Racknitz 1795
Joseph Friedrich von Racknitz, Briefe über die Kunst an eine Freundinn, Dresden [Carl Christian Meinhold] 1795.
pp. 41–48
Neunter Brief.
Die Erfahrung lehret uns täglich die wichtige, aber freylich für unsere Eigenliebe kränkende Wahrheit, daß wir manche Fehler an uns haben, die wir nicht kennen, manchen Fehler machen, ohne es zu bemerken, und daß wir daher denen Freunden, die redlich und offenherzig genung sind, um uns mit diesen Fehlern bekannt zu machen, den lebhaftesten Dank schuldig sind, daß wir sie eigentlich für weit bessere und nüßlichere Freunde erkennen müßen, als diejenigen, die jedes Wort, jede Handlung von uns loben. Solche Freunde haben nicht blos auf unsere moralischen Eigenschaften, sondern auch auf unsere Unternehmungen in den Wissenschaften und Künsten den wohlthätigsten Einfluß; und nie wird der Dilettant oder der Künstler, der nicht bescheidenen, ja selbst bittern Tadel hören und nutzen will, irgend einen Grad von Vollkommenheit erreichen.
Den Werth eines freundschaftlichen Tadels erfuhr ich selbst vor einigen Tagen, als ich einem meiner verdienstvollesten Freunde meine Eintheilung der Werke der bildenden Künste wieß. Er schien im Ganzen und in gewisser Rücksicht mit selbiger zufrieden zu seyn; sein Beyfall schmeichelte mir nicht nur, sondern erweckte auch mein Vertrauen, da er mir zugleich eine Ausstellung machte.
Bey der Classificirung der Werke der Kunst, sagte er, kommt es freylich auf den Gesichtspunkt an, aus welchem man selbige betrachtet, und der Gesichtspunkt, den sie hier angenommen haben, scheinet mir gut gewählt. Wie kommt es aber, daß Sie Gemählde und Zeichnungen von Maschinen und Sachen, die bey Manufacturen, Fabriquen u. s. w. anwendbar sind, unter die Werke der Kunst rechnen? denn bey denselben scheint es auf eigentliche Kunst, das heißt: auf glückliche Wahl, Anordnung, Colorit u. d. g. nicht anzukommen, sondern blos auf richtige Zeichnung und getreue Darstellung. In dieser Rücksicht also könnte man die letzte Gattung der Gemählde, welche das, was man Stillleben nennt, vorstellen, eher unter die Werke der Kunst rechnen, als jene.
Im Grunde schien mir mein Freund recht zu haben, und ich eile daher, Ihnen, beste Freundinn, meinen Fehler zu bekennen. Vielleicht finde ich in der Folge Gelegenheit, ihn einigermaaßen zu entschuldigen, und will mich also jetzt mit keiner Vertheidigung desselben aufhalten, sondern lieber in meiner unternommenen Arbeit fortfahren.
Meinen letzten Brief beschloß ich mit dem Entwurf einer Classification der Werke der Mahlerey; in diesen und dem folgenden Briefe will ich mich mit Ihnen von den Dingen unterhalten, die man bey Verfertigung dieser Werke anwendet, in so ferne man diese Werke darnach eintheitet.
Eine der vorzüglichsten Arten der Mahlereyen, bey welcher ich mich auch am längsten aufhalten werde, scheinet die Oelmahlerey, wo man Farben, die mit Oel vermischt sind, gebrauchet, zu seyn. Aus dem kurzen Abrisse der Geschichte der Kunst, den ich Ihnen mitgetheilet habe, werden Sie, beste Freundinn, sich erinnern, daß in alten Zeiten die Farben bey der Mahlerey blos mit Wasser angemacht, und die Oelfarben, deren wir uns in neuern Zeiten so häufig auf Leinwand und Holz bedienen, im Anfang des funfzehnten Jahrhunderts vom van Eyk erfunden worden.
Diese Art zu mahlen, oder vielmehr diese Farben, haben vor den Wasserfarben beträchtliche Vorzüge, sowohl in der Bearbeitung des Gemäldes, als bey seiner nachherigen Wirkung.
Wenn die Oelfarbe einmal angetrocknet ist, so löset sie sich nicht leicht wieder auf; man kann daher eine Stelle, so oft man will, übermahlen; durch öfteres übermahlen aber die beste Harmonie und die höchste Wirkung der Farbe leichter erhalten, als wenn man die Farben so, wie sie zuerst aufgetragen worden, stehen lassen muß. Auch können Oelfarben dergestalt über einander gesetzt werden, daß die untere durchscheinet; (welches in der Kunstsprache glassiren genennt wird) ein wichtiger Vortheil, den die Wasserfarben nicht haben. Da ferner die Oelfarbe zähe ist, und nahe an einander gelegte Tinten nicht in einander fließen, so kann der Mahler sowohl eine bessere Mischung, als eine bequemere Nebeneinandersehung der Farben in der Oelmahlerey erreichen, als in der Wassermahlerey. Weil sich auch im trocknen die Oelfarbe nicht ändert, wie die Wasserfarbe, so hat der Mahler den Vortheil, daß er seine Farbe immer währender Arbeit schon beurtheilen kann.
Die Wirkung der Gemählde in Oelfarben, hat ebenfalls Vorzüge vor den andern Arten.
Die Farben sind zwar etwas dunkler, aber glänzender als die Wasserfarben; man ahmt in Oelfarben den Schmelz nach, womit die Natur viele Gegenstände bestreuet; das sanfte, duftige Wesen, wodurch sie ihren Landschaften den grösten Reiz giebt; das Durchsichtige der Schatten, und das Ineinanderfließen der Farben.
Dagegen hat die Oelfarbe das Nachtheilige, daß das darauf fallende Licht blendet, und daß man daher von gewissen Seiten das Gemälde nicht gut sehen kann. Die hellsten Stellen werden dunkler, als in der Natur; die Farbe geräth durch die Länge der Zeit in eine verderbliche Gährung, wodurch das Oel gelb wird und alle helle Tinten anstecket.
Man glaubet zwar, daß große Coloristen durch eine gute Bearbeitung der Farben diesen Mängeln vorbeugen können; allein welches Oel wird nicht zuletzt gelb?
Endlich haben die Oelfarben noch das Nachtheilige, daß der Staub sich fester an sie ansezet, und wenn er einmal auf der Farbe eingetrocknet ist, ohne Hoffnung der Reinigung darinnen bleibet. Diesem Nachtheil kann man jedoch gewißermaaßen dadurch vorbeugen, daß das Gemählde mit Eyweis überzogen wird. Außerdem nimmt man zum Mahlen gemeiniglich Nuß- oder Mohnöl, weil diese bald trocknen, da viele andere Oele niemals ganz trocken werden.
Zu einigen Farben, die schwerer trocknen, nimmt man bey der Bearbeitung Firniß, der auch überhaupt dem Oele mehr oder weniger beygemischet wird. Die Farben, bey denen der Firniß am nothwendigsten ist, sind Ultramarin, Lack, Schittgelb und Schwarz.
Die Oelmahlerey wird am vorzüglichsten auf Leinewand und Holz angewendet, ist aber auch zuweilen ehedem auf Stein versuchet worden. Einige der grösten Mahler haben verschiedene ihrer besten Werke auf Holz gemahlet, wie z. B. Correggio seinen St. George, und seine berühmte Nacht. Nur ist bey den Gemählden auf Holz zu befürchten, daß wenn nicht sorgfältig Achtung darauf gegeben wird, sich in der Folge ein kleiner Käfer einnistet, (der vom Linnäus Dermestes capucinus genennet wird) welcher den Gemählden außerordentlichen Schaden zufüget. In meiner Insecten-Sammlung habe ich einen solchen Käfer, welcher in Gesellschaft mit mehrern andern, sich in dem nurerwähnten Gemählde des St. George vom Correggio eingenistet hatte, von dem sorgfältigen Inspector der Gallerie, Herrn Riedel, aber entdecket und aus dem Holze gebracht worden ist. Da dieses Insect mit der Zeit das ganze Gemälde beschädiget hatte, so hat der schätzbare Mann, der es durch seine Wachsamkeit gegen den kleinen aber gefährlichen Feind schützte, ein neues Verdienst um die Kunst, so wie er ohnedieß wegen seiner Kunstkenntnisse, seiner Liebe zu der ihm anvertrauten Gallerie und seiner Geschicklichkeit, Bilder wieder aufzufrischen und zu erhalten, die Achtung und Freundschaft jedes Kunstliebhabers verdienet.
Ich komme nun zu einer Art von Mahlerey, welche nach der Oelmahlerey eine der vorzüglichsten ist, diese ist die Frescomahlerey. So nennt man nämlich eine besondere Art auf eine frisch mit Mörtel überworfene Mauer zu mahlen. Sie ist der Art, da man auf die schon alte und trockene Mauer mit Wasser- oder mit Oelfarben mahlt, weit vorzuziehen, weil sie viel dauerhafter ist; indem sich die Farben in den noch nassen Mörtel hineinziehen. Man muß aber Farben dazu nehmen, welche durch die Schärfe des Kalks nicht geändert werden; und die man mit Kalkwasser anreiben kann.
Wenn diese Farben auf die rechte Art zugerichtet worden, so trägt man solche auf die ganz frisch beworfene Mauer, läßt auch jedesmal nur ein so großes Stück der Mauer mit Mörtel bewerfen, als in einem Tage gemahlet werden kann; denn wenn der Mörtel zu trocken ist, so gelingt die Mahlerey nicht gut. Weil sich die Pinselstriche, die man einmal auf der Mauer gemacht hat, weder auslöschen, noch verbessern lassen, so muß der Mahler in denen sowohl zur Zeichnung, als zur Colorirung gehörigen Strichen eine große Gewißheit und Festigkeit haben. Man pflegt deswegen zu wichtigen Stücken erst Cartons zu machen, die man an die Mauer hält, um die Zeichnung darnach auf der Mauer anzugeben, und die Hand desto sicherer führen zu können. Alle Striche müßen mit Freyheit und Geschwindigkeit gezogen werden, weil das, was einmal zaghaft ist, sich schwerlich verbessern läßet, indem die Farbe sich sogleich in die Mauer einziehet. Die verschiedenen Tinten darf man nur neben einander sehen, ohne etwas zu vertreiben; hat man ja nöthig, einige Stellen noch einmal zu berühren, um einige dunkle Stellen zu verstärken, so muß man so lange warten, bis die erste Farbe etwas trocken geworden. Am besten werden die Schatten und die dunkeln Farben durch Schraffirung mit dem Pinsel verstärkt.
Diese Art zu mahlen, ist ehedem, ehe die Oelfarben erfunden waren, zur Verzierung der Wände sowohl in Zimmern, an Decken und Gewölben, als an den Aussenseiten der Gebäude mehr in Gebrauch gewesen, als heut zu Tage; wiewohl sie noch jezo in ansehnlichen Gebäuden zu ganz großen Stücken viel gebraucht wird.
Die Alten scheinen die Farbenmischung dazu vollkommen verstanden zu haben, denn man trifft bisweilen Stücken an, die nach vielen Jahrhunderten noch die frischesten Farben zeigen. Die herrlichsten Werke Raphaels im Vatican sind in dieser Art gemahlt, wiewohl sie jetzo in Absicht auf die Färbung sehr viel verloren haben; denn zu Raphaels Zeiten war man in der Ausübung dieser Art zu mahlen noch nicht so weit gekommen, als hernach zu des Carracci Zeiten.
Hanibals Carracci Gemählde in der Gallerie des farnesischen Pallastes sind in Ansehung der Ausführung weit schöner als alles andere, was von ihm in dieser Art gemahlet worden. *)
*) Eine ausführliche Beschreibung dieser Mahlerey giebt Dom Pernety in der Vorrede zu seinem Dictionnaire portatif de Peinture.
Diese Art von Mahlerey, welche, wie ich schon erwähnet habe, ehedem nicht allein in ansehnlichen Gebäuden, zu ganz großen Stücken, sondern auch in Wohnzimmern sehr gebraucht ward, hat das Vortheilhafte, daß die von großen Männern in dieser Art gemalten Werke, dem Lande, wo sie gefertiget worden, eigen, und daselbst als Monumente der Kunst bleiben, welche nicht durch die Schwachheit oder den Geldmangel des Besitzers an Ausländer gebracht werden können. Sie verschaffen dadurch, daß sie Fremde dahin locken und zu einigem Aufenthalte veranlassen, einen fortdauernden Gewinnst, und hätte man die Oelmahlerey nicht erfunden, so würden unsere jetzigen Künstler durch eine sicherere Hoffnung auf Verdienst mehr gereizet, sich zu großen Männern zu bilden. Denn da man die Frescogemählde nach dem Tode des Künstlers nicht erkaufen und zu sich bringen lassen kann, so müßte der Staat und der einzelne Kunstliebhaber, der etwas vorzügliches in der Kunst besitzen wollte, einen lebenden geschickten Künstler selbst kommen lassen und bezahlen. Man hat zwar in Italien auf Mittel gedacht, Frescomahlereyen aus der Mauer zu schneiden und fortzuschaffen; allein es scheint, daß dieses nicht überall, besonders bey großen Stücken ausführbar seyn möchte, und daß die Stücken bey weiten Reisen schadhaft werden würden.
Ich gelange nunmehr von den Riesen unter den Gemählden, nämlich von den großen Frescomahlereyen, zu den Zwergen, den Miniaturstücken; eine Art Mahlerey, welche vorzüglich nur im kleinen anwendbar ist.
Diese Art, die Miniaturmahlerey, ist eine ganz besondere Art in Wasserfarben zu mahlen. Man arbeitet dabey zwar mit dem Pinsel, aber nicht durch Striche, sondern blos durch Punkte.
Das ganze Gemählde besteht also aus feinen an einander gesetzten Punkten: doch findet man auch Stücken, die in einer besondern Miniaturart, mit sehr kurzen und feinen Strichen gemahlt sind. Das Gemählde wird auf weißen Grund, auf starkes Papier, Pergament, Elfenbein, oder auf Schmelzgrund gearbeitet, und das Weiße des Grundes zu den höchsten Lichtern ausgespart. Unter allen diesen Stoffen zum Grunde scheint das Elfenbein am wenigsten vortheilhaft zu seyn, weil es mit der Zeit gelb wird.
Bisweilen wird das Gemählde, besonders Portraits, nur halb in Miniatur gemacht, z. B. das Gesicht, oder was sonst nackend ist, wird punktirt, die übrigen Nebensachen aber, Gewand und dergleichen, werden nach der gewöhnlichen Art durch Pinselstriche und Vertreibung der Farben in einander gearbeitet. Man hat dergleichen Stücken vom Correggio, und finden sich deren zwey sehr schöne in dem Cabinet des Königs von Frankreich.
In der Miniatur selbst wird nichts vertrieben, sondern jeder Punkt behält die Farbe, wie sie auf der Palette war. Ob aber gleich die Farben nicht in einander fließen, so thun sie doch, wenn sie von einer geschickten Hand recht neben einander gesetzt worden, eben die Wirkung, als wenn sie in einander geflossen wären. Indessen findet man dennoch weit seltener ein Miniaturstück von vollkommener Harmonie, als in andern Arten Mahlerey.
Zu Portraits sind die Miniaturfarben insgemein zu schön, um das wahre Colorit der Natur darzustellen, und schicken sie sich am besten zu Blumen.
Diese Art Mahlerey dient vorzüglich zu sehr kleinen Gemählden, die unter Glas gesetzt werden müßen; sie erfordert ungemein viel Geduld und große Behutsamkeit, weil nichts übermahlt werden kann. Insgemein ist darinnen mehr der Fleiß
Fleiß und die Geduld des Künstlers, als sein Genie zu bewundern; doch siehet man auch bisweilen Miniaturen von großer Schönheit und guter Haltung; aber freylich sind sie selten.
Schätzbar ist die Miniatur, weil sie das Mittel ist, die Portraits solcher Personen, die uns vorzüglich werth sind, im Kleinen zu besitzen, und z. B. in Ringen, auf Dosen u. s. w. bey sich tragen zu können.
In den mittlern Zeiten, da die schönen Künste meist noch in der Wiege lagen, oder vergraben waren, mag die Miniatur am meisten geblühet haben. Die Reichen ließen in ihren geistlichen Büchern um die Anfangsbuchstaben kleine Gemählde machen, und diese Art der Pracht war damals so gewöhnlich, als gegenwärtig irgend eine andere ist.
Wir wollen nun, meine beste Freundinn, zu der Pastelmahlerey fortgehen.
Mit Pastelfarben mahlen heißt: mit trocknen in kleine Stifte (Pastels) geformten kreidenartigen Farben mahlen.
Diese Art hält das Mittel zwischen dem bloßen Zeichnen und dem eigentlichen Mahlen mit dem Pinsel, und wird sehr von Liebhabern der Kunst, die sich selbst damit beschäftigen wollen, geschätzt, weil sie bey dieser Arbeit die Unbequemlichkeit des Geruchs vom Oele, und die Unreinlichkeit, die mit der Oelmahlerey verbunden ist, nicht erdulden müßen; auch greift diese Mahlerey die Augen nicht so sehr an, als die Miniaturmahlerey, und erfordert nicht so viel Geduld und Behutsamkeit, als die letztere.
Die Pastelfarben werden eben so, wie die Reißkohle geführt; aber wo man gebrochene Farben nöthig hat, werden die Striche verschiedener Farben mit dem Finger in einander gerieben. In dem fertigen Gemählde ist nicht mehr zu sehen, daß die Farben blos durch Striche aufgetragen worden. Ueberhaupt scheinen sie nur wie Staub auf dem Grunde, der meistentheils Papier ist, zu liegen. Indessen giebt es Pastelgemählde, die, ohne den Glanz der Gemählde in Oelfarben, und ohne die Feinigkeit der Miniaturgemählde zu haben, doch eben so schön als diese sind. Da die Farben nur als Staub aufgestrichen sind, so müßen die Gemählde hinter Glas gesetzt werden, damit die Farben sich nicht verwischen, oder nach und nach verfliegen.
Bey dieser Gelegenheit werden Sie sich, beste Freundinn, des auf der hiesigen Churfürstlichen Gallerie befindlichen Pastelcabinets erinnern, in welchem außer einer großen Anzahl Gemählde der Rosalba, das schöne Bildniß des Marschalls von Sachsen von Liautard, ein anderes von la Tour, das Dienstmädchen mit der Chocolatentasse, auch von Liautard, und vorzüglich der vortreffliche Amor von Mengs, die gröste Aufmerksamkeit verdienen.
Ich beschließe nun meinen weitläuftigen Brief; verzeihen Sie, beste Freundinn, daß ich Sie heute mit Gegenständen unterhalten habe, die Ihnen zum Theil schon bekannt sind; allein ich konnte solche nicht übergehen, ohne von der Ordnung abzuweichen, die ich in meiner Arbeit zu befolgen wünsche.
Sie wissen, meine theuerste Freundinn, daß mich Geschäfte nöthigen, auf einige Zeit zu verreisen; Sie erhalten also vor der Hand nur noch einen Brief von mir, in dem ich die noch übrigen Gattungen von Mahlerey anführen, und Ihnen zugleich die Punkte angeben will, auf welche man bey der Beurtheilung eines Gemähldes sehen muß. Damit werde ich die erste Abtheilung der mir aufgetragenen Arbeit beschließen; und künftig, wenn Sie es verlangen, und meine Zeit mir die Fortsetzung erlaubet, jeden dieser Gesichtspunkte umständlicher aus einander zu sehen suchen. Leben Sie recht wohl.
