Stahl 1720

Georg Ernst Stahl, Einleitung zur Grund-Mixtion Derer Unterirrdischen mineralischen und metallischen Cörper. Alles Mit gründlichen Rationibus, Demostrationibus und Experimentis nach denen Beccherischen Principiis ausgeführet, Leipzig [Caspar Jacob Eyssel] 1720.


MEMBR. VI.
Thes. VI.

Die mineralischen Salze werden
durch Vermischung der mineralischen
🜃 mit dem 🜄 gezeuget.

Beweiß-Gründe der irdisch-wässerichten
Natur der mineralischen Salze.

. . .

pp. 281–282

16) Die anfänglich weiche Art der Kieselsteine scheinet auch deßwegen noch wahrscheinlicher durch das Kunst-Stücke, welches denen Erfahrnen nicht unbekannt ist, daß man den Gyps, wie auch den Kalck durch schleimichte Dinge fast zu einer festen Härte bringen kan. Denn wie die feste Härte bekannt ist, dadurch man mit ungelöschten Kalck und das Weisse von Eyern Gläser zusammen kittet; also dienet es nicht bloß zu scherzhafften experimenten, daß der Kalck und andere dergleichen Materien durch Milchwerck kann gehärtet werden; welches Beccher so hoch erhebet, daß er schreibet, er habe an einem Orte wahrgenommen, daß aus Käse und Kalck eine steinerne consistenz hervorkommen sey, welche so hart als ein Demant gewesen wäre. Das ist gewiß, daß der Kunst Marmor, welcher aus Gyps durch schlammichte Mittel gemacht wird, offt so hart werde, daß er einem Porphyr und Jaspis nichts nachgebe; wenn man nur guten und wohlbereiteten Gyps zur Hand hat, und der Handgriff bey der Vermischung mit gebührender Geschicklichkeit verrichtet wird, denn durch unbehöriges und verkehrtes Umrühren über die gewöhnliche Zeit kann auch die beste Massa weichlich und zerbrechlich gemacht werden.