Krünitz 1780/XX

Johann Georg Krünitz, Oekonomische Encyklopädie, oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- u. Landwirthschaft, in alphabetischer Ordnung XX (Gre–Hä), Berlin [Joachim Pauli] 1780.


pp. 163–214 (163–190)

Grün

1. Eigentlich

Grün (**), 1. Eigentlich, ein Nahme einer Farbe, welche die fünfte Hauptfarbe ausmacht, aus der Vermischung der blauen und gelben Farbe entsteht, und am häufigsten in dem Gewächsreiche angetroffen wird. Die grüne Farbe. Eine grüne Tinte. Grün gekleidet gehen, in einem grünen Zeuge. Auch als ein Hauptwort, das Grün, die grüne Farbe zu bezeichnen. Ein schönes, ein lebhaftes Grün. Imgleichen einen Körper, welcher grün färbet. Braunschweigisches Grün. So auch in den Zusammensetzungen Berggrün, Saftgrün, Schiefergrün, Spangrün, u. s. f. von welchem allen weiter unten ein Mehreres vorkommt.

(**) Bey dem Ottfried gruan, bey dem Notker gruon, im Nieders. grön, im Angels. grene, im Engl. green, im Schwed. grön, im Dän. gröe, im Ißländ. graen. Ohne Zweifel, von dem alten gro. wachsen, Nieders. grojen, Holl. groeyon. Dän. groe, Engl. grow, weil die grüne Farbe die gewöhnlichste Farbe der Gewächse ist. Auf ähnliche Art stammet das Lat. viridis von virere her. Siehe auch Grob und Groden.

2. Figürlich.

1) Mit grünem Laube, mit Grase, mit Gewächsen bewachsen, sowohl im gem. Leben, als in der edlern und höhern Schreibart. Der grüne Wald, dessen Bäume mit grünem Laube geschmückt sind. Eine grüne Wiese. Die grüne Flur. Die Bäume werden grün, bekommen Laub. So auch das Hauptwort das Grüne, und in der höhern Schreibart das Grün, grünes Laub, grüne Gewächse, zu bezeichnen. Willkommen im Grünen! Im Grünen spatzieren, sitzen, schlafen. Siehe Pfeil-Icondie Grüne.

2) Voller Saft, im Gegensatze des getrockneten oder verdorreten. (a) Eigentlich von Gewächsen und deren Theilen. Grüne Kräuter, im Gegensatze der getrockneten. Grünes Gemüse, frisches. Die Blätter sind noch grün, noch unverwelkt. Ein grüner Baum, im Gegensatze eines verdorreten. Grünes Holz, im Gegensatze des trocknen oder verdorreten. Grüne Waare, Gartengewächse, frisches Gemüse, daher derjenige Markt, wo solche Waaren verkauft werden, an einigen Orten der grüne Markt heißt. Er wird auf keinen grünen Zweig kommen, im g. L., nichts vor sich bringen, zu keinem bürgerlichen Wohl-Stande gelangen. (b) Nach einer noch weitern Figur im g. L., auch für frisch, im Gegensatze des geräucherten, eingesalzenen oder getrockneten. Grünes Fleisch, frisches, so vor kurzem geschlachtet worden, und weder geräuchert noch eingesalzen ist. Grüner Ahl, grüner Lachs, grüne Fische. Grünes Obst, im Gegensatze des gedörreten. Eine grüne Haut, bey den Gärbern, welche erst abgezogen, noch nicht zubereitet ist.

3) Unreif, von der gewöhnlichen Farbe unreifer Früchte. Grünes Obst, unreifes. Die Nüsse sind noch grün. Etwas zu grün abbrechen, figürlich, nicht die rechte Zeit erwarten, eine Sache nicht zur Reife kommen lassen. Im Dithmarsischen bedeutet grün nach einer noch weitern Figur auch grob, ungeschickt.

4) Günstig, gewogen, doch nur in einigen Ausdrücken des gesellschaftlichen Lebens. Stax ist mir noch niemahls grün gewesen, gewogen. Wohin vermuthlich auch die R. A. an jemandes grünen Seite sitzen, wodurch bald die rechte, am häufigsten aber die linke Seite, der Sitz des Herzens, verstanden wird, gehört.

5) Der grüne Donnerstag, oder zusammen gezogen im g. L. Gründonnerstag, der Donners-Tag in der Charwoche, der in Oberdeutschland auch der hohe, und von den weißen Kleidern der Geistlichen in der römischen Kirche auch der weiße, in Niedersachsen aber der gute Donnerstag genannt wird, an welchem der gemeine Mann grüne Gartengewächse, als die Erstlinge des Frühlinges, zu essen pflegt.

Frisch vermuthet sehr wahrscheinlich, daß grün hier aus dem mittlern Lat. Carena, Fr. Carême, die Fasten, verderbet worden, woher auch die in vielen Gegenden der römischen Kirche übliche Benennung der krummen Mittwoche, der Mittwoche in der Charwoche, in welche sich Haltaus nicht zu finden weiß, ihren Ursprung haben kann; da denn alle erbauliche Erklärungen des Wortes grün von sich selbst wegfallen. Der Gebrauch an diesem Tage grünes Gemüse zu essen, kann, so wie der Lat. Nahme Dies viridium, aus Unwissenheit der wahren Abstammung entstanden seyn. Indessen verdient doch auch die vorige 4te Bedeutung mit in Betrachtung gezogen zu werden.

* * *

(Die grüne Farbe)

Die grüne Farbe ist eine von denjenigen Farben, welche sowohl die Natur als die Kunst hervor bringt, und die von Einigen unter die einfachen oder Haupt-Farben, von Andern aber, und zwar mit mehrerm Rechte, unter die zusammengesetzten oder Neben-Farben gerechnet wird. In dem Regenbogen findet man die grüne Farbe allezeit zwischen blau und gelb. Aber nicht hier allein, sondern auch in der ganzen Schöpfung, in allen drey Reichen der Natur auf unserer Erde kommt sie anders nicht zum Vorschein, sondern überall, wo man sie antrifft, muß schon vorher Blau und Gelb fertig vorhanden gewesen seyn.

(Unter den Metallen…)

Unter den Metallen scheint die grüne Farbe in dem Kupfer schon fertig vorhanden zu seyn, weil alle Kupferauflösungen grün aussehen. Allein Erstlich scheint die Farbe der Kupfersolution nur grün zu seyn, sie färbt aber nicht das mindeste vor sich, weder grün noch anders, mithin fehlt noch etwas dazu; denn das Kupfer hat nur die blauen Farbetheile zum Grünen, aber nicht die gelben; und daß sie grün aussieht, rührt nur von den dabey befindlichen vielen sauern Salzen her, welche die blaue Farbe grünlich machen. Soll diese Kupfersolution recht grün werden und grün färben, so muß noch eine Eisensolution dazu kommen, als welche die gelbe Farbe wirklich, so gut als die Kupfersolution die blaue, enthält. Zweytens muß vorher noch ein Laugensalz dazu kommen, ehe das Kupfer auch nur blau färbt; mithin enthält es weder die gelbe, noch die grüne Farbe, sondern nur die blaue.

Die grüne Farbe ist also weder in dem Kupfer, noch in allen andern Metallen, als eine fertige grüne Farbe, oder als eine einfache und Haupt-Farbe vorhanden, sondern überall, wo man sie in dem Metall-Reiche anzutreffen meint, sind es nur entweder blaue Farbetheile mit vielem sauern Salz vermischt, wie in dem Kupfer, oder gelbe Farbetheile, nähmlich Eisen-Theile mit Kupfertheilen vermischt, wodurch eine metallische oder mineralische Auflösung mehr oder weniger grün wird, je nachdem von einem oder dem andern Theile mehr oder weniger in der Mischung ist. Weil nun in dem Metall-Reiche die grüne Farbe nicht anders, als durch eine Vermischung von Eisen- und Kupfer-Theilen entsteht: so kann sie unmöglich eine gute feste und vollkommene Farbe werden, da weder das Eisen eine gute gelbe, noch das Kupfer eine gute blaue Farbe dazu liefert, sondern diese beyde Farben selbst schlecht genug sind, daß keine gute Farbe aus ihrer Vermischung entstehen kann.

(Mit den Fossilien…)

Mit den Fossilien hat es, in Ansehung der grünen Farbe, eben die Bewandtniß, wie mit den Metallen. Denn auch alle grüne Edelsteine haben eine metallische Kupfererde und ein saures Salz oder Eisentheile in ihrer Mischung; oder es können auch mit den Kupfertheilen solche verdünnte und geschwächte Goldtheile vermischt seyn, welche nur gelbe Farben geben, wovon die grüne Farbe entsteht. Von beyder Art aber ist diese grüne Farbe der Edelsteine keine feuerfeste Farbe, sondern, wenn mit den Kupfertheilen Eisentheile vermischt sind, so wird die Farbe entweder mehr blau oder gar weiß werden; sind hingegen Goldtheile damit vermischt, so wird die grüne Farbe entweder gelb oder gar roth werden. Die erstern werden dadurch weicher, und die letztern erlangen im Feuer mehr Härte. Die grünen Edelsteine sind in dieser Beschaffenheit schwerer, als die blauen und gelben, aber nicht so schwer, sondern leichter, als die rothen oder violetten. Sie sind allemahl durchsichtiger, als die ganz blauen.

Zu den grünen mineralischen Körpern gehören:

1) unter den Erdarten,

a) eine gewisse grüne Erde, oder Kreide, die von den Mahlern zum Mahlen in Oehlfarben und in Fresco gebraucht wird. Wallerius hält solche für ein zu Stauberde aufgelösetes Berggrün, worin ihm aber Pott widerspricht, weil durch keine chymische Proben etwas von einem Kupferwesen darin zu finden ist. Man hat davon zweyerley Gattungen; nähmlich die Veroner Erde, Fr. Terre verte de Verone, welche in Italien bey der Stadt Verona gefunden wird; und die gemeine grüne Erde, Terre verte commune, die an verschiedenen Orten, und unter andern auch in Frankreich, gefunden wird. Die erste von diesen beyden Gattungen muß recht grün und sehr steinig seyn; sie muß aber nicht inwendig Adern von ordentlicher Erde haben. Die zweyte ist desto besser, je mehr sie der ersten gleich kommt. Letztere ist gemeiniglich etwas fettig, löset sich nicht gut im Wasser auf, und muß daher wohl damit abgerieben werden, wenn man sie gebrauchen will. Sie gibt ein ziemlich helles Grün. Die von Verona, ist von mehrerer Consistenz, und gibt ein schönes Grün.

Man kann die grüne Erde sowohl unter Oehl, als auch unter Wasser, anwenden. Als Oehlfarbe gebraucht, verändert sich der Anstrich damit, auch in Luft und Wetter, im mindesten nicht, so lange der Glanz der Farbe dauert; und man kann darauf rechnen, daß sich dieser Glanz, wie bey andern fettigen thonartigen Farben, an 5 Jahre lang erhält. Bedient man sich ihrer als einer Wasser- oder Leimfarbe, (welches aber selten geschieht, weil sie keinen Anstrich von angenehmer Farbe darstellt): so bleibt ein solcher Anstrich, so lange derselbe an einem reinlichen und nicht feuchten Orte aufbewahret wird, ebenfalls unverändert.

b) Grüner Bolus.

c) Grüner Glimmersand.

d) Berggrün, Erdgrün, Schiefergrün, oder Steingrün, Gr. und L. Chrysocolla, Chrysocolla natiua fossilis s. metallica, Aerugo natiua terrea, Viride montanum, Ochra veneris, Fr. Verd de montagne, Verd d’Hongrie, ist eine Art eines natürlichen Kupfergrünen, oder natürlichen präcipitirten grünen Kupfers. Es ist von erdichter Consistenz, und von hellerer oder dunkler grüner Farbe. Es scheint dieses natürliche Product ein aufgelösetes Kupfer gewesen zu seyn, welches durch ein Alkali oder eine alkalische Erde präcipitirt worden ist. Bisweilen besteht ein Berg-Grün aus vielen erdichten Theilen mit präcipitirten Kupfertheilen vermischt; bisweilen aber sind auch weniger erdichte Theile dabey zu finden. Es kommt aus Ungarn und der Moldau. Wenn es hart und steinartig ist, und entweder an sich selbst schiefericht, oder mit einem schieferichten Gesteine vermischt, angetroffen wird, bekommt es den Nahmen Schiefergrün; dergleichen man in Toscana, bey Massa, wie auch in Meißen und an andern Orten findet. Es sind von dem Berggrün zwo Arten bekannt: die eine, welche aus der Erde gegraben wird, von welcher bisher geredet worden; und die andere, welche nachgemacht ist. Die erstere wird entweder eben so, wie sie in der Erde gefunden wird, gebraucht, oder vorher gewaschen. Dieses geschieht, wenn das Berggrün im Mörser gestoßen und mit Wasser abgewaschen wird, welches so oft wiederhohlet werden muß, bis das Pulver rein und hell geworden ist; alsdenn wird es an der Sonne getrocknet. Also zeigt sich z. B. bey Zellerfelde, im Ober-Harze, Berggrün mit Kupferkies vermengt.

In Tyrol werden aus dem in den Bergwerken: dem Falkenstein, Gingewechsel, Groß- und Klein-Kogel, Thierberge und Summerau, (welche im Innthale unter Schwatz hinunter im Kalkgebirge auf silberhaltigen Kupferfahlerzen getrieben werden,) vorkommenden blauen und grünen Ocher, die blauen und grünen Bergfarben fabricirt. Die Bergknappen sondern bey der Erzscheidung diejenigen kleinen Farbenstücke von dem Erze und dem tauben Gesteine, so viel es mit dem Scheidehammer geschehen kann, ab, und machen ein besonderes Scheidewerk daraus, welches ihnen bey der Erztheilung unter dem Nahmen Farben, vom Handel nach der Güte und Schönheit derselben bezahlet wird. Wenn eine gewisse Quantität dieser Farben zusammen gebracht ist, wird dieselbe an die Farbenmacher abgegeben, deren zwey vom Handel aufgenommen sind, und die demselben, theils für die Gerechtigkeit, die Farben fabriciren zu dürfen, theils für das Gebäude, worin die Farbenmühle errichtet ist, und welches ihnen der Handel zu ihren Arbeiten und ihrer Wohnung unentgeldlich überläßt und unterhält, die Farben vom Berge in einer höhern Taxe ablösen. Das Herabbringen von den Bergen, und Beyführen zur Farbenmühle, müssen die Farbenmacher auf ihre eigene Kosten besorgen. Das erste, was sie alsdenn in dem Farbenmühlhause anfangen, ist, daß sie die vom Berge erhaltenen rohen Farben durch enge Drahtsiebe durchlassen, um die dabey befindliche Kleine, welche sie Schlamm nennen, abzusondern. Alsdenn wird das Zurückgebliebene in ähnlichen Sieben über großen Zubern reinlich gewaschen, damit sich die Farben bey dem folgenden Scheiden um so deutlicher erkennen lassen. Bey diesem Waschen fällt wieder ein Schlamm ab, der nebst dem erstern aufbehalten wird.

Da die Rohfarben auf dem Berge unter einander gestürzet werden, und die meisten Stücke noch etwas vom Erze oder von einer Steinart bey sich haben, mit dessen Scheidung der Hauer sich nicht abgeben konnte, hiernächst auch zuweilen an demselben Stückchen blaue und grüne Kupferocher beysammen sitzen, so muß nothwendig eine reinere Scheidung von den Farbenmachern vorgenommen werden. Die gewaschenen Rohfarben werden in dieser Absicht auf Tische ausgeschüttet, und durch Weibspersonen und Kinder geschieden. Das Scheiden geschieht auf kleinen Scheidesteinen, die auf dem Tische liegen, und wird vermittelst eines 8 Zoll langen, und an 1 Z. breiten, an beyden Enden meisselförmig gestalteten Hammers, den sie Peckeisel nennen, verrichtet. Die Erz- und Steinarten werden hierbey sorgfältig abgepecket, und auch die blauen von den grünen Farbestückchen, so rein als möglich, abgesondert. Sie beobachten zugleich, daß unter die zur blauen Farbe bestimmten Stückchen nicht das mindeste von grünen gemischet werde, weil dieses der Schönheit der blauen Farbe nachtheilig seyn würde. Sie tragen aber kein Bedenken, die zur blauen Farbe untauglichen blaugemischten Stückchen zu denjenigen zu werfen, welche auf grüne Farbe manipuliret werden sollen, weil diese hierdurch nicht so leicht verdorben werden. Bey dieser Scheidung werden alle Stückchen, die zur blauen Farbe tauglich sind, in eine hölzerne Schüssel zusammen geworfen, und hernach wieder besonders überklaubet, um zweyerley Gattungen Steinwerk (so nennen sie ihre zur fernern Manipulation rein ausgeschiedene Farbestückchen,) nähmlich Hochbergblau-Steinwerk, und Mittelbergblau-Steinwerk, zu erhalten. Die Stückchen der Steinwerke erhalten die Größe kleiner Haselnüsse, oder sind auch kleiner.

Für die grünen Farben werden sogleich bey dem Scheiden drey Gattungen von Steinwerken gemacht. Die erste, und zugleich beste, ist das Malachitgrün-Steinwerk; die zweyte, das Oehlgrün-Steinwerk; (*) die dritte, das ordinäre Berggrün- oder Grundgrün-Steinwerk. Da die Roh-Farben, gedachter Maßen, oft noch mit Erzarten zusammen hängen, so werden diese bey der Scheidung fleißig gesammelt, und nebst dem Schlamme, der bey dem erstern Durchlassen, wie auch bey dem Waschen abgefallen ist, dem Handel zurück gegeben.

(*) Es versteht sich von selbst, daß alle blaue und grüne Bergfarben mit Oehl gebrauchet werden können. Es ist also die Benennung Oehlgrün nur angenommen, um den Unterschied der Schönheit der Farbe auszudrucken.

Wenn die Steinwerke gehörig sortiret sind, werden sie in die Mahlstube gebracht. In dieser sind zwey Mahlgänge eingerichtet, deren jeder aus zwey über einander gelegten Mühl-Steinen von grauem Granit besteht. Sie sind von 2 Schuh und einigen Zollen im Durchmesser. Der untere oder der Bodenstein, liegt unbeweglich. Der obere, oder der Läufer, wird wie bey einer Kornmühle herum bewegt. Ein Wasser-Rad setzt beyde Mahlgänge in Bewegung. An der Welle sind nähmlich zwey Kammräder angebracht, deren jedes in ein Getriebe eingreift, welches um eine eiserne Spindel befestigt ist, die den Umläufer trägt, und unten auf einem Balken (Steg) steht, welchen man heben und niederlassen, mithin die Mühl-Steine, nach Erforderniß, näher zusammen, oder weiter von einander bringen, auch, durch Aushebung der Spindel aus der Lagerpfanne, den einen Gang nach Belieben einstellen kann. Der Bodenstein hat eine etwas erhabene, und der Läufer eine vertiefte Fläche, die mit der convexen Fläche des Bodensteines dergestalt zusammen passet, daß der Zwischenraum zwischen beyden Flächen gegen den Mittelpunct etwas größer ist. Der Bodenstein ist mit einem hölzernen Granze (Zarge), welche bis an seine obere Fläche hinauf reicht, umgeben. Auf dieser hölzernen ist eine kupferne Zarge befestigt, die an den Boden sehr genau anschließt, und mit ihrer Höhe die Dicke des Läufers etwas übersteigt. Vorn ist an dieser kupfernen Zarge eine kurze, an 1 ½ Zoll breite, kupferne Rinne befindlich, durch welche die gemahlenen Farben heraus laufen können. Unter diese Rinne wird eine Wanne gesetzt, um die Farbe aufzufangen.

Das Mahlen selbst fängt mit dem schlechtesten oder ordinären Berggrün-Steinwerke an. Dieses wird in einer Wanne neben die Mühle hingesetzt, und, wenn der Läufer in Bewegung gebracht ist, mit einer Art von großem hölzernen Löffel (Gatze) nach und nach durch die Mittelöffnung des Läufers eingeschüttet. Ehe aber das Einschütten selbst geschieht, wird das Steinwerk in der Gatze mit reinem Wasser angefeuchtet. Das Benetzen geschieht unter dem Mahlen beständig, indem der Farbenmacher mit einem Schwamme so viel Wasser durch die Oeffnung des Läufers hinein drückt, als nöthig ist, daß das gemahlene Steinwerk durch die kupferne Rinne etwas flüssig heraus laufe(*). Bey diesem ersten Mahlen werden die Mühl-Steine, vermittelst des Steges, so weit von einander gehalten, daß das Steinwerk nur gebrochen werde.

(*) Dieses Hineinschütten, und Wassereindrücken, welches einen Menschen beständig erfordert, könnte füglicher durch einen Trichter, wie die Gosse bey einer Kornmühle, und durch eine kleine Wasserrinne geschehen.

Wenn das gebrochene Steinwerk in die vorgesetzte Wanne heraus gelaufen ist, wird es nach und nach in einen andern Handzuber geschöpfet, vieles Wasser darauf gegossen, mit einem Stocke stark umgerührt, und nach einigen Augenblicken, in denen sich die schwerern Theile zu Boden setzen, das trübe Wasser in den hierzu vorgerichteten Bottich abgegossen. Diese Arbeit wird das Schwemmen genannt. Dasjenige, was sich aus dem trüben Wasser bey diesem ersten Schwemmen setzt, wird, weil von dem schlechtesten Steinwerke bey dem ersten Mahlen, oder Brechen, meistens nur die demselben noch anhängenden Erz- und Bergarten abgesondert werden, zu dem Schlamm, welcher, gedachter Maßen, dem Handel zurück geliefert wird, geschüttet; das auf diese Art geschwemmte Stein-Werk hingegen wieder, wie das erste Mahl, auf die Mühle gebracht, und mit einer mehrern Annäherung der Mühlsteine naß gemahlen. Das Gemahlene wird alsdenn wieder in einen besondern Bottich hinein geschwemmet, und bey diesem Schwemmen das ordinäre Berggrün oder die Grundfarbe erzeuget. Die nach dem Schwemmen zurück gebliebenen schweren Theile werden wieder gemahlen und geschwemmet, und diese Arbeit wird so lange wiederhohlt, bis alles Steinwerk in die zartesten Theile gebracht, und zur Farbe gemacht worden ist. Nur werden, so wie das Mahlen mit dem nähmlichen Stein-Werke wiederhohlt wird, auch die Mühlsteine näher an einander gerückt, damit die Theile des Steinwerkes, welche nach einem jeden Mahlen kleiner ausfallen, von den Mühlsteinen ergriffen werden können.

So, wie das schlechteste oder ordinäre Berggrün-Stein-Werk behandelt wird, eben so verfährt man auch mit der zweyten und dritten Steinwerkgattung; nur mit dem Unterschiede, daß bey dem Oehlgrün-Steinwerke die Schwemmung nach dem ersten Mahlen, oder Brechen, nicht zum Schlamme, sondern zum ordinären Berggrün geschüttet wird. Bey dem besten oder dem Malachitgrün-Steinwerke, wird die Schwemmung nach dem ersten Mahlen, zu dem mittlern, oder Oehl-Grün, wenn es aber zu schlecht ist, zum ordin Berggrün, und alsdenn die Schwemmung nach dem zweyten Mahlen zum Oehl-Grün geschüttet. Ueberhaupt kommt das Sortieren der Farben bey den Schwemmungen auf das Ermessen des Farbenmachers an, welcher sich hüten muß, durch Beymischung einer schlechtern Gattung die bessere nicht zu verderben.

Wenn die in die sortierten Bottiche oder Wannen hinein geschwemmten Farben sich aus dem Wasser zu Boden gesetzt haben, wird dieses rein abgeschöpfet. Die Farbe wird alsdenn in jedem Bottich für sich unter einander gerührt, damit sie, wenn etwann ungleichfarbige Lagen sich gesetzt hätten, durchaus an Farbe gleich werde. Endlich werden die Farben heraus genommen, auf hölzernen Bretern, die, um das Hinabfallen der Farben zu verhindern, mit vorstehenden Leisten umgeben sind, an der Sonne getrocknet, und sodenn in Fässern verpacket.

Diese Farben werden in Wien, das Malachitgrün à lb, 32 Kreutzer; das Oehlgrün, à Ctn. 25 Fl. und das ordinäre Berggrün, à Ctn. 13 Fl. verkauft.

Hrn. Prof. Beckmann Beyträge zur Oekonomie etc. 2 Th. Götting. 1779, gr. 8. S. 192, fgg.

Die nachgemachte Art Berggrün, soll von dem echten, zu Pulver gestoßenen, Berggrün, welches in Essig gebeitzt, mit Alaun und andern Zusätzen vermischet worden, seinen Ursprung haben. Eine andere Zubereitung davon beschreibt Plinius, welcher sagt, daß es aus cyprischem Grünspan und Kinderurin mit zugesetztem Salpeter verfertigt werde; und diese Sorte hat den Nahmen Santerna erhalten.

Man gebraucht das Berggrün zur Leim- und Gummiwassermahlerey. Zur Oehlmahlerey taugt es nicht viel, weil es sehr nachfärbt.

Weil auch das beste Berggrün viel kalkartige Erde und wahren Gyps in sich enthält: so fällt der mit Oehl zubereitete Anstrich niemahls schön grün aus, sondern verwandelt sich gar bald in ein schmutziges gelbliches Grün. Steht ein solcher Anstrich nicht in freyer Luft, sondern innerhalb den Gebäuden, so ist in kurzer Zeit ganz und gar keine grüne Farbe mehr daran zu erkennen; sie wird vielmehr in ein unangenehmes Braun verwandelt. Das Berggrün ist also nun als eine Wasser- oder Leimfarbe zu gebrauchen; und auch dieser Gebrauch ist oft mit dem Uebel verknüpft, daß die zubereitete Farbe, indem sie aufgestrichen wird, sehr schäumet, daher man niemahls einen reinen glatten Anstrich erlangt.

JO. LAUR. BAUSCH de coerulco & chrysocolla. Jen. 1668, 8.

Ferner gehören zu den grünen mineralischen Körpern, welche die Natur hervor bringt, 2) unter den Steinarten: der grüne Kalkstein, verschiedene Arten von grünem Marmor und Spath, der Nierenstein, Jaspachat, grüne Jaspiß, verschiedene Arten von grünen Quarzen, der Smaragd, hellgrüne Chrysolith, grüne Talk, der Serpentinstein, grüne Schörl, grünliche Asbest, u. a. m. 3) Unter den Salz- und Erdarten: der grüne Vitriol, grüne Bergsalmiak, grüne Naphta, grünliche Bernstein. 4) Unter den Metallen und Halbmetallen: das grüngelbe Operment, Kupfergrün, grünliches Kupfererz, grünes Bleyerz, grünes Silberglas etc.

(In gem Pflanzenreiche…)

In dem Pflanzenreiche hat die grüne Farbe eben den Ursprung, wie in den Metallen. Es läßt sich aber in den Pflanzen noch besser finden und erklären, als in den Metallen. Die grüne Farbe ist in dem Pflanzen-Reiche so allgemein, daß gewißlich in allen Welttheilen unsers Erdbodens keine Pflanze angetroffen werden mag, welche nicht mit Grün bekleidet wäre. Diese Farbe ist auch die angenehmste und unschädlichste zu einem beständigen Anschauen für menschliche Augen. Eben diese Umstände zusammen genommen, sind vermuthlich die Hauptbewegungsgründe bey denen, welche die grüne Farbe unter die Hauptfarben rechnen. Denn die grüne Farbe im Regenbogen, oder in andern Lufterscheinungen, hat wirklich nicht so viel Grund vor sich, daß man sie um deswillen als eine Hauptfarbe annehmen könnte, sondern die allgemeine grüne Farbe des Pflanzenreiches hat vielmehr zu dieser Muthmaßung Gelegenheit geben müssen. So bald man aber genau untersucht hat, wie die grüne Farbe in den Pflanzen entsteht und hervorgebracht wird, so bald wird auch der Beweis da seyn, daß die grüne Farbe keine eigene, einfache, ursprüngliche Hauptfarbe, sondern nur eine vermischte, eine aus Blau und Gelb zusammengesetzte Farbe sey.

Alles, was wir in dem Pflanzenreiche aus der Erde hervor wachsen sehen, wird sich allemahl bey seiner Hervortretung nicht anders, als mehr oder weniger, stärker oder schwächer gelb zeigen, und erst alsdenn, wenn es eine Zeitlang an freyer Luft gestanden hat, wird diese gelbe Farbe durch die Wirkung des Natur-Salzes der Luft, und besonders seiner alkalischen Theile, grün. Je länger ein frisch aufgegangenes Gewächs in Gewächshäusern, oder unter anderer Bedeckung, vor der freyen Luft verwahret wird, je langsamer wird seine aus der Erde mitgebrachte gelbe Farbe grün werden. Selbst noch alle junge Schößlinge eines Baumes, alle Blüth- und Fruchtknospen kommen anfänglich nur gelb hervor, und werden auch erst nach und nach an der Luft grün.

Diese gelbe Farbe nun, welche alle Pflanzen als eine Universalfarbe mit einander gemein haben, und aus der Erde mit sich bringen, hat ihren Grund in brennbaren Theilen, welche theils schon in dem Samen und Keime stecken, theils durch die ersten Würzelchen aus der Erde, theils durch die Sonnenhitze von oben, theils durch das Acidum pingue der Luft, in dieselben eingeführt werden.

In dem Samen oder Keimen muß der Grundstoff zur gelben Farbe stecken; denn ohne diese elementarische brennbare Theile mit ihrem sauern Salze kann selbst weder Same, noch Samenskraft, Keim und Entwickelung desselben da seyn. Wenn nun der Same oder der Wurzelkeim einer Pflanze in die Erde kommt, und sich wiederum nur durch die Wirkung anziehender Kraft die ersten zarten Würzelchen daraus entwickeln, so suchen diese ebenfalls vornehmlich auch nur die schwächsten, am mehresten verdünnten und feinen elementarischen Theile zu ihrer Nahrung, weil sie die gröbern erdichten und metallischen Theile noch nicht einsaugen können. Es entsteht also daraus nur die gelbe Farbe. Wären die erstern Wurzeln einer Pflanze sogleich stark genug, die stärkern elementarischen brennbaren, oder die wirklichen metallischen Theile in sich zu ziehen, so würden alle Pflanzen, an statt der gelben, vielmehr die rothe Farbe mit sich auf die Welt bringen; da aber die schwachen Würzelchen auch nur eben so zarte und schwache Nahrung einsaugen, so kann daraus nur die gelbe Farbe erzeuget werden.

Diese gelbe Farbe setzt nicht nur geschwächte und verdünnte brennbare, sondern auch alkalische wässerige Theile voraus, weil beydes zur gelben Farbe nöthig ist. So bald nun auch die ersten über sich keimenden Theile der Pflanze mit ihrer gelben Unisorm aus der Erde hervor stächen, und nur wenige Stunden in freyer Luft gestanden, so wird sich diese gelbe Farbe durch das allgemeine Mittelsalz der Luft, vermittelst der Wirkung ihrer alkalischen Theile, in Grün verwandeln, weil sie den Stoff zur blauen Farbe etwas stärker enthalten, als er schon in den jungen aufkeimenden Theilen einer Pflanze selbst steckt; denn wäre er in diesen schon eben so stark als in der Luft, so würden alle Pflanzen zwar anfangs auch grün, aber gar bald vollends ganz blau werden, so wie man dieses in der Folge, da die Pflanzen stärkere alkalische Theile einziehen, an vielen Blumen und Früchten derselben findet, daß sie nach und nach ganz blau werden. Denn, je mehrere und stärkere alkalische Theile das allgemeine Salz der Natur in einem Körper antrifft, desto stärker wirkt es auch, zur Entwickelung der blauen Farbe, darauf.

In so fern nun eine jede Pflanze, vermittelst verdünneter, geschwächter elementarischer Theile, zuerst eine gelbe Farbe haben muß, so muß sie hernach eben so nothwendig durch die Wirkung des allgemeinen Luft-Salzes grün werden; und dieses gibt sogleich den Beweis ab, daß die grüne Farbe keine ganz einfache, mithin auch keine ursprüngliche Hauptfarbe, sondern eine aus Blau und Gelb zusammengesetzte Farbe sey.

So wie nun eine Pflanze in ihrem Wachsthum mehr oder weniger brennbare Theile und saures Salz aus der Erde in sich zieht, und mithin ihre gelbe Farbe dadurch stärker oder schwächer wird, eben so wird sie hernach auch durch die Wirkung der Luft eine dunklere oder hellere grüne Farbe bekommen; denn auf eine schwache gelbe Farbe, welche mehr wässerige als brennbare Theile voraus setzt, kann das allgemeine Luftsalz ein stärkeres Blau ansetzen, mithin wird auch die grüne Farbe der Pflanzen dadurch nicht nur dunkler, sondern in dieser Pflanze werden die blauen Farbetheile so stark erzeuget, daß man mit Nutzen die blaue Farbe davon heraus ziehen kann; und umgekehrt, wenn die gelbfärbenden Theile einer Pflanze mächtig sind, so ist es ein Zeichen, daß sie viel brennbare Theile hat, worauf das allgemeine Luftsalz keine so starke grüne Farbe ansetzen kann, sondern das Luftsauer wirkt darauf stärker als das Alkali; mithin taugt auch eine solche Pflanze nicht zur blauen, sondern nur zur gelben Farbe.

Ferner kommt es hierbey auch darauf an, ob die gelben Farben der Pflanzen bey ihrer Erstarkung entweder metallische Gold- oder Eisen-Theile in sich nehmen. Sind es Eisentheile ohne Beymischung vieler alkalischen Salze, so wird die gelbe Farbe einer Pflanze nur schwach davon werden, und also auch durch die Wirkung der Luft eine desto dunklere grüne Farbe annehmen, die mehr stahlblau als grün ist. Sind hingegen diese Eisentheile mit vielem alkalischen Salze verbunden, so wird die gelbe Farbe desto stärker seyn und in das Braune fallen; es kann also auch in der Luft kein so schönes dunkles Grün geben, sondern wenn auch die Farbe dunkel wird, so sieht sie doch mehr olivengrün, als schön dunkelgrün, aus. Hat aber eine Pflanze ihre gelbe Farbe von in sich genommenen Gold-Theilen, und ist dabey mit sauern Salzen verbunden, so wird das Luftsalz nur ein Hellgrün darauf erzeugen, welches mehr gelb, als grün, aussieht. Oder, sind diese Goldtheile noch mit alkalischen Salzen vermischt, aber nur schwach in einer Pflanze vorhanden, mithin die gelbe Farbe nur ganz hell, so gibt es durch den Einfluß der Luft, das schönste Dunkelgrün; und ist von mehrern Goldtheilen die gelbe Farbe stärker, so erzeugt die Luft darauf ein schönes Mittelgrün, worin die gelbe Farbe sehr merklich hervor sticht.

Ueberhaupt wird die grüne Farbe einer Pflanze, deren gelber Grund von Eisentheilen herrührt, sie möge dunkel oder hell erscheinen, allemahl kein recht schönes, sondern ein trübes, mattes, finsteres Grün seyn, indem das Eisen auch kein schönes, angenehmes Gelb gibt, mithin die grüne Farbe davon eben so wenig schön werden kann; da hingegen die grüne Farbe, welche einen gelben Goldgrund hat, sie sey dunkel oder hell, allemahl eine angenehme und liebliche grüne Farbe ist, weil auch diese gelbe Farbe des Goldes weit angenehmer und schöner, als jene, ist.

So wie alle Pflanzen bey ihrer Entstehung eine gelbe Farbe aus der Erde mitbringen, eben so werden sie auch allesammt im Alter, und bey dem Vertrocknen ihrer Säfte, wieder gelb. Dieses geschieht entweder, wenn die Säfte der Pflanzen bey angehendem Herbste und mit Anbruch des Winters zurück treten, und das Gras, die Blätter, und alle grüne Theile der Pflanzen vertrocknen, verwelken und abfallen, und zwar eben nur aus Mangel des Nahrungsaftes, wobey und in welchem Zustande sie ihre grüne Farbe verlieren, weil das allgemeine Luftsalz mit seinen alkalischen Theilen nicht mehr darauf wirken kann, und also mehr oder weniger gelb, oder gar roth werden, je nachdem eine Pflanze mehr oder weniger saure Salze in sich enthielt.

Oder, es kann auch eine Pflanze durch einen besondern Zufall mitten in ihrem Wachsthum entweder durch allzu starke Sonnenhitze, durch Verletzung von Insecten, oder durch Menschenhände, ihrer Säfte beraubet werden, da sie vor der Zeit vertrocknet und verdorret, und alsdenn ihre grüne Farbe ebenfalls verliert, und entweder gelb oder roth wird, weil eben so bald, als der Zufluß frischer Nahrungssäfte aufhört, auch die Wirkung des Luftsalzes zur Hervorbringung der blauen oder grünen Farbe aufhört.

Eben zu der Zeit, wenn die Pflanzen ihre grüne Farbe verlieren, und ihre Blätter im Abfallen, oder auch noch an den Pflanzen selbst, gelb oder roth werden, kann man den Ursprung ihrer gelben Farbe sogleich erkennen; denn je röther die Blätter solcher dürren Pflanzen werden, desto mehr saures Salz enthalten sie, und desto gewisser ist es, daß ihre gelbe oder rothe Farbe von einem feinen Brennbaren, oder von metallischen Goldtheilen herrührt; je blasser gelb sie aber im Vertrocknen werden, oder wenn sie mehr braun als roth werden, desto weniger saures Salz haben sie, oder desto gewisser entspringt ihre gelbe Farbe von den unreinen brennbaren, metallischen Eisentheilen.

Bey dieser Beobachtung muß man nicht auf ein einziges dürres Blatt einer Pflanze sehen, sondern warten, bis die ganze Pflanze im Vertrocknen und Verdorren ihrer Blätter begriffen ist, und den Unterschied dabey in Acht nehmen, ob eine Pflanze ganz an der Sonne, oder nur zum Theil, oder ob sie meistens im Schatten steht.

Wenn viele Pflanzen ihre grüne Farbe den Winter über behalten, und gleichsam immer grün sind: so ist es ein Zeichen, daß sie sehr viel harziges Wesen bey sich haben, mithin ihre Säfte länger behalten, weil sie, da sie weniger wässerig sind, nicht so schnell ausdünsten, als die Säfte anderer Pflanzen, welche mehr wässerig und flüssig sind. So bald aber dennoch im Frühlinge der neu eintretende Saft auch neue und frische Blätter austreibt, so müssen die alten doch vertrocknen und abfallen, da sie, wie die Blätter anderer Pflanzen, alsdenn ebenfalls ihre grüne Farbe verlieren und gelb werden.

Kurz, zur Hervorbringung der grünen Farbe in den Pflanzen, werden Licht, Luft und Wasser erfordert. Allen Gewächsen, denn das Sonnenlicht entzogen wird, fehlt die grüne Farbe. Gebundene Endivien, das Inwendige des Kopfkohles, und alle Pflanzenarten, welche im Keller ohne Sonnenlicht gezogen werden, sind weiß, oder höchstens gelblich. Frische Luft ist zur Erzeugung dieser grünen Farbe gleichfalls nöthig. Wenn man ein Gefäß mit Wasser so stellet, daß dessen Mündung durch Queck-Silber geht, und folglich die Luft davon ausgeschlossen wird, so erzeugt sich in diesem kein Staub-Aftermos (Byssus botryoides), wenn gleich das Gefäß dem Sonnenlichte ausgesetzt ist; in freyer Luft hingegen fängt diese Gattung des Moses jederzeit an, im Wasser zu wachsen. Endlich ist auch Wasser, oder wenigstens etwas Feuchtigkeit zur Hervorbringung der grünen Farbe nöthig; denn bey großer Dürre wird das Laub aller Pflanzen und Bäume, und alles Gras, seiner schönen grünen Farbe beraubt.

Pflanzen, deren Blätter von dem Einflusse des Sonnenlichtes ausgeschlossen, und daher nicht grün, sondern, wie es die Gärtner nennen, gebleicht sind, haben wenig oder gar keinen Geschmack. Im Schatten gewachsene Früchte sind unschmackhaft, oder, wie man es gemeiniglich nennt, grasicht. Weißer Endiviensalat hat das eigenthümliche Bittere verloren, welches der grüne in so vorzüglichem Grade besitzt; und eben dieses gilt von den jungen Blättern des Löwenzahnes (Taraxacum), wenn man sie aus den Maulwurfs-Haufen ausgräbt, ehe sie an die Luft gekommen sind. Je grüner ein Blatt ist, desto stärker ist dessen Geschmack, dieser mag nun nach seiner Art noch so viel eigenthümliches haben, nähmlich sauer, scharf, bitter, salzig etc. seyn. Hieraus läßt sich mit aller Wahrscheinlichkeit folgern, daß der grüne Theil in Blättern hauptsächlich die Ursache des Geschmackes sey; und aus diesem Satze folgt zugleich, daß diese grüne Theile den Salztheilchen ähnlich seyn müssen, indem sie auf der Zunge und ihren Nerven eine Empfindung verursachen.

Ueber die Entstehung der grünen Farbe in den Pflanzen, verdient auch Hrn. D. Forster’s Erklärung, im 2 St. des 1 Jahrg. des Götting. Magaz. der Wissensch. und Litteratur, 1780, 8. S. 195, gelesen zu werden.

(In dem Thierreiche…)

In dem Thierreiche findet sich die grüne Farbe nirgends sichtbar, als an den Federn der Vögel. Man wird aber doch allemahl ihre Entstehung leicht entdecken können; denn die blaue sowohl als die gelbe Farbe werden selten weit davon, sondern immer auch noch darneben angetroffen werden. Wäre aber auch ein Vogel, oder ein anderes lebendiges Thier, wirklich durchaus grün, so ist diese Farbe doch nicht anders daran entstanden, als durch Zusammenkunft von Blau und Gelb; ja, die Federn eines solchen grünen Vogels sind gewiß nicht grün mit ihm auf die Welt gekommen. Die ersten Stupfelhaare eines jeden Vogels sind, bey seinem Ausschlupfen aus dem Ey, mehr oder weniger gelb, sie mögen hernach Farben bekommen, welche sie wollen; mithin liegt der erste Grundstoff zur gelben Farbe schon in dem jungen Vogel, und das Grüne seiner Federn entsteht alsdenn erst durch die Wirkung der Luft.

(Die Kunst erzeugt…)

Die Kunst erzeugt die grüne Farbe theils auf eine einfache Art, theils durch Zusammensetzung zweyer färbenden Körper. Das erste geschieht z. E. bey der Verfertigung des Vitriols aus dem Eisen; in der Bereitung des Grünspanes; des Blasen- oder Saftgrünen aus den reifen Beeren des purgierenden Wegedornes oder Kreutzdornes (Rhamnus catharticus L.), oder aus den Blumen des gemeinen Schwertels (Iris Linn), welches letztere Liliengrün genannt wird; des Schüttgrünen, aus dem Birkenlaube, s. Th. V. Pfeil-IconS. 374. Das letzte hingegen geschieht durch Vermischung blauer und gelber Färbematerialien, nach deren Verhältniß zu einander, verschiedene Arten oder Schattierungen des Grünen entstehen, welche man nach der Aehnlichkeit, den diese Farben mit den Sachen haben, von denen sie ihren Nahmen erhalten, benannt hat. Davon sind folgende die vornehmsten: Aenten- oder Aentenflügel-Grün, Verd canard, Verd d’ailes de canard; Apfel-Grün, Verd de pomme, so der Farbe einiger Aepfel gleicht, und eine Mittelfarbe zwischen Nelkengrün und Seladon ist; Blaßgrün, Verd naissant; Braun- oder Dunkelgrün, Verd brun, ein Grün, welches in das Schwarze fällt; wie es denn auch, wenn man es recht braun oder dunkel haben will, damit vermischet wird; Gelbgrün, Verd jaune; Glasgrün, dem gemeinen grünlichen Fensterglase an Farbe gleich; Grasgrün, L. Color prasinus, Fr. Verd d’herbe, Verd de pré, der hochgrünen Farbe des gemeinen Grases gleich, wenn es im Frühlinge hervor wächst; Hell- Licht- oder Smaragdgrün, Verd gai, die lebhafte und angenehme Farbe, die derjenigen gleich ist, welche die Blätter der Bäume im Frühlinge haben; Kohl-Grün, Verd de chou; Lorbeergrün, Verd de laurier; Meergrün, Seladongrün, Céladon, Verd de mer, der Farbe, welche das Meer, wenn man es von weitem ansieht, zu haben scheint, gleich oder ähnlich ist; sie fällt etwas in das Blaue, oder ist, wie man nach der Färbersprache sich ausdruckt, mehr gewaschen als das Hellgrün; Nelkengrün; Oliven-Grün, Verd d’olives, die lichte, bräunlich grüne Farbe der Oliven oder Oehlbeeren, welche aus einem lichten Zeisiggrün und einem etwas röthlichen Braun vermischt ist; Papagey- oder Sittichgrün, Verd de perroquet; Stahlgrün, Verd motequin.

(Die Färbermaterialien…)

Die Färbematerialien, die zu Verfertigung dieser verschiedenen Schattierungen von Grün gebrauchet werden, sind, nach Verschiedenheit der Künstler und Professionen, imgleichen der Sachen, denen die grüne Farbe und deren verschiedene Gattungen gegeben werden sollen, ebenfalls sehr verschieden.

Die Mahler und Lackierer bedienen sich, zu ihren Gemählden und Anstrichen, des Grünspanes, des Berggrünen, der gemeinen und der veroner grünen Erde, des Saftgrünes, imgleichen eines aus blau- und gelbfärbenden Materialien (als Indig, Waidblumen oder Pastel, Berlinerblau, Oehl- oder Stärkblau, Bergblau, Ultramarin, Schüttgelb, Gummigutt, Bleygelb, Operment, Ranschgelb, lichtem Ocher, gelbem Lack, oder neapolitanisch Gelb u. a. m.) vermischten Grünen, da denn, nach Verschiedenheit dieser Vermischungen, ebenfalls verschiedene Schattierungen von Grün entstehen, die alle gelb erhöhet, und mit Blau vertiefet werden können.

Zu diesen Färbematerialien gehören auch das Braunschweigische Grün, der Herren Gebrüder Gravenhorst, von welchem unten ein besonderer Artikel folgt; und das Peinische Grün. Letzteres hat der Chymicus, Hr. Pabytzky, in Peina im Bißthum Hildesheim, erfunden, und er versichert von demselben, in einem Schreiben v. 3 Jul. 1768, (welches im 2 St. des allgem. Harzmagazins, Blankenb. 1768, 8. S. 115–118, abgedruckt ist,) daß es nach vielen angestellten Proben davon, dem braunschweigischen Grün in allen Tugenden gleich komme. Er verkaufe dasselbe, das Pfund für 16 Ggr.

(Die besten und dauerhaftesten grünen Farben für die Mahler und Anstreicher…)

Die besten und dauerhaftesten grünen Farben für die Mahler und Anstreicher, werden aus blauen oder Kupfer-Vitriol verfertigt. Das Kupfer wird von mineralischen sowohl als Pflanzen-Säuren angegriffen und aufgelöset; letztere aber zerstören das brennbare Wesen des Kupfers bey weitem nicht so sehr, wie jene. In dem Kupfer ist von Natur eine Erde befindlich, welche eine blaue Farbe hat, und durch eine andere beygemischte Erde grün erscheint, die sich auch in dem stärksten Feuer grün zeigt, sich aber mehr oder weniger entwickelt, nachdem das brennbare Wesen mehr oder weniger vom Kupfer geschieden worden. Wird das brennbare Wesen nur zum Theil geschieden, wie durch den Essig, oder durch jede andere Pflanzensäure geschieht, so kommt zwar die grüne Farbe des Kupfers zum Vorschein; allein, sie ist nicht beständig, indem, wenn sie an der Luft steht, das bey ihr befindliche brennbare Wesen sich entwickelt, wodurch die Farbe erst dunkel wird, alsdenn aber eine braune und schmutzige Gestalt annimmt. Die mineralischen Säuren hingegen zerstören das brennbare Wesen des Kupfers, welches zu seiner metallischen Gestalt erfordert wird, ganz und gar, und machen die blaue oder grüne Erde desselben offenbar, wie man an den Auflösungen mit Vitriol, Salpeter- und Salz-Säure sehen kann. Da es nun gewiß ist, daß bey diesen Auflösungen, vornehmlich denen, welche mit dem Vitriol- und Salpeter-Säuren gemacht worden, das Kupfer sein brennbares Wesen verloren hat; da es ferner gewiß ist, daß das bey den grünen Kupferfarben noch befindliche brennbare Wesen dieselben mit der Zeit unscheinbar macht, bey denjenigen grünen Kupferfarben hingegen, welche durch das Vitriol- oder Salpeter-Sauer erhalten worden, kein brennbares Wesen zu finden ist: so folgt daraus, daß, wer eine echte grüne Farbe haben will, sich dieser Auflösungen bedienen müsse. Folgende Versuche werden einem Jeden gute und brauchbare Producte verschaffen.

1. Man nehme eine beliebige Quantität blauen Vitriol, löse denselben in einer hinlänglichen Quantität reinen Wassers auf, und gieße nach und nach eine mit guter Pottasche gemachte reine Solution so lange hinzu, bis nach dem Umrühren von der Pottaschensolution kein Aufwallen mehr erfolgt. Es wird ein Präcipitat entstehen. Man seihe alles durch, und trockne es an der Luft, so wird man eine grüne Farbe bekommen, welche sich mit Bleyweiß vermischen und in Oehl setzen läßt. Eben diese grüne Farbe, mit Fritte zu Glas geschmolzen, gibt sehr schöne smaragdgrüne Gläser.

2. Man nehme ferner 4 Theile blauen Vitriol, und 1 oder auch 2 Theile Alaun; löse dieses in einer hinlänglichen Quantität Wasser auf, gieße eine reine Pottaschensolution so lange hinein, bis fast kein Aufwallen mehr erfolgt, seihe alles durch, und trockne es an der Luft: so wird man eine sehr schöne grüne Farbe erhalten, welche sich mit Bleyweiß und Oehl vermischen läßt, auch mit Fritte zu Glas geschmolzen, ein schönes grünes Glas gibt.

3. Man nehme 4 bis 6 Loth blauen Vitriol, löse ihn in einer hinlänglichen Quantität Wasser auf, thue alsdenn einen Theil geschlemmten weißen Töpferthon hinzu, rühre es wohl durch einander, und gieße sogleich etwas von einer Pottaschenauflösung dazu; rühre es gut durch einander; gieße, wenn das Aufwallen vorbey ist, wieder etwas von der Pottaschenauflösung hinein, und wiederhohle dieses so oft, bis kein Aufwallen mehr erfolgt, und die ganze Masse eine grünlichblaue Farbe hat. Man lasse es 24 Stunden ruhig stehen, gieße die darüber stehende Feuchtigkeit ab, und trockne den Satz an der Luft: so wird man eine grüne Farbe erhalten, welche sich, wie die vorhergehenden, mit Bley-Weiß und Oehl vermischen, auch mit Fritte zu einem grünen Glase schmelzen läßt. Bey dieser Farbe darf man nicht allemahl den Punct der Sättigung beobachten; denn man erhält auch eine grüne Farbe, wenn nur etwas von einer Pottaschensolution dazu gegossen wird; doch sind die Farben alsdenn in der Höhe verschieden.

4. Man nehme 4 Theile blauen Vitriol, löse ihn in einer hinlänglichen Menge Wasser auf, setze 1 Theil gelöschten weißen und an der Luft getrockneten Kalk hinzu, rühre alles durch einander, gieße alsdenn etwas von einer Pottaschensolution dazu, und verfahre auf vorerwähnte Art; nur muß man bey Bereitung dieser Farbe nicht den völligen Punct der Sättigung, oder wenigstens denselben sehr behutsam, beobachten. Das Product hiervon ist eine vortreffliche Wasserfarbe; sie sieht sehr schön aus, und läßt sich auf Kalk und Gyps verbrauchen. Sie bleibt an der Luft unverändert.

5. Eben so bekommt man auch eine schöne Farbe, wenn man, an statt Kalk, Gyps nimmt, und wie mit voriger verfährt. Diese beyde Farben lassen sich allein mit Oehl nicht verarbeiten, können aber als Wasser-Farben auf Kalk- und Gypswänden sehr wohl gebraucht werden.

49 St. des Leipz. Int. Bl. v. J. 1768, S. 518.

Hr. C. W. Scheele in Schweden erhielt ein schönes grünes Präcipitat, als er die Auflösung des Kupfervitrioles mit der arsenikalischen Leber vermischte. Er hat diese grüne Farbe, mit Oehlfirniß gemischt, auf ein Bret gestrichen; und er hat nach drey Jahren nicht die geringste Veränderung an ihrer Grüne, welche der vegetabilischen nahe kommt, bemerkt. Zu Wasserfarben ist dieses Product ebenfalls dienlich. Man nimmt in dieser Absicht 2 Pfund Kupfervitriol, solvirt ihn in 5 bis 6 Kannen reinen Wassers, welches entweder über Feuer oder auch nur in der Kälte geschehen kann. Alsdenn werden in einem andern Kessel 2 Pfund weiße trockene Pottasche, und 22 Loth fein geriebener Arsenik, mit 2 Kannen Wasser über dem Feuer aufgelöset. Wenn dieses geschehen ist, läßt man die Lauge durch eine Leinwand laufen, und mischet solche, unter starkem Umrühren, zu der vorigen Kupfer-Solution. Der Kessel, in welchem diese Mischung vorgenommen wird, muß ziemlich groß seyn, weil hierbey ein Aufbrausen entsteht. Man läßt es einige Stunden stehen, gießt es sodenn durch ein Tuch, und schlägt noch einige Mahl warmes Wasser darauf, um das Präcipitat wohl abzusüßen, welches hernach in gelinder Wärme getrocknet wird. Von der angegebenen Quantität erhält man 1 Pfund und 13 Loth grüne Farbe.

Im 52 St. des Leipz. Int. Bl. v. J. 1768, S. 550, f. werden folgende Arten der Bereitung einer dauerhaften, den Grünspan übertreffenden, grünen Farbe gelehrt.

1. Man nimmt 2 lb blauen cyprischen Vitriol, löset ihn in 5 bis 6 lb siedendem Wasser völlig auf, vermischt ihn mit ¾ lb feingeriebener Kreide zu einem Brey, und läßt ihn trocknen. Hierdurch erlangt man einen schönen grünen dauerhaften Kalk, welcher nach und nach immer grüner wird. Nimmt man hierzu die Hälfte Kreide, so wird diese Farbe hellgrüner, und dennoch schön. Es geht auch mit weißem calcinirten Fraueneise, alkalischem Spathe und Gypse an; jedoch behält die Kreide dabey einen Vorzug.

Nimmt man aber, 2. an statt der Kreide, weißgebrannten, an der Luft zerfallenen Kalk, und verfährt damit auf vorgedachte Art, so erhält man einen blau-graulichen Kalk, welcher noch dunkler wird, wenn man nur den vierten Theil Kalk dazu nimmt. Es geht auch mit weiß gelöschtem Kalk an. Wenn man diesen hierauf mit Wasser verdünnet, und weiße Wände oder Mauern damit anstreicht, stellt er eine schöne beständige grüne Farbe dar. Reibet man aber den bläulichen trocknen Kalk mit Firniß klar, und streicht ihn zu 2 oder 3 verschiedenen Mahlen auf Holz oder Steine, so zeigt er anfangs eine blaue Farbe, welche sich aber nach und nach in eine meer- und endlich dunkel grasgrüne verändert, welche man nach Belieben mit Zusatze von etwas Bleyweiß lichter machen kann.

Das 3te dem feinen Grünspan ähnliche Grün wird erlangt, wenn man z. E. 1 lb gefeiltes Messing, so wie man solches bey den Nadlern kauft, und welches rein ohne Eisen ist, mit dem 4ten Theil Salmiak, (wozu der braunschweigische vorzüglich ist,) welcher mit 16 Loth siedenden Wasser aufgelöset ist, einen Brey macht, und diesen sofort, ehe er sich erhitzet, etwann eines Messerrückens dick, auf ein kupfernes Blech streicht. Auf diese Art erhält man sogleich einen Grünspan, indem die Salzsäure im Salmiak losgeht, sich von dem Urinoso trennt, und in das Messing greift. Beyde corrodiren dieses augenblicklich zum bläulichgrünen Kalke, und das Urinosum geht mit dem flüchtigsten Geruche davon. Man muß dabey die Vorsicht gebrauchen, daß man gedachten Brey auf einem Haufen sich nicht erhitzen lasse, weil dabey das Messing sogleich zu einem grünbräunlichen Kalke zerfressen und unscheinbar wird. Ist aber dieser Fehler erfolgt, so kann man ihm helfen, wenn man diesen Kalk in ein Pulver bringt, und aufs neue mit auf gelösetem Salmiak zu einem dicken Brey machet, und sofort dünn auf ein Blech streicht. Das gefeilte Kupfer hat hierbey einen Vorzug. Diese grüne Farbe, wenn sie mit der zweyten bläulichen vermischet wird, wird desto schöner grasgrün und beständig.

Zum Illuminiren, und bey Verfertigung der Grundrisse, gebraucht man entweder Grünspan, Berggrün, grüne Erde, oder Saftgrün. Man thut destillierten Grünspan in ein Schälchen, und gießt so viel Weinessig darüber, daß der Grünspan kaum bedecket wird, da denn der Essig in wenig Stunden zu einer grünen Farbe wird, welche, wenn sie auf einem etwas warmen Ofen, oder im Sommer an der Sonne steht, immer besser wird. Noch schöner, dauerhafter und zum Gebrauche bequemer wird diese Farbe, wenn man, dem Gewichte nach, 8 Theile Wasser, 2 Theile destillierten Grünspan, und 1 Th. gestoßenen Wein-Stein; oder 1 Löffel voll Fluß- oder Regen-Wasser (welches 1 Loth wiegt), ½ Quent destill. Grünspan, und ¼ Quent gestoßenen Weinstein, in ein Fläschchen thut, und an einem etwas warmen Orte stehen läßt, woraus ein bläulich-grün entsteht, welches die Ingenieur bey Festungsrissen, zu Anlegung der Wassergräben gern brauchen, und Couleur d’ eau nennen, und welches auch in der Civilarchitectur bey farbigen Rissen, zu Anlegung der Fenster; bey geometrischen Rissen, zu Anlegung der Wiesen; bey Gartenrissen, zu Unterlegung der Beete und Blumenstücke, sich gut anwenden läßt. Je älter dieses Wasser wird, desto schöner ist es; daher diejenigen, welche viel zu zeichnen haben, wohl thun, wenn sie einen starken Vorrath ansetzen. Der in den Muscheln eingetrocknete Grünspan kann mit diesem Wasser aufgelöset werden; er wird alsdenn viel schöner, und sehr bald flüssig. Saftgrün gibt bisweilen eine schlechte grüne Farbe ab, weil sie gemeiniglich sehr verschießt; wenn es aber gut ist, läßt es sich mit gemeinem Wasser auflösen, und zu recht machen. Berggrün und grüne Erde werden mit Wasser tüchtig abgerieben, und mit Gummiwasser angemacht. Die grüne Tusche, wenn sie eingerieben ist, thut auch gute Dienste. Gummigutt unter Grün-Span gibt ein Seladongrün, und Gummigutt unter Berlinerblau eine dunkelgrüne Farbe.

Eine grüne Farbe zum Emailmahlen, siehe Th. X, S. 778.
  –          –          –      zum Frescomahlen, siehe Th. XV, S. 12.

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