Halle 1783
Johann Samuel Halle, Magie, oder, die Zauberkräfte der Natur, so auf den Nutzen und die Belustigung angewandt worden, Berlin [Joachim Pauli] 1783.
pp. 332–335
Verschiedene Arten des Küttes und Leims.
Zu Gläser- und Porcelainbrüchen. Wenn man ungelöschten Kalk zu einem sehr zarten Pulver zerrieben, so mische man zerklopftes Eyweiß und frischen Käse dazu, und wende es zur Verkütung des Glases oder Porcelains an, da dieser Kütt heisses und kaltes Wasser verträgt. Oder man reibe gepulvertes weisses venetianisches Glas, und rothe Mennige mit Delfirniß zusammen.
Messerklingen in die Schaale einzukütten, mischet man 1 Theil Ziegelmehl unter 2 Theile Colophonium, füllet die Schaale damit, und setzet die erhitzte Angel ein.
Ein anderer Kütt, der Wasser und Feuer verträgt, besteht aus Rothsteinschabsel, feinem Steinmehl, und Delfirniß, den man durch Leinöl verdünnen kann.
Der Brunnenkütt wird aus 1 Pfund Harz, 2 Pfund Talg, 2 Schüsseln zerstoßnem Venet. Glas, 2 Schüsseln Schwefel, 4 Schüsseln Ziegelmehl zusammengeschmelzt, und durch 1 Maaß Leinöl verdünnt.
Ein Steinkütt entsteht aus 1 Pfund Harz, 8 Loth Schwefel, von Hammerschlag, Steinstaub, so viel als Ein Ey fassen kann, und 1 Pfund Wachs. Das Geschmelzte wird in kaltes Wasser ausgegossen und mit nassen Händen geknetet, und heiß zwischen die Fugen gestrichen.
Zerbrochne Wasserkruken ergänzt man durch Mahlerfirniß, Mennige, Umbra, gebrannte Eyerschalen, und Ziegelmehl.
Der Drechslerkütt, Elfenbein, Holz, Silber u. s. w. in die Patrone feste einzukütten, wird aus geschmolznem Terpentine, dem man Colophonium gelbes Wachs zusetzt. Das Mengsel wird in ein nasses Papier gegossen und warm verbraucht.
Einen Kütt in Feuer und Wasser macht ungelöschter Kalk mit Leinöl. Man lasse den Bruch oder die Fugen, von allem was man ergänzen will, im Schatten trocknen und hart werden.
Das holländische Wassercement, womit man Keller gegen den Eindruck des Wassers wölbet, ist gepulverter Tuffstein mit lebendigem Kalk, und die Ziegel werden zweymal gebrannt.
Der Käseleim der Tischer, womit sie die Bretter, sonderlich zu den Fußböden, verleimen, bedarf weder Tiegel, Wasser, noch Feuer oder Pinsel. Man rühret unter frischen Käse, ungelöschten Kalk, der sich in dem Käse von selbst löscht, vermittelst eines Spatels, und streicht sogleich die kalte Mischung zwischen die Fugen. Man weiß, daß das Wasser niemals eindringt. Daher ist der Leim, den man bekommt, wenn man frischen Käse in heissem Wasser zu zähem Schleim kocht und mit Kalk vermengt, zwar bindender, aber er erhärtet auch geschwinde. Ueberhaupt gehört viel Käse und wenig Kalk zu diesem Leime; der für Fischer ein ewiger Köder ist, weil ihn kein Wasser wieder auflöst, wenn der Käse einmal verbrüht ist.
Unter den gemeinen Tischerleim mischt man, wofern er stark binden soll, in kaltem Wasser eingeweichte Hausenblase. Oder man lasse die Leimtafel einen Tag über in Wasser aufschwellen, giesse das Wasser ab, und durchknete den Leim mit Brantwein. Man kann auch die Hausenblase 3 Tage lang in Brantwein legen, und zu dem Leim schütten, den man wärmt.
So werden Bretter, die unter Wasser liegen, mit zerlassnem Schwefel vereinigt. Damit sich Bretter in nasser Witterung nicht werfen, oder krümmen, so leime und verniete man sie mit hölzernen Nägeln dergestalt, daß sich die Jahre des einen Brettes mit den Jahrringen des andern überkreußen, und niemals Hirn mit Hirn zusammentrifft, weil die Erfahrung lehret, daß sich das Holz nur nach der Breite verlängert, oder in der Witterung verkürzt.
Allerley irdenes Geschirr zu kütten, mischt man gleichviel Schwefel und Pech, und viel mehr gesiebtes Ziegelmehl im Flusse untereinander, um es auf einem nassen Tische zu Stangen zu rollen, die man heiß zwischen die Scherben einstreicht.
Der Schmelzkütt zu zerbrochnem Porcelain wird aus 2 Loth Borax, eben so viel Mennige und 2 Quentchen Venet. weissem Glase gemischt. Erst mache man den Borax flüssig, und denn schütte man das übrige in den Schmelztiegel zu, bis alles wie Wasser fließt. Die Masse giesse man auf einen Stein. Man reibe davon etwas mit Wasser klein und zu Brey, und bestreiche die Fugen damit. Ist es trocken, so lege man um das Gefäß hohle Kohlen, lasse alles glühen, ohne daß das Porcelain berührt werde, und wenn die Naht weiß erscheint, so nehme man die Kohlen weg, und decke geschwinde einen Topf, wider den Auffall der Luft über das Gefässe.
Ein andrer dauerhafter Kütt zu zerbrochnen Gläsern und Porcelain, entsteht aus frischem ungelöschten Kalk, gestoßnem Glase, von jedem 1 Theil, Silberglätte 4 Theilen, alles dem Maaße, und nicht dem Gewichte nach. Man reibe die Körper zu Pulver, und mache es mit altem Leinölfirniß zu Brey. Das Wasser vermag diesen Kütt nicht aufzulösen.
In der Geschwindigkeit kann man Porcelain u. s. w. mit einem Teige aus Bleyweiß und Mahlerfirniß ergänzen, wenn man die Fugen damit bestreicht, die Stücke wie bey allen Küttungen genau zusammenpaßt, und etliche Tage auf heissen Stellen hart werden läßt.
