Marperger 1704
Paul Jacob Marperger, Das Neu-Eröffnete Manufacturen-Hauß/ In welchen Die Manufacturen insgesmein/ dero differenten Arten/ erfodernten Materialien, davon dependirenden Künstler vorgestellet werden/ Auch welche Manufacturen einem Lande und Stadt nützlich seyn/ wie selbe glücklich zu introduciren und beyzubehalten/ Wobey auch Von denen Handwerckern/ deren Zünfften/ deren Rechts-Gebräuchen und Mißbräuchen gehandelt wird, Hamburg [Benjamin Schiller] 1704.
Das III. Capitel.
Von denen Materialien welche zu
den Manufacturen gebraucht werden deroselben
vielerley Arten. Item von der Manufacturen
Zubereitung/ und denen darin
Erfahrmen und damit umgehenden
Handwerckern.
. . .
pp. 62–63
Genug aber von dem/ womit der eitle Mensch seine Hoffarth vielfältig zu treiben pfleget/ bey welcher sein Herz/ wann es an die Liebe des Nächsten gehet offt härter ist als ein Diamant/ dessen Funckeln und Spielen ihm doch billig das Licht seiner guten Wercke/ vor andern Menschen leuchten zu lassen/ und den Himmlischen Vatter dadurch zu preisen/ erinnern solte. Wir wenden uns nunmehro zu andern Steinen/ nehmlich denen jenigen welcher Gebrauch GOtt allen Menschen verliehen/ und aus welchen Geistliche und Profan-Gebäude als die aller scheinbahrsten Manufacturen zugerichtet werden.
Es arbeiten aber fürnemlich in Steinen der Stein-Brecher/ Stein-Metz oder Maurer/ der Bildhauer/ und was sonsten noch vor Handwercker von der Bau-Kunst mit Steinen dependiren. Der Stein-Brecher welcher rechtschaffen im Schweiß seines Angesichts sein Brod essen muß/ hat wohl die sauerste Arbeit unter allen/ bald muß er mit Brech-Eisen/ Hölzern und eisern Keilen/ Hauen und Bickeln/ bald mit Bohren und Pulver die harten Felsen und Steine zwingen/ dabey vielfältige Gefahr der Gesundheit und des Lebens ausstehen/ und endlich mit grosser Müh und Arbeit die grosse Werck-Stücken zu versehen wissen/ daß der Stein-Metz solche füglich unterhanden nehmen/ und nach seinen Winckel-Eisen/ Maaß und Circul so wie es zum bevorstehenden Bau nöhtig thut/ behauen/ oder der Bildhauer Statuen und andere künstliche Figuren daraus verfertigen könne. Wann der Stein-Metz oder Stein-Hauer sein Werck verrichtet/ so kommen die Quader-Stücken den Mauer-Mann unterhanden/ welcher solche in den Bau geschicklich anzubringen wissen muß/ wo keine Quader-Stücke zu haben/ wird mit gebackenen Steinen welche aus Sand und Leim in Ziegel-Ofen gebrand werden/ und welche offt dauerhafftiger als die Quader-Stücke selbst seyn gebauet/ wessen Manufactur in einer reichlich eintragenden Ziegel-Hütten bestehet und hat sich derselben ebenso wohl zu erfreuen als der allerhand schöne und köstliche Waaren offtmahls nicht ohne viel Beschwerlichkeit verfärtigen läßt. Mehrere zu Steinern Gebäuden erforderte Handwercker seynd/ der Tüncher/ welcher die auffgeführte Gebäu mit Kalchwasser und Oehl-Farben solchergestalt zu überstreichen weiß daß selbige dadurch beydes wohl ausgezieret als gegen den Regen und Ungewitter gehärtet werden/ wann auff die noch nasse Tünch der Mahler mit seinen Kunst-Pinsel die zierlichste Figuren so wohl mit Leim als Milch und Wasser angemachten Farben trägt/ so heist man solches in fresco mahlen welches heutigs Tags in Italien und Ober-Teutschland sehr gebräuchlich ist.
Der Kalch- und Schiefer-Decker beweiset seine Kunst in Bedeckung der höchsten Kirchen und Thürmer/ und der das Pflaster auff den Gassen setzet/ weiß die Steine vielmahls so zierlich zu versetzen/ daß bey den bequemlichen Gehen auch das Aug/ gewisse und künstliche Züge oder Figuren dabey zu observiren hat.
. . .
p. 69
Der Kalck-Brenner welcher aus denen Kalck-Steinen durch Gewalt und Hitze eines sieben biß achttägigen grossen Feuers Kalck zu wege bringet/ dienet dadurch vielen andern Handwerckern/ zuvorderst den Papiermachern/ Pergamentern/ Weiß-Gärbern/ Mauer-Leuten und Tünchern/ als welche alle des Kalcks nicht entbehren können.
. . .
