Pfingsten 1789
Johann Herrmann Pfingsten, Farbenmaterialien. Eine volständige Sammlung brauchbarer Abhandlungen und Erfahrungen für Künstler und Fabrikanten die mit Farben zu thun haben, Berlin [Christian Friedrich Himburg] 1789.
pp. 117–118
IV.
Umber- oder Köllnische braune Erde.
Diese schöne Mahlerfarbe oder Erde kam ehedem aus Umbrien, welches jetzto das Herzogthum Spoleto genannt wird, daher ihr der Nahme Umbererde beygelet worden. Heut zu Tage ist der Umber unter dem Nahmen der köllnischen braunen Erde bekannt, weil dieselbe jetzt von Köln am Rhein, als die beste zur Mahlerey, durch ganz Europa verschickt wird. Alle Mineralogen und andere Schriftsteller, welche über das Mineralreich geschrieben haben, waren bisher der Meinung, daß die Umbererde, oder die köllnische braune Kreide, wie der Ocher, die Kreide, der Mergel, und alle ähnliche Körper, eine besondere Erdart sey, daher hat sie Wallerius unter die Stauberden gerechnet. Allein der Freyherr von Hübsch in Kölln hat uns den wahren Ursprung dieser Erdart endlich vollkommen entdeckt. Es ist nehmlich diese Umbererde ein unterirrdisches und gegrabenes Holz (Lignum fossile), das man in Torfgruben und morastigem Erdreiche antrift, und das sich durch mineralogische Dämpfe und unterirrdische Wasser so aufgelöst hat, daß es sich leicht zu Pulver reiben, und zum Gebrauch in der Mahlerey desto bequemer anbringen läßt. Der eben erwähnte Herr Baron von Hübsch hat auf seinen mineralogischen Reisen, die er um die Seltenheiten der innern Erdarten zu entdecken, unternommen, im Herzogthum Berg, das an solchen Reichthümern sehr fruchtbar ist, verschiedene dicke Stücke dieses vererdeten Holzes in einer Torfgrube entdeckt, welche mit einem erdharzigen Safte, oder Bergfette durchdrungen waren, und die eben daher eine weichere und schönere Umbererde ausmachten, als die übrigen Arten, die man in der Gegend von Kölln findet. Jemehr aber diese Stücke mit Erdharz durchdrungen waren, desto schöner war auch die braune Farbe derselben. Man findet solche auf zweyerley Art. Eine Art ist noch ein wahres gegrabenes Holz, welches aber meistentheils sehr unkenntlich ist, doch aber zuweilen seine Gestalt noch behalten hat, weil solche von einem Schwefeldampf oder erdharzigen Saft durchdrungen worden, wodurch sie der Fäulniß entgangen sind. Dieses bergharzige Holz läßt sich aber dennoch leicht zu Pulver reiben. Die andere ist wirklich eine vollkommene Umbererde; weil man sie schon durch die Natur in Staub, oder in eine Stauberde verwandelt findet. Diese ist inzwischen nichts anders, als das nämliche Holz, welches durch die unterirrdischen Wasser, oder eine andere Ursache aufgelöset worden. Dieses vererdete, oder in eine wirkliche Stauberde verwandelte Holz, welches man im Jülich- Berg- und Köllnischen findet, ist die beste Umbererde, die man in der Mahlerey braucht.
