Zedler – Ludovici 1739/XXI
Johann Heinrich Zedler – Carl Günther Ludovici (edd.), Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschafften und Künste, Welche bißhero durch menschlichen Verstand und Witz erfunden und verbessert worden… XXI (Mi–Mt), Halle – Leipzig [Johann Heinrich Zedler] 1739.
col. 322–323
Minera (Zinnober) Minera cinnabarina, ist unterschiedlich, denn manchmal ist sie rothgläntzend, wie roth-gülden Ertz, manchmal aber siehet sie wie ein Stein aus. Sie bestehet aus Schwefel und Quecksilber, wenn man diese zusammen setzet, und sublimiret, so siehet man beständig, wie es roth wird. Manche meynen, daß darinne ein Gold-Schwefel stecke, dergleichen Meynung vornemlich Crato a Crafftheim in suis Consiliis hat. Andere aber meynen, daß es der Schwefel vom Spieß-Glas sey, so daß man gar offte bey den Mineris des Spieß-Glases auch welche vom Mercurio findet. Einige glauben, daß nur gemeiner Schwefel darinnen sey, doch der Schwefel vom Spieß-Glas wird selten darinne angetroffen, hingegen desto offterer der gemeine, der Gold-Schwefel aber ist nur eine blosse Einbildung. Die Zinnober-Minera wird an unterschiedenen Orten gefunden, denn sie kommt aus Spanien, Ungarn, Cärnthen, Braunschweig, Schwarzburg, Hessen; sie wird auch zu Ebernberg und Scombach am Rheine gefunden, sie kommt auch aus Böhmen, Meissen, ingleichen aus America, aus Japan, und Istrien. Die aus Cärnthen kommt, ist sehr gläntzend, die aus Spanien, hat viel Quecksilber bey sich, die aus Tyrol, ist steinigt, und von sehr hoher Farbe, die beste ist die Ungarische, welche sehr schwer ist. Velsch. Hecatost. I. c. 36. Es giebet einige, welche diese Mineram so, wie sie ausgegraben wird, brauchen, aber solche Leute sind sehr verwegen, indem sich darinnen viele arsenicalische und andere fremde Theilgen, die dem Leibe schädlich sind, befinden. Sie soll, wie Ludwig in seiner Pharmacie Diss. 1. p. 351. berichtet, mit Rosen-Borragen-Wasser 2c. verbessert werden, er will, daß man solches kochen lasse, und glaubet er, daß dadurch alles sich darinne befindendes fremde könne weggeschaffet werden. Doch ist diese Operation nicht sicher, da die sich darinn befindende arsenicalische Theile fast gar nicht durch diese Methode wegschaffen lassen. Die Alten haben das Waschen und Kochen vor gnung gehalten. Plin. L. 33. c. 7. Sie wuschen solche in schlechten oder andern Wassern auf folgende Weise: sie nahmen Zinnober-Pulver, gossen gnungsames Wasser drauf, rührten es fleißig um, bis das Wasser roth ward, welches wenn man es abgiesset, ein zartes Pulver auf dem Boden zurück lässet, dieses nennet man schlemmen. Einige wollen, daß man solches durch das Brennen erlangen könne, indem sie wohl rectificirten Spiritum Vini drauf giessen, und ihn etliche mal abbrennen. Diese Reinigung wird vor die leichteste gehalten. Der Zinnober hat grossen Nutzen in der Medicin, er übertrifft die erdigten Schweiß-Mittel, ist auch gut in der schweren Noth, deswegen nennet ihn auch Crato den Magnet der schweren Noth, in den Mutter-Beschwerungen, Colic, Schwindel, Haupt-Weh, die Säffte macht er fliessend, die dünnen und scharffen verbessert er, ist auch ein so schönes Schmerz-stillendes Mittel, daß es fast besser als das Opium ist. Er wird auch von den Mahlern gebrauchet, dahero haben ihn sonsten einige Menge genennet, davon haben auch die Miniateurs und die Miniatur ihren Namen. Sie machen daraus einen Mercurium, Alons. Barb. Probier-Büchlein. Die rothe Corallen verfälschen, färben sie mit Zinnober an. Das rothe Wachs wird auch davon gefärbet. Vor diesem wurden die Götzen-Bilder damit angestrichen. Tilling de cinnab. mineral. und Minio naturali. Siehe auch Cinnabaris nativa.
