Henckel – Zimmermann 1744
Johann Friedrich Henckel – Carl Friedrich Zimmermann, Kleine Minerologische und Chymische Schrifften, Auf Gutbefinden des Herrn Autoris, Nebst einer Vorrede von den Bergwercks-Wißenschafften zu Vermehrung der Cammeral-Nutzungen, und mit Anmerckungen herausgegeben…, Dreßden – Leipzig [Friedrich Hekel] 1744.
Die andere Abtheilung.
Von denen Versuchen, welche die Stein-Erzeugung erklären.
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pp. 392–395
§. 99. Indem ich nun also in einen kurtzen Innbegriff nach der Erfahrung alles zusammen genommen, und überleget habe, so sage ich, und das vor ganz gewiß, daß die Steine nach ihren Bestandwesen in einerley Feuers-Grad befunden werden, als 1.) Feuer-beständige, 2.) im Feuer erhartende, 3.) welche sich zu einen Staub zerreiben lassen, 4.) und die im Feuer schmeltzen.
§. 100. Die im Feuer beständig sind, behalten ihre Farbe wie der Rubin, Smaragd, Chrysolith, oder ihr Gewebe und Zusammenhalt, dergleichen sind alle Steine, ausgenommen die Kalcksteine, und die von solcher Art sind; (Man wolle mir hier nicht entgegen setzen, daß die Steine, wenn sie gähling in ein starckes Feuer kommen, zerspringen,) oder sie behalten ihre Schwere, und voriges Gewichte, daher gehören alle Kieselsteinartige, sie mögen nun crystallinisch, oder auch gefärbt seyn; Unter den Edelsteinen ist der Diamant, Rubin, Smaragd, Saphir, Topas und Chrysolith; ia, wenn sich nicht bey den Versuch etwas, das selbigen verfälschen kann, mit eingeschlichen, so sind mir die Kieselsteine, die im Wasser gefunden werden, im Feuer schwerer worden, ich werde aber diesfalls den Versuch nochmahls anstellen. Endlich bleiben alle, die ihr Gewichte behalten, auch in ihrer vorigen Größe und Gestalt.
§. 101. Welche im Feuer härter werden bey denen müssen ihre Theilgen viel näher zusammen treten, sich genauer verbinden, und also auch, nach der äusserlichen Gestalt, nicht mehr so groß, sondern eingekrochen seyn. Dergleichen ist aller Mergelstein, der Serpentin, der fettigte Stein, der zum Waschen, Walcken, Baden und Putzen gebraucht wird, der federhaffte Amianth, wie der von Dannemor in Schweden, und von Topschau in Steyermarck, welche Amianth-Steine dergestalt erhärten, daß sie, wenn sie recht starck im Feuer gebrannt sind, mit einem Stahl-Feuer schlagen, welches auch Sunberg von Dannemorischen gedenckt, von welchen er sagt, daß er zwar in dem Schmiede-Feuer durchglüend, aber nicht ausgebrannt werden könne.†
† S. desselben Dissertation de Metallo Dannemorensi, p. 19.
§. 102. Ja die Mergel-Erde selbst, und zwar nicht etwan nur eine Art derselben, welches ich an meinen Schmelz-Tiegeln, die aus unsrer Tiegel-Erde gemacht werden, erfahre, ingleichen die Terra Sigillata, daraus die Thee und andere Gefäße gemacht werden, bezeigen ein gleiches. Was der berühmte Borrichius aus dem Pellepratio erzehlet, daß die Thon-Erde von der Mündung des Amazonen-Flußes, unter den Wasser sehr weich sey, in der Lufft aber eine Härte, wie ein Kieselstein bekomme, das muß man, wie ich glaube, nicht so gar scharf von einen rechten eigentlichen Kieselstein verstehen, sondern nur von einer sonst sehr harten Masse.††
†† S. Acta Hafniens. Vol. V. p. 191.
§. 103. Zu Staub, oder daß sie doch leicht können in solchen zerrieben werden, wird im Feuer der Kalck- und Alabaster-Stein, das rußische Frauen-Eis, und dergleichen, auch der meiste Stein-Sinter.
§. 104. Im Feuer zerfliessen, der gegrabene Schiefer zun Dächern, der Bimsstein, die Zwickauischen Frucht, Steine, der Granat, doch mehr der Orientalische, als der Böhmische, der orientalische Hyacinth, der Malachit, und, welches zu verwundern, der Ißländische Achat.*
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pp. 442–448
* Zum §. 99–104
Uberhaupt von dem Bezeigen derer Steine m Feuer zu reden, so machet das Feuer, wie ich schon vorher gedacht, die Dinge, die darein gebracht werden, nach ihrer Beschaffenheit flüßig oder flüchtig, nicht, daß dadurch erst solche Eigenschafft in die Cörper eingeführet werde, sondern, daß dieselben nur in folchen sich also veroffenbaren. Es muß also in denen Steinen, die im Feuer fliessen, schon ein solches flüßiges Wesen enthalten seyn, das aber sich in seiner eigentlichen Gestalt zu zeigen, verhindert ist; Da die Verhinderung durch die Wärme des Feuers gehoben wird, so kann sie in nichts als einen Mangel gnugsamer Wärme bestehen: Aus beiden Umständen können wir schliessen, daß diese Steine entstehen, wenn eine flüßige Materie aus Mangel der Wärme unflüßig wird. Ist eine Materie gar sehr flüßig, so muß ein sehr hoher Grad der Kälte hinzu kommen, wenn sie erharten soll, wie wir solches an dem Wasser, da es würcklich geschiehet, und an der Lufft, da es wegen der gar zu grossen Flüßigkeit nicht geschehen kann, ersehen. Wenn aber eine Materie nicht so gar flüßig ist, so bringt der Mangel der Wärme in selbiger gar bald eine Gestehung zu Wege. Hieraus siehet man, daß die flüßige Materie in den Steinen entweder an und vor sich selbst schon dicklich ist, oder durch eine trockne Materie, mit der sich die flüßige innigst vermischet, dicke gemacht worden sey, oder endlich sich in so weniger Qvantität in die trockne eingemenget habe, daß die Theilgen der flüßigen, bey erfolgter Flüßigmachung durchs Feuer, nicht so nahe zusammen rinnen, sich berühren, und in flüßiger Gestalt uns vor die Augen kommen können. Ich halte, daß dieses alles gantz deutlich und richtig geschlossen sey, und will hieraus nun weiter folgern. Ist die Materie an sich selbst dicklich, oder ist die flüßige, durch eine innigste Mischung mit der trocknen, dicklich gemacht, dieses ist bey dieser Betrachtung einerley, gnug, daß nur eine gewisse zureichende Flüßigkeit in die Stein-Mischung mit eingegangen; und daraus sind die Steine entstanden, welche vor sich im Feuer fliessen. Ist der flüßigen Materie weniger, aber doch innigst mit dem trocknen gemischt, so finden wir, daß solche Steine im Feuer dauern, aber nicht fliessen. Wenn aber der Feuchtigkeit wenig, und diese auch nicht innigst mit der trocknen Erde des Steines gemischt ist, so gehet selbige im Feuer fort, und die trockne Erde des Steines zerfällt in einen Staub. Wegen des Feuer-Grades muß ich hier errinnern, daß nach meinen wenigen Urtheil, denen Versuchen und der Wahrheit kein Gnügen geschiehet, wenn wir alles dieses nach einer Stärcke der Hitze beurtheilen wollen. Das Feuer macht flüßig, der Fluß ist eine Gestalt der Dinge, die zu einer genauen Verbindung sehr dienlich ist, wenn also ein Feuer gebraucht wird, das so starck ist, daß es flüßig macht, so muß eine ganz andere Würckung erfolgen, als wenn ich nur ein ganz gelindes, austrocknendes Feuer anbringen wollte. Dieses geschiehet auch in denen Steinen, da das trockne und flüßige nicht sonderlich und genau verbunden sind: Denn ist vors erste die flüßige Materie sehr sparsam in einem Steine enthalten, und man giebt ihm nur recht gähling und starckes Feuer, so kann man ihn erhärten, und, wo nicht zum Fluß, doch zum grinsen bringen, giebt man ihm aber schwächer Feuer, so treibt man die Feuchtigkeit fort, und behält einen Kalck, ist das Feuer aber gar zu schwach und ungleich, so bekommt man gar nur eine todte Erde. Der Kalckstein, mit seines gleichen, kann diesen Satz erleutern, wir haben auch davon zwey grosse und tägliche Experimente: 1) im Kalckbrennen wird die Feuchtigkeit durch das schmauchen, welches ein gelindes Feuern ist, meistentheils, und zwar die dünneste zuerst fort getrieben, alsdenn giebt man ein gähling starckes Feuer, welches die wenige dickliche Flüßigkeit figiret, und einen guten Kalck macht; 2) wird aber dieser Umstand nicht recht beobachtet, und man treibt alle Flüßigkeit davon, ehe man mit der grossen Hitze kommt, so wird auch kein guter Kalck, auch wohl manchmahl eine pure Erde daraus. Das dritte Experiment kann ich vor mich nicht machen, sonst ich wohl auch Mittel und Wege finden wollte, den Kalckstein zum Fluß zu bringen. Vors andere, wenn die flüßige Materie zwar gnugsam, oder auch im Überfluß in einem Steine befindlich, aber nicht mit der trocknen Erde genau verbunden ist, so kann und muß der Grad des Feuers gantz andere Würckungen thun. Denn hier würcket ein gelindes Feuer zwar auch eine Ausdünstung der flüßigen Materie, aber, weiln derselben zur Gnüge vorhanden, so kann selbige nicht so gar alle fort getrieben werden, da sich denn die übrige durch den Fluß mit der trocknen Materie fester vereiniget, und also härter wird, auch ein schönes und reinliches Ansehen bekommt; wollte man aber bey dergleichen Stein-Arten ein zu starckes Feuer geben, so würde man was Schlackenartiges erhalten, das zwar auch hart genug, aber nicht so schön und rein wäre. Ich glaube, daß ich gnug von dem Verhältnüs der Steine zum Feuer gesagt, welches andere wohl noch, als Grund-Sätze von ihren künstlichen Handgriffen, zum Geheimnüs machen würden, es ist aber von mir in der Absicht geschehen, dem Leser zu versichern, daß ich die Versuche der Steine durchs Feuer hoch halte, daß ich auch daraus nützliche Wahrheiten zu entdecken vor dienlich halte, ich muß aber auch zugleich bekennen, daß ich es nicht thun, und die Arten der Steine nach ihren Verhältnüs in einen Feuer-Grad eintheilen würde. Noch eins, was meynen sie wohl, meine Leser, sollte auch wohl das Zerspringen der Steine, wenn sie in eine gählinge Gluth kommen, uns von deren Natur etwas besonders entdecken können? Mancher möchte wohl dencken, dieses sey ia nur zufällig, und könne durch eine langsamere Erwärmung vermieden werden; ich gebe den Zufall in Ansehen unsers Endzwecks und unserer Überlegung zu, allein, warum ist er nur bey etlichen, und nicht bey allen Dingen? Also springt auch der Diamant im Feuer entzwey, wenn man ihn zu geschwinde damit angreifft, der Böhmische Granat aber bleibet gantz, man kann, wenn dieser in einen Kasten eines Ringes gesezt ist, an und bey selbigen löthen, und andere Feuer Arbeiten vornehmen, ohne, daß man ihn, wie den Diamant, aus den Kasten zu nehmen nöthig hat, ia, man kann auf den Granat selbst emailliren, welches gewiß viel und so gar alles sagen will, was man nur in diesem Stücke von Feuer-Beständigkeit fordern kann, welches denen, die das Emaillir-Feuer wissen, deutlich seyn wird. Hiervon wollte ich nun gerne einen zureichenden Grund angeben, da ich aber zuerst mit Schrifften in der Welt auftrete, und weder das Vertrauen, noch den Ruff auf meiner Seite habe, so will ich es nur vor eine Vermuthung verkauffen: Je reiner, subtiler und flüßiger eine Materie ist, (dieses dreies folget aus einander) ie geschwinder, kräfftiger und stärcker dehnet sie sich durch die Wärme aus, was derselben wiederstehet, und sich nicht ausdehnen lassen will, muß zerspringen; Es scheinet also, als ob zwey verschiedene Materien in Diamant wären, es scheinet, als ob Herr Boyle und die Herrn Engelländer oben angeführten Versuch betreffend, recht hätten.
