Andrian 1863
Ferdinand von Andrian, Beiträge zur Geologie des Kauřimer und Taborer Kreises in Böhmen. Bericht über die Sommeraufnahme 1860, Jahrbuch der kais. kön. Geologischen Reichs-Anstalt 13, Wien [Wilhelm Baumüller] 1863, pp. 155–182.
I. Beiträge zur Geologie des Kauřimer und Taborer Kreises in Böhmen.
Bericht über die Sommeraufnahme 1860.
Von Ferdinand Freiherrn v. Andrian.
Vorgelegt in der Sitzung der k. k. geologischen Reichsanstalt am 15. Jänner 1861.
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pp. 163–165
Krystallinischer Kalk.
Unser Gebiet erscheint ziemlich reich an diesem für Agricultur und Industrie so wichtigen Materiale. Diese Thatsache scheint aber ebenfalls an das massenhafte Auftreten der Hornblendeschiefer geknüpft, und bestätigt in diesem Falle nur die Beobachtungen, welche die meisten der mit der Untersuchung des böhmischen krystallinischen Gebietes beschäftigten Geologen zu machen Gelegenheit hatten.
Herr V. Ritter v. Zepharovich 1) erwähnt, dass an mehreren Orten der Kalkstein entweder selbst Hornblende führend sei oder in der Nähe derartige Schichten – häufig an der Grenze desselben gegen den Gneiss vorkommen. Dieselbe Bemerkung macht Herr Prof. v. Hochstetter 2) in Betreff des Auftretens von Kalken an der Grenze von Glimmerschiefer und Hornblendegesteinen. Herr D. Stur 3) beschreibt interessante Beispiele von Zusammenvorkommen des Kalksteines mit Hornblendegesteinen und Pegmatit.
1) Beiträge zur Geologie des Pilsener Kreises in Böhmen. Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt. 1854, S. 283.
2) Geognostische Studien aus dem Böhmerwalde. Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt. 1855, S. 37.
3) Die Umgebungen von Tabor u. s. w. Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt. 1858, S. 661 ff.
Geht man Sternberg in einem engen Seitenthale der Sazawa gegen den Prak-Maierhof zu, so ist folgendes Profil entblösst: In der Sohle des Baches stehen sehr dünnschieferige Gneisse an, weiter aufwärts trifft man mächtige Blöcke von Pegmatitgranit; in der Mitte der Abhänge ausgezeichnete Hornblendegesteine, endlich auf den Kuppen krystallinischen Kalk. Das Ganze streicht Stunde 6–8, und hat nördliches Verflächen.
Von Sternberg, am rechten Ufer der Sazawa, trifft man stromabwärts folgende Aufschlüsse: Granit, dann Hornblendeschiefer, endlich mächtige Partien von schneeweissem Kalke, der sehr dünn (½–1 Zoll) geschichtet ist, in flacher Lagerung von 15–20 Grad. Darauf folgen im Hangenden Hornblendeschichten mit vielen Quarzlinsen von 1–3 Zoll Mächtigkeit, und dünnschieferiger sehr glimmerreicher Gneiss; weiter gegen Norden stellen sich viele Wechsellagerungen von Kalk mit Hornblendeschiefern ein, bis letzteres Gestein endlich ganz die Oberhand behält. – Ein anderes Lager mit der Streichungsstunde 20 ist am rechten Abhange der Sazawa zwischen Malowid und Ratay aufgeschlossen.
Im Bereiche der östlichen Hornblendeschieferpartie sind mir drei ihrer Bedeutung nach untergeordnete Vorkommen von Kalken bekannt geworden; eines östlich von Katzow, am Zusammenflusse zweier Bäche, von denen der eine von Cenowitz, der andere von Čestin herabkömmt; östlich von Hodkow, welches gegenwärtig nicht benützt wird, dessen Aufschlüsse daher undeutlich sind; dann bei Pertotitz, südlich von Zbraslawitz. Alle drei befinden sich an der Grenze von Gneiss und Hornblendeschiefer.
Die Kalkvorkommen bei Katzow am rechten Ufer der Sazawa sind in einem dünnschieferigen Gneisse, der nur untergeordnete Partien von Hornblendegesteinen enthält. Am Klenka-Berg (SO. Katzow) sind zwei parallele Lagen mit einer Mächtigkeit von 6 Klafter, nur wenige Klafter von einander entfernt, aufgeschlossen. Gegen Osten sollen sie sich ausbauchen und fast ganz vereinigen, da aber damit die Reinheit abnimmt, so ist deren Erstreckung dahin nicht sehr weit verfolgt. Es ist der schönste krystallinische Kalk mit mittelkörniger Textur und von vorzüglicher Reinheit, so dass 1 Strich = 1 ½ Metzen österr. ungebrannten Materials im gebrannten Zustande das doppelte Volum gibt. Beim Anschlagen entwickelt sich sehr starker hepatischer Geruch. Im Bereiche des Kalkes finden sich Pegmatitkörner, welche innig verbunden, erst beim Brande sich ausscheiden. Das Liegende ist ebenfalls von Granitgängen durchsetzt, deren Verlängerung offenbar den Kalk durchschneiden müsste, was jetzt des Abbaues wegen nicht mehr sichtbar ist. Von accessorischen Bestandtheilen enthält dieser Kalk nur Granat auf Klüften, in Knollen so wie in einzelnen Krystallen. – Am Nordwestabhange des Wlachnower Berges (N. Katzow) kömmt in demselben Nebengesteine, welches hier fast schieferartig wird, ebenfalls ein Lager vor, welches ich trotz längeren Suchens nicht auffinden konnte, da es seines starken Gehaltes an Pegmatit willen nicht mehr abgebaut wird. Bei Sliw (S. Katzow) wird ein Knauer, 3 Klafter mächtig, von grosser Reinheit abgebaut, er geht aber nur einige Klafter in die Tiefe und keilt sich auch dem Streichen nach bald aus.
Aus dem südlichen Theile meines Gebietes, im Bereiche des grobkörnigen grauen Gneisses, sind mir drei Kalklager bekannt geworden: südöstlich von Wlašim beim Skalkauer Hofe von bedeutender Mächtigkeit; nordöstlich von Wlašim am Nordabhange des Kladrub-Berges, endlich bei Štěpanow; die Mächtigkeit des letzteren beträgt 2–5 Fuss, es setzt bis dicht an die Stadt dem Streichen nach ungefähr ¼ Stunde fort. Auch hier ist Pegmatit und Hornblendegestein damit verbunden. Es ist ein Gestein von mittelkörniger Structur, aus schwärzlichen und weissen Streifen, welche in den verschiedensten Windungen in einander greifen, gebildet, und steht an Reinheit bedeutend dem Katzower Vorkommen nach.
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