Zedler – Longolius 1733/IV

Johann Heinrich Zedler – Paul Daniel Longolius (edd.), Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschafften und Künste, Welche bißhero durch menschlichen Verstand und Witz erfunden und verbessert worden… IV (Bl–Bz), Halle – Leipzig [Johann Heinrich Zedler] 1733.


col. 109

Blaue Farbe, Blaue Stärcke, Bläue, Smalta

Blaue Farbe, Blaue Stärcke, Bläue, Smalta, wird häuffig in Sachsen, sonderlich in Johann-Georgen-Stadt, von dem abgerösteten Cobalt zubereitet, welcher mit einem gewissen Theil Sand und Pott-Asche wieder versetzet, und zu einem dunckeln und dicht blauen Glaß geschmoltzen wird, welches gar zart gestossen, und auf einer gewissen Mühle zwischen zwey sonderlich harten Steinen zu einem Mehl gemahlen, alsdenn geschlammet, und in unterschiedliche Sorten, da immer eine feiner als die andere ist, getheilet wird. Die beste muß schöne, ander Farbe trucken und zart seyn. Die andern sind gemeiniglich blaß, falb, grob, und theils sehr schlecht. Weil der Cobalt dabey der Grund ist, als ist denen Factoren auf denen Bergwercken sehr hoch verboten, den Cobalt roh wegzulchicken, damit die Smalta anderwärts nicht nachgemacht, und dem Lande der Nutz dadurch entzogen werde.

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Blaue Stärcke, siehe Blaue Farbe.

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col. 111–114

Blau-Farben-Fässel

Blau-Farben-Fässel, sind gewisse Gefässe, deren eines gemeiniglich 3. Centner hält, und worein die blaue Farbe gestossen, und zum Verkauf aufbehalten wird, nachdem sie vorhero mit einem gewissen Zeichen, die Beschaffenheit der Farben zu kennen, bemercket worden.

Blau-Farben-Fässel-Brand-Zeichen

Blau-Farben-Fässel-Brand-Zeichen, ist ein gewiß Gemercke, womit die Sächsische blaue Farbe oben an dem Aufschlags-Boden des Fasses als ein General-Zeichen bezeichnet wird, und bestehet sonderlich in folgenden: Das mittelste Zeichen heißet ein Rauten-Krantz, mit Churfürstl. Schwerdtern, das neben an auf der lincken Hand ein Herz, über dasselbe eine Crone, welche offen gebrandt; das zur rechten Hand heisset eine Lilie, oder, wie es sonst genennet wird, eine Brand-Säule, welches zwar die Böhmische Farbe auch führet, doch mit einiger Veränderung, das oberste Zeichen eine vollgebrandte Crone, welche just über dem Rauten Crans stehet; Das unter dem Rauten-Crantz ist ein viereckigtes mit 4. Nägeln klein angemachtes dünnes Bretgen, welches an den Faß-Boden mit angenagelt ist. Dieses befindet sich darum allhier, damit man die Proben von Farben kan raus langen, und nicht nöthig hat den gantzen Faß-Boden deswegen zu eröffnen. Unter dieses Zeichen kommen die General-Brand-Buchstaben, als z. E. J. C. oder M. C. um damit anzuzeigen, was für eine Sorte Farbe sich in diesen oder jenen Fasse befindet.

Blau-Farben-Glaß

Blau-Farben-Glaß, ist das von Kobald und Querk zusammen geschmolzene Werck, welches so blau-helle wie Glas ist; Solches wird gepocht, gestossen, und durch die Mühle im Wasser zur blauen Farbe præparirt.

Blau-Farben-Glas-Schmeltzer

Blau-Farben-Glas-Schmeltzer, heist derjenige, welcher die gerösteten Kobalde und Querk-Sände mit einander zusammen schmelzet, daraus ein solch Glaß entstehet.

Blau-Farben-Häfen

Blau-Farben-Häfen, sind Tiegel, worinnen die Cobalde und Sande geschmolzen werden.

Blau-Farben-Kobald

Blau-Farben-Kobald, ist eine graue Berg-Art, aus welcher die blaue Farbe gemachet wird; Sie bricht sehr häuffig und ergiebig um Schneeberg, um Annaberg und andern Orten des Gebürges, wird gepocht, geröstet, mit Sänden und Potasche vermischt, und geschmolzen, daraus das Blau-Farben-Glas entstehet, welches alsdann gepocht und gemahlen wird.

Blau-Farben-Kobald-Bereiter

Blau-Farben-Kobald-Bereiter, sind gewisse Personen, welche in denen Gegenden, wo Cobalde zu finden, gehalten werden, um den Unterschleif derer Kobalde zu verhüten.

Blau-Farben-Kobald-Inspector

Blau-Farben-Kobald-Inspector, ist derjenige, welcher genaue Inspection auf derer Gewercken zwischen denen Quartalen gewonnenen Kobalds-Vorräthe haben soll, damit selbige rein ausgeschlagen, und kein Geneuß-Schiefer, Spad, Bähren, After, oder anderes darunter gelassen, auch die Stuffen nicht allzugroß gemacht werden. Ferner soll er alle Kobald-Gebäude befahren, die Anbrüche in Augenschein nehmen, quartaliter einen richtigen Aufstand darüber fertigen, und einschicken.

Blau-Farben-Kobald-Proben

Blau-Farben-Kobald-Proben, sagt man, wenn der Kobald geschmolzen ist, da man alsdann siehet, was er vor eine Farbe hat. Wenn er rein, und nicht röthlicht siehet, so sagt man: Er fällt annehmlich; Wenn er aber kupffernicklicht und röthlicht aussiehet, so sagt man: Er fällt tumm.

Blau-Farben-Sande

Blau-Farben-Sande, sind gewisse und spädige Gang-Arten, welche auch aus Gruben-Gebäuden gefördert, und an die Blau-Farben-Wercks-Interessenten verlassen, und daselbst zum Versetzen durch ein Feuer zugebrandt werden.

Blau-Farben-Sortiments

Blau-Farben-Sortiments, weil die Blau-Farben nicht einerley sind, so hat man auch verschiedene Bezeichnungen, und diese sind folgende: F. F F E. ist die extra feinste Eschel-Farbe. F F E. extra feine Eschel. F E. feine Eschel. M E. gesiebt Mittelfeine Eschel. M E. in Stücken mittel Eschel. O E. gesiebt ordinaire (feine) Eschel. O E. in Stücken ordinaire Eschel. GE. n. 2. schlecht (fein) Eschel. GE. No. 1. schlecht Eschel. FFFC. extra feinste C. Farbe. FF.C. extra feine C. Farbe. F.C. mittel (feine) Farbe C. O H. O C. ordinaire (feine) schlechte C. Farbe. G M C. (feine) schlechte C. Farbe. O B. schlechte Farbe, oder ordinair blau. F F S. extra feinen Zaffers oder Safflor-Farbe. MS. Mittel Safflor. O S. ordinairen Safflor. Dieses waren also die Eschel, C. Farben nebst Safflor von denen Sächsischen blauen Farben beschrieben, woran je desmahleine jegliche Sorte richtig zu unterscheiden, und zu erkennen, nach ihrer Feine und Schlechte.

Blau-Farben-Taxa

Blau-Farben-Taxa, ist unterschiedlich, und wird von denen Fabricanten oder Interessenten gemacht.

Blau-Farben-Werck

Blau-Farben-Werck, unter diesen Worten werden die zu und um Schneeberg befindlichen Kobaldischen Zechen verstanden, allwo die Kobalde geschmelzet, zubereitet, und auf denen Farben-Mühlen die blaue Farbe verfertiget wird. Es ist dieses Werck ungefehr vor 84. Jahren entstanden, und geniesset das Berg-Recht, siehet unter der Jurisdiction des Schneebergischen Berg-Amts, und wird gleich andern Zechen in 128. Kure eingetheilet, daher die Contrahenten auch Gewercken genennet werden. Es sind dergleichen Wercke in der Schneebergischen Gegend 4. und zwar 1) das Königliche gedoppelte Werck vor der Stadt Schneeberg, 2.) das Schindlerische an der Mulde, 1. Meile von Schneeberg, 3.) das Pfannenstielische, auch unweit Schneeberg, und 4.) das Zschopaische, bey dem Städtgen Zschopau 4. Meilen von Schneeberg, und die drey letstern von diesen Wercken gehören Privat-Personen, alle vier Blau-Farben-Wercke aber stehen erstlich in einer General-Compagnie, daß eines so viel Kobald bekommt, als das andere, und auch eines hernach so viel Farben machet und verkauffet, als das andere, ausser das Königliche, welches gedoppelte Lieferung bekommt, und wieder ausgiebt. Die Interessenten stehen hernach von einem jeden Wercke in einer specialen Compagnie, halten auf jedem Wercke ihren besondern Factor, zu denen Rechnungen, und theilen die Gewinnste nach Proportion ihrer Antheile. Diese Wercke haben auch hierinnen ihre besondere Vortheile, daß ihnen alle Kobalde im ganzen Lande, um einer, von dem Schneebergischen Berg-Amt gemachten Taxe geliefert, und bey hoher Strafe keine ausserhalb Land geführet werden müssen, es geschehe denn durch sonderbahre Concession, daher auch in denen Gegenden, wo Kobald-Zechen befindlich, gewisse Kobald-Bereiter bestellet sind, welche den Unterschleif verhüten müssen; Aus mehr gedachtem Kobald nun wird der schönste Safflor oder blaue Farbe auf folgende Art gemacht: Der Kobald wird erstlich, weil er sehr gifftig, geröstet, hernach in einem Pochwerckszeuge mit etlichen Stempeln gepocht, durch einen Durchwurff geworffen, in den Calcinir-Ofen gestürtzet, und so lange gebrandt, biß kein Gestanck mehr an ihm zu spüren ist, hierauf wird er mit schönen weissen Quertz oder Kieselsteinen versetzet, und mit dem gebührenden Fluß von der gesottenen Pott-Asche vermischet. Diese Vermischung wird in die 6. Hafen in den grossen Schmelz-Ofen gethan, fleißig umgerühret, und in 8. Stunden wieder ausgeschöpffet, und in ein Trog voll Wasser geschüttet, wos als ein Glas gerinnet; hernach wird es mit 2. Stempeln gepocht, durchgeworffen, und in die Mühle gebracht, allwo es in grossen Fässern, und darzu gegossenen Wasser auf dem grossen Boden-Steine so lange gemahlen wird, biß man solches wieder abzapffet, in der Wasch-Kammer in die Wasch-Fasse thut, wohl umrühret, damit aller Schlamm davon abgehen möge, und endlich stille stehen lasset, daß sich die Farbe unten setzen kan. Hierauf wird sie aus denen Fässern ausgeschlagen, in die starck eingeheitzte Dörre-Stube gebracht, wohl getrocknet, mit einem runden Holze zerrieben, in der Bereite-Kammer in einen Beutel-Kasten durchgesiebet, und letztlich in gewisse Fäßgen, deren eines gemeiniglich 3. Centner hält, eingepacket, und versendet. Eigentlich gehören die Blau-Farben-Wercke unter das Berg- und Schmeltz-Wesen, dennoch aber ist keinem Privat-Mann nachgelassen, ohne der hohen Landes-Obrigkeit sonderbare special-Concession und Privilegio dergleichen zu erbauen, und anzurichten. Herttwigs Berg-Buch p. 85.

Blau-Farben-Wercks-Contrahenten

Blau-Farben-Wercks-Contrahenten, so heissen diejenigen, welche mit einander in Compagnie stehen, und ist eine Societät, welche vor etlich achtzig Jahren angeleget worden, und bauen in dasigen Bergwercken auf hoher Landes-Concession die Kobald-Zechen, lassen die blaue Farbe auf ihren Farben-Mühlen verfertigen, und theilen den davon genommenen Profit nach Proportion ihrer daran habenden Antheile unter sich. Wie viel dergleichen blaufarben Wercke sind, ist unter dem Worte: Blau-farben-Werck weitläufftig angeführet.

Blau-farben-Wercks-Factor

Blau-farben-Wercks-Factor, ist eine beeidete Person, welche die Kobalde in sichern Empfang nimmet, dieselben nach denen Proben und der Berg-Amts-Taxe, dem er jedesmahl mit beyzuwohnen, richtig bezahlen soll, damit seinen Pflichten nach getreulich umgehen, und allen besorglichen Unterschleif vorbauen, auch die Haupt-Rechnung darüber führen soll.

Blau-Farben-Wercks-Gewercken, siehe Blau-Farben-Wercks-Contrahenten.

Blau-Farben-Wercks-Materia

Blau-Farben-Wercks-Materia, ist besonders der bekannte Blau-Farben-Kobald, wovon Blau-Farben-Kobald nachgesehen werden kan.

Blau-Farben-Wercks-Nutzung

Blau-Farben-Wercks-Nutzung, ist dasjenige Geld, welches von Verkauffung der blauen Farbe eingenommen wird, und der Factor treulich berechnen, richtige Wochen-Zeddel und ordentliche Beschickungs-Bogen, gewöhnliche Contant– und Farb-Handlungs-Bücher, wie auch sonderliche Register und Rechnung über das gantze Werck und dessen Einnahme und Ausgabe halten soll, ingleichen mit dem Jahr-Schluß einhändigen, und mit tüchtigen Belegen justificiren soll.

Blau-Farben-Zeichen, siehe Blau-Farben-Fäßel.