Die beste Art 1764

Die beste Art von Freßcomalerey zu machen, Giesische wöchentlich-gemeinnützige Anzeigen und Nachrichten 34, 1764, pp. 268–269.


Die beste Art von Freßcomalerey zu machen.

Machet den ersten Anwurf, von gestossenen Ziegelsteinen und gutem Kalck, Ehe man ihn aufträgt muß man in die Steine die nicht von Natur durchlöchert sind, solche schräge Oeffnungen einhauen, damit die Tünchung desto besser fassen und nicht abfallen kan. Ist die Mauer von gebackenen Steinen, so ziehet sie den Mörtel von sich selbst an, ohne daß man nöthig hat solche erst zu bearbeiten. Dieser erste Anwurf muß mit vielem Fleiß aufgetragen werden, an einem Ort so dick wie an dem andern, wohl gleich gemacht, aber dabey muß er doch rauh bleiben, damit der zweyte desto besser fassen und mit dem ersten nur einen Körper ausmache. Ehe man den zweyten Anwurf macht, wird der erste wieder ein wenig befeuchtet. Der Kalck welchen ihr dazu gebrauchet, muß ein gantzes Jahr vorhero dazu gelöscht worden seyn, wo dieses nicht ist, da hat man zu befürchten, daß euer Anwurf an allen Orten aufreißt. Den Sand welchen ihr dazu gebrauchet muß Fluß Sand seyn, der weder zu grob noch zu klar ist, dieser zweyte Anwurf muß ebenfals recht gleich gemacht werden, und weil auf demselben nur naß kan gemahlet werden, so darf man nicht mehr übertunchen, als man in einem Tag bemahlen kann. So bald er etwas feste geworden, und man mit der Kelle alle Ungleichheiten geebnet hat, untersucht man, ob derselbe fest genug ist und ob er nicht, wenn man ihn mit den Fingern druckt, ein wenig nachgiebt. Nachdem leget man seine auf grob Papier gemachte Zeichnung an, und fährt mit einer Spitze über die äusserste Zeichnung des Papiers, so, daß wenn man solches wegnimmt, man alle Umrisse auf dem Anwurf deutlich sehen könne. Ehe man zu mahlen anfängt, muß man alle Farben in irrdenen Gefässen zu bereiten, und sie, da man solche auf Platten von Gyps, Kalck oder Ziegelsteinen, welche die Feuchtigkeit gleich an sich ziehen, eben so wie in der Wassermahlerey trocknen lässet, versuchen. Alle Farben, welche nicht aus Erde bestehen, können zu dieser Arbeit nicht gebraucht werden, weil das Salz des Kalckes die Farben welche aus dem Pflanzen und Mineral Reich kommen, verändert. Selbst die Erdfarben müssen von trockener Natur, und wenn es möglich ist von gestossenen Steinen oder Marmor seyn, damit sie eine Art colorirten Mörtels ausmachen. Die Farben, welche man braucht sind das Weise, welches aus Kalck so ein Jahr vorhero ist gelöschet worden, bestehet. Man löset ihn in reinem Wasser auf, läßt ihn durch ein dichtes Sieb laufen und sich auf dem Boden eines Gefäses setzen, das obenstehende Wasser wird abgeschüttet und man bewahret den Satz vor Staub. Das Eyerschalen weiß ist trefflich zu dieser Mahlerey. Um es recht schön weiß zu machen, pülvert man es, und läßt solches mit ein wenig Kalck kochen: man schaumet das Wasser wohl ab und gieset nach diesem alles in reines und kaltes Wasser, in welchem, wenn sie wohl gewaschen worden, man sie mit frischem Wasser an macht, und wieder so lange wascht bis sie rein werden. Man reibt sie nach diesem auf einem Steine zu Pulver und macht kleine Stücke daraus welche man zur Arbeit aufhebt, sie dürffen aber in kein verschlossenes Gefäß gethan werden, sonst wurden sie verderben. Der feine Marmorstaub wird mit Kalck weis vermischt um ihn dichter zu machen. Die Erfahrung lehret die Proportion der Vermischung. Einige nehmen von beyden Theilen gleich viel. Manchmal ist ein Viertel Marmor Staub genug, weil allzuviel hiervon das Weise schmutzig macht. Die Güte des Weisen hanget von der Beschaffenheit des Kalckes ab. Der Ocker so wohl roh als gebrannt ist sehr gut. Er wird mit Kalck weiß versetzt wann man ihn hell machen will. Das englische Roth, die rothe Kreide und Umbra so wohl natürlich als gebrannt sind ebenfalls dienlich. Der Zinnober ob er gleich ein Mineral ist, kann dennoch gebraucht werden, wenn er auf folgende Art zubereitet wird. Thut feinen Zinnober in ein irdenes Gefäß, und giesset Kalckwasser, das noch von dem Aufsieden des Kalcks heiß ist, darüber; Nehmet das klärste und reineste davon. Schüttet nach diesem das Kalckwasser ab, ohne den Zinnober aufzurühren, und giesset noch verschiedenemal dergleichen Wasser darüber, nachdem ihr jedesmal das erstere abgegossen habet. Die Schmalte und der LasurStein gepülvert bestehen wohl in der Luft und in dem Regen. Diese Farben sind besonders in Landschaften gut. Die gemeine Erde von Verona ist eine der besten Fresco Farben, Cöllnische Erde, Römische ingleichen, die Deutsche schwartze Erde sind ebenfals gut.