Ludovici 1742/III
Carl Günther Ludovici, Allgemeine Schatz-Kammer der Kauffmannschafft Oder Vollständiges Lexicon aller Handlungen und Gewerbe So wohl in Deutschland als auswärtigen Königreichen und Ländern; Darinnen Die Beschreibung aller und jeder zur Kauffmannschafft und Handlung gehörigen Waaren… III (M–R), Leipzig [Johann Samuel Henesius] 1742.
col. 588
OCHERA, Ocher, Ocker, wird von Bley gemacht, welches so lange gebrannt wird, bis es die gelbe Farbe bekommt, da sie denn die Mahler gebrauchen können. Es giebt auch einen natürlich gewachsenen Ocker oder Ockergelb, welches nicht nur um und bey den Metallen, sondern auch wohl in eigenen grossen Adern gefunden wird, und aus den Bergen als eine harte gelbe Erde, die rother, kupffrichter, und eiserner Natur ist, gegraben wird. Dergleichen findet man viele in den Deutschen Bergwercken, woselbst er in Tonnen geschlagen, und zum Verkauff weg gesandt wird. In Franckreich hat man dessen auch genug, und viel schöner, als in Deutschland; daher der Frantzösische auch um ein grosses theurer ist, als der andere. Diesen bringet man in grossen Tonnen heraus. Uber dies kommt auch ein Ocker aus Engelland, welcher aber viel brauner ist, als der Frantzösische, und insgemein Braun-Roth genennet wird. Man kan ihn aber nicht wohl zum Mahlen brauchen, es sey denn, daß die Helffte vom Frantzösischen Ocker drunter gemischet werde. Jedoch ist er allein gut, die Spiegel-Gläser, Zinn und Meßing damit zu poliren. Derjenige Ocker wird für den besten gehalten, welcher trocken und zart ist, sich leichtlich zerreiben läßt, und eine hohe Farbe, ohne vielen Sand bey sich hat. Die Apothecker und Chirurgi nehmen ihn wegen seiner zusammenziehenden Krafft unter etliche Pflaster.
Siehe auch Gelbe Erde, im II. Bande p. 550. ingleichen Berg-Gelbe, im I. Bande p. 437.
Ochergelbe Erde aus dem Vitriole. Löset gereinigten Vitriol in Brunnenwasser auf, lasset ihn hernach eine Weile stehen, so fällt eine Ochergelbe Erde von sich selbst auf den Boden.
OCHRA, siehe Berggelbe, im I. Bande p. 437.
OCHRA PLUMBARIA FACTITIA, siehe Bleygelb, im I. Bande p. 593.
