Kunckel 1696
[Johannes Kunckel], Kunst- und Werck-Schule/ Anderer Theil/ Darinnen zu erlernen allerhand schöne bewährte Lac- Spick- Terpentin- und Oel-Fürnisse/ ungemeine bunte schöne Holz-Arbeiten/ allerhand Farben/ Holtz-Beitzungen/ fürtrefflich- erdencklichen Verguldung- und Versilberungen auf allerley Dinge/ Holtz und andere Dinge in Formen zu giesen/ schönen Helffen- und andern Bein- und Horn-Arbeiten, allerley erdenckliche Kätten und Leimen zu vielerley Sachen…, Nürnberg [Johann Zieger] 1696.
pp. 312–314
Oel-Farben auf die Mauren zurichten.
Wilt du mit Oel-Farben mahlen auf die Mauren/ daß es beständig bleibet/ so entwirff am ersten die Materi/ und reise es aus mit einem spitzigen Eisen/ und nimm zum ersten ein wenig Eyerklar/ und träncke di Mauer darmit/ darnach mit stärckerer/ und träncke es so lange/ bis sie gläntzend wird/ und nim ein Kohlfeuer/ und wärme die Mauer an dem Ort/ wo du sie geträncket hast; mahle dann mit Oel-Farben darauf/ es bestehet. Wann du Oel-tränckest/ das verdirbt in dem Wetter; wann die Kälte aus der Mauren gehet/ so treibt sie das Oel-getränckte aus der Mauer/ und der Staub legt sich darein/ und schälet sich von der Mauren ab.
Gute Weise/ so im nassen Tünch bleiblich und beständig.
So nimm Kalch/ der da weiß seye, und thue ihn in ein Schaff/ und geuß Leim/ von Ochsen-Schwänzen gesotten/ daran/ und laß es 14 Tage stehen/ geuß aber alle Tage des vorgemeldten Wassers/ oder Leim/ daran; darnach nimm denselben Kalch/ und trockne ihn an der warmen Sonnen / an einer Mauren/ und lasse ihn auch 14 Tage/ oder länger/ stehen/ so zeucht die Sonne die Färbigkeit heraus; darnach schlage den Kalch wieder von der Mauren/ und reibe ihn mit vorgemeldtem Leim-Wasser gar wohl/ und mache Kügelein daraus/ und lege sie an die Sonnen/ laß sie trocken werden/ so hast du eine gute Weise in nassen Tünchen.
Wilt du gut anwerffen im Wasser-Tünchen/ so nimm Schwärtze/ welcherley du willst/ und lege sie in ein Feuer/ laß solche erglühen/ und lösche sie ab in einem Wasser/ so hast du gut Entwerffen-schwartz, und ist gut in nassen Tünchen.
Die hernachfolgende 2 Stücklein seynd gut in nassen Tünchen; Item/ Berg-Zinober/ gebrannter Zinober/ Ertzgün/ fein Lasur/ Berg-Lasur/ der klein ist/ Venedisch Gelb/ etliches Paris-roth/ Ogger/ Berggrün/ sind alle gut in nassen Tünchen zu mahlen.
Wie man alle Farben mit Leim temperiren solle auf Holtzwerck/ oder auf Mauren/ oder auf Tücher.
Zum ersten/ daß es lange währet/ und nicht faul wird/ solle man nehmen Abgeschabtes von Pergament/ vorher aber mit Wasser schön waschen/ und daraus einen lauteren Leim sieden/ weder zu starck noch zu schwach; wann nun der Leim zur Hand gesotten ist/ so thue eine Schüssel voll Essig darunter/ und lasse das wohl erwallen; thue den Leim vom Feuer/ und seihe ihn durch ein Tuch/ in ein schön Geschirr/ und setze solchen an ein kühles Ort/ so bleibt er lange frisch und gut/ und ist der Leim gestanden/ als eine Gallerte oder Sultze. Was du nun für Farben temperiren wilst/ da nim so viel Leim als Wasser unter einander und auch so viel Hönigs darunter/ und wärme das ein wenig/ und zertreibe das Hönig unter den Leim/ und verfahre darmit wie bewust. Diese Farben kan man auch mit Oel und Fürniß überstreichen/ so werden sie glänzend/ und mag ihnen kein Wasser schaden/ und kein Regen oder Wind verdirbt ihren Glantz und ihre Farbe nimmer.
