Ludovici 1753/II

Carl Günther Ludovici, Eröffnete Akademie der Kaufleute: oder vollständiges Kaufmanns-Lexicon, woraus sämmtliche Handlungen oder Gewerbe, mit allen ihren Vortheilen, und der Art, sie zu treiben, erlernet werden können… II (C–G), Leipzig [Bernhard Christoph Breitkopf] 1753.


col. 1483–1484

Farberden, Erdfarben

Farberden, Erdfarben, lat. Colores terrestres, franz. Couleurs de Terre, heißen überhaupt, und im weitläuftigem Verstande, alle diejenigen gefärbten Erden, Steine und Mineralien; im engen Verstande aber ins besondere diejenigen eigentlich sogenannten Erden, die man, um einem Körper eine gewisse Farbe zu geben, gebrauchen kann. Man hat deren von allerhand Farben, und gehören darunter: Kreide, Rauschgelb, Operment, Kolletfarbe, oder gelber Ocher, licht und dunkelrothe oder braune Ocher, Galmeyerde, Umber, cöllnische Erde, Gerbererde, Braunstein, Braunroth, englische Erde, Röthelkreide, oder Rothstein, Röthelfarbe, rother Bolus, Bergzinnober, grüne Kreide, Berggrün, Schiefergrün, grüner Talg oder Brianzenerde, Terre verde, oder Veronererde, Bergblau, Wasserbley, schwarzwolkige Kobolt erde, die americanische Erde, Queazech genannt, etc. Einige von selbigen kommen so fein und farbig aus der Erde, daß sie ohne alle an anderweitige Zubereitung zum Farben können gebrauchet werden, und sind also so, wie sie aus der Erde kommen, schon Kaufmannswaare, z. E. Kreide, Zinnober, Umber, etc. Andere hingegen haben zwar die anständige Farbe; sie müssen aber, ehe sie Kaufmannsgut werden, und als Farbe gebrauchet werde können, vorher gewaschen oder geschlemmet werden; dergleichen denn z. E. das Berggrün, Bergblau, etc. sind; und endlich giebt es einige, die entweder gar keine oder doch nicht eine so hohe Farbe haben, als man verlanget, und daher, ehe man sie als Farben gebrauchen kann, vorher müssen geglüet oder gebrannt werden. Dergleichen sind verschiedene Arrten von Ochererden, manche gallmeyerden, brauner Eisenstein, und andere dergleichen Erden oder Steine mehr, wie denn z. E. böhmischer Galmey von Tzscheeren, der wie ein gelbgrauer Leim aussieht, eine schöne hochrothe Farbe. Polnischer gelber Galmey, eine Isabell farbe; Umbra von Berggieshübel, eine hohe Zimmetfarbe; Zinnoberletten von Slane eine Rosenfarbe; gelbe Berbererde eine zigelrothe Farbe geben. Was übrigens den Gebrauch dieser Farbenerden anbelanget; so werden solche als Farben meistens nur von den Malern gebrauchet, dahingegen die Farber von selbigen wenig oder gar keine gebrauchen, sondern ihre Farbezeuge meistentheils aus dem Gewächs- und Thierreiche hernehmen. Siehe Farbzeug.


col. 1955–1957

Gemälde, Mahlerey, Schilderey

Gemälde, Malerey, Schilderey, lat. Pictura, Tabula, franz. Peinture, Tableau, Tableau de Peinture, ist eine, auf einer glatten Fläche, mit Farben ausgezierte Zeichnung eines Dinges, welche desselben Gestalt kenntlich vorstellet. In alten Zeiten nennte man alle mit der Schreib- und Bleyfeder, Röthel, Kreide, oder Kohle, gemachte Handzeichnungen, imgleichen die mit dem Grabstichel verfertigte Abbildungen, wie auch allerley Maßivarbeit, Gemälde. Hierauf gab man den Zeichnungen eine, so dann vier, und endlich immer mehr und mehr Farben, nach deren Mannigfaltigkeit und Auftragung, wie auch nach dem Unterschiede der Empfindung, oder dem Unterschiede dessen, was vorgestellet wird, und endlich nach den Meistern, die Gemälde selbst verschiedentlich eingetheilet zu werden pflegen : 1) Nach der Mannigfaltigkeit der Farben hat man a) mit Oelfarben, b) mit Leimfarben, c) mit Wasser-Gummi- und Lackfarben, d) mit Saftfarben, e) mit trockenen oder Pastelfarben, und endlich f) mit Glasur gemalte Schildereyen. 2) Nach der Mannigfaltigkeit der Auftragung der Farben, giebt es Gemälde, die a) auf eine Wand gemalet sind, und zwar entweder a) auf nassen Kalk, mit Leim, Oel [sic!], und lauter Erdfarben, welches al Fresco malen genennet wird; oder aber b) es wird die Wand mit gebranntem Stroh oder Kohlen schwarz gemacht, und hernach wieder geweißet, hierauf aber das Gemälde, das darauf gemalet werden soll, in das Weiße gekratzet, daß das Schwarze darunter die Schattirung giebt, und dieses heißt Grau in Grau, oder Graffito malen; b) die auf Holz gemalet sind, und zwar entweder a) so bloß, oder b) nachdem solches vorher mit Leinwand bezogen, und auf diese ein zarter Gyps getragen, und mit Wasserfarben darauf gemalet worden, welches ein Gemälde alla Tempera genennet wird; c) die auf Leinwand gemalet sind, welches die gewöhnlichste Art ist; d) die auf Papier mehrentheils mit Gummi-, Saft- oder Wasser- und trockenen oder Pastelfarben gemalet sind; e) die auf Pergament, bloß mit Gummi- Zuckerkand- Saft- und Lackfarben gemalet sind; f) die auf Elfenbein, oder anderes Bein, gewöhnlich auf eben die Art, wie auf Pergament gemalet sind; g) die auf Metall, mehrentheils aber auf Kupfer, Silber und Gold gemalet sind, und zwar so, daß die aufgetragenen Farben entweder a) im Feuer eingebrennet oder eingeschmelzet werden, oder b) nicht, da denn das erste Email oder Schmelzwerk genennet wird, wozu die so genannte Porcellainarbeit und Porcellainmalerey so wohl auf ächtes als unächtes Porcelain gehöret; da hingegen das letzte, imgleichen die auf Helfenbein, Pergament oder Papier, mit feinen Saft- Gummi- oder Lackfarben gemachten Gemälde, wenn sie aus lauter kleinen Puncten bestehen, die endlich alle zusammen rangiret, ein ganzes Contrefait, oder eine andere Figur  im Kleinen vorstellen. Den Namen der Miniaturarbeit bekommen; h) die auf Glas entweder a) bloß mit Leimfarben, oder aber b) ebenfalls im Feuer gemalet sind; wozu denn endlich noch 1) die auf Stein oder Marmor gemachten Gemälde kommen.

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