Liechtenstein 1681
Karl Eusebius von Liechtenstein, Instruction wegen der Gebäude, von Fürsten Carolo Eusebio von Liechtenstein aigenhändig geschriebener hinterlassen, wie alle Gebäude hiernach zu führen und anzulegen wären, s. d. [before 1681]
The Princely Collections, Vaduz – Vienna, Hausarchiv der regierenden Fürsten von und zu Liechtenstein, Instruction wegen der Gebäude, von Fürsten Carolo Eusebio von Liechtenstein, inv. No. FA 501.1. Quoted from: Des Fürsten Karl Eusebius von Lichtenstein Werk von Architektur, in: Victor Fleischer, Fürst Karl Eusebius von Liechtenstein als Bauherr und Kunstsammler (1611–1684), Wien – Leipzig 1910, pp. 75–209 (125–126).
Die Peden der Zimmer sollen von Stukatorarbeit sein und die Felder gemahlet; welche Gemahl aber schier besser sein werden auf Rahmen, solche anzumachen von Elfarben als al fresco, damit man solche in einer Feüersbrunst salvieren konne, auch die Beden eingehen und die Tram faul worden, und man andere einziehen mues, man solche abnehmen konne; dan sonsten, wan sie auf den Poden selbst gemahlet sein, miessen sie mit den Poden verderben, wan er geandert oder erneüert sein mues, welches aufs lengst in 2 Menschen Lebensfrist beschehen mues. Dan alles Holtz endtlich faulet und also der gantze Poden und Arbeith hin ist. Auf dise Weis aber kan das vornehme Gemahl erhalten werden, umb welches schadt wehre, solches so bald zu verlieren als den Poden. Dan die Gemahl miessen vornehm sein, sonsten seint sie nicht zu schatzen und zu haben; da sie aber vortreflich an der Kunst sein, so seint sie hocher Wirdigkeit und aufs lengst zu erhalten. Es scheinet auch, dass die Mahler besser reuscieren in dehnen Elfarben als à fresco, das ist in den frischen Kalch, dan sie mehre Iebung in Öelhaben. Dan wo ein Stuck à fresco gemacht wiert, werden herentgegen hundert in Öel gemachet sein, dieweil selten Ursachen sein à fresco zu mahlen, täglich aber in Öel, und also die Mahler mehreres erfahren sein in solchen. Sie, die à fresco, reuscieren nicht so wol, dan man kan sie nicht retochieren und verbessern wie die andern, an welchen man allezeit perfectionieren kan, an disen aber nicht. Derohalben man bei dehnen Gemahlen der Öelfarben verbleiben sol, welche auch von dehnen besten Meistern der Weldt konnen gemacht werden, ja auch abwehsender; dann da ihnen die rechte Mahs der Felder iberschiket wiert, so machen sie es schon just. Wo aber à fresco gemahlet wiert, so mues der Mahler beiwehsent sein, welcher, wan er recht vornehm, mit hechster Müehe ein gantzes Werk eines felligen Palatii so viller Zimmer iber sich nehmen wiert. Dan es ein gar zu langes Werk wiert, iber welches er verdrossen wiert, dan sie schier lebenslang hiermit occupieret sein wurden ob gar zu viller Arbeit, hierzu sich schwehrlich einer verbinden wiert. Dan sie gehrn neue Werk haben, als so lang an einen Ohrt und Werk zu arbeiten; oder wurden ein solche immensam summam Geldts fodern, das Taedium hieriber bezahlet zu haben, dass es unmiglich zu erdragen. Danenhero es vil besser von unterschiedlichen Meistern es zu haben, dan varietas delectat, es auch eher fertig wiert, und unterschidtliche Werk man iberkommet, so geschatzt und verlanget wiert; von unterschidtlichen und dehnen besten zu haben, es beliebiger ist und auch eher fertig, wan zugleich unterschidtliche arbeiten. Jeder Mahler auch lieber etlicher Gemach als eines gantzen und so villen Werks unterfangen wiert.
Was aber gemahlet sol werden, ist auch nicht unnutzlich darvon ein Meldung zu thun. In des Herrn de casa Zimmer konnen profane Historiae gemahlet werden, poetische oder andere, in der Fürstin aber geistliche, aldieweil das weibliche Geschlecht in der Andacht die Männer ibertreffen thuet; konten auch in des Herrn Zimmer geistliche Sachen sein, aldieweilen pietas ad omnia utilis ist. In den Sahl aber und dehnen 2 Gallerien miessen poetische Sachen und profana kommen; wo die Diener sein, auch geistliche Werk, sie zu einen gottgefelligen Leben anzureitzen.
Note
Cf. Victor Fleischer, Fürst Karl Eusebius von Liechtenstein als Bauherr und Kunstsammler (1611–1684), Wien – Leipzig 1910.
