Cancrin 1790

Franz Ludwig von Cancrin, Abhandlung von der Natur, Untersuchung, Lagerstadt, Grabung und vortheilhaften Brennung auch dem bestmöglichsten Gebrauch des Gyps- und Lederkalkes bei den Bauarbeiten, Giesen [Krieger der Jünger] 1790.


pp. 1–8

Abhandlung
von der Natur, Untersuchung, Lagerstadt,
Grabung und vorteilhaften Brennung,
auch dem bestmöglichsten Gebrauch des
Kalkes bei den Bauarbeiten.


Einleitung.

§. I.

Ich habe mir bei dieser Abhandlung vorgesezt, den Kalk blos nach seiner Natur, Untersuchung, Lagerstadt, Grabung und vorteilhaften Brennung, dann aber auch nach dem bestmöglichsten Gebrauche zu betrachten, den solcher bei den Bauarbeiten gewähret. Um mich also in dieser meiner Schrift meiner Absicht gemäs über alle diese Gegenstände hinlänglich genug aus zu dehnen:

So werde ich in solcher

1. Die Natur und äusere in die Sinne fallende Eigenschaften; 
2. Die Untersuchung; 
3. Die Lagerstadt; 
4. Die Grabung; 
5. Die Vorteilhafteste Brennung; und dann
6. Den bestmöglichsten Gebrauch des Kalkes bei den Bauarbeiten vortragen.

Ich will diese Materien in den folgenden Kapiteln abhandeln, worinn ich mich zwar so kurz, wie möglich, zusammen fassen, doch aber keinen wesentlichen Umstand aus den Augen sezzen werde.

Das erste Capitel.

Von der Natur, und den äusern in
die Sinne fallenden Eigenschaften
des Kalkes.

§. 2.

Es gibt, so viel vorerst die Natur, und äusere in die Sinne fallende Eigenschaften des Kalkes betrift (§. 1 Zif. 1.), als woraus der Gebrauch des Kalkes bei den Bauarten beurteilt werden muß, zweierlei Kalke in dem Mineralreiche, und die sind:

1. Der Spaar- oder Gypskalk; und dann
2. Der Leder- Bitter- oder Streichkalk.

Beide Arten sind ihrer innern Natur nach sehr wesentlich von ein ander unterschieden, und darum will ich iede Art besonders beschreiben, und das soll in den nach folgenden Titeln geschehen.

Der erste Tittel.

Von der Natur, und den äusern in die
Sinne fallenden Eigenschaften des
Spaar- oder Gypskalkes.

§. 3.

Der Spaar- oder Gy[p]skalkstein bestehet so viel dessen Natur und äusern in die Sinne fallenden Eigenschaften betrift (§. 2 Zif. 1), in einem weichen, weissen, grauen, und rauhen Steine, der sehr leicht ist, in dem Bruche glänzet, und wenige oder gar keine Politur annimt. Er gibt an dem Stahl keine Funken, er löst sich in den Säuern [!] nicht auf, und dann schmilzet er ohne einen Zusat in dem Feuer nicht, sondern er wird lokker, und zerfält bei langem Brennen in einen Kalk, der, nach dem Brennen, weiter nicht zërfält, aber, wenn er mit Wasser vermischt wird, ohne sich merklich zu erhizzen, eine Steinhärte annimt.

§. 4.

Es sind dieses die allgemeinen Eigenschaften der Gypssteine, die man in gemeine Gypssteine, und in Gypsspathe einteilet. Aber auch diese haben ihre Unterabteilungen, und zu den ersteren kan man rechnen, den gemeinen oder groben Gyps, Gypsschiefer oder blätterichen Gyps, Alabaster, und Gypskristallen, oder Gypsdrusen, zu diesen den Gypsspathen hingegen zählet man, den Strahl- oder Federgyps, der auch Federweis oder Federspath heiset den Spiegelstein Selenit oder das Fraueneis, und den bononischen Stein. Es ist von diesen Gypssteinarten immer ein Gypsstein reiner, als der andere, das ist mit mehr, oder weniger Gypserde gemengt.

§. 5.

Ich habe alle diese Gypssteine, die ein Vorwurf einer ieden Mineralogie sind, in dem 242 und folgenden §. meiner Mineralogie beschrieben, und darum betrachte ich sie, hier nicht weiter, nach ihren äusern in die Sinne fallenden Merkmalen, in dem folgenden Kapitel aber werde ich ihre genauere Untersuchung lehren, da ich ihre Natur und äusere in die Sinne fallende allgemeine Eigenschaften schon in dem vorhergehenden 3ten §. angezeigt habe.

Der zweite Tittel.

Von der Natur, und den äusern in die
Sinne fallenden Eigenschaften des Leder-
oder Bitterkalkes.

§. 6.

Der Leder Bitter- Streich- oder gemeine Kalkstein, der nur schlechthin Kalkstein genent wird, hat, so viel dessen Natur, und äusere in die Sinne fallende Eigenschaften angehet (§. 2 Zif. 2) die folgenden allgemeinen Kenzeichen. Er gibt an dem Stahl keine Funken, er brauset mit den Säuern [!] auf, und wird darinn aufgelöst. Er schmilzt im Feuer ohne einen Zusaz nicht, sondern brent sich darinn zu einem Kalk. Ein solcher Kalk zerfält dann in der Luft in ein Pulver, er bläher sich im Wasser auf, oder löscht sich, er erhizt sich dabei, und wird weis, und zu einem Schlamme, dann aber nimt er, mit Sande vermengt, eine Steinhärte an. Ein solcher Kalk hat den Nahmen Lederkalk, weil er zum Gerben des Leders gebraucht wird, und Bitterkalk heist er, weil er einen bitterlichen Geschmack hat.

§. 7.

Die eben angegebene sind die allgemeinen Eigenschaften des Kalksteines, den man in undurchsichtigen nicht kristallisirten Kalkstein, der im gemeinen Kalkstein und Marmor bestehet, und dann in kristallisirten Kalkstein einzuteilen pflegt, worzu allein der spathartige Kalkstein, und der Toph- Tuph- oder Trophstein gehört. Zu der ersten Art des Kalksteines zählet man: Den gemeinen Mauer- oder Cementstein; den schimmernden Kalkstein, den häkkerichen oder körnigen Kalkstein, den Stink- oder Saustein, den armenischen Stein, den Kalkschiefer, den einfarbigen Marmor, den bunten, gestreiften, gesprenkelten oder vielfarbigen Marmor, den figurirten und gebildeten Marmor oder den Marmor mit Figuren, dann aber den Muschelmarmor. Zu der andern Art des Kalksteines rechnet man hingegen: Den Kalkspathkristall oder die Spathdrusen, den blätterichen oder schieferichen Spath, den würfelichten Spath, den durchsichtigen Spath, den körnigen Kalkspath, den incrustirten unförmlichen Tophstein, den gebildeten Tophstein, und den Trophstein. Von alle diesen Kalksteinarten ist immer ein Kalkstein reiner, als der andere, das ist aus mehr oder weniger Kalkerde zusammen gehäuft.

§. 8.

Die Beschreibung dieser Kalksteinarten gehört in die Mineralogie. Da ich nun solche in dem 251 und folgenden §. meiner Mineralogie beschrieben habe: so erspahre ich mir hier diese Mühe, und gehe nun zu der Untersuchung des Gyps- und Kalksteins fort (§. 5).


pp. 101–135

Das fünfte Kapitel

von der vortheilhaftesten Brennung
des Kalkes.

§. 86.

Ich will in diesem Kapitel, welches die vorteilhafte Brennung des Kalkes in sich fast (§. 1. Zif. 5), von zwei wesentlichen Dingen handeln.

1. Von dem Bau der Kalköfen; und dann
2. von der Brennung des Kalkes an und für sich.

Beide Materien will ich in den folgenden Titteln vortragen.

Der erste Tittel

von dem Bau der Kalköfen.

§. 87.

Der Bau der Kalköfen (§. 86 Zif. 1) ist sehr von einander unterschieden. Man kan die Kalköfen

1. in horizontale, oder liegende; und dann
2. in senkrechte oder stehende Oefen abteilen,

wovon ich dann vor allen Dingen in den nachstehenden §. §. etwas mehr sagen will.

§. 88.

Die horizontale, oder liegende Kalköfen (§. 87 Zif. 1) sind ihrer innern Figur, nach, wie ein der Länge nach durchschnittenes halbes Faß gestaltet, das den innern Ofen ausmacht, und in der Mitte 10 Fus weit, 5 Fus hoch, und 20 bis 25 Fus lang ist. Es liegt bei diesem Ofen das Feuer vorne auf einem besondern Heerd der so weit, wie der innere Ofen, und 9 Fus lang ist, aber 12 Fus tiefer liegt, als der Boden des innern Ofens. Vor dem Ende des Ofens befindet sich ein Rauchfang, wodurch der Rauch abziehen kan, und dann steigt der Boden des Ofens von vorne bis an das Ende 3 bis 4 Fus an, damit das Feuer um desto besser ziehen möge.

Es hat dieser Ofen den Vorteil, daß man darinn den Gyps und Kalk sehr bequem einsetzen, und solchen, wenn er gebrennt ist, eben so leichte wieder aus dem Ofen nehmen kann. Ja brent man dabei zugleich Baksteine, oder Ziegeln, die immer, weil sie kein so groses Feuer, als wie der Gyps- und Kalkstein erfordern, hinten hin in den Ofen gesezt werden: So hat man dabei noch den Vorteil, daß weniger Waare zerbrochen wird.

Ich werde inzwischen weiter unten, und im 103ten §. so ganz klar zeigen, daß diese Art Oefen der Erspahrung des Brandes sehr nachteilig ist, weil das Feuer besser über sich, als zur Seite wirket.

Um Kupfer zu erspahren: So liefere ich übrigens keine Abbildung von diesem Ofen.

§. 89.

Die senkrechte oder stehende Kalköfen (§. 87 Zif. 2) gehen alle gerade in die Höhe. Sie sind im innern Ofen 8 bis 9 Fus weit, und 15 bis 18 Fus hoch, in dem Boden des innern Ofens aber ist eine 2 ¼ bis 3 Fus weite, und 4 Fus tiefe, durch den ganzen Ofen gehende Grube, welche den Feuerheerd ausmacht. Diese Grube wird bei jedem Brennen mit Kalkstein trokken, das ist ohne Leimen und Mörtel über wölbt, damit man darüber den zu brennenden Gyps und Kalkstein einsezzen könne. Es sind diese Oefen bald circelrund, und bald vierekkig, und meist sind solche oben, wo doch die Hizze bei dem Kalkbrennen am schwächesten ist, so weit, als wie unten.

Ja einige haben den, der Natur des Feuers, das in der Höhe immer schwächer wird, so ganz zuwieder laufenden Fehler, daß solche oben viel weiter, als wie unten find, und was tan dar, aus anders folgen, als daß man, um den Kalk oben gaar zu bringen, gar zu vielen Brand aufwenden muß, und doch wird der untere Kalk zu gaar, bis der obere zu einer ordentlichen Gaare komt.

Weiter unten, und zwar §. 101 werde ich zeigen, daß die vierekkige Gestalt der Kalköfen, dem guten Ausbrennen des Kalkes sehr nachteilig ist, und eben so werde ich auch §. 102 darthun, daß die Kalköfen oben viel enger, als wie unten sein müssen.

Ein anderer Nachteil, welcher mit einem so gebaueten Ofen verbunden ist, bestehet darinn, daß das Feuer nur in der Mitte des innern Ofens, und nicht unter dem ganzen Einsazze von Gyps oder Kalkstein umher liegt, wovon dann immer die Folge die ist, daß der Kalk um den Brand zu gaar, und verbrent wird, das nicht einmal zu gedenken, daß man dabei auch mehr Brand nötig hat.

Es geschiehet auser dem allen aber auch bei dieser Art von Kalköfen, daß das über dem Heerd befindliche Gewölbe zu Zeiten, während dem Brennen, einbricht, und dann ist der ganze Brand verlohren.

So wahr dieses alles ist: So bleibt es dem ohngeachtet eine ausgemachte Sache, daß die stehenden Kalköfen nicht so vielen Brand erfordern, als wie die liegenden, weil das Feuer mehr über sich, als wie zur Seite wirket, wovon dann §. 103 mehr vorkommt.

Nur haben die stehenden Kalköfen die Unbequemlichkeit, daß der Gyps- oder Kalk nicht so leicht einzusetzen, und dann auch etwas schwerer aus dem Ofen zu nehmen ist, als wie bei den liegenden Kalköfen, Allein auch diese Beschwerde kan man durch eine Pritsche, und einen Haspel aus dem Wege räumen, wie ich unten §. 98 zeige.

Ich liefere, auch von diesem Ofen keine Abbildung, um unnötige Kupfer zu ersparen.

§. 90

Weil also, wie ich glaube, die zuvor angezeigten Kalköfen noch mit verschiedenen Mängeln behaftet sind: So will ich dann nun auch einen von mir mit mehrerem Vorteil eingerichteten Kalkofen bekant machen, und dabei zwei Dinge vortragen:

1. Die Einrichtung dieses Ofens; und dann
2. die Vorteile, welche ein solcher Ofen bei dem Kalkbrennen gewähret.

Von beiden also mehr in den folgenden §. §.

§. 91.

Um die Einrichtung dieses Kalkofens (§. 90 Zif. 1) desto deutlicher zu machen: So stelle ich solchen in den folgenden Rissen vor:

1. In einem Grundrisse von dem Mauerwerk in der Erde;
2. In einem Grundrisse in der Höhe des Aschenfalls und Windfangs.
3. In einem Grundrisse in der Höhe des Feuerheerdes;
4. In einem Grundrisse durch den Boden des innern Kalkofens;
5. In einem Durchschnitt in die Breite dieses Kalkofens;
6. In einem Durchschnitt in die Länge dieses Ofens; Endlich
7. in einem perspektivischen Risse von dem äusern Aussehen dieses Ofens.

Alle diese Risse will ich in den folgenden §. §. so genau, wie möglich, erklären, und  dabei die Gründe von der Bauart dieses Ofens anführen.

§. 92.

Der erste Grundriß dieses Kalkofens, Tab. 1 Fig. 1, stellt das Fundament, oder das Mauerwerk des Kalkofens in der Erde vor (§. 91 Zif. 1), und eben daher bildet solcher die folgenden Dinge ab.

a. Ist das Fundament, oder das Mauerwerk des Kalkofens in der Erde, das mit Bruch oder rauhen Steinen und Mörtel gemauert ist.

b, c. Ist die darinn befindliche in die Länge gehende Abzucht, die, wie unten §. 97 bei den Buchstaben e, f, vorkomt, mit Platten, oder so genanten Deksteinen zu gedekt wird, damit solche nicht zu fallen könne. Eine solche Abzucht nun hat den Nuzzen, daß sich darinn die in der Erde und dem Mauerwerk befindliche Feuchtigkeit samlen, und nicht in die Mauer ziehen kan, wovon, wenn dieses geschiehet, die unvermeidliche Folge die ist, daß die erhizten Dämpfe das Mauerwerk aus einander treiben.

d. Ist der Ausgang dieser Abzucht, zu dem Ende, damit dadurch die in der eben gedachten Abzucht sich gesamleten Dämpfe in die freie Luft gehen, und den Ofen nicht aus einander treiben können.

e, f. Ist eine andere solche in die Breite des Kalkofens gehende, in der vorigen Absicht vorgerichtete Abzucht, die eben wol, wie unten §. 96 bei den Buchstaben f, g. vorkomt, mit Deksteinen bedekt ist.

g, h. Sind die dazu gehörigen Ausgänge, wodurch dann die Dämpfe, die sich in dieser Abzucht samlen, in die freie Luft gehen können (Buchstaben b, c und d).

i. Ist der Vorplaz für dem Kalkofen, um daraus zum Aschenfall und Schürloch kommen, und den Brand beim Kalkbrennen einschüren zu können. Endlich ist

k. die Umfangsmauer dieses Vorplazzes, mit Bruchsteinen und Kalk gemauert.

So viel von diesem, dem ersten Grundrisse, und muß ich dabei noch bemerken, daß ich diesen Kalkofen um des willen so tief in der Erde vorgestelt habe, weil dabei das untere Mauerwerk, worinn das Feuer liegt, nicht so leicht aus ein ander getrieben werden kan, zu der Erfahrung des Brandes aber ist es immer sehr gut, wenn das Feuer etwas über der Erde liegt.

Die Abzüchten, welche ich bei diesem Kalkofen angegeben habe, sind bei dieser Art Oefen gar nicht gewöhnlich, ich finde solche aber für die längere Dauer eines solchen Ofens, er mag so tief in der Erde liegen, als er will, aus den zuvor angezeigten Ursachen, höchst nötig, vornemlich im Frühjahr, da das ganze Mauerwerk eines solchen Ofens ganz mit Feuchtigkeit angefült ist.

Die Steine, welche man zu einem solchen Ofen gebraucht, müssen auser dem feuerfeste sein, also im Feuer weder springen, noch schmelzen.

§. 93.

Der zweite Grundriß dieses Kalkofens, Tab. 1 Fig. 2, bildet den Grund dieses Ofens in der Höhe des Aschenfalls und Windfangs vor (§. 91 Zif. 2). In diesem Grundrisse sind daher die folgenden Dinge vorgestelt.

a. Sind die Ausgänge von den in dem Fundament liegenden Abzüchten (§. 92 Buchstaben d und g, h).

b. Ist das Mauerwerk in der Erde, mit rauhen Steinen und Mörtel gemauert (§. 92 Buchstabe a).

c. Ist die um den Aschenfall liegende Futtermauer, mit kleineren rauhen Steinen gemauert, als die eben gedachte, weil die kleinen Steine eher erwärmt werden, als die grosen, und nicht so leichte entzwei springen. Und ist es auser dem gut, wenn diese Mauer mit Leimen gemauert wird, weil der Mörtel in der Hizze leicht zerfält. Eine solche Futtermauer hat den grosen Nuzzen, daß man den Ofen, wenn er inwendig schadhaft, und ausgebrent ist, ohne den ganzen Ofen abzubrechen, leicht wieder aus bessern kan, weil man nur die Futtermauer aus solchem heraus nehmen, und wieder neu machen darf.

d, e. Ist der Aschenfall und Windfang, worauf sowol die Asche von dem Feuerheerde fallen als die Luft zu dem Feuer kommen kan.

f. Ist der Eingang zu diesem, dem Aschenfall und Windfang.

g. Ist der Vorplaz vor dem Aschenfall, und dem Schürloche (§. 92 Buchstabe i).

h. Ist die Umfassungsmauer von diesem Vorplaz (§. 92 Buchstabe k). Endlich ist

i. die Treppe zu dem eben gedachten Vorplaz.

Die Futtermauer, welche in diesem Kalkofen befindlich ist, ist, so viel ich weis, bei dieser Art Oefen ganz ungebräuchlich, ihr wirklich sehr groser Nuzzen aber fält von selbst in die Augen; und hat solche, auser dem bei c schon angeführten Vorteil, auch noch den, daß die Wärme einen solchen Ofen nicht so leicht aus einander treiben kan, weil das Mauerwerk an sich schon geteilt ist, und sich die Hizze in der Futtermauer mehr zerteilen kan. Ja, will man das Springen der Oefen noch mehr verhindern: So darf man beide, die äusere- und die Futtermauer nur einen Fus weit von einander sezzen, und in den Zwischenraum Asche stosen, die so feuchte ist, daß sich solche ballen läst, da dann diese Asche den Vorteil schaft, daß sich die Futtermauer, welche die größte Hizze ausstehet, in solche ausdehnen kan.

§. 94.

Der dritte Grundriß dieses Kalkofens, Tab. 1 Fig. 3, stelt den Grund dieses Ofens in der Höhe des Feuerheerdes vor (§. 91 Zif. 3), und darin sind die folgenden Dinge enthalten.

a. Sind die Ausgänge von den Abzüchten (§. 93 Buchstabe a).

b. Ist das Mauerwerk in der Erde, mit rauhen Steinen und Mörtel gemauert (§. 93 Buchstabe b).

c. Ist die um den Feuerheerd liegende Futtermauer, mit kleinen rauhen Steinen und Leimen gemauert (§. 93 Buchstabe c).

d. Ist der Feuerheerd von kleinen Steinen, die, um des bessern Halts willen, auf die Kante, das ist auf die dikke Seite gestelt, oder gerolt, und mit Leimen gemauert sind.

e. Ist der Rost von gegossenen eisernen Roststäben, Brandraiteln, oder Drallien, die bei dem Torfe 1 bis 1 ½, bei den Steinkohlen aber nur Zoll von einander liegen, auf welchem Roste dann das Feuer liegt.

f. Ist das Schürloch, wodurch man den Brand in den Ofen schüret.

g. Ist der Eingang zu diesem, dem Schürloche, dem Aschenfall und Windfang (§. 93 Buchstabe f).

h. Ist der Vorplaz vor dem Aschenfall und Schürloch (§. 93 Buchstabe g).

i. Ist die Umfassungsmauer von diesem Vorplazze (§. 93 Buchstabe h). Endlich ist

k. Die Treppe zu diesem Vorplazze (§. 93 Buchstabe i).

Auf dem in diesem Grundrisse erklärten Roste kan man so wol mit Holz und Wellen als mit Torf und Steinkohlen feuern, und ist ein solcher Rost zu den beiden lezteren Brennmaterialien ganz unentbehrlich, wenn solche mit der zum Kalkbrennen nötigen Hizze brennen sollen. Wol thut man hingegen, wenn man einen solchen Rost bei dem Holzbrande ganz wegläst, denn dieses Brennmaterial erfordert vorerst keinen so starken Luftzug, und dann lehret zweitens die Erfahrung, daß durch einen so starten Zug der Luft, die Hizze zugeschwinde weggeführet, eben dadurch aber ein größerer Aufwand an dem Brande verursacht wird. Wenn daher an einem Orte der Kalk blos mit Holz gebrennt wird: So hat man weder Rost, noch Aschenfall und Windfang nötig, und darf man das Holz und die Wellen, nur blos auf den unten ganz zugemauerten Feuerheerd d werfen, da solches dann hinlänglich genug brent, und die nötige Hizze gibt. In eben diesem Falle kann man dann auch den Feuerheerd so tief in die Erde legen, als der Vorplaz tief ist, damit das Mauerwerk in der Höhe, wo es die meiste Hizze aus zustehen hat, mehr in die Erde zu liegen komme, also besser gepakt werde, und daher nicht so leichte Risse bekomme. Damit aber auch das Einschüren des Brandes bei dieser Einrichtung nicht zu unbequemlich werde: So ist es wol gethan, wenn man das Schürloch zwei Fus hoch über den Boden des Vorplatzes sezt, und in die Mauer, so darunter ist ein 1 ½ Fus hohes und zwei Fus weites Zugloch macht.

§. 95.

Der vierte Grundriß dieses Kalkofens, Tab. 1 Fig. 4, stelt den Grund dieses Ofens durch den Boden des innern Kalkofens vor (§. 91 Zif. 4). Darinn also sind die folgenden Dinge abgebildet.

a. Sind die Ausgänge von den Abzüchten (§. 94 Buchstabe a).

b. Ist das Mauerwerk über der Erde, mit rauhen Steinen und Mörtel gemauert.

c. Ist die um den innern Kalkofen liegende Futtermauer, mit kleinen rauhen Steinen und Leimen gemauert (§. 94 Buchstabe c).

d. Sind Brandreitel mit feuerbeständigen Baksteinen gemauert, auf welchem Roste dann der Kalk in den, über ihm befindlichen innern Kalkofen eingesezt wird, und wozwischen das darunter liegende Feuer heraus, und durch den zu brennenden Gyps- oder Kalkstein ziehet.

e. Ist die Einsezthüre, wodurch der Gyps- oder Kalkstein einige Fus hoch eingesezt, aber auch wieder, wenn solcher gaar, und von oben bis auf diese Thüre aus dem Kalkofen genommen ist, völlig aus diesem Ofen gethan werden kan. Eine solche Thüre muß indessen sobald ein Brand Gyps, oder Kalk eingesezt, oder ein Einsaz geschehen ist, zwei Fus dik mit rauen Steinen und Leimen zugemauert, hingegen aber diese Mauer wieder ausgebrochen werden, wenn man den gebrenten Gyps, oder Kalk aus dem Ofen nehmen will.

f. Ist der Vorplaz vor dem Aschenfall und Schürloch (§. 94 Buchstabe h).

g. Ist die Umfassungsmauer von diesem Vorplazze (§. 94 Buchstabe i). Endlich ist

h. die Treppe zu diesem Vorplazze (§. 94 Buchstabe k).

Um größere Kosten zu ersparen: So habe ich den bei d erklärten Rost von Baksteinen  angegeben, man kan sich, statt dessen, aber auch gegossener eiserner Drallien bedienen, die sechs Zoll dik und breit sind, doch muß man solche mit zwei eben so starken eisernen Trägern, und etlichen solchen Pöstgen unterstüzzen, die aber freilich den Feuerheerd etwas versperren.

§. 96.

Der Durchschnitt in die Breite des Kalkofens durch die Abzucht e f (§. 92), Tab. 2 Fig. 5, stelt alle die Dinge vor, welche in diesem Durchschnitt in das Gesichte fallen (§. 91 Zif. 5). Diesemnach sind darinn die folgenden Dinge enthalten.

a. Ist die Abzucht in der Länge des Kalkofens (§. 92 Buchstabe b, c).

b, c. Ist die Abzucht in der Breite des Kalkofens (§ 92 Buchstaben e f).

d, e. Sind die Ausgänge an dieser Abzucht (§. 92 Buchstaben gh).

f, g. Sind die Deksteine über dieser Abzucht (§. 92 Buchstaben e, f).

h. Ist das Mauerwerk in der Erde (§. 94 Buchstabe b).

i. Ist die Futtermauer um den Aschenfall und Windfang (§. 93 Buchstabe c).

k. Ist der Boden des Feuerheerds mit Steinen gemauert, die auf die hohe Kante gestelt, oder gerolt werden (§. 94 Buchstabe d).

l. Ist das Mauerwerk über der Erde (§. 95 Buchstabe b).

m. Ist die Futtermauer um den innern Kalkofen (§. 95 Buchstabe c).

n. Ist der Aschenfall und Windfang (§. 93 Buchstaben d e).

o, p. Ist ein Brandraitel, oder Drallie von gegossenem Eisen, von dem Roste, worauf das Feuer liegt (§. 94 Buchstabe e).

q. Ist der hohle Feuerheerd (§. 94 Buchstabe d).

r. Ist ein von Baksteinen gemauerter Brandraitel, zu dem Roste, worauf der Gyps- oder Kalkstein eingesezt wird (§. 9 Buchstabe d). Endlich ist

s. der über diesem Roste befindliche innere Ofen, der, wie die Figur zeigt, konisch zuläuft, und der Gyps- und Kalkstein wird darinn eingesezt (§. 95 Buchstabe d).

Ich bemerke noch, daß hier der Feuerheerd auf Torf eingerichtet, und dahin im Mittel vier Fus hoch gemacht ist, bei Steinkohlen aber ist er hoch genug, wenn seine innere Höhe zwei, bis zwei und einen halben Fus beträgt, weil es Nachdenken und Versuche bestärken, daß man um desto mehr Brand nötig hat, ie höher der Heerd, und ie weiter also der Kalkstein von dem Feuer entfernt ist.

§. 97.

Der Durchschnitt in die Länge des Kalkofens, durch die Abzucht b, c (§. 92), Tab. II Fig. 6, stelt alle die Dinge dar, welche in diesem Durchschnitt in das Gesichte fallen (§. 91 Zif. 6). Diesemnach bildet solcher die folgende Gegenstände ab.

a. Ist die Abzucht in die Breite des Kalkofens (§. 96 Buchstaben b, c).

b, c. Ist die Abzucht in die Länge des Kalkofens (§. 92 Buchstaben b, c).

d. Ist der Ausgang von dieser Abzucht (§. 92 Buchstabe d).

e, f. Sind die Deksteine von dieser Abzucht (§. 92 Buchstaben b, c).

g. Ist das Mauerwerk in der Erde (§. 96 Buchstabe h).

h. Ist die Futtermauer um den Aschenfall und Windfang (§. 96 Buchstabe i).

i. Ist der Boden des Feuerheerds mit Steinen gemauert, die auf die hohe Kante gestelt, oder gerolt sind (§. 96 Buchstabe k).

k. Ist das Mauerwerk über der Erde (§. 96 Buchstabe 1).

l. Ist die Futtermauer um den innern Kalkofen (§. 96 Buchstabe m).

m, n. Ist der Aschenfall und Windfang (§. 93 Buchstaben d, e).

o, p. Ist das Gewölbe über diesem, dem Aschenfall und Windfang.

q, r. Sind die Brandraitel, oder Drallien von gegossenen Eisen, auf welchen das Feuer liegt (§. 94 Buchstabe e).

s. Ist der hohle Feuerheerd (§. 96 Buchstabe q).

t. Ist das Schürloch, wodurch der Brand eingeschüret wird (§. 94 Buchstabe f).

u. Ist das Gewölbe über diesem Schürloch.

v. Ist der Eingang zu dem Schürloch und Windfang (§. 94 Buchstabe g).

w, x. Sind die von Baksteinen gemauerte Brandraitel zu dem Roste, worauf der Gyps- oder Kalkstein eingesezt wird (§. 95 Buchstabe d, und §. 96 Buchstabe r).

y. Ist der über diesem Roste befindliche innere Ofen, der konisch ist, worinn dann der Kalkstein eingesezt wird (§. 96 Buchstabes).

z. Ist die Thüre zu dem Einsetzen, und Herausnehmen des Kalkes (§. 95 Buchstabe e).

1. Ist das darüber befindliche Gewölbe.

2, 3. Ist der Boden von dem Vorplazze vor dem Schürloch, der mit steinern Platten gedekt ist (§. 95 Buchstabe f).

4. Ist die Umfassungsmauer von diesem Vorplaz (§. 95 Buchstabe g). Endlich ist

5. Die Treppe zu dem Vorplaz (§. 95 Buchstabe h),

Ich erinnere hier, wegen der Höhe des Feuerheerdes, eben das, was ich schon am Ende des vorigen §. bemerkt habe.

§. 98.

Der perspektivische Riß dieses Kalkofens, Tab. II Fig. 7, stelt diesen Ofen von einer äusern langen Seite im Prospekte vor (§. 91 Zif. 7), und dabei kommen dann die folgenden Dinge vor.

a. Ist ein Ausgang von der Abzucht in die Breite des Kalkofens (§. 96 Buchstaben d, e).

b. Ist das Mauerwerk über Erde (§. 97 Buchstabe k).

c. Ist der Eingang zu dem Schürloch (§. 97 Buchstabe v).

d. Ist das Schürloch (§. 97 Buchstabe t).

e. Ist der Windfang (§. 97 Buchstaben m, n).

f. Ist der innere Kalkofen (§. 97 Buchstabe y).

g. Ist die Thüre zu dem Einsezzen, und Herausnehmen des Kalkes (§. 97Buchstabe z).

h. Ist der Vorplaz mit steinern Platten gedekt (§. 95 Buchstabe f).

i. Ist die Umfassungsmauer von diesem Vorplaz (§. 97 Zif. 4). Endlich ist

k. die Treppe zu diesem Schürloch (§. 97 Zif. 5).

Ich bemerke bei diesem Ofen, den man da, wo es an rauen Steinen fehlt, wenigstens in der Futtermauer mit Baksteinen bauen kan, nun auch noch, daß man einen Schoppen über ihn bauen müsse, damit ihm der Schnee und Regen keinen Schaden zufügen könne, und ist es immer rathsam, daß man in der Nähe dieses Ofens auch noch einen andern vor der Feuchtigkeit, wol verwahrten Schoppen bauet, damit man darinn den gebrenten Gyps und Kalk zum Verkauf aufheben könne. Außerdem muß man einen solchen Ofen, um Feuersgefahr zu vermeiden, von andern Gebäuen entfernt, doch dahin bauen, wo er weder von dem Brande, noch dem Orte, wo der Kalkstein gebrochen wird, zu weit entlegen ist, am besten aber ist es, wenn man ihn nahe an den Bauplaz bauet, damit man den Kalk gleich frisch verarbeiten könne (§. 35).

Es ist bei einem solchen Ofen auch nötig, daß man an ihn eine schiefliegende Prittsche bauet, die bis an die Oberfläche des Ofens reicht, damit man auf solcher den Kalkstein in die Höhe des Ofens bringen, und von da in ihn einsetzen könne.

Ja, auch dadurch erleichtert man sich die Arbeit bei dem Einsezzen, und Ausnehmen des Gypses und Kalkes gar sehr, wenn man über die Mündung des innern Ofens einen ganz einfachen Haspel sezzet (§. 333 meiner Bergmaschinenkunst), so, daß man solchen so lang, als man brennet, alle mal weg nehmen kan, es dienet aber dieser Haspel dazu, daß man dadurch den Kalk bequem in den Ofen sezzen, und dann, wenn er gebrennt ist, wieder eben so leicht aus ihm herausnehmen kan.

Auser diesem allen errinnere ich noch, daß man einen so neu gebaueten Ofen vor dem Gebrauche erst wol trokken werden, und doch noch acht Tage lang, durch ein auf dem Feuerheerd unterhalten werdendes kleines Feuer, wol abwärmen oder, ausglüen lassen müsse. Beides in der Absicht, damit dieser Ofen, wenn man ihn so gleich zum Kalkbrennen gebraucht, von der dabei entstehenden grosen Hizze, keine Risse bekommen möge. Auch ist es gut, wenn man einen solchen Ofen, um das Zerreisen zuvermeiden, mit eisernen Stangen, und darum gehenden eisernen Reifen binden läst. Bei alle dem ist es dem ohngeachtet nötig, daß man einen solchen Ofen alle Frühiahr vor dem ersten Brennen ebenwol abwärmt, oder ausglüet, damit solcher von den in ihm befindlichen Winterfeuchtigkeit keine Sprünge bekommen möge.

Eine noch andere Anmerkung, die ich bei diesem Ofen zu machen für nötig finde, ist diese. Man kan nemlich den Feuerheerd in eben der Höhe, worinn er bei diesem Ofen liegt, auch neben den innern Kalkofen legen, so, daß solcher 2 bis 2 ½ Fus weit, und 2 ½ Fus hoch wird, und der Mitte des Ofens gerade gegen über zu liegen komt, auf den Fall aber muß man dem zu brennenden Kalkstein die Hizze durch eine aus dem Feuerheerd unter den Kalkstein gehende, wol überwölbte Oefnung mitteilen, die so lang, und hoch, wie dieser Heerd ist. Ja, damit das Feuer in dem Ofen aller Orten gleich stark sein möge; So kann man auf zwei gegenüberstehenden Seiten eines solchen Ofens einen, also zwei Feuerheerde einander gegenüber anlegen. Man hat dabei immer den Vorteil, daß man das Feuer besser regieren, und die Hizze geschwinder vermehren und vermindern kan: Weil inzwischen auf den Fall, daß ein, oder zwei Feuerheerde neben dem innern Kalkofen liegen, die auf dem Feuerheerd liegende Kohlen nicht so unmittelbar in den Gyps- und Kalkstein wirken können, da sie nicht gerade unter ihm liegen: So erfordert auch eine solche Einrichtung etwas mehr Brand. Da ich diesen Kalkofen so ganz deutlich beschrieben habe: So will ich in diesen Anmerkungen auch noch die dabei nötigen Werkzeuge bekant machen, und die sind die folgenden.

1. Eine Feuerschippe, Tab. II Fig. 8, womit man Feuer auf den Heerd bringen, und die Steinkohlen in den Ofen werfen kan.

2. Eine Gabel, oder Furkel, Tab. II Fig. 9, womit man das Feuer auf dem Heerde aus einander breiten kan.

3. Ein Hakken, Tab. II Fig. 10, womit man den Rost aufräumen kan. Endlich

4. eine Krazze, oder Krükke, Tab. II Fig. 11, womit man die Asche aus dem Aschenfall ziehen kan.

Mehrere Werkzeuge, als Schippen, Hammer, Tröge und dergleichen Dinge übergehe ich, weil sie bekant genug sind. Auch bemerke ich die Größe der Kalkmäser nicht, weil ihre Figur und Gröse an iedem Orte anders beschaffen ist.

§. 99.

Die besondern Vorteile, welche dieser Kalkofen gewähret (§. 90 Zif. 2), gründen sich:

1. Auf die Gröse;
2. Auf die Figur;
3. Auf die Verengung; und dann
4. auf die Bauart dieses Ofens; nechst dem aber auch
5. auf die bessere Regierung des Feuers in einem solchen Ofen.

Also mehr hiervon in den nachfolgens den §. §.

§. 100.

Man pflegt die Kalköfen, so viel die Größe dieser Oefen angehet (§. 99 Zif. 1), in dem innern Ofen gemeiniglich nur 8 bis 9 Fus weit, und 15 bis 18 Fus hoch zu machen (§. 89). Nachdenken und Versuche beweisen indessen, daß man an der Zeit, den Arbeitslöhnen, und dem Brande sehr viel gewint, wenn man die Feuerarbeiten so gros macht, als es nur immer möglich ist, eben darum nun ist der zuvor beschriebene innere Kalkofen im Boden 12, in der Mündung aber nur 6 Fus weit, und bei eben dieser so großen Weite 25 Fus hoch. Diesemnach kan man in einem solchen Ofen in einerlei Zeit fast noch so viel Gyps oder Kalk brennen, als wie in den gewöhnlichen.

§. 101.

Ein groser Teil der Kalköfen hat eine vierekkige, der Natur des Feuers gar nicht angemessene Gestalt. Denn, wenn ein solcher Ofen ausbrent: So nimt er immer eine runde Figur an, die der Gestalt der Flamme gleich ist, zu dem aber lehret die Erfahrung, daß die Hizze um desto mehr abnimt, ie weiter sich solche von der Materie des Feuers entfernt. In den Ekken eines solchen Ofens kan also das Feuer nie so stark sein, als wie an den übrigen Wänden, folglich auch der Gyps und Kalk an diesen Orten in der Zeit nicht gaar werden, worinn der dem Feuer näher liegende zur Gaare gebracht wird, es seie dann, daß man um so viel länger feuern will, wobei aber der Kalk an dem Feuer verbrennt, und meist unnüzze gemacht wird. Um nun diesen so auffallenden grosen Fehler zu vermeiden: So habe ich dem beschriebenen Kalkofen, so viel iezt auch dessen Figur angehet (§. 99 Zif. 2), eine völlig circelrunde Figur gegeben, wobei dann die an der Seitenwand des Ofens liegende Gyps- und Kalksteine einen gleich starken Grad des Feuers bekommen.

§. 102.

Die Kalköfen werden, so viel ihre Verengung betrift (§. 99 Zif. 3), in ihrer Weite gemeiniglich so eingerichtet, daß solche oben so weit sind, als wie unten. Auch dieses ist ein sehr auffallender Fehler: Denn es ist, wie schon die Flamme eines Lichtes beweiset, eine ganz unleugbare Wahrheit, daß das Feuer um desto schwächer, und dessen Wirkungskreis, um desto kleiner wird, ie mehr sich solches von der brennbaren Materie entfernt. Bei einem so eingerichteten Ofen also, kan der obere Gyps und Kalk nie zugleich mit dem untern gaar werden, wenn man den leztern nicht verbrennen will. Um also diesem so grosen Fehler auszuweichen: So habe ich den innern Ofen der Figur des Feuers gemäs eingerichtet, und von unten nach oben zu konisch zu laufen lassen: Der Vorteil, welcher daraus erwächst, ist dann der, daß der obere Gyps und Kalk zugleich mit dem untern gaar wird, also der leztere nicht verbrent werden muß, wenn der obere gaar werden soll.

§. 103.

Die Bauart der Kalköfen (§. 99 Zif. 4) ist blos darinn unterschieden, daß einige horizontal, doch etwas von dem Feuer nach dem Ausgang zu steigend, andere aber ganz senkrecht gebauet werden (§. 88 und 89). Mit ienen ist immer der Nachteil verknüpft, daß das Fener vorne in dem Heerde zu viel über sich, und in die Dekke dieses Heerds wirket, ehe es zu dem Gyps- und Kalksteine komt, bei diesen hingegen steige das Feuer, das, seiner Natur nach immer am stärkesten über sich wirkt, gleich in den Gyps- und Kalkstein, und gehet also keine Hizze verlohren, eben dadurch also ersparet man sehr viel an dem Brande. Um dieser so ganz gegründeten Ursache willen, habe ich dann auch den angegebenen Kalkofen senkrecht vorgestelt. So richtig auch diese Wahrheit ist: So ist es doch nicht zu leugnen, daß, bei der ersten Bauart der Kalköfen, der Gyps, und Kalkstein viel bequemer einzusetzen, und aus dem Ofen zunehmen ist, als wie bei der andern (§. 88 und 89), aber auch hierbei erleichtert man sich die Arbeit, wenn man die Mittel zur Hand nimt die ich am Ende des 98 §. angegeben habe, und die Erspahrung des Brandes macht immer den wichtigsten Vorteil bei dem Kalkbrennen aus.

§. 104.

Ich habe schon, so viel endlich auch die Regierung des Feuers bei diesem Ofen betrift (§. 99 Zif. 5), in dem 89ten §. bemerkt, daß das Feuer dem Gyps- und Kalkstein nicht an allen Orten gleich stark mit geteilt, und ein Teil des Kalkes verbrent, ia mehr Aufwand an dem Brande verursacht wird, wenn dieses, das Feuer blos in der Mitte des eingesezten Gyps- oder Kalksteines befindlich ist. Da nun dieser Ofen so eingerichtet ist, daß man das Feuer unter dem ganzen Einsazze von Gyps, oder Kalkstein aus einander breiten kan: So ist auch dadurch diesem Fehler ganz abgeholfen, und man kan das Feuer so regieren, daß es auf dem Heerde aller Orten gleich stark ausgeteilt ist. Auser dem allen hat man bei einem solchen Ofen auch nicht zu befürchten, daß das über dem Heerde befindliche Gewölbe während eines Brandes einbricht, das bei den gewöhnlichen stehenden Oefen so gar leicht zu geschehen pflegt (§. 89).


p. 136

Der zweite Tittel

von dem Kalkbrennen an und für sich.

§. 105.

Da ich einen zum Kalkbrennen sehr vorteilhasten Ofen beschrieben habe: nunmehr auch das Kalkbrennen sich vortragen (§. 86 Zif. 1).  Weil inzwischen der Gyps- und Kalkstein nicht so ganz auf einerlei Art gebrent werden kan: So will ich

1. das Brennen des Gypses; und dann
2. das Brennen des Kalkes vortragen.

Und das soll dann in den folgenden §. §. geschehen.

. . .

pp. 146–153

§. 107.

Wenn man Kalksteine zu Leder- oder Bitterkalk brennen soll (§. 105 Zif. 2): So beobachte man diese Regeln.

1. Man scheide den Kalkstein von andern nicht kalkartigen Steinen eben so aus, wie ich in der ersten Regel des 106ten §. gewiesen habe.

2. Man setze den zu brennenden Kalkstein eben so in den Kalkofen, wie ich in der zweiten und dritten Regel des eben gedachten §. gelehrt habe. Ist so

3. der Kalkstein eingesezt, und der ganze Ofen angefült: So maure man die Einsezthüre zu, und versehe die Mündung des Ofens mit einer Leimen Dekke, eben so, wie im 106ten §. in der vierten Regel gezeigt worden. Jezt

4. fange man auf dem Feuerheerde an erst langsam mit Scheitholz, Wellen, Torf, oder

Steinkohlen zu feuern, und mache 24 Stunde lang Rauchfeuer, damit der Kalkstein nicht in seinen äusern Teilen zu früh gaar werde, oder todt, oder auch verbrent werde, ehe noch, die innern Teile des Kalksteins zu ihrer Gaare gelangen, wovon immer die Folge die ist, daß die todt gebrenten äusern Kalkteile sich nicht gerne löschen (§. 6), und ihre bindende Kraft verlieren. Wenn

5. dieses das Rauchfeuer vorüber ist, und die Flamme anfängt etwas helle zu werden; So mache man Glut- oder Flakkerfeuer, und halte damit ein, bis zweimal 24 Stunde, und so lange an, bis die Flamme ganz helle ist, und sich ein Stükgen Kalk, das man aus dem Ofen genommen, ganz löscht, und in einen blosen Schlamm, zerfält, das dann erfolgt, wenn die der Kalkerde beigemischte fremdartige Teile, das Wasser, die Luft, und das brennliche Wesen größten Teils verflüchtiget sind. Bei alle dem merke man inzwischen darauf, daß man den Kalk nicht tod brenne, oder Verbrenne, in welchem Falle er dann sich nicht gerne mehr löscht, auch, mit Sand vermengt, gar schlecht bindet. Ja man sehe auch dahin, daß der Kalk an allen Orten in dem Ofen gleich stark gebrent, und zu dem Ende iedes  Flammenloch, so bald die Flamme darinn helle ist, zugeschmiert, und dadurch die Hizze, wie in der 7ten Regel des 106ten §. gezeigt worden, in die Luftlöcher gezogen werde, aus denen noch eine dunkele Flamme spielet. Wenn so

6. der Kalk ganz gaar gebrent, also die Flamme helle, und kein Schwefelgeruch mehr dabei ist: So ziehe man die Kohlen aus dem Aschenfall, und dem Feuerheerd, und maure diese Oefnungen eben so zu, wie in der 8ten Regel des 106ten §. gedacht worden, damit aus der Luft keine Feuchtigkeit in den Kalk ziehen, und sich solcher davon löschen könne. So aber lasse man den Kalk dreimal 24 Stunden stehen, und in sich erkalten, das dann auch, wenn oben über dem Kalkstein Baksteine, und Ziegel mit eingesezt werden, den Nuzzen hat, daß solche von einer zu schnellen Erkältung keine Risse bekommen. Nunmehr

7. nehme man den so gebrenten Kalk auf eben die Art aus dem Ofen, wie ich in der 9ten Regel des 106ten §. gedacht habe, und bringe solchen unter einen Schoppen (§. 98), oder einen sonst vor der Nässe wol verwahrten Ort, damit sich solcher nicht von der Feuchtigkeit in der Luft löschen, und zerfallen möge (§. 34). So wie nun

8. ein solcher Brand geschehen ist: So sezze man wieder einen neuen ein, und halte damit ohnunterbrochen an, das Kalkbrennen aber verrichte man nur im Sommer, weil es in dieser Jahreszeit nicht nur weniger Brand kostet, sondern auch darinn der Kalk nicht so geschwinde verdirbt, als wie in dem Winter, worinn er sich von der feuchten Luft gar bald löscht und verdirbt.

Man wird, wenn man bei diesem, dem Kalkbrennen, aufmerksam genug ist, immer erfahren, daß der Kalkstein härter, als wie der Gypsstein, ia auch ein Kalkstein stärker gebrent werden müsse, als wie der andere. Vornehmlich muß der sehr hart gebrent werden, welcher wenige Kalkerde enthält (§. 33), und erfordert also solcher vielen Brand. Eben daher muß man dann auch die Zeit sehr wol in Acht nehmen, in welcher der Kalk gaar ist, damit man keinen todt gebrenten, oder auch ungaaren Kalk bekommen möge, die rechte Gaare aber hat der Kalk, wenn er weis, leicht und klingend ist. Vorsichtig handelt man daher immer, wenn man den in verschiedenen Bränden erhaltenen Kalk nach der 7ten, 8ten, 9ten, und 10ten Regel des 32ten §. auf seine bindende Kraft probirt, um zu erfahren, bei welcher Gaare er am besten bindet?

Auch bei dem Kalkbrennen thut man wol, wenn man bei jedem Brande, die darauf gegangene Zeit, die Menge der verbrenten Brennmaterialien, und dann die Menge des ausgebrachten Kalkes aufzeichnet, um daraus die Vorteile zu lernen, die man bei einem gut gebrenten Kalk anwenden muß. Bei diesen Bemerkungen wird man dann immer gewahr-wer, den, daß man im Frühiahre und Herbste, ia auch bei nasser Witterung mehr Brand nöthig hat, als wie bei trokkener. Aber auch bei einem trokkenen Brand wird man finden, daß man dessen nicht soviel bedarf, als wie bei dem nassen, und leisten daher die Holzschoppen, grosen Nuzzen.

Eben so rathsam ist es auch, daß man einige wol bezeichnete Kalksteine bei dem Einsezzen, und dann auch bei dem Ausnehmen aus dem Ofen wiegt, um zu erfahren, wie viel ihnen durch das Brennen am Gewicht, und fremdartigen Teilen, an Wasser, Luft und brennlichem Wesen abgegangen ist, woraus man dann, wenn man den Kalkstein nach der 7ten, 8ten, 9ten und 10ten Regel des 32ten §. auf seine bindende Kraft probirt, leicht urteilen kan, bei welchem Verlust am Gewichte der Kalk am meisten bindet?

Auch bei dem Brennen des Kalksteines wird man gewahr, daß der Kalk unten in dem Ofen, und nahe am Brand meist todt, in dem obern Teil dieses Ofens aber nicht ganz gaar, in der Mitte der Höhe des Ofens hin, gegen am besten gebrent wird. Weil nun der Kalk, der in dem obern Teile des Ofens stehet, selten zugebrauchen ist: So sezt man an diesem Orte Baksteine, oder Ziegel ein, die dann in dieser Höhe noch fest genug gebrent werden.

Bei dem Kalkbrennen lehret die Erfahrung eben so, wie bei dem Gypse, daß sich der Kalk bei denjenigen Brennmaterialien am geschwindesten gaar brennt, welche eine helle Flamme, oder ein Flatterfeuer geben. Jede Steinkohle, jeder Torf, und jedes Holz also, das eine helle Flamme brent, ist zu dem Kalkbrennen am tauglichsten.

Auser dem muß man durch die Erfahrung ausmachen, wie viele Brennmaterialien man zu einem Brande Kalk nöthig hat, weil immer ein Kalkstein mehr Feuer bedarf, als ein anderer, und dann die Brennmaterialien in ihrer Güte sogar sehr von einander unterschieden sind. Immer wird man inzwischen erfahren, daß, man sehr viel an dem Brande erspahret, wenn man den Ofen nie kalt stehen läst, damit er nicht ganz kalt werden, und neue Feuchtigkeit anziehen möge, die stets durch das Feuer wieder ausgetroknet werden muß.

Endlich muß ich auch noch bemerken, daß man den Gyps sowol, als den Lederkalk öfters auch so brent, daß man eine Lage Gyps- oder Kalkstein, und dann eine Schicht Holz, Torf, oder Steinkohlen in den Kalkofen sezt, und damit bis an das Ende des Ofens fortfährt, dann aber den Ofen anstekt, und oben immer wieder eine Schicht Brand, und Gypsstein nach wirft, den gebranten Gyps und Kalk aber durch die unten im Ofen befindliche Zuglöcher heraus nimt. Zu welchem Nuzzen dieses, besonders bei den Kalköfen, die oben weiter, als wie unten sind (§. 89), geschiehet? Das weis ich selbst nicht. Irre ich nicht: So wird dabei der Gyps und Kalkstein, den man zuerst aus dem Ofen nimt, nicht gaar, der andere aber zu hart gebrent, und dann gebraucht man eine ungeheure Menge Brand, weil solcher immer gedämpft ist, und nie recht in die Glut kommen, und die beste Hizze geben kan.


p. 154

Das sechste Kapitel.

Von dem Gebrauche des Kalkes bei
den Bauarbeiten.

§. 108.

Weil der Spaar- oder Gyps-, und dann auch der Leder- oder Bitterkalk in ihrer Natur so ganz von einander abweichen (§. 3 und 6): So ist auch, nach geschehener Brennung, ihr Gebrauch bei den Bauarbeiten (§ . 1 Zif. 6) gar sehr von einander unterschieden. Diesem nach will ich in diesem Kapitel:

1. Den Gebrauch des Spaar- oder Gyps-, und dann
2. des Leder- oder Bitterkalkes bei den Bauarbeiten vortragen.

Beides nun soll in den nachstehenden Titteln geschehen.

. . .

pp. 227–232

§. 150

Die Tünche, welche man aus dem Lederkalk zubereitet (§. 145 Zif. 3), wird eben so, wie der Mörtel zu dem Mauerwerk in dem Trokkenen zubereitet (§. 146 Zif 2).

Man muß dabei vornehmlich darauf sehen, daß der Kalk wol gelöscht werde, und weder in ihm, noch in dem Sande, den man dazu gebraucht, kleine Steinchen befindlich sind, die das Tünchen beschwerlich machen.

Auch muß man darauf acht haben, daß die Tünche weder zu fett, noch zu mager ist, wovon keine recht bindet, und fest wird, und dann die erstere, auser dem, daß sie zu kostbar wird, auch noch viele Risse und Sprünge bekomt (§. 120).

Man überwirft dann mit einem solchen Mörtel die innern und äusern Wände eines Gebäues, und reibt solche mit einer Scheibe glatt und sauber ab. Es muß aber eine solche Tünche, vornemlich die, womit man die äußeren Wände der Gebäue überziehet, nicht zu spath im Herbste gemacht werden, damit solche vor dem Winter trokken werden, und beim Froste nicht auffrieren, im Frühjahr aber wieder von der Wand herunter fallen möge.

Eine so zubereitete Tünche, besonders die, welche auf Holzwände aufgetragen wird, vermischt man dann auch mit gesottenen, und geschlagenen Kühhaaren, damit sie desto besser zusammenhalten möge.

Zuweilen bewirft man Thürne und freistehende Mauern mit einer solchen Tünche, und reibt sie nicht ab, sondern läst sie rau, einen Ueberzug aber nent man einen rauen Wurf. Einem solchen Wurfe kan man, wie die alte Gemäuer zeigen, dadurch eine größere Festigkeit geben, wenn man Schiefersteine, Ziegel, und Kiesel gröblich, und in solche Stükke zerstöst, die noch so dik, wie Linsen, Erbsen und Bohnen sind, und dann von diesem Gemenge den achten, oder zehenten Teil, unter den Mörtel, oder die Tünche mischt, womit man einen solchen Wurf machen will. Es haben dann dabei die eben gedachten grobe Schieferziegel- und Kieselstükke den Nuzzen, daß diese Tünche nicht so leichte zerreisen, und Risse bekommen kan.

Endlich bemerke ich noch, daß es einem Gebäue durchaus schädlich ist, wenn man es zu frühe mit einer Tünche, oder einem Wurfe überziehet, weil das Mauerwerk in einem solchen Falle nicht genug austroknen kan. Bei einem hölzernen Gebäue ist aber auch noch der grose Schade, daß das Holz, zumal, wenn es nicht trokken genug ist, unter der Tünche verstokt, oder verspuhrt.

§. 151.

Es ist eine allgemein bekante Sache, daß, wenn man einen guten wol gelöschten Kalk mit Milch vermischt, die teils seine Weise erhöhet, teils aber seine bindende Kraft vermehrt (§. 38), man alsdann eine weise Farbe, eine sogenante Weise bekomt (§. 145 Zif. 4), womit man die getünchten innern und äusern Wände der Gebäue weis färben kan.

Von dieser Materie will ich dann hier nur noch so viel bemerken, daß nicht ieder Kalk eine schöne Weise gibt, und die weise von dem einen graulich, von dem andern gelblich, und von dem dritten blaulich, doch sehr hell weis wird, welche leztere dann die angenehmste und schönste ist. Man kan inzwischen auch der grauen, und gelben Weise eine blauliche Farbe geben, wenn man etwas Lakmus darunter mischt.

Auserdem ist die Weise von dem einen und andern Kalk auch so beschaffen, daß solche gerne von der Wand abspringt, vornemlich dann, wenn solche etwas dik aufgestrichen wird.

Uebrigens wird zu dem Weisen erfordert, daß solches in einer Zeit geschehe, worinn es warm ist, und gerne troknet: Denn weist man spath im Herbste, oder früh im Frühjahr: So werden die Wände nie recht weis

§. 152.

Ehe ich diese Abhandlung beschliese: So muß ich auch noch bemerken, daß es eine gemeine Sage ist, daß die Alten, unsere Voreltern, den Mörtel weit besser zu machen gewust hätten als wir heut zu thun vermögend wären, und daß sich solche zum Löschen des Kalks des Weins bedient hätten, der freilich wegen des darinn befindlichen Weinstein einen sehr festen Kalk giebt (§. 38. Allein erwägt man, daß auch der wolfeilste Wein zum Löschen des Kalkes zu theuer ist, und daß nur die guten von den Alten gemachten Mauerwerke stehen geblieben, die schlechten aber in sich zerfallen sind: So wird man auch dieser Sage so leicht keinen Glauben beimessen. Es ist noch immer möglich, daß wir, da wir noch eben die Materialien haben, so gute Mauern machen können, als wie die Alten: Allein man muß, nach den Regeln, die ich angegeben habe, den Kalk gut brennen und löschen, einen guten Mörtel machen, gute Steine nehmen und dann mit eben der Vorsicht in einer guten Jahrs-Zeit die Mauern machen, ia solche, ehe man sie beschwehrt, wol austroknen, und für die Last, welche sie tragen sollen, nicht zu schwach machen lassen: So bekomt man auch noch immer ein so gutes Mauerwerk. Doch das ist heut zu Tage selten der Fall, man spahrt Kalk, man nimt schlechten Sand, und schlechte Steine, man bezahlt einen geringen Arbeitslohn, und dann macht man die Mauern so dünne, wie möglich, und ist zufrieden, wenn solche ein oder etliche Menschenalter dauren, weil man in dem Geschmak in den Gebäuen eben so veränderlich ist, als wie in den Moden, und dem französischen Kopfpuz der Damen, von welchem allem unsere lieben alten Teutschen, die alles vor eine halbe Ewigkeit machten, gar nichts wusten. Wahr bleibt es inzwischen, daß die Säure in der Luft, die Wärme im Sommer, die alle Körper ausdehnt, und dann der Frost im Winter, der alle Körper zusammenziehet, auch das beste Mauerwerk mit der Zeit zerstören, und wie kan das anders sein, da hierbei die Teile der Baumaterialien bald aufgelöst, bald ausgedehnt, und bald wieder verdichtet werden.