Schübler 1726

Johann Jacob Schübler, Neue und deutliche Anleitung zur practischen Sonnen-Uhr-Kunst. Worinnen auf eine leichte Art gewiesen wird, wie so wohl reguläre als irreguläre oder abweichende Sonnen-Uhren, mit den darzu gehörigen Bögen der himmlichen Zeichen und der Tages-Länge, auch andern curiösen Dingen, Ohne Rechnung Theils Geometrisch, theils Mechanisch, durch die auf Maastäben genommene Sinus, Tangenten und Secanterr, unter jeder Pol-Höhe gantz richtig zu verzeichnen seyn. Mit einer Zugabe von etlichen universalen Uhren: und eine Unterrichte, wie grosse Sonnen-Uhren in Fresco zu mahlen seyn, Nürnberg [Johann Christoph Weigel] 1726.


pp. 187–196

Caput. 65.

Wie grosse Sonnen-Uhren, al fresco an die Mauren oder Wände der Gebäude zu mahlen seyn, und was man bey dieser Art der Mahlerey, so wol wegen der Farben, als anderer Umstände halber, zu beobachten hat.

§. 1.

Al fresco mahlen, ist eine Art der Mahlerey, da man an eine mit Kalck und klaren Sand glatt überzogene annoch nasse Wand, etwas mit Erd-Farbe hurtig mahlet, ehe der mit sothaner Materie zubereitete Grund, ertrocknet und hart wird. Denn wenn man sein Vorhaben verzögert, daß die Lufft die erwehnte Feuchtigkeit wieder heraus ziehet, so kan man das, was sich auf der trockenen Wand befindet, nicht mehr ändern, und behält selbiges eine gantz andere Farbe, als diejenige ist, so man aufs nasse getragen hat. Es gehöret also zu dieser Arbeit, eine geschwinde Faust, die sich mit Entwerffung der vorhabenden Figuren, nicht lange aufhält, und eine jede Farbe in ihrer zukommenden Stärcke, nach Beschaffenheit der Composition, und der Eigenschafft der Objecten, anzuordnen weiß; auf daß hernach das Werck, wol coloriret erscheinet, auch Schatten und Licht, nach den Regeln der Übereinstimmung wohl accordiren; die Züche und Pinsel-Striche nicht marquiren, folglichen was addoucirt und verrieben seyn soll, sonderlichen bey allen Contours und Extremitäten runder und erhabener Dinge, die sich den Umriß nach, gegen das wahre Licht etwas undeutlich determiniren, eine wolanständliche Geschicklichkeit des Verfassers in die Augen falle.

§. 2. Indem aber alle diese Requisita und Eigenschafften, von dem Goût, Naturel und der Genie, eines aufmercksamen Mahlers dependiren, der sie durch eine genaue Erkänntniß der lobwürdigen Ausübung appliciren will; ich herentgegen in diesem Buche, bloß die Zubereitung der Fresco-Mahleren, so weit sie zur Gnomonic nöthig ist, zu erörtern gesonnen, und das übrige in mein unter Handen habendes grosses Werck, von der mathematischen Zeichens und Mahler Kunst versparen will: als begehre ich mich hier nicht ausführlicher darüber zu erklären, sondern ich will gleich zu demjenigen schreiten, was zu unserm Vorhaben zu wissen nöthig ist.

§. 3. Die erste Nothwendigkeit, so man zu mercken hat, bestehet darinn: Wenn eine Sonnen-Uhr, samt deren zierlichen Einfassung, an ein erhabenes Ort gemacht werden soll, so muß man sich vor allen Dingen, um ein bequemes und sicheres Gerüste bekümmern. Je höher auf solches Gerüste zu steigen ist, je vorsichtiger muß man mit dessen Aufrichtung umgehen. Denn ob wol von einigen Arbeits-Leuten, die mit dem Schwindel nicht behafft seyn, das Steigen mit wenig Rüstung unternommen wird, so stehet doch dergleichen Künheit denenjenigen nicht an, die an einem hohen Orte, etwas nachdenckliches thun sollen. Ich meines Ortes, habe allezeit vor gut befunden, hinten bey dem Rücken, eine Queer-Stange befestigen zu lassen, damit wenn man allen Falls, sich etwas hinter sich bügen, und sein Werck gleichsam in der Ferne beschauen will, man keine Gefahr daraus zu befürchten habe, die mir einstens, als ich es unterlassen, bey nahe wiederfahren wäre.

§. 4. Die zweyte Nothwendigkeit ist: Nachdem die Mauer, nach der Grösse des vorhabenden Werckes, mit grober Speise oder Mörtel beworffen worden, so muß derselbige, wenn er nach der Redens-Art der Mäuerer, mit Schwingung der Hand, aus der Mauer-Kähle an die Wand angebrandt wird, mit Creutzweise eingedruckten Linien durchschnitten werden, und eine Zeit lang, zum austrocknen, also stehend bleiben. Denn wenn man die Speise oder den Mörtel nur sachte an die Wand drücket, oder nur schlechthin ausbreitet, so hänget er sich nicht so feste an die rauhe Wand, und tringet nicht in alle kleine Oeffnungen, oder Ritzen der Wand: welches herentgegen, durch den starcken Anwurff, oder durch den Schwung der Kähle geschiehet, anerwogen der Mörtel, durch sothane Gewalt, alle Lufft aus den Ritzen wegtreibet, und sich dafür hinein leget, folglichen nicht Gelegenheit zu groben Sprüngen geben kan.

§. 5. Die dritte Nothwendigkeit erfodert, daß man auf die bereits ausgetrocknete Mauer, noch eine andere, oder zweyte Speise ziehen muß, und zwar eben zu der Zeit, wenn der Mahler alles zu seinem Vorhaben in Bereitschafft hat, und die Hand an das Werck legen will. Es darff aber der Mörtel ist nicht so dicke als der vorige seyn. Wornächst wol zu mercken, daß der darzu gehörige Kalck, schon ein halbes Jahr zuvor, oder länger muß abgelöschet und abgefressen seyn. Denn wann der Kalck frisch und neu ist, können die im Anmachen des Mörtels unzerbrückte, und noch hitzigen Theile des Kalcks, die man Kalck-Blumen nennet, grossen Schaden thun, und das darauf verfertigte Gemählde, sehr verderben, gestalten sie sich hier und dar aufblehen, daß gantze grosse runde Stücke, aus der gemahlten Mauer hin weg fallen, und alles voller Gruben wird. Dieser erwehnte gute alte Kalck muß nicht mit allzuklaren durchsiebten, so viel möglich gleich grossen Fluß-Sand vermenget und wohl durchgearbeitet werden. Geschiehet solches nicht, so trocknen die Farben, an dem Orte, wo der meiste Sand sich befindet, allezeit eher, da denn hernach die Sand- Körner durch die Farben scheinen, und verursachen, daß sie sehr spröde und mager in die Augen fallen.

§. 6. Die vierte Nothwendigkeit belangend, welche zugleich eine Anmerckung ist, so beziehet sie sich darauf: weil Die Dat Mauerer den Mörtel an ihren Wänden, die sie damit überwerffen, mit einer sogenannten Reib-Scheibe überreiben, daß aus einem kleinen Bretlein mit einem Zapffen bestehet, auch hernach die Wand, gleich mit einem Richt-Scheite eben machen, so muß selbige hierauf, nebst mäßiger Befeuchtung gar glatt poliret werden. Hierzu nehmen sie gemeiniglich ihre Mauer-Kähle, und überfahren damit die Wand so lang hin und her, biß alles glatt erscheinet, und von der Befeuchtung, keine Sand-Körner mehr erhaben seyn. Indem aber berührtes Poliren geschiehet, pflegen sie, durch allzu schnelles Bewegen der Kähle, den Mörtel oder die Tünche zu verbrennen, welches abermal der Mahlerey sehr schädlich ist. Dieses zu verhüten, habe ich an statt der Mauer-Kähle, jedesmal bey der letztern Uberreibung, ein Stück Filtz, auf die höltzerne Reib-Scheibe befestigen, und die Mauer damit poliren lassen, da sich denn keine Brand-Flecken herfür gethan. Auf die letzte verordnete ich ferner, daß man ein Papier auf die geriebene Wand legen, und allenthalben mit einem glatten Scheiben-Holtze darauf herum fahren muste, so war die Wand zum Auftragen der Farben und Figuren, aufs beste zubereitet.

§. 7. Die fünffte Nothwendigkeit, gehet dahin: so man an die dermassen zubereitete Wand, eine Sonnen-Uhr in fresco mahlen will, so muß noch vorhero die Zeiger-Stange, entweder gerade, das ist winckelrecht, oder nach ihrer zugehörigen Schräge, in der Mauer befestiget werden, ehe man noch die Wand das erstemal beworffen hat. Ferner muß man an berührten Stifft, ein gewisses Zeichen machen, wo die Dicke des Mörtels aufhören soll, welches absonderlich nöthig, wenn man die Uhr mit ihren Stunden-Linien, bereits auf ein grosses Papier gerissen hat. Wenn dieses Papier oder der Cordon, an die Wand befestiget wird, daß es mit dem Zeiger correspondiret, fähret man mit etwas Spitziges, an einem aufgelegten Lineal, auf dem Riß und allen dessen Linien, starck herum, so werden sie sich an der Wand deutlich zeigen, wenn man anderst das Papier vorher auf der hintern Seite, mit Kohlen Staub schwartz gemacht hat.

§. 8. Soferne aber einer in der Aufreissung der Stunden-Linien in etwas geübt, und mit Maaßstäben versehen ist, die wir oben zu machen gelehret haben, der braucht den Cordon, oder das geschwärzte Papier gar nicht. Denn wenn der Zeiger an seinem gehörigen Orte stehet; auch die Mauer in der angegebenen Höhe, zweymal beworffen und glatt gemacht worden, so können die Stunden Linien, durch die Weiten der Sinuum und Tangentium, mit einem Stangen-Circul aufgetragen, und die gantze Uhr mit ihrer Einfassung umgeben werden. Doch ergiebt sichs hier schon von selbsten, daß vorhero der Grund, oder das Feld der Uhr, mit einem beliebigen Lage Grund muß überstrichen werden, damit man die Stunden Linien durch erwehnte Grund-Farbe, nicht wieder verdürbt, oder undeutlich machet.

§. 8 [9!]. Verlanget man die Neben-Wercke der Uhr, mit einem Historischen oder Architectorischen Gemählde auszuzieren, so bedienet man sich allemal des hierüber zubereiteten Cordons, und durchsticht die Umrisse mit kleinen Löchern, fährt alsdenn an dem, an die Mauer gehaltenen Riß mit Kohlen-Staub in einem härenen Säckchen drüber hin, so kriegt man an der Mauer die Projection der Zeichnung nach allen Umrissen. Bey solcher Gelegenheit aber, lässset man den Mäuerer nichts mehr, von der zweyten Speise an die Wand tragen, als man im Stand sich befindet, in einem Tage völlig auszumahlen. Die Mahlerey muß hiernächst, von oben herab angefangen werden, und die Absätze der nach und nach beworffenen Mauer, darff in keinem nackigten Theil einer Figur fallen, sondern sie sollen sich, bey einem scharffen Absschnitte eines Gewandes oder Grundes endigen.

§. 10. Bey gar grossen Uhren, bedienet man sich des Gitters, da man nehmlich den kleinen Riß, mit einem Gitter überziehet, und über das Uhr-Planum ein grosses Gitter von eben so vielen Feldern machet. Man lässet hierauf jedes Tag-Werck von solchem Gitter an der Mauer überwerffen, und zeiget vom neben stehenden Gitter, die Quadrata von neuem darauf, trägt alsdenn in die grossen Spacia des Gitters, was sich in den kleinen befindet, und vollendet das Werck, von einem Tage zum andern.

§. 11. Einige Mahler, pflegen zwar ihre Invention, gleich mit der Kohlen ohne Gitter, und ohne einen kleinen Riß, auf dem legten Anwurff der Mauer zu zeichnen, und vollführen ihre Mahlerey aus freyer Hand: allein derjenige der die Kunst aus Mathematischen Grunde verstehet, und zu demonstriren weiß, daß eine solche freye Hand-Zeichnung, der Natur und Optic gemäß, ohnmöglich richtig heissen kan, der lachet billig drüber, und weiß wohl, daß dergleichen Sudeleyen, bey Verständigen keine Approbation finden. Bey Sonnen-Uhren zumal, ist sothane Schein-Kunst, gar nicht practicabel, gestalten man sich ganz genau an die Stunden Weiten, und andere Dinge halten muß, die von keiner freyen Hand Zeichnung dependiren: Die Einfassung herentgegen, erlaubet zur Noth schon ein gutes optisches Augen-Maaß, welches ich aber nicht vergeblich optisch, genennet habe.

§. 12. Die sechste Nothwendigkeit beym fresco mahlen, beziehet sich auf die darzu gehörige Instrumenta. Diese sind nun, einige höltzerne Lineale, von verschiedener Länge. Einige Hand- und ein Stangen-Circkel, Schnüre, Bley-Senckel und Bley-Waage, ein Declinatorium, Maaßstäbe mit Transversal-Linien, und zugespitzte schmahle Kohlen-Stücke zum zeichnen, auch Pinsel, Palete und Gefässe zu den Farben. Die Beschaffenheit des Stangen- Circkels, der Maaßstäbe die Bley-Waage und das Declinatorium, sind oben beschrieben worden. Was aber die Pinsel betrifft, die aus Schweins-Borsten und Ziegen-Haaren mit etwas langen Stielen zubereitet seyn, habe ich befunden, daß die Augspurger hierzu am besten dienen. Die Palete ist eine 12 Zoll grosse viereckigte oder runde Scheibe, mit einem blechernen Rande. Unten ist in der Mitte ein hohler Stiel angelötet, worein man in das oben befindliche Loch, Wasser, zur Befeuchtung der Pinsel beym Mahlen giesset. Indem dergleichen Palete, von den scharffen Kalch-Farben, wenn sie öffters darauf ertrocknen, gar garstig werden, habe ich zwischen den blechernen Rand, eine glasirte oder von weisen Porcellain verfertigte Schaale mit einem Loche gehebe hinein fügen lassen, um alle gemischte Farben desto deutlicher darauf zu unterscheiden, auch die Farben desto reiner abzuwischen, welches mir sehr gut gethan hat. Die Gefässe zum Farben, kan ein jeder nach feinen eigenen Gutdüncken einrichten, doch ist es wohl gethan, wenn sie aus glasirten Töpffen oder Scherben bestehen, und man darneben ein paar ungebrandte Töpffe bey der Hand hat. Die letztern dienen darzu: Wenn man eine Farbe gemischet, und bey nahe erkennen will, wie sie nach ihren Verfall trocken aussehen, so darff man nur mit dem Pinsel einen Strich von solcher Farbe, an den ungebrandten Topff machen, so schlückt er den Glantz der Farbe in sich, und lässet nur eine Mattigkeit der Farbe zurücke, die bey nahe der trocknen Farbe, auf der naß gewesenen Mauer, gleich kömmt. In Ermangelung eines ungebrandten Topffes, darf man auch ein grosses Stück guter Kreide nehmen, und sie zur angeregten Farben-Probe brauchen, biß man durch lange Ubung, sich eine zulängliche Erkäntniß der Farben aussenwendig zueignet.

§. 13. Nun folget die siebende Nothwendigkeit und Anmerckung zum fresco mahlen. Alle Farben die man zu dieser Art Mahlerey nöthig hat, werden im Wasser gerieben, und in gehöriger Dicke angemacht. Hätte man aber ein grosses Feld, mit gemischter Farbe zu überziehen, so muß man derselbigen allezeit mehr anmachen, als man würcklich gebraucht. Denn wenn man sie auf a oder mehr mal zu meliren gedencket, dörffte ein grosses Glück darzu gehören, wenn man sie allemal in gleicher Accuratesse treffen wolte; daraus denn, wenn sie ungleich ausfallen, in der Mahlerey eine scheckichte Fläche entstehet, die, wenn die Mauer trocken wird, nicht mehr zu verbessern ist.

§. 14. Alle in Vorrath gemischte Farben, nennet man Haupt-Farben: die übrigen aber, welche man in der Menge nicht gebrauchet, kan man nach Belieben, in ihrer völligen Stärcke anmachen, die denn gantze Farben genennet werden. Die letztern sind selten ganz allein ohne Mischung bey einem Gemählde zu gebrauchen. Denn ein verständiger Mahler, behält von jeder Starcke der Farbe etwas übrig, um in dem Nothfall, die Starcke damit zu befördern. Er beobachtet auch bey jeder Art der Farbe, die Übereinstimmung mit derselbigen, und überleget gleich im voraus, welche Farben neben einander eine gute Harmonie, ohne Beleidigung des Auges geben, auch wie weit er von einem Extremo in das ander zu gehen habe, damit die höchste und niedrigste, oder die helleste und dunckelste, nicht plötzlich neben einander zu stehen komme. Denn das allzuhelle weiß und Feuer rohte, wie auch Das allzu schwarze, wenn sichs neben hellen Farben befindet, fällt dem Auge sehr unangenehm: das allzubleiche hingegen, und das graulichte, machet das Gemählde melancholisch und widerwärtig.

§. 15. Einige Farben haben von Natur eine besondere Annehmlichkeit, wenn sie besonders zusammen gesetzet werden, und benehmen sich untereinander die widrige Würckungen. Zum Beyspiel 1) roht, zwischen blau und grün. 2) Weis, zwischen gelb und Aschen Farb. 3) Alle dunckele Farben, zwischen etwas hellern. 4) Alle helle, gegen etwas duncklere Farben. 5) Die schönste und höchste Farbe, muß in dem höchsten Licht anzutreffen seyn. Wenn dahero solche erscheinen soll, muß zwischen dem Schatten und dem lichten Theilen, eine mittelmäßige Farbe sichtbar gemachet werden. 6) Schwartz, hat eine Schönheit in dunckeln schattigten Farben. 7) Weis, gelb und roht, in lichten Farben; 8) Blau, Purpur, grün und braun, in halb schattigten Farben; 9) Grau, ist unterschiedlich, röhtlicht, blaulicht und gelblicht. Selbiges liebet roht, blau und grün. 10) Weis, stehet auf allen Dunckel gefärbten Grunde, ausgenommen auf feurig gelb nicht. 11) Hell licht gelb, stehet wohl auf Purpur, Violet, blau und grün. 12) Auf licht gelb, stehet Violet, Purpur und blau wohl. 13) Licht blau, stehet schön auf Violet, und nicht allzu roht oder brennenden gelb. 14) Auf bleich blau, stehet dunckel bräunlicht, gelb, roht und dunckelgrün gut. 15) Licht grün, dultet Purpur, Violet und gelb. 16) Bleich roht, liebet grün und blau. 17) Braun röhtlicht, leidet Schwefel gelb, 18) Purpur aber lichtgrün. 19) Rosen Farbe, schicket sich zu hellgrün und Himmelblau. 20) Goldgelb hingegen, bey Blutroht. 21) Auf grau, stehet lichtroht und Rosen Farb. 22) Pomeranzen gelb, leidet Violet, hoch Himmel blau, grün, Leber Farb, und Ombra oder Caffeé Farb. 23) und endlich schicket sich auf Rosenfarb, weis und hell Meergrün.

§. 16. Aus solcher Erkäntniß der Farben erfolget, daß man allezeit die erleuchtete Theile, gegen etwas dunckles: hingegen etwas dunckles, gegen das Licht sehet. Wenn aber ein Object rund oder eckigt, mithin hell und dunckel zugleich an sich hat, so setzet man hell gegen dunckel, und dunckel hell; dabey ein wenig weise Farbe auf einem dunckeln Grunde und Gegenstande, viel heller, als an eine lichten Neben-Platze scheinen wird. Eben das geschiehet, wenn dunckle Farben auf etwas hellen Flächen sich befinden, da sie denn viel dunckler, als bey hellen, neben zur Seiten gesetzen Farben, in die Augen fallen. Solcher gestalt können öffter auch die widerwärtigsten Farben, wenn man sie vernüfftig untereinander setzet, an gewissen Oertern über sonst schönere Farben herrschen, und eine Anmuth erregen; ja die Harmonie der Colorit ohne Hinderniß, nach den Regeln des Lichtes und Schattens, zu wegen bringen.

§. 17. Endlich wird es nicht mißfällig seyn, daß ich noch die Farben selber anzeige, die zum Fresco mahlen, dienlich heissen. Da kommt denn für: das Weise, von dem ein halb Jahr vor dem Gebrauche abgelöschter Kalck, der wol durchgesiebet, auch von aller sandichter Unreinigkeit und schwärtzlichten Grieß gereiniget, oder in einem mit Wasser angefülltem Gefässe, eine Zeit lang stehend geblieben. Mit diesem Weise, das auf dem Boden bleibet, kan man alle Farben temperiren, und in der Mahlerey, alles Licht zu wegen bringen.

§. 18. Hell und dunckel Ocker gelb, wenn es von hoher, so wol heller als brennender Farbe ist, heisset eine sehr dienliche Farbe, die so wol im Licht, als auf Grund-Flächen, und im Schatten zu gebrauchen. Wenn man sie brennet, oder durch und durch glühen lässet, wird sie zu einer der nöhtigsten Farben, und kan zu nackigten Theilen, auch zum Schatten gelber Farben, angewendet werden.

§. 19. Braun roht, wird helle und dunckel gefunden, je höher sie aber an Farbe helle ist, je besser ist sie zu nennen. Mit dieser, werden alle hell-rohte, Fleischfarbe Dinge gemacht, und bald mit weis, bald mit gelb, bald mit braun und schwarzen Farben gemischet, nachdem es das Object und dessen Theile an der Farbe erfodern. Mit solchem braun oder Bergroht, vermenget man auch Englisch roth beym Schatten: im Licht herentgegen mit etwas weis, und vertiefet es zum Theil mit guter Bescheidenheit mit etwas schwarz.

§. 20. Englisch roht, ist allenthalben bekandt. Wird beym Fresco mahlen an statt Purpur Farb, und des sonst gewöhnlichen Laccs gebrauchet. Es ist eine mit von den Haupt-Farben, welche bey allen Mischungen anzuwenden ist.

§. 21. Römischer Victriol im Ofen gebrandt und mit Brandewein gemischet, wird Purpurfarbiger und schöner als das Englisch roth. Mischet man ihn mit blau, so giebt es violet. Die stärckesten Schatten dieser Farben, vermenget man mit Schwarz von Kohlschwartz oder gebrandten Wein-Reben Rancken. Der nasse Kalck, vermehret die Schönheit dieser Farbe. So man sie mit gewachsenen Zinnober vermischt, der vorhero offt in Kalck-Wasser gewaschen worden, hernach wenn die Wand etwas vertrocknet, die erhabensten Theile des Gemähldes, damit erhöhet, so verursachet es eine liebliche Schönheit.

§. 22. Erdgrün, ist auch ein dauerhafftes Grün, welches den Kalck vertragen kan. Je höher man solches an der Farbe bekommen kan, je besser fällt das Gemählde aus. Wer geschickt mit den Farben umzugehen weiß, und die rechte Zeit der halb ausgedruckneten Mauer beobachtet, kan auch Berg-Grün gebrauchen, mit gelben hohen, und mit schwartz und blauen Tiefen.

§. 23. Bolus armena, Armenischer Bolus oder Rohtstein, ist etwas röhtlicht gelb, und eine nützliche, linde Erd-Farbe, welche annuthige gemischte Stein-Farben, durch Weiß und Umbra, zu wegen bringet.

§. 24. Schmalten, ist die blaue Haupt-Farbe. Man hat sie dunckel und helle. Sie wird bey dem Mahlen, vor allen andern Farben, gleich angeleget, weil die Mauer noch recht weich ist, und muß nach einigen Stunden, noch 2 mal mit Farbe überstrichen werden, damit sie ihre Schönheit behält. Sie wird ebenfals mit Weiß erhöhet, und mit Kohl-schwartz getiefet, dadurch aber alle mittelmäßige Schatten heraus gebracht.

§. 25. Ultramarin, ist ein noch schöneres Blau, auch zum Fresco mahlen sehr dienlich, wird aber wegen seiner Kostbarkeit nicht starck gebrauchet.

§. 26. Cöllnische Erde, dienet zum schattiren aller gelblichter, zum Beyspiel dunckel Ocker gelben und Leberfarben. Dingen, bis endlich diese Farbe im Schwartzen ihr Ende nimmt.

§. 27. Umbra, ist auch gut, und der Flüchtigkeit im Kalck nicht ergeben. Sie würcket in schattigten Dingen und allen Mischungen mit grün, Fleisch und gelblichten Farben, die eine gelinde Vereinigung gegen das Licht haben. Wenn Ombra gebrandt und glühend gemacht wird, giebt es eine liebliche fahle Mischung, und schattiret am gehörigen Orte, alles kräfftig.

§. 28. Saltz oder Kesselbraun, lasset sich auch vielfältig gebrauchen, und mit schönen weisen gelinden Farben mischen. Mit Schmalte gemischet, giebt es Viol-Farben, und stehet öffter sehr annehmlich, wenn ihr dienliche Neben-Farben, beygesellet werden.

§. 29. Kohlschwartz wird von Weinrancken, und Pfirsen-Stein Schwartz folgender massen gebrandt. Man nimmt Pfirsen oder Apricofen-Kerne, steckt sie in Töpffer-Erde oder Leinen, leget sie so lang in das Feuer, biß alles durchaus glühet. Hernach zerstösset man den Leimen, und wirfft die glühenden Kerne in Wasser, die man wenn sie abgelöschet seyn, zerstösset, und auf einem Stein reibet.

§. 30. Pappier Schwartz, machet man vom rohten Goldschlager-Pappier. Solches zündet man Stücken weiß, über einem Lichte an, biß es verglimmet: lässet es alsdenn in ein Wasser fallen, sondert es hernach davon ab, und brauchet solche Farbe zu zarten Sachen. Insgemein nimmt man auch den Staub von den Schmidt-Kohlen.

§. 31. Zinnober, Mennig, Schüttgelb, Lacc, Bleyweis, Grünspan, Bergblau, Indig, Kreide, Auripigment, Rauschgelb und dergleichen Farben, dulten keinen Kalck, sondern vergehen oder verschwinden, und sind dahero zum fresco mahlen, unbrauchbar: Jedoch können einige davon in verschlossenen Zimmern, durch Kunst gleichwol angebracht werden, daß sie beständig bleiben, wovon aber hier zu reden, die Umstände es nicht erfodern noch erlauben.