Kunckel 1696/II

[Johannes Kunckel ?], Kunst- und Werck-Schule, Anderer Theil, Darinnen zu erlernen allerhand schöne bewährte Lac- Spick- Terpentin- und Oel-Fürnisse, ungemeine bunte schöne Holz-Arbeiten, allerhand Farben, Holtz-Beitzungen, fürtrefflich- erdencklichen Verguldung- und Versilberungen auf allerley Dinge, Holtz und andere Dinge in Formen zu giesen, schönen Helffen- und andern Bein- und Horn-Arbeiten, allerley erdenckliche Kätten und Leimen zu vielerley Sachen. Item, von schönen Corallen-Arbeiten, das Türckische Papier auf unterschiedliche Arten, sampt andern curiösen Papier-Künsten, und Bildereyen, vond er Radir- und Zeichen-Kunst, allerhand schöne Marmor-Künste und Arbeiten, das Sips- und Hausenblasen-Giesen, von schöner und bunter Leinwad Taffet-Tuch- und Leder- Wichsung, das Pergament von allerley Farben schön durchsichtig zu bereiten, und endlich von allerley Farben schön und wohlriechend Siegel-Lack zu machen. Alles durch langwierige Erfahrung, auch aus bewährten Authoribus mit groser Mühe, Fleiß und Unkosten zusammen verfasset, und aus Liebe mitgetheilet Von Einem sonderbaren Liebhaber natürlicher Künste und Wissenschafften, Nürnberg [Johann Zieger] 1696.


pp. 125–128

CAP. III.
Allerhand Mahler-Farben
zubereiten.

1. Erstlichen von Ultramanien.

Man nimmt von Lasurstein die blauen Stückgen/ welche zu Venedig häuffig/ und im geringen Preiß vor diesem zu Kauf gewese. Solche in einen Tiegel bey einen Kohl-Feuer gecalciniret, werden also glänkend/ mit zweymahliger Wiederholung ins kalte Wasser geworffen/ und auf einen Reibstein zu einen dünnen und fast unbegreifflichen Pulver zerrieben.

Herrnach nimmt man Dannen Hartz/ schwartz Pech/ neu Wachs/ Mastix/ Terpentin/ von jedwedern 6 Loth/ Weyrauch und Leindl/ jedes 2 Loth. Dieses alles lasset man in einen irrdenen Gefäß/ bey einen gelinden Feuer wohl zergehen/ rührete mit einem Rühr-Holz damit sie sich wohl vereinigen/ hernuw/ rühret es nach solchen in ein kaltes Wasser/ und hebets zum Gebrauch auf.

Nach diesen nimmt man zu jeden lb. des abgepulverten Lasursteins 20 Loth/ von der Massa aussgedachten Speciebus componirt; solche Massam lasset man bey gelinden Feuer, in einem Töpfgen gemach zerfliesen/ strevet das Lasurstein-Pulver nach und nach hinein/ und rührets/ damit sichs recht incorporire wohl herum: Diese Materia nach dem sich es alles wohl mit einander vereiniget/ wird alsdann in ein Gefäß voll kaltes Wasser geschüttet/ und eines oder mehr runde oder länglichte Zeltlein daraus formiret; man muß aber die Hände mit Leinsöl bestreichen; die Küchlein oder Zeltlein/ lasset man noch 15 Tage in den kalten Wasser liegen/ und verändert das Wasser allezeit über den andern Tage.

Diese Zeltlein leget man hernach in ein reines verglasurtes und irdenes Geschirr/ und gieset warmes Wasser darüber; dieses wann es erkaltet/ gieset man ab/ und an dessen Statt ein anders warmes darüber/ solches wird so lange wiederholet/ biß die Zeldlein in Wasser zergehen/ so wird sich die Farbe hervor thun/ und das Wasser ganz blau/ wie Korne-Blumen-farb werden.

Diese gefärbte Wasser/ schüttet man in einem verglasurten und reinen Topf/ und gieset über die Zeltlein von neuen ein warmes Wasser; dieses wann es gefärbet/ wird/ wie zuvor durch enges Sieb abgegoffen/ und so lange wiederholet/ biß sich das Wasser nicht mehr färben will.

Jedoch ist allhier zu mercken/ daß das Wasser nicht gar zu heiß/ sondern nur laulicht seyn solle; dann es wird sonsten solche Farbe/ für groser Hitze schwartz. Derowegen ist solches wohl in acht zunehmen/ dieweiln daran gar viel gelegen ist. Diese gefärbte Wasser/ durch ein enges Sieb gegossen/ haben oben auf einige Fettigkeit schwimmen/ darum lasset man es 24 Stunde ruhen/ damit sich alle Farbe auf den Boden setze.

Nach solchem/ gieset man das Wasser/ sambt der darauf schwimmenden Fettigkeit gemählich ab und an dessen statt/ ein reines und klares daran/ solches lasset man sambt der Farbe/ durch ein enges Sieb/ in einem neuen verglasurten Topff lauffen/ mit stetigen Umrühren/ so wird ein guter Theil von der schleimichten/ und fetten Materia in dem Sieb verbleiben; und dieses muß alle Zeit mit reinen und frischen zum dritten mal wiederholet/ auch das Sieb allemahlen von allem Unflath gereiniget werden.

Hernachmals gieset das Wasser gemählig ab/ und hebet es in den verglasurten Topff auf/ dieweilen es von sich selbsten trocken wird werden; so wird man eine sehr schöne Ultramarin-Farbe bekommen.

Von der Massa kan man zu einem Pfund gepulverten Lasursteins/ mehr oder weniger nehmen/ nachdeme er verboden weniger Farbe bey sich führet.

Es müssen auch/ wie Anfangs erwehnet/ die Stücklein dieses Steins sehr fleißig zerrieben werden/ also daß sie fast unbegreifflich find/ so wird die Farbe desto besser seyn. Die gemeine Schmalten/ wann man sie auf eben diese Weise reibet/ mit einer gemachten Massa incorporirt/ wie auch 15. Tage nebenst dem Lapide Lazuli digerirt/ und im übrigen wie zuvor verfähret; so erlanget man eine sehr schöne Materia, welche der Ultramarin nicht viel ungleich seyn wird: Diese Farbe dienet nicht allein den Mahlern; sondern sie digerirt auch das Glas sehr schön.

pp. 128–129

2. Herrn Kunckels Modus, schönen Ultramarin zu machen.

Obgleich diese hiergelehrte Ultramarin Farbe bey uns Teutschen nicht mehr mit Nutz zu machen/ (ungeacht dieselbe/ wann sie recht schön/ viel höher als Gold æstimirt und bezahlet wird) aus Ursach/ weil man uns den Lapidem Lazuli viel zu theuer und kostbar ansetzet/ so kan solche doch von unterschiedenen Künstlern/ sonderlich vornehmen Mahlern/ nicht gäntzlich entrathen werden. Es hat sich Herr Nemi gnugsam bemühet/ alle zu dieser Bereitung nöthige und nützliche Handgriffe zu beschreiben: Dieses aber hat man in der (woran doch das allermeiste liegt) Composition befunden/ daß die Farbe auf solche Weise nicht wohl rein und fein/ sondern mehrentheils unsauber und ungestalt wird/ oder heraus kommt; will derohalben dem Liebhaber einen Modum setzen/ wie mir einsten ein Frantzman gewiesen/ und wie solche mit einander gemacht und verfertiget haben: Nemlich wir nahmen Lapidem Lazuli, und stießen denselben in Stucken/ so groß als Erbisen/ selbigen ließen wir hernach roth glühen/ und schütteten ihn also heiß in scharffen Wein-Essig/ (will man destillirten nehmen/ ists desto besser) ferner rieben wir ihn mit dem Essig auf einen harten Marmor so klein/ daß er ganz unbegreifflich wird/ dann je kleiner er gerieben wird/ je besser es ist; man kan ihn auch nicht zu klein reiben: Und dieses ist das vornehmste Stück der ganzen Kunst. Alsdann nahmen wir gleich so schwehr/ als das Pulver gewogen/ reines gelbes Wachs und reinen Kalchschaum/ jedes die Helffte: Dieses ließen wir in einer irdenen verglasten Pfannen zergehen/ und rührten also den aufs subtilst gepulverte lapidem Lazuli fein sachte und nach einander hinein; hernach thäten wirs in reines kaltes Wasser/ darinnen ließen wir es acht Tage liegen/ hernach nahmen wir zwey grose gläserne Zucker-Töpffe/ und fülleten die an mit Wasser/ welches eben so heiß war/ daß wir kaum die Hände darinnen leiden kunten (dieses warme Wasser muß auch ganz rein seyn) alsdann nahm der eine von uns in die Hände/ und malaxirte oder knötatete dieselbe in den warmen Wasser wohl durch einander/ nachdeme nun das subtilste und schönste/ wie uns däuchte/ heraus war/ so nahm sie der ander in sein Glas/ und was da heraus fält/ das ist nicht so schön/ sondern bleicher und geringer. Dieses Wasser ließen wir wohl wieder über 4 Tage stehen/ in welcher Zeit sich das subtile Pulver völlig setzet/ welches man alsdann aufs fleißigste zusamment sucht. Es giebt aber von den rechten feinen und schönen sehr wenig/ und man kan wohl drey oder viererley Sorten aus einer Massa machen/ nach dem man nemblich eine Quantität macht/ und solche in unterschiedenen Wassern malaxirt/ daß man nun sehr saubere Hände/ und allemahlen ganz reines Wasser nehme/ ist nachmahlen das nöthigste zu erinnern/ weilen diese Farbe überaus leicht eine Unsauberkeit fängt/ oder an scheimbt/ und diß ist die Art/ die ich selber gemachet/ und machen helffen.

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3. Ein mehrers von Ultramarin.

Diese hohe und kostbare Farbe wird insgemein also genennet/ und ist unter allen blauen Farben die schönste/ welche am Werth dem feinen Golde/ wo nicht höher/ doch auf das wenigste gleich geschätzet/ und lehren fast alle Authores/ so von den Steinen und Farben handeln/ die Art und Weise diese Ultramarin zu extrahiren; es ist diese Farbe die allerzarteste; und wann man hierzu nicht einen sehr guten Lasurstein nimmt/ so ist alle Arbeit vergebens angewendet.

Etliche unter den Mahlern zerreiben den Lasurstein nur also rohe/ und gebrauchen ihn.

Und wird der Lasurstein von den Bergblau/ oder lapide Armeno, in dem unterschieden/ daß er gar hart/ hingegen der andere gar weich und zerbrechlich ist/ daß man ihn leichtlich zu Pulver machen kan/ auch hat dieser keine glänkende Goldfüncklein gleich wie der andere/ er wird in Asia/ Africa/ wie auch in Teutschland bey den Gold-Bergwercken gefunden; Die Bergblaue ist seine Mutter; Dieser Stein/ wann er ins Feuer geleget wird/ ändert seine Farbe nicht/ er ist offtmahls so groß/ daß man Messer-Heffte/ Löffel und Schalen davon machet; Ein Pfund von den einzelen Stück dieses Steines ist 10 Cronen werth/ und so er recht gut ist/ so solle man aus einen Pfund 20 Loth Ultramarine-blau extrahiren.

pp. 130–131

4. Das Ultramarin noch auf eine andere Art
zu machen.

Nehmet ein halb Pfund Azur-Stein/ thut ihn in hefftig glühende Kohlen/ so lang biß er auch roth und glühend ist/ alsdann löschet ihn in starcken Weins-Essig ab/ und reibet ihn auf einen harten Stein mit rectificirten Brantewein/ je mehr ihr ihn reibet/ je schöner er wird/ laßt ihn auf den Papir oder in einen andern Geschirr/ biß ihr euren Teig gemacht habt/ darunter ihr besagten Azur menget.

Solchen zu machen nehmet ein Pfund gelbes Wachs/ zwen Pfund Terpentin/ so viel Lerchen-Hartz und so viel Lein-Oel/ lasset alles über einen gelinden Feuer zergehen/ und wann alles zergangen und es anfänget aufzusteigen/ so ist es genug gekocht: Alsdann müßt ihr alles in eine glasurte Schüssel ausschütten/ so ist solches der Teig zum Ultramarin/ dessen ihr so viel/ als des Azur-Steines ist/ nehmen sollt/ und auf einen Marmolstein mit denselben zusammen knöten; wann alles beydes wohl untereinander vermenget/ so laß es eine Nacht über ruhen; folgends den Ultramarin/ so in diesen Teig ist/ wieder heraus zu bringen/ so gießt neues Wasser darüber/ und knötet es mit den Händen durch einander/ wie einen andern Teig/ so wird der Ultramarin heraus kommen/ und in eine Schüssel fallen/ die ihr bey handen haben sollt/ solchen aufzufangen/ und laßt ihrs in besagten Wasser ruhen/ biß ihr sehet/ daß der Ultramarin zu Boden gesuncken ist.

pp. 131–133

5. Noch eine andere Manier.

Nehmet 4 Unzen Lein-Oel/ 4 Unzen neues Wachs/ 4 Unzen Silberglett/ eine Unze Mastix-Körner/ 4 Unzen Burgundisch Pech/ und 1 Quint Drachen-Blut/ zerstossat jedes von diesen Speciebus absonderlich in einen Mörsner/ hernach laß das Leins-Oel in einem irdenen Geschirr warm werden/ biß es zischet/ alsdann thut eure Species eine nach der anderen darein/ dergestalt/ daß das Drachen-Blut das letzte sey/ und rühret es immerfort alles mit einen saubern Holz umb/ damit ihr aber sehen könnet/ ob euer Teig fertig/ so probirt es mit euren Finger/ dann er muß daran kleben wie Leim/ und alsdann thut euren Lasur-Stein/ welchen ihr vorhero im Kohlfeuer ausgeglühet/ und in weissen Wein-Essig abgelöschet/ auch auf einen Stein abgerieben/ und nach dem er trocken worden/ durch ein kleines Sieblein durchgetrieben haben müsset/ darunter/ wann dieses wohl unter einander gewürcket/ und unberührt 24 Stunden beysammen geblieben/ so nehmt nun zu machen/ daß der Ultramarin wieder heraus komme/ kein anders/ als Röhrenwasser/ und knötet mit solchen euren Teig wohl/ so werdet ihr das erste blaue heraus kommen sehen/ das ist das beste und schönste/ und dieses wiederholet ihr zum dritten mahl/ und knötet jederzeit mit Röhrenwasser den Teig. Endlich und zum letzten/ lasset solches Wasser blaulicht werden/ und knötet damit die übrige Materi/ darvon ihr dann die Aschen bekommt; im Fall ihr aber alles in einen destillir-Kolben einsetzet/ und abdestilliren wollet/ so werdet ihr auf den Grund das Gold finden/ so in den Lasurstein gewesen.

Es seyn noch andere/ die ihren Teig auf einmahl in einen laulichten Wasser angefüllten Geschirr knöten/ in welches der Ultramarin gehet/ das lassen sie 24 Stunden noch länger stehen/ und giesen das Wasser sachte ab/ so befindet sich der Ultramarin auf den [Boden]/ welchen sie an der Sonnen abtrocknen/ sie lassen auch einen gantzen Monat lang den Lasur-Stein in den Teig vermenget/ ehe sie den Ultramarin heraus ziehen/ und thun unter diesen Teig/ an statt des Lein-Oels und Terpentins/ das Terpentin-Oel allein/ und das schwartze Pech an statt des Burgundischen/ den Stein betreffend/ lassen sie solchen abglühen/ auslöschen und abreiben/ wie schon obgemeldet.

pp. 133–134

6. Noch eine andere Art Ultramarin
zu machen.

Nehmet 10 Unzen Lein-Oel/ thut solches in eine irdene Schüssel/ darzu 7 oder 8 Tropffen gemeines Wasser/ setzet solche übers Feuer/ biß es anfängt zu wallen/ alsdann werffet ein Pfund weiß Jungfern-Wachs/ so in gar kleine Bröckelein zerbrochen werden muß/ hinein/ wann das Wachs zerschmolzen/ so thut auch ein Pfund Griechisch Pech darzu/ mischet ferner 4 Unzen gepulverten Mastix/ der aber zuvor in einen absonderlichen Geschirr auszerlassen worden/ zusammt 2 Unzen Terpentin darein/ und lasset alles eine Stunde lang kochen/ nachgehends lasset etwas von dieser Materi in kaltes Wasser fallen/ und wann solche weich ist wie Butter/ so ists genug gekocht. Solten sich aber dannoch kleine Knöllein darinn finden/ so ists ein Anzeigen/ daß der Mastix nicht genug zergangen/ und muß mans nochmahls über das Feuer thun.

Wann nun alles gekocht ist/ so thut von den Lapis in einen Schmelz-Tiegel auf das Feuer/ biß alles Feuerroth wird/ und werffet es nachmahls in weissen Wein-Essig so trinckt er den Essig an sich/ biß er in kleine Stücklin zerspringt. Diese Stücklein zerreibet man ferner zu Pulver/ und dann so incorporirt oder menget dieses Pulver mit einen wenig von besagter Materi/ darvon man so wenig nimmt als möglich und behaltet diese Massam 14 Tage nachgehends so richtet zu Ende des Tisches ein Bret hängend auf/ und stellet unten daran ein rein gläsern Geschirr; (es ist aber gut/ wann das Bret einen Strich oder Rinnlein hat) und leget eure blaue Massam oben an über die besagte Rinne höher/ darüber aber ein Geschirr mit Wasser/ daraus es auf die Massam tröpffen könne/ darbey ihr mit einen saubern glatten Hölzlein helffen müßt/ daß das Wasser den Teig aufweiche/ in dem ihr gar gelind solchen aufftieret [= aufrührt]/ das erste Azur oder blaue nun/ das Tropffen-weiß herunter fleust/ ist das schönste; kommt ein schlechters/ so setzet ein anders Geschirr unter/ zu der andern Gattung/ nach welchen noch ein drittes kommt/ so auch noch zu gebrauchen: Endlich laßt diese eure dreyerley Blau trocknen/ und hebt ein jedes in einen besondern weiß ledernen Säcklein auf.

pp. 134–135

7. Ultramarin von Lasur-Stein zu machen.

Nehmet ein Pfund Lasur-Steine/ und calciniret ihn in einen Schmelz-Tiegel/ bedecket ihn mit Oel/ und wann er genugsam calciniret ist/ so werffet ihn in Wein-Essig/ daß er zerfalle/ hernach wann er trocken worden/ stoset ihn in einen kupffernen oder messingen Mörser/ und reibet ihn auf einer Meer-Muschel/ mit Nuß- oder Spick-Oel/ welches besser ist/ und reibet ihn sehr fein/ und nicht allzuklar. Hernach nehmet/ den gemeldten Lasur-Stein glänzend zu machen/ 1 lb Lein-Oel/ 1 lb weiß Wachs/ 1 lb Hartz/ 1 lb Burgundisch Pech/ 1 lb Terpentin/ ½ lb Colophonium/ und thut alle diese Dinge in einen neuen Topff/ lasset es bey gelindem Feuer lindiglich schmeltzen/ und verhütet/ daß es nicht koche/ rühret es jederzeit umb mit einem Stock/ bis es wohl mit einander vereiniget seye. Hernach thut die Massam euers Steins darein/ und ziehet mit einer hölzernen Spatel die Materi heraus/ und leget sie auf ein hölzern Bret/ oder steinerne Tafel/ und kehret sie von einer Seiten zur andern; hernach sollet ihr ein klein Gießfaß haben/ darinnen laulicht Wasser ist/ welches über eure Massam lauffen solle/ und die Lasur-Farbe oder Ultramarin heraus gehen machen wird/ welches in einer erdenen Schale/ so auf der Taffel stehen solle/ solle empfangen werden. Hernach gieset das Wasser allsachte ab/ oder filtriret es durch/ nach eurem Gutdüncken; und wiederholet das offt mit dem laulichten Wasser/ so werdet ihr das allervollkommenste Ultramarin haben.

pp. 135–136

8. Ultramarin auf eine andere Art auszuziehen.

Nehmet den Lasur-Stein/ lasset ihn glühen in einem Schmelz-Tiegel/ und schüttet ihn zwey- oder dreymal in einen guten Essig/ hernach werdet ihr ihn gar leicht in einem Mörsel stosen können/ alsdann reibet ihn auf einem Marmorstein mit Oel und Spiritu vini, jedes gleich viel/ das ihr zuvor in einen Kolben auf Aschen gesetzet/ und schüttet sie starck unter einander/ ehe ihr darvon auf euere Arbeit gieset/ sie darmit zu reiben. Wann sie nun zu einem unbegreifflischen Pulver gemacht ist/ so vermenget sie mit folgendem Cement:

Nehmet zwo Unzen Leins-Oel/ Terpentin/ Mastix/ Teufelsdreck/ Colophonii/ auch so schwehr Wachs von Fichten-Hartz 3 Unzen, lasset dieses alles in einem glasurten Topffe eine Viertelstunde lang kochen/ hernach drücket es durch ein leinen Tuch/ und lasset es in rein Wasser fallen; dieses ist ein Cement. Darvon nehmet einen Theil/ und so viel von eurem Stein/ reibet und vermenget es wohl zusammen/ in einer glasurten Schalen/ hernach gieset klar und sauber Wasser darüber/ und lasset es eine Viertelstunde stille stehen/ und folgends rühret eure Materi mit einem hölzernen Spatel wohl unter einander/ so werdet ihr in einer Viertelstunde ein gant Lasur-blaues Wasser heraus kommen sehen; dieses gieet ab in eine andere glasurte Schale/ gießet anderes Wasser auf die Materien/ fahret weiter fort mit dem Umbrühren und Veränderung des Wassers/ bis daß selbiges sich nicht mehr färbe.

Mercket/ daß man nur warm Wasser auf die Materi schütten muß/ hernach lasset alle eure Lasur-blauen Wasser abrauchen/ so wird euch das rechte Ultramarin/ 4 Unzen von einem Pfund/ zurücke bleiben/ und fast alles das übrige wie eine Lasur-blaue Aschen.

pp. 136–137

9. Ultramarin auf eine andere Manier.

Nimm gelb Wachs/ Griechisch Pech/ oder Colophonium/ Fichten-Hartz/ jedes 1 Pfund/ Lein-Oel 3 Unzen/ lasse alles unter einander über dem Feuer zergehen/ und seihe es durch ein Tuch; thue dazu 4 Unzen Mastix/ mache daraus eine Pastam. Andere lassen den Terpentin aus/ und machen diese Pastam also: R. Ein halb Pfund Lein-Oel/ ein halb Pfund Colophonium/ klein gestossen/ ein halb Pfund neu Wachs/ ein halb Pfund Spiegel-Hartz/ eine Unze Mastix/ zerlasse solche Stücke zusammen/ so ist es fertig zu brauchen/ (zu einem Pfund des geriebenen Lasur-Steins.) Dieser Pastæ nimm ungefehr drey oder vier Theil zu einem Pfund des geriebenen folgenden Lasurstein-Pulvers/ vermische oder knete es unter einander in einer Schüssel/ und lasse es also vermischt acht Tage/ oder länger/ stehen/ umb gleichsam zu digeriren/ alsdann solches alles in ein Geschirr mit warmen Wasser mit den Händen gerieben/ bis das Wasser blau wird/ dann thue es in das dritte Geschirr mit warmen Wasser/ und zerreibe es darinnen auch/ bis das Wasser blau wird/ alsdann lasse sich jedes absonderlich setzen/ giese das Wasser ab/ und mache dasjenige/ so sich zu Boden gesetzt/ trocken/ hebe jedes absonderlich auf/ dieweilen je eines schöner ist als das andere. Weilen nun der Lapis Lazuli eben eine so schöne blaue Tinctur hat/ wie die Anima Lunæ ist/ so stehet zu erachten/ daß er ganz silberischer Eigenschafft ist.

pp. 137–138

Folget nun die Zubereitung des Lapidis Lazuli.

Man nimmt auserlesenen Lasur-Stein/ der ohne Berg und Unreinigkeit ist/ reibet solchen auf einen Porphir-Stein/ welcher allein wegen seiner Härte und sonst kein anderer Stein darzu dienet/ mit gemeinem Wasser zum allersubtilesten/ als es nur immer möglich. Wann solches geschehen/ läßt man das Geriebene wieder trocknen/ und bewahret es für andern Staub/ zur Bereitung der schönen blauen Farbe/ so man Ultramarin nennet.

pp. 138–139

10. Noch auf eine andere Manier.

Man soll die Stücke vom Lasur-Stein etliche mal im Schmelz-Tiegel glühen/ und hernach in kalt Wasser werffen/ damit er sich auf einem Marmor zu einem subtilen Pulver reiben lasset. Ferner solle man Kien-Hartz/ schwartz Pech/ Mastix/ neu Wachs und Terpentin/ jedes 6 Loth/ Lein-Oel und Weyrauch/ jedes 2 Loth nehmen/ dieses alles in einen erdenen verglasurten Tiegel/ bey einem gelinden Feuer/ zerlassen/ und mit einem Spatel ohn unterlaß herumb rühren/ und wann es wohl zusammengeflossen ist/ in kalt Wasser schütten/ 20 Loth darvon bey einem gelinden Feuer zerlassen/ 1 Pfund von pulverisirtem Lasur-Stein nach und nach darein schütten/ und wohl unter einander rühren/ die Materi geschwind in ein kalt Wasser schütten; und wann man die Hände mit Leinsöl geschmieret/ unterschiedliche länglichte und runde Zäpffgen daraus formiren/ dieselbigen in kaltem Wasser aufbehalten/ und allezeit über den andern Tag/ an statt des alten Wassers/ frisches darauf giesen. Nachmals solle man in einen kupffernen Kessel warm Wasser sieden/ dasselbe auf diese in einen reinen Napff gelegte Zäpffgen giesen/ und wann es kalt worden/ immerzu ander warmes darüber schütten/ bis sie erflossen/ und das Wasser sich blau färben anbeginnet. Alsdann solle man dieses gefärbte Wasser in einen reinen glasurten Topff sammlen/ und so lange laulicht Wasser auf die Zäpffgen giesen/ bis sichs nicht mehr färbet. Das gefärbte Wasser solle man filtriren/ und 24 Stunden stehen lassen/ bis sich die Farbe zu boden gesetzt/ damit das Wasser mit der darauf schwimmenden Fettigkeit abgegoffen/ und zum drittemal anders darauf geschüttet werden kan. Auf solche Weise wird alle Unreinigkeit hinweg gewaschen/ und bekömmt man die allerschönste Ultramarin-Farbe.

p. 139

11. Wie solche schöne und kostbare Farbe aus
dem Silber zu bereiten ist.

Man laminiret das feineste Silber zu dünnen Blechlein/ glühet es aus/ verquicket oder bestreichet es ein wenig mit Quecksilber/ alsdann thut man von dem allerstärckesten destillirten Essig/ darinnen etwas Salmiac zergangen/ in ein Glas/ henget die Silber-Bleche darüber/ daß sie den Essig nicht berühren; vermacht das Glas aufs beste/ und setzet es an einen gelinden warmen Ort/ dergestalt/ daß die Wärme den sauren Geruch des Essigs ein wenig nur Dampffsweise/ erhebe/ so extrahiret solcher sauerer Geruch die Animam, daß sie sich überall heraus begiebt/ und an das Blech henget/ den [Belag] kan man abstreichen/ die Bleche wieder über den Essig hengen/ bis alle Tinctur heraus ist/ so hat man die allerschönste blaue Ultramarin-Farbe zur Mahlerey gehörig.

p. 140

12. Wie solche auf eine andere Art zu
bereiten ist.

Man nimmt des allerfeinesten reinesten Silbers/ so viel man will/ 7 oder 8 Loth/ und solviret es in einem reinen starcken purgirten Spiritu Nitri, ziehe den Spiritum Nitri bis auf die Helffte darvon ab/ setze das Glaß an ein feuchtes und kühles Ort/ so schießt das Silber über Nacht in schöne weiße Crystallen an/ die wie ein Salpeter anzusehen/ gieße den Spiritum Nitri rein darvon ab/ thue die Crystallen in eine reine Glaß-Schalen/ laß in gelinder Wärme stehen/ bis sie wie ein Mehl zerfallen/ dann reibe es mit so viel reinem Salmiac/ der über gemein Kuchen-Saltz sublimiret worden ist/ setzt es zusammen an feuchte freye Lufft/ bis so lange die Massa etwas blau und grünlecht wird/ so thue alles in einen Kolben/ und einen sehr weiten Helm darauf/ und sublimire es/ so führet der Salmiac die Animam Lunæ mit auf/ reibe unter das Silber am Boden frischen Salmiac/ und continuire die Sublimation, bis alle Anima aufsublimiret sind/ alsdann thue alles Aufsublimirte in eine grose gläserne Schale/ schütte warm Wasser darüber/ so solviret sich der Salmiac im Wasser/ und läßt die Animam, oder die schöne blaue Silber-Tinctur/ fallen; das Wasser evaporiret man mit gar gelindem Feuer zur trockene/ so bekömt auch seinen Salmiac wieder. Gedachte Animam aber macht man trocken/ und verwahret es auf das beste/ so hat man auch eine schöne edle blaue Farbe/ so die Mahler/ an statt des Ultramarins/ gebrauchen können.

p. 141

13. Auf eine andere Art schönen Ultramarin zu machen.

Man nimmt deß allerfeinesten Silbers/ so viel man will/ schlägt es auf das dünneste/ und machet/ wie bewußt/ mit viermaln so schwehr Mercurio vivo ein Amalgama, drückt solches durch ein Leder/ und treibt hernach allen Mercurium darvon/ so hat man einen reinen Silber-Kalch/ den solviret man in reinem præcipitirten Scheidwasser in so wenig/ als es immer möglich ist. Wann es solviret ist/ so lasse das Wasser darvon hinweg dämpffen/ so bleibet das Silber/ wie eine feuchte Aschen am Boden liegen/ übergieße es mit Salmiac-Wasser und einem scharffen und starcken destillirten Wein-Essig/ lasse es sich wieder setzen/ und läutern. Gieße den Essig darvon ab/ lasse dasjenige/ so auf dem Boden liegen bleibet/ einen Monat lang also darinnen/ daß nichts heraus dämpffe/ so findest du eine köstliche blaue Farbe/ welche zum Mahlen die beste ist.

14. In dreyen Tagen aus Silber Himmelblaue
Farbe zu machen.

Nimm Sal gemmæ, Sal alcali und Alumen Rochz, laß in einen der allerschärffesten weißen Essig solviren/ etliche Blechlein von Silber in diesen Essig genezet/ darüber hencken/ den Hafen in frische Wein-Träster vergraben/ die Bleche alle drey Tage einmal heraus nehmen/ die Farbe/ so sich darauf gesammlet/ mit einem Hasen-Fuß darvon herabstreichen/ und in ein Geschirzlein aufheben.

p. 142

15. In 15 Tagen eine schöne Himmelblaue
Farbe aus dem Silber zu machen.

Lasse dir ein Geschirz oder Kächelein/ anderthalbe Hand lang und breit/ oder weit/ und 4 Finger hoch/ zurichten/ dasselbige mit seinem Deckelein versehen/ und es nach Gewohnheit darmit zu machen. Nachmals nim der subtilen Bleche von seinem Capellen-Silber/ mache viereckigte Stücklein/ mit zwen Löchern/ Daraus/ lege zu beyden Seiten des Geschirrs 2 Stücklein. Nimm hernach zu einem jeden Pfund Salarmoniac/ drey Pfund Essig/ lege die silberne Bleche 3 quer Finger hoch von dem/ der über den Essig/ mache das Geschirrt nachmals zu/ setze es 15 Tage also mit einander unter einen warmen Roß-Mist/ schabe die Farbe je in so viel Tagen von den Blechen herab/ bis es nichts mehr geben will/ alsdann lasse das Silber wieder umbschmeltzen/ mache und verrichte alles/ wie zuvor/ und kehre doch die Blechlein allezeit zuvor umb. Auf solche Weise nun/ wie bishero von dem Silber ist vermeldet worden/ kan man auch mit dem Golde umbgehen/ und die allerschönsten Farben daraus erlangen und extrahiren.

pp. 142–314 [143]

Auf eine andere Art.

Nimm der Bleche von seinem Silber/ so groß als ein halber Thaler/ und so dünn wie ein Papier geschlagen seyn/ thue sie zu einem Pfund scharffen Essig/ und 4 Loth Salarmoniac/ klein-pulverisirt/ in einen neu-verglasurten Hafen/ mache denselben mit einem gewächsten leinen Tuch oben wohl zu/ und setze es 15 oder 20 Tage unter einen warmen Pferde-Mist/ so findest du die allerschönste Himmelblaue Farbe auf denen Blechen hangen; dieselbige schabe herab/ lasse sie/ der Gebühr nach/ trocken werden/ und brauche sie worzu du wilst.

p. 314 [143]

16. Auf eine andere Art eine Lasur blau oder U
ltramarin aus Silber zu machen.

Man machet durch den Rauch den Lasar [!] oder Ultramarin von Silber/ wann man die Silber-Bleche auf ein Gefäß leget und solches in eine Stube setzet/ das gemeldte Gefäß muß halb voll sehr starcken Essig seyn/ darinnen ein Drittel Salmiac gegen dem Essig zu rechnen/ zergangen ist/ aber zu mercken daß die silberne Bleche einst 4. oder 5. Stunde lang mit Quecksilber müssen beräuchert werden/ biß daß man siehet/ daß ein Theil von den Quecksilber daran klebent bleibet/ als dann solle man es 15 Tage über den Essig bedämpffen/ wann diese Zeit vorbey/ so solle man die Bleche aus/ und das Lasur davon abnehmen/ und wiederum als gesaget werden/ bedämpffen.

17. Noch auf eine andere Art.

Nehmet 1 Unze fein Silber/ so durch das Scheidwasser calcinirt ist/ Salmiac 2 ½ Quintl. Essig soviel genug ist/ menget es unter einander/ biß der Zeug auf den Grund sincket/ alsdann giesset den Essig ab/ thut diese gesunckene Materi in einen Kolben/ verschliesset ihn wohl und lasset es alfo 25 Tage stehen/ so habt ihr einen guten Ultramarin Damit zu mahlen.

p. 148 [144]

18. In zehen Tagen/ eine Himmelblaue Farbe
von Silber zu machen.

Nimm Alumen Roche und Sal gemmæ, laß in einen der allerstärckesten und schärffesten Essig dissolviren/ in einem neuen Hafen/ mit etlichen Blechlein/ des allerfeinesten Silbers/ in Wein-Tröster vergraben/ nach 10 Tagen wiederum heraus nehmen/ die Farbe von den Blech wiederum herabschaben/ und wiederum an seinen Ort hinein hencken/ das Geschirr wohl zu machen/ alles wie zum ersten mahlen verrichten/ und also je über 10 Tage einmahlen darnach sehen.

19. Eine andere Weise solches zu verrichten.

Nimm durchgeseiheten Safft/ von Limonien und lange Osterlucey, thue die zusammen in ein verglasurt Geschirr/ und die Bleche von feinen Silber darein/ nimm sie nachmals von dannen wiederum heraus/ hencke es wie offt gemeldt/ über einen Essig/ klebe und stopffe das Geschirr wol zu/ daß nichts heraus dämpffe/ sey 10 Tage oder länger/ da es die Noth erfordert an einen feuchten Ort/ siehe wann solche Zeit vorüber einmahln darzu/ so findest du das Himmelblau/ wie du es begehrest.

pp. 148 [144]–145

20. Noch auf eine andere Art.

Nimm der Pulver von Salmiac/ und Grünspan/ jedes 4 Loth/ thue es zusammen/ in einen neuen verglasurten Hafen/ giese so viel Essig darüber/ als dich gedunckt genug zu seyn/ nimm nachmahls ein subtil viereckigt Blech/ von den allerfeinesten Silber/ so mitten ein Loch habe/ und mit einem Messingen Drath in der Höhe gehalten werden/ damit es den Essig bey 4 Finger hoch nicht rühre/ mache den Hafen mit den Siegel und Leim fleißig zu/ daß nichts heraus dämpffe/ und lasse jedoch oben ein Loch/ durch welches der Drath/ wie gemeldet/ hineingelangen könne. Setze das Geschirr also mit einander/ in einen wärmen Mist/ lege ungelöschten Kalch rings herum/ verkleibe und verdecke es allenthalben zu/ laß 15 Tage also stehen/ und mache nach solcher Zeit/ das Geschirr wiederum auf/ so findestu das Blech/ mit der allerschönsten Himmelblauen Farbe überleget und bedeckt/ die Farb hebe mit allen Fleiß auf/ nachmals mache die Geschirr wiederum zu/ setz wiederum 8 Tage wie zuvor in den Mist/ und zwischen den Kalch/ und wo an Essig mangeln sollte/ so geuße andern darüber/ so bekömmest du eine solche schöne Farbe/ dergleichen man mit Augen sehen möchte.

pp. 145–146

21. Noch auf eine andere Art.

Nimm der Blätter von Silber/ und weissen starcken Essig/ jedes 1 Qu. Salniter/ der glett/ von Bley und Lasurstein/ jedes 1 Loth/ fasse alles in ein Stücklein rein leinen Tuch/ thue es mit den Essig in ein solch irden Geschirr/ so rings herumb voller Löcher seye/ binde nachmahls das Tüchlein wol zu/ lasse einen Theil in den Essig einweichen/ thue 4 kleine Stücklein in das Geschirr hinein/ mache eine Grube eines Arms tief in die Erde/ setze das Geschirr wol zugedeckt/ das nichts heraus dämpffe/ darein/ lege einen warmen Pferde-Mist rings herum/ und lasse es 30 Tage/ also darinn stehen/ so findest du nach deren Verfliessung eine schöne Himmel blaue Farbe.

p. 146

22. Eine andere blaue Farbe/ auf die Teutsche
Art zu machen.

Nimm Lasurstein ein lb. Myrrhen und Arabischen Gummi/ jedes 4 Loth/ mach/ wann du solches beysammen hast/ ein Capitellum, aus den Aschen von Rebenholz/ mische den gemelden Stein mit den Gummi und Capitello auf einen Reibstein wohl unter einander/ und siehe jedoch/ daß die beyden Gummi ehe du es mit den Stein anfängest zu reiben/ zuvor gestossen seyn. Mache nachmahls das Capitellum zusamt den Stein so weich/ daß man es in einer Stunde gar wohl reiben könne/ und wann es alles gerieben ist/ so thut es zusammen in einen Napff/ stürtzet eine Schüssel von dem gemelden Capitellen darüber/ laß eines Vatter Unsers lang also gehen/ fangs nachmals mit den Händen anzuvermischen/ biß sich die Gummi wohl darmit vereinbaren. Endlichen schütte das Capitellum in einen andern Topff/ oder Napff/ mische das Himmel-blaue mit einen frischen und lautern Wasser/ biß du siehest daß es ganz rein worden/ und schütte also das Wasser je aus einen Geschirr in das andere/ biß das Waschen 4 mahlen wiederhohlet worden.

pp. 146–144

23. Aus Grünspan oder Kupfer eine schöne
Himmel blaue farbe zu machen.

Nimm Salmiac und Grünspan/ jedes 6 Loth/ misch mit den Wasser von Weinstein/ wohl unter einander/ und mache es also zu einen weichen Teig/ thue denselbigen in ein Geschirr/ stopffe es oben auf das allerbeste zu/ und laß etliche Tage also stehen/ so ist es gethan.

p. 147

24. Auf andere Art.

Nimm Salmiac 1 Theil/ Kupffergrün/ oder Grünspan 2 Theil/ stosse dieselbe beyde Stuck erstlich zu Pulver/ vermisch mit ein wenig Bleyweiß/ hernach also mit einander mit den Oel von Weinstein/ und setze es in einen wohl verstopfften/ und verkleibten Glaß mit den Brod in einen Backofen/ dann so balden das Brod gebacken ist/ so ist auch diese Farbe bereitet und fertig.

25. Noch auf eine andere Art.

Nimm gebrannt Kupffer und Wein-Heffen/ jedes 4 Loth/ ungeschmezt oder lebendigen Schweffel 2 Loth/ stoß erstlich zu Pulver/ vermisch es mit Essig/ oder Harn/ thue es in ein wohl verstopfft verglasurt Geschirr/ und laß 15 Tage also stehen/ so wird es/ wie es seyn solle.

26. Aus Quecksilber und Bley/ eine schöne
Himmel blaue Farbe zu machen.

Nimm Quecksilber 4 Loth/ Bley und Salmiac/ jedes 2 Loth/ stosse alles klein zu Pulver/ setz wie man den Zinober zu machen pfleget/ zu einem Feuer/ sobalden du einen Himmel blauen Rauch aus dem Geschirr siehest heraus steigen/ soll man die Materi lassen kalt werden/ und das Geschirr endlich zerbrochen/ so findest du daß es einen Ultramarin fast gleich worden.

p. 152 [148]

27. Auf eine andere Manier.

Nimm Quecksilber 2 Theil/ Schweffel 3 Theil/ Salmiac 4 Theil/ mische und stoße alles wohl unter einander/ temperire es mit Wasser/ setze es in einem wohl vergleibten Geschirr in einem Ofen/ über ein Kohlfeuer/ und zerbriche das Geschirr/ wann du einen blauen Rauch davon siehest aufsteigen/ und nachdeme es kalt worden entzwen/ so findest du eine Himmel blaue Farbe dem Ultramarin fast gleich.

28. Noch auf eine andere Art.

Viel machen es also: Sie nehmen Sublimat 8 Loth/ Schweffel und Grünspan/ jedes 2 Loth/ Salmiac 4 Loth/ stossen alles klein zu Pulver/ und lassen es in einen Geschirr/ bey dem Feuer/ wie man den Zinober pflegt/ zu sublimiren. Dann sobald ein blauer Rauch darvon aufsteiget/ so ist es gethan/ höben es derowegen von Feuer hinweg/ und lassen es wiederum kalt werden.

29. Noch anderst.

Wilstu schönen Lasur machen/ so nimm 1 Theil Sulphur album, und 3 Theil Mercurii, das mische unter einander/ und brenne auf die Art wie in vorhergehenden gelehret worden/ biß du den blauen Rauch siehest/ darn laß das Glaß erkalten/ so findest du schönen Lasur.

pp. 152 [148]–149

30. Eine andere Kunst Lasur zu machen.

Nimm 1 Loth Salmiac/ stoße es zu Pulver/ und nimm 2 Loth Schwefel/ zerstoffe den zu Pulver/ und zerlaß ihn in einen verglasten Tiegel ob Kohlens/ und wann er zergangen ist/ so thue den Salmiac darein/ und 3 Loth Quecksilber/ und rühre es gar wohl mit einen Holz durch einander/ und lasse es erkalten/ darnach zerstose es zu Pulver/ und thue es in ein Glaß/ oder in einen verglasten Hafen/ und bestreiche ihn allenthalben/ zweyer Finger dick mit Luto sapientiæ, und lasse das Loch oben offen/ und lasse es trocknen/ so setze es auf einen Dreyfuß/ und mache ein klein Feuer darunter zum ersten von Kohlen/ und lege ein Blech oben auf das Loch/ und siehe auch unterweilen zum Blech/ wann das Blech unten nimmer feucht ist/ so vermache das Loch mit Luto sapientiæ, und mache ein größer Feuer darunter auf eine Höhe/ und darnach je länger je gröfer/ biß du von erst gelben Rauch/ und darnach blauen stehest/ so laß erkalten/ und thue es auff/ so hastu schönen Lasur am Boden.

pp. 149–150

31. Fürtrefflichen Lasur aus Silber zu machen/
so zu obigen vorhergehenden
gehörig.

Nimm eine Maaß Essig von den besten/ den du haben magst/ von Reinfall/ der ist der beste/ oder von Meth/ in die Maaß lege einen Vierdung gestoßenes Salis armoniaci, darnach nimm ein Gläßlein voll des Essigs/ und lege darein Quecksilber/ als viel du wilst/ und lasse es einen Tag und Nacht darinnen liegen/ darnach lasse dir machen Bleche von feinen Silber/ so viel du wilt/ und lasse sie wohl gerben und reinigen/ und bestreiche oder bequicke die Blech gar wohl mit den Quecksilber/ darnach geuß den Essig allen in ein Eichen Fäßlein/ und hänge die Blechlein über den Essig/ laß sie 2 Finger über den Essig stehen oder hangen/ hernach vermahe das Glaß gar wohl/ aber das kein Dunst darein möge kommen/ und grabe es in einen Mist/ oder in einen Keller/ und lasse es also stehen drey Wochen/ darnach siehe darzu/ und den Schimmel/ der an den Blechen ist worden/ den schabe herab mit einem Messer/ behalte ihn auf/ und thue mit den Blechen/ wie zuvor/ und zwar so lang/ biß die Bleche verdorben/ so hencke andere über als vor/ und wann du das genug hast gemacht/ so thue es in einen verglaßten Tiegel/ und setze es auf Kohlen/ biß es glühend wird/ dann laß es erkalten/ darnach wasche es mit lautern Wasser/ und lasse es wohl gefallen/ geuß das Wasser ab/ und lasse es trocknen an der Sonnen/ so hast du die allerbeste und feineste Lasur.

p. 150

32. Noch eine andere Lasur.

Nimm des geblätterten oder gespaltenen Talci, oder Unser Lieben Frauen Eiss/ lege es mit den beyderley in gleicher Menge mit einander vermischten Pulver von Salmiac/ eines umb das andere in einen Scherben/ biß derselbige voll worden/ vermache das Geschirr/ mit dem Luto sapientiæ oben wohl und fleissig zu/ setze es in einen warmen Pferde-Mist/ lege ungelöschten Kalch rings herumb/ laß es 20 Tage also stehen/ und nimm es endlich von dannen wiederumb heraus/ so findest du die allerschönste und feineste blaue Farbe.

pp. 150–151

33. Eine andere Weise solches zu verrichten.

Nimm Salmiac einer kleinen Nuß groß/ thue es in einen Becher/ gieß zweyer Finger hoch Wasser darauf/ laß es darinnen einweichen/ nimm nachmahls Römischen Vitriol/ und ungelöschten wohl-gereiterten Kalch/ jedes ein Pfund/ vermische es mit den obgemeldten Wasser/ so wird es in 2 Tagen und gleich so viel Nächten durchaus vollkommen/ und wie es seyn solle.

p. 151

34. Ein Venedisch Himmelblau zu machen.

Nimm ungelöschten Kalch ein Pfund/ vermische und mache es mit einen starcken Wein-Essig zu einem Teig/ lasse denselbigen eine halbe Stunde also stehen/ und wann er hart worden/ mehr Essig hinein giesen/ damit er wiederumb weich werde/ wann solches geschehen/ so thue 2 Loth pulverisirten feinen Indig hinzu/ mische es erstlich wohl unter einander/ setze es in einen Geschirr von Glaß 20 Tag unter einen warmen Mist/ und siehe wann solche vorüber/ einmalhlen hinzu/ ob es nemlich schön worden/ wo nicht so setze es wiederumb so lange wie zuvor/ in den Mist/ so ist es wie es seyn solle.

pp. 151–152

35. Ein dick- und grob Himmel-blau
zu machen.

Nimm weißen wohl gereiterten Sand drey Theil/ Syrisch Glaß/ und des groben Pulvers von blauen Stein/ jedes zwey Theil/ Weinstein einen Theil/ laß was zustossen ist/ zerstossen/ nachmahls mit einander durchreiteren/ vermische es mit Wasser/ laß zu runden Ballen oder Kugeln machen/ und dieselbge 12 Stunden in einen wohl verkleibten Geschirr/ das nichts heraus dämpffe/ in einen Reverberier-Ofen/ so zuvor eingeheitzet worden/ hinein setzen/ wann solche Zeit vorüber/ von dannen wiederumb heraus nehmen/ die Kugeln auf einen Marmorstein mit Wasser zerreiben/ so bleibet die Farbe auf den Boden sitzen/ derowegen lasse sie der Gebühr nach trocken werden/ und wo zu du wilt gebrauchen.

p. 152

36. Schönen Lasur zu machen.

Ein Loth Bleyweiß/ neun Unzen Indig/ geuß guten Essig daran/ thue es zusammen in eine blaue Schüssel/ was dann oben schwimmet/ das ist die Farbe.


pp. 192–193

CAP. V.
1.
Schönen Zinober zu machen.

Nimm 2 Theil Quecksilber/ und den dritten Theil Schwefel/ thue es in einen Scherben/ und zerlasse den Schwefel und Quecksilber untereinander/ wann es erkaltet/ so reibe es gar wohl auf einem Stein/ thue es dann in ein Glass/ das vorhin mit gebrannten Leimen eines Fingers dick verkleibet seyn allenthalben; mache vorhin einen Ofen in der Enge/ als ein Glass ist/ setze dass auf den Ofen/ oder setze es auf einen Dreyfuss/ oder in ein ander destillir-Oefelein/ mache einen Deckel von Blech oben über das Mundloch/ und ein Löchlein mitten darein/ verklebe es wohl mit den Leimen/ stose einen eisern Drath zu dem Loch hinein/ dass Du es allemahlen rühren könnest; Mache erst ein kleines Feuerlein darunter/ darzu mit dürren Holtz/ darnach je länger je grösser/ und warte also das Glass sehr fleissig/ dann du wirst sehen mancherley Rauch gehen im Glass/ das lass dich dann nicht irren/ allein siehe/ dass du ihm stetig Feuer gebest/ ohne Unterlass/ biss du den Rauch also roth siehest/ als Blut/ dann so hats genug/ lass es erkalten/ so hast du Zinober.

Wilt du dann darmit mahlen oder schreiben/ so nimm so viel Zinober als du wilst/ und reibe ihn wohl an mit guten starcken weissen Wein/ auf einen Stein/ wann er dann gar wohl gerieben ist/ so lasse ihn also auf den Stein trocken werden/ darnach so nimm eine Eyerklar-Temperatur/ und reibe ihn auch wohl mit demselbigen/ reibe darunter einer Erbsen groß Aloe hepaticum/ streiche es zusammen mit Häufflein/ Die behalte sauber vor dem Staub/ wann du dann darvon brauchen wilst/ so reibe es mit lautern Brunnen-Wasser/ ein wenig gestärckt mit Eyerklar-Temperatur/ aber nicht zu viel/ will es nicht gern aus der Feder oder Pensel gehen/ so thue ein wenig Myrrha darunter/ diss ist der beste Zinober. Wann es von Temperatur zu feist wird/ so flöse ihn fein ab/ mit schönen weissen Wein oder gebrannten Wein/ stärcke ihn dann wieder ein wenig mit Albumine, (das ist Eyerklar, Temperatur) für das schlechte Wasser/ magst du wohlriechend Rosenwasser nehmen.

p. 194

2. Zinober auf eine andere Gattung.

Nimm Mercurium der röthlicht ist/ den zweyten Theil/ und lebendigen Schwefel den dritten Theil/ zerlasse den Schwefel in einen Scherben/ reibe den Mercurium/ und lasse ihn dann unter den Schwefel lauffen/ rühre es wohl durcheinander/ und lass erkalten/ thue es auf einen Stein/ und reibe es gar wohl zusammen dann thue es in ein Glass mit einen langen Hals/ das wohl verlutirt sey/ mit geberten Leimen/ wie ihn die Schlosser gebrauchen/ setze es in ein Oefelein oder Dreyfuss/ mache von dürren Holtz ein stetigs Feuer darunter/ von ersten sittlich/ darnach je länger je grösser; Nimm des Rauchs wohl wahr/ wann er Blutfarb wird/ das Glass vermache wie droben im ersten angezeigt ist. Wilt du alten verdorbenen Zinober wieder zu recht bringen/ so wisch und flöse ihn wohl ab/ mit guten weissen Wein reibe ihn darnach wieder an mit gebrannten Wein/ und lass ihn trocknen.

pp. 194–195

3. Wie auf andere Art aus den gemeinen
Quecksilber schöner Zinober gemachet
wird.

Man nimmt an Gewicht 2 Theil wohl gereinigten Quecksilbers/ und einen Theil schönen Compacten gelben Schwefel lass den Schwefel in einen glasurten Hafen gelind zergehen/ und rühre alsdann das Quecksilber mit einen hölzernen Spatel darunter/ biss sie sich wohl mit einander incorporiret/ und dafern der Schwefel unverhofft sich anzündet/ wie er dann leicht thut/ muss man ihn mit der Stürtzen des Topffes/ oben mit einen Lumpen so feucht ist/ ausdämpffen/ lasse alsdann die Massam erkalten/ und reibe sie auf einen Marmel/ dann thue es in einen beschlagenen Kolben/ und gib erst gelinde/ hernach stärcker Feuer/ erstlich steiget ein gelbrother Rauch/ so allgemach rother wird/ wann er nun beginnet schwartz-roth zu werden muss man hefftige Hitze geben/ in die sechs Stunden lang/ so hängt sich der Zinober an den Seiten des Glases an/ was am Boden bleibet/ und in den Alembic steigt/ dasselbige taugt nichts/ sondern wird weggeworffen.

Man kan auch das Quecksilber in Aqua fort solviren/ wann er dann aller aufgelöset ist/ so thut man zu 2 Theilen Mercurii einen Theil pulverisirten Schwefel/ und treibet das Scheidwasser in einer gläsernen Retorten darvon/ so wird es so gut und besser als zuvor/ und bekommt eine gradir- und figirende Art/ wann alles Wasser herüber/ so vermehre das Feuer allgemach/ und treibe zu letzt sehr gewaltig/ etliche Stunden lang/ so wirst du ebenmässig einen schönen Zinober bekommen/ dieser wird nun gebraucht zu der Mahlerey/ auch in der Buchdruckerey zu der rothen Schrifft der Calender/ und was sonst roth seyn muss/ desselbigen gleichen wird es auf sonderlichen Mühlen ganz zart gemahlen/ und unter das gemeine Siegel-Lac temperirt/ selbiges damit roth zu machen/ wird auch zur Chirurgi, und sonsten mehr gebraucht.

pp. 195–196

4. Den rothen und blauen Zinober zu machen.

Nimm lebendigen Mercurii ein Pfund/ Schwefel der gereinigt sey acht Loth/ solvire den Schwefel über gelingen Feuer/ und mische das Quecksilber mit einen hölzernen Spatel darunter/ rühre sie so lange/ biss die Materi zu einer schwartzen Massa worden ist/ welche in einen steinern Mörsel auf das allersubtileste solle zerstossen/ und in einen Scheidkolben gethan werden. Anfangs giebt man gelind Feuer/ so steigt auf ein Rauch/ gelb/ roth und schwartz vermischt/ so bald dieser gesehen wird/ verstärckt man das Feuer/ biss der Kolben glühend roth aussiehet/ und fähret darmit fort/ vier biss fünff Stunden lang/ biss der Zinober auffteigt/ und sich an die Seiten des Kolbens setzet/ diesen sondere ab von den Scoriis, und die im Capitello wirff hinweg.

Umb den blauen Zinober zu machen/ so nimmt man von den gemeinen gereinigten Schwefel vier Loth/ lebendiges Quecksilber sechs Loth/ Salmiac zwey Loth/ zerlasse den Schwefel über gelinden Feuer/ und mische das Quecksilber darunter zerstose demnach diese Materi gar subtil/ thue darzu den Salmiac/ und sublimire/ wie oben gedacht ist/ so hast du blauen Zinober.

pp. 196–197

5. Wie man Zinober reinigen solle.

Weil der Zinober aus Mercurio und Schwefel gemacht wird/ so muss man ihm die Unreinigkeiten/ so er von diesen Mineralien an sich hat/ benehmen weil solche seinen Glantz verderben/ und ihn unbeständig machen. Diese Reinigung nun geschicht folgender Gestalt.

Zerreibet die Stücke Zinober mit Wasser/ auf einen Stein/ alsdann thut ihn in ein gläsern oder Schalen-Geschirr/ und lasset ihn trocknen/ hernach gieset Urin darauf/ und mischet es so untereinander/ dass der Urin ganz durchdringet/ und darüber schwemmet; lasset alles ruhen/ und wann sich der Zinober am Boden gesetzt hat/ so gieset den Urin herunter und wieder neuen darüber/ lasset solchen wiederumb eine ganze Nacht stehen/ und wiederholet solches vier oder fünff Tage nach einander/ biss der Zinober wohl gereiniget ist/ ferner schütte wohl geklopfft Eyerklar darüber so dass solcher darüber stehe/ mengets mit einen Nussbaumen Holz wohl durcheinander/ und lassets wieder stehen/ giesset solchen auch wieder ab/ und noch drey oder vier mahl neuen darauf/ und bedecket das Geschirr allezeit wohl/ dass kein Staub darein falle/ der ihm sonsten die Farbe benimmt/ wolt ihr euch nun dieses Zinobers bedienen/ so machet ihn mit Gummi-Wasser an/ so bleibet er beständig.

p. 197

6. Eine andere Manier.

Reibt den gepulverten Zinober mit Kinder-Urin/ oder Brantewein/ und laß ihm am Schatten trocknen.

Wollet ihr ihn hellroth machen/ und eine Schwärtze benehmen/ so thut in den Brantewein oder Urin ein wenig Saffran/ und reibt alsdann den Zinober darmit.


CAP. XIV.
Von den Del Farben.

. . .

p. 312

Oel-Farben auf die Mauren zurichten.

Wilt du mit Oel-Farben mahlen auf die Mauren/ daß es beständig bleibet/ so entwirff am ersten die Materi/ und reise es aus mit einem spitzigen Eisen/ und nimm zum ersten ein wenig Eyerklar/ und träncke di Mauer darmit/ darnach mit stärckerer/ und träncke es so lange/ bis sie gläntzend wird/ und nim ein Kohlfeuer/ und wärme die Mauer an dem Ort/ wo du sie geträncket hast; mahle dann mit Oel-Farben darauf/ es bestehet. Wann du Oel-tränckest/ das verdirbt in dem Wetter; wann die Kälte aus der Mauren gehet/ so treibt sie das Oel-getränckte aus der Mauer/ und der Staub legt sich darein/ und schälet sich von der Mauren ab.

pp. 312–313

Gute Weise/ so im nassen Tünch bleiblich
und beständig.

So nimm Kalch/ der da weiß seye, und thue ihn in ein Schaff/ und geuß Leim/ von Ochsen-Schwänzen gesotten/ daran/ und laß es 14 Tage stehen/ geuß aber alle Tage des vorgemeldten Wassers/ oder Leim/ daran; darnach nimm denselben Kalch/ und trockne ihn an der warmen Sonnen / an einer Mauren/ und lasse ihn auch 14 Tage/ oder länger/ stehen/ so zeucht die Sonne die Färbigkeit heraus; darnach schlage den Kalch wieder von der Mauren/ und reibe ihn mit vorgemeldtem Leim-Wasser gar wohl/ und mache Kügelein daraus/ und lege sie an die Sonnen/ laß sie trocken werden/ so hast du eine gute Weise in nassen Tünchen.

Wilt du gut anwerffen im Wasser-Tünchen/ so nimm Schwärtze/ welcherley du willst/ und lege sie in ein Feuer/ laß solche erglühen/ und lösche sie ab in einem Wasser/ so hast du gut Entwerffen-schwartz, und ist gut in nassen Tünchen.

Die hernachfolgende 2 Stücklein seynd gut in nassen Tünchen; Item/ Berg-Zinober/ gebrannter Zinober/ Ertzgün/ fein Lasur/ Berg-Lasur/ der klein ist/ Venedisch Gelb/ etliches Paris-roth/ Ogger/ Berggrün/ sind alle gut in nassen Tünchen zu mahlen.

pp. 313–314

Wie man alle Farben mit Leim temperiren
solle auf Holtzwerck/ oder auf Mauren/
oder auf Tücher.

Zum ersten/ daß es lange währet/ und nicht faul wird/ solle man nehmen Abgeschabtes von Pergament/ vorher aber mit Wasser schön waschen/ und daraus einen lauteren Leim sieden/ weder zu starck noch zu schwach; wann nun der Leim zur Hand gesotten ist/ so thue eine Schüssel voll Essig darunter/ und lasse das wohl erwallen; thue den Leim vom Feuer/ und seihe ihn durch ein Tuch/ in ein schön Geschirr/ und setze solchen an ein kühles Ort/ so bleibt er lange frisch und gut/ und ist der Leim gestanden/ als eine Gallerte oder Sultze. Was du nun für Farben temperiren wilst/ da nim so viel Leim als Wasser unter einander und auch so viel Hönigs darunter/ und wärme das ein wenig/ und zertreibe das Hönig unter den Leim/ und verfahre darmit wie bewust. Diese Farben kan man auch mit Oel und Fürniß überstreichen/ so werden sie glänzend/ und mag ihnen kein Wasser schaden/ und kein Regen oder Wind verdirbt ihren Glantz und ihre Farbe nimmer.


CAP. XXVIII.
Allerhand Marmor-Künste.

. . .

p. 544

Marmor zu machen/ dass er aussehe/ als wann
er natürlich gewachsen wäre.

Nim Gips/ ungelöschten Kalch/ Saltz/ Rinds-Blut/ klein gestossene Steine von allerhand Farben/ Marmorstücke von dickem Glass / menge die Sachen mit Wein-Essig/ Wein/ Bier/ Milch/ oder dessen Molcken/ dass es werde wie ein Brey/ giesse es in eine Form/ nach deinem Belieben; oder giesse Platten zu einem Tisch/ Säulen/ oder sonst ettwas/ rühre aber die Substantz mit einem Spatel wohl um/ und unter einander/ damit sich die Adern recht eintheilen; darnach lass es trocken werden/ polire es mit Bimsstein/ alsdann mit Trippel/ gieb demselben mit Seyffen und Oel den Glantz/ so wird es nicht anders gläntzen/ als ein recht polirter Marmor.

pp. 557–558

Ein hart Kalch zum Gesimsen/ und in einem
hölzern Zimmer/ einen Feuer Herd ohne
Gefahr zu bauen.

Nimm guten Gips/ gestossen Ziegelmehl/ Ham-merschlag und Kreiden. Mache alles an mit Lösch-Wasser/ von Schmieden/ und warmen Ochsen-Blut. Darmit bestreiche dein Gesimse/ den Feuer-Herd mache also. Auf das erste Mauer-Werck/ thue starck Aschen/ und auf die Aschen maure wie-der; folgends wiederum Aschen/ darauf gethan/ und wieder gemauert. Also biß zum Ende.

pp. 557–558

Die Gips-Mauren schön weiß zu machen/
oder vielmehr wieder zu weisen.

Man muss stets dafür halten/ dass die Mauren recht wol gemacht/ und mit einen sehr guten und wol vermengten Gips überzogen/ hernach weiset man sie mit Milch/ Sandrecht/ feinen Kalch/ auf so eine Art/ wie hernach angezeigt/ und vermischet wird/ man muss die Mauren mit Wasser zimlich wohl feucht machen/ dann das ganzeGeheimnus bestehet darinnen/ dass das Wasser nicht so gar eilend trockne/ sondern gar langsam/ dardurch dem Kalch Raum gegeben wird/ sich desto fester zu setzen/ und nach und nach zu trocknen/ und dergestalt machen die Maurer weder die Hände/ noch die Kleider weiss/ und wann etwan etwas salzigtes an den Mauren hinge/ so muss man es abschaben/ und also auch von den Mauersteinen/ und mit der Quäste 2 nebo 3 mahl darüber fahren/ es gleich zu machen/ und dann ein paar Stunden darnach/ mit der flachen Hand darüber fahren/ so wird es so pöllirt werden/ wie ein Marmor.

Die Milch von Kalch wird zum besten also gemachet. Nachdeme der Kalch langweilig gelöscht wird/ indeme man in denselben Wasser genug gegossen/ und umgerühret/ solang biss oben ein Schaum darauf kommet/ denselben muss man gar genau abnehmen/ und zu seinem Gebrauch verwähren/ der letzte Überstrich muss mit dieser Milch von lebendigen Kalch geschehen/ damit das Weise desto besser pollirt aus sehe.

pp. 558–559

Auf eine andere Art.

Der Überstrich muss gemacht werden von Kalch und Sand/ welcher nach der Richtschnur wohl abgelegt werden solle/ und muss man mit den Glatt-Scheid darüber/ und es hernach mit der Kalch-Milch/ alsbalden darauf 2 oder 3 mahln weisen. Die erste Weise muss ganz klar und dünne/ die andere ein wenig dicker/ die dritte noch etwas dicker/ der man mehr oder weniger Wasser nach Belieben kann zu giesen seyn. Diese Art zu Weisen wird genannt Kalch-Weisen/ und ist unter allen die beste/ schönste und geschwindeste.

p. 559

Das Estrich von Gips zu reiben/ und zu
färben.

Man muss das Estrich wohl beschaben/ hernach Urin und Russ/ aus den Schornstein/ oder aus den Back-Ofen/ welcher besser ist/ unter einander mischen/ und weichen/ und so zwey Tage zu weichen stehen lassen/ und nachmahls mit Bürsten oder grosen Penseln das Estrich überstreichen/ und trocknen lassen/ ehe man darüber gehet/ und wann es wohl trocken/ muss man es mit Kratz- oder Reibbürsten/ gleichwie einen gebretterten Boden/ wohl abreiben.