Schröter 1776
Johann Samuel Schröter, Vollständige Einleitung in die Kenntniss und Geschichte der Steine und Versteinerungen II, Altenburg [Richterische Buchhandlung] 1776.
Des ersten Theils dritter Abschnitt
von den undurchsichtigen Steinen.
Die zweyte Klasse
von den Kalkartigen Steinen.
. . .
pp. 5–21
LXI. Der Kalkstein.
§. 320.
Ob nicht vielleicht das Wort Kalk oder Kalkstein, von dem lateinischen Worte Calx und dieses vom calciniren herkomme? das will ich andern zur Beurtheilung überlassen. Aber mir ist es um deswillen wahrscheinlich, weil aus dem Kalksteine kein Kalk werden kann, der Stein werde denn zuvor im Feuer calciniret. Dieser Stein, den einige Schriftsteller Kalchstein nennen, heißt sonst auch gemeiner Kalkstein, um ihn durch diesen Beysatz von dem Marmor zu unterscheiden, der bey den mehresten Schriftstellern unter den Kalksteinen stehet. Die lateinischen Benennungen Lapis calcareus oder calcarius beym Wallerius, und Saxum calcareum beym Agricola sagen eben das, was das Wort Kalkstein sagen will, doch scheinet Agricola bey seiner Benennung mit darauf gesehen zu haben, daß der Kalkstein an vielen Orten in Felsen gebrochen wird. Herr Scopoli nennet ihn calcarius vulgaris, gemeinen Kalkstein. Dioscorides nennet ihn Marmor fusaneum, und gebraucht das Wort Marmor als einen Geschlechtsnamen, darunter der Kalkstein, und der eigentliche Marmor als Geschlechtsgattungen stehen: durch den Beysatz fusaneum aber siehet er darauf, daß der Kalkstein allenthalben gefunden wird, so wie bey den Aerzten Morbus fusaneus eine Krankheit heißt, die sich allenthalben ausgebreitet hat. Der Herr Ritter von Linne nennet ihn Marmor rude und sehet ihm dem fixo entgegen, wodurch bey ihm der Gyps und besonders der Alabaster verstanden wird, weil der letzte durch scharfe Säuren gesättiget ist. In der altern Ausgabe seines Natursystems nennet er den Kalkstein: Marmor solubile vagum, particulis impalpabilibus solidis. Woltersdorf nennet ihn: Calcarius lapis, rudis, durus, polituram non admittens, weil er sich nicht bearbeiten lasset, und keine gute Politur annimmt (u); und eben darauf sahe Cartheuser, wenn er ihn calcarius rudis nitorem non assumens nennet. Die gewöhnlichen französischen Namen sind: Calcaires, Pierres calcaires und beym Bomare Pierre a chaux ou Pierre à ciment.
(u) Man findet zwar unter den Kalksteinen solche, die vorzüglich hart und gleichwohl kein Marmor sind, und daher eine schöne Politur annehmen. Allein bey genauerer Untersuchung sind dies größtentheils Muschelmarmore. Man kann auch annehmen, daß sich die Natur bey den Kalksteinen nach und nach der Vollkommenheit nähere, und man könnte daher den härtesten Kalkstein den weichsten Marmor nennen. Die Natur begehet keinen Sprung.
§. 321.
Der Kalkstein gehöret nach außern Kennzeichen unter die körnigten Steine, und unterscheidet sich von andern körnigten Steinen dadurch, daß er auf seinem Bruche nicht schimmert, und ein grobes und lockeres Gewebe hat. (x) Das Gewebe der Kalksteine ist zwar unter sich gar sehr verschieden bald gröberer und lockerer, bald fester und compacter, aber doch nie so fest als bey dem Marmor, oder bey andern körnigten Steinen. Herr Woltersdorf (y) sagt uns daher genug von den Kalksteinen, wenn er sie uns als Steine schildert, welche keine bestimmte Gestallt, dabey ein rauhes hartes Gewebe haben, und keine Politur annehmen. Herr von Justi (z) macht sich von den Kalksteinen den Begriff, daß sie im Feuer keine andere Veränderung erlitten, als daß sie mürbe werden, und durch die nachherige Wirkung der Luft in einen Kalk zerfallen. Nun glaubt er ein Recht zu haben, diejenigen zu tadeln, welche aus Kalksteinen und aus Gypssteinen zwey besondere Hauptklassen machen, unter welchen er den Herrn Professor Pott ausdrucklich nennet, weil der Gypskalk auch ein Kalk sey. Allein er gestehet doch zu, daß dieser von einer ganz andern Natur sey, als der gemeine Kalk, und wenn dieses ist, wie es kein Mensch leugnen kann, so sehe ich das Verbrechen nicht ein, welches diejenigen begehen, welche zwey Dinge trennen, die von einer zweyfachen Natur sind. Sonst sagt Herr von Justi mit völligem Grunde, (a) daß Kalkstein und Marmor ganz einerley Steine sind, denn sie braußen mit Scheidewasser bende, und aus dem Marmor wird eben sowohl ein brauchbarer Kalk, als aus dem gemeinsten Kalksteine, ja der weichste und schlechteste Marmor wird zum Kalkbrennen verbraucht. Nur die Härte, und die davon abhängende Feinheit der Politur unterscheidet den Marmor von den Kalksteinen. Herr Scopoli (b) ein in der Mineralogie sehr erfahrner Mann, glaubt, man kenne die Kalksteine ihrer Natur nach vollkommen, wenn man wisse, daß sie in dem Wasser zerfallen, aufquellen, sich darinne erhitzen, und mit Sande erhärten: daß sie aus dem Salmiack das urinose Wesen austreiben, und sich aus der Salpetersäure vermittelst der Vitriolsäure als eine selenitische Erde fällen. Allein diese und die mehresten chymischen Proben sind von der Art, daß sie nicht auf den Kalkstein allein, sondern auf alle Kalksteinartige Steine passen. Was aber die Verfasser der Onomatologie (c) damit sagen wollen, daß man an dem Kalksteine keine besondere Figur, außer vier Funken und kleine Flecken beobachten könne, das habe ich nicht ergrunden können.
(x) Walchs systematisches Steinreich. Th. 1. S. 38. der ältern Ausgabe.
(y) Mineralsystem. S. 19.
(z) Grundriß des gesammten Mineralreichs. S. 217.
(a) S. 218. §. 412. des angeführten Buches.
(b) Einl. in die Kenntniß der Foßilien. S. 1. Principia mineralogiae systematicae. S. 21.
(c) Onomatologia historiae naturalis. Tom. II. S. 402.
Verschiedene Schriftsteller unter denen ich nur Herrn Denso (d) und Herrn Dülac (e) nenne sagen, daß man auch Kiesel finde, welche zu einem Kalke können gebrannt werden; und Herr Dülac sagt sogar, daß die Kieselsteine aus der Rhone einen unendlich weißern Kalk geben, als derjenige ist, welchen man von den Steinen aus den Brüchen macht. Herr Prof. Pott löset uns dies Räthsel am besten auf: (f) es finden sich Steine, sagt er, die zwar äußerlich wie Kiesel gestaltet sind, aber doch eine Kalkerde in ihrem Hauptgrunde haben. Es sind also keine Kiesel, sondern man hat ihnen diesen Namen nur darum gegeben, weil sie sich in einem Flusse finden, und die außere Form eines Kiesels angenommen haben. Ich glaube es sind festere Kalksteine, welche von einem Kalkgebirge abgerissen sind, und durch das Fortrollen im Wasser eine Kieselartige Form angenommen haben. Denn es ist bekannt, daß ein jeder eigentlicher Kiesel zu Glas schmelzt und nie in einen Kalk verwandelt werden kann. (§. 309. S. 404.). Es ist zuverlässig, daß es allerdings Steine giebt, die man nur im halben Verstande Kalksteine nennen kann. Ich rechne hieher das Herrn Guettards (g) Stein, welcher Kalkstein werden wird, der nämlich auf wahren Kalkstein weiser, mit dem Scheidewasser brauset, und gleichwohl zum Kalkbrennen nicht tauglich ist, so wie er auch die Aecker unfruchtbar macht, wovon der eigentliche Kalkstein eine ganz andere Erscheinung hervor bringt. (h) Ben Thangelstedt habe ich eine Steinart sehr häufig gefunden, welche in der That halb Kalkstein und halb Sandstein war. Die Sandartigen Theile waren daselbst so sichtbar, daß es dem Ansehen nach schien, als wenn es bloße Sandsteine waren, und gleichwohl verspührte man bey dem Gebrauch des Scheidewassers ein sehr merkliches Aufbraußen, welches aber schwächer war, als es beym eigentlichen Kalksteine zu seyn pfleget. (§. 258. S. 334. Num. III.) Diese Steine, die in Thüringen an mehrern Orten gefunden werden, wurden von den dortigen Einwohnern Mehlpatzen genennet. Es folget daraus, daß es unter allen Geschlechten der Steine gewisse Mittelgattungen giebt, die vieleicht zu der Kette im ganzen gehören, und man könnte also von den obigen Kieselsteinen ohne alle Bedenklichkeit annehmen, daß sich mit der Kieselerde eine Kalkerde vereiniget habe.
(d) Physikalische Briefe. S. 87.
(c) Von den Stein und Marmorbruchen &c. in den mineralogischen Belustigungen. 2. Band. S. 393.
(f) Erste Fortsetzung der Lithogeognosie. S. 62.
(g) Abhandlung über die Mineralien in Auvergne in den mineralogisch. Belustig. 5. Band. S. 378. f.
(h) Siehe Denso physikalische Bibliothek. 2. Band. S. 270. f. und die berlinischen Sammlungen 1. Band. S. 287. Auch Bromells Mineral. et lithographiam suecanam. S.31.
§. 322.
Die schwerste Frage betrifft den Ursprung der Kalkerde und der aus derselben entstehenden Kalksteine. Woher sind diese entstanden? Diese Frage wird dadurch schwerer, daß wir wissen, die Kalkartige Materie findet sich in allen drey Reichen der Natur, in dem Steinreiche, in dem Thierreiche, und in dem Pflanzen reiche. (§. 318) Die Gelehrten gehen in eine dreyfache Meynung über.
Die erste Meynung ist diese, daß der Kalkstein aus Meersalze, aus den Schal- und andern Thieren und aus verfaulten Pflanzen entstanden sey. Diese Meynung haben Walch (i) Baumer (k) Erxleben (l) Linne (m) und mehrere, ob sie sich gleich auf verschiedene Art erklären. Darinne aber kommen sie unter sich überein, daß der Kalkstein aus thierischen Theilen entstanden sey. Man hat daher, den animalischen Ursprung der Korallen zu beweißen, sich unter andern auch dieses Grundes bedienet, sie hätten eine Kalkartige Substanz. In den neuern Zeiten hat sich der Herr Professor Joh. Philipp Müller (n) zu Erlangen mit Ernst dieser Meynung widersetzt. Da sich in einem auswärtigen beliebten Journal (o) ein körnigter Auszug dieser Schrift befindet, so wollen wir diejenigen Gründe, welche nicht zu verachten sind, in unserer Sprache mittheilen, so wie wir sie in den berlinischen Sammlungen finden. „Es ist den Mineralogen bekannt, daß es auch Kalkartige Vegetationen giebt, und die Kenner der Chymie haben ja selbst in den Pflanzen Kalkartige Theile angetroffen. Er könne nicht einsehen, was der Herr Ritter von Linne für Grunde habe, den Kalk zu einer animalischen Erde zu machen, da das ganze menschliche Geschlecht, da alle Thiere der Erde und des Meeres nicht hinlänglich waren, so viele Kalksteine zu bereiten, als man würklich antrift. Denn in der That der halbe Theil des Erdbodens bestehet aus einer Kalkerde, welches die vielen Kalk- und Kreidenberge, und die Kalkfelsen beweisen, welche den größten Theil von Indien umgeben. Aber man untersuche nur die Nahrung der Thiere, um es einzusehen, daß der Kalkstein aus keinen animalischen Theilen entstanden sey. Es nährt sich alles von den Vegetabilien, welche die Erde hervorwachsen läßt, oder von andern Thieren, welche ihre Nahrung aus den Vegetabilien gezogen haben. Folglich erlangen die Thiere ihre Kalkartigen Theile, die sie haben, aus ihrer Nahrung, und wenn dieses ist, so muß folgen, daß man die ersten Theilchen, die vielleicht den Kalk bereiten, außer den Thieren in der Erde selbst suchen musse. Wenn daher die Kalkartigen Theile erst durch gewisse Zufälle zu Kalk werden, so kann dies auch außer dem animalischen Reiche statt finden.“ Hr. Cronstedt (p), der dieser Meynung von dem Ursprunge der Kalksteine aus den Theilen der Thiere u. s. f. ebenfalls nicht beyfällt, schließet daraus, daß die Kalkartige Materie in allen drey Reichen der Natur vorhanden sey, daß diese Materie ihr Daseyn müsse gehabt haben, ehe Thiere und Pflanzen entstanden sind. Wenn ich dieses recht verstehe, so zählet Herr Cronstedt die Kalkartige Materie unter die Grunderden bey der Schöpfung, da keine Materie von Ewigkeit her seyn kann.
(i) Systematisches Steinreich. 2. Theil. S. 10. 27. Naturgeschichte der Versteinerungen, 1. Theil. S. 37. „Es ist wahrscheinlich, daß die in zartem Staube aufgelösten Knochen und Schalen des gesammten Thierreichs, die zerstörten steinartigen Seegewächse, der Seeschlamm, und die salinischen Theile des Meers den Grundstoff zu den Kalksteinen abgeben, wenn diese zarten Körper sich mit den Theilen der elementarischen Grunderde vereinigen.“
(k) Naturgeschichte des Mineralreichs. 1.Th. S. 180. Der Kalkstein bestehet hauptsächlich. aus einer alcalischen Erde, welche dem Meersalze und den Schalthieren, ihren Ursprung vornämlich zu danken hat.
(l) Anfangsgrunde der Naturgeschichte. S. 543. der Ausgabe 1773. „Sie, die Kalkerde, hat ihren Ursprung vielleicht allein den Schalthieren und Korallen zu danken.“
(m) Systema naturae 1768. Tom. 3. p. 40. Lapis e calce animalium combinata.
(n) Dubia coralliorum animali origini opposita. Erlang. 1770. S. 17. f.
(o) In der Berlinischen Sammlung. 4. B. S. 31. f.
(p) Versuch einer neuen Mineralogie, S. 13.
Die andere Meynung gehet dahin, daß die Kalksteine nicht aus thierischen Theilen sondern anders woher ihren Ursprung erhalten hätten. Hier sind nun freylich die Meynungen sehr getheilet. Was Herr Cronstedt davon meyne, das habe ich kurz vorher angeführet. Herr Hoppe (q) glaubt, daß der Kalkstein eine von der allgemeinen Fluth zusammen geschlemmte zarte Erde sey, welche die Meersalze durchdrungen haben. Wir wollen doch seine Grunde anhören: „Hiebey fragt sichs: was eigentlich der Kalkstein sey? Ist er ein erschaffener Körper, oder ist er eine von der allgemeinen Fluth zusammen geschlemmte zarte Erde? Der leztern Meynung gebe ich einigermaßen Beyfall. Erstlich weil dieses Gestein nicht sonderlich in die Teuse sehet, sondern, wie ich erwähnet, auf der Oberfläche des Erdbodens liegt, zweytens, weil versteinerte Körper darinne gefunden werden, wie wohl nicht allzuhäufig, drittens so ist bey Schönkleinau einem adlichen Gute, da, wo die Kalksteine aufhoren, ein Kalkbruch, in welchem sich eine Lage von einer andern Erde zeigt, die voll Muscheln und andern Seekörpern steckt. Dieses Gestein hat demnach den Kalkstein zur Uberdecke. Ich halte also dafür, daß diese zarte Schlammerde von den Ströhmen der Meerssluthen zusammen getrieben worden, die Meersalze hinein gedrungen, und diese Masse mit der Zeit zu Kalkstein geworden.“ Allein diese Meynung, so wahrscheinlich sie auch immer seyn mag, hat doch noch einige Schwierigkeiten. Was war das für eine Schlammerde? War sie Kalkartig, oder nicht? War sie Kalkartig, so ist noch immer die Frage zu beantworten, woher entstehen die Kalkartigen Theile? War sie nicht Kalkartig, wodurch ist sie Kalkartig geworden? denn daß das Seesalz diese Schlammerde Kalkartig solte gemacht haben, das ist mir aus dem Grunde nicht glaublich, weil nach den Bemerkungen der neuern Chymisten der Centner Meerwasser nur drey bis vier Pfund Salz enthält (r). Man mußte also, bey der so erstaunenden Menge von Kalksteinen, die wir haben, mehr Salz annehmen, als die ganze See enthalten kann. Und woher bekommt denn das Meer sein Salz? Wir müssen also auch bey dieser Meynung nothwendig weiter zurück gehen, wenn wir den eigentlichen Ursprung der Kalkerde, aus welchen Kalksteine werden, ergründen wollen.
(q) In dem kurzen Entwurf der Geraischen Gegend, in den physikalischen Belustigungen. I. B. 8. St. S. 621. f.
(r) Allgemeine Begriffe der Chymie. 1. B. S. 552.
Die Meynung des Herrn Henkels (s) ist mit der vorigen sehr nahe verwandt, denn er leitet den Ursprung der Kalksteine aus einem verfaulten Meerwasser her. Allein Herr Professor Pott (t) macht dagegen folgende Einwendung: „das fluchtige Salz, welches man durch die Destilation aus dem Kalkstein erhält, ist mir dazu noch kein hinlänglicher Beweiß, indem das Sal volatile erst aus dem acido des Salzes erzeuget wird, welches sich mit dem Phlogisto und der kalkigten Erde zusammenreibet und subtilisiret, da es vom Feuer in eine Bewegung geseht wird; denn das simple Infusum oder Decoctum des Kalksteins zeiget keine Spuren eines flüchtigen Salzes, welches sich doch im Wasser auflösen müßte, wenn es schon wirklich gegenwärtig ware. So sollen auch nicht alle Arten des Kalksteins durch die Destilation ein Urinosum geben, sondern auch ein säuerlich Wasser; doch ist das erstere von den meisten vermuthlich.“ Es bleibet auch noch immer zu untersuchen übrig, woher das verfaulte Meerwasser seine Kalkartigen Theile erhalten habe? Denn die Fäulniß sehet doch so immer etwas voraus, welches die Faulniß bewürket, und was das Wasser durch die Faulniß erhält.
(s) In seinen kleinen mineralogischen Schriften. S. 596.
(t) In der ersten Fortsetzung der Lithogeognosie. S. 61.
Wenn der Herr Leibarzt Vogel (u) von dem Kalksteine behauptet, daß er aus einer alcalischen Erde, die mit einer Kochsalzigen und vielleicht auch vitriolischen Säure, und mit etwas bituminosen geschwängert ist, bestehe, so kann man davon leicht den Schluß machen, woher er den Ursprung des Kalksteins ableite? Allein da er uns hiebey den eigentlichen Ursprung dieser Alcalischen Erde verschweigt, so haben wir das schwere Räthsel vom Ursprunge des Kalksteins noch nicht aufgelöst gesehen.
(u) Practisches Mineralsystem. S. 106. f.
Nach der dritten Meynung ziehet man sein Urtheil ganz zurück, und das thun in der That die meisten Mineralogen, und sie beweisen es dadurch, daß sie bey der Beschreibung der Kalkerde und der Kalksteine von ihrem Ursprunge gänzlich stille schweigen. Es ist auch dieses eine der schwersten Sachen, wobey wir noch lange nicht zu einer unfehlbaren Gewißheit gelangt sind. Ich will daher zu vielen Muthmaßungen nicht noch eine neue hinzuthun, weil ich bey derselben die Schwierigkeiten, die sie begleiten, wohl einsehe. Aber daß Herr Rath Baumer (x) dem Kalksteine, dem Schiefer, und den Steinkohlen einerley Ursprung beylege, das muß ich doch noch bemerken. Hier sind seine eigenen Worte: „da die Kalksteine, Schiefer und Steinkohlen von salziger Eigenschaft sind, und mehrmalen wirkliches Steinsalz in sich haben, auch nicht eines ohne das andere gefunden wird, und das Meer, besonders in seinen Tiefen, voll harziger, salziger und schweflicher Theile ist; so läßt sich daraus der Schluß machen, daß der Kalkstein, der Schiefer und die Steinkohlen, sowohl zu ihrer Mischung, als zu ihrer Lagerung, eine gemeinschaftliche Ursache aus dem Meer gehabt haben mogen.“
(x) Naturgeschichte des Mineralreichs. 2. Th. S. 114. f. In seiner historia naturali lapidum pretisorum S. 118. siehet Herr Baumer den Kalkstein für eine Zusammensehung einer alkalischen Erde, Muschelschalen und Thon an.
§. 323.
So wenig wir also den eigentlichen Ursprung der Kalksteine mit einer wahren Zuverläßigkeit wissen; und so gewiß es ist, daß nur wiederholte chymische Versuche, wenn sie mit gehöriger Sor[g]falt angestellet werden, uns nach und nach diese Lücke unserer Kenntniß erfüllen werden: so zuverläßig ist es meine Pflicht, meine Leser mit den chymischen Versuchen bekannt zu machen, die man mit den Kalksteinen unternommen hat. Denn wenn gleich Herr Bomare (y) versichert, daß die chymischen Versuche sich nicht gleich sind, und dieses auch zu glauben ist, wenn man auf die Mannigfaltigkeit der Kalksteine selbst siehet, so gehöret es doch zur Vollständigkeit meiner Arbeit, die Beobachtungen der Gelehrten mitzutheilen; zumal da diese Beschäftigung dem Chymieverständigen eine Anleitung seyn kann, worauf er bey seinen Versuchen zuforderst zu sehen habe. Die allgemeinen Begriffe der Chymie (z) beschäftigen sich zwar vorzuglich mit den Kalkerden, wir müssen sie aber kennen, wenn uns die Natur der Kalksteine bekannt werden soll. Sie sagen: die Kalkerde sättiget alle Säuren, und macht mit ihnen Mittelsalze mit einem Kalkartigen Grundtheile, welche nach Beschaffenheit des Sauren verschieden sind. Mit dem Vitriolsauren macht sie ein Mittelsalz, das sich krystallisiren läßt, und im Wasser sehr wenig auflößlich ist, welches unter dem Namen Selenit bekannt ist. Mit dem Salpeter und Salzsauren macht es scharfe, bittre und sehr zerfließende Salze; man nennt sie Salpeter mit einem Kalkartigen Grundtheile, und Kochsalz mit einem Kalkartigen Grundtheile. Mit dem Eßigsauren macht die Kalkerde ein Salz, das nicht zerfließt, und welches sich krystallisiren läßt, und Krystallen, wie seidene Fäden macht. Es ist das Eßigsalz mit einem Kalkartigen Grundtheile. Endlich so macht eben diese Erde mit dem Weinsteinsauren ein Mittelsalz, welches sich auch krystallisiren läßt, nämlich einen auflößlichen Weinstein mit einem Kalkartigen Grundtheile. Dieses Salz ist weit auflößlicher in dem Wasser, als das reine Weinsteinsaure. Die Kalkerde hat auch die Eigenschaft, alle ammoniacalischen Salze aus ihrer Mischung zu setzen, als von welchen sie das flüchtige Alkali entbindet, indem sie sich mit ihren Säuren vereinigt, wenn man ihr noch mit einem gewissen Grad Wärme zu statten kommt. Wenn die Kalkerden und Kalksteine der Wirkung des Feuers ausgesetzt werden, so vermindern sie in selbigen das Gewicht, und verlieren einen grosen Theil ihrer Consistenz, welches daher kommt, weil das Feuer ihnen eine ziemlich beträchtliche Menge Wasser? entziehet, welches zu ihrer Mischung kommt; und da die letztern Portionen dieses Wassers durch die Erde sehr stark zurück gehalten werden, so ist auch ein sehr starker Grad Feuer nöthig, um ihnen solche gänzlich zu entziehen, und hierinne bestehet vornämlich die Verwandelung der Kalksteine in lebendigen Kalk. Helmont und Daniel Ludovici (a) haben den Kalkstein in einer Retorte einem heftigen Feuer ausgesetzt und nur eine blos wässerichte Feuchtigkeit aus selbigem erhalten. Der Kalkstein hatte sich hiebey nicht in lebendigen Kalk verwandelt, daraus sie schloßen, daß der Kalkstein schlechterdings im offenen Feuer calciniren musse, um dieses brennbare Wesen zu verbrennen, und hierdurch der salinischen Materie, welche sich entwickelt, Gelegenheit zu geben, sich zu offenbahren. Herr Macquer (b) machte diese Versuche nach, und befand sie nur zum Theil für wahr. Nach einem sechsstundigen Feuer erhielt er diese wässerigte Feuchtigkeit, allein nach dieser Calcination in verschlossenen Gefäßen hatte der Kalkstein, ohne in lebendigen Kalk vollkommen verwandelt zu seyn, nichts desto weniger alle die Eigenschaften, und noch dazu in einem sehr merklichen Grade von selbigen enthalten; welches beweißt, daß die Calcination in verschlossenen Gefäßen, ohne Zutritt der Luft gelingt, und daß sie folglich die Verbrennung einer entzündlichen Materie nicht erfordert. Wenn nun gleich die Versuche des Helmont und das Ludovici nichts erweisen, so gaben sie doch Gelegenheit, die Erfahrung zu machen, daß der Kalkstein nicht nur im offenen, sondern auch im verschlossenen Feuer calcinirt und in lebendigen Kalk verwandelt werden könnte. Nach der Versuchung unsers hiesigen grosen Chymisten des Herrn D. Buchholz (c) gieng diese Calcination auch durch den Brennspiegel glücklich von statten. Die Gelegenheit dazu gab ihm die Lehre des Herrn Mayers, daß das Caustische im Kalksteine bloße Ausflusse aus dem Kuchenfeuer wären. Herr D. Buchholz calcinirte daher den Kalkstein durch den Brennspiegel, und brachte ihn dahin, daß er alle die Erscheinungen äußerte, welche der durch das Feuer gemachte Kalk hervorbringt. Denn da er auf seinen durch die Sonne calcinirten Kalk, Wasser goß, so löschte er sich mit eben dem Geräusche und brachte eben die Hitze hervor, wie der Kalkstein zu thun pfleget, der im Ofen calcinirt wurde. Auf das Wasser sehte sich, nachdem die Mischung umgeschuttelt worden war, eben der Cremor calcis, den man beym ordentlich calcinirten Kalkstein findet, ja das Wasser hatte den Geschmack eines wahren Kalkwassers. Da zu diesem Wasser ein Quentchen von einer gesättigten, mit Wasser gemachten Auflösung des ätzenden Sublimats gegossen wurde, so wurde die Mischung plötzlich gilblicht, und nach wenigen Secunden Pomeranzenfarbig, und zwar so dunkel, als wenn dazu recht gesättigtes Kalkwasser wäre genommen worden. Ich übergehe andre Versuche dieses gelehrten Mannes, die es alle darthun, daß durch die Sonnenhitze der Kalkstein in einen wahren lebendigen Kalk übergehen kann.
(y) Mineralogie. 1. Theil. S. 145. Siehe auch Wallerius Mineralogie. S. 8. f.
(z) Allgemeine Begriffe der Chymie. 3. B. S. 231. f.
(a) Eben daselbst. 1. Band. S. 237.
(b) In seiner Abhandlung vom Kalke in den Pariser memoires vom Jahr 1747. Siehe die allgemeinen Begriffe der Chymie. I. B. S. 237.
(c) Chymische Versuche über das Acidum pingue. S. 37. f.
Wenn der Kalkstein im Feuer calcinirt und durch das Wasser gelöscht worden, und man calcinirt ihn im Feuer von neuem, so wird er durch diese neue Calcination wieder zum lebendigen Kalke. (d) Die Gelehrten haben diesem Umstande bisher diejenige Aufmerksamkeit nicht geschenkt, die er verdient, denn ich glaube, wir würden aus dieser Erscheinung die eigentlichen Bestandtheile des Kalksteins vielleicht viel leichter finden, wenn wir darüber mehrere Versuche anstellen wollten.
(d) Algemeine Begriffe der Chymie. I. Band S. 236.
Die Gelehrten (e) haben sonst noch folgende Kennzeichen gefunden, die der Kalkstein durch chymische Versuche verrath. 1) Man riecht unter dem Brennen dieser Steine ein flüchtiges Salz und brenstiges Oehl, welches verschiedene den in dem Kalkstein enthaltenen Thiertheilen zuschreiben. 2) Manche Kalksteine enthalten auch Etwas von der Vitriolsäure und von dem Kochsalzgeiste. 3) Der Kalkstein giebt nach dem Brennen, wenn er mit Salmiakgeist benetzt wird, einen starken Harnmäßigen Geruch. 4) Daß in dem Kalksteine ein bitumineuses oder brennliches Wesen sey, beweiset der Herr Professor Pott aus dessen Geruch, wenn er gebrannt wird, aus der feurigen Schärfe, die er denen alcalischen Salzen beybringt, aus der Auslösung des Schwefels und derer Fettigkeiten durchs Kalkwasser, und aus dem Farbewesen, welches er dem Mercurio bey seiner Präcipitation uns [!] den Acidis anhängt.
(e) Siehe Baumers Naturgeschichte des Mineralreichs. I. Th. S. 179. Vogels practisches Mineralsystem. S. 107. Scopoli principia mineralogiae systematicae S. 21. Onomatologia historiae naturalis completa Tom. 2. S. 401. Pott erste Fortsehung der Lithogeognosie. S. 62.
Ich habe oben aus dem Bomare angemerket, daß der Kalkstein bey den chymischen Versuchen immer ungleiche Erscheinungen hervorbringt. Ich will dieses durch ein Beyspiel erweisen. Wenn sein Saft herüber gezogen wird, so färbet dieser den Violsaft roth, schlagt die Silberauflösung nieder, und macht von dem aufgelößten Quecksilber im Scheidewasser ein Sublimat. Ein anderer Saft von einem andern Kalkstein hingegen färbet den Violsaft grünlicht, schlagt die Silberauflösung weiß nieder, und färbet die Kupferauflösung in dem Scheidewasser Meergrün, und macht sie ein wenig dicke. (f) Man darf sich darüber um so viel weniger wundern, weil die Kalksteine unter sich so gar sehr verschieden sind, denn unter hundert Kalksteinen trift man kaum einen an, der nicht etwas fremdes unter sich eingemischt hatte. Sonst bleibet der Ausspruch des Herrn Pott (g) ausgemacht, daß so verschieden auch die Kalksteine dem äußern Ansehen nach zu seyn scheinen, sie doch nur in zufälligen Dingen unterschieden sind, in den wesentlichen aber überein kommen.
(f) Onomatologia historiae naturalis, T. 2. S. 401. f.
(g) Erste Forts. der Lithogeognosie S.61.
Man hat auch untersucht, ob sich der Kalkstein verglasen, oder in ein Glas verwandeln lasse? In dem heftigsten Feuer schmelzt er für sich nicht, aber wenn er mit andern Erden vermischt ist, so kann er in einen Fluß gebracht werden, denn im gewißen Gewichte zugesetzt, hilft er die spröden Eisenerze gut verbessern. Im Sonnenfeuer aber soll er sich zu Glas schmelzen lassen. (h) Ja der Kalkstein als Zusatz betrachtet, ist vermögend viele andere auch sehr unschmelzbare Substanzen, dergleichen der Sand und der Thon ist, viel leichter zur Schmelzung zu bewegen, als außerdem geschehen wurde. Ein ungenannter Schriftsteller (i) hat über diese Erfahrung folgende Gedanken: „Diese Erscheinung, wovon die Ursache sehr verborgen, und sehr schwer zu finden ist, scheint von einer besondern Beschaffenheit des brennbaren Wesens abzuhängen, wovon keine von diesen Materien gänzlich frey ist, und sie scheint auch vielleicht von der letztern Portion der wässerichten Substanz herzurühren, welche von der Kalkerde allzustark zurück gehalten wird, als daß das Feuer dieselbe gänzlich wegnehmen sollte.
(h) Siehe Pott am angeführten Orte. S. 62.
(i) Die allgemeinen Begriffe der Chymie. 3. Band. S. 232.
§. 324.
Was wir bisher gesagt haben, das betrift die eigentliche Natur der Kalksteine, so viel wir von derselben ergründen können. Ich komme nun auf den Unterschied, der sich unter den Kalksteinen findet. Die wenigsten Kalksteine, die wir haben sind ganz rein, da die mehresten vermischt und unrein sind. Man kennet die letztern besonders an ihren Farben. Es sey nun, daß die Farbe, die man durch das Schleifen am ersten kennt, von metallischen Theilchen, oder von sonst etwas herrühre, so rühret es doch nicht von der eigentlichen Kalkerde, als der Grunderde der Kalksteine her, und wenn das ist, so muß man diese Erscheinung fremden Substanzen zuschreiben. Ein ganz reiner Kalkstein muß eine einfache [Farbe?] und dabey keine fremden Körper eingemischt haben, und in diesem Falle ist die Farbe gewöhnlich weiß. Man ist gleichwohl noch nicht so weit in der Untersuchung gekommen, daß man die besten, und weisesten Kalksteine unter sich gehörig verglichen, und dabey gefunden hätte, bey welchen Kalksteinen man die reinste Kalkerde zu erwarten hätte. Beym Kalkbrennen macht zwar dieser Unterschied in sehr vielen Fällen nichts aus, es sey denn, daß man einen solchen Kalkstein vor sich hätte, der gar mit fremden Materien, die nicht Kalkartig sind, vermischt wäre. Denn der Kalkstein, der Conchylien in sich hat, ist dazu eben so geschickt, als der weiße Kalkstein, der höchstens nur Abdrücke von Conchylien hat, wie der zu Aichstedt ist, auf den man bisweilen abgedrückte Ammonshörner findet.
Ueber die zufälligen Eigenschaften der Kalksteine hat Herr Baumer (k) seine Gedanken, die wir auszeichnen wollen. „Den zufälligen Unterschied der Kalkartigen Steine macht die Farbe, verschiedene Härte, und die darinne enthaltenen fremden Dinge aus. Es giebt weißen, gelblichen, grauen, rothen, grünlichen, schwarzen; unter welchen der graue am häufigsten vorkommt. Manche Kalksteinarten sind viel harter als andere, besonders die, worinne viel Eisen und Spatartiges vorkommt, und die aus Terebrateln zusammen gebacken sind. Andere Arten sind dagegen viel mürber und zerbrechlicher, so daß sie den Mergelsteinen nahe kommen. Zu dem fremden Gehalt der Kalksteine rechne ich den Spath, versteinerte Knochen, Hornstein, Kies, Eisenocher und andere Erzarten.“ Nach diesen Veränderungen könnte man den Kalkstein überhaupt in reinen und in vermischten eintheilen. Man muß aber sagen, daß der ganz reine Kalkstein unter allen Kalksteinarten der seltenste sey.
(k) Naturgeschichte des Mineralreichs. Th. 1. S..180. f.
Die Gelehrten haben sich indessen die Mühe gegeben die vorzüglichsten Kalksteinarten zu sammlen, ich werde daher die vorzuglichsten bekannt machen. Wallerius (l) hat folgende Gattungen: I. dichter Kalkstein, Calcareus aequabilis; 1) weiser dichter Kalkstein, Calcareus aequabilis colore albo, 2) grauer – griseus, 3) dunkel-grauer – ferreo colore, 4) brauner – fuscus, 5) rother – rubeus, 6) grüner – viridis, 7) schwarzer – niger, 8) aderichter und gestreifter – venosus; II. schimmernder Kalkstein, Calcareus scintillans, 1) weiser – albus, 2) grauer – griseus, 3) grünlicher – viridescens, 4) schwarzer – niger, 5) vielfärbiger – variegatus, 6) Wellenförmiger – undulatus, 7) Streifenartiger – stratosus. III. körniger Kalkstein, Calcareus inaequabilis, 1) weiser – albus, 2) grauer – griseus, 3) grüner – viridescens, 4) Wellenförmiger – undulatus, 5) Streifenartiger – stratosus. Herr Cronstedt (m) theilet die Kalksteine folgender gestalt ein: I. dichter Kalkstein von unfühlbaren Theilen, Particulis impalpabilibus, 1) weiß, 2) weißlich gelb, 3) Fleisch farbig, 4) rothlich braun, 5) grau, 6) bunt, 7) schwarz. II. körniger Kalkstein, Particulis granulatis, 1) grobkörnig und los, Salzschlag, a) röthlich gelb, b) weiß, 2) kleinkörnig, a) weiß, b) halb durchsichtig, 3) feinkornig, a) weiß und grün, b) weiß und schwarz. III. Schuppenartig, Particulis squamosis sive spatosis, 1) mit groben Schuppen, a) weiß, b) röthlich gelb, 2) mit kleinen Schuppen, weiß, 3) feinschimmernd, a) weiß, b) bunt. IV. Spathartig siehe Kalkspath, §. 356. V. krystallisirt siehe Spathdrusen, §. 359. VI. Stalactischer Kalkstein S. Tropfstein, §. 348. Herr Scopoli (n) theilet den Kalkstein in folgende Gattungen ein: I. gemeiner Kalkstein, 1) dichter, a) weiß, b) grau, c) Aschfarbig, d) dunkelgrun, 2) schimmernder Kalkstein, a) weiß, b) grau, 3) körnigter Kalkstein, weißlich. II. zierlicher Kalkstein, das ist der Marmor. Siehe Marmor, §. 328. In einer andern Schrift, nimmt Herr Scopoli (o) ebenfalls nur zwey Gattungen, den Kalkstein und den Marmor an, er hat aber zu den drey Untergattungen noch eine vierdte den Calcarium fibrosum geseht, wobey er sich auf das Linnaische System S. 42. Num. 9. beruft. Herr D. Gerhardt (p), der den Kalkstein blos nach den Farben abgetheilet hat, nennet uns 1) den weißen, 2) den Aschgrauen vom hellen bis zum dunkeln, 3) den rothen, 4) den braun und Aschfarbnen, 5) den blauen, 6) den grünen, und 7) den schwarzen. Herr von Born (q) hat in seiner Foßiliensammlung folgende Kalksteinarten: 1) Lapis calcarius flavescens particulis granulatis, a) particulis granulatis majoribus, b) – minimis, 2) Lapis calcarius albus sive rubro flavus, sive caerulescens &c. particulis spatosis, a) albus et viridis, particulis squamosis minoribus, b) particulis squamosis majoribus albis et viridibus, c) cinereus particulis squamosis minimis, 3) Lapis calcarius cinereus fibrosus, fibris parallelis. Herr Professor Cartheuser (r) hat vom eigentlichen Kalkstein nur drey Gattungen: die er also nennet: 1) Calcareus rudis, nitorem non assumens, Calcareus vulgaris, gemeiner Kalkstein, 2) Calcareus rudis, micans, nitorem non assumens, Calcareus scintillans, schimmernder Kalkstein, 3) Calcareus rudiusculus, nitorem assumens, vagus. Ohne Zweifel hat der berühmte Hill (s) in seinen Foßilien die Kalksteinarten am ausführlichsten gesammlet. Hier sind seine englischen und lateinischen Benennungen: I. of a smooth even structure. 1. White smooth limestone, Lapis calcareus aequabilis albus, Wall. 2) Yellow smooth limestone, Calcareus aequab. flavus, Cronst. 3) Ruddy smooth limestone, Calc. aequab. rubens, Wall. 4) Rusty smooth limestone, Calc. ferrugineus. Cronst. 5) Grey smooth limestone, Calc. griseus, Cronst, 6) Green smooth limestone, Calc, aequab. viridis, Wall. 7) Iron smooth limestone, Calc. aequab. ferreus, Wall. 8) Brown smooth limestone, Calc. aequab. fuscus, Wall. 9) Black smooth limestone, Calcareus, niger, Cronst. 10) marbled smooth limestone, Calc. aequab. venosus, W. II. Gritty limestones. 11) coarse white gritty limestone, Calc. granulatus, alb. 1. Cronst. 12) Fine white gritty limestone, Calc. granul. alb. 2. Cronst. 13) Bright gritty limestone, Calc. scintillans, Cronst. 14) Red gritty limestone, Calc. granul, ruber, Cronst. 15) Green gritty limestone, Calc. granul. virescens, Wall. 16) Black and white gritty limestone, Calc. granul, nigro albescens, Cronst. 17) Green and white gritty limestone, Calc. granul, alboviridis, Cronst. III. Flaky limestones, 18) white flaky limestone, Calcar. squamosus albus, Cronst. 19) Grey flaky limestone, Calc. squam griseus, Cronst. 20) Silvery flaky limestone, Calc. albus Dalarnensis, Cronst. 21) Red flaky limestone, Calc. ruber, Cronst. 22) Clouded flaky limestone, Calc. variegatus, Cronst.
(l) Mineralogie. S. 54. f.
(m) Versuch einer neuen Mineralogie S. 14. f.
(n) Einleitung in die Kenntniß der Fosilien. S. 1. f.
(o) Principia mineralogiae systematicae. S. 21. f.
(p) Beyträge zur Chymie und Geschichte des Mineralreichs. Th. 1. p. 177.
(q) Lithophyllacium Bornianum. S. 3. f.
(r) Elementa mineralogie. S. 22.
(s) Fossils, S. 242. f.
Ich wage es nicht mehrere Schriftsteller auszuzeichnen, weil ich glaube, daß man schon aus denen, die ich angeführet habe, alle Gattungen der Kalksteine kennen kann. Aber daß kann ich nicht unangezeigt lassen, daß Herr Rath Baumer (t) die Kalkgebürge in drey Gattungen abtheilet, und dahin das Metallhaltige, das mittlere Kalk. Marmor- oder Gypsgebirge, und das oberste, oder Muschelkalkgebürge rechnet. Die Metallhaltigen Gebürge erkläret Herr Baumer für die ältesten, ob er gleich alle Kalkerde für neu hält. – Wenn einige auch den Allabaster und den Bononiensischen Stein unter die Kalksteine zählen, so wird es sich zeigen, wenn wir diese Steinarten beschreiben werden, ob sie dazu hinlänglichen Grund haben? Aber das muß ich hier mit wenigen bemerken, daß der Kalkstein bisweilen Schieferartig bricht, und daß man ihm daher eine gedoppelte Erzeugungsart beylegen müsse. Diejenigen Kalksteine, die man in Gebürgen, als Felsen antrist entstunden durch eine Congelation, die aber, welche sich wie Schiefer spalten lassen, entstunden durch ein Sediment. (§. 28. S. 32.) Daher findet man auch in den Schieferartigen Kalksteinen die Versteinerungen nicht so häufig, als in den übrigen Kalksteinen. Wir wissen dieses von dem Aichstedter Kalksteine, den man sonst auch Kalksteinmarmor nennt, weil er eine sehr große Harte hat, und eine schöne Politur annehmen würde, wenn er mehr als eine Farbe hatte. Den Kalkschiefer der sich in Gothlani findet, würde ich nicht unter die gemeinen Kalksteine werfen, sondern, wenn ich ihn ja keinen eigentlichen Marmor nennen dürfte, unter die Muschelmarmore zählen. Inzwischen hat dieser Schiefer eben so gar viel besonderes nicht an sich, daß ich glaube eine blose Anzeige desselben sey für meine Leser hinlänglich.
(t) de tribus montium calcariorum speciebus in den Actis philosophico medicis societatis acad. scient. princip. Hassiacae. Gießen 1771. S.29. f
§. 325.
Ich betrachte nun den Kalkstein in dem Verhältnisse, in welchem er sich gegen die Versteinerungen, gegen die Minern und dergleichen befindet. Was die Versteinerungen anlanget, so ist die gewöhnliste Matrix der selben der Kalkstein, und selbst diejenigen Körper, welche zwar auser einer Mutter liegen, aber doch einer Ausfüllung fähig sind, dergleichen die Schnecken und Muscheln sind, sind in den allermehresten Fällen mit Kalkstein ausgefüllet. Inzwischen ist es doch bemerkungswurdig, daß man in mehresten Fällen in dem Kalksteine nur solche Körper findet, die ihren gewöhnlichen Wohnplatz in der See haben, und die vorzüglich zum Thierreiche gehören. Kräuter findet man darinne seltener, und das Holz am allerseltesten, so wie auch diejenigen Hölzer, welche eine Kalkartige Natur angenommen haben, nicht eben so gar häufig vorkommen. Herr Hofrath Walch (u) bauet hierauf die Folgen: die Körper, die wir in dem Flößgebirge finden, müssen bereits in der See dasjenige Lager gehabt haben, in welchem wir sie jetzo finden, wenigstens müssen große Ueberschwemmungen, welche die See verursacht habe, sie mit dem Seeschlamm zugleich, woraus unsere Kalksteine geworden, an denjenigen Ort gebracht haben, wo wir sie heut zu Tage in ganzen Flötzen, Schichten und Lagern finden. Auch Knochen finden sich hier bey Weimar, bey Querfurth, bey Ophaußen und dergleichen in Kalksteinen, aber bey den mehresten kann man es so gar beweisen, daß sie von solchen Thieren abstammen, die ehedem in der See wohneten. Henkel (x) hat beynahe eben diese Vermuthung, und indem er den Kalkstein mit dem Hornsteine in Absicht auf ihren Ursprung vergleicht, so macht er ohne Bedenken den Schluß, quod substrata materia, es sind seine eignen Worte, non equidem natura plane alia, tamen aliter praedisposita subfuerit adeoque pro modo generationis alio concludi debeat. In den Kalksteinen haben die Conchylien ihre natürliche Schale sehr oft erhalten, in den Kalke schiefern seltener, doch muß man zugestehen, daß je gröber der Kalkstein ist, desto unansehnlicher werden die Versteinerungen. Beynahe aber trift man gar keinen Kalkstein an, der von Versteinerungen ganz frey wäre, ob es auch gleich ausgemacht ist, daß in manchen Kalksteinschichten die Versteinerungen häufiger, in andern aber seltener sind.
(u) Naturgeschichte der Versteinerungen. Th. 1. S.20. 37.
(x) de lapidum origine. S. 10. 11.
Eben so zuverlässig ist der Kalkstein eine Metallmutter. Herr Lehmann (y) ist dessen ein hinlänglicher Zeuge, der uns Beyspiele von Eisen, Kupfer, Silber und Gold anführet, sich auch auf verschiedene Schriftsteller beziehet, die eben dieses darthun. Er verschweigt es aber nicht, daß, ob man gleich gewachsene Metalle in dem Kalksteine antrist, dergleichen Minern nicht allezeit am Gehalt gar zu reich sind. Auch beym Herrn von Born (z) findet man davon Beyspiele aus verschiedenen Gegenden, und Herr Rath Baumer (a) hat sich sogar die Mühe gegeben, alle die Erzarten zu sammlen, welche sich in denen Kalksteinen finden. Ich wurde mich dieser Bemühung gerne bedienen, wenn ich nicht eine allzugroße Weitläuftigkeit vermeiden wollte. Ich werde aber unten bey den Marmorn noch etwas gedenken.
(y) Abhandlung von den Metallmüttern. S. 238.
(z) Lithophyllacium Bornianum. S. 3.
(a) de tribus montium calcariorum speciebus in den Actis philosophico medicis Societatis Acad. scientiar. princ. Hass. Gießen 1771. S. 36.
So wie aber in den Kalksteinen oft fremde Körper gefunden werden, eben so geschiehet es auch nicht selten, daß in diesen Steinen andere Steine gefunden werden. Ich habe im ersten Bande dieses Buchs zwey merkwürdig Beyspiele angeführet; das eine waren Hornsteine in Kalksteinen, (§. 249. S. 317.) das andere aber Kieselsteine. (§. 315. S. 418.) Und Herr Baumer (b) fand gar einmal einen Radenagel in einem groben Kalksteine; ja wenn es wahr ist, was uns ein ungenannter Schriftsteller (c) von der Gegend, wo ich wohne, erzählet, so hat man in einem Steine einen alten gothischen Spohren angetroffen. Ich rechne auch hieher, was uns Herr Guettard in seiner Abhandlung über die Mineralien in Auvergne (d) erzählet, daß sich bey Riom und besonders bey Davayat platte Kalksteine finden, auf deren Oberfläche Zirkelförmige Flecken zerstreuet sind, deren Umfang schwarz ist, und die in ihrem Mittelpuncte einen schwarzen Punct haben. Diese Zirkelförmige Figuren und Flecken durchdringen den Stein, der Mittelpunct aber ist ein kleines Loch, welches zuweilen mit kleinen Spathkrystallen angefüllet ist. Die Gestalt der Flecken ist gemeiniglich rund; es giebt aber auch welche, die irregulair Zirkelförmig sind. Herr Guettard scheinet diese Erscheinung von Entrochiten abzuleiten, und es ist auch wahrscheinlich, daß dieses ihr eigentlicher Ursprung ist.
(b) Naturgeschichte des Mineralreichs. Th. 1. S. 168.
(c) Beyträge zur Geschichte des Mineralreichs aus ungedruckten Briefen. S. 10.
(d) Siehe die mineralogischen Belustigungen. 5. Band. S. 377.
(e) Siehe die allgemeinen Begriffe der Chymie. 2. Band S. 664. f.
Verschiedene Schriftsteller als Herr du Fay (e) Herr Director Marggraf (f) und mehrere versichern, daß die Kalksteine nach der Calcination leuchtend werden, ob man gleich eingestehet, daß die reinen Kalksteine weit weniger leuchtend werden, als Diejenigen, welche mit Saurem angefüllet sind, und daß sie es weit schwerer werden. Herr D. Buchholz (g) aber hat bey aller angewendeten Vorsicht dieses Leuchten der Kalksteine nicht bewirken können, auch nicht einmal, da er Austerschalen nahm, damit er dadurch dem Vorwurfe begegnete, er würde eine besondere Gattung von Kalksteinen ergriffen haben, bey welcher sich in der Mischung des Kalksteines etwas gefunden habe, wodurch die leuchtende Kraft desselben wäre aufgehoben worden.
(f) Siehe dessen chymische Schriften, 2. Th. S. 151. f.
(g) In seinen chymischen Versuchen über das Meyerische Acidum pingue, wo sich Versuche die leuchtenden Steine betreffend, finden. S. 63. 81.
§. 326.
Der Nutzen der Kalksteine ist sehr groß. Bey dem Nutzen derselben in der Medicin will ich mich diesmal nicht aufhalten, weil mir diese Abhandlung unter der Feder weitläuftiger geworden ist, als ich anfänglich glaubte. Wer es wissen möchte, was die Alten sich von dem Kalksteine versprachen, der schlage den Boodt (h) nach, welcher beynahe alles gesammlet hat, was die Alten davon wußten und glaubten. Aber das kann ich doch nicht übergehen, daß noch die neuern Aerzte sich des Kalkwassers in manchen Krankheiten mit wahrem Vortheile bedienen. (i) Was aber außerdem den Nutzen des Kalkes anlanget, so ist derselbe so vielfach, daß man diesen Stein unter die vorzüglichsten Wohlthaten der Natur zu zählen hat. Ich werde mich dabey der Anleitung verschiedener Gelehrten, die ich unten (k) anzeigen werde, bedienen. 1) Hat der Kalkstein seinen großen Nutzen für das Maurerhandwerk, wo er zum Mauren, zum Weisen, und noch zu mehrern Gebrauche dienet; 2) kann ihn auch der Gerber zu einer Beizlauge gebrauchen, und selbst bey der Leinewand ist er nicht ganz zu verwerfen, wenn man ihn unter der Anwendung einer gehörigen Behutsamkeit gebrauchet. 3) Der Seifensieder kann den Kalk bey seinen Arbeiten gar nicht entbehren; 4) und daß er auch zum Düngen der Aecker gute Dienste leiste, das habe ich schon vorher bemerket. (§. 321.) 5) Beym Zuckersieden, und Feinmachen desselben wird der Kalk ebenfalls gebraucht, 6) bey der Färberey auch in den feinsten Zeugen und Farben bedienet man sich des Kalkes, und erhöhet die Farben, und macht sie feste. 7) Der Seiler macht, daß seine Lunden desto sichrer Feuer fangen, wenn er sie eine Zeitlang in Kalklauge einbeizet. 8) In den Glashütten bedienet man sich des Kalkes, die weise Farbe des Glases dadurch zu erhitzen.) Wenn man wünscht, daß gewisse thierische Körper sich schnell verzehren sollen, so bedienet man sich ebenfalls des Kalkes, wie man z. E. bey den Seuchen unter dem Viehe zu thun gewohnt ist, wenn man mehrere Körper in eine Grube bringen muß. 10) Selbst an denjenigen Orten, wo Menschen ihren Unrath hinzutragen pflegen, kann man es durch den Kalk, wenn man hinlängliches Wasser dazu schüttet, dahin bringen, daß alles verzehret und der üble Geruch verhindert werde. 11) Bey den Bergwerken ist der Gebrauch des Kalkes von ganz besondern Nutzen, sonderlich in Schmelzofen, und beym Scheiden. Dies hat den Vortheil, daß dadurch der Fluß verschiedener Metalle erleichtert und verbessert wird. 12) In der Chymie kann man durch den ungelöschten Kalk allen Schwefel, mineralische und animalische Fettigkeit, wie auch alle vegetabilische Oele und Spiritus so reinigen, daß sie dadurch stärker und feiner werden; 13) vom Kalke und Auripigmente wird die bekannte sympathetische Dinte zubereitet, womit man sichtbare und unsichtbare Buchstaben nach Gefallen schreiben kann; und was dergleichen mehr ist.
(h) Lapidum et gemmarum historia. S. 523. Allgemeine Begriffe der Chymie. 1. B. S. 245.
(i) Dessen Zubereitung, das große Universallexicon im 2. Bande S. 1007. lehrt.
(k) Denso physicalische Bibliothek. 2. Theil S. 266. Bromel Mineralogia et lithographia suecana. S. 30. f. Allgemeine Begriffe der Chymie. 1. Th. S. 245. Johann Jacob Fick de calce viva. Jen. 1727. 4. Baumer Naturgeschichte des Mineralreichs. 1. Theil S. 182. Baier Oryctographia norica S. 12. der neuern Ausgabe. Gerhard Beyträge zur Chymie und Geschichte des Mineralreichs. 1. Theil. S. 194. andrer Gelehrten hier nicht zu gedenken.
Ohnerachtet das Kalkbrennen, oder die Art und Weise wie man aus Kalksteinen lebendigen Kalk macht, eigentlich hieher gar nicht gehöret, so muß ich doch eine Stelle des Herrn Guettards (l) näher bekannt machen, weil sie eine Anleitung zur Verbesserung unserer Kalkbrennerey an die Hand geben kann. Nachdem er von den Kalksteinbrüchen von Bar bey Brioude geredet hatte, so sagt er uns folgendes: „Die Oefen, worinne man ihn brennt, sind als ein Prisma gestaltet, von welchem jede Seite ohngefehr sechs Fuß breit, und eben so hoch ist; sie sind unten alle mit einer Oefnung durchbrochen. Der Ofen ist oben offen. Wenn man den Stein brennen will, so thut man eine gute Schicht Steinkohlen auf den Boden des Ofens; auf diese Kohlen, die man anzündet, wirft man das Holz, und man füllt damit den Ofen bis oben an. So wie nun diese Steine gebrannt werden, nimmt man sie durch die Oefnungen, die auf den Seiten sind, mit einem krummen eisernen Haacken, der an eine Stange gebunden ist, heraus. Man thut durch die obere Oefnung neue Steine und Kohlen wieder hinein; so daß ein Ofen ein oder zwey Jahre, nach der Menge des Kalkes, den man machen will, unaufhörlich angezündet bleibet. Die ersten Steine die man auf die Kohlen thut, werden in fünf bis sechs Stunden fertig gebrannt.“ Man weiß, daß man den lebendigen Kalk nicht aus Kalksteinen allein, sondern auch durch andere Körper, dergleichen die Conchylien sind, erlangen kann; wer sich davon unterrichten will, der lese den Herrn Professor Denso (m) nach; wir würden uns zu weit von unserm Zwecke entfernen, wenn ich es auszeichnen wolte. Aber die Erscheinung muß ich noch erklähren: warum der Kalkstein, wenn er im Feuer calcinirt, oder zum lebendigen Kalke gemacht worden ist, so heiß wird, wenn man ihn mit Wasser löschet; Boodt (n) war auf diese Erscheinung schon aufmerksam, und suchet den Grund darinne, es sey in dem Kalksteine ein sehr heißes, flüchtiges und trocknes Salz; wenn nun das kalte und feuchte Wasser dazu komme, so könne daraus nichts anders, als eine außerordentliche entgegen gesetzte Bewegung entstehen. Ich glaube diejenigen treffen den Grund dieser Erscheinung besser, welche sie also erklähren: durch die Calcination des Kalksteins, werden demselben alle seine wässerichte Theile benommen, und er nimmt hingegen eine grose Menge von Feuertheilen an. Wenn nun hierzu Wasser gegossen wird, so wird der in den Kalksteinen befindliche Aether in eine heftige Bewegung gesetzt, und es kann daraus nichts anders als Ausbraußen und Hitze entstehen. Wenn daher der gebrannte Kalkstein in die freye Luft geleget wird, so zerfällt er in Staub, weil die Luft zwar Feuchtigkeiten, aber nicht genug Feuchtigkeiten hat, daß dadurch ein Erhitzen und Aufbraußen könnte bewirket werden.
(l) Abhandlung von den Mineralien in Auvergne in dem 5. Bande der mineralogischen Belustigungen. S. 382.
(m) Physikalische Bibliothek. 2. Th. S. 251.
(n) Lapidum et gemmarumhistoria Lib. 2. Cap. 293. S. 522. Calor ille in sale calcis calidissimo, et siccissimo consistit, cui cum aqua frigidissima, et humidissima miscetur, ob subitum contrariorum motum in actum caliditas calcis deducitur, eadem prorfus ratione, qua oleum sulphuris verum, si aquae misceatur frigidae, tum calidum in vitro redditur, ut id manu vix teneri possit, Potentia hujusmodi oleum siccissimum, et calidissimum est, ut cauterii instar cuti admotum urat.
§. 327.
Wenn ich alle die Oerter anführen wolte, wo sich Kalksteine finden, so müste ich die mehresten Gegenden der Welt nennen, welche Mühe mich leicht ein jeder Leser überheben wird. Wer aber doch etwas davon wissen will, der schlage Herrn Rath Baumer (o) nach. Inzwischen ist es doch merkwürdig, daß sich manche Gegenden finden, wo Steine und unter diesen doch sehr wenige Kalksteine gefunden werden. Das versichert unter andern Herr Prof. Cartheuser (p) von der Gegend bey Frankfurth an der Oder, und Herr Dülac (q) von den mittägigen Theile in den drey Provinzen Lyonnois, Forez, und Braujolois [!].
(o) Naturgeschichte des Mineralreichs, 1. Th. S. 182. 2. Th. S. 115.
(p) Rudimenta oryctographiae Viadrino Francofurthanae. S. 19.
(q) Beschreibung der Stein- und Marmorbruche &c. in den mineralog. Belustigung, 1. B. S. 393.
Man behauptet gemeiniglich, daß die mehresten Gebürge in der Welt Kalkgebürge sind, und daß also die Kalkflösgebürge den größten Theil der erhabenen Erdfläche decken. Herr von Justi (r) will dieses nicht eingestehen, und ich will zum Schluß dieser Abhandlung seine Gedanken mittheilen. „Die allermeisten hohen und Felsengebürge auf dem Erdboden, bestehen aus Hornstein und Jaspisarten, aus Gneis, aus einem sehr feinem Sandstein, und zuweilen wohl gar aus Porphyr und Granit. Man darf nur die vornehmste Bergwerke in Europa befahren, oder sich aus Büchern oder Schriften eine Kenntniß davon erworben haben, um davon auf das vollkommenste überzeugt zu seyn. Das berühmte Gebürge zu Königsberg in Norwegen, in welchem so viel gediegenes Silber gegraben wird, bestehet bis in seinen Gipfel und in den hervorragenden Felsen aus dem allerfeinsten Hornstein in der Welt, an welchem der Bergbohrer Stundenlang arbeitet, ohne daß man einmal die Stelle siehet, wo er gearbeitet hat, so, daß man diesen Hornstein mit Feuer brennen, und mürbe machen muß, damit der Bergbohrer nur einigermasen darauf haften und eindringen könne. Die Gebürge auf dem Haarz, worinnen sich die dasigen Bergwerke befinden, haben fast allenthalben keine andere Steinart, als einen schwarzlichen Hornstein, der aber viel weicher ist, als der zu Königsberg. Die Meißnische ansehnlichen Bergwerke arbeiten fast allenthalben in einem so genannten Gneis; und so darf man nur die hohen und Felsengebürge theils aus denen Bergwerksnachrichten theils durch die Reisebeschreiber kennen; so kann man gewiß nicht zweifeln, daß die allerwenigsten hohen und Felsengebürge keinesweges aus einem feinen Kalksteine, sondern gröstentheils und fast allenthalben aus viel festern Steinarten bestehen.“
(r) Geschichte des Erdkörpers. S. 52.
Des ersten Theils vierter Abschnitt,
Von den Steinen, welche ohne versteinert zu seyn eine gewisse
Bildung angenommen haben.
. . .
pp. 428–444
I. Die Adlersteine.
§. 569.
Der gewöhnlichste Name, der unsere Steine führen ist der, daß man sie Adlersteine nennet. Sie haben dem Aberglauben ihren Ursprung zu danken, weil man dafür hielt, sie würden in den Nestern der Adler gefunden, die sie hinnein legten, das Ausbrüten ihrer Eyer zu befördern und die Hitze der brutenden Mutter zu mindern (h). Aus eben diesem Grunde nennen sie andere Lapides herodiales, weil sie vorzüglich in den Nestern der Adler gefunden werden sollen, Meynungen, von welchen ich hernach den Ungrund zeigen werde. Nach der Meynung anderer sollen auch die Störche dergleichen Steine in ihre Nester tragen, nicht nur dadurch das Ausbrüten der Eyer zu befördern, sondern auch Schlangen und andere feindselige Thiere davon abzuhalten, und nennten sie daher Lapides Lychnitos (i). Und eben so haben auch die Namen Paeantides, Gemonides, Cissites, Gasidana und dergleichen blos in der Meynung von ihren Heilskräften ihren Grund. Der Name Klapperstein sollte kein allgemeiner Name für die Adlersteine seyn, weil er nur für einige unter diesem Geschlechte, nämlich für diejenigen gehöret, die bewegliche Erde, oder Sand, oder einen oder mehrere kleine Steine in sich haben, und daher, wenn sie bewegt werden ein Geräusch verursachen oder klappern. Der lateinische Name Lapis praegnans kommt diesem Steine darum zu, weil er in seinem Eingeweide etwas hat, sonderlich einen Callimum den ich nachher beschreiben werde. Der gewöhnlichste lateinische Name ist Ætites von ἀετὸς ein Adler, und entspricht also dem Namen Adlerstein vollkommen, so wie die Namen Lapis aquileus, Lapis aquilinus. Beym Wallerius werden diese Steine Lithothomi caritate latente donati; beym Ritter Linne aber Concreta intra lapidis cavitatem genennet, bey welcher letztern Beschreibung man aber voraussetzen muß, daß der Herr Ritter von Linne das Wort Adlerstein ziemlich weitläuftig nimmt. Die französischen Namen sind Aetite, oder Etite, Pierres d’aigle, Pierre d’aquila, und die holländischen Adelaar Steen, Arends Steen, Klapper Steen. Von diesen allgemeinen Namen der Adlersteine muß man die besondern Benennungen trennen, die nur gewissen Adlersteinen wegen ihrer äußern und innern Bildung und Verschiedenheit zu kommen, und die ich in der Folge anführen werde, wenn ich die verschiedenen Gattungen der Adlersteine beschreiben werde.
(h) Plinius Hist. nat. Lib. 36. Cap. 21. (39.) S. 257. der Müllerischen Ausgabe. Boodt Gemmarum et lapid. hist. Lib. 2. Cap. 196. S. 375.
(i) Martini allgemeine Geschichte der Natur. 1. Th. S. 336.
§. 570.
Eben diese so großen Verschiedenheiten der Adlersteine machen eine deutliche und hinlängliche Beschreibung derselben überaus schwer; man wird sich aber am besten helfen können, wenn man sie mit ausgehöhlten Kugeln oder Büchsen vergleicht, und sich unter ihnen runde, oder ovale, oder anders gebildete Steine vorstellet, weiche in sich eine Hölung haben, die mehrentheils mit einer fremden Materie als mit einem oder mehr Steinen, mit Erde, mit Sand, oder mit Wasser ausgefüllt ist. Herr Professor Titius (k) gedenket sich den Adlerstein ganz richtig, wenn er ihn den einzigen von allen Steinen nennet, der in seiner Art einen ganz eignen Bau hält, allemal hohl, innwendig mit losen oder angewachsenen Körperchen, auch wohl mit einem kleinen Vorrath Wassers versehen, oder ganz leer ist. Von außem erscheinen diese Steine mehrentheils schilfrigt und gleichsam aus viel über einander liegenden Rinden gebildet. Ihr Stoff ist sehr ungleich, bey den meisten Eisenrostig, bey andern Kalk- oder Marmorartig und leicht zu poliren; bey noch andern scheint er aus Hornstein oder gar von Achat zu bestehen.
(k) Gemeinnützige Abhandlungen. 1. Th. S. 241.
Den deutlichsten Begriff hoffe ich von den Adlersteinen dadurch geben zu können, wenn ich sie nach ihrer Beschaffenheit genau beschreibe, und alle die Verschiedenheiten angebe, die den Unterschied dieser Steine unter sich selbst ausmachen. Es kommt hiebey auf ihre Farbe, auf ihre Bildung, auf ihre Steinart, auf ihre Bestandtheile, auf ihre innre Beschaffenheit und auf ihre Größe an.
Die Farbe der Adlersteine ist gar sehr verschieden, und diese rühret von denjenigen Theilen her woraus diese Steine gebildet wurden, oder die sich unter diejenige Erde mischten, aus welchen nach und nach ein Adlerstein wurde. Die braune Ocherartige Farbe ist bey den Adlersteinen sehr gemein, sie kommt aber von einem Eisenocher her, den sie in sich haben. Von der größern oder geringern Menge des Ochers kommt es her, wenn der Stein heller oder dunkelbraun oder wohl gar ganz schwarz ist. Manchmal ist, die Farbe gelb, oder röthlich, oder grau, oder weiß. Dieses trift sogar bey Adlersteinen von einerley Steinart ein, und man kann daher die verschiedene Farbe der Adlersteine für nichts anders als für etwas Zufälliges bey denselben halten.
Ihre Bildung ist so sehr als ihre Farbe verschieden. Sehr viele, und beynahe die mehresten haben eine runde Figur angenommen, die bald ganz rund, bald ein wenig gedruckt ist. Es giebt aber auch solche die eine halbrunde, eine ovale ja eine unbestimmte Bildung angenommen haben. Es giebt unter ihnen solche die von außem ganz glatt und gleichsam wie polirt sind, aber sehr vielen ist diese Glätte nicht natürlich, sondern man siehet es ihnen an, daß sie durch das Fortrollen im Wasser abgeschärft sind. Ich besitze einen Kieselartigen Adlerstein, dem ein solcher Zufall bis die Hälfte hinunter abgeschärft hat. Einige aber sind von Natur sehr glatt, und das gilt besonders von den Hornstein- Achat- und Kieselartigen, und dieses kommt von der Feinheit der Theilchen her, woraus diese Adlersteine bestehen. Andre Adlersteine sind von außem ganz rauh und uneben. Das siehet man besonders bey den Sand- und Kalkartigen. Der Sand, wenn er nicht überaus fein ist, bildet allemal eine unebene und rauhe Oberfläche; und der Kalkstein macht immer gern unbestimmte Figuren, die merklicher oder unmerklicher werden, nach dem die Kalktheile feiner oder gröber sind.
Ich habe bey dieser Gelegenheit schon Einiges von den verschiedenen Steinarten gesagt, in welchen man Adlersteine findet. Ich setze noch folgendes hinzu. Wenn der Herr Professor Titius vorher von Hornstein- und Achatartigen Adlersteinen redete, so muß ich zwar gestehen, daß ich dergleichen nie gesehen habe, aber ich setze auch auf das Zeugniß dieses aufmerksamen Naturforschers kein Mißtrauen. Allein meine Leser muß ich bitten, daß sie unter den Hornsteinartigen Adlersteinen nicht etwa die Hornsteinkrystallen verstehen, von denen ich im ersten Bande §. 249. S. 315. f. geredet habe. Denn wenn das wäre, so müßten auch die Mutschner und andere Kugeln unter die Adlersteine gehören, die doch meines Wissens kein Naturforscher dahin gezählet hat. Von den Achatartigen Adlersteinen aber muß man die Melonen vom Berge Carmel und die Achatkugeln trennen, so wie alle runde Körper deren Innres entweder ganz hohl und leer, oder mit Krystallen angeschossen ist, oder ganz compacte Körper. Wenigstens verlangt dies der Redegebrauch, wenn es gleich in gewisser Rücksicht nützlich wäre, alle Körper des Mineralreichs unter ein Geschlecht zu bringen, die dahin gebracht werden können. Außer diesen Hornsteinartigen und Achatartigen Adlersteinen giebt es noch 1) Kieselartige, welche aus einer wahren Kieselmasse bestehen, und nicht selten am Stahl Feuer schlagen. Viele unter den ostindischen Adlersteinen sind von der Art; 2) Thonartige, die aus einer bloßen Thonerde erzeuget sind. Von der Art liegen unter unsern Zingibriten bey Waimar solche, welche klappern, und unter den Thangelstedtischen Zingibriten fand ich solche, in welchen der Callimus angewachsen war; 3) Sandartige, die aus Sande entstanden sind. Sie sind an manchen Orten ziemlich häufig zu finden, dürfen aber nicht mit den Sandkugeln verwechselt werden, die ich im ersten Bande §. 258. Num. 6. S. 335. beschrieben habe. Die Sandkugel hat in ihrem innern keine Hölung, die der Adlerstein allemal haben muß; 4) Kalk- und Marmorartige, die aus einer Kalkerde entstanden sind, und wobey es blos auf die Feinheit der Kalktheilchen ankommt, ob man diese Adlersteine Kalkartig, oder Marmorartig nennen soll. Sie sind übrigens sehr gemein. Da einige unter den Adlersteinen vielen Ocher bey sich haben, so könnte man auch mineralisirte annehmen.
Nach dieser Anzeige kennen wir auch zugleich die Bestandtheile der Adlersteine. Es sind diese bald eine reine, bald eine vermischte Erde. Ich habe zwar noch keine Beyspiele von Adlersteinen gesehen, die aus einer vermischten Steinart beständen, ich müßte denn einen Eisenhaltigen mit kleinen Kieseln bestreuten Geodes hieher rechnen, dergleichen zu Mirtleben, nahe bey Halle gefunden werden; aber da doch viele unter ihnen Eisenhaltig sind, so kann man doch wenigstens in soferne vermischte Adlersteine annehmen.
Ihrer innern Beschaffenheit nach sind die Adlersteine gar sehr verschieden, und man hat daher den Grund zu verschiedenen Benennungen hergenommen: Ætites aqua inclusa, Enhydros, Wasseradlersteine, welche in ihrer Höle Wasser haben; Ætites cavitatibus pluribus distinctus, aetites multiplex, vielhöhligte Adlersteine, welche in ihrem Innern mehrere abgesonderte Hölen haben; Ætites embryone lapilluloso libero, aetites mas, aetites lapide incluso mobili, Lithothomus cavitate latente donatus, Klapperstein, welcher in seiner Höle einen beweglichen Stein hat, und daher; wenn er geschüttelt wird, klappert; Ætites lapide incluso non mobili, aetites primus Plinii, aetites foemina, aetites Geodes, Geodes, aetites terra inclusa, aetites embryone terrestri fixo, stille Adlersteine, Erdadlersteine, die in ihrer Höle entweder einen unbeweglichen Stein, oder Erde haben; Ætites hermaphroditicus, aetites lapide incluso et mobili et immobili, Zwitteradlersteine, Hermaphroditische Adlersteine, die in ihrer Höle einen beweglichen und unbeweglichen Stein haben; Ætites inanis, leere Adlersteine, in deren Höle weder ein Stein, noch Erde, noch Wasser ist. Aus diesen Benennungen wird die innere Beschaffenheit der Adlersteine deutlich genug. Alle haben innwendig eine Hölung. Diese ist entweder einfach oder vielfach, entweder leer oder angefüllt; im letzten Falle entweder mit Wasser, oder mit Erde, oder mit Steinen, die aber bald beweglich bald unbeweglich sind.
Der Größe nach sind die Adlersteine ebenfalls sehr verschieden. Die gewöhnlichsten haben kaum die Größe einer Welschennuß, und so sind die von Ostindien und Apulien, andere aber steigen bis zu einer Größe von mehr als zwey zusammen gelegten Mannsfäusten. Einen solchen besitze ich aus dem Sondershäußischen, der über 6 Zoll lang ist, drey volle Pfund wiegt, und bey seinen Klappern zeigt, daß er mehrere Steine in sich habe. Daß man an mehrern Orten sehr große Adlersteine finde, das hat uns Herr D. Martini gesagt (l).
(l) Allgemeine Geschichte der Natur. 1. Band, S. 343.
§. 571.
Da doch der innre Stein, der in vielen Adlersteinen befindlich, bald beweglich, bald aber unbeweglich den Naturforschern aber unter dem Namen des Kern oder Callimus bekannt ist, gewissermaßen einen wesentlichen Umstand bey den Adlersteinen ausmacht, so muß ich davon einiges sagen. Man hat diesen Stein die Namen Callimus, Callinus, Calainus gegeben, ohne daß man die eigentliche Bedeutung dieser Worte weiß. Vielleicht kommt das Wort Calainus von κάλαις und dieses von καλή her, und man scheinet dabey auf die Schönheit seines Baues, oder seiner Farbe gesehen zu haben. Da an manchen Orten die Adlersteine häufig genug liegen, so konnten sie die Naturforscher zerstören, um diesen Kern genau zu betrachten. Er ist bald von einen und eben denselben Bestandtheilen, wie der Adlerstein selbst ist, bald aber hat er auch andere Bestandtheile. In Sandartigen Adlersteinen habe ich einen verhärtetem Ocher gefunden; in andern Adlerstein ist er Kieselartig, oder Krystallartig. Manchmal ist seine Farbe schwarz, ein andermal gelb, oder braun, oder roth. In verschiedenen Fällen ist dieser Kern fest, wie der härteste Stein, in andern ist er weicher und lockerer. Es kommt hier freylich darauf an, aus was für Bestandtheilen der Callimus bestehet, und ob sich die Theilchen mehr oder weniger berühren. Auch der Ocher kann bisweilen einen Stein lockerer machen, als er außerdem seyn würde. Dieser Kern füllt entweder die ganze innre Höle des Adlersteins aus, und pfleget in derselben fest anzusitzen, oder nicht. Im ersten Falle nennet man ihn einen unbeweglichen Kern, den Adlerstein selbst aber einen stillen Adlerstein, im letzten Falle einen beweglichen Kern, und den Adlerstein selbst einen Klapperstein. Oft ist der Kern viel kleiner als die Höle darinne er liegt, es muß also in dieser Höle viel Wasser gewesen seyn, aus dessen erdigten Theilchen sich der Callimus erzeugte. Da nun das übrige Wasser nach und nach verdunstete, sich aber die Theile des Adlersteins mehr und mehr zusammen setzten, so mußte die Hölung größer werden, als der Kern, der in derselben liegt. Da auch dieser Kern sich in verschiedenen Gestalten zeigt, so hat das unsern Vorfahren Gelegenheit zu manchen Benennungen gegeben, mit denen sie uns hätten verschonen können. Derjenige Kern, der wie eine Mandel aussiehet, heißt Callimus amygdaloides, der Mandelförmige Kern; derjenige aber, der einer Bohne gleichet, heißt Cyanea, der Bohnenförmige Kern. Daß dieser Callimus kein Fruchtkern sey, und wie er entstehe? davon werde ich unten reden. Man legt übrigens diesem Kern alle die Tugenden bey, die der Adlerstein selbst besitzen soll (m).
(m) Siehe Martini allgemeine Geschichte der Natur, 1. Band. S. 342. Not. t. mein lithologisches Reallexikon. I. Band. S. 247. und Boodt Gemmar. et lapid. hist. Lib. II. Cap. 200. p. 380.
§. 572.
Ueber den Ursprung der Adlersteine hat man von je her ganz verschiedene Meynungen geheget, die sich erst in unsern Tagen aufgeklärter, und der Sache angemessener zeigen. Es war ehedem eine allgemeine Sage, daß die Adlersteine in den Nestern der Adler gefunden würden, wohin sie die Adler trügen, um sich dadurch das Ausbrüten ihrer Eyer zu erleichtern. Das ist auch der Grund, warum sie Adlersteine genennet werden. Diese Meynung finden wir vom Plinius an, bis auf den Anfang dieses Jahrhundertes in allen Schriftstellern, welche dieser Steine gedenken, und Niemand scheinet sich darum bekümmert zu haben, ob dem also sey oder nicht? die alten Aerzte wenigstens durften dieser Meynung nicht widersprechen, weil sie diesen Steinen so große Heilskräfte beylegten, wie ich unten zeigen werde. Andere sprachen und schrieben auf Treue und Glauben ihrer Vorfahren nach, was sie von ihnen lasen und hörten, und wenn sie gleich die Adlersteine in Flüssen und Bergen, Aeckern, Sand und Steinritzen fanden, so hatten sie doch nicht Muth genug einer allgemein angenommenen Meynung zu widersprechen. Die neuern Schriftsteller haben diese Meynung verlassen, und beynahe Niemand will in den Nestern der Adler solche Steine gefunden haben. Gleichwohl haben einige neuere Schriftsteller anmerken wollen, daß der weißgeschwärzte Adler, oder der große Fischadler, Aquila pygargus solche Steine in sein Nest lege, um sich die Geburt zu erleichtern, weil er dadurch die große Hitze dämpfe, welche er ausstehen muß, wenn er auf den Eyern sitzt. So erzählt es die Onomatologie (n) und Herr Pondoppidan bestätiget es (o) der sogar hinzu setzet, daß die Adlersteine in Norwegen, so wie anderwärts in den Nestern der Adler gefunden würden. Allein beyde Zeugnisse bezweifle ich billig. Die Onomatologie hat nicht allemal die neusten und besten Quellen genutzt, und daher manches erzählet, das wir in unsern Tagen richtiger erkennen. Herr Pondoppidan aber hat nicht alles gesehen was er niedergeschrieben hat, und wie leicht konnte er also durch eine falsche Nachricht hintergangen werden. So viel ist richtig, daß Herr von Büffon (p) dieses Umstandes nicht gedenket, den er nicht würde übergangen haben, wenn er gegründet wäre. Es ist möglich, daß sich blos zufälliger Weise ein solcher Stein einmal in einem Adlersneste gefunden hat, und dieser gab vielleicht zu dieser ganzen Fabel die Gelegenheit, die überhaupt auch deswegen widersprechend ist, weil die Steine, wenn sie von der brütenden Mutter erwärmt werden, die Hitze nur vermehren müssen.
(n) Onomatologia historiae naturalis, T. I. p. 619. 649. f.
(o) Natürliche Historie von Norwegen. 1. Th. S. 314.
(p) Naturgeschichte der Vögel. 1. Band. S. 125. f. Siehe auch Scopoli von den Vögeln nach der Uebersetzung des seel. Herrn Hofrath Günther. S. 3.
Diese Erklärung thut also der Sache keine Gnüge. Noch weniger thut es die Meynung des Herrn Venette (q) der den Adlerstein für eine Frucht, den Callimus aber für den versteinten Kern dieser Frucht hielt. Hier sind seine Worte: „diejenigen, welche glauben, daß der Adlerstein, welchen man in den Adlernestern findet, ein wahrhaftiger Stein ist, betrügen sich gewaltig, weil es eigentlich nur eine versteinerte Frucht ist, deren Mandel man Callimus nennet. Der Geodische Stein ist auch eine Frucht, deren Kern zu Erde worden; man findet sie in Schlesien an den Flüssen und in Indien am Meer. Vielleicht sind dieses die Früchte von den Bäumen, welche Plinius den Pappeln gleich schätzt, die in Indien am Ufer des Meers wachsen.“ Kaum verdienet diese Meynung einer Widerlegung, da die Adlersteine auch nicht ein wahres Kennzeichen einer Versteinerung an sich haben, und die Verschiedenheit dieser Steine viel zu groß ist, als daß man sie zu versteinten Früchten machen könnte.
(q) Abhandlung von den Steinen. Sorau 1763. S. 52.
Zuverläßiger ist es, daß man die Adlersteine unter die Bildsteine und Steinspiele zählet, welches auch die neuen Naturforscher ohne Ausnahme thun. Zu Anfange dieses Jahrhunderts hielt Mylius (r) dafür, daß man den eigentlichen Ursprung der Adlersteine noch nicht kenne; denn er setzet sie unter die Lapides incertae originis. Selbst Baier (s) war noch nicht gegründet genug; denn er setzet zwar die selben unter die Steinspiele, aber er sagt doch, sie könnten auch einen andern uns unbekannten Ursprung haben. Steinspiele sind sie zuverläßig, und das beweisen alle die Umstände, die ich vorher (§. 570.) angeführet habe. Aber über ihren eigentlichen Ursprung sind doch die Stimmen der Gelehrten noch sehr getheilt. Ich will die vorzüglichsten anführen.
(r) Saxonia subterranea. P. II. Rel. VII. p. 72.
(f) Oryctographia Norica. S. 16. 2. Th.
§. 573.
Herr von Justi (t) und Herr Rath Baumer (u) halten dafür, daß die Adlersteine größtentheils verwitterte Kieskugeln waren. Herr Leibarzt Vogel (x) wendet dagegen folgendes ein: mir deucht, daß die wenigsten von dieser Beschaffenheit sind, da man nicht an ihnen bemerket, daß sie an der Luft zerfallen, und daß man eben nicht nöthig hat, eine Verwitterung zur Erzeugung einer innwendigen Höhle im Steine anzunehmen. Er hält es für viel wahrscheinlicher, daß der Adlerstein aus einer verhärteten Erde entstanden, die sich um einen andern Körper herum gelegt hat. Das eingeschlossene Wasser scheinet vom Steine selbst herzukommen, aus welchem währender Verhärtung einige Wassertropfen ausgedrückt worden. Das letzte hat vor Herrn Vogel schon Wallerius (y) behauptet, der sich übrigens den Ursprung der Adlersteine also vorstellet : „da unmöglich ein solider Körper in einem andern festen Körper gezeugt werden kann, wo der äußere Körper nicht vorher flüßig gewesen ist, so folget nothwendig, daß der Klapperstein oder Adlerstein aus einer flüßigen Materie gezeuget seyn muß, die, indem sie zu Stein geworden ist, eine andere bereits harte Erde oder Stein in sich geschlossen hat, welche entweder mit dieser Materie zusammengewachsen, oder gänzlich los geblieben sind.“ Diese Gedanken lassen uns aber noch nicht ganz in den eigentlichen Ursprung der Adlersteine eindringen, wir wollen daher noch andere Gedanken über diese Sache sammlen. Zuerst die Gedanken des Herrn Hill (z), bey welchem ich aber voraussetze, daß er nur von solchen Adlersteinen redet, welche eine Kieselartige Natur haben, weil ihm vielleicht keine andern sonst bekannt waren. Er sagt: „der innere Stein, oder der Callimus bildet sich zuerst. Um denselben legt sich eine Rinde nach der andern an, und wenn dieses Ansetzen genau an einander paßt, so entstehet daher der Kiesel. Bisweilen aber geschiehet es, daß, wenn sich nach vollendeter Bildung der äußern Rinde die Partickelchen des Kügelchens mehr und mehr einander nähern, und sich genau mit einander vereinigen, sich alsdenn auch seine Größe vermindert, und folglich von der innern Oberfläche der Rinde, an welche er fest anschloß, abgelöset wird. So wird also dieses Kügelchen ein besonderer Stein, welcher in dieser Höhe [!], die nunmehro zu gros für ihn ist, herum rollet. Folglich klappert der Stein, wenn man ihn schüttelt. Manchmal zerreibt sich dasselbe in Sand oder Erde, und bleibt in der innern Höhlung abgesondert.“ Bey dieser Erklä rung bleibet in der That nichts mehr übrig, als die Frage: wie die runde Form der Adlersteine entstanden sey? Der Herr D. Hofmann in seiner Abhandlung von der Erzeugung der Steine, sonderlich der Kugelrunden (a) sucht dieser Schwierigkeit abzuhelfen. Er nimmt überhaupt von allen Kugelrunden Steinen an, daß sie durch ein Aufbrausen entstanden sind. Da er nun die mehresten Adlersteine entweder in sandigen Erdschichten oder bey Eisenminern entdeckte, so glaubt er den Ursprung derselben also erklären zu dürfen: „durch eine dergleichen Sandschicht ist ehedem ein mineralisches und Eisenvitriol enthaltendes Wasser gegangen, hat allda seine mineralische Erde fallen lassen, und also den Sand Ochergelb gefärbt. Vermischt sich nun dergleichen Pulver in hinlänglicher Menge und kommen hiezu noch laugenhafte und saure Körper, so zerfließt ein Stück oder Kloß von dergleichen Masse, geräth in ein Aufbraußen, dehnet sich in einem holen Körper aus, wird hart und zugleich in eine Eisenminer verwandelt. Bey fernerm Laufe solches mineralischen Wassers durch die Sandschicht dringet es auch durch die kleinsten Oefnungen des Adlersteins in sein Innerstes, pfleget hernach von der unterirrdischen Wärme auszudunsten, seine mitgebrachte mineralische Erde fallen zu lassen und sie abzusetzen. Wenn sich nun dergleichen Umstände mit der Zeit sehr oft ereignen, so muß die Höhle des Adlersteins zuletzt nothwendig mit den feinsten Theilchen der mineralischen Erde, welche das Ansehen eines Ochermehls haben, angefüllt werden. Kommen hiezu noch andere salzige und schwefeligte Wasser, so dringen diese gleichfalls hinnein, backen das Ochermehl zusammen und verwandleln es in einen oder mehrere Steine, die man hernach den Kern des Adlersteins nennet.“ Jedermann wird es hier eingestehen, daß die Erklärung des Herrn Hill weit natürlicher sey als diese, zumal da man das, was er von der Kieselerde sagt, auf eine jede andere Erde anwenden kann. So erkläret unter wenigen Veränderungen Herr Professor Titius (b) die Entstehung der Adlersteine. „Wenn ein hartes Steinchen, sagt er, mit weichem Thone, mit Letten, oder flüßigem Steinstoffe, bey kaltem nassen Wetter überzogen worden, so muß bey folgender Hitze die Feuchtigkeit von innem allmählig herausdampfen. Die aus Letten oder Steinstoff erzeugte äußere Rinde verhärtet äußerlich immer mehr und mehr, nachdem entweder Eisentheilchen oder andere feine Steinmaterie mit dem Wasser die Zwischenräumchen erfüllen, und nach abgedämpftem Wasser zurück bleiben. Der eingeschlossene Stein bleibt innerlich von der ihn deckenden Rinde abgesondert, weil er von dem durch diese Rinde dringenden Steinstoffe nichts annimmt. Auf solche Art pflegt ein Steinhaltender, klappernder Adlerstein zu entstehen. Wird aber, anstatt eines harten Steins, ein gefrorner Erdballen, oder ein Stück Eis mit Lehm, Letten oder Steinstoff überzogen so dampft im ersten Falle die Feuchtigkeit aus dem Erdballen allmählig durch, außerlich aber macht das trockene Wetter die Rinde hart, wodurch die Gegend, welche schnell trocknet, sich von der andern, welche langsam ausdämpft, absondert, und mittelst neuen Zuflusses des Eisenhaltenden Vitriolwassersteins mehr und mehr verhärtet. Daraus entstehen die Geoden. Im andern Fall, wo Eis, mit Steinstoff umgeben, eine Zeitlang in der Erde liegt, wird umher eine Rinde vom Wasserstein eher gebildet, als das Eis darinne schmelzet. Wenn aber endlich dies geschiehet, so ist alsdenn die Rinde schon zu fest oder dichte, um dieses Wasser durchfließen oder ausdämpfen zu lassen. Der Stein bleibt also ein Wasserhalter, Enhydros. Ist an ihm die Schale zu schwach oder zu weich, wie bey denjenigen Adlersteinen, welche Stein oder Erde halten, so wird er von der eingeschlossenen kalten Luft, bey warmen Wetter leicht gesprengt, und es entstehen daher die vielen Brocken der Adlersteine.“
(t) Grundriß des Mineralreichs. S. 185. f.
(u) Naturgeschichte des Mineralreichs. 1. Th. S. 275.
(x) Practisches Mineralsystem. S. 252.
(y) Mineralogie, S. 512.
(z) Anmerkungen über den Theophrast, S. 37. der Ausgabe des Herrn Baumgartners.
(a) Nova acta Acad. nat. curios. Tom. II. p. 173. f. Neues Hamburg. Magazin. 3. Band. S. 99. f. sonderlich §. 33. S. 139. f.
(b) Gemeinnützige Abhandl. 1. Th. S. 242. f.
Auf ihre runde Figur hat doch unter allen Naturforschern, die ich gelesen habe, kein einziger Rücksicht genommen, wenn ich Herrn D. Hofmann ausnehme. Da aber seine Theorie vom Aufbraußen so viel widernatürliches hat, so hatte ich gewünscht, meinen Lesern eine beßre mittheilen zu können. Ich muß also darüber meine Gedanken eröfnen. Der Adlerstein mag ganz rund oder oval seyn, so muß er in der Erde ein solches Lager gehabt haben, welches ihm gleichsam zur Form dienete. In diesem Lager ist er erzeugt worden, und wenn man also Adlersteine auf den Feldern zerstreut, in Sandlagern, oder an den Ufern der Flüsse findet, so ist dies zuverläßig der Ort nicht, an dem sie erzeugt worden sind.
§. 574.
Da die Adlersteine nichts anders als Natur- und Steinspiele sind, so ist es leicht zu erachten, daß sie unter mannigfaltigen Gestalten erscheinen. Einige solcher Beyspiele muß ich doch gedenken, die die Aufmerksamkeit der Schriftsteller besonders auf sich gezogen haben. Die Adlersteine bey Sienne beschreibet uns Herr Baldassari (c). Er rechnet sie zu der Art, die man Geoden nennet. Die eine Art ist Bauchförmig, und gleicht an Farbe, Gestalt und Größe den Bauchförmigen Krystallen; allein sie enthalten nicht wie diese in ihrer Höhlung helle und durchsichtige Tüpfelchen, auch nicht das Geringste von einem Weinsteinartigen Wesen, sondern sie sind von allen fremden Sachen leer. Eine andere Art ist Walzenförmig, oder ein wenig zusammen gedrückt. Die außere Schale ist so hart als Felsenstein, Rostfarben und mit einigen Hügelchen besetzt, innwendig aber ist nur ein verhärteter Sand. Die größern sind zwey Queerfinger dicke, sie strecken seitwärts Aeste von sich, daß sie wie Stämme von Bäumen mit abgehauenen Aesten aussehen. Vielleicht sind es Zingibriten. Eben hieher will Herr Baldaßari eine Art eines Röhrenförmigen Steinwuchses bringen, der wie gedrehete und gebogene Röhren gebildet ist, aus gelber verhärteter Erde bestehet, und an Größe wie der kleinste Finger an der Hand ist. Kundmann (d) beschreibet einen Adlerstein, und bildet ihn ab, den er Ætito-Campoides nennet, weil er, da er ihn zerbrochen eine vollkommene steinerne Raupe in demselben angetroffen habe. Aber Raupen können, wegen ihrer vielen flüßigen Theile nicht zu Steine werden, sie verwandeln sich höchstens in ein unförmliches Stückchen Spath. Aber ein Beyspiel in dem Teßinianischen Kabinet (e) ist allerdings merkwärdig, wo sich nämlich in der Hölung eines Adlersteins ein kleines Ammonshorn befindet. Herr Baumgärtner versichert sogar (f), daß man in den Adlersteinen oft Ammoniten finde. Dies scheinet zu beweisen, daß Hill recht hat, wenn er den Callimus zuerst entstehen läßt. Kundmann gedenket eines Kohlschwarzen Adlersteins, als einer wahren Seltenheit, und eben das ist der blaugraue Adlerstein in den Schriften der kaiserlichen Akademie der Naturforscher (g) und die Feuersteinartigen Adlersteine, welche Leßer (h) beschreibt, und deren auch vorher Herr Professor Titius gedachte, sind ebenfalls für seltene Kabinetstücke zu halten. Herr D. Kannengießer (i) beschreibet einen Ætito-Trochites, einen Adlerstein, der auf seiner niedergedrückten Oberfläche einen vollkommen runden Cirkel darstellet. Andere dergleichen Steinchen von hellblaulichter Farbe und Regelmäßiger Figur, aus dem Geschlecht der Feuersteine, haben eine ziemlich weite, nicht völlig runde, aber ungemein glänzende überall glatte Höle. Wenn er aber unter ihnen einen solchen sahe, der in seiner Hölung einen mit ausgebreiteten Flügeln von seinem Nest aufstehenden Adler, einen andern aber, der denselben Adler auf seinem Nest sitzend vorstellet, so muß man dieses blos auf die Rechnung jener Tage schreiben, wo man gern viel sahe, um viele Seltenheiten zu besitzen. Der Pater Alexander Kacho fand, wie Torrubia (k) erzählet, auf den philippinischen Inseln und zwar auf Luzon eine Mine von Adlersteinen. Sie sind von verschiedener Größe. Die Oberfläche ist hart, und voll höckerigter Erhöhungen, die Figur ist rund und meist unregelmäßig. Sie bestehen aus einer oder mehr Eisenähnlichen Rinden, in ihrer innern Hölung enthalten einige davon Kugeln von harter Erde, andere Eisenartige Stücke, und meistens Krystallartige. Auf dem Sandboden bey Hoyablanca südwestlich von Anchuela fand Torrubia eine sonderbare Mine von Adlersteinen, darunter einer so außerordentlich groß war, daß er nebst seinem zweypfündigen Callimus über 25 Pfund wog. Der Callimus bestehet aus Eisen, das auf einer Seite mit Krystall überzogen ist. Torrubia fand noch eine andre Mine auf dem Bezirke von Cerro alto, deren Figur vollkommen rund und ihre Größe den Schroten und Kugeln gleich ist, und dieser bedienen sich die Einwohner bey ihren Jagden. Da ich doch einmal auf ganz kleine Adlersteine gekommen bin, so muß ich auch der kleinen Eisenhaltigen Körper gedenken, die die mehresten unter die Oolithen oder Meconiten zählen. Herr Schmidt in seiner Abhandlung von den Oolithen (l) beschreibet sie auf folgende Art. „Man findet sie in gelber oder brauner Thonerde, durch welche Streifen vom Eisenhaltigen Ocker gehen. Man siehet in diesen Erdarten zuweilen sphärische Zellen, von welchen sich die Aetiten schon losgemacht haben, und viele von diesen runden Steinen, die öfters auf beyden Seiten platt sind, von verschiedener Größe, und von einer mehr oder weniger braunen Farbe. Ihr Kern ist nicht beweglich, daher sie den weiblichen Aetiten (m) nahe kommen. Sie haben zwo oder drey verschiedene Theile, weil einige nur eine Rinde, und andere zwo haben. Die Rinde ist allezeit braun, hart, Eisenhaltig; der Kern von denen die keine haben, ist nur eine Eisenhaltige Erde oder Ocker. Die kleinen Aetiten, in welchen man drey verschiedene Theile siehet, sind seltener; sie haben anfangs eine braune Eisenhaltige Rinde, die ohne Mühe abgeht; sie haben darauf eine zwote vom gelben und weichen Thone; der Kern dieser letzten ist härter, als der Kern von denen, die nur mit einer Rinde bedeckt sind; die Ursache ist ganz natürlich. Er bestehet zuweilen in einem grauen oder braunen Steine, und ist öfters gelb und feste. Der Magnet ziehet diese Aetiten nicht an sich.“
(c) Osservationi sopra il Sale della Creta.
(d) Rariora naturae et artis p. 128. Tab. VII, fig. 9.
(e) Museum Tessinianum. p. 78.
(f) In seiner Uebersetzung des Theophrast. S. 39.
(g) Dec. II. Ann, VI. Observ. 1. p. 1.
(h) Lithotheologie. G. 267.
(i) Lachmund Oryctogi. Hildesensis. p. 30. Cf. Martini l. c. S. 340.
(k) Naturgeschichte von Spanien. S. 88. f. nach der Uebersetzung des Herrn von Murr.
(l) Acta Helvetica. Tom. V. p. 97. f. neues Hamburgisches Magazin. 1. Band. S. 561. Mineralogische Belustigungen. 5. Band. S. 95. sonderlich. 119.
(m) Herr Schmidt meinet die Geoden oder Erdadlersteine.
Als einen besondern Umstand merke ich noch an, daß Torrubia von seinen oben angeführten großen Adlersteinen erzählet, daß das Wasser, das man in ihnen aufbehält davon einen sehr angenehmen Geruch bekomme. Von wohlriechenden Adlersteinen, besonders wenn sie im Regen feucht, und in der Sonne oder auf dem Ofen getrocknet worden, reden auch Brückmann (n) und Lochner (o).
(n) Epistol. Itiner. Cent. II. Epist. XIII.
(o) Museum Beslerianum. p. 90.
§. 575.
Einige unter den Adlersteinen unterscheiden sich von andern so merklich, daß unsre Vorfahren geglaubt haben, ihnen eigne Namen geben, und sie besonderer Beschreibungen würdigen zu dürfen. Um der Vollständigkeit willen muß ich wenigstens Etwas von ihnen sagen. Es gehören hieher
I. die Klappersteine, oder eigentlichen Adlersteine, lat. Ætites mas, Ætites lapide incluso mobili. Wall. Ætites embryone lapilluloso libero. Linn. Cyites, fr. Etite male. Etite à noyau mobile ou detache. Bertr. holl. Klapper Steen. Es sind diejenigen in welcher sich der Callimus bewegt und welche also, wenn sie geschüttelt werden, klappern. Von diesen habe ich schon so viel gesagt, daß ich es für unnöthig halte noch mehr zu sagen.
II. Die Wasseradlersteine, oder Wasservolle Adlersteine. Lat. Enhydros von ὕδωρ das Wasser, Ætites aqua inclusa. Wall. Hydroites. Fr. Etite qui renferme de l’eau. Bertr. Holl. Waater Adelaar Steen. Es sind diejenigen Adlersteine, welche in ihrer innrer Hölung Wasser haben. An denenjenigen Orten, wo sich die Adlersteine häufig finden, kommen auch diese bisweilen vor. Sie haben aber sehr selten so viel Wasser in sich, daß man es von außem bey ihnen an einem Geräusch bemerken könnte; nur im Zerschlagen findet es sich, und da gehet das in dem Steine befindliche Wasser gemeiniglich verloren, oder es verdunstet wenigstens, wenn man den geöfneten Stein in einem Kabinette hinlegt. Hier wird man also schwerlich einen Wasseradlerstein aufzeigen können, wenigstens nicht einen solchen der noch sein erstes Wasser hat. Boodt (p) bemerket aus dem Plinius, daß diese allemal ganz rund (absolutae rotunditatis) waren, folglich waren diese Wasseradlersteine schon den Alten bekannt. Wie sich verschiedene Naturforscher den Ursprung der Wasseradlersteine vorstellen, das habe ich schon vorhin bemerket. §. 573. Ich glaube, daß ein Wasseradlerstein entstehet, wenn das Wasser, welches den Adlerstein in einer Höle bildet, alle seine Erdtheilchen an die Wände des Steins angelegt hat, und nicht ausdunsten kann. Auf diese Art muß das Wasser dieser Steine das reinste Wasser seyn.
(p) Gemmar. et lapid, hist. Lib. II. Cap. 202. S. 381.
III. Die stillen, oder leeren Adlersteine. Lat. Ætites foemina, Ætites inanis, Ætites lapide incluso non mobili. Fr. Etite femelle ou à noyau adhérent, ou immobile. Bertr. Etite vuide. Bertr. Es sind diejenigen in welchen der Callimus entweder unbeweglich ist, oder wo die innre Hölung desselben ganz leer ist. Man hat diese beyden zwar unter zwo Klassen der Adlersteine bringen wollen, aber es ist dieses ganz unnöthig. Es kann geschehen, daß der Callimus gerade so groß ist als die Höle, darinne er liegt, und er kann sich folglich nicht bewegen; es geschiehet aber auch noch öfterer, daß eben dieser Callimus an den Adlerstein selbst befestiget wird, und sich also wieder nicht bewegen kann. In diesen beyden Fällen entstehen Adlersteine, welche einen unbeweglichen Callimus haben. Es ist aber auch möglich, daß das Wasser, daraus der Adlerstein entstehet, zumal wenn es mit Ocher oder einem andern angreifenden Mineral vermischt ist, den schon verhärtet gewesenen Callimus wieder auflöset, und an den Wänden herum anleget. Wenn nun dieses Wasser nach und nach verdunstet, so bleibet endlich die ganze Höle leer. Man findet beyde Arten ziemlich häufig.
IV. Die Erdadlersteine, Erdvollen Adlersteine. Lat. Geodes von γῆ die Erde Ætites primus Plinii, Ætites terra inclusa. Wall. Ætites embryone libero terrestri. Linn. Fr. Etite plein de terre. Bertr. Es sind diejenigen Adlersteine, welche statt des Callimus Erde in ihrer Höle haben. In Ansehung der äusern Gestalt ist ein Geode viel mannichfaltigern Veränderungen als der eigentliche Klapperstein unterworfen. Man hat vollkommen Kugelrunde längliche, auf beyden Seiten zugespitzte, halbrunde, auf einer Seite erhabene, auf der andern platte, würfliche, herzförmige, wie eine Birn gestallte, Rettigähnliche, zweyförmige, und mancherley andere Figuren vorstellende Geoden. Einige sind glatt, andere mit unterschiedenen kleinen Erhabenheiten versehen. Die mehresten besitzen mehr als eine Kammer, und werden zellichte Geoden, mannichfaltige, vielhöhligte, vielkammerigte Geoden. Lat. Ætites multiplex, seu cavitatibus pluribus distinctus. Wall. Fr. Etite à plusieurs chambres. Bertr. genennet (q). Was Torrubia (r) Geoden von besonderer Gestalt nennet, die er im Gebiete von Molina überaus häufig fand, das sind eigentlich keine Geoden, weil nach seiner eignen Aussage dieselben noch ihren Callimus haben. Aber die zelligten Geoden sind merkwürdig, deren Baier gedenket (s) deren Zellen mit Körnern ausgefüllt waren. Hellwigs Semmelsteine (t) gehören ohne Zweifel auch hieher. Es sind Steine die von Natur wie Semmeln gebildet sind. Boodt (u) will auch diejenigen Steine unter die Geoden gezählet wissen, welche statt der Erde Sand in sich haben, und ich glaube er habe hierinne eben so wohl recht, als er darinne hat, wenn er den Geoden weiter keinen Nutzen zuschreiben will. Die Erde oder der Sand, welche in den Geoden liegen, müssen anfänglich verhärtet gewesen seyn, sonst hätte sich um sie keine Rinde anlegen können, sie sind also wieder zerfallen, nachdem ihre äusere Hütte bereits verhärtet war.
(q) Martini allgemeine Geschichte der Natur. 1. Band. S. 349.
(r) Naturgeschichte von Spanien. S. 63.
(f) Oryctogr. Norica, p. 33.
(t) Lithographia Angerburgiea. p. 26.
(u) l. c. Cap. 201. p. 380. f.
V. Die Hodenförmigen, knotigten, oder Geilenadlersteine. Lat: Orchis, Orchites. Es sind diejenigen, welche ein hodenförmiges Ansehen haben. Nach der Beschaffenheit der Anzahl ihrer Knoten hat man diesen Adlersteinen verschiedene Namen gegeben. Wenn sie nur einen Knoten haben, so nennte man sie Enorchis oder Denorchis, hatten sie derselben zwey Diorchis, und wenn es ihrer drey waren Triorchis. Boodt giebt am angeführten Orte von diesem Steine folgende Beschreibung. Dieser Stein ist rund wie der Geodes, und er kann eben so, wie der Wasseradlerstein für eine Gattung des Geodes angesehen werden. Er hat gemeiniglich die Größe eines Taubeneyes, und wird von den Teutschen Hodenstein genennet, weil der in ihm eingeschlossene Stein die Form einer Hode zu haben scheint, wovon er auch den griechischen Namen, den er führet erhalten hat. Der innre Stein liegt in dem äußern concaven Steine gerade so, wie die Dotter im Ey. Bey Prag in Böhmen fand Boodt diese Gattung die er beschreibet; es erhellet aber zugleich aus seiner Beschreibung, daß man sich von diesem Steine gar verschiedene Begriffe macht, daß er bald zu den Geoden bald zu den stillen Adlersteinen gehöret, daß man also aus demselben keine besondere Gattung der Adlersteine hätte machen sollen.
§. 576.
Da sich die Adlersteine in einer so mannigfaltigen Abwechselung zeigen, so hat das den Gelehrten Anlaß zu manchen Eintheilungen gegeben. Diejenigen, welche blos die Gattungen angeführt haben, von welchen ich im vorhergehenden Paragraphen geredet habe, will ich alle überschlagen, und nur einiger besondern Eintheilungen Erwehnung thun.
Plinius (x) hat vier Gattungen der Adlersteine angegeben. Die erste Gattung wird in Africa gefunden, ist klein und weich, und hat eine weiße und zerbrechliche Erde in sich. Diese nennet Plinius aetitem foeminam. Das Männchen dazu als die zwote Gattung ist viel härter, und hat einen harten Stein in sich. Es wird in Arabien gefunden. Die dritte Gattung aus Cypern ist größer als die Africanischen, hat aber Sand oder kleine Steinchen in sich, aber so zerbrechlich, daß man sie mit den Fingern zerbrechen kann. Die vierte Gattung, welche Taphiusius genennet wird, wird bey Leucades in den Flüssen gefunden, sie ist weiß und rund und hat einen Callimus in sich. Boodt (y) hingegen will nur drey Gattungen annehmen, davon die eine Thon oder Mergel, die andere verschieden gefärbte Erde, die dritte aber einen Callimum in sich hat und also ein eigentlicher Klapperstein oder ein stiller Adlerstein ist. Die ersten beyden Gattungen will er zu dem Geodes gerechnet wissen, davon er, so wie Plinius und alle alte Schriftsteller den Enhydros und Enorchis unterscheidet, die sie von dem Aetites gänzlich trennten und also vier Gattungen von Adlersteinen annahmen, den Aetites, den Geodes, den Enhydros und den Enorchis. Pomet in seinem Materialisten und Specereyhändler (z) nimmt ebenfalls vier Gattungen an, die er folgendergestalt beschreibt: die erste ist von Natur oval-rund und höckricht, und siehet braun, wird aber schöne, wenn man sie poliren läßt. Die andere ist etwas kleiner mit Ocher überzogen, als wie ein Eisenmarcasit; allem Ansehen nach wird diese Gattung per strata, Schichtweise, formiret. Diese beyden Sorten werden aus dem Moraste bey Cap Saint Vincent in Portugall gezogen auch in dem Gebirge bey Trevour im Fürstenthum Dombes gefunden. Die dritte Art ist höckricht und ungleich, scheint als ob sie aus eitel kleinen Bröcklein Stein von unterschiedener Größe zusammengesetzt wäre, deren einige braun sehen, etliche braumröthlicht, und wie durchsichtig, mit einem natürlichen Kütte ganz dichte zusammengefügt. Oftermals wird nichts als einige Sandkörnlein darinne gefunden. Die vierte Sorte ist weiß wie Asche, und beschließt in ihrer Höhle Thon oder Mergel. Wenn man freylich auf die Art wie Pomet hier gethan hat, die Gattungen nach äußerlichen
(x) Hist, natural. Lib. 36. Cap. 21. (39.) p. 257.
(y) l. c. Cap. 197. p. 376. f.
(z) Siehe das Universallexikon, I. Band. S. 525.
Verschiedenheiten bestimmen wollte, so würde man in das unendliche fortgehen können, und was würde dieses am Ende nützen? Herr D. Hofmann (a) theilet die Adlersteine in wahre, falsche und nachgemachte ein. Die wahren sind, welche nach seiner Theorie durch ein Aufbraußen entstehen; die falschen sind, welche nicht durch ein Aufbraußen entstehen, wenn sie auch eine äußere Aehnlichkeit mit den Adlersteinen haben; wie die Adlersteine, die Ammoniten in sich haben, oder eine Raupe in sich haben sollen. Die nachgemachten rühren von der Hand eines Betrügers her, wie der Adlerstein, dessen Gesner gedenket, in dessen Höhle ein Brief verborgen lag. Der Herr Ritter von Linne (b) theilet die Adlersteine folgendergestalt ein. I. Aitites genuinus embryonibus liberis, 1) Geodes, aetites embryone libero terrestri, 2) aquilinus, aetites embryone libero lapilluloso. II. Aitites spurius embryonibus adnatis, 1) haemachates, aetites siliceus, embryonibus fixis crystallinis nitri quarzosi, das sind des Breyes Melonen vom Berge Carmel, 2) marmoreus, aetites marmoreus embryonibus fixis crystallinis Natri hyodontis, 3) Cretaceus, aetites margaceus embryonibus fixis crystallinis muriae chrysolampis. Verschiedenen Gelehrten als Herrn D. Martini (c) und Herrn Professor Tytius (d) will diese Eintheilung nicht gefallen. Sie gehet auch von dem Redegebrauch viel zu weit ab, als daß sie gefallen könnte. Denn in der That haben die Melonen vom Berge Carmel, die Mutzschner und andere Krystallkugeln nichts mit den Adlersteinen gemein, als eine geringe äußere Gestalt, die doch auf einige unter ihnen nur passet. Wollten wir annehmen, daß in den sogenannten Wasseradlersteinen endlich das Wasser gerinnen und sich in Krystallen ansetzen könnte, so müßte man sie doch alsdenn vielmehr Krystallmütter, als Adlersteine nennen, besonders da man von dem wenigen reinen, in wirklichen Adlersteinen verschlossenen Wasser nicht leicht einen solchen Anschuß, als die wahren Krystallmütter haben, erwarten darf. Eine Anmerkung des Herrn D. Martini, welche jeder Leser unterschreiben wird.
(a) In seiner Abhandl. von der Erzeugung der Steine, die ich vorher angeführet habe.
(b) Systema naturae. Tom. III. p. 179. der neusten Ausgabe.
(c) Allgemeine Geschichte der Natur. 1. Bd. S. 345.
(d) Gemeinnützige Abhandlungen. 1. Th. S. 241.
§. 577.
Ueber die Frage, ob der Adlerstein auch seinen Nutzen habe? ist freylich nach der Beschaffenheit der Jahre, in denen man lebte ein gar verschiedenes Urtheil gefället worden. Es gehöret zur Vollständigkeit meiner Geschichte, das Vorzüglichste davon zu erzählen, wenn ich auch gleich zum Voraus errinnern muß, daß der aller geringste Theil von allen diesen Erzählungen gegründet ist. Man erstaunet, wenn man lieset was Bausch de lapide aetite pag. 59–67. Boodt de gemmis et lapidibus Lib. II. Cap. 198. S. 378. f. und viele andere von den Kräften dieses Steines erzählen. Beynahe alle alte Schriftsteller sagen einstimmig, daß dieser Stein, an dem Dickbein getragen die Geburt erleichtere, und daß die Kraft desselben so groß sey, daß er die ganze Gebährmutter herausreißen würde, wenn man ihn nicht gleich nach der Geburt wegschafte. Variola bezeuget ausdrücklich, daß ein Weib, welche dieses unterlassen, nach dem Kinde auch ihr Eingeweide ausgeschüttet habe (e). Am Arm hingegen getragen, soll er alle unzeitige Geburt verhindern. Ohne Zweifel entstund dieser Irrthum aus einem andern, daß nämlich der Adler ohne diesen Stein keine Jungen ausbrüten könne; man glaubte also, daß er bey Menschen eben diese Wirkung außern werde. Der Aberglaube nährte diesen Irrthum, davon ein Adlerstein, der noch dazu nur eine Terebratul ist, aus dem hiesigen Herzoglichen Kabinette einen unbezweifelten Beweiß giebt. Dieser wurde vor einem halben Jahrhundert den berühmtesten Familien zugeschickt, und nie ohne große Lobeserhebungen zurückgesendet. Wie glücklich sind unsre aufgeklärten Tage, daß wir solche Irrthümer nicht glauben, und nicht einmal bestreiten dürfen. Inzwischen gereicht es doch einigen alten Schriftstellern zur Ehre, daß sie diese Meynung in Zweifel gezogen. Ich führe den Theophrast (f) an, der wenn er von den Bewunderungswürdigsten und vorzüglichsten Eigenschaften der Steine redet, und dahin auch dieses rechnet, daß einige das Gebähren erleichtern sollen, er hinzusetzet ἔιπες ἀληδέσ, wenn es wahr ist. Es ist daher unverzeihlich, wenn Plinius dem Theophrast den Vorwu[r]f macht, daß er geglaubt habe, es gebe Steine, welche die Geburt befördern: Idem Theophrastus, sagt er, et Mutianus esse aliquos lapides qui pariant, credunt. Doch das soll nicht die einzige Kraft der Adlersteine seyn, sondern Boodt versichert auch, daß der Adlerstein wider die Epilepsie, Pest und Gift gute Dienste leiste, und daß er so gar heimliche Diebstähle entdeckte. Wohl uns, daß das von unsern aufgeklärten Zeiten überhaupt gilt, was Torrubia (g) von den Spaniern sagt: „in Spanien macht man, Gott sey Dank! keinen abergläubischen Gebrauch davon, wie in andern Ländern, wo man ihnen übernatürliche Kräfte, außer den fälschlichen Heilungskräften, zuschreibet, insonderheit die Griechen, welche sie zur Entdeckung der Dieberey gebrauchen.“ Aber sollte denn der Adlerstein in der Medicin gar keinen Nutzen haben? Außerdem was Bausch (h) Lemery (i) und viele andere davon gesagt haben, will ich nur den Ausspruch des Universallexikon (k) wiederholen. „Seine vornehmste Tugend ist, daß er sich reiben lässet, und zu Pulver gestoßen inn- und äuserlich gebraucht, wenn er unter die eine oder die andere Salbe oder Pflaster gemischt, und auf das Haupt geleget wird, wider die Schwerenoth hilft, die Milch vermehret, auf solche Art auch die Geburt befördern kann. Er ist anziehend, dienet daher wider die pestilentialischen Fieber und rothe Rhur, wo ein ansteckend und hitzig Fieber dabey ist. Das Pulver in eine Wunde gestreuet stillet das Blut. Der innwendige Kern ist viel zärter als der Stein, schickt sich daher auch weit besser zu oben erwehnten Gebrechen.“ Das alles sagt man von den Eisenhaltigen Adlersteinen; Herr Rath Baumer (l) aber urtheilet vollkommen recht, daß wenn auch der Adlerstein eine zusammenziehende Kraft habe, so habe man doch in den Apotheken viele der gleichen zusammenziehende Mittel, die besser würken als diese Erdartige.
(e) Torrubia l. c. S. 90.
(f) Von den Steinen. S. 32. der deuts. Ausg.
(g) Am angeführten Orte. S. 118.
(h) De actite et haematite. S. 65.
(i) Material. Lex. S. 22.
(k) 1. Band. S. 526.
(1) Histor. lapid. pretiosor. p. 109. deutsche Ausgabe. S. 103.
Herr D. Martini (m) führet aus dem Deckerischen Kabinet S. 86. Eisenstein an, welcher an vielen Orten auf dem Felde als Adlerstein gefunden wird, und ein schmeidiges Eisen giebt. Hieher rechnet er auch des Scheuchzers Venam ferri cylindricam et Stalachitem montis Leyerii. Wäre dieses, und man fänd die Adlersteine häufig genug, daß man sie auf Eisen benutzen könnte, so hätten sie dann einen entschiedenen Nutzen, ob er gleich wegen der großen Menge der Eisensteine, die man an vielen Orten findet, nicht eben der beträchtlichste wäre.
(m) Allgemeine Geschichte der Natur. 1. Band. S. 347. Anmerk. c.
Nun werden auch meine Leser den Werth der Adlersteine selbst entscheiden können, wenn sie nur den Unterschied unter den vorigen und jetzigen Tagen nicht aus den Augen sehen. In den alten Zeiten war ihr Werth freylich sehr groß. Boodt (n) macht zwar unter den orientalischen Adlersteinen, und den aus Deutschland einen Unterschied, aber er setzet doch ihren Werth hoch genug. Von den orientalischen sagt er, daß ihn die angesehensten Frauen, wegen ihrer Wunderkräfte in der Stunde der Geburth sehr hoch schätzten, und ihn nach dem Unterschied ihrer Größe mit 10 auch 20 Thalern bezahlten. Die deutschen wären freylich geringer am Werthe, wenn sie aber Eisenfarbig und nicht so rauh waren, so wurden sie doch nach der Beschaffenheit ihrer Größe mit einem und mehreren Thalern bezahlt. In unsern Tagen haben sie freylich den Werth nicht mehr, sie haben aber doch bey den Freunden der Natur nicht ihre ganze Achtung verloren, weil man sie in den Kabinetten noch aufhebt, und ihnen unter den Steinspielen so gar einen vorzüglichen Platz einräumet.
(n) Gemmar. et lapid. histor. Lib. II. Cap. 199. p. 379. f. man sehe auch den Bausch de aetite. S. 68. nach.
Wer Zeichnungen von Adlersteinen zu sehen wünschet der schlage nach: Kundmann rar. nat. et artis Tab. VII. fig. 5–9. Rumph Amboinische Raritätenkammer Holland. Ausg. Tab. LVII. fig. E. F. G. Imperati Histor. natural. p. 738. 739. Boodt Hist. Gemmar. et lapid. p. 375. f. Lochner Museum Beslerianum Tab. XXX. ad pag. 90. und Torrubia Naturgeschichte von Spanien Tab. XI. fig. 1. 2. 8.
An folgenden Oertern werden Adlersteine gefunden: Ahlfeld bey Altdorf, Apulien, Arendsee, Blankenburg im Schwarzburgischen, Burgund, Calah, Cerro alto, Chateland, Dölligsen, Einbeck, Elsas, Foretz, Frankenhausen, Goßlar, Halle, Hildesheim, Hoyablenke, Hurneberg, Jena, Indien, Kelbra, Langensalza, Leipzig, Lutzon, Meißen, Memmingen, Mont d’Or, Mutschen, Nirtleben, Nürnberg, Oberpfalz, Ostindien, Philippinische Inseln, Pohlen, Schwarzburg, Schweinfurth, Schweiz, Sondershausen, Spanien, Thedinghausen, Trockenborn bey Cahla, Tyroll, Ufen, Vietz, Westgothland, Zelle, Zwickau. Siehe Brückmann Magnalia Die P. I. p. 149. P. II. p. 121. Ritter Oryctogr. Calenberg. II. p. 19. 20. Ritter de Alabastris Schwarzburg. p. 24. Ritter Oryctogr. Goslariensis. p. 21. Ritter de Zoolitho dendroitis. p. 34. Ritter Supplementa scriptor. suor. p. 119. Mineralogische Belustigungen. 2. Band. S. 413. 423. 432. 3. Band. S. 20. Linne Systema naturae, 3. Band. S. 178. Kundmann rariora nat. et art. p. 127. 357. Baier Oryctogr. Nor. p. 16. 56. Martini allgemeine Geschichte der Natur. 1. Band. S. 343. f. Torrubia Naturgeschichte von Spanien. S. 88. Museum Gravelianum, p. 168. Woltersdorfisches Naturalienkabinet. S. 42.
