das Verhältniß, worin der Kobalt und Sand nach der festgesetzten Höhe der Farbe mit einander vermischt werden müssen, und die eigentliche Mischung oder das Gemenge.
Verträgt z. B. ein Kobalt, den wir A nennen wollen, bey der festgesetzten Höhe der Farbe 8, ein anderer Kobalt B, 6, ein dritter Kobalt C, 4, und ein vierter Kobalt D, 2 Sande, so ist die Rechnung diese:
1 Ctn. vom Kob. A. verträgt 8 Ctn. Sand.
1 Ctn. vom Kob. B. verträgt 6 Ctn. Sand.
1 Ctn. vom Kob. C. verträgt 4 Ctn. Sand.
1 Ctn. vom Kob. D. verträgt 2 Ctn. Sand.
4 Ct. v. diesen Kob. vertragen also 20 Ctn. Sand.
Es färben also von diesen vier Sorten Kobalt 4 Ctn., von jeder Sorte 1 Ctn. genommen, 20 Ctn. Sand; und dieses ist die Mischung oder das Gemenge, wobey man die verlangte Höhe der Farbe bekommt.
2. Will man nun nach diesem ein größeres oder kleineres Gemenge machen, so wende man dabey die Alligations-Regel (s. im I Th. S. 517, fgg.) an. Weil nähmlich die Centner-Zahl des Sandes, die jede Sorte Kobalt verträgt, der Gehalt dieser Sorte, oder die Quantität des Sandes ist, welche diese Sorte, in Glas verwandelt, blau färbt: so darf man nur schliessen: Wie die Summe der verschiedenen Centner-Zahlen von Sand, welche die vier Kobalt-Sorten blau färben, sich zu einer bestimmten Centner-Zahl Sand von einer Sorte Kobalt verhält, so verhält sich auch eine gegebene andre Summe von den in diesen Verhältnissen unter einander zu mischenden Centner-Zahlen Sand, zu der zu suchenden Centner-Zahl Sand, welche diese Sorte Kobalt in dieser Quantität der Vermischung blau färben soll. Weil man aber hierbey nur noch die verschiedenen Centner-Zahlen von Sand findet, welche jede Sorte Kobalt in dieser Quantität des Gemenges blau färbt, und man auch noch nöthig hat zu wissen, wie viel Kobalt man von jeder Sorte zu diesem Gemenge nehmen müsse, um die gefundene Centner-Zahl Sand blau zu färben, so darf man nur nach der Regel de Tri ausrechnen, wie viel jede ausgerechnete Centner-Zahl Sand, von der ihr zukommenden Sorte Kobalt erfordert, um diesen Sand blau zu färben; und dieses geschieht, wenn man so schließt: Wie sich die Centner-Zahl von Sand von einer Sorte Kobalt in dem vorigen Gemenge zu einem Centner Kobalt verhält, eben so verhält sich auch die Centner-Zahl des Sandes, welche diese Sorte Kobalt in diesem Gemenge blau färben soll, zu der zu suchenden Zahl von eben dieser Sorte Kobalt, welche diese Centner-Zahl Sand blau färbt; es ist aber diese Zahl auch die Quantität des Kobaltes, die man bey einer jeden andern Sorte Kobalt nöthig hat, weil in dem ersten Gemenge von jeder Sorte Kobalt gleich viel genommen worden ist. Eben diese Zahl findet man auch, wenn man so schließt: Wie sich die Summe der Centner-Zahlen von Sand in dem vorigen Gemenge zu der Summe dieser Dinge in diesem Gemenge verhält, so verhält sich 1 Centner von einer Sorte Kobalt in dem vorigen Gemenge zu der Zahl von einer Sorte Kobalt in diesem Gemenge.
. . .
Wenn der Kobalt sehr leichtflüssig ist, und man zu viele Pottasche nimmt, so wächst die Schmalte leicht zusammen, oder wird hart und fest.
Nachdem ich jetzt das Gemengemachen beschrieben habe, so muß ich nunmehr zeigen, wie man den Kobalt in diesem Gemenge schmelzen müsse. Bey dem Schmelzen des nun von allen fremdartigen, die Farbe des Blauglales verändernden, Mineralien gereinigten Kobaltes, hat man hauptsächlich dahin zu sehen, daß das Gemenge recht gleichartig und vollkommen fließe, und mithin in dem Blauglale alle Theile dem Ganzen ähnlich werden. In dieser Absicht wieget der Farbe-Meister vom Kobalt, und was zu demselben kommen soll, als: Speise, Herd-Glas, Sumpf-Eschel, ferner vom Sande und der Pottasche so viel ab, als er zu einem Gemenge in die sechs Häfen nöthig hat, lässet alles in dem bey dem Glas-Ofen stehenden Menge-Kasten, mit Schaufeln wohl und fleißig durch einander mischen, und, wenn es sorgfältig gemischt ist, mit den oben beschriebenen, und Fig. 2343 abgebildeten, Einsetz-Schaufeln, in die glühenden Häfen einlegen. Hierauf werden die Schöpf-Löcher mit den eisernen Vorsätzen, h, Fig. 2350, zugesetzt, und scharf zugefeuert. Wenn man alsdann sieht, daß das Glas schmilzt, welches bald eher, bald später geschieht, je nach dem die Kobalte und Sande strenge oder leichtflüssig sind, wird das Glas in den Häfen, mit den oben beschriebenen, und Fig. 2344 abgebildeten, starken Rühr-Eisen, welche vorher warm gemacht worden sind, umgerührt, und damit alle halbe Stunden fortgefahren, bis man aus dem am Rühr-Eisen hängen bleibenden Glase gewahr wird, daß es gut geflossen sey, welches man daran erkennt, wenn das Glas durch und durch gleich tingirt, und keine weiße Körnchen, als Zeichen des noch nicht geflossenen Sandes, mehr darin zu sehen sind. Hierauf wird das Glas mit den oben beschriebenen, und Fig. 2340 b) abgebildeten, Löffeln ausgeschöpfet, und in ein ganz nahe dabey gestelltes großes Faß gestürzt. Dieses Faß muß wenigstens 4 F. hoch, und eben so viel im Diameter groß, seyn, welches voll kalt Wasser ist, und so gestellt zu werden pflegt, daß beständig kaltes Wasser durch eine Röhre in dasselbe zulaufe, um das hinein gestürzte Glas desto eher abzukühlen. Weil aber, besonders bey speisigen Kobalten, im Glasschmelzen viele Speise entsteht, und sich auch öfters Glas-Galle findet, die beyderseits, wenn sie in das kalte Wasser kommen, mit starkem Knall und mit Gefahr der Arbeiter um sich schlagen, so lässet man, ehe man das Glas in das Wasser wirft, die Speise und Glas-Galle aus dem Löffel in die oben erwähnte, und Fig. 2347 abgebildete, eiserne Pfanne laufen. Nachdem nun also die Häfen rein ausgeschöpft worden sind, wird ein frisches Gemenge eingelegt, und damit so lange fortgefahren, als man es nöthig befindet, oder so lange die Häfen halten. Es folgen nun
[Aufbereitung der Farbe und Eschel]
III. die Arbeiten, die zu der Aufbereitung der Farbe und Eschel selbst gehören. Diese sind: Das Pochen des Blauglales, das Mahlen desselben zu Schmalte, das Verwaschen und Schlämmen des gemahlenen Blauglales, und das Trocknen der Blaufarbe oder Schmalte.
Nachdem das Glas in dem großen Fasse ausgekühlt ist, wird es entweder mit Lauf-Karren, welche unten kleine Löcher haben, damit das Wasser ablaufen könne, weg und in die Farbe-Mühle gelaufen, oder man trägt es in unten durchlöcherten großen Austrage-Fässern weg, und in das Pochwerk, daselbst wird es durch den oben beschriebenen, und Fig. 2341 abgebildeten Durchwurf oder Räder mit einem messingenen Netze, welches in den Fächerchen ⅟₈ Z. weit ist, gepocht, daß es kaum die Größe einer Linse behalte, und alsdann auf die Mühle gebracht. Da Mühle und Pochwerk gemeiniglich beysammen sind, so will ich dieselben beschreiben. Zuvörderst ist zu wissen nöthig, wie viel Gefälle des Wassers man haben könne, damit man sein Rad hängen, und das Wasser oberschlächtig darauf leiten könne. Hierbey wird nun gemeiniglich 1 F. zum Auffallen des Wassers, und 1 F. zum Abfall desselben, oder zu dem Unter-Graben l, Fig. 2353 a), gerechnet. Man hätte z. B. 30 Fuß Wasser-Gefälle, so darf das Rad nur 28 F. im Diameter seyn, so, daß das Gefluder k 1 Fuß über dem Rade, das Wasser auf dasselbe fallen lasse; und unten ist auch 1 F. Raum, damit das Wasser wieder ablaufen könne. Die übrige Anlage des Grabens, ist wie bey einem andern Kunst- Poch- oder Mühl-Werke. Man fängt nähmlich das Wasser in einem Graben, da wo der Fall anfängt, und leitet es, so viel als möglich, nahe nach dem Rade zu. Kurz vorher fängt man es in einem Gefluder, oder einer hölzernen Rinne, welche nach Proportion des Rades weit oder schmahl ist. Da, wo es aus dem Graben nach der Rinne hinein läuft, muß ein Schuß seyn, damit man jederzeit nur so viel Wasser hinein lassen könne, als nöthig ist. Fig. 2353 a) bildet das umgehende Zeug ab.
a, das auswärts hängende Rad.
b, eine starke Welle, welche von diesem Rade umgetrieben wird, 38 bis 40 F. lang, und, wo möglich, 2 F. stark.
c, ein perpendikuläres Stirn-Rad, welches, vermittelst des Drillinges, d, die beyden Läufer, h, umtreibt, und also das Glas mahlt.
e, ist noch ein dergleichen Stirn-Rad, welches den zweyten Drilling f umtreibt, um doppelt mahlen zu können.
Hierauf folgt
g, ein doppeltes Pochwerk an jeder Seite der Welle mit 3 Stämpeln. Es ist dieses ein trocknes Pochwerk, wie ein gemeines Pochwerk mit seinen Stämpeln, Poch-Sohlen, Poch-Laschen, Riegeln &c. nur daß alles dieses von einer Welle in Umgang gebracht wird.
i, der Boden-Stein.
k, das Gefluder.
l, der Unter-Graben.
m, der Poch-Trog.
Auf diesem Pochwerke wird nun vorher der Kobalt, der Sand, und hernach das Glas, gepocht. Wenn es nun, wie gesagt, so klein wie Linsen durch den Durchwurf gepocht ist, kommt es auf die Mühle.
Ehe man diese Mühle anlegt, muß unten der Boden, wenn er nicht vor sich fest genug ist, tüchtig fest gemacht und ausgepflastert werden, damit die nachher darauf kommende Last sich nicht senken könne. Sodann sucht man einen großen festen Stein, welcher Kiesel, chalcedon- oder waken-artig seyn muß. Sand-Stein ist hierzu ganz untauglich. Dieser muß 2 F. hoch seyn, und 4 F. im Diameter halten; nachdem man ihn, so viel als möglich, oben her eben gemacht hat, so wird er auf den vorher fest gemachten Boden gelegt. Ist er an und vor sich vollkommen rund, so ist es desto besser; wo nicht, so muß man den noch mangelnden leeren Raum mit dergleichen kleinern Steinen, Moos &c. ausfüllen, und scharf einrammen; hierauf stürzt man dann das gepochte Glas. In dem Boden-Steine, i, wird in der Mitte eine Spur, 4 Z. tief, und viereckig eingehauen, in solchen eine genau hinein passende stählerne Spur, oder ein Pfännchen, gesenkt, damit die Mahl-Stange a, Fig. 2253 b), welche an den Drilling b befestigt ist, und woran die beyden Läufer e und d befestigt sind, herum laufen könne. Diese Läufer sind von eben so harten Steinen, als der Boden-Stein ist; in solche wird eine starke Spur gehauen, damit sie beyde, wie e zeigt, vermittelst eines starken Eisens zusammen gehängt, und alsdann durch das Loch f, an die Mahl-Stange angemacht werden können. Ihre Länge ist 1¼ F., die Breite aber 1 F., und die Dicke 10 Z. Wenn nun das Mühlwerk also zugerichtet ist, wird der Boden-Stein mit einer Einfassung von starken Böttchers-Dauben (dem Mahl-Fasse), k, umgeben. Diese muß den Boden-Stein genau umgeben, fest gefuget, und mit starken eisernen Bändern zusammen gebunden seyn. Unten in dieses Faß kommt recht horizontal mit der Oberfläche des Boden-Steines ein Loch, welches mit einem wohl hinein passenden Zapfen i verwahrt wird. Alsdann wird oben ein wohl verkeiltes Gestell g: angebracht, in welchem die Mahl-Stange gleichfalls in einer stählernen Pfanne läuft, und das Mahl-Faß h mit dem Deckel k zugedeckt, damit durch die geschwinde Bewegung der Läufer nicht so viel heraus spritze. Nun wird das auf dem Pochwerke gepochte Glas auf diese Mühle gestürzt, und gehörig Wasser zugegossen, da denn die Läufer das Glas auf dem Boden-Steine fein mahlen. Hier lässet sich nun ebenfalls die Zeit, wie lange das Glas auf der Mühle seyn müsse, nicht so genau bestimmen, sondern der Meister muß fleißig zusehen, wenn es fein genug gemahlen ist, da er denn den Zapfen an dem Mahlwerke i heraus zieht, die Farbe in ein Gefäß l abzapfet, und frisches Glas und Wasser wieder aufgibt. s, ist das Thürchen in dem Deckel des Mahl-Fasses, durch welches das gepochte Glas aufgegeben, und das nöthige Wasser zugegossen wird.
m, das Rad.
n, das Gefluder.
o, der Unter-Graben.
p, die Well-Zapfen.
q, die Welle selbst.
r, die Stirn-Räder.
Das Verwaschen und Schlämmen des gemahlenen Blauglales, ist alsdann die dritte Arbeit, welches in einer doppelten Absicht geschieht: 1. um in dem Wasser alle fremdartige und salzartige Theile aufzulösen und fortzuschaffen; 2. die gröbern und feinern Theile von einander zu scheiden, und dadurch die verschiedenen Sorten von Farbe zu erhalten. Die ganze Arbeit verrichtet man in Farbe- oder Wasch-Butten (s. oben, S. 69), deren man gemeiniglich neun hat. Es wird, in dieser Absicht, das abgzapfte gemahlene Glas in eine große Wasch-Butte, welche 4 F. weit und 3 F. hoch ist, durch ein feines härenes Sieb gegossen, und alles wohl umgerührt; alsdann aber lässet man, damit sich erst die gröbere und schwerere Farbe setze, diese Butte 2 Stunden ruhig stehen. Alsdann wird das darüber stehende Wasser abgeschöpft, und, wie zuvor, durch ein Haar-Sieb in eine andere Wasch-Butte gegossen, aber auch diese lässet man 3 bis 4 Stunden ruhig stehen, und schöpft dann das Wasser wieder in eine andere Butte, bis man zuletzt die zarteste, eine blasse Blaufarbe, welche der Eschel oder Aeschel (s. im XI Th. S. 541) genannt wird, bekommt, sich alles also gesetzt hat, und das Wasser hell geworden ist. Dieses, das Wasser aus der letztern Wasch-Butte nun wird abgeschöpft und weggegossen; man lässet es aber doch nicht ganz weg laufen, sondern es sind unter der Wasch-Stube noch einige Sümpfe angebracht, in welche dieses Wasser läuft, und daselbst dasjenige noch absetzt, was sich in den Fässern nicht zu Boden begeben hat; das heißt alsdann Sumpf-Eschel, dessen oben S. 115, Erwähnung geschehen ist.
Die Stunden, wie lange jedes Faß ruhen müsse, kann man nicht genau bestimmen, weil es ein Mahl eher, das andere Mahl langsamer fällt. Je kälter das Wasser ist, desto langsamer fällt die Farbe.
Wenn nun in den Fässern die gefallene Farbe etwas trocken geworden ist, wird sie mit kleinen Hand-Beilen ausgehauen, und kommt auf das oben beschriebene Reibe-Bret; hier werden die Stücke klein geschlagen, und von starken Arbeitern mit runden Walzen, welche 1½ F. lang, und im Diameter 4 Z. sind, entzwey gedrückt, damit sie klar werden. Wenn nun also alles, so viel möglich, fein gerieben ist, schreitet man zum Trocknen der Blaufarbe oder Schmalte. In dieser Absicht bringt man die fein geriebene Farbe und Eschel auf die oben erwähnten Farbe-Breter, breitet solche 1 bis 1½ Z. dick aus einander, und bringt die solcher Gestalt angefüllten Farbe-Breter in die Trocken-Stube. Dieses ist eine gewölbte Stube, welche vermittelst eines großen eisernen Ofens sehr stark geheizt wird. An den Wänden sowohl, als bedürfenden Falles, auch in der Mitte sind Gestelle gemacht, auf welche man die Farbe-Breter neben und über einander setzen, und die Farbe darauf trocken werden lassen kann. Wenn nun alles trocken ist, bringt man jede Sorte der Farbe von den Bretern in einen Kasten, siebet sie durch ein feines, mit ganz dichtem Tuche umhängtes, Haar-Sieb, menget sie wohl unter einander, feuchtet sie etwas an, menget sie alsdann noch ein Mahl, wieget sie endlich, und thut sie in Fäßchen, alsdann ist die Farbe Kaufmanns-Gut, und wird in großer Menge nach Italien, Holland und England verschickt. Von da kommt sie nach Portugal und andern Oertern, wo sie zu dem Porzellan-Geschirre genommen, und dann auch zu Hanau, Nürnberg, und an andern Oertern, wo man mit dem weißen glasurten Geschirre umzugehen weiß, gebraucht wird. Diese Farbe wird sowohl von dem Frauenzimmer mit zur Stärke zu ihrer Wäsche, als auch zum Wasser- und Leim-Farben-Mahlen gebraucht. Die Blaufarbe oder Schmalte behält ihre Farbe im nassen Wetter und Sonnenscheine ganz beständig; sie hält auch das Feuer aus, und ist nicht leicht zerstörlich. An und für sich selbst, ist sie zwar zum andern Mahl sehr hartschmelzig, mit besonderm Fleiße aber kann sie doch gar leicht geschmolzen werden.
Auf die vorgedachten Fäßchen brennt man die Buchstaben, welche die Sorte oder Höhe der Farbe bezeichnen. In Deutschland hat man besonders die chursächsische und böheimische. Die sächsische führt durchgängig, oben an dem Auflage-Boden des Fasses, zum General-Brandzeichen Fig. 2354. Das mittelste Zeichen heißt ein Rauten-Kranz mit churfürstlichen Schwertern. Das daneben zur Linken, ist ein Herz, über dasselbe eine Krone, welche offen gebrannt. Das zur Rechten, heißt eine Lilie, oder wie es sonst genannt wird, eine Brand-Säule. Das oberste Zeichen ist eine voll gebrannte Krone, welche gerade über dem Rauten-Kranze steht. Unter dieses Zeichen kommen die General-Brand-Buchstaben, und zwar an Farben &c. an Eschel &c. und an Zaffera oder Saffler &c. um damit anzuzeigen, was für eine Sorte Farbe sich in diesem oder jenem Fasse befindet. Bey der böheimischen Blaufarbe ist durchgängig das Haupt-Brand- und General-Zeichen der Buchstaben oben, und unter solchen Buchstaben drey gebrannte Brände, wie aus Fig. 2355 zu ersehen ist. Die drey Brände unten bleiben durchgängig bey allen böheimischen Farben; die Haupt-Brand-Buchstaben aber oben, verändern sich jedes Mahl bey den Sortimenten der Farbe.
Auf den sächsischen Farbewerken wird viererley Ware gemacht, als: 1. hohe Farben; 2. Couleuren; 3. Eschel; 4. Safflor.
Der Safflor, Saffra, Zaffera, Zaffra, Zafferfarbe, Zapherfarbe, L. Saffra, Zaffera, Zoffera, Fr. Safre, Zafre, ist nichts anders, als ein calcinirter Kobalt, oder eine halb metallische kobaltische Zubereitung von einer bläulichen Farbe, welche aus dem arsenikalischen Kobalte folgender Maßen bereitet wird. Nachdem der Hüttenrauch oder Arsenik aus dem Kobalt-Erze geröstet worden ist, wird solches weiter gepocht und geröstet. Dieses geröstete und gepochte Erz wird hernach gepulvert, und mit 2 oder 3 Mahl so viel wohl gepulvertem Kiesel vermischt, mit Wasser angefeuchtet, und in Fässer eingepackt, wodurch diese Vermischung eine Stein-Härte bekommt, so, daß sie nicht anders, als mit eisernen Schlägeln, heraus gebracht werden kann. Auch pflegt man oft das geröstete Kobalt-Erz allein, ohne Vermischung mit Kiesel, oder Quarz, auf solche Art zu packen, und unter eben dem Nahmen zu verkaufen. Man gebraucht den Safflor auf den Glas-Hütten, das Glas damit blau zu färben; ferner in den gemeinen Porzellan-Fabriken, um das Porzellan, als: in Holland das delfter Porzellan, damit blau zu mahlen; wie denn auch einige Schmelze oder Flüsse, insonnderheit die Sapphier-Flüsse, damit gefärbet werden, und die Mahler, insonderheit die im Feuer mahlen (Emailleurs), solchen gebrauchen. Der beste Safflor ist der von den sächsischen, vornehmlich bey Schneeberg befindlichen, Blaufarbe-Werken, und nächst diesem, der aus Böheim. Die englische und holländische ostindische Compagnien bringen dergleichen auch aus Ost-Indien von Surate; er ist aber bey weitem nicht so gut, als der sächsische und böheimische; daher denn der Safflor aus Sachsen und Böheim bis nach Ost-Indien verführt, und vornehmlich von den Holländern sehr ausgesucht wird, die ihn nach England, Frankreich und andern Ländern verschicken.
Die Specerey-Händler und Droguisten, welche mit dieser Farbe handeln, führen zweyerley Sorten, ganzen und pulverisirten oder zu Pulver gestoßenen Safflor, wovon jene Sorte die feine, diese aber die gemeine, genannt wird. Die erste muß der letztern deswegen vorgezogen werden, weil man sie nicht nachmachen kann, dahingegen die letzte verfälschet werden kann, daher diese auch nicht selten nur auf die Probe genommen wird. Die einzige äusserliche Probe, die man davon hat, und worauf man bey dem Einkaufe insonderheit sehen muß, ist diese, daß der Safflor eine schöne blaue Farbe haben muß.
Die Sortimente der sächsischen Farben, sind: O. H. ordinär hoch; M. H. mittel hoch; F. H. fein hoch; F. F. H. das feinste hoch. Von Couleuren, ist; O. C. ordinäre Couleur; M. C. mittel Couleur; F. C. feine Couleur; F. F. C. noch feinere Couleur; F. F. F. C. die feinste Couleur. Von Escheln, ist: O. E. ordinärer Eschel; M. E. mittel Eschel; F. E. feiner Eschel; F. F. E. noch feinerer Eschel; F. F. F. E. der feinste Eschel. Das O. E. kommt auch im Commercio bisweilen in Stücken, und ungerieben, vor, da es denn O. E. schlecht weg, wenn es aber gerieben ist, O. E. G. gezeichnet wird. Das so genannte Streu-Blau, oder der so genannte böheimische blaue Sand, ist ein grob gemehlnes Glas. Von Saffloren, ist: O. S. ordinärer Safflor; M. S. mittel Safflor; F. S. feiner Safflor; F. F. S. der feinste Safflor.
Von den Sortimenten der böheimischen Farben, sind folgende insonderheit courants. F. F. C. extrafeine C Farbe; F. C. feine C Farbe; M. E. gesiebet, mittelfeiner Eschel; M. E. in Stücken, mittel Eschel; M. C. mittel C Farbe; O. E. gesiebet, ordinärer feiner Eschel; O. E. in Stücken, ordinärer Eschel; O. C. ordinäre C Farbe, oder ordinäres Blau. Alle Eschel-Farbe ist feiner, als die C Farbe, und die Zaffer- oder Safflor-Farbe. Bey O. E. und M. E. in Stücken, steht auf dem Ausschlage-Boden allezeit noch mit unter den zwey General-Brand-Buchstaben, ein gebranntes S; z. B. O. E. welches anzeigt, daß in diesem Fasse O. E. in Stücken ist; und also O. E., M. E. gesiebet, von der O. E. und M. E. in Stücken, demnach wohl und richtig zu unterscheiden.
Preis-Courant von aufrichtigen sächsischen blauen Farben, wie solche nach dem Centner, von 112 ℔ gegen contante Bezahlung in chursächs. Conventions-Species und Gulden verkauft werden sollen, bey Richter Gebrüder, in Leipzig, und bey dem Factor Fried. Wilh. Schnorr zu Schneeberg, 1786.
Der bey jedem Ctn. Blaufarbe weniger gesetzte Preis an 12 gl. wird für die Fracht gerechnet, welche von Schneeberg bis Leipzig bezahlt wird.

Preis-Courant von pottensteiner blauen Farben, wie solche, nach dem nürnb. Centner, in Fäßchen von 25 ℔ franco auf den Wagen verkauft werden, bey Steiner und Schloßer, in Wien 1787.


Eine Blaufarben-Fabrik ist important, und gibt, wenn sie gehörig eingerichtet ist, reichlich Ausbeute. Es kommt aber darauf an, das Holz in Menge, und um billigen Preis zu haben; ferner, daß die Pottasche nicht zu theuer sey; drittens, daß die Kobalte reich an Farbewesen, und nicht übermäßig theuer zu brechen; und viertens, auch die Sande leicht zu schaffen, und die Pretia rerum sonst nicht zu theuer seyn, damit man die Arbeiter mit mäßigem Lohne aushalten könne. Wo diese Stücke, oder wenigstens die meisten derselben fehlen, da ist es allezeit mißlich, dergleichen Werk anzulegen. Holz ist gemeiniglich der Haupt-Knoten; denn ein Jeder weiß, wie viel Holz nur ein einfacher Glas-Ofen erfordert; hier kommt nun noch der Calcinir-Ofen und der Trocken-Ofen dazu. Nun fragt es sich: ob man statt des Holzes nicht etwas anders nehmen könne? Torf, möchte in großer Menge wohl zum Trocken-Ofen angehen, aber zum Glas-Temper- und Calcinir-Ofen taugt er nicht, denn hier muß eine starke, egale und anhaltende Flamme seyn. Eben so untauglich ist auch der meiste Theil der Stein-Kohlen; ob aber nicht einige derbe Sorten von englischen Stein-Kohlen sich dazu schicken möchten, zweifle ich gar nicht, nur müssen solche frey von allem Schwefel seyn. Insonnderheit dürfte sich die so genannte derbe englische Candel-Kohle wohl dazu schicken. Ist aber die Stein-Kohle schwefelig, so zieht sich aller Dampf durch den Schlund in den Ofen, fällt auf die Oberfläche des Gemenges, macht darauf eine Haut, welche nach und nach wie Stein wird, so, daß nichts schmelzen kann; und wenn ja etwas schmilzt, so fällt die Farbe dumm. Vielleicht dürften durch gewisse Züge, welche unter dem Roste in dem Aschen-Herde nach dem Feuer zu gehen könnten, doch wohl einige gute Stein-Kohlen dahin zu bringen seyn, daß sie in dem Schmelz-Ofen ihren Effect thäten. Anzustellende Versuche, eine gute Feuer-Baukunst, besonders aber unermüdete Armie, welche ein solches Feuer, wie die Staker bey den Salz-Werken, fleißig schürten und aufrührten, könnten hier vieles thun.
Sachsen ist ganz gewiß das erste gewesen, welches den Gebrauch und Nutzen des Kobaltes eingesehen, und sich dessen bedient hat. Ob man gleich, Melzer’s Nachricht in der schneebergischen Chronik, und Rößler’s Berichte im Bergbau-Spiegel, zu Folge, schon über 50 Jahr Kobalt gebrochen und gekannt hat, so hat man doch kaum vor 140 Jahren solchen im Lande zu verschmelzen angefangen, indem man vorher, nach Matthesius, Agricola, und Anderer Nachrichten, weiter nichts damit angefangen, als daß man den Wißmuth daraus geschmolzen hat. Und obgleich schon vorher in Böheim ein gewisser Dav. Haidler, und 1564 in Meißen Hieron. Zurch, Gift-Fänge und Arseniks-Hütten angelegt hatten, so findet man doch von dem Gebrauche des Farben-Kobaltes eher keine Spuren, bis man endlich im 16ten Jahrhundert anfing, Safflor daraus zu machen, und ihn an Auswärtige zu verkaufen. Der damalige Churfürst von Sachsen, Augustus, sahe die Importanz dieses Commercii wohl ein; und weil die Kobalte nicht auf allen Gruben gleich seyn konnten, folglich die Gewerken auf dergleichen ärmern Kobalt-Zechen hinten an gesetzet wurden, so regulirte derselbe die Abnahme der Kobalte in Proportion für jede Zeche, und privilegirte 1575, sub dato d. 15 Nov. Hans Jenißen, seinen Kammer-Secretär, und Hans Harren, seinen Kammer-Meister, auf 10 Jahr, so, daß beyde die einzigen Abnehmer der in Sachsen geförderten Kobalte waren. Denn in Böheim hatte bereits 1571 ein gewisser Sebast. Preußler eine Glas-Hütte zwischen der Platte und Eybenstock, zu blauem Kobalt-Glase angelegt. Als im J. 1598 bis 1605, ingl. 1607 bis 1621, wie auch von 1626 bis 1646, die schneebergischen Bergwerke sehr in Verfall kamen, wurden dieselben größten Theils bloß durch die Kobalt-Förderung im Stande erhalten, und ging der stärkste Debit davon, einem deswegen besonders geschlossenen Contracte zu Folge, nach Holland; ja, Melzer versichert, daß, im J. 1617, der Gewinn von Kobalt, nach Abzug aller Unkosten, auf 400 Rthlr. sich belaufen habe. Im J. 1610, errichtete Churfürst Christian II. eine besondere Kobalt-Kammer, wohin alle Kobalte geliefert werden mußten. Im J. 1621 hörte der vorbesagte holländische Safflor-Contract auf. Churfürst Johann Georg I. zu Sachsen, überließ hierauf die Kobalt-Handlung an seinen Kammer- und Berg-Rath Christoph Carl v. Brandenstein erb- und eigentümlich. Allein auch dieser konnte mit der Sache nicht wohl fortkommen, daher gab er das Privilegium zurück, und der Churfürst errichtete zu Anfange des J. 1627, einen Contract mit zwey Kaufleuten, Dan. de Prieres, zu Frankfurth, und Hans Friesen zu Hamburg, auf 6 Jahr. Aber auch diese schieden in dem darauffolgenden J. 1628 wieder aus, und der Kobalt-Handel fiel, von der Zeit an, in das Freye, so daß damit handeln konnte, wer da wollte. Hierdurch wurde dem schneeberger Bergwerke ansehnlicher Schade zugefüget, daher gedachter Churfürst im J. 1640 sich genöthigt sahe, von neuem einen Contract zu schliessen, und man reflectirte dabey vornehmlich auf folgende vier Personen, als: Sebast Oheim, Hans Burkart, Veit Hans Schnorr, und Erasm. Schindler, weil diese in den vorhergehenden Zeiten den Kobalt-Debit durch Abnahme der Kobalte, Wißmuthe, Graupen, Schlich und Gräupchen, sich hatten sehr angelegen seyn lassen, und hierdurch den schneebergischen und annabergischen Berg-Bau befördern, und die Bergwerks-Einkünfte vermehren helfen (*). Hieraus sind die sächsischen Blaufarben-Werke entstanden, welche denn auch noch Particuliers gehören, ausser daß Hans Burkart, im J. 1653, sein Werk an den damahligen Churprinz Johann Georg II. im Testament vermachte, woraus man nach der Zeit ein doppeltes Werk gemacht hat, welches noch jetzt das doppelte königl. Werk heißt.
(*) Diese Worte führt Rößler im Bergbau-Spiegel, aus dem churf. Privilegio an.
Dieses Beyspiel hat in der Folge das benachbarte Böheim, ingl. Hessen, Saalfeld, ja auch den Ober-Harz und Würtemberg, und andere bewogen, nachzuahmen, und auf diese Art sind an verschiedenen Orten Deutschlandes Blaufarben-Werke entstanden. Melzer meldet daher, daß man im J. 1620, 8462 Kübel für 33189 Floren-Groschen und 18 Groschen; im J. 1621, 9016 Kübel für 36809 Floren-Groschen, 5 Gr. 3 Pf., u. s. f. abgeliefert habe, wobey man wahrnimmt, daß die Kobalt-Lieferung fast von Jahr zu Jahr gestiegen ist. In der Folge hat man die Kobalte nicht mehr nach Kübeln, sondern nach Centnern, verkauft. Von der Zeit an wurde der Kobalt-Handel in Sachsen immer importanter; man nahm eigene Gruben auf Wißmuth und Kobalt auf, und es wurde in der Absicht auch aller Schleich-Handel mit Kobalten scharf untersaget. In dieser Absicht bestellte man besondere Kobalt-Inspectores, Kobalt-Bereiter, u. d. gl. welche den heimlichen Handel mit Kobalten verhindern sollten, so, daß jetzt von schneebergischem Kobalt jährlich nur ungefähr 6000 Ctn. zu den Farben-Werken geliefert werden, nach welchem Quanto nicht allein die Besitzer der Farbe-Werke, sondern auch die Schicht-Meister und Vorsteher der Kobalt-Zechen ihre Einrichtung machen müssen.
Die schneebergischen Kobalte werden theils roh zur blauen Farbe auf Porzellan, unter dem Nahmen von Fabriken-Kobalt, nach Meißen gesandt, theils zu Schlich gezogen, geröstet, und zu Blauglas geschmolzen. Es gibt 4 Blaufarben-Werke unweit Schneeberg: das churfürstl. gedoppelte Werk zu Ober-Schlemma; das schindlerische, bey Bockau an der Mulde, 1 Meile von Schneeberg; das pfannenstielische, zu Zelle über der Aue; und das zschopenthaler, bey dem Städtchen Tschopa oder Zschopau, 4 Meilen von Schneeberg. Jeder Ofen soll nur 6 Häfen haben; man hat aber andere zu 8 Häfen einrichten wollen, weil dadurch Holz ersparet wird. Es ist bekannt genug, daß die Kobalt-Werke, die Porzellan-Fabrik und die Gift-Hütte in Sachsen geheim gehalten werden, und daß die sächsischen Blaufarbe-Meister, durch genaue Kenntniß der verschiedenen Arten der Kobalte und ihres Verhaltens in der Mischung gegen einander &c. im Stande sind, nach dem Muster zu arbeiten, oder jede verlangte Sorte sogleich zu beschickken, und ohne Fehler zu bereiten, welches die Böhmen nicht verstehen. Man sagt so gar, daß der Farbe-Meister eine Geld-Strafe erlegen müsse, wenn er nicht das Muster nach der Beschickung trifft.
Der Centner Kobalt-Erz, den der Churfürst und die Gewerkschaft für ihre Fabriken kaufen, ist, nach Jars (*) Berichte, auf einen Preis von 22 Liv. 10 Sols, bis auf 45 Liv., (von 6 Thlr. 2 Gr. 3 Pf. bis auf 12 Thlr. 4 Gr. 6 Pf.) nach Verschiedenheit der Güte, gesetzt worden; und es wird solcher allemahl nach den ausgefallenen Proben, im Berg-Amte durch den Berg-Meister, durch Vergleichung der Producte mit den Mustern bestimmet. Man setzt bey diesen Proben nichts, als etwas Kiesel-Stein, zu; da man aber daraus nur eine sehr dunkle Farbe erhalten kann, so ist es den Gewerken erlaubt, einen stärkern Zusatz von Kiesel zu nehmen, das Muster wird von solcher Mischung genommen, und daher kommt es, daß öfters der Ctn. Kobalt mit 90, ja mit 135 Livr. bezahlt wird, obgleich die Tare nicht über 45 Livr. geht.
(*) Im 4 B. seiner metallurgischen Reisen, nach der Uebersetz. von Hrn. geh. Fin. Rath Gerhard, (Berl. 1785, gr. 8.) S. 802, fgg.
Unter den vielen Kobalt-Arten, die auf dem Blaufarben-Werke zu Schneeberg gebraucht werden, sind einige, die gebrannt werden müssen, andere aber werden roh verbraucht, noch andere führen Quarz genug bey sich, um die Stelle einer größern Quantität, die man zusetzen müßte, zu vertreten. Der in großen Stücken calcinirte Quarz wird hernach naß gepocht, zusammen gerafft, und auf den für ihn im Ofen bestimmten Ort aufgelaufen, um getrocknet zu werden. Ehe man die Mischungen zum Schmelzen im Großen aufbereitet, macht man vorher von verschiedenen Arten Proben im Kleinen, aus deren Resultat die Proportionen bestimmet werden, um Farben zu erhalten, die mit den Mustern überein kommen, aus welchen Proportionen in den Zusätzen die Sachsen das größte Geheimniß machen. Man braucht aber nichts als calcinirte Pottasche dazu, deren Quantität sich jedes Mal, so wie die des Quarzes, verändert; auch kommt zu den Mischungen noch etwas Arsenik-Mehl, und zuweilen etwas Speise. Man sagt, daß der Arsenik mehr zum Fluß, als zum Glaswerden, beyträgt, weil er durch sein Verfliegen Oeffnungen in dem auf der Oberfläche sich formirenden Glase macht, und welches ohne deren Beyhülfe das Durchdringen der Hitze verhindern würde. Die Farbe, welche auf dem Siebe bleibt, selbst die feinste, und der Sumpf-Eschel, welcher sich in den großen Sümpfen ansetzt, kommen noch zu gedachten Vermischungen.
Das Rösten des Kobalt-Erzes geschieht in einem Ofen, der dem plattener in Böheim, den ich unten beschreiben werde, ähnlich ist; derjenige aber, worin es geschmolzen wird, weicht von demjenigen, welcher in Platten dazu gebraucht wird, und selbst von dem joachimsthalaer, dessen nachher Erwähnung geschehen wird, ab; denn 1. er ist weit besser vorgerichtet; 2. der Platz für die Farben-Häfen ist rund, und es gehen 6 Stück hinein.
Den Grundriß, Durchschnitt und Aufriß des Ofens, worin zu Schneeberg der Kobalt geschmolzen wird, stellen Fig. 2356 a), b), c), und d. dar.
Fig. 2356 a), der Grundriß in der Höhe der Sohle des Ofens abgenommen.
a, Mauerwerk, welches 6 Z. über den Erdboden erhöhet ist.b, eiserner Ring, welcher um dasselbe gelegt ist.
c, sechs gemauerte Pfeiler, die das Gewölbe des Ofens tragen.
d, Zwischenräume zwischen denselben zum Durchgang für die Tiegel in den Ofen. Die beyden punctierten Zirkel zeigen die Dicke der Mauer über diesen Zwischenräumen an.
e, Treppe, um bis auf die Sohle des Aschen-Falles herunter steigen zu können, und Holz in den Feuer-Herd zu werfen.
f, die Thür vor dem Feuer-Herde, die, weil sie niedrig, punctiert ist, so wie die ganze Länge dieses Feuer-Herdes.
g, ein Loch, durch welches die Flamme in den Ofen tritt. Man sieht hier deutlich den ganzen Obertheil eines der Bogen nebst einem Theile zweyer andern, und ihre Entfernung von einander. Diese Bogen dienen zum Roste, das Holz auf dem Feuer-Herde darauf zu legen.
h, Grundmauerwerk eines Ofens, den Quarz oder Krystall-Sand zu trocknen.
i, Treppe, um bis auf die Sohle des Aschen-Falles herunter steigen zu können, und wo man zugleich die todten Kohlen heraus zieht. Diese Oeffnung dient auch zugleich zu einem Zug-Loche, die Flamme anzufachen; wenn aber der Zug zu stark wird, so verschließt man den Durchgang entweder ganz, oder zum Theil, mit einer eisernen Thüre.
Fig. 2356 b).
a, Mauerwerk.
b, die 6 Pfeiler, die das Gewölbe tragen.
c, eiserne Platten.
d, sechs kleine Thüren, durch welche man die Materie in die Schmelz-Tiegel hinein thut, und wieder heraus nimmt. Sie dienen auch zum Durchzug für den Rauch und die Flamme. Man setzt sie halb mit Back-Steinen zu.
e, sechs Tiegel, worin die Materie geschmolzen wird; ein jeder hat seine eigene Vertiefung, worin er steht.
f, sechs Back-Steine, die auf dem Rande der Tiegel stehen und die Flamme abhalten, daß sie nicht darüber weg spiele, sondern um dieselbe herum gehen müsse. Auf dem einen Steine nimmt man 3 kleine Probes-Tiegel wahr, die verschiedene Vermischungen enthalten, um versichert zu seyn, daß die daraus entstehende Farbe schön, und nach dem gegebenen Muster sey.
g, Oeffnung, die in einem Pfeiler gelassen ist, damit ein Theil der Flamme durchgehen, und den krystallisirten und pulverisirten Quarz dörren könne.
h, die Mauern des Ofens, worein der zu dörrende Quarz gethan wird.
i, das Innere dieses Ofens.
l, die Thür desselben.
Fig. 2356 c), ist der Durchschnitt des Ofens nach der Linie ab.
a, das Mauerwerk des Ofens über dem Erdboden.
b, zwey von den Pfeilern, die das Gewölbe tragen.
c, das Gewölbe des Ofens, welches von den sechs Pfeilern, wobey man 2 in b sieht, getragen wird.
d, Bett von Erde und Sand, welches das Gewölbe bedeckt, um ihm mehr Stärke zu geben, und mehr Hitze zu verschaffen, wenn der Ofen geheizt ist.
e, einer der Schmelz-Tiegel in seiner Vertiefung, im Hintertheile des Ofens anzusehen.
f, zwey andere ähnliche Vertiefungen mit ihren Schmelz-Tiegeln, aber von der Seite anzusehen.
g, drey von den sechs kleinen Thüren, durch welche man die Materien in die Tiegel thut, und die zugleich der Flamme den Durchzug verstatten.
h, der Feuer-Herd.
i, Durchzug der Flamme in den Ofen.
k, einer der sieben kleinen Bogen, worauf das Holz liegt, zwischen welchen Zwischenräume sind, daß die Kohlen durchfallen können.
l, der Aschen-Fall, wo die Kohlen hinein fallen.
m, Oeffnung, wodurch Flamme und Hitze genug durchzieht, den pulverisirten Quarz zu dörren.
n, das Innere des Ofens, wo der Quarz gedörret wird.
o, der Schorstein.
Fig. 2356 d), stellt den Aufriß dieses Ofens vor.
a, Mauerwerk unter dem Erdboden.
b, eiserner Ring, der in der Höhe des Erdbodens, um dasselbe gelegt ist.
c, der Aschen-Fall.
d, die Ofen-Thür.
e, eine der sechs Thüren, durch welche man die Tiegel in den Ofen setzt, und die während des Schmelzens mit Back-Steinen zugesetzt werden, um die Hitze desto besser im Ofen zusammen zu halten.
f, eines der kleinen Fenster, wodurch man die Materie in die Schmelz-Tiegel thut, und, wenn sie geschmolzen ist, wieder heraus nimmt.
g, eine von den eisernen Platten, die bey c, Fig. 2356 b), zu sehen sind.
h, Ofen, worin der pulverisirte Quarz getrocknet wird.
i, der Schorstein.
k, die Thür, wodurch der Quarz in den Ofen aufgegeben wird.
Das Schmelzen dauert hier 8 Stunden, nach welchen das Glas mit Kellen ausgeschöpfet, und in eine große Kufe gegossen wird, in welche immer frisches Wasser hinein läuft. Wenn ein Hafen beynahe ausgeschöpft ist, schöpft man Speise mit dem Glase heraus, und lässet sie in runde eiserne Formen laufen, ehe man das Glas in das Wasser thut; und weil aus denselben viel Arsenikal-Dampf heraus steigt, stellt man die Form sorgfältig so, daß dieser Dampf gerade in den Schorstein steigen könne, und zu mehrerer Vorsicht hält man sich auch ein Tuch vor den Mund, um keine Dämpfe einzuschlucken.
Vor diesem Ofen steht nur ein Arbeiter, welcher alle 8 Stunden durch einen andern abgelöset wird, und zwar in dem Augenblicke, wenn er aus drey Häfen die Materie ausschöpft, und mit neuem Gemenge anfüllt. Hierzu werden in jeder Woche nicht über 8 Maß Holz, oder 110 Kubik-Fuß, verbrannt. Das Product eines Schmelzens von 24 Stunden, ist 15 Ctn. Blau-Farben-Glas, welches aus dem Wasser gleich trocken gepocht, durchgesiebet und hernach gemahlen wird; hernach wird es in einem geheizten Zimmer auf große Bänke ausgebreitet, wo ein Arbeiter dasselbe vermittelst einer Walze rollt und tüchtig durch einander arbeitet, wodurch verhindert wird, daß es im Trocknen sich nicht verhärtet.
Der Safflor wird aus dem besten Kobalte, den man pülvert und 5 bis 6 Stunden röstet, gemacht. Man fabricirt, oben erwähnter Maßen, viererley Sorten davon, und ungefähr 15 Sortimente Blau-Farbe; der Ctn. wird zu 37 Livr. 10 Sols, bis zu 159 Livr., verkauft, wiewohl von letterm nur selten was verkauft wird, es sey denn daß man 30 Mahl so viel Blaufarbe mit kaufte. Wenn man z. B. 1 Ctn. Safflor haben will, muß man zugleich 30 Ctn. Blau-Farbe nehmen; dieses ist deswegen so eingerichtet, damit man nicht mit Vortheil Blaufarbe aus diesem Safflor machen könne.
Wenn man eine gewisse Quantität Speise in Vorrath hat, schmelzt man alle Könige in einem großen Glas-Hafen, die hieraus kommenden Könige werden hernach geseigert, um den Wißmuth davon zu scheiden. Die silberhaltige Speise wird durch ein besonderes Verfahren, woraus man Hrn. Jars, als er das Blaufarben-Werk zu Schneeberg im J. 1757 besahe, ein Geheimniß gemacht hat, concentrirt, und hernach an die freyberger Haupt-Hütten-Administration abgeliefert.
Zu den Nachrichten von den Blaufarbe-Werken in Böheim, welche ich oben, S. 17, angeführt habe, füge ich noch folgende, welche das zu Joachimsthal und zu Platten betreffen, aus Jars (*) hinzu.
(*) Am ang. O. S. 881, fgg.
Seit einigen Jahren hat die Kaiserinn-Königinn, Maria Theresia eine Tare nach Joachimsthal geschickt, welche den Preis aller in Böheim geförderten Kobalt-Erze von 20 bis 48 Liv. 15 Sols (von 5 Thl. 10 Gr., bis 13 Thl. 9¾ Gr.) pro Ctn. bestimmt, nach welcher sich alle einheimische und fremde Fabriken zu richten haben, denn hier ist die Ausfuhre des Kobaltes erlaubt, dahingegen dieselbe in Sachsen bey Leibes-Strafe verbothen ist. Diesen Taren sind noch 6 Muster von verschiedener Blaufarbe beygefüget worden, und auf jede der Preis gesetzt. Dieses Glas oder diese Blaufarbe ist gröblich gepocht und in Papiere gut eingesiegelt, die bey dem Berg-Amte aufgehoben werden, und wonach benöthigten Falls die Tare gemacht wird. Die Gewohnheit bey den Proben ist, zu jedem Centner Erz 3 Ctn. Quarz oder Kiesel-Steine zu zusetzen, und bey dem Producte einer jeden Probe, die der Inspector dem Amte übergibt, wird eine Untersuchung angestellt, zu welcher Classe es gehört, und der Preis dazu bestimmt. Trifft es sich aber, daß das Glas von einer dunklern Farbe, als irgend eine der eingeschickten Proben, ist, so wird eine neue Probe veranstaltet, und eine größere Quantität Quarz, von 6 oder 9 Theilen, zugesetzt, und das Product von neuem verglichen. Ist es nur mit der auf 30 Liv. festgesetzten Probe übereinstimmend, und hat man 6 Th. Quarz zugesetzt, so wird der Ctn. mit 60 Liv. bezahlt, und so die übrigen nach Proportion.
Das Kobalt-Erz wird zu Joachimsthal in einem Reverberir-Ofen geröstet, an welchen man auch einen großen gemauerten Canal, worin das Arsenik-Mehl sich ansetzt, angebracht hat. Es werden darin nur 3 Ctn. auf ein Mahl in 2 bis 3 Stunden gebrannt, welches von der Qualität des Kobaltes, welcher mehr oder weniger Calcination braucht, abhängt; und, damit man keine Farbe verliere, so rührt man ihn von einer Zeit zur andern um.
Der zum Kobalt-Schmelzen bestimmte Ofen wird so vorgerichtet, daß in demselben 4 Tiegel, worin das Gemenge befindlich ist, stehen können. Diese Tiegel sind von gleicher Größe; sie haben oben 18¾ Z. im Durchmesser, und gehen unten spitzig zu bis auf 3 Z. Ihre Höhe ist 1 F. Diesem Ofen zur Seite ist ein anderer, welcher ungefähr wie ein Back-Ofen gestaltet ist, worin man erst diese Tiegel abglühet, ehe man sie in den erstern einschiebt, und das Gemenge zum Schmelzen hinein thut. Man gebraucht dabey zwey Arten Quarz; die eine ist ein quarziges eisenschüssiges Gestein, welches, seiner Natur nach, die Farbe verdirbt, und dessen Härte vorher die Röstung erfordert, dahingegen der Kiesel-Stein, den man in Bächen sammelt, keiner Vorbereitung bedarf. Zu dem Gemenge kommen: Kobalt, calcinirte Pottasche, Kiesel, gepochter und getrockneter Quarz, und etwas Arsenik-Mehl. Die Quantität Pottasche ist allemahl der 4te Theil vom Erz. Der Ctn. prager Gewicht davon gilt 20 bis 22 L. 10 S. Die Quantität des Quarzes lässet sich nicht füglich bestimmen, weil die verschiedenen Kobalt-Arten mehr oder weniger davon vertragen können. Vormahls setzte man zu dem Gemenge noch Speise hinzu.
Den Grundriß, Durchschnitt und Aufriß des Ofens, dessen man sich zu Joachimsthal zum Kobalt-Schmelzen und zur Zubereitung der Blaufarbe bedient, stellen Fig. 2357 a), bis k), dar.
Fig. 2357 a), ist der untere Grundriß.
1, das Mauerwerk.
2, der Rost des Feuer-Herdes von Back-Steinen.
3, Windpfeife nach dem Hintertheile des Ofens.
4, andere Windpfeife in der Höhe des Feuer-Herdes.
Fig. 2357 b), ist der obere Grundriß.
1, die innere Sohle des Ofens von Back-Steinen.
2, die Ofen-Thür.
3, Oeffnung, wodurch die Flamme in den Ofen zieht.
4, vier kleine Oeffnungen, wo gegen jede derselben ein Schmelz-Tiegel gestellt wird, so, daß er die Oeffnung verschließt, und zwar auf der Seite, worin ein kleines Loch zum Abfluß der Speise in die Herde befindlich ist.
5, die Herde, welche von einem einzigen Back-Steine gemacht sind.
6, ein Loch, wodurch die Flamme in einen neben stehenden Ofen zieht, um den darin befindlichen Kiesel und pulverisirten Quarz zu dörren.
7, die Fläche dieses Ofens.
8, eiserne Thür, um die Hitze in demselben besser zusammen zu halten.
9, Durchzug der Flamme aus dem Schorsteine.
Fig. 2357 c), ist der Durchschnitt nach der Linie ab des obern Grundrisses.
1, das Innere des Ofens.
2, Thür, durch welche die Tiegel eingesetzt werden, und die hernach mit einem darein passenden Back-Steine zugesetzt und gut mit Thon verschmiert wird, und so lange verschlossen bleibt, bis man andere Tiegel einsetzen muß, wofern einige springen.
3, Durchzug der Flamme aus dem Feuer-Herde in den Ofen.
4, kleine Oeffnungen, durch welche man in die Tiegel sticht, wenn man die Speise will abkühlen lassen.
5, Oeffnungen, durch welche man die Materie in die Tiegel thut und wieder heraus nimmt. Sie sind in einen großen Back-Stein geschnitten, und werden mit Back-Steinen dergestalt verschlossen, daß auf der Seite ein kleines Loch von 12 bis 15 Lin. bleibt, damit etwas von der Flamme heraus ziehen könne.
6, Durchzug der Flamme nach dem Gewölbe.
7, Gewölbe, worin der Kiesel und Quarz zum Dörren befindlich sind.
8, eiserne Thür.
9, Durchzug der Flamme in die Röhre 10, damit sie das Holz in dem Gewölbe 11 trocknen könne. Da diese Fabrik nur einem einzigen Manne gehört, so macht er nicht die nöthigen Vorschüsse zum hinlänglichen Vorrath; er ist daher genöthigt, sein Holz in dem bey dem Ofen dazu angebrachten Gewölbe zu trocknen; da aber mehr Holz darauf geht, als getrocknet werden kann, so muß man auch nasses brennen, welches doch eigentlich vermieden werden sollte.
12, eine Oeffnung, welche man verstopft, wenn die Flamme sich in das Gewölbe ziehen soll.
13, Heiz-Loch.
14, der Feuer-Herd.
15, Zug-Loch.
16, der Rost des Feuer-Herdes.
17, der Aschen-Fall.
18, Zug-Loch, worin man auch Holz hinein steckt.
19, Gewölbe, welches mit dem Zug-Loche 18 verbunden ist, worein die Luft sich zieht, um das Feuer auf dem Herde anzublasen.
Fig. 2357 d), ist der Durchschnitt nach der Linie cd.
1, das Innere des Ofens.
2, Gewölbe von Back-Steinen.
3, Durchzug der Flamme in dem Ofen.
4, Oeffnungen, durch welche man in die Tiegel sticht, um die Speise in die Herde laufen zu lassen.
5, die Herde.
6, Durchzug der Flamme in das Gewölbe, wo der Quarz zum Dörren befindlich ist.
7, der Feuer-Herd.
8, der Rost.
9, Windpfeife in dem Untertheile.
10, der Aschen-Fall.
11, Thüren, durch welche man die Materie in die Tiegel thut.
12, zwey eiserne Platten.
Fig. 2357 e), ist der Durchschnitt nach der Linie ef.
1, Gewölbe, worin das Holz zum Trocknen befindlich ist.
2, Herd, auf welchem der Quarz getrocknet wird.
3, Durchzug der Flamme in das Gewölbe.
4, Die Gewölbe, welche in dem Durchschnitte ab, Fig. 2357 c), mit 19 bezeichnet sind.
5, Windpfeife.
6, ein Stein, der zum Auftritt dient, das Holz zum Trocknen, durch die Oeffnung 7, die mit einer eisernen Thüre verschlossen wird, hinein zu werfen.
Fig. 2357 f), ist der Ofen von hinten anzusehen.
1, das Gewölbe.
2, ein Stein, den man ansetzt, wenn man den Feuer-Herd verlängern will.
3, Zug-Loch.
4, ein Loch, welches man mit einem Back-Steine zusetzt, wenn die Flamme sich in das Gewölbe ziehen soll, das Holz zu trocknen.
Fig. 2357 g), ist der Aufriß des Ofens nach seiner langen Seite.
1, Eingang zu dem Gewölbe, wo man das Holz trocknet, der mit einer eisernen Thüre verschlossen wird.
2, das Gewölbe des Ofens.
3, Fenster oder Oeffnungen, durch welche man die Materien in die Schmelz-Tiegel thut, und das Glas heraus-nimmt.
4, eine eiserne Platte.
5, kleine Oeffnungen, durch welche man die Schmelz-Tiegel durchsteckt, um die Speise ablaufen zu lassen.
6, der Stein, der zum Auftritt dient, um das Holz zum Trocknen durch die Oeffnung 1 in das Gewölbe hinein werfen zu können.
Das jährliche Product dieser Fabriken beläuft sich ungefähr auf 1000 Ctn. Farbe, von verschiedener Güte, wozu man 200 bis 250 Ctn. Kobalt gebraucht hat, und welchem 3, 4, 5 bis 6 Theile Kiesel zugesetzt worden sind.
In dem Blaufarben-Werke zu Platten in Böheim, wird das Erz eben so, und in solchem Ofen, wie zu Joachimsthal, geröstet, nur rührt man es dabey öfters um, welches davon abhängt, ob es mehr oder weniger Arsenik und Schwefel bey sich führt. Drey oder vier Stunden sind zwar hinlänglich dazu, doch kann dieses allein durch die erlangte Uebung und vollkommene Kenntniß des Erzes bestimmet werden, weil es Kobalte gibt, die schwarz werden, andere hingegen, welche eine hellere Farbe annehmen. Sind sie zu sehr gebrannt, so geben sie eine zu dünne Farbe, und vertragen folglich weniger Kiesel; sind sie hingegen nicht stark genug gebrannt, so geben sie entweder gar keine oder doch nur eine häßliche Farbe.
Nachdem nun der Kobalt geröstet worden ist, wird er gepocht, durchgesiebet, und nach der Verschiedenheit der Güte aufbewahrt.
Man braucht nichts weiter, als weiße Kiesel, dazu, welche gepocht, gewaschen, nachher getrocknet, und sodann an dem, ihnen im Ofen bestimmten, Orte gebrannt werden, wodurch sie ein höheres Weiß erhalten.
Der Ofen zum Schmelzen des Kobaltes, kommt mit dem zu Joachimsthal überein, ist aber von einem größern innern Umfange, weil 6 Tiegel hinein gehen. Uebrigens ist er schlecht vorgerichtet, und kostet viel unnöthiges Holz.
Das Gemenge geschieht in einem, aus dem Ganzen gehauenen, großen hölzernen Troge. Ehe man die Tiegel in den Schmelz-Ofen thut, wärmt man sie vorher in einem andern Ofen ab. Sie werden hernach, wenn sie stehen, durch die Oeffnungen 5, Fig. 2357 c), angefüllt, die man sogleich größtentheils zustopft; sodann feuert man 8 Stunden hinter einander fort, indem man die Materie von Zeit zu Zeit umrührt. Hernach schöpfen die beyden Glas-Schmelzer das Blauglas in eine große Kufe, durch welche beständig frisches Wasser läuft. So bald die Tiegel ledig sind, werden sie wieder angefüllet, und dieses dauert so lange, als der Ofen es vertragen kann, welches ungefähr 4 bis 5 Monathe ist. Wenn ein Tiegel zerspringt, wird an dessen Stelle ein anderer glühender hinein geschoben; und wenn man gewahr wird, daß sich nach 2 oder 3 Tagen Speise auf dem Boden setzt, so öffnet man die unten darin angebrachte kleine Oeffnung, und lässet sie in die Herde laufen. Einige Kobalt-Arten erfordern zur vollkommenen Verglasung ein zehnstündiges Feuer. In diesem Ofen werden wöchentlich 20 bis 25 Maß Holz verbrannt. Das Blauglas wird nach der ersten Wäsche trocken und grob gepocht, und durch ein am Pochwerke angebrachtes, schiefes eisernes Sieb durchgesiebet, und hernach unter einem Mühl-Steine gemahlen. Man hat hierzu zwey einander ähnliche Mühlen, welche beyde durch ein Rad getrieben werden, und deren Vorrichtung von den Mehl-Mühlen nur darin unterschieden ist, daß bey diesen lettern der Drilling unter dem Mühl-Steine, bey jenen hingegen über demselben, befindlich ist. An der Welle dieses Rades sind zwey Kamm-Räder, jedes zu 40 Zähnen, von 4 F. 8 Z. im Durchmesser, angebracht, die in zwey senkrecht stehende Drillinge eingreifen, deren Axe durch den obern Mühl-Stein jeder Mühle durchgeht. Dieser Mühl-Stein hat 32 Z. im Diameter, und besteht aus zwey, mit eisernen Bändern verbundenen, Stücken; seine Dicke ist 11½ Z.; der untere hingegen, von gleicher Dicke, ist aus Einem Stücke. Beyde liegen in einer hölzernen Tonne, von 38 Z. 6 L. im Diameter, welche wagerecht steht, doch tief genug ist, daß in dem Obertheile noch ein leerer Raum von 8 bis 9 Z. Höhe bleibt, damit das mit der Blau-Farbe vermischte Wasser, wenn man es auf die Mühle aufgibt, nicht ablaufen könne. In dem Boden dieser Tonne ist ein Loch, durch welches man die Farbe, wenn sie fein genug ist, ungefähr nach einer Arbeit von 6 Stunden ablaufen lässet. Hierauf wird sie mit Mulden in ein Faß gethan, welches 1½ Mulde hält, und zugleich mit reinem Wasser angefüllt wird; so wie nun das Wasser in diese Kufe hinein kommt, rührt ein Arbeiter die hinein geschüttete Materie mit einem hölzernen Spatel einige Minuten schnell herum, und lässet sie hernach sich setzen. Alsdann schöpft er dieses mit Blaufarbe schwangere Wasser aus der kleinen Kufe in eine große, die ungefähr 10 Mulden hält, bis auf einige Zoll über den Bodensatz, aus, und lässet wieder frisches Wasser darauf laufen. Sodann rührt er die Materie wieder um, lässet dieselbe sich setzen, und schöpft sie in eine andere Kufe; dieses Blauglas ist alsdann gröber und scheint ganz natürlich von dunkler Farbe. Der Satz aus der kleinen Kufe wird hernach wieder in die Mühle aufgeschüttet. Wenn die großen Kufen voll sind, und man wahrnimmt, daß die Materie sich darin gesetzt hat, lässet man das Wasser davon in einen großen Behälter abläufen, worin noch zuletzt dasjenige zu Boden sinkt, was es bey sich führt, welches denn nichts anders ist, als eine schlechte Farbe, und alle Unreinigkeit, die das Glas bey sich geführt hat, und die bey dem Gemenge zum Zusatz dient. Aller Satz, der aus den verschiedenen Kufen zusammen gebracht wird, wird in einer geheizten Stube auf Bretern getrocknet; und da diese Farbe sich sehr verhärtet, so muß man sie pochen, und durch ein feines seidenes Sieb sieben. Diese Siebe sind in einem großen bedeckten Kasten eingeschlossen, und an ein jedes ist eine lange Stange oder ein Helm befestigt, an welcher der Arbeiter das Sieb schüttelt. Was nun durch die Siebe nicht durchgeht, wird von neuem geschmolzen, und dient zu dem Gemenge als Zusatz.
Bey dem in den Jahren 1726 und 1727 zu Karlshafen im Hessischen errichteten Blaufarbe-Werke, sind folgende Gebäude befindlich. 1. Ein Hütten-Gebäude, 60 F. lang, und 40 F. breit, worin a) ein Schmelz-Ofen mit 6 Hafen, worin die Kobalte zum Blauglale verschmelzet werden, b) ein Calcinir-Ofen, worin die Kobalte calcinirt werden, und c) ein Temper-Ofen, wo Hafen, Ziegel und andere Materialien gebrannt werden, befindlich sind. 2. Ein Mühlen-Gebäude, 90 F. lang, und 39 breit, worüber 2 Stuben und 4 Kammern, und worin a) 2 Wellen, an jeder Welle 2 Mühlen, und an jeder ein Pochwerk angehängt ist, da erstlich die Kobalte und das Glas, welche auf die Mühlen gebracht worden, und dann der Sand oder Quarz ausser andern Poch-Werken gepocht wird. Diese Mühlen sind 32 F. lang, und 39 F. breit. 3. Eine Wasch-Kammer, 25 F. lang, und 39 breit; worin 2 große Sümpfe, darin der Eschel erhalten wird, 12 Wasch-Fässer, und andere zum Farbe-Waschen gehörige Sachen, befindlich sind. 4. Eine Reibe-Stube, 23 F. lang, und 18½ F. breit, worin 2 große Kasten, eine Reibe-Tafel, und andere zum Farbe-Trocknen gehörige Sachen, befindlich sind. 5. Eine Trocken-Stube, 23 F. lang, und 18½ breit; worin 3 Schränke und die dazu gehörigen Farbe-Breter sich befinden. 6. Ein Vorraths-Haus, 16 F. lang, und 8 breit, wo der Kieselstein-Sand in Vorrath behalten wird. 7. Noch ein Vorraths-Haus, 40 F. lang, und eben so breit; worin das vorräthige Glas und die Pottasche verwahret werden. Auch sind oben darauf noch 2 große Stuben und 2 Kammern angebracht. Bey dem Farbe-Werke ist auch 3½ Acker Land zu Garten-Früchten, und zum Vorrath des Holzes &c. Uebrigens haben die Entrepreneurs, so eine Compagnie ist, den Platz von der Herrschaft dazu, wie auch die Bau-Materialien, zu den Gebäuden frey bekommen, und ist ihr dabey versprochen worden, daß sie den Stufen-Kobalt à Ctn. für 18 Rthlr., den gemeinen Kobalt aber für 9 Rthlr., und zwar alles Zoll- und Wegegeld-frey, wie auch die Erlaubniß haben solle, wenn die im Lande geförderten Kobalte verbraucht wären, auf jedesmahlige Anzeige, von andern Orten ausser Landes Kobalte, und zwar von allen Imposten befreyet, bringen zu lassen. Es wird hier jährlich für 1700 bis 1800 Rthlr. Schmalte verfertigt, und in fremde Länder verschickt. Die Fabrik gehört dem Land-Grafen.
78 St. der leipz. Samml. (Leipz. 1750, 8.) S. 482, fgg.
Hollenberg’s Bemerkungen über verschied. Gegenstände, auf einer Reise durch einige deutsche Provinzen, (Stendal, 1782, 8.) S. 29, f.
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