Zedler – Ludovici 1739/XIX

Johann Heinrich Zedler – Carl Günther Ludovici (edd.), Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschafften und Künste, Welche bißhero durch menschlichen Verstand und Witz erfunden und verbessert worden… XIX (Ma), Halle – Leipzig [Johann Heinrich Zedler] 1739.


col. 255–256

Mahlen

Mahlen heisset auch durch Farben allerhand sichtbare Dinge abbilden und künstlich vorzustellen. Ein mehreres hiervon siehe unter Mahler und Mahler-Kunst.


col. 256–257

Mahler

Mahler ist derjenige, so die Mahlerkunst verstehet. Bey denen Griechen waren sie freye Leute, und welcher sich als einen Knecht gebrauchen ließ, dessen Kunststücke verlohren gleich viel an ihrem Werthe. Plinius in Hist. Natur. Lib. XXXV. c. 10. Bey dem Römern hingegen waren sie meistentheils Knechte, welche sich die vornehmen Familien hielten; jedoch kamen sie in den nachfolgenden Zeiten unter den Käyser n in mehrere Hochachtung, so daß sie von dem Kopff-Gelde und anderen Beschwehrden frey waren, l. ult. Cod. Theod. de excusat. und hatten auch ihre Werckstätte und Säle an öffentlichen Orten, ohne daß sie was davon entrichten durfften (Siehe Mahler-Stube). Die berühmtesten Mahler sind aus der alten Zeit bey denen Griechen Zeuxis, Parrhasius, Apelles und Protogenes, von welchen Meria aus dem Plinius viel aufgezeichnet. Bey denen Römern waren C. Fabius, dem davon der Zunahme erwachsen, daß er Pictor, der Mahler, genennet worden, und der Poet Pacuvius sonderlich berühmt. In denen uns nähern Zeiten hat vornehmlich Italien vortreffliche Meister erzeuget, darunter Michael Angelo, Paul Veronesa [!], Titiani, Tintoretti, Caracci und einige andere im ersten Range gehen. Guercini ist vornehmlich in dem Fresco-Mahlen hochgeachtet. In Deutschland haben Albert Dürer, Holbein und Kranach einen grossen Ruhm erworben. Von berühmten Mahlern kan man nachlesen Fr. Junium bey seinem Buch de pictura vett. desgleichen hat Silvanus Razzi ein Florentiner und Camaldulenser-Mönch die Vite de Pittori, Scultori ed Architetti, so zu Bologna 1647. und 1681. 4to III. Voll. gedruckt sind, unter Georgii Vasari Nahmen herausgegeben. Hieher gehören auch Giov.Pietro Bellori le Vite de’ Pittori, Scultori ed Architetti moderni, Parte I. Roma 1642. Casp. Celii Memoria fatta delli nomi degli Artefici delle Pitture in Roma, Napoli 1638. 12. Felsina pittrice, Vite de Pittori Bolognesi dal Carlo Cesare Malvasia, in Bologna 1678. 4to II. Voll. wieder den herauskommen Osservazioni sopra il libro della Felsina Pittrice, per difesa di Raffaele da Vrbino, da D. Vincenzo Vittorio, in Roma 1703. 8v. Lodovico Vedriani Raccolta de’ Pittori, Scultori, ed Architetti Modonesi piu celebri, Modena 1662. 4to. Raffael Soprani le Vite de’ Pittori, Scultori ed Architetti Genovesi e de foretieri, che in Genova operarono. in Genoua 1674. 4to. Felibien Entretiens sur les vies & sur les Ouvrages des peintres anciens & modernes, welche nebst dessen Recueil Historique de la vie & des Ouvrages des plus celebres Architectes vermehrter zu Londen 1705. 12. wieder aufgelegt worden: Carlo Dati Vite di Pittori antichi, Firenze 1667. 4to. L’Abecedario Pittorio (overo le vite degli antichissimi Pittori Scultori, Architetti da Pellegrino Antonio Orlandi) in Pologna 1719. 4to. Carlo Ridolfi le Maraviglie dell’ arte, ouero le Vite de gl’ illustri Pittori Veneti e dello Stato. Parti II. Venezia 1648. 4to. Bartolomeo Conte de Pozzo Vite de Pittori, degli Scultori e Architetti Veronesi in Verona 1718. 4to. Giuseppi Ghezzi le Pompe dell’ Academia del Disegno. Roma 1702. 4to. Id. le buone arte sempre piu gloriose per l’Academia del Disegno. Roma 1701. 4to. De Piles Abregé de la vie des Peintres. Paris 1699. 8vo. Richard Graham’s short Account of the most eminent Paintres. London 1716. 8v. Auch hat Sandrart eine Mahler-Academie herausgegeben, in welcher er die vornehmsten Kunst-Stücken, so von berühmten Mahlern übrig sind, beschreibet, dem Fl. le Comte in seinem Cabinet des singularités d’ Architecture, Peinture, Sculpt. & Graveure, gefolget. In der berühmten Galeria des Groß-Herzogs von Toscana zu Florens ist ein besonderes Gemach, in welchem über 200 Bildnisse derer vortrefflichsten Mahler, so seit 300 Jahren her gelebet haben, darunter die meisten von ihren eigenen Händen, gezeiget werden. Von denen Irrthümern, so die Mahler bey Vorstellung alter Geschichte, sonderlich aus heil. Schrifft, gemeiniglich begehen, haben verschiedene ansehnliche Gelehrte hin und wieder etwas erinnert, und das meiste davon einer, der hinter denen Buchstaben M. M. verborgen bleiben wollen, in einem eigenen Büchlein zusammen getragen.


col. 257–258

Mahler-Academie

Mahler-Academie ist ein Ort, wo alles zu der Mahlerkunst nöthige gelehret wird. Und ist die Absicht ihrer Errichtung, daß darauf vortreffliche Mahler erzogen werden, die geschickt sind alles, was ihnen vorkommet, nach ihrer rechten Aehnlichkeit vorzustellen. Dergleichen Mahler können nach diesem an andern Orten, wo man keine dergleichen Academien hat, wiederum andere gründlicher zu dieser Kunst anführen. Damit diese Absicht erhalten werde, so muß 1) auf dem Mahler-Academien von allem demjenigen Unterricht ertheilet werden, was aus andern Wissenschafften zu besserem Verstande der Kunst nöthig ist, als worinnen die Zubereitung zur Kunst bestehet. Nächst dem 2) müssen die Übungen in dem Wercken der Mahlerkunst dergestallt angestellet werden, daß alles nach Regeln gerechtfertiget und die Regeln selbst durch richtige Gründe erhärtet werden. Was nun das erste betrifft, so fraget es sich, was denn ein Kunst-Mahler wissen solle? Wer die Mahlerkunst gründlich verstehen will, der muß verschiedenes aus der Mathematick, als aus der Arithmetick, von der Proportion, aus der Geometrie die in der Perspectiv nöthigen Aufgaben wissen, ja zum Verstande der Perspectiv auch einige Erkenntniß von der Optick haben. Derowegen muß man auf der Mahler-Academie aus der Mathematick so viel Unterricht ertheilen, als zu dieser Kunst nöthig ist. Wiederum ein Mahler muß aus der Anatomie so viel verstehen, als die äusserliche Gestalt des Menschen und ihre Veränderung in den gar verschiedenen Stellungen zu beurtheilen nöthig ist. Derowegen muß man die Anatomie, so viel hierzu nöthig, auf Mahler-Academien lehren. Ein Mahler muß aus der Baukunst soviel verstehen, als zu einem perspectivischen Risse eines Gebäudes dazu erfordert wird. Ein Mahler muß die Proportion der Glieder des menschlichen Leibes wohl verstehen. Derowegen muß man auf der Mahler-Academie davon Unterricht ertheilen, und so weiter fort. Dieses wird zur Zubereitung erfordert, wovon ein mehreres unter Mahler-Kunst nachzulesen ist. Hingegen was das andere oder die Ausübung anlanget, so muß man daselbst nicht allein gute Zeichnungen von allerhand Arten der Dinge zum Nachzeichnen vorlegen; sondern auch nach diesem die Sache selbst, als absonderlich Menschen, in ihren verschiedenen Stellungen, zum Abzeichnen vorstellen. Dadurch wird ein Mahler geschickt an andern Orten, wo man dergleichen Academien nicht haben kan, mit gründlichem Unterricht andern zu dienen, und nicht allein vor seine Person der Kunst wohl fürzustehen. Wolff von dem gesellschafftlichen Leben der Menschen w. § 284, 311 u. f. Von den errichteten verschiedenen Mahler-Academien an besondern Orten wird unter denselben das nöthigste beygebracht und von der sowohl in Franckreich als auch zu Rom angelegten Mahler-Academie kan der Artickel: Academie Royale de la Peinture & de la Sculpture, im I. Bande p. 244 nachgelesen werden.


col. 258

Mahlerey

Mahlerey, ist so viel als die Mahler-Kunst, von der ein besonderer Artickel; es wird aber auch selbst vor die Wercke dieser Kunst oder vor die Gemählde genommen.


col. 258

Mahler-Gold

Mahler-Gold, (Aurum Musicum) wie dessen Zubereitung D. Maets in Collectan. Leid. lehret. Nimm des besten Englischen Zinnes ℥i. Mercurii, so von seiner Schwärtze durch öffteres Waschen gereiniget worden, Schwefel, Sal Armoniac aa. ℥ß. Mache aus dem Zinn und Quecksilber ein Amalgma, reibe es mit dem Schwefel und Salz in Alcahol und sublimire es aus einem beschlagenen gläsernen Kolben. Oder: Nimm Englisches Zinn ℥i. Mercurii ℥j. Schwefel und Sal armoniac aa. ℥j. verfahre damit, wie nur gelehret worden. Oder: Nimm Englisch Zinn partij. wenn dasselbe fliesset, sothue darzu Mercurii vivi part. 1. mische es unter einander, und giesse es alsobald aus, daß es erkalte; wenn es erkaltet und pulverisiret worden, so thue darzu gelben Schwefel und Sal Armoniac. aa, part. ℥j. mische alles wohl unter einander, und reibe es zu Pulver, thue es in eine beschlagene gläserne Retorte, und setze dieselbe über bloses Feuer, gieb der Materie ihr gehöriges Feuer am Ende der Operation aber, wofern du nicht vergebens arbeiten willst, must du dasselbe genugsam verstärcken; so wirst du den grösten Theil der Materie am Halse der Retorten, an welchem es sich angehangen, finden das Zinn aber, welches dem Gewichte nach fast gar nicht vermehret worden, lieget in Gestalt eines Pulvers, das wie Gold schimmert am Boden des Kolbens. Wenn du aber allzu starck Feuer giebest, so steiget das Mahler-Gold mit in die Höhe und henget sich an den Hals des Kolbens an. Besiehe hiervon Barckhusens Pyrosophiam.


col. 258–259

Mahler-Instrumente

Mahler-Instrumente, sind der Farbe-Stein, das Pallet, der Mahler-Stock, Staffelen oder Stellage, allerhand Arten von Pinseln, als Borst-Schwan-Fisch-Spitz- und Miniatur-Pinsel; Die Sachen, darauf man mahlet, sind Papier, Pergament, Leinwand, Holz, Glas, Kupffer, Silber, Stein, Kalck, Taffend, Atlas. Gemahlte Sachen sind Portraits, Landschafften, Historien, Städte, See-Hafen, Stürme und Schlachten, Frucht- Kuchen- und Jahr-Zeiten-Stücken, Perspectiv, Thiere, &c. Bey diesen allen hat ein Liebhaber der Kunst auf 3. Stücken sonderlich acht zu geben, als 1) auf die Composition, 2) den Riß und 3) die Colorit, welche drey das Wesen der Mahlerey machen. Die Composition bedeutet die Vorstellung derer sichtbaren Objectorum oder dasjenige, was man den Genie oder das Naturell heisset, ingleichen dem Gout, welcher aus des Mahlers Wercken heraus leuchten soll, und an welchen man so wohl seine Erfindung, als ihre Eintheilung erkennen könne. Durch die Erfindung muß ein Mahler in seinem unterhabenden Wercke, die zu der Ausdrückung und Auszierung der Sache eigentlich gehörigen Objecta wohl anzubringen wissen. Durch die Eintheilung aber muß er sie nach der vorträglichsten Art stellen, damit man durch Präsentirung derer besten Theile eine grosse Würckung daraus ziehen und die Augen vergnügen möge. Ein guter Mahler muß auch correct, von gutem Gout, und mit einer Veränderung zeichnen, bißweilen heroisch, bisweilen auch wild, nach dem Character derer einzuführenden Figuren, weil die Eleganz derer Umstände, welche zum Exempel, denen Helden und Soldaten zukommen, anders nicht können angebracht werden: Starcke und Schwache, Junge und Alte müssen ein jeder ihre unterschiedenen Gestalten haben: nicht zu gedencken, daß die Natur, welche sich in allen ihren Productionen genugsam unterschieden, von dem Mahler eine gebührliche Veränderung erfordert. Ferner muß er auch nicht vergessen, daß von allerley Zeichnungs-Art keine gut sey, als diejenige, welche mit einem guten Naturell und der Antiquite vermischet ist. Vor allen müssen die Gestalten naturell, ausdrückend, in ihren Bewegungen verändert, und in ihren Gliedmassen manichfaltig gestellet seyn, desgleichen sollen sie auch nach dem Subjecto des Gemähldes und Gutbefinden des Mahlers einfältig oder edel, lebhafft oder gemäßigt seyn. Die Expressionen sollen dem Subjecto und dessen vornehmsten Figuren gemäß, etwas edels, erhabenes und sublimes bey sich haben, auch dabey das Mittel unter der Vergrösserung und dem schlechten Wesen gehalten werden. Gewöhnliche Mahler-Termini sind: Freymahlen, keck, stoltz, frisch, glatt, doux, plaisant, hart, mit reflexions angebrachten Tieffungen oder Ausdrückungen auf den Tag erhöhet, und mit Blicken mahlen. Von den Wercken der Mahler, siehe Bild im III. Bande p. 1824 u. ff. und vornehmlich Gemählde im X Bande p. 768.


col. 259–269

Mahler-Kunst, Mahlerey

Mahler-Kunst, Mahlerey, Lat. Pictura, Franz. Peinture, ist eine Kunst, die sich derer Farben bedienet, allerley sichtbare Dinge abzubilden und künstlich vorzustellen. Das Wort: Mahlerey oder Mahler-Kunst, kommt wohl von dem Alt-Deutschen Worte: Mahl oder Mal, her, so ein Zeichen bedeutet, da Mahlen nichts anders ist, als ein Zeichen oder Abzeichnen, auch sonst wohl also genennet zu werden pfleget. Es mag die Mahler-Kunst, wie viele andere Künste, einem geringen Anfang gehabt haben, indem der Schatten eines Mannes an der Wand mit einer Kohlen oder Kreiden umzogen, ihr den ersten Ursprung gegeben haben soll: gleichwie auch anfänglich nur eine Farbe gebrauchet worden. Jedoch wer sie zuerst erfunden, kan wegen ihres Alterthums nicht genau entschieden werden. Die Egyptier dürffen sich rühmen daß dieselbe bey ihnen bereits 6000 Jahr im Schwange gewesen, ehe man was davon in Griechenland gewust, wie Plinius Hist. nat. lib. XXXV. cap. 3 meldet. Wie nichtig aber dieses Vorgeben sey, siehet ein jeder gar leicht ein, zumahl wenn man bedencket, daß die Welt vorietzo noch nicht 6000 Jahr gestanden. Gedachter Plinius aber will lib. VII. cap. 56 den Gyges, einen Lydier, dagegen angeben, welcher diese Kunst in Egypten ausgedacht, davor aber andere lieber Cyges Lycrius am besagten Orte lesen wollen, weil der Gyges Lydius, von dem man sonst beym Herodotus, Cicero und Justin Nachricht findet, viel zu jung, und erst zu des Candaules Zeiten um die sechszehende Olympiaden oder zwey hundert Jahr vor den Solon gelebet. Epiphanius lib. I. adv. haeres. cap. 1 sagt, daß weil Thara des Abrahams Vater nicht allein ein Verehrer der Götzen, sondern solche selbst auch verfertiget und einen Bildhauer abgegeben; die Mahlerey schon damahls muste üblich gewesen seyn, da ein Bildhauer ohne einige Käntniß der Mahlerey nicht weit kommen würde, und hatte mancher Gemählde als geschnitzte Bilder angebetet, welcher Meinung auch Lucianus de Dea Syra Beyfall giebt. So viel ist gewiß, daß der Egyptier ihre Art zu schreiben in den ältesten Zeiten in Bildern und Gemählden bestanden, wie Pierius Valerianus in Hieroglyphicis und Athanas. Kircherus in obelisco Pamphilo weitläufftig dargethan. Von den Egyptiern und Chaldäern ist diese Kunst nach Phönicien, von dar aber nach Griechenland gebracht worden, unter welchen letztern einige die Athenienser vor die ersten halten, die sich darinne hervor gethan, andere aber geben Sicyon, und wiederum andere Corinth an, nehmlich es habe Cleantes, der aus Corinth war, von den Schatten derer Menschen und Thiere Linien zu ziehen angefangen, daher auch das Wort Lineamente seinen Ursprung hat. Ein dergleichen Gemählde aber, weil es aus eintzeln Linien bestand, wurde Monogramma genannt. Weil aber dergleichen Mahlerey sehr dunckel und undeutlich war, suchte man diesen Fehler dadurch zu verbessern, daß man allemahl darschrteb, was iedes Gemählde bedeuten solte, wie denn Aelianus mit klaren Worten erzehlet, es hätten die ersten Mahler in Griechenland mit hinzu-gesetzten Buchstaben und Worten bemercket, was ihre Gemählde vor Sachen vorstellen sollten, weil sie gesorget, man möchte es sonst aus der blosen Figur nicht erkennen. Ferner soll Cleophantus ein Corinthier den Gemählden das Colorit gegeben haben. Wir lesen aber auch, daß Homerus, wenn er des Achilles Schild beschreibet; viel Dinge anzuführen weiß, so darauf geätzt gewesen, mit dem Beyfügen, daß die Schiffe roth angestrichen gewesen. Plin. Hist. nat. Lib. XXXV. cap. 3. fqq. Joh. Scheffers Graphice, Junius de pictura vett. Demontios. de Pictur. antiqu. in Gronovs Thesaur. antiq. Graec. T. IX. Bulenger de Pictur. l. 2. Pitisc. in Lex. antiqq. Rom. T. II. p. 425. So viel ist gewiß, daß die Mahler-Kunst in Griechenland um die Zeit des grossen Philipps und seines Sohnes Alexanders aufs höchste gekommen, und so hoch geachtet worden, daß leibeigenen Knechten dieselbe zu treiben nicht verstattet gewesen. Bey denen Römern ist sie viel später aufkommen, und anfänglich geringgeachtet worden, indem man sie die Knechte zum Dienst des Hauses lernen lassen: wiewohl sie nach der Zeit ansehnlichere Liebhaber gefunden, worunter die Kayser Hadrian und Anton, der Philosoph, gezehlet worden. Bey denen Juden sowohl als bey denen ersten Christen ist sie verabscheuet worden, und hat man erst im fünfften Jahrhundert angefangen historische Gemählde aus heiliger Schrifft zu dulden. Die Barbarey derer mittlern Zeiten in Europa hat mit andern edlen Künsten und Wissenschafften auch diese, wo nicht gar vertilget, doch aufs äusserste verderbet, bis sie in dem 14. und 15. Jahrhundert wieder aufgelebt, und durch unermüdeten Fleiß sinnreicher Künstler so sich hin und wieder, sonderlich zu Bologna, Florenz und Rom hervor gethan, und nach und nach zu ihrem vorigen Glanz und Ruhm hergestellet worden. Ob diese Wiederbringung der Mahlerey zu Bologna oder Florenz den Anfang genommen, darüber haben Vasari, ein Florentiner, und Malvasia, ein Bologneser, jeder vor den Ruhm seines Vaterlandes hefftig gestritten. Im Orient ist die Kunst wenig geachtet, und noch weniger ausgeübt. Bey denen Türcken sind alle Bilder ein Greuel. Die Perser bedienen sich dererselben, und haben vortreffliche Farben, aber schlechte Wissenschafft, sie wohl anzuwenden. Chard. Die Indostaner mahlen gut genug allerhand Historien, geben ihren Gemählden eine ziemliche Schattirung und Stellung, wissen aber die Gleichheit derer Gesichter nicht zu treffen, und mißbrauchen der Kunst, sonderlich die zu Agra, mit schandbaren Bildern. Theven. Die Tsineser mahlen mit vortrefflichen Farben, aber sehr schlecht ohne Licht und Schatten, und mit ungeschicklichen Stellungen. Die Japoneser brauchen zu ihren Bildern nur die Schwärtze, und nichts Buntes. Trigant. Die Kunst der Mahlerey begreifft vier Stücke, Die Erfindung, die Ordnung und Eintheilung, die Zeichnung und die Ausnehm- und Schattirung derer Farben. Das erste betrifft die Vortrefflichkeit, Sinnligkeit, oder Artigkeit der Sache, die da soll vorgestellet werden. Das zweyte die Einrichtung aller Theile und Stücke des Gemähldes, damit ein iedes an seinem gehörigem Orte erscheine: Das dritte die Bildung eines jeden Stückes in seiner eigentlichen Gestalt, Ebenmaß, und in der Stellung, die nach Beschaffenheit der Sache daran erfordert wird: Das letzte dienet einem jeden Ding nicht nur seine natürliche Farbe zu geben, sondern auch Licht und Flecken dergestalt durch einander zu flechten und mit einander zu verbinden, damit ein jedes sich gehörig ausnehme und geschicklich in die Augen falle, wie davon H. Testelin, Professor bey der Königl. Mahler-Academie zu Paris, in seinem Sentimens sur la Pratique de la Peinture mit mehrern handelt. Alles dieses zu erhalten, und einen rechten Kunst-Mahler zu machen, gehöret nebst einer grossen Erkanntniß der Natur und derer darinnen befindlichen Reichthümer, die Wissenschafft der Geometrie, der Optick, der Antiquität und insonderheit der Mythologie und Gedichte derer Alten Poeten, wie nicht weniger der Historie. Daneben eine fleißige Übung und genaue Betrachtung derer besten Meister-Stücke, denenselben nachzuahmen, und ihre Kunst, wo möglich, zu übertreffen, die Fehler aber, so sich einige daran befinden, zu meiden und zu verbessern. Vor allen dingen aber eine angebohrne Zuneigung und Fähigkeit, ohne welche niemand etwas sonderliches, in welcher Kunst oder Wissenschafft es wolle, leisten wird: Und eben diese ist die Ursache, warum selbst in der Mahlerey die Kunst so unterschieden, und nicht einem allein alles gegeben, sondern dieser in Historien, ein anderer in Portraiten, ein anderer in grossen, ein anderer in kleinen Stücken, ein anderer in Landschafften, in See- Nacht- Blumen- Küchen-Stücken u. s. w. vortreflich ist. Die Mahlerey an sich selbst ist unterschiedlich. In Fresco oder frischen Kalck wird auf Mauren und Gewölben gemahlt. Zu dieser Mahlerey dienen keine durch Kunst zubereitete oder Mineralische Farben, sondern nur Erden oder Kreiden. Mit Wasser-Farben zumahlen, dienen allerley Farben, welche mit einem gewissen Leim-Wasser angemacht werden. Man mahlet damit auf Holz und Leinwand, welche aber zuvor mit einem Kreiden- oder Gips-Grund überzogen wird. Mit Oel-Farben zu mahlen hat ein Brabandischer Mahler Johann van Eyck, insgemein van Brügge genannt, weil er sich daselbst wohnhafft nieder gelassen, in dem funffzehenden Jahrhundert zu erst erfunden. Die Gemählde empfangen davon mehr Glanz und Dauerhafftigkeit: sie können mit mehrerem Fleiß ausgearbeitet, und, so offt es nöthig, verbessert werden, die Farben können auch stärcker aufgetragen, und anmuthiger vermischet werden. Es dienen dazu allerley Farben, und das Oel, welches ein Lein- oder Nuß-Oel seyn muß, wird auf gewisse Weise zu einem Fürniß bereitet. Man mahlet damit auf Mauren, Holz, Leinwand, Stein, und allerley Metall, auch auf Glas, da aber die anmuthigste Weise diese ist, wenn das Gemählde also darauf gebracht wird, daß es durch das Glas angesehen werde, wobey man einen besondern Handgriff brauchen, und die Farben, welche sonst zuletzt angebracht werden, zuerst anlegen muß. Eine andere Art auf Glas zu mahlen, so zu Fenster-Scheiben dienen soll, geschiehet mit Wasser-Farben, wovon wie von denen andern Arten allen Felibien ausführlichen Unterricht giebt. Das Miniatur-Mahlen geschiehet mit denen feinsten Wasser-Farben mit Gummi angemacht, auf Papier oder Pergament, wovon vor einiger Zeit ein eigener Unterricht in Französischer Sprache, der aber bald ins Deutsche übersetzet worden, heraus kommen. Ob die Mahlerey oder die Bildhauerey in der Kunst den Vorzug habe, wird unter denen Künstlern gestritten. Jener Blinde als er zum Schiedsmann angenommen worden, gab den Ausschlag für die Mahlerey. Denn, sagt er, ihr gestehet beyde, daß das geschnitzte sowohl als das gemahlte Bild einem Menschen gleiche: bey dem einen fühle und finde ich es auch, bey dem andern aber nicht, sondern nur ein glattes Bret so muß ja dieses etwas künstlichers seyn. Der Gebrauch, den die Mahlerey in Auszierung ansehnlicher Gebäude, in Erhaltung des Andenckens würdiger Thaten und Personen, und zu einer nützlichen Gemüths-Ergötzung leistet, ist grösser, als mit wenig Worten kan angezeiget werden, und wird durch den Beyfall aller Zeiten bestätiget. Doch ist dabey zugleich ein schädlicher Mißbrauch eingeschlichen, dem schon zu Aristotiles Zeiten durch scharffe Gesetze gewehret werden müssen, und noch heute dergleichen wohl nöthig wäre, daß nehmlich alle schandbahre und ärgerliche Gemählde verbothen und abgeschaffet würden. Beyde werden mit Fleiß erwogen bey Hardorf. im Gr. Schaupl. Von der Mahlerey haben geschrieben, derer alten nicht zu gedencken, Alb. Dürer, Joh. Scheffer Graphice. s. de Arte pingendi. Alb. Leo Baptista de Pictura: Fr. Junius de Pictura. Der vortreffliche le Brun hat in einem eigenen Büchlein gelehret, wie die Gemüths-Regungen derer Menschen an ihren Gesichtern und Geberden künstlich ausgedrucket werden mögen, welches Deutsch zu Augspurg ausgangen. In der Bilder-Kunst wird die Mahlerey vorgestellet, als ein junges schönes Weib mit schwarzen krausen Haaren, verbundenen Mund, einer goldenen Ketten am Halse, woran eine Larve hänget, bekleidet mit einem Rock von spielender Farbe, in der einen Hand eine Tafel, und in der andern etliche Pensel haltend, mit dem Beywort: Imitatio. Ripa. Von denen besondern Mahler-Künsten des Königlichen Parissischen Mahlers Joh. Bapt. Santerre, der im 1657 Jahre geboren und 1717. den 21 Novembr. im 60 Jahre seines Alters verstorben, findet man in denen Breßlauer Sammlungen An. 1718. Mens. Febr. Class. V. Artic. VI. p. 730. seq. aus denen neuen Zeitungen von gelehrten Sachen folgendes merckwürdiges aufgezeichnet: Nemlich daß er 1) nach der Natur und Anatomie gemahlet, krafft dessen er in denen Antiquen und Meister-Stücken der berühmtesten Italiener viele Fehler entdecket: 2) vor allen Dingen seine Arbeit dauerhafftig gemachet, daß sie nach 30 oder 40 Jahren so neu ausgesehen, als ob sie erst verfertiget worden; 3) Diesen Endzweck zu erhalten, bloß 4 oder 5. Arten von Erden dazu gebrauchet, durch deren Vermischung er, wiewohl mit grosser Mühe alle Farben zu Wege gebracht: 4) offt eine einige Sache drey- bis viermahl gemahlet: ohne sich des Lackes oder anderer Dinge zu bedienen, als die der Beständigkeit eines Gemähldes viel derogirten. Weil nun dieses grösten Theils solche Sonderheiten seyn, die nicht auf dem Pallet oder Pinsel eines jeden Mahlers zu sitzen pflegen; Als wurden die Sammler obgedachter Sammlungen veranlasset, nachstehende Fragen an einige Kunst-verständige Mahler abgehen zulassen: Als: 1) Ob und wie man ein Gemählde zu verfertigen fähig sey, das nach 30. oder 40. Jahren so neu und frisch aussehe, als wenn es erst gemahlet worden? 2) Ob man aus 4. oder 5. Erd-Farben alle Farben heraus bringen könnte, ohne Zuthuung einiger Safft-Farbe? 3) was solches wohl vor Erden seyn dörfften? 4) Ob und warum die Erd-Farben besser seyn, als die Safft- und andere Farben, und in was der Unterscheid bestehe? 5) Ob der Lack der Dauerhafftigkeit schade? Und 6) Wie viel das Offt-mahlen zur Dauerhafftigkeit beytrage? Hierüber nun ertheileten sie Dero schrifftliche Antwort und zwar auf die erste Frage. Wenn das Gemählde von Oel-Farbe ist; so kan es nicht drey oder vier Jahr in solcher Schönheit, als wenn es noch frisch wäre, dauren: Denn alle Oel-Farbe dunckelt mit der Zeit: Wasser- Leim- Gumi- und Milch-Farbe aber bleiben länger, als neu anzusehen: Doch lehret gleichwohl die Erfahrung, daß alles, was etliche Jahr alt worden, nicht könne neu oder frisch scheinen: Denn die Lufft macht doch alles mit der Zeit alt und unscheinlich: Ja ich wollte sagen, daß alle Oel-Farben-Mahlerey, so nur drey oder vier Tage alt ist, von der Schönheit, die sie an dem Tage, da sie verfertiget worden, gehabt, etwas verliehre. Hingegen aber wird auch manches Gemählde besser, wenn es alt wird, als da es noch frisch war. Denn mit der Zeit verliehret sich das harte Wesen; insonderheit wird das Fleisch-Colorit mit der Zeit natürlicher und besser, als es neu war: hingegen Blumen und dergleichen Sachen sehen neu besser aus, als alt. Es lieget aber viel daran, wie eine Gemählde gehalten wird, so wohl wegen derer Zimmer, als wegen der Reinigung. Denn z. E. in Zimmern, die geheitzet werden, oder in welche viel Rauch, es sey von Lichtern, oder dergleichen hinein kommt, da bleibet die Mahlerey nicht gut, sondern sie wird hiervon dunckel und endlich gar schwartz, dergleichen man an denen alten Gemählden täglich sehen kan. Dahingegen Zimmer, so sauber gehalten werden, zu Erhaltung der Mahlerey dienlich seyn; Und wenn ein Gemählde unrein wird; so ist es besser, wenn es offt gereiniget wird, als wenn es lange mit der Unreinigkeit stehen bleibet: Denn es muß hernach im Reinigen gar zu starck angegriffen werden wodurch aber das zarte Wesen Noth leidet, daß aber ein Gemählde überhaupt im Colorit dauerhafftig bleibe, (so lauten die Worte des andern) geschiehet, wenn man nicht auf frisch gegründete Leinewand alsbald mahlet, auch frisches Oel zum Reiben und Mahlen brauchet und im Mahlen selbst die Farben nicht wählet. Auf die andere Frage wurde geantwortet: Allerdings, aber nicht so schön, als mit Safft-Farben, doch von besserer Dauerhafftigkeit, insonderheit in der Oel-Farben-Mahlerey: Denn jene haben vielmehr Cörperlichkeit an Farbe, als diese, daher sie unter Oel gerieben, nicht verrauchen und sich ändern: wie insonderheit am Indig wahrzunehmen. Auf die dritte Frage: Weiß, Schwarz, Roth, Gelbe und Blau sind die Haupt-Farben; Einige rechnen auch noch das Grüne mit dazu: wenn man aber nur bey vieren bleiben will, so kan Blau und Grün weggelassen und an dessen Stelle Weiß und Schwarz gemischet werden: woraus zwar eigentlich nur Grau wird, aber doch auch durch Licht und Schatten, oder durch Gegenstellung schlechter Farben, als Blau, gebrauchet werden kan: aus Gelbe, Schwarz und Weiß kan auch grün gemischet werden. Jede Farbe aber absonderlich zu betrachten, so ist weiß vornehmlich das Schieffer-Weiß, das aus Bley zubereitet wird, und besser, als das gemeine Bley-Weiß ist: Denn ob schon dieses aus jenem geläutert und in Kegel gegossen wird; so zeiget doch der wohlfeilere Preiß vor jenem, daß es eine Verfälschung etwan mit Kreide oder sonst was, leiden müsse; Daher es denn auch die Weisse im Oel nicht so beständig hält, als das Schiefferweiß. Wie denn Kreide unter Oel gar nicht zu gebrauchen, weil sie in weniger Zeit sehr gelbe wird. Schwarz sind Stein-Kohlen, oder Cölnische Erde, auch Torff, davon die ersten zwey nur unter Oel zu gebrauchen. Roth ist Berg-Zinnober, oder gemein und Englisch Braunroth, wie auch Kessel-Roth, so alles unter Oel zu gebrauchen: wie nicht weniger auch gebrannter, dunckler Ogger, unter Roth zu rechnen ist. Gelbe ist licht und dunckler Ogger, wie auch Umbra, vor diese schicket sich allerseits Oel. Blau ist Ultramarin, Lasurblau und Bergblau, so gleichfalls unter Oel zu gebrauchen, nur daß das Bergblau unter selbigem gerne grün wird, hingegen bey Wasser-Farbe gut bleibet. Grün ist Terre Verde, oder grüne Erde, Schieffer-Grün und Berggrün, so alle das Oel wohl ertragen, nur daß das letztere gar sehr dunckel wird, wenn es alt wird. Und dieses waren auch die Species, so der andere meldete. Auf die vierte Frage kam zur Antwort: In Oel sind die Safft-Farben nicht zu gebrauchen; denn eines Theils werden sie von selbigen unrein, und verliehren ihre Farbe gantz, oder verschwinden, so bald sie in die Sonne oder Lufft kommen: da hingegen die Erd-Farben, Sonne oder Lufft wohl vertragen können und nicht verschwinden: Doch dauret auch von dieser Art eine Farbe besser, als die andere, z. E. Roth dauret besser und länger, als Gelbe; wie denn, (welches hierbey zugleich gemeldet und gewiesen wurde, und auch hier allegiret zu werden nicht unangenehm fallen durffte) wenn der Zinnober oder Braunroth mit Oel abgerieben, und das Weiß-Zeug hiermit so, wie das Frauenzimmer mit der Näh-Nadel zuthun pfleget, gezeichnet wird, die Signatur auch unter Waschen und Beuchen auf viele Jahre dauerhaftig ist; obgleich etwas von deren Helle verschwindet: welches denn bey untreuen Händen das Zeichen des Eigenthümers unversehrter erhalten dörffte, als das Näh-Werck, welches durch eine liederliche Hand füglich ausgetrennet werden kan. Auf die fünffte Frage folgte zur Antwort: Wenn dieses von der Lac-Farbe und nicht von Lac-Furniß zu verstehen ist, so dienet hierauf zur Antwort, daß, weil der Lac eine Safft-Farbe ist, solche die Sonne und Lufft auszehrt und verändert. Auf die sechste Frage wurde geantwortet: Dieses ist hier so zu verstehen, daß er eine Sache offt übermahlet: denn je krafftiger eine Farbe drauf lieget, je dauerhaffter ist ein Gemählde. Wie denn daher viele Künstler die Farben fast Fingers-Dicke aufzutragen pflegen; wie dergleichen sonderlich in denen Originalien des Niederländischen Mahlers Rembrandt zu beobachten. Wobey letztlich noch der eine Mahler, auf die Frage: Wie sich Italienische, Französische und Niederländische Gemählde von einander unterscheiden? zur Antwort ertheilte: Die Italianer haben eine noble Zeichnung und starcken Colorit; Die Frantzosen eine schöne und annehmliche Erfindung und Colorit: Die Nieder-Länder eine fleißige Nachahmung der Natur: Ingleichen auf die Frage: Ob und wie man durch Hülffe der Natur anderer Fehler im Mahlen erkennen könne? kam zur Antwort: Hier muß man unterscheiden, das Nachahmen der Natur und anderer Fehler im Mahlen nach der Natur zu erkennen. Das erste wird durch die blosse Hülffe der vorgesetzten Natur beurtheilet, ob es derselben ähnlich sey: das andere aber muß aus denen Regeln der Kunst, welche der Natur Schönheiten zusammen gelesen, entschieden werden. Solcher Gestalt nun scheinet das Vorgeben von Santerre Gemählden, in Ansehung ihrer unveränderten Dauerhafftigkeit auf 30. 40. Jahr nicht ohne Widerspruch zu seyn, es sey denn, daß ihm der Parisische Referente nach seinem Tode mehr zur Flatterie nachgeredet, als der Künstler bey seinem Leben in der That von sich ausgesaget. Ob schon allerdings wahr ist, daß offt durch die Zeit, die in der That mit mahlen hilfft, ein Gemählde an der Harmonie und Colorit besser herausgebracht werde, weder es der Künstler sehr zu exprimiren vermocht. Daher denn auch die besten Künstler aus diesem Grunde ihre Stücke mit Farben zu changiren pflegen, damit die Zeit die abgeziehlte Würckung durch sothane Veränderung hervor bringen könne. Inzwischen ist es allerdings wahr, daß wenn ein Gemählde mit Erd-Farben, die wegen ihres cörperlichen Wesens fester und dauerhaffter sind, als andre, und nur mit einem Schnee-weissen frischen Nuß-Oel, statt Lein-Oels, ohne gemeinen Lac gearbeitet wird, auch von grösserer Dauer und Colorit sey, als andere ordentlich gemachte Stücke. Wobey man sich zugleich noch eines und des andern Vortheils zu bedienen hat, unter andern, wenn man einen Firniß aus Gummi Copal mit Spir. vini auf gewisse Art elaboriret, der denn der Veränderung nicht so leicht unterworffen ist, als der gemeine Firniß. Doch daß auch schon in denen vorigen, ja in denen ältesten Zeiten die Künstler offt ihre Wercke bloß mit wenigen, sonderlich Erd-Farben heraus zu bringen gesucht, solches ist vielleicht vielen bekant. Insonderheit hat schon vor geraumer Zeit der vortreffliche Venetianische Mahler Giorgio, der 1511. im 32. Jahr seines Alters gestorben, und der an Titian Vecelli einen vortrefflichen Nachahmer hatte, sonst ein Schüler des berühmten Joh. Bellins war, und das Colorit auf den höchsten Grad gebracht, alle fleischliche Handlungen mit nicht mehr, als 4. Haupt-Farben, und durch deren mit Verstand geschehene Vermischung allen Unterscheid des Alters und Geschlechts zu machen, ja seine Farbe so zu erhöhen gewust, daß sie lange Zeit gantz frisch geblieben, und absonderlich in Grünen nicht abgeschossen. Ja es hat schon Apelles, Echion, Melanthius und Nicomachus bloß durch vier Arten von Erde alle Gemählde und die so genannten Immortalia opera, hervorgebracht, als durch die Terram Melinam, so weiß, durch Silaceam s. Silarem Atticum, so blau, durch Sinoxidem ponticum, so roth oder rubric, und durch das Atramentum, so schwarz und unter andern auch eine Terra, insgemein aber factitium war. Bes. Plinius in Histor. nat. XXXIV. 12. 13. p. 194. 195. XXXV. 7. p. 617. 618. 6. p. 616, 617. Jonston Not. Regn. min. p. 11. 12. Polymath. p. 28. In dem tieffsten Alterthum hat man wie bereits oben gedacht, die Figuren nicht ausgemahlt, sondern nur mit Linien nach dem Schatten der Person gezeichnet, und das nur mit einer Farbe, die man sogar auch kaum einmahl des Nahmens einer Farbe würdigte; wovon die ersten Erfinder entweder Philocles Aegyptius, oder Cleanthes Corinthius (denn diese 2. Nationen stritten um die Ehre der Mahlerey Erfindung) solle gewesen seyn. Die Ausarbeitung bestand hierbey in nichts, als daß man die Füllung hin und wieder mit Linien unterscheidete, und muste man, wenn jemand gemahlt wurde, dazu schreiben, wer er sey. Und dieses nannte man Picturam Linearem, die der erste Grund derer noch heut zu Tage üblichen Risse oder Zeichnung mag seyn, und von der die Linea Apellis, oder das Sprichwort, Nulla dies sine linea: seinen Ursprung hat, so das man keinesweges meynen muß, als hätte Apelles, da er sich alle Tage in seiner Kunst geübet, mehr nicht, als eine Linie gezogen, sondern daß er zum wenigsten alle Tage einen Riß gemacht, oder etwas gezeichnet. Mit welcher Erklärung auch Piles in der Histor. vom Leben derer Europ. Mahler, p. 145. 146. einstimmig ist. Hierauf fieng man an mit mehrern Farben zu mahlen, aber auch nur jede Figur mit einer einzigen, und nenne man dieserley Gemählde Monochromata: worinnen man aber immer weiter und weiter gieng; wie denn ohngefähr um die neunzigste Olympiad. Hygiemon zuerst ein Weibs- und Manns-Bild durch Mahlen zu unterscheiden anfieng; Eumarus, Atheniensis, druckte allerhand Figuren aus, und Cimon Cleonaeus erfand die so genannten Catagrapha, d. i. wie man die Figuren nach der Seite, und in andern Stellungen, rückwärts, in die Höhe, und herabsehende; ingleichen mit Articulis und Adern, ja die Kleider mit Falten und Vertiefungen mahlen solte: worauf man auch alsobald anfieng, denen Figuren mehr, als eine Farbe, zu geben, wie insonderheit Polygnotus Thasius: In welcher Zeitrechnung denn sich zugleich Phidias und sein Bruder Panaeus, wie auch Bularchus, Timagoras und Phytis, hervorthaten, so gar, daß die beyden letzteren mit einander mit ihrer Kunst in einem Wett-Streit geriethen, wodurch zugleich die Mahlerey einen mehreren eclat, grosseren Fleiß und höhere Achtung nach sich zog: der insonderheit erstgedachter Polygnotus, durch seine Abweichung von der alten Rauhigkeit, vortrefflich zu statten kam: bis endlich die edle Kunst mehr und mehr in die Höhe stieg, sonderlich durch die berühmten Meister Mycon, Aglaophon, Cephisodorus, Phrylus, Evenor, als den Vater des Parrhasius, und vornehmlich durch den Apollodor, der die Mahlerey am meisten in einen hohen Stand gebracht, in der man bisher noch keine Tabulam (so hiessen die alten Gemählde, weil sie meist auf Holz, oder aufs höchste noch auf Pergament gemahlet wurden) mit deutlichen Augen ausgedrucket hatte: dem hernach die übrige Reihe von denen grossen, als Zeuxis, Apelles, Protogenes und andere, gefolget: denen doch aber die Ausdrückung derer Gemüths-Leidenschafften noch gefehlet, als die zum ersten Aristides Thebanus nachzuahmen anfieng. Wie dieses alles aus des Plinius Histor. Nat. XXXIV. 13. p. 595. XXXV. 3. p. 614. 7. 8. p. 618. & sq. nicht ohne Mühe zusammen zu lesen ist. Doch es bestand auch bey der grösten Kunst ihre Mahlerey zu der Zeit bloß in Wasser-Farben, die sehr hoch und frisch aufgetragen wurden, so gar, daß auch Apelles dieselbe mit einem Überzuge von einem zarten Atramento zu dämpffen anfieng, wodurch man das darunter versteckte Gemählde mit einem schärfferen Auge anzusehen gezwungen ward: hiermit aber suchte er zugleich die Gemählde vor Staub und Unflath zu bewahren. Ja damit auch das feuchte Colorit sich um desto länger halten könnte, so pflegte Protogenes die Farben zu vier unterschiedenen mahlen aufzutragen, damit, wenn ja die oberste durch die Zeit und andere Schaden zufügende Dinge abschösse, doch allemahl sich eine neue vorstellete. Und so wuchs die Kunst der Mahlerey von Zeit zu Zeit, die doch aber bißher fast in lauter ernsthaften Vorstellungen bestanden; von daran sich aber einige auch an lächerliche Dinge legten. Wie denn insonderheit Pyreicus allerhand Neben-Dinge, als Werckstätte von Haarscheeren, Schustern, Obst, und dergleichen schilderte, wodurch er denn den Nahmen Rhyparographus davon trug. Und in der That fanden auch schon dazumahl dieserley Gemählde so viel Achtung, als ernsthaffte Dinge, ja es legten sich einige dergestalt hierauf, daß sie keinen Menschen, und hingegen nur läppische Dinge, zu mahlen vermochten, welche letzteren denn Anthropographi genennet wurden. Insonderheit weil unter denen ersteren Antiphilus den Grillus in seiner lächerlichen Gestalt vorstellete, so nennete man forthin dergleichen Art Phantasien beständig Grillum. Bes. Plin. c. 1. XXXV. 10. p. 622. sq. Und so war die Mahler-Kunst in dem Alterthum beschaffen, und so pflegte man die Gemählde dauerhafft und in möglicher Erfrischung zu erhalten, ohne daß es gleichwohl möglicher wäre gewest, dieselben bey dem so leicht vergänglichen Wasser-Mahlen, ausser bey der sorgfältigsten Verwahrung, in so langer Dauer zu erhalten, als wiewohl zu unsern Zeiten möglich ist, nachdem der Niederländische Mahler Johann von Eyck ums Jahr Christi 1400. als er einen Firniß, der seiner Arbeit mehr Starcke geben könnte, suchte, den Gebrauch derer Oel-Farben entdeckete: von welcher Zeit an mit Vermehrung der Kunst überhaupt, auch denen auf solche Weise verfertigten Gemählden, eine unvergleichliche Dauerhafftigkeit, auf viele Jahrhunderte zu wege gebracht worden. Übrigens findet man in der Heil. Schrifft viele schöne Redens-Arten, welche die Mahler-Kunst an die Hand gegeben hat. So saget Gott, Habac. II. 2. Mahle es auf eine Tafel, nehmlich daß die Weissagung solte erfüllet werden. Und Paulus mahlet seinen Galatern Christum vor die Augen, Gal. III, 1. welches eine nachdenckliche Redens-Art, dabey man zu bemercken das Muster oder Vorbild, welches ist Christus; die Art der Abbildung geschahe nicht mit Farben, sondern durch die Schrifft der Apostolischen Feder, damit er alle Umstände des Leidens Christi gleichsam abcopiret und illuminiret, alles so klar, daß wer es siehet, höret, lieset, und zu Herzen nimmt, demselben anders nicht wird, als hätte er Jesum selbst mit Augen im Fleische am Creutze gesehen, als wäre er mit Maria unter dem Creutze gestanden. Die Tafel, darauf dieß Gemählde gebildet, sind die Galater, deren Hertzen gleichsam der Brief oder die Mappen gewesen, darinnen dieses Gemählde abgerissen; II Cor. III, 2. der Endzweck war dieser, daß sie ihn sollten anschauen, drum heist es: Er sey ihnen vor die Augen gemahlet, nicht vor die leiblichen Vernunffts-Augen, sondern vor die Augen des Glaubens.

col. 269

Mahler-Metal

Mahler-Metall, Bronze des Peintres, ist gerieben geschlagen Messing; dasselbige wird in kleine Muschel-Schalen gethan und alsdenn Or en coquille, Muschel-Gold benennet. Die Gyps-Bilder werden damit überzogen: Es brauchen dasselbige auch die Migniatur-Arbeiter.


col. 269

Mahler-Stock

Mahler-Stock, siehe Appuimain, im 2. Bande p. 968.