Klotz – Grundig 1770/IV
[Johann Friedrich Klotzsch – Gottfried Immanuel Grundig (edd.)], Sammlung vermischter Nachrichten zur sächsischen Geschichte IV, Chemnitz [Johann Christoph Stößel] 1770.
VIII.
Nachricht, von Aufkunft der
Blaufarbenwerke, in dem Obererzgebürge.
Der kurze Aufsatz, welchen wir davon liefern, ist aus der Feder Christian Lehmanns, ehemals Pfarrherrns zu Scheibenberg geflossen, welcher durch seinen historischen Schauplatz des Meisnischen Obererzgebürges bekannt ist. Wenn dieses Werk dadurch, daß hin und wider viel Mährgen eingeflossen sind, gegründeten Tadel verdienet, so ist das Verdienst seines Verfassers um desto grösser, weil selbiger keine Mühe gespahret hat, alles Merkwürdige derjenigen Landesgegend zu samlen, worinne er lebete, und zu deren eigener Erkundigung er vielfältige sauere Wege durch das Gebürge, mit dem Stabe in der Hand, gethan, gleichwohl noch wenig oder gar keine Nachfolger gefunden hat. Eine Folge dieses unermüdeten Fleisses, ist unter andern eine Samlung bergmännischer Nachrichten gewesen, welche wir, durchaus von seiner eigenen klaaren Hand geschrieben, in der Stärke eines mittelmäßigen Folianten, besitzen. Wir haben viel Nützliches, den Bergbau und dessen Verfassung angehendes, jedoch wenig historisches im Zusammenhange darinne gefunden. Unter dem Wenigen dieser Art, sind uns iedoch seine Nachrichten vom Ursprunge der Blaufarbenwerke, merkwürdig zur Bekanntmachung in die Augen gefallen, da wir, daß ein Schrifsteller noch bis dahin zurücke gegangen ist, nicht entdecken können, und der Schnebergische Geschichtschreiber, Christian Meltzer (*) hiervon nur aus seinen Zeiten schreibet. Wir sind aber von der Richtigkeit des Lehmannnischen Anführens um so viel mehr überzeuget, weil selbiger in der Mitte vorigen Jahrhunderts, also zu einer Zeit lebete, da die Augenzeugen des Anfanges seiner Forschbegierde hierunter Gnüge leisten kunten. Nur fehlet die Bestimmung eines fixen Zeitpunktes, indem Lehmann solchen auf hundert Jahr von seinen Zeiten an gerechnet, zurücke setzet. Diesen zu erfahren, müßten wir wissen, wenn selbiger seine Nachrichten gesamlet hat, welches von so genannten Collectaneis ganz unmöglich zu entdecken ist. Da aber selbiger im Jahre 1688, im hohen Alter verstorben, und vorhero das Ungemach des dreyssig Jährigen deutschen Krieges in so reicher Maaße ausgestanden hat, daß er auch seine ihm anvertraut gewesene Gemeinde in den Trübsalen vielfältiger Fluchten für feindlichen Einfällen, in öden Waldungen und Wildnissen oftmals viele Wochen lang lehren müssen, so ist schwerlich zu glauben, daß er eher, als nach wiederhergestellten Frieden an gelehrte Beschäftigungen ungestöhrt zu dencken vermocht haben wird, und dürfte wohl hiernach zwischen den Jahren 1540. bis 1560. dieser Ursprung zu suchen seyn, von welchem nachstehender unveränderter kurzer Aufsatz des Verfassers in mehrern handelt.
(*) in der Schnebergischen Chronick, S. 151.
Die Farbmühlen sind ohngefehr vor hundert Jahren aufgekommen auf diese Weise. Christoph Schürer, ein Glaßmacher von der Platten, zog nach Neudeck, auf die Eulenhütte, und machte daselbsten Glas. Als er einsten zu Schneeberg gewesen, und schöngefärbten Cobalt liegen gesehen, nimmt er etliche Stücke mit anheim, probirt’s im Glas-Ofen, und siehet, daß es schmelzt, er thut Asche und anders dazu, was zum Glas gehöret, und macht ein schön blau Glas daraus. Sinnet der Sachen besser nach, und machet etliche Schachteln voll blauer Farbe, nur vor die Töpfer. Diese Farbe kommt nach Nürnberg, und wird sehr bewundert, und solche den Holländern gewiesen. Diese forschen nicht allein darnach, wo sie gemachet wird, sondern kommen selbst nach Neudeck zu dem Meister, lernen ihm die Kunst ab, und reden ihn auf, daß er mit nach Magdeburg zeugt, und etliche Proben macht von Schneebergischen Cobalten, als wollten sie ihn dadurch zum reichen Manne machen, schicken ihn aber wieder zurück anheim. Da bauet dieser Schürer eine kleine Mühle, nur mit Schwungrädern, weil es aber zu sauer zugehet, richtet er’s ans Wasser, und galt erst ein Centner Farbe, hier 7. und einen halben Thaler, in Holland 50. 60. Gulden. Die Holländer baueten in ihrem Lande acht Farbmühlen, hatten aber keine Cobalten, sondern liessen dieselben geröstet zum Schneeberg kauffen, und in Fäßlein zu sich führen. Dem Churfürsten, Johann Georgen dem Ersten wurde der Handel vorgebracht, wie durch das Farbmachem auch die giftigen sonst unnützen Cobalten könnten verbraucht und theuer genug ausgebracht werden, wenn man den rechten Vortheil darauf ergriffe, und von den Holländern haben könnte. Denn die Schneeberger hatten observiret, daß dasienige, was Speise genennet wird, und in Rösten der Cobalten abtriefe, und weggeworfen würde, ein Centner besser seyn, denn andere zehen. Der löbliche Churfürst schickte in Holland, ließ zwey Farbmacher holen, gab tausend Gülden Verlag, und ließ auf den Schneeberg solche Farbmühlen machen. Denen lernte es ab Hans Burghard, Cämmerer und Handelsmann in Schneeberg, (**) und bauete eine kostbare Farbmühle in der Schlem, und verderbte damit die eilf Farbmühlen auf der Platten, darunter Lorenz Berckau die erste gebauet, und sich dadurch wohl bereichert hatte. Paul Nordhof, ein Friesländer und kluger Kopf, wohnete auf der Zwittermühle, und künstelte im Farbemachen über alle, daß sie ihn darum neideten, und sub praetextu der Päbstlichen Religion vertrieben. Der wandte sich nach Annaberg, nachdem er zuvor auch zu Schneeberg zehen Jahre Farbe gemachet, nahm auf Verlag Sebastian Oehms, Kaufherrn zu Leipzig, den Hüttenhof zu Annaberg auf, und bauete die Farbmühle Anno 1649. im Monat October. Er selbst wurde Factor, der Anfangs jährlich zehentausend Thaler in Händen hatte, zum Vorrath, und die Arbeiter zu bezahlen, damit kamen auch zu Nutz die Annabergischen Cobalte, und seine Neider zu Schneeberg und Annaberg wurden gesteckt. Anno 1659. hatte er 8000. Centner in Vorrath gehabt, weil sich andere Bergstädte auch drauf geleget, daß nunmehro die Farbe in groß Stecken gerathen.
Ex ore ipsius.
(*) S. Melzern, am angez. Orte. S. 153.
