Hoffmann 1798

Johann Leonhard Hoffmann, Farbenkunde für Mahler und Liebhaber der Kunst, Erlangen [Johann Jakob Palm] 1798.


Erstes Hauptstück.

Von den natürlichen – oder solchen Farbenkörpern, welche schon fertig im Schoos der Erde gefunden, größtentheils aber auch durch Kunst nachgemacht werden können.

. . .

pp. 25–28

§. 24.
[Heller Ocker]

Heller Ocker ist eine feine Tonart von hellgelber Farbe, welche er dem Eisen zu verdanken hat. Man kann ihn im Oel, Leim, Gummi, zu Pastell und Tusche sehr wohl gebrauchen. Er muß geschmeidig, ohne Sandadern und einfarbig sein. Aus ihm macht man den

Gebrannten hellen Ocker welcher eine glühende gelbrothe Farbe darbietet. Es ist nicht rathsam, daß man ihn in großen Stücken kalziniret oder brennet; theils, weil man nicht versichert seyn kann, ob ein großes Stück durchaus rein ist, theils aber, weil ein großes Stück gewöhnlich ungleich in der Farbe ausfället. Man thut besser, wenn man ihn trocken zerquetschet, die schönsten Stückchen auslieset und solche bis zur Größe von Erbsen zermalmet, solche in eine reine eiserne Pfanne über ein gutes Kohlfeuer bringet und indem man bisweilen mit einem eisernen Stab alles umrühret, erwartet, bis alle Stücke roth glühen. Findet man sie also, so werden sie nunmehr in Essig abgelöschet, und, nachdem dieser abgegossen worden, getroknet. Das Ablöschen muß vorgenommen werden sobald alles überein roth glühet; weil durch das zu lange Glühen die Schönheit der Farbe wieder verlohren geht.

§. 25.
[Dunkler Ocker]

Dunkler Ocker ist eine wahre Eisenerde und desto besser, je weniger tonartig sie befunden wird. Aus dem Materialgewölbe bekommt man ihn mehrentheils in Kugeln oder zermalmet, beide aber pflegen immer mit vielem Sand und andern Dingen verunreiniget zu seyn. Wer zu feinen Arbeiten welchen nöthig hat, der thut am besten, wenn er sich ihn selbst auf folgende Art machet: Man löset Eisenvitriol (gemeines Kupferwasser, das Salzburger ist hiezu das beste) mit warmen Wasser auf, und tröpfelt Potaschenauflösung hinein, so lange jene mit einer dunkelgrünen Farbe trüb wird. Man lässet sich diese nunmehr dunkelgrüne Eisenerde zu Boden setzen und versucht, ob die darüber stehende Flüssigkeit durch das hinein tröpfeln von der Potaschenauflösung nicht weiter trüb wird. Man rührt alles mit einem Holz oder eisernen Stab um, und lässet es ruhig stehen, bis sich der Satz von der Flüssigkeit abgesondert hat, welche man sodann abgüsset, den Satz aber durch einigemal auf- und wieder abgegossenes Wasser, wie oben im §. 19. bei der weisen Kreide gelehrt worden, von den Salztheilen befreiet und ihr bei gelinder Wärme troknet. So lang er naß ist, hat er eine dunkelgrüne Farbe, indem er aber troknet, so kommet die gelbbraune Farbe zum Vorschein, welche nunmehr ganz reiner dunkler Ocker ist. (*)

(*) Man kann auch aus Eisen mittelst der Säuren, vorzüglich der Vitriol- und der nach Eisen unersättlichen Salpetersäure Ocker machen. Allein da diese Weise theils schwieriger ist, theils die Luftarten, die dabei ausgestossen werden, der Gesundheit schädlich sind: so thut der Künstler besser, wenn er bei diesem Verfahren bleibet.

Auch dieser dunkle Ocker kann ausgeglühet werden, wie der helle. Allein, gleichwie dieser ungebrannt schon von dunklerer Farbe, als jener ist, also verhält sichs jetzo auch mit ihm, da er gekalzinirt ist. In Oel kann man sowol den ungebrannten als den gebrannten im Nothfall an Statt der Terra de Sièna gebrauchen: in dem nassen Kalk aber wird die eben erwähnte Terra de Sièna lebhafter. In Ansehung der Dauer sind sie einander gleich, wie alle Ockerarten: sie sind nehmlich in Kalk, in Oel und Wasser beständig.

§. 26.
[Terra di Siena]

Terra de Sièna. In Ansehung der Farbe ist diese sehr wenig vom künstlichen Ocker (s. den vorigen §.) unterschieden: allein die Erde selbst ist ungleich feiner und zusammenhängender als alle andere Ockererden. Sie kommet der Alaunerde sehr nah, und verhält sich auch im Feuer wie dieselbe, nehmlich, man kann keinen Kalk aus ihr brennen und am Gewicht verliert sie auf diesem Weg so viel als jene.

Wenn man sie kalziniren will: so muß man die Vorsicht gebrauchen, daß man sie, nachdem sie wohl ausgetroknet ist, zu kleinen Körnern, wie das Schießpulver, zerreibet, übrigens aber damit, als wie mit dem Ocker verfähret. Wollte man sie in größern Stücken dem Feuer aussehen: so wurde man wenig oder nichts davon bringen, weil sie platzet und in verschlossenen Gefäßen schwärzlicht wird.

§. 27.
[Umbra-Erde]

Umbra-Erde gehört zu den Ockerarten. Der teutsche und holländische wird durch Brennen braunroth, der englische aber behält im stärksten Feuer seine Farbe wie sie vor der Kalzinazion war. Sie ist mild, stehet sehr gut im nassen Kalk und Wasser, im Oel schwärzet sie etwas nach. (*)

(*) Eine sehr schöne Umbra kann auf folgende Weise nachgemacht werden: Man kocht Glanzruß aus dem Kamin in kaustischer oder Sfeiensiederlauge [!] und wenn er aufgelöset ist: so seihet man ihn durch ein leinen Tuch. Indem diese braune Brüh noch warm ist, tröpfelt man Eisenvitriolauflösung (s. §. 25.) hinein, bis sich das Farbewesen zu Boden gesetzt hat, welches alsdann abgesüsset wird, wie im erst angezeigten §. gelehrt worden.

[Englisches roth]

Englisches roth. Terra mortua Vitrioli. Colcothar ist nichts anders als eine Eisenerde, welche bei Verfertigung des Vitriolöls zurückbleibt.

S. hievon Farbers neue Beiträge zur Mineralogie I. S. 324.

Der Mahler kann vom Colcothar oder dem rohen Rükstande des Vitriolöls keinen Gebrauch machen. Es muß diesem erst durch kochendes Wasser sein ihm noch anklebendes vitriolisches Salz benommen werden. Man kann aber, indem man dieses thut, zwei Arbeiten zugleich verrichten, nehmlich absüssen und schlemmen, wobei man so verfährt, daß man, indem man absüsset, die Farbe sich nicht setzen läßt, sondern das Trübe bis auf den allergröbsten Rückstand, welcher gemeiniglich sandicht ist und wovon man gar keinen Gebrauch machen kann, abgüßet. Wenn sich aber das Abgegossene zu Boden begeben hat: so süsset man dieses noch einigemal ab, wie im §. 19. gezeigt worden, und lässet es troknen. Diese Farbe ist im nassen Kalk, Del und Wasser schön und beständig.

§. 28.
[Kölnisches Braun]

Kölnisches Braun ist eine dunkelbraune Erde, vitriolinisch oder schwefelhaft mit sehr wenig Eisen – aber desto mehr Pflanzenerde vermischt; ihr meistes Farbewesen stecket in resinösen Theilen. Als Oelfarbe hält sie sich nicht zum besten, sondern ihre Dunkelheit verändert sich in ein rothliches Braun, welches von den wenigen darinnen enthaltenen Eisentheilen herrühret: in und auf Kalk hingegen liefert sie das schönste und lebhafteste Braun, welches man hat. Wenn man sie reinigen will: so muß sie auf eine ganz eigene Art geschlemmet werden. Man zerstösset sie nehmlich gröblich, übergüsset sie fluthenweise mit kaltem Wasser, wodurch sich die Holzstücken, die sie enthält, in die Höhe begeben, welche nicht zu gebrauchen sind, sondern abgeschöpft werden müssen. Nun lässet man alles Wasser bis auf den Bodensatz ablaufen, welchen man also naß auf dem Stein zerreibet, bis die Masse einem braunen Taig ähnlich sieht. Dieser wird abermals mit Wasser verdünnet, umgerührt und das Trübe abgegossen. Der sandige Bodensatz ist unbrauchbar Das abgegossene Trübe aber lässet man durch ein reines Leinentuch laufen, in welches das Durchgelaufene so lange es trüb laufet zurückgegossen werden muß. Wenn alles Wasser abgetraufet ist, so lässet man den Rükstand troknen. Wie man sie zur Tusche anwendet ist unter diesem Artickel. (*)

(*) Auch diese Farbe kann nachgemacht werden. Man löschet schwarzen Kalk, wie ihn die Maurer löschen, und wenn man nicht viel brauchet: so kann man von diesem nehmen. Man verdünnet ihn mit Wasser so, daß man ihn durch ein feines Sieb von Eisen- oder Messingdrath laufen lassen kann. Man lässet auch weisen Thon oder Bolus auf die nehmliche Art durch ein Sieb laufen. Den Kalk lässet man in seinem Wasser zu Boden fallen, den Bolus aber muß man in ein leinen Tuch güssen und abtropfen lassen, weil er zu lange Zeit nöthig hat, um sich zu sehen. Vom Kalk güsset man das Wasser ab und mischet davon und vom Bolus zu gleichen Theilen untereinander, breitet diese Masse auf Baksteinen eines Zolles dick auseinander und lässet sie an der Luft vollkommen trocken werden. In der Zeit bis dieses geschieht, füllet man einen reinen Zuber von Eichenholz mit eichenem Sägemehl voll, güsset denselben voll lauen Wassers (Regenwasser ist das beste) und lässet es im Keller ganz leicht bedekt stehen, bis die Kalkmasse vollkommen trocken ist, welche so bald sie es ist, in einem eisernen Mörsel gestossen, durch ein Drathsieb geschlagen und in einen Zuber oder anderes Gefäß von eichenem Holz gebracht, mit dem Wasser auf dem Eichensägemehl, welches durch ein Tuch geseihet und der Rükstand des Sägenmehls wohl ausgedrucket werden muß, erstlich ganz wenig begossen und mittelst einer großen hölzernen Spate (sie kann auch von Eichenholz seyn) wohl vermenget wird. Man güsset nach und nach so viel vom Wasser, das über dem Sägemehl gestanden hat, dazu, bis die ganze Masse einem sehr dicken Taig ähnlich ist, die man nun herausnimmt und gleichfalls an der Luft troknen lässet. Je dunkler man die Farbe haben will, desto öfter muß dieses Einnetzen wiederholet, die Masse aber vorher immer getroknet und wieder zerstossen werden.

§. 29.
[Grüne Erde]

Grüne Erde. Es giebt deren vielerlei: die Veronesische aber ist die beste und die Böhmische die schlechteste. Der Kupfernickel scheinet das meiste zu ihrer Farbe beizutragen, ohngeachtet die Böhmische auch viele Eisentheile bei sich führet, welche aber nach und nach verwittern und in rostfarbnen Flecken auswachsen. Die Veronesische ist nicht nur viel härter und gleichwohl mild, sondern sie hat auch eine weit schönere Farbe, welche im nassen und auf troknem Kalk bestehet. Auch in Oel haben wir keine Farbe, die so beständig wäre und sich dabei mit allen benachbarten sowol, als denen damit vermischten Farbenkörpern so gut vertrüge, wie sie. Man muß sie mit Wasser sehr fein abreiben und trocknen, damit man beständig einen Vorrath davon behalte, um diese langweilige Arbeit nicht oft vornehmen lassen zu müssen.

Berggrün ist eine, dem Ansehen nach, schöne Farbe, welche aus Ungarn und der Moldau in kleinen Körnern zu uns gebracht wird: sie ist auf Kalk unbeständig, und in Oel tauget sie gar nichts.

§. 30.
[Zinnaber]

Zinnaber. Es giebt gewachsenen und durch Kunst gemachten. Der Ungarische gewachsene ist sehr theuer, für den Mahler aber deshalben nicht besser, als der aus Queksilber und Schwefel oder Spiesglas zubereitete. Das Verfahren,  Zinnaber zu machen findet man fast in jedem chemischen Kompendium, weswegen ich den Raum erspahren kann und indem der Mahler ihn in so großer Menge nicht brauchet, daß es der Mühe lohnte, ihn selbst zu machen, er überdieß, wenn man ihn in Stücken kaufet, nicht verfälscht werden kann: so thut er besser, er überlässet diesen Prozeß dem Laboranten, kaufet seinen Zinnaber in Stücken, zerreibt ihn sehr fein mit Brandwein, und lässet ihn, ehe er ihn verwahrt, troken werden. Daß er dadurch schöner werden soll, wenn man ihn mit Harn eines gesunden Menschen abreibet, ist eine Grille, die sich vielleicht von der mineralischen Rose herleiten lässet, beim Zinnaber aber gar nicht anschläget.

§. 31.
[Operment]

Aurum, Auripigmentum, Operment ist ein schweres Mineral von gelber Farbe. Es ist schwefelig und eines strengen Giftes. Es giebt gelbes und rothes. Letzteres wird auch Rauschgelb oder rother Schwefel genennt. Die Farbe von diesem ist Pomeranzengelb. Man muß es nicht nur seiner Giftigkeit wegen vermeiden so viel als möglich ist, sondern auch deswegen, weil es alles schwarz macht, was mit Weisem aus Blei gemahlt oder nur im mindesten damit mit vermischt ist. Sollte man sich in der Nothwendigkeit befinden, irgendwo Metall oder dergleichen damit aufzublicken: so muß man sich hüten selbige Stellen mit Weis zu untermahlen oder nur damit zu grundiren. Auf Bolus steht diese Farbe, und das Grüne, welches man aus ihr und Berlinerblau mischet, ist schön und hat Bestand: nur aber muß es auf Bolusgrund gesezt werden, welches um so eher angehet, da es ganz gewaltig decket.

Königsgelb ist gemahlenes Auripigment; man muß also damit eben so behutsam umgehen, als mit jenem.

§. 32.
[Bergblau]

Bergblau ist ein hellblaues Pulver, welches entstehet, wenn man den sogenannten Arme[ni]schen Stein mahlet. Als Wasserfarbe ist es zu gebrauchen: allein weder in Oel noch im nassen Kalk hat es Bestand. In Oel wird es unter dem Pinsel schon grün. Wenn man in die Nachbarschaft dieser Farbe gelb sezet: so scheinet sie schön himmelblau zu seyn: hingegen neben der Schmalte oder Ultramarin scheinet sie grünlich.

§. 33.
[Schmalte]

Schmalte ist eine sehr schöne in allen Arten der Mahlerei beständige Farbe. Man bedient sich ihrer in Oel, im nassen Kalk und zur Schmelzmahlerei mit gleich gutem Erfolg. (Schmelzfarben unter dem Artickel blau.)

§. 34.
[Ultramarin]

Ultramarin die kostbarste unter allen Farben. Sie wird aus dem Lapis Lazuli verfertiget und hier nur deswegen angeführt, weil sie in diesem Edelstein schon offenbar und vollendet liegt. Man muß sich vorsehen, anstatt des Lapis Lazuli nicht mit dem Armenischen Stein betrogen zu werden, welcher nichts als eine milbige [!] Kupfererde ist. Man wird diese zerstoßen und einen Schmelztiegel zur Helfte damit anfüllen, ihn nach und nach erwärmen, sodann das Feuer verstärken und endlich zublasen: schon ehe der Tiegel roth glühet, wird sich eine grüne Flamme auf demselben zeigen. Man fähret mit dem Feuern fort bis sich die grüne Flamme verlieret und der Tiegel durchein glühet, welchen man entweder für sich erkalten lässet, oder ausgüsset: so hat man eine rothe Kupferasche, welche sich in allem so verhält, wie jene aus dem Cyprischen Vitriol durch Potaschenlauge niedergeschlagene, abgesüßte und kalzinirte Kupfererde. s. §. 42.

. . .


pp. 29–33

Zweites Hauptstück.

Von den künstlichen oder durch Kunst
zuwegegebrachten Farbenkörpern.


Erste Abtheilung.

Körperfarben.

§. 36.

Körperfarben werden alle diejenigen genennet, welche, nachdem sie mit einer der Absicht gemäsen Flüssigkeit abgerieben oder vermischet worden sind, undurchsichtig bleiben, folglich die Fläche, auf welche sie aufgetragen worden, so decken, daß die Farbe derselben verborgen wird. In dieser Hinsicht gehören alle Farbenkörper derer im vorigen Hauptstück Erwehnung geschehen ist mit in diese Klasse oder zu den Körperfarben, das einzige Asphaltum ausgenommen. Diese Körperfarben sind in der Mahlerei um so nöthiger, je mehr der gröseste Theil ihrer Dauer von ihnen abhänget und je weniger andere in der eigentlichen Bedeutung Mahlereien genennt zu werden verdienen, welche ganz ohne Körperfarben behandelt worden.

Anm. Man nennet z. B. eine mit schwarzer Tusche angefangene und mit Saft- oder andern durchsichtigen Farben vollendete Zeichnung, nicht ein Gemählde, sondern eine lavirte oder gewaschene Zeichnung: hingegen eine grau in grau oder mit, weis und schwarzer Körperfarbe ausgeführte Szene, nie anders als ein Gemählde, die Schmelzmahlerei bestehet keineswegs aus lauter durchsichtigen Farben, obgleich die weise ausgespahrt wird.

§. 37.
[Weise]

Die nothwendigste unter allen künstlichen Körperfarben ist die weise; denn sie bezeichnet das Licht, und es ist billig, daß wir ihr den ersten Platz anweisen. Unser Weises zu Oel- und Wasser- nicht aber Kalkmahlerei ist entweder Bleirost, Bleikalk oder das sogenannte spanische Weis aus Wismuth. Der Bleirost nach seiner ersten Zubereitung wird Schieferweis genennet, weil er als weise schieferige Stücke erscheinet, wenn man das Blei durch Säuren, gewöhnlich durch Essigdunst zerfressen lässet. Da dieser Artickel keiner Verfälschung fähig ist: so thut der Mahler besser, der es kauft, als der es selbst machet. Es müssen erstlich alle kleine Partickeln, die noch als rohes Blei bisweilen sehr vest an den Schiefern hängen, abgenommen und beiseite gethan, hierauf die Schiefern mit Wasser abgerieben werden. Währendem Abreiben zeigen sich noch bisweilen dergleichen, welche sorgfältig herausgenommen werden müssen, weil, im Fall man sie mit abreiben wollte, man keine weise, sondern eine graue Farbe erhalten würde. Die sehr fein abgeriebene Farbe wird nun getroknet und zum Gebrauch aufbewahrt. Zum Untermahlen und zu Nebensachen ist dieses Weis gut. Allein zum vollenden und den höchsten Lichtern ist das Kremserweis ungleich besser. Dieses muß hart bei nah wie Glas und blendend weis von Farbe seyn. In Ermanglung desselben nimmt man Hornblei, welches nichts anderes ist als reines Blei, das in Scheidewasser, immer nur wenig auf einmal, ausgelöset, und wenn das Scheidewasser gesättigt ist, das heist, nichts mehr auflösen kann, mit Salzwasser (*) niedergeschlagen und abgesüsset wird.

(*) In Wasser ausgelöstes Kochsalz.

Das spanische Weis ist eines der feinsten, welche man hat. Es ist nicht nur von einer blendend weisen Farbe, sondern auch milder als alle jene aus Blei. Da es verfälschet werden kann: so wird man sich solches auf folgende Weise selbst sehr leicht machen können:

Man wirft in reines Scheidewasser grob gestoßenen oder auch gefeilten Wismuth ein Stückchen nach dem andern, doch mit der Vorsicht, daß man allezeit so lange innehält bis das hineingeworfene Stückchen, ganz aufgelöset ist. Wenn sich das zulezt eingetragene Stückchen nicht mehr auflöset: so seihe man die Auflösung durch und lasse reines Wasser tropfenweise hineinfallen; es wird dieselbe milchig werden. Erfolget bei dem Eintröpfeln keine Veränderung mehr: so wird alles mit einem Glaslöffel oder reinem weichen Holz umgerührt und stehen gelassen, bis sich die weise Farbe zu Boden begeben hat, welche sodann einigemal mit frischem Wasser abgesüsset und auf Löschpapier ohne Hüllfe von äuserlicher Wärme getroknet wird. Bei dieser Arbeit muß man sich vor den Dünsten hüten.

. . .

pp. 34–42

§. 39.
[Neapolitanisches Gelb]

Neapolitanisches Gelb. Selbst die Mahler, welche sich verschiedene Jahre in Neapel aufgehalten haben, widersprechen einander in den Nachrichten, welche sie uns von dieser Farbe geben. Einige behaupten, es sey ein Minerale, welches man um Neapel antrift, also wahrscheinlich ein vulkanisches Produkt; andere hingegen versichern, daß sie ein Artefaktum sey. Sie können aber beide Recht haben. Daß es nachzumachen sey, daran ist nicht zu zweifeln (s. unter dem Hauptst. Schmelzfarben den §. Gelb und Goldgelb.)

Hingegen kann die Natur in jenen mineralreichen Gegenden es eben auch hervorbringen. Ich meines Theils wollte lieber dieser als jener Meinung beitreten und zwar aus folgenden Gründen: 1) der Stein, welchem man die Benennung Neapolitanisches Gelb beilegt, ist sehr durchlöchert und enthält vielen Schwefel. 2) Stekt er voll scharfer Salze, die jedoch ungleich ausgetheilt sind; denn in manchem Stück findet man eine gewaltige Menge derselben, in einem andern sehr wenig. Seine Gestalt, hat wegen seiner Porosität Aehnlichkeit genug mit andern vulkanischen Produkten. Die ungleiche Austheilung der Salze hingegen reimet sie auch eher zu einem dergleichen Produkt, als zu einem durch Kunst gemachten. Endlich kommt 3) noch hinzu, daß das Salz, welches darinnen enthalten ist, vitriolinisch ist, also auch der nächste Nachbar des Schwefels, welcher dorten alles beherrschet. Der überwiegenden Salzmenge wegen, kann man auch diese Farbe nicht mit Sicherheit verarbeiten, wenn man sie nicht zerstossen und immer mit neuem heisen Wasser abgesüsset hat, worinnen man sie jederzeit, wenigstens 12 Stunden lang stehen lassen muß. Das Salz dringt durch die erdenen Geväse, worinnen man das Absüssen vornimmet und überzieht sie auf der äusern Fläche weis. Man darf sich deswegen auch keiner eisernen Spate bedienen, um sie naß vom Stein zu nehmen: diese wird in wenigen Augenblicken mit Rost überzogen.

Hat man sie abgesüsset: so wird sie mit Wasser auf dem Stein fein gerieben und auf Gipsplatten getroknet, sodann zum Gebrauch aufgehoben. Dieses Gelb kann weder seiner Schönheit in der Karnazion, noch seiner Dauerhaftigkeit in allen Arten der Mahlerei wegen durch eine andere gelbe Farbe ersezt werden.

§. 40.
[Blau aus Kobolt]

Blau aus Kobolt. Man nimmet feinen Chursächsischen Kobolt, wie er im Erztgebirge um Schneeberg und Ehrenfriedersdorf gefunden wird, pocht ihn zu Stücken wie Erbsen und rostet ihn in einer Esse, die wohl ziehet, ab: im Kleinen kann das in einem Schmelztiegel geschehen, welchen man 2 Stunden in der Glut erhält, wobei man sich aber vor dem Rauch in Obacht nehmen muß, denn er ist tödlich, da er aus blosem Arsenik bestehet. Der Kobolt verwandelt sich bei dieser Behandlung in einen schwarzen Kalk, und wird aus dem, Feuer weg in Weinessig abgelöscht. Man lässet ihn troken werden, zerstößt ihn zu einem feinen Pulver, welches man entweder mit 5 bis 8 Theilen Kiesemehl, je nachdem die Farbe satt oder blaß werden soll, zusammenschmelzet und dann fein zerreibet, oder mit dem Fluß welcher unten bei den Schmelzfarben gelehret wird, schmelzet und fein reibet. J. G. Lehmann Cadmiologia Abschn. IV. S. 53–71. J. J. Ferber neue Beitr. zur Mineralgeschichte I. S. 1–11.

Zu dieser blauen Farbe, welche die eigentliche Schmalte ist, kann man durchaus die Koboltarten zu Saalfeld nicht gebrauchen, als welche stark mit Eisenerde vermischet sind und nur betrüglicher Weise Farbenkobolte genennt werden, da sie doch nichts als Arsenikalkiese sind. Diese Farbe hat in allen Arten der Mahlerei Bestand. (*)

(*) Um in der Geschwindigkeit zu erfahren, ob der Kobolt blaue Farbe enthält, darf man nur eine Prise davon mit dreimal so viel Borax in einem Schmelztiegel schmelzen, woraus sogleich ein schönes Blau wird, wenn er diese Farbe enthält.

§. 41.
[Wismuthblau]

Wismuthblau. Man nimmet Wismuth und gereinigten Salpeter eines soviel als des andern, stösset jedes besonders klein, mischet so dann diese beiden Pulver wohl untereinander und bringet sie in einen hessischen Schmelztiegel, welcher bedekt werden muß. Man macht ein Zirkelfeuer um den Tiegel von ferne, daß der Tiegel mit der Materie nach und nach erwärmet werde. Man rücket das Kohlenfeuer von allen Seiten immer näher an den Tiegel. Es wird ein vernehmliches Geräusche im Tiegel entstehen und jezt muß man sich hüten mit der Hitze nicht zu heftig zu kommen; doch wie sie jetzo ist, muß man sie erhalten, bis das Geräusch im Tiegel nachgelassen hat. Nunmehr aber schlüsset man den Tiegel mit 4 Baksteinen ein, welche ihn aber nicht berühren dürfen füllet den Raum mit Schmiedekohlen aus und bedecket auch den Tiegel damit. Man wird gut zublasen, damit alles überein in Glut komme. Wenn nun alles in Fluß stehet: so rücket man die Baksteine bei Seite, hebt den Tiegel mit einer reinen Zange aus dem Feuer, und güsset die noch flüssende Massa auf einen erwärmten reinen Stein zum Erkalten. Die Stücke sind einander in der Farbe selten gleich. Man wird also das Schönste der Farbe auslesen und das Geringere besonders thun. Man reibet es mit Fluß zusammen (s. den vorigen §. zu Ende), schmelzet es und reibet es fein. Diese Farbe ist in Wasser, auf Kalk, in Oel und als Schmelzfarbe sehr gut und dauerhaft.

§. 42.
[Ultramarin]

Ultramarin (s. §. 34. ) wird aus lapis Lazuli, Lasurstein gemacht, welcher sehr rar und theuer ist. Zu Venedig ist der Platz, wo man ihn wenigstens in großen Quantitäten haben kann. Jugel (Natürliche Berg- Schmelz- und Figierkunst Th. II. Anm. 7. S. 195. ) behauptet, daß er auch in Chursachsen gefunden werde. Er sagt: „wenn man von Schneeberg in Sachsen nach, dem Hundeshübel geht (ist ein Dorf allda) und durch das Dorf nach Brünnels-Gut, daselbst sind unweit dem Wege, linker Hand, sechs bis sieben alte Stollen, in deren einem befindet sich der schönste lapis Lazuli in starken Anbrüchen.“ – Um den Ultramarin aus diesem Stein abzusondern, sind schon vielerlei Prozesse versucht worden: allein unter denen die mir bekannt sind, gelingt keiner besser, als der Kunkelische, ob er gleich den Unterschied zwischen Quarz- und Edelsteinerde nicht gemacht und vielleicht auch nicht geprüft hat, ob der feuerveste Silberschwefel sich in den Quarztheil gelegt oder sich unzertrennlich mit der Edelsteinerde vereinigt hat. Inzwischen kann man aus seinem Verfahren und den verschiedenen Qualitäten seines Ultramarins aus einem und dem nehmlichen Stein erkennen, daß das subtileste der Farbe in der Edelsteinerde und das geringere seinen Aufenthalt im Quarz genommen hat, wenn man viele Flecken und Adern im Lapis Lazuli findet. Ich will den Kunkelischen Prozeß im Auszug hersetzen, und meine Leser selbst urtheilen lassen: ,,man nimmt Lapis Lazuli, welchen man zu Stückchen von der Größe einer Erbse macht, lässet diese glühend werden und löschet sie in starkem Weinessig ab. (Dieses Glühen und Ablöschen kann, zwei bis dreimal wiederholet werden, indem dadurch das Zerreiben derselben erleichtert wird.) Nun werden diese Stükchen (nicht auf Marmor, welcher hiezu zu weich ist, sondern) auf Porphyr, zu feinem Pulver zerrieben. Man nimmt hierauf, so schwer das Pulver wiegt, halb weises Jungfernwachs und halb Kolophonium (hievon darf man auch etwas mehr nehmen) lässet beides unter einander in einer erdenen glasurten Schüssel zergehen und bringet nach und nach unter beständigem Umrühren (mit einem silbernen Drath) das Pulver hinein. Man güsset diese Masse also heiß in eine Schüssel mit reinem kalten Wasser, in welchem man es acht Tage liegen lässet. Man hält als denn genugsam reines kochend heises Wasser bereit und auch 2 reine Schüsseln (von ziemlicher Größe, weil sich in einer großern Quantität, das Wasser länger warm erhält); man nimmt eine Rolle von der Masse und bringet, nachdem, man die Hände vorher sehr rein gewaschen hat, solche in die Schüssel mit heisem Wasser und knetet solche darinnen, bis man glaubet das schönste herausgezogen zu haben. Nunmehr füllet man die zweite Schüssel mit heisem Wasser und knetet darinnen die nehmliche Rolle so lange sie noch Farbe hergiebt.“ Man kann auch noch mit einem dritten Gefäß heisen Wassers ab wechseln; allein, was hier noch zum Vorschein kommet, hat kaum einen entfernten Geschmak von blau und ist mehrentheils Quarz; es kann also nur dorten Gebrauch davon gemacht werden, wo zu die Ultramarinasche gut genug ist. Man lässet die Gefäse 4 Tage ruhig und wider Staub verwahret stehen, güsset sodann das Wasser ab und troknet den Bodensatz an einem reinen Ort. Wären also die bleichen Partikeln so kampakt als die dunkeln: so wurden sie gleich beim Anfang der Operazion sich mit losmachen und die Farbe welche zuerst fället, würde so gering wie die leztere, oder, welches einerlei ist, die leztere würde so gut wie die erstere seyn.

. . .

p. 47

§. 48.
[Weinrebenschwarz]

Weinrebenschwarz. Im Frühjahr, wenn die Weinstocke geschnitten werden; nimmt man die Reben, welche beim Schneiden abfallen, oder, welches viel besser ist, die Knoten von alten Weinstocken, welche holzreicher sind als die Reben, lässet solche wohl austroknen oder dürre werden, weil sie sonsten nicht durchbrennen. Man brennet sie im offenen Feuer auf dem Feuerherd zu Kohlen und, wenn sie wohl durchgebrannt sind, so löschet man sie sogleich in Wasser ab, wobei zugleich die Aschentheile mit abgewaschen werden. Sie müssen mit Wasser sehr fein abgerieben und getroknet werden. Man bedienet sich ihrer in Oel, in Wasser und auf Kalk. Ihr Schwarzes ist sehr sanft und wenn es mit Weis vermischet wird, so sticht es ins Blauliche. Es hält sich in diesen drei Arten der Mahlerei ungemein gut und beständig.