Böckler 1678
Georg Andreas Böckler, Nützliche Hauß- und Feld-Schule/ Das ist: Wie man ein Land-Feld-Guth und Meyerey mit aller Zugehöre; Als da seynd die nothwendige Gebäu/ vollkommene Haußhaltung/ allerley Viehzucht/ Ackerbau/ Wiesen/ Gärten/ Fischereyen/ Waldungen und dergleichen mit Nutzen anordnen solle: Vorbey dann auch zugleich eine zur Haushaltung auf dem Lande nützliche Hauß-Artzney für Menschen und Vieh/ sampt einem Immerwährenden Calender/ und allerhand nützlichen Hauß-Künsten/ mit sonderbarem Fleiß colligirt, und mehrentheils auß eigener Erfahrung/ auf die Mitte des Teutschlandes gerichtet/ dergleichen zuvor niemahls gesehen/ und zum erstenmahl mir darzu gehörigen Figuren an den Tag gegeben, Nürnberg [Paul Fürst] 1678.
pp. 13–14
II. Vom Sand.
Wann die Gelegenheit des Landes/ wo man einen Meyerhoff hinbauen will/ auch einen Bau-Sand mit sich bringet/ also daß man denselbigen nicht weit herzu führen darf/ ist solches ein sehr grosser Vortheil/ und wird dardurch viel Zeit/ Mühe und Unkosten ersparet.
Der Sand zu dem Bauen muß entweder auf dem Feld gegraben/ oder beyden fliessenden Wassern außgenommen werden.
Es ist aber der Sand zu dem Bauen unterschiedlicher Natur und Farben/ was demnach dienliches kan gebrauchet werden/ seynd nachfolgende Anmerckungen.
1. Der Sand/ welchen man auß Gruben gräbt und von knirschender Erden ist/ trocknet geschwind im bauen/ fället auch nicht balde ab/ was damit bestochen oder getünchet wird/ ist sonderlich zu Gewölben und Bögen dienlich; doch wo derselbige/ nach deme er gegraben ist/ frisch gebrauchet wird/ und daß er nicht lang im Wetter liegen blieben/ noch von der Sonn/ Mond/ Reif/ Nebel gefrohren/ oder von der Hitze ausgebrennet/ dardurch er leichtlich wider zur Erde sich resolvirt und zerfliesset/ welches dann nicht geschehen kan/ wann er noch frisch ist und gerne im Wetter trocknet.
2. Der ausgegrabene Sand ist nicht so gut zum dünchen/ als der zu dem Mauerwerck tüchtig ist/ dann er nicht wohl an den Schrunden trucknen mag/ Feiste halben vom Kalch vermischet.
3. Sand/ der auß fliessenden Wassern kommet/ und auß Mangel deß gegrabenen Sandes gebraucht werden muß/ verhartet leicht/ und dieser ist gut zu dem Dünchen und außwendigen Bewurff des Gemäuers.
4. Den Kießland mag man durch die Hürten werffen/ wiewohl solcher Wasser-Sande nicht gerne trocknet; ist derowegen ungebräuchlich und nicht gut zu den Gewölbern.
5. Zu rauchem Gemäuer mag man nach Gelegenheit Sand erwählen.
6. Zu reinem Gemäuer solle man reinen Sand nehmen/ darunter keine Erde vermischet ist.
7. Zu dem Decken gehöret röscher und gröblichter Sand.
8. Zu dem inwendigen Bewurff und bestechen wird ein schlimmer und glatter Sand gebraucht.
9. Von allen Gattungen ist der beste/ wann man solchen zwischen den Händen reibt daß er knirscht. Item
10. Wann man Sand auff ein rein Tuch legt/ solchen wieder darvon schüttet, wann er keine Flecken hinter sich läst.
11. Der Sand/ so unter den Wasserfällen gesamblet wird/ ist auch gut/ weiln er durch solchen Wasserfall wohl gereiniget und gewaschen wird.
14. [sic!] Der weisse Sand wird für den schlimbsten gerechnet/ weil solcher in der Erfahrung keine gute Arbeit gibt.
13. Wann der Sand in ein Wasser gerühret/ und dasselbige gar trübe machet/ so ist solcher auch nicht gut.
14. Von dem gegrabenen Sand/ wird der gelbe oder goldfarbe für den besten gehalten/ nach solchem der graue und schwartze.
pp. 14–17
III. Vom Kalch.
Der Kalch ist ein nothwendiges Stück/ so zu den Gebäuen des Mauerwercks erfordert wird/ bringt bey dem Bauen grossen Unkosten/ wann man denselbigen weit hohlen und führen muß; insonderheit wann er unabgelöschet geführet wird/ so verstäubt er unterwegs/ auch da er im führen nicht wohl zugedeckt/ bey einfallendem Regenwetter angehet/ die Wägen und Führen verderbet: Es ist aber für ein sonderbahres Kleinod zurechnen/ wo man an dem Orth/ da man hinbauen will/ zugleich auch gute Kalcksteine findet/ daselbsten auch brennet und ablöschet.
1. Der Kalckstein wird entweder auf den Bergen gebrochen/ auff dem Felde/ oder auß dem Wasser genommen.
2. Ein jeder Kalckstein/ so auf dem Gebürge gebrochen/ wann derselbige trocken ist und gerne bricht/ auch inwendig keine an der Materi hat/ wann solche/ vom Feuer verzehret/ den Stein kleiner läst/ der ist gut zum Kalck/ und je härter der Stein/ je besser der Kalck.
3. Der Kalck von harten Steinen wird am besten zu dem Verbinden der Mauren gebrauchet.
4. Die guten Kalcksteine sollen weiß und dicht/ oder von Kießlingstein seyn.
5. Kalck von Lücken/ schwämm- und löcherichten Steinen/ ist gemeiniglich mürb/ dienet meistentheils zum dünchen/ bestreichen und bewerffen der Mauren.
6. Man findet auch Schifersteine/ so überaus guten Kalck geben/ nicht allein ins Wetter/ sondern auch ins Wasser dienlich/ dann derselbige wird geschwind fest/ und hält sich lange Zeit.
7. Kalcksteine von Kießling sind vornemlich dreyerley Arten/ Nemlich: 1. Schwarz/ 2. Weiß/ 3. Roth. Diese dreyerley Arthen aber solle man brennen/ so bald sie auß der Gruben kommen.
8. Die Kießling und Wackensteine/ welche man auß den Bächen und Wassern nimbt/ geben einen sehr guten Kalck zu weisser und sauberer Arbeit/ dannenhero man gemeiniglich solchen zudem Dünchen der Mauren nimmet.
9. Es wird auch von Dauch- Tufft- Schwamm- Pimbsenstein und andern groben rauhen Steinen Kalck gebraucht.
10. Aus Marmorsteinen/ so schwartz/ grau/ gesprengt von unterschiedlichen Farben/ wie man dieselbige hin und wieder/ als in der Grafschaft Widt/ Itstein/ wie auch alhier zu Durlach in grosser Menge bricht auch auff dem Felde findet/ geben den schönsten weissen Kalck/ so wohl zu dem Mauren als Dünchen nützlich und dienlich.
11. Weise Kalcksteine so nicht von Marmer/ seynd besser dann die schwartzen.
12. Alle gebrandte Kalcksteine halten gemeiniglich den dritten Theil weniger am Gerichte/ alß sie vor dem Brandt gewogen.
13. Alle Steine vom Gebürg oder auß dem Wasser genommen/ brenen sich/ nach deme man ihnen Feuer gibt/ geschwind oder langsam.
14. Alle gebrochene Steine zum Kalkbrennen seynd besser dann die zusammen geklaubten; ingleichen diejenigen/ so an einem schattichten und feuchten Bruch gelegen/ seynd besser/ alß die an einem trocknen Orth gefunden werden.
15. Zu einem rechten Kalckbrandt werden insgemein 60. Stunden oder dritthalb Tag erfordert.
16. Die Kalcköfen seynd ohngefehrer Grösse etwann 20. Schue lang/ und 40. Schue tieff.
17. Je höher die Kalcköfen seynd/ je besser/ dann solche seynd erschützlicher zum erhitzen.
18. Wann der Kalck gebrandt ist/ so solle man solchen in einer Gruben fein sittiglich jedoch continuirlich/ mit Wasser anfeuchten/ biß solcher durchauswohl erweichet und temperiret/ dann je mehr er eingeweichet wird/ je zärtet fester und besser er seyn wird/ ausgenommen der von Schiferstein/ dann so bald dieser genetzet worden/ muß er verbrauchet werden.
19. Nachdeme der Kalck abgelöschet worden/ solle man denselbigen an einen feuchten und schattichten Ort legen/ und ihn mit nichts vermengen/ sondern nur mit Brettern oder leichtem Sand zu decken.
20. Je bälder man nach dem Ablöschen den Kalck/ also balden gleichsam noch warm verbrauchet/ je beständiger und stärckerer die Steine anziehet und verbindet derowegen im Gegentheil/ wann derselbige lang abgelöschet liegen bleibt/ nicht so kräfftig alß der vorige ist/ wie solches die täglich Erfahrung mit sich bringet.
21. Die allerbesten Kalckstein werden erkennet auß ihrer härte/ schwere und dem Klang.
22. Der beste Kalck wird auch erkennet/ wann er einen geschwinden dicken Dampff im Ablöschen auffwirfft.
23. Item/ wann er sich dick anhänget in dem Gestell/ darinn er angemachet wird.
24. Wann der Kalck mit seinen eigenen ungebrandten Steinen vermauret wird/ gibt solches starcke Mauren/ indeme es sich am liebsten wieder mit einander verbindet.
Nota, zu vollkommener Bereitung deß Kalcks/ daß sich derselbige nicht allein 2. oder 3. Jahr/ sondern auch wohl zehne halten möge und kräfftig bleiben/ sehen wir dem fürsichtige guten Hauß-Vatter nachfolgenden Unterricht:
So bald der Kalck aus dem Ofen kommet/ so legt man ihn auff einen schönen ebenen Platz/ fein gleich/ und in eine Höhe/ etwan 2. oder 3. Schue hoch/ so lang und breit/ alß man will/ nach diesem bedeckt man denselbigen mit gutem Feld oder Wasser Sand/ auch 2. oder 3. Schuhe dick/ alsdann schüttet theil Wasser darüber/ daß der Sand so naß werde/ daß auch der Kalck darunter sich durch netze/ damit er sich nicht entzünde (NB.) und verbrenne.
Sihet man aber/ daß sich der Sand reisset oder spalt vom Dampff/ so wirfft man ihn alsobald wieder zu/ damit der Dampff und Vapor deß Kalcks nicht heraus könne.
Wann dann die Kalcksteine so gebrandt/ solcher gestalt mit dem Sande zugedecket bleiben/ so werden dieselbige zu lauter Feiste/ also daß/ wann man ihn kurtz oder lang brauchen und anschneiden will/ so wird er seyn von fette und zähe/ wie ein Käß/ so von eitel Milchram gemachet worden/ daß man auch das Haft-Kübelein/ damit man den Mörtel anfeuchtet/ kaum wird können herauß ziehen/ wird auch den Werck- oder Mauerstein so wohl anziehen und heften/ als daß beste Kütt oder Ciment. Allein man muß auch gut acht haben/ wann man den Sand naß machet/ daß der Kalckstein überall bedecket seye mit dem Sand/ damit er keine Lufft empfahe/ dann die Hitz und Dampff des Kalcks/ trennet den Sand und sucht Oeffnung / dardurch er sich dann verzehret/ und gleichsam verschwindet.
Dieser Kalck ist sehr gut zur erhobenen Arbeit/ und Wände damit zu bekleiden/ wie auch den Grund auff die Wände damit zu machen/ die bemahlet werden sollen/ dann solcher Kalck verfället nicht/ oder frisset und erbleichet die Farben des Gemäldes in die Länge nicht/ wie andere Mörtel; dann es sich vielmahl begeben und zu getragen hat/ wann ein Mahler vermeynt gehabt/ er habe seinem Ampt ein Genügen gethan/ und etwas gar schönes gemahlet/ daß über etliche Zeit hernach der Kalck oder Mörtel die Farben gefressen und ertödtet gehabt/ der Urfachen/ daß der Kalck nicht recht/ und mit langer Hand ist bereitet und zugerichtet worden; dann die Schärpffe des Kalcks hat die Farben/ so zuvor schön und lebhafft gewesen/ ermattet und geändert/ ja hat auch wohl den gantzen Grund im Gemälde zerrissen und stückweis zerfället/ oder Blattern auffgeworffen/ welches nicht allein dem Bauherrn Schaden gebracht/ sondern hat auch den Mahler und die Gemächer beschämet.
