Marx 1687

Johann Jacob Marx, Teutsche Material-Kammer/ Worinnen nicht allein die meist und vornehmste fremde Materialien/ Specereyen und andere Handels-Waaren/ sondern auch die zur Arzney dienliche Edelgesteine/ Mineralien/ Metalle und Meer-Gewächse/ wo selbige wachsen und herkommen/ wie die gute von den schlechten zuerkennen/ auch krafftig und beständig zu erhalten seyn/ deutlich und ausführlich beschrieben werden…, Nürnberg [Johann Zieger] 1687.


Johann Jacob Marx was a Nuremberg materialist (dealer in natural and manufactured materials) and spice merchant. In 1687, he published in Nuremberg a dictionary of commodities commonly traded by merchants of his profession. Alongside spices and various delicacies, minerals, metals, medicinal preparations, ornamental goods, and other merchandise, the book also mentions certain natural pigments — including coloured earths, bole, chalks, cinnabar, Lapis lazuli and blue smalt — as well as substances from which pigments could be produced artificially (i. e. antimony, vitriol). An expanded edition of the dictionary was published in 1709.


pp. 26–27

Antimonium crudum

Antimonium crudum & Minera. Spieß-Glas und Ertz/ das Spies-Glas wird aus dem Ertz/ als ein mineralischer Leib der metallischen Natur sehr verwandt/ geschmoltzen/ es bestehet hernach aus zweyerley Art Schwefel/ dessen wird sehr viel verraucht und verbraucht/ und gilt der Rauch mehr als die andere Materia, so zurück bleibt/ man hat das/ so am besten aus Ungerland und andern Bergwercken/ auch über Salzburg gehabt/ anjetzo finden wir solches nicht schlecht in obern Marggraffthum gegen und in Voigtland/ ingleichen haben wirs gehabt aus Franckreich/ Pohlen und andern Orten/ wie ingleichen die Minera, das Antimonium muß schön gelb/ spiessicht und rein von Schlacken seyn/ die Minera muß reich und schweer/ lauter von Kissen sich befinden.

Antimonium Vitrum

Antimonium Vitrum präparirt Spießglas/ diß muß einen roten/ bisweilen hell/und auch dunckel-durchsichtigen Schein wie ein Glas haben/ wird meistens in Engelland/ Holland/ wie auch in Salzburg gemacht/ wie wohl dasselbe allenthalben kann gemacht werden/ allein es trägt den Kosten nicht aus.

Armenus Bolus. Vide Terra sigillata vel Bolus Armenus.


pp. 42–43

Bolus Armena

Bolus Armena, Armenischer Bolus kommt nicht nur aus Fremden/ sondern auch aus vielen Orten des Römischen Reichs/ und ist darunter ein schlechter Unterscheid im Ansehen/ der Gute wird aus Armenia/ so vor Alters eine Stadt in Capadocia gewesen zu uns gebracht/ welchen die Heren Medici Bolum Orientalem genennet/ er solle rein ohne Sandt/ und gleichsam wie ein Talck oder Seiffe glatt anzugreiffen seyn/ dabey soll er starck an der Zungen hängen bleiben/ und leichtlich blaß roth fallen.

Bolus alba, Bolus rubra

Bolus alba, Bolus rubra findet sich in der Nähe im Reich/ werden verschrieben/ in grösser Quantität anhero gebracht/ und wohlfeil verkaufft/ der Rothe kan nicht als mit Sand verfälscht werden/ der Weisse aber muß auch klar rein und zart fallen.


p. 77

Cobaltum, Cadmia

Cobaltum, Cadmia, Mucken-Gifft/ Mucken-Pulver/ wird aus der Materia oder Minera, allwo die Schmalten calcinirt wird/ gemacht/ kommt unterschiedener Farben/ und ist keine zu erwehlen/ indeme bisweilen alle Farben gut/ bißweiln alle schlecht würcken/ in Johann Georgen Stadt wird viel gebrannt.


p. 78

Cerussa alba

Cerussa alba, weiß Bleyweiß/ wird des Jahrs viel verthan/ es wird unterschieden gemacht/ das schönste und beste kommt von Venedig/ ist auch noch so theuer als das Holländische/ es wird in Nürnberg und Franckfurth auch gemacht; wann es schon hart und Schnee-weiß ist/ so hats seine Prob.

Cerussa nigra

Cerussa nigra, schwartz Bleyweiß/ das künstelt man allhier sehr starck nach/ aber der Grund fehlt nur noch/ das schönste und beste kommt aus Engeland/ muß nicht sandig/ auch nicht gar leicht und brüchig seyn.


p. 79

Chrysocolla

Chrysocolla, Berggrün/ das beste wird in Ungarn gemacht/ das allhiesige will ihm nicht folgen/ man findet dreyerley Sortimenten/ und jedes derselben wird dem Gesicht und Werth in nach verkaufft.


p. 80

Cinnabrium factitium

Cinnabrium factitium, Zinober/ dessen ist bey den argento vivo oder Quecksilber gedacht worden/ er wird zu Venedig/ in Engeland und Amsterdam von einem Theil Schwefel und theils Quecksilber gemacht und sublimirt/ er kommt gantz und gerieben aus dem Land/ wiewohl man in Teutschland auch am geriebenen Cinober um ihme dergleichen wie er aus Italien kommt/ an Schönheit zu bringen/ arbeitet/ so aber mißlinget: und befürchte ich/ er wird durch das Künsteln verfälscht und zu nichte gemacht/ er wird auf einen gluenden eisernen Blech probirt/ ist aber nicht zu achten/ er gibt einem Rauch/ eben so/ als wann er verfälscht ist/ der schönste muß doch am dünlichsten seyn.

Cinnabrium Nativum

Cinnabrium Nativum, Berg-Cinober/ dessen eine Art/ ist gar fein/ bestehet in lauter Granis oder Körnlein/ und hat keinen Quarz der andere aber hat seinen Quarz und Kiß noch bey sich/ ist auch am gewissesten zu verkauffen/ es fället ein jeder gewachsener Berg-Cinober nach Art des Lands/ da er offt so schön roth fällt/ daß man ihme nicht schöner wünschet: er kommt auch aus Indien/ und dieser ist der beste gewesen/ dieser Zeit finden wir ihn eben so gut in Siebenbürgen und Ungarn/ anjetzo aber kommt der beste aus Crain.


pp. 111–112

Lapis Lazuli

Lap. Lazuli, ist ein Edelstein/ von trefflicher hoher blauer Farb/ bißweilen wann er nicht gantz blau/ so ist er mit gülden und silbernen auch weiß kieslichten Adern durch lauffen/ er kommt aus Orient und Arabien/ und fällt an der Schönheit sehr ungleich/ daraus machet man den schönen Ultramarin, welches eine unvergleichliche schöne blaue Farbe ist: In der Medicin wollen sie ihn unter die kostbahre Confect, Alkermes nehmen/ sonsten wird er mehrer zu Gehangen und Ringen verfasst/ als innerlich verbraucht/ der so gantz blau fällt/ ist am besten.


p. 170

Rubrica

Rubrica, rote Farb ist bey uns herum wohl bekannt/ und werden hiervon viel 1000 Centner versandt/ es wächst zum Theil bey dem Nürnbergischen Städtlein Petzenstein/ wann man von Nurnberg gegen Payreith reisen will/ dabey findet man auch eine schöne gelbe Farb/ so selten dergleichenzu graben/ gefunden wird/ man holet solche viel Klaffter tieff aus der Erden/ und wird hernach im Back-Offen gedörret/ und nacher Nürnberg und andere Oerter/ Futter-weiß verkaufft.


p. 186

Smalten oder blaue Sterck

Smalten oder blaue Sterck/ deren wird viel Sorten aus Sachsen/ absonderlich von Johann Georgen-Stadt gebracht/ und alle Städte damit angefüllt/ die feinste muß schön an der blauen Farb trocken und zart seyn/ die andern seynd gemeiniglich bloß/ falb/ grob/ und theils sehr schlecht.


p. 206

Terra Alba, Creta

Terra Alba, Creta, weise Erden oder Kreiden/ dessen wird allenthalben gefunden/ absonderlich haben wir in Teutschland unterschiedliche Gattungen/ welche aber zum Schneiden nicht alle dauglich/ wir bekommen viel von Littau/ Cöln und andern Orthen/ die aber in der Artzney gebraucht wird/ kommt aus Creta, auch aus Franckreich/ die Kreiden muß nicht steinigt/ sondern gantz weiß und zart seyn.

Terra Citrina

Terra Citrina, gelbe Erden/ deren haben wir bey Petzenstein/ welches ein Nürnbergisches Städtlein/ gar schön von gelber Farb/ es wird dieselbe nebenst der roten/ welche auch dabey zu finden/ viel hundert Centner-weiß verschicket und verkaufft/ sie mus wohl trocken und nicht steinigt seyn.


p. 208

Terra viridis

Terra viridis, seu viridis Montani oder Chrysocolla, Berg-Grün/ Stein-Grün/ Schifer-Grün/ wird gefunden/ wo Kupffer/ Silber und dergleichen Ertz gegraben wird/ es ist die beste Berg-Grün aus Ungern zu haben/ deren Farb nirgend kan gleich gefunden werden/ man macht es auch von schlechter Materi, und findet deren offters 3. Sorten.


pp. 216–217

Vitriolium album

Vitriolium album, weiser Vitriol/ wird in Berg-Wercken/ zuweilen auch aus solchen Brunnen zubereitet/ und in grossen weisen Stücken zu uns gebracht/ wann er lüfftig ligt/ zerfällt er/ und wird gelblicht/ im Reich findet man dessen an unterschiedenen Orten.

Vitriolum de Cypro

Vitriolum de Cypro, blau Cyprischer Vitriol kommt aus Engelland/ und wird auch in Teutschland eben so schön gemacht.

Vitriolum Ungaricum

Vitriolum Ungaricum, Ungarischer, Salisburgense, Saltzburg u. Tyroler, Gossloriense, Sächsischer, Bohemiense, Böhmischer Vitriol sehen alle grün/ feucht und schwer/ darunter ist der Ungarische und Salzburger der beste und an starcken Crystallen/ die andere folgen hernach/ und wird von den Gemeinen ein Grosses allhier verbraucht/ absonderlich zum Taback-machen/ es werden auch mehrerley Sorten hieher gebracht/ so alle unverwerfflich.