Reuss 1801
Franz Ambros Reuss, Mineralogische und bergmännische Bemerkungen über Böhmen, Berlin [Christian Friedrich Himburg] 1801.
Franz Ambrosius Reuss (1761–1830) was a Czech physician, geologist, and mineralogist. Prince Joseph Franz Maximillian of Lobkowicz (1772–1816) appointed him as spa physician in Bílina (Bilin). Reuss wrote several works devoted to the geology and mineralogy of Bohemia. In his Notes on the Mineralogy and Mining of Bohemia, published in Berlin in 1801, he provides detailed descriptions of the adits beneath Mount Úhošť (Burberg, Purberg), located near the North Bohemian town of Kadaň (Kaaden), where a natural green pigment known as Bohemian green earth was extracted.
Urgebirge des Saatzer Kreises.
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Neueste Trappgebirge.
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pp. 409–415
Die blaue Leite.
An der Südseite läuft von dem Purberge ein schmaler Kamm aus, der an der Süd- und Nordseite steil abfällt, und auf welchem hier und da der zuletzt beschriebene Basalt anstehend gefunden wird. Dieser Kamm hat den Namen blaue Leite.
In dem am meisten südwärts gelegenen Hügel des oben beschriebenen Hügelzuges, der mit dem östlichen Fusse des Purberges parallel läuft, ist ein Grubenbau vorgerichtet, auf welchem Grünerde gefördert wird.
Der eigentliche Grubenbau besteht aus zwei Stollen, welche aufsteigend in den Hügel getrieben sind, und deren Richtung nach der an dem Mundloche genommenen Stunde nordwestlich (St. 8) ist. Da das Flötz von Grünerde, auf welches der obere (höher gelegene) Stollen angesetzt ist, nur schwach war, und weiter in das Gebirge hinein ganz verdrückt wurde, so liefs man diesen liegen, ging aber in dem zweiten Lachter (eigentlich 1½ Lachter von dem Mundloche ) mit einem Gesenke bis auf das zweite Flötz nieder, das man in der zehnten Elle traf, und setzte darauf einen zweiten (den untern ) Stollen an. Dieser ist bis vor Ort 20 Lachter lang, und sein Ansteigen beträgt auf diese Länge 4 Ellen. Man teufte auch auf diesem Stollen ein anderes Gesenke ab, in der Hoffnung, in gröserer Teufe mehrere, und vielleicht auch stärkere Flötze von Grünerde zu treffen; da man aber in der vierten Elle noch keine Spuhr davon sah, so gab man das weitere Absinken auf.
Auf dem untern Stollen hat man in der achtzehnten Elle, von dem Mundloche an zu zählen, rechts und links einen Queerschlag gemacht, davon jener 3 Klafter, dieser 6 Klafter weit ausgelängt ist. Die Richtung der Queerschläge ist St. 11.
Von diesem Queerschlage ist die Stollenstrecke St. 5, 4 (südwestlich ) weiter verfolgt worden.
Der Stollen steht, da das Gebirge nur eine geringe Festigkeit hat, so wie das Gesenke, durchaus in Zimmerung. Der Stollen hat die Höhe von 3½ Elle, die von diesem aus südwestlich getriebene Strecke und die Queerschläge sind sehr niedrig, oft kaum 3 bis vier Schuh hoch, und stehen im festen Gesteine.
Die Flötze, welche die Grünerde bildet, sind von 2 bis 6 Zollen stark, werden aber bald mehr, bald weniger von dem Hangenden und Liegenden verdrückt, so dass sie oft nur die Mächtigkeit eines Zolles haben. Nach dieser Mächtigkeit des Flötzes richtet man sich vorzüglich bei dem Baue. Man geht nämlich mit der Strecke oder dem Queerschlage so lange fort, als die Mächtigkeit des Flötzes den Anschein zu einer reichlichen Ausbeute giebt; wird dieses schwächer, so verlässt man die Strecke, um auf einer andern sein weiteres Glück zu versuchen.
Von demjenigen Orte, der bei meinem Befahren (im J. 1798) belegt war, war die Mächtigkeit des Flötzes etwas über einen Schuh; doch war die Grünerde nicht rein. Es wurde daher bloss die reine in der Grube ausgehalten, die unreine mit den Bergen auf die Seite gestürzt.
Die Strecken gehen auf dem Liegenden des Flötzes fort, und ihr Ansteigen ist daher mit dem Ansteigen des Flötzes selbst das nämliche.
Die Flötze fallen unter dem Winkel von 14º bis 20° gegen Norden, bald mit einiger Abweichung gegen Westen, bald gegen Osten, und haben ihr Streichen zwischen St. 4 und St. 7.
Das Liegende der Grünerde macht ein verhärteter Mergel von gelblich- und grünlichgrauer, blass schwefelgelber, lichte und dunkel ochergelber Farbe. Diese Farben erscheinen fleckweise, und verliehren sich durch alle Schattirungen ineinander.
Er scheint ein ziemlich mächtiges Lager zu machen, ist sehr zerklüftet, und zugleich blasig. Die Löcher sind theils leer, theils mit Grünerde ausgefüllt. Auf den Klüften und den leeren Blasenräumen liegt dichter Brauneisenstein von einer nelkenbraunen Farbe theils angeflogen, theils unvollkommen traubig, äusserst selten in ganz kleine, aber ehen deswegen unbestimmbare Krystallen angeschossen.
Er hat einen erdigen Bruch, der aber im Grossen eine Anlage zu dem wellenförmig schiefrigen zeigt, unbestimmteckige, stumpfkantige Bruchstücke, ist weich, fast sehr weich.
Das Hangende macht ein Wackenthon.
Seine Farbe zieht aus der dunkel ochergelben bis in die gelblichbraune hinüber.
Er macht ein sehr mächtiges Lager, ist von einer mittleren Consistenz zwischen fest und zerreiblich, an sich matt, hier und damit erborgtem Glanze wenig glänzend oder schimmernd.
Der Bruch ist erdig, das in das Unebene von grobem Korne übergeht.
Die Bruchstücke sind unbestimmteckig, stumpfkantig.
Er ist undurchsichtig, färbt etwas ab, wird durch den Strich glänzend, ist sehr weich, milde, sehr leicht zersprengbar, hängt stark an der Zunge, und fühlt sich etwas fett an.
In diesem Wackenthone liegen sehr kleine stumpfekkige, auch rundliche Stücke von Grünerde, einzelne Körner von dunkel olivengrünem gemeinen Olivine, und einige specksteinartige Massen von dunkel lauch- und schwärzlichgrüner Farbe, an denen man, bei aufmerksamer Betrachtung, noch eine regelmässige äussere Gestalt (die Säulenform) wahrnehmen kann, und die daher nichts als Augit in dem Zustande der grössten Auflösung zu seyn scheinen.
Von dem obern Flötze macht dieser Wackenthon das Hangende und Liegende zugleich aus, zum Beweise, dass die Grünerde in demselben in stärkern und schwächern Flötzen einbreche.
Die Grünerde selbst hat folgende äussere Kennzeichen:
Ihre gewöhnliche Farbe ist die schwärzlichgrüne, die von einer Seite in die lauchgrüne, von der andern in die berggrüne fällt.
Sie macht, wie gesagt, 1 bis 8 Zolle starke Flötze.
Sie ist äusserlich und innwendig matt, auf den Klüften etwas fettglänzend.
Sie hat gewöhnlich einen unvollkommen schiefrigen Bruch, der hier und da in den flachmuschlichen, gewöhnlich aber in den erdigen übergeht, unbestimmteckige, stumpfkantige Bruchstücke.
Sie ist undurchsichtig, wird durch den Strich glänzend, ist weich, in das sehr übergehend, etwas milde, leicht zersprengbar, fühlt sich ein wenig fett an, hängt ein wenig an der Zunge, und ist nicht sonderlich schwer.
Dem Wackenthone näher ist sie mehr verhärtet, und in diesem Falle zieht ihre Farbe aus der schwärzlichgrünen von einer Seite in die lichte und blass pistaziengrüne, von der andern in die blass olivengrüne, und sie kömmt gewöhnlich gelblichbraun gefleckt vor; sie ist innwendig äusserst schwachschimmernd, im Bruche im Grossen schiefrig, im Kleinen erdig, weich, fühlt sich rauh an, und hängt noch weniger an der Zunge. Sie nimmt dann sehr zahlreiche kleine Kalkspathnüsse, die theils ganz dichte sind, theils in der Mitte einen leeren Raum enthalten, in welchem der grünlich- und rauchgraue Kalkspath die Freiheit hatte, in ganz kleine, selbst unter dem Suchglase unbestimmbare Krystalle anzuschiessen.
Im Feuer wird die Grünerde kleinblasig, verliehrt am Gewichte, und nimmt endlich eine pfirsichblüthrothe Farbe an, welche auf einen nicht unbedeutenden Eisengehalt derselben hindeutet.
Die Grünerde wird in der Grube mit Keilhauen gewonnen, und in einem Kübel mittelst eines zweimännischen Haspels auf den obern Stollen, und durch diesen auf Karren zu Tage gefördert. Es wird hier bloss im Schichtenlohne gearbeitet. Der Steiger, welcher zugleich die Zimmerung besorgt, erhält täglich 24 Kr., das Gezähe und Grubenlicht von der Stadt Karden [sic!], welcher diese Grube gehört. Diesem ist nur noch ein Tagelöhner zugegeben.
Sie wird als Mahlerfarbe, und da sie sehr luftbeständig ist, zum Anstreichen der Häuser gebraucht. Der Preis eines Centners ist in Karden [sic!] 4 Fl., 2 Fl. 45 Kr., 2 Fl. 30 Kr. und 2 Fl. Der Preis wird nach der dunklern Farbe und dem feinerdigen Bruche regulirt. Sie wird auch zum Theil in eine Art eines kleinen Ziegelofens gebrannt, und dann als rothe Farbe verkauft. Der reine Ertrag der Grube soll zwischen 900 und 1000 Fl. seyn.
Sowohl an dem Fusse des Purberges, als der übrigen, dem Atschauer Thale zufallenden Gebirge, findet man den Basalt zu einem bunten (vorzüglich aber ziegel- und bräunlichroth gefärbten) Thone aufgelöset, der oft 4 bis 5 und mehrere Fuss mächtige Lager bildet.
