C. R. 1840a
C. R., Ueber Freskomalerei, Polytechnisches Archiv IV, Berlin [Friedrich Weible] 1840, pp. 192–193, 198–199.
pp. 192–193
Ueber Freskomalerei.
Von C. K.
Die vielen Schwierigkeiten, welche den Versuchen, eine dauerhafte Freskomalerei herzustellen, entgegentraten, und so Manchen dahin brachten, sein Ziel nicht weiter zu verfolgen, diese Schwierigkeiten sind auch mir nicht fern geblieben; allein sie schreckten mich um so weniger zurück, da hier nach Etwas gestrebt wurde, das die Kunst und Technik längst entschwundener Jahrhunderte der Gegenwart erwies. Es war mein jahrelanges Bestreben, die Farbenbereitung und die Technik der Freskomalerei zu studiren, und wenn nicht selbst Maler und Künstler von Fach, dennoch mit Hülfe der Wissenschaft endlich für diesen Theil der Kunst etwas Nützliches zu Tage zu fördern.
Wenngleich meine Versuche noch nicht zu dem Grade von Vollkommenheit führten, daß ich es wagen könnte, dieselben in diesem Augenblick schon für gänzlich geschlossen zu erklären, so sehe ich mich doch genöthigt, deren hiermit öffentlich Erwähnung zu thun, da meine Methode der Bereitung der Freskofarben, wie die Technik dieser Malerei, in gewissem Grade verwandt ist mit der Art, welche Herr Thomas Leykauf in Nr. 16. der Allgem. polytechnischen und Handlungszeitung von J. C. Leuchs in Nürnberg beschreibt, welche Abhandlung des geschätzten und thätigen Herrn Verfassers gewiß so Mancher mit mir derselben Anerkennung widerfahren lassend, gelesen haben wird.
Die Mittheilungen des Herrn L. führen den Titel: „Die Malerei und Farben der Alten und über Freskomalerei der alten Römer,“ und enthalten im Wesentlichen etwa Folgendes:
Die thatsächlichen Beweise für die Vollkommenheit der Farben und der Malerei der Alten finden wir unter der bald 2000jährigen Asche Herkulanums, Pompeji’s und Stabia’s in einer Menge der trefflichsten Wandgemälde aus den Zeiten um Christi Geburt. Diese haben seitdem die Aufmerksamkeit der Gelehrten vielfältig erregt und Nachforschungen über die Mittel veranlaßt, deren die Alten sich bei dieser Art Malerei bedienten. Anfangs bezeichnete man sie als Werke der enkaustischen Malerei. In einer in die kleinsten Details umgehenden Schrift des Herrn Wiegmann wird aber gezeigt, daß sie eine Art Freskomalerei war. Auch Plinius sagt ausdrücklich, daß die Enkaustik nicht auf Wände angewendet wurde.
Die ersten größten Wandmalereien der Alten wurden zu Raphaels Zeit an den Thürmen des Titus zu Rom gefunden. Im Jahre 1606 grub man von der andern Seite des Monte Esquilino die Aldobrandinische Hochzeit aus. In der Mitte des 18ten Jahrhunderts ward Herkulanum 1753 und das gleichfalls im Jahre 79 verschüttete Pompeji wiedergefunden, und bei den bald eingeleiteten Ausgrabungen beider Städte sah man fast keine Mauer der Atrien, Peristyle und Gemächer, selbst der ärmsten Wohnungen, ohne Farbenschmuck, der in den bessern Häusern nicht selten in den Bädern und Tempeln fast immer gegründeten Anspruch auf wahren Kunstwerth macht. Der Grund ist gewöhnlich glatt wie geschliffener Marmor. Die Farben leuchten als schimmernder Grund durch, sind nicht im Geringsten verblichen und springen nicht ab. Dies zeigt, daß die Alten eine ungleich vollkommnere Wandmalerei hatten als unsere jetzigen Freskomaler.
Der Anwurf ist Mörtel, 2 Zoll dick in fünf Lagen, wovon die untersten von Kalk, Sand, Puzzolane und Ziegelmehl, die oberste aber sehr fest, fein und weiß ist. Diese Ueberzüge werden nach Vitruv festgeschlagen, geglättet und der folgende stets aufgetragen, ehe der vorhergehende ganz trocken war. Auch die Farben wurden auf den noch feuchten Ueberzug gemalt.
Es zeigt sich keine Spur eines fetten gallertartigen, oder andern pflanzlichen oder thierischen Bindungsmittels, wohl aber unter allen Farben Kalk, der von der feuchten Mauer, die häufig noch besonders mit Kalk geweißt wurde, sich in die Farben zog und ihnen Glanz und Dauer gab.
Das Weiß ist Kalk (seltener weißer Thon), das Schwarz Kohlenschwarz, (Kienruß), das Gelb Ocker, das Roth Röthel, (seltener Zinnober und Mennig), das Blau eine mittelst Kupfer erhaltene Schmelzfarbe (seltener Ultramarin), das Grün grüne Erde, (seltener Kupfergrün).
Die Anwendung des Wasserglases und der Thonerde möchte auch eine vollkommnere Freskomalerei zulassen. In Frankreich hat man schon angefangen ausgezeichnete Produkte dieser Art auf Tapeten herzustellen.
Die Enkaustik hat man vielfach wieder einzuführen gestrebt, jedoch ohne Erfolg, da sie vor der Oelmalerei keinen Vorzug hat und schwieriger ist. Caylus gab 4 Arten an: 1) Malen mit gefärbtem, geschmolzenem Wachs. 2) Malen mit durch Abschlagen des geschmolzenen Wachses mit Wasser erhaltenen Pulver, das man, wenn es trocken ist, durch Wärme schmilzt. 3) Ausmalen erdiger Farben auf mit Wachs überzognen Tafeln und Vereinigen dieser Farben nach dem Trocknen desselben durch Schmelzen des Wachses. 4) Belegen der mit erdigen Farben bemalten Tafeln mit Wachsblättchen und Anschmelzen derselben. Alle diese vier Arten können keine besonders schöne Gemälde geben. Abt Requeni färbte eine Mischung von 3 Mastix und 1 Wachs mit Farben, ließ die erkaltete Mischung pulvern, malte sie mit Wasser auf, ließ das Gemälde trocknen, und dann durch Erwärmung das Wachs schmelzen. Fabroni schlug vor, das Wachs in flüchtigen Oelen zu lösen. Bachelier und Walter eine Wachsseife anzuwenden. Tob. Maier setzte eine Mosaik aus farbigem Wachs zusammen, und erhielt so ein Gemälde, von dem man Scheiben abschneiden konnte, und doch dasselbe Gemälde auf der abgeschnittenen Fläche wieder hatte. Tomaselli schlug vor, mit Wachsstiften, wie mit Pastellstiften auf eine rauhe Fläche zu zeichnen und dann die Fläche über ein Feuer glatt zu schmelzen.
Die Kausis der Alten war keine Wachsmalerei, sondern blos ein Ueberziehen mit Wachs. Bei der Freskomalerei wurden die Farben ohne Bindemittel auf den nassen Kalk und durch den in sie dringenden Kalk, nämlich von der Wand aus, befestigt. Bei der Temperamalerei erhielten die Farben ein Bindemittel, z. B. Leim und Gummi &c., auf trocknem Kreidegrund; bei der Enkaustik mit Wachs, das zuweilen mit Pech, seltener mit Oel versetzt wurde. Die Tempera und enkaustischen Gemälde haben sich nicht erhalten und sind durch die Oelmalerei besiegt worden. (Schluß folgt.)
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Ueber Freskomalerei. (Schluß.)
Herr Leykauf kommt nun auf seine Versuche. Er überzeugte sich, daß die Alten auf gewöhnlichem Kalkmörtel noch eine Lage von schönem weißen Kalk gaben und dann erst die Farben auftrugen. Dieser Kalküberzug liegt oft 1, oft 2 Linien dick auf dem Mörtel. Da die Alten mit der Anwendung von den verschiedenen chemischen Bindemitteln wohl schwerlich ganz vertraut waren, so läßt sich schließen, daß sie die einfachsten Mittel wählten, um ihre Farben auf Kalk zu befestigen.
Da nun die Milch hierzu die trefflichsten Dienste leistet, so wäre es für Freskomaler nicht uninteressant, die Bedingungen zu erfahren, unter welchen dieser Körper Farben vollkommen haltbar auf Kalk macht, so daß weder Feuchtigkeit, noch Luft, noch irgend eines der gewöhnlichen Einflüsse auf dieselben einwirken. Die Freskomalerei nimmt zugleich den herrlichsten Glanz an, und ist daher vor Annahme des Staubes gesichert, und leicht durch Abreiben mit Tüchern zu reinigen, ohne daß sie dadurch leidet.
Der Kalk, den man zu solchem Zweck benutzt, muß rein weiß, gut gebrannt, frisch gelöscht und mit Wasser zu einem Brei angemacht sein. Man treibt diesen Brei durch ein feines Sieb, trägt ihn sogleich mit dem Pinsel auf, vertreibt ihn auf der Wand, bis er eine gleiche Fläche darstellt. Unmittelbar nach dem Kalküberzug trägt man die mit Milch zu einem dünnen Brei angerührte Farbe auf, oder man läßt die Wand abtrocknen und giebt vor dem Anstrich der Farbe, durch einen Vorarbeiter, nochmals einen dünnen Kalküberzug, da es durchaus nothwendig ist, daß der Kalk seine ätzende Kraft in größter Vollkommenheit besitzt, wenn die Milch damit in Berührung kömmt. Die Milch mit angerührter Farbe wird auf den noch feuchten Kalk aufgetragen, der Käsestoff derselben kommt blos mit der Oberfläche der Kalkwand in Berührung, verbindet sich augenblicklich mit dem Kalke und bildet nach dem Trocknen einen gleichförmigen festen Ueberzug, welcher durch Bürsten einen vollkommenen Spiegelglanz annimmt. Es ist nothwendig, die Anstrichfarbe dick aufzutragen, da bei einem zweiten Anstrich die Wand durch Reiben mit einem nassen Tuch Farbe abläßt, indem der erste Ueberzug nach dem Trocknen die Berührung der Milch des zweiten Anstrichs mit dem Kalke verhindert und auf der Oberfläche dann keine innige Verbindung zwischen Milch und Kalk entsteht. Die Wand kann jedoch, trotz eines einmaligen Ueberzugs, aufs Gleichförmigste gemacht werden, da die Farbe des ersten Pinselstriches, noch während sie feucht ist, durch einen zweiten Strich nicht vermischt wird.
Auf solche Weise erhält man eine getünchte Wand, welche nach vollkommenen Trocknen (was mehrere Tage erfordert), weder durch Wärme, noch Feuchtigkeit leidet und durch bloßes Bürsten einen Spiegelglanz annimmt. Hat die Wand das Reinigen durch Reiben mit nassen Tüchern nicht auszuhalten, so kann man mehrmals die Farbe mit Milch auftragen, und dann ist auch der Ungeschickteste im Stande, einen vollkommen gleichen Anstrich auf die Wand herzustellen. Gelindes nasses Reiben verträgt sie, wenn sie vollkommen trocken ist, ebenfalls.
Die Wände erhalten einen noch größeren Glanz, wenn nach dem Halbtrocknen der Milch die Wand mit einem Pinsel, der in Weingeist getaucht ist, bestrichen wird und man dann sogleich bürstet. Die Milch verbreitet, auf den Aetzkalk dünn aufgetragen (mit nicht zu vollem Pinsel), durchaus keinen Geruch, während, wenn der Kalk nicht ätzend, oder die Milch in zu großem Ueberschuß ist, beim Erwärmen der Zimmer Milchgeruch hervortritt.
Der von Herrn Leykauf mitgetheilten Methode ist, was die Solidität der Malerei betrifft, ein gerechtes Lob zuzusprechen. Das von mir befolgte Verfahren, welches ebenfalls Milch und Kalk, die beide eine chemische Verbindung eingehen, in Anwendung bringt, geht darauf hinaus:
1) Die Verhältnisse genau festzustellen, in welcher Quantität die Milch oder vielmehr der Käsestoff derselben mit dem Kalk in Verbindung tritt.
2) Die Farben mit einem Bindemittel zu versehen, das sie fähig macht, über einander aufgetragen zu werden.
3) Den mit dem Bindemittel verbundenen Farben die möglichste Fügsamkeit zu geben, so daß die höhere Kunst zu ihren erhabenen Werken sich derselben bedienen kann.
4) Das Verfahren bei der Ausübung dieser Malerei so einzurichten, daß der Künstler weder durch Zeit, noch Umstände behindert wird.
Indem ich diesen Gegenstand fortwährend verfolge und mich bemühe, denselben zu einem günstigen Ende zu bringen, werde ich die Resultate meiner Versuche durch diese Blätter veröffentlichen und der Redaktion zugleich eine Probe*) von meiner Freskomalerei einhändigen, um den dafür sich Interessirenden sogleich etwas Ersichtliches vor Augen treten zu lassen.
*) Die Redaktion des Blattes wird mit Vergnügen sich beeifern, die eingesandten Proben gleich Allem von dem geschätzten Herrn Verfasser, entgegen zu nehmen, und Veranlassung nehmen, selbige im Geschäfts-Lokal der polytechnischen Agentur in Berlin zur beliebigen Besichtigung bereit halten zu lassen.
