Zedler – Longolius 1735/IX
Johann Heinrich Zedler – Paul Daniel Longolius (edd.), Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschafften und Künste, Welche bißhero durch menschlichen Verstand und Witz erfunden und verbessert worden… IX, Halle – Leipzig [Johann Heinrich Zedler] 1735.
col. 223–240
Farbe
Farbe, pfleget man in zweyerley Verstande zu nehmen. Entweder man verstehet dadurch eine gewisse mixtur, mit welcher die Flächen derer Cörper überzogen sind, daß sie uns colorirt erscheinen; oder es wird vermittelst des Lichts eine Vorstellung hervorgebracht, die in uns die Empfindung der Farbe an einem Object beybringet, da wir zuvor keine nach dem erstern Verstande wahrgenommen. Beydes beruhet auf einer Empfindung, dahero scheinet die Farbe eine Adfection derer Cörper zu seyn, Vermöge welcher in unserm Auge eine gewisse Veränderung erreget wird, welcher in der Seele eine gewisse idee respondiret, nach welcher wir das object als auf eine gewisse Art gefärbt erkennen. Solcher Gestallt nennen wir einige objecta weiß, als Schnee, Meel, Kreide, Saltz, Marmor etc. indem sie nemlich unsere Augen solcher Gestallt afficiren, und in uns eine solche Empfindung erregen, welcher wir den Namen der Weisse beygeleyet. Ein Cörper siehet roth aus, wenn er uns eine Art der Empfindung beybringet, welcher der Name der Röthe respondiret; und so verhält es sich auch mit denen andern Farben derer Cörper. Alles was wir sehen, sehen wir vermittelst des Lichts, als welches eben dasjenige ist, so uns die Cörper sichtbar macht; da wir nun auch durch das sehen die Farben wahrnehmen, so muß das Licht dasjenige Mittel seyn, welches in uns die Empfindung derer Farben erreget. Verschiedene Cörper, wenn sie gleich von einerley Sonnen-Strahlen oder Lichte erleuchtet sind, sehen doch verschiedenfarbicht aus; da wir nun die an sich duncklen Cörper durch die Reflexion desjenigen Lichts, mit welchem sie erleuchtet sind, wahrnehmen; so muß mit denen Licht-Strahlen, indem sie von dem Cörper zurückgeworffen werden, eine Veränderung vorgehen, daß sie anders und anders unser Auge afficiren und in uns eine andere Empfindung derer Farben erregen; weil sonst, wenn das Licht unser organum auf einerley Art afficirte, auch einerley Empfindung erfolgen würde, eben wie der Ton von uns auf gleiche Art gehöret wird, wenn in gleicher Zeit gleich viel impressiones von der durch die vibrationes des klingenden Cörpers bewegten Lufft auf unser tympanum geschehen, und hingegen ein verschiedener Ton gehöret wird, wenn eine verschiedene Anzahl derer impressionum zu einerley Zeit an unser tympanum trifft. Weil wir die Connexion der Seele mit dem Cörper nicht wissen, so können wir auch nicht sagen, auf was Art und Weise diese oder jene Empfindung der Seele dieser oder jener Bewegung des organi sensorii zustimme; dahero können wir auch in Physicis nicht weiter gehen, als nur zu untersuchen, unter was vor Conditionen unfer organum afficiret werde, wenn diese oder jene Empfindung in unserer Seele sich ereignet, da denn, wenn dergleichen Conditiones wieder vorkommen, auch einerley Empfindung wieder geschehen wird. Das Licht ist es, welches in unserm organo verursachet, daß wir uns derer objectorum und ihrer Farben bewust seyn; die objecta sind das Licht nicht selbsten, sondern reflectiren nur das anders woher empfangene Licht in unser Auge; fragt sich, was vor eine Veränderung gehet mit denen Strahlen des Lichts vor, durch welche wir diese oder jene Farbe an denen Objectis empfinden, u. unter was vor gewissen Conditionen wir nur eine gewisse Farbe wahrnehmen. Die Untersuchung hiervon hat die Philosophen viele Secula durch ermüdet, welche sich zu verschiedenen Zeiten verschiedene Ideen hiervon formiret haben. Aristoteles und dessen Sectatores haben hiervon einen gantz duncklen Begriff gehabt, indem ihnen die wahre Beschaffenheit, wie das sehen zugehet, das ist, was vor Veränderungen in unsern Augen vorgehet, wenn wir eine Sache sehen, nicht bekannt gewesen ist. Aristoteles L. II. de An. cap. 7. t. 67. saget: omnis color est motiuus ejus, quod est actu pellucidum, atque haec est natura ejus; und c. 73. id quod in lumine cernitur, est color, und ein wenig darnach: Color mouet pellucidum vt aërem; ab hoc autem, cum sit continuum, mouetur sensorium, etc, aus allen diesen aber läßt sich kein rechter Begriff von denen Farben formiren. Cartesius, welcher seinen Elementen alle Gestallten geben kan, behauptet, daß das Licht nicht nur erzeuget werde, wenn die Kügelein des andern Elements von der Materie des erstern getrieben werden, sondern will auch, daß die Empfindung des Lichts und derer Farben darauf ankomme, wenn die Extremitäten derer nervorum optimorum, so die retinam des Auges zusammen setzen, von denen Kügelein des andern Elements beweget würden; daß also diejenigen Cörper ihnen schwartz aussehen, welche die particulae des Lichts, so an sie antreffen, selbige ersticken und ihnen ihre Krafft benehmen; hingegen diejenigen Cörper uns weiß erscheinen, die die Licht-Strahlen dergestallt auf uns zurückwerffen, ohne deren Action im geringsten zu verändern. Den Ursprung derer mittlern Farben, als roth, grün 2c. leitet er daher, wenn die Theile der subtilen Materie, so die Action des Lichts überbringen, mit einer grössern Gewalt rotiren oder im Creiß sich herum bewegen, als diejenige ist, womit sie nach einer geraden Linie fortzubewegen sich bemühen; dergestallt, daß diejenigen, so hefftiger rotiren, eine rothe; die weniger hefftig herum getrieben werden, eine grüne Farbe und so ferner erregen. Diese Hypothesis des Cartesii ist auch nicht hinlänglich dasjenige auszumachen, was wir suchen, indem dieselbe auf solche Gründe gebauet, die ihme die heutigen Philosophen keines Weges einräumen können. Honoratus Fabri Phys. T. II. Tract. III. L. 1. welcher die Sätze des Aristotelis aufs beste zu vertheidigen getrachtet, hat auch in diesem Stücke das einige in Obacht genommen. Er macht einen Unterscheid zwischen der Farbe in actu primo, oder derjenigen Krafft, die das Object besitzet, und mit welcher solches die Farbe zu Wege bringet; und der Farbe in actu secundo, darunter er die Modification des Lichts selbst verstehet. Nachdem er einige Hypotheses zum voraus gesetzet, daß nemlich durch die verschiedene Reflexion und Refraction derer Licht-Strahlen, verschiedene Farben entstehen, und daß die weisse Farbe mehr licht, als alle die andern Farben, so sich an denen Cörpern befinden, reflectiren, so schlüßt er endlich, daß die Farbe eines lichten Cörpers in actu primo das modificirte Licht selbsten sey, und daß diese Modification auf die verschiedene Disposition, Lage und Vereinigung derer Theile des Lichts ankomme. Im Gegentheil läugnet er, daß hier die Stärcke des Lichts etwas beytrage, sondern hält dafür, daß man hier hauptsächlich auf die Vereinigung und Verbindung derer Licht-Strahlen sehen müsse, und solcher Gestallt eine weisse Farbe entstehe, wenn die einfacheste und eine fortdaurende Modification geschehe; hingegen verschiedene Farben erzeuget werden, wenn die nicht lichten Theile sich vermischen, und die Continuitatem des Lichts stören, dadurch eine verschiedene Verbindung und Vereinigung des Lichts und Schattens sich ereigne: z. E. daß die Sonne, wenn sie durch einen Nebel scheinet, roth aussehe, rühre daher, weil der Nebel die meisten Licht-Strahlen aufhalte und zerstreue, wodurch eine nicht geringe Unterbrechung derer Strahlen geschiehet. Er unterstehet sich auch noch genauer den Ursprung derer Farben zu zeigen, und nennet rothes Licht dasjenige, in welchem so viel Schatten als Theile des Lichts sich befinden; das gelbe Licht bestehe darinnen, wenn bey jedem Schatten zwey Theile Licht sich befinden; blaues hingegen, wenn mit jedem Theile des Lichts ein gedoppelter Schatten verknüpffet ist, und so ferner. Diese Hypothesis des Fabri zeiget vieles, so einen deutlichen Begriff von denen Farben beybringen können; wie denn auch viele Philosophen auch noch itzo ihme, wiewohl mit einiger Veränderung, iedoch im Haupt-Wercke, daß der Ursprung derselben von der Modification des Lichts durch den Schatten herrühre, beypflichten. Allein die Möglichkeit, daß durch Vermischung des Lichts mit dem Schatten, das ist, durch eine Verringerung derer Licht-Strahlen, (indem der Schatten nichts anders als eine Beraubung des Lichts ist) Farben entstehen können, scheinet noch nicht dargethan zu seyn. Es ist wahr, die Experimente, welche unten angeführet werden sollen, zeigen, daß die Strahlen des Lichts Farben machen, wenn sie von einander abgesondert werden, und solcher Gestallt sich durch einen grössern Raum ausbreiten; allein die Ausbreitung des Lichts durch einen grössern Raum aac Nevvton an, 1675, der Königlichen Societät und dessen Vermischung mit dem Schatten in einer gewissen Proportion, ist nicht hinlänglich, wenn Farben entstehen sollen. Denn man kann vermittelst derer hohlen und erhabenen Gläser, wenn man bey denen letztern das Licht hinter dem Brenn-Punct auffängt, die Dichtigkeit des Lichts in einer jeden Proportion vermindern, und dessen Composition mit dem Schatten zu Wege bringen; dessen ungeachtet aber nehmen wir dabey weiter nichts mehr, als daß das Licht nur schwächer, keines Weges aber in Farben verwandelt werde. Dahero es lediglich auf die Absonderung derer Strahlen ankommt, wenn sich die Farben zeigen sollen. RobertusBoyle hat beynahe zu gleicher Zeit mit dem Fabri, oder auch noch etwas vor ihm seine Gedancken von denen Farben eröffnet, und kommt im Haupt-Wercke, mit dem Fabri überein. Er hat die Theorie hiervon seinen Experimentis et considerationibus de coloribus beygefüget, welche kürtzlich darauf beruhet: 1.) Erinnert er überhaupt, daß das Licht die Empfindung der Farbe hervorbringe, wenn eine gewisse Art der Bewegung in einem Theile des Gehirns sich ereigne; welche, ob sie zwar meisten Theils sich zutrage, wenn durch den Anstoß des Lichts auf die Retinam des Auges deren fibrillae in Bewegung gesetzet werden; so könne man doch auch die Empfindung von Farben haben, wenn eine gleichmäßige Bewegung von einer andern Ursache, dabey keine Licht-Theilgen sich befinden, unter eben denenselbigen Umständen hervorgebracht werden; welcher Fall sich bey denen durch allzustarckes Licht verletzten Augen ereignen kann, wenn sie bey verschlossenen Augen, verschiedene Farben nach und nach empfinden. 2.) Bemercket er von denenjenigen Farben, die wir würcklich an denen Flächen derer Cörper wahrnehmen, daß der Unterscheid von der verschiedenen Erscheinung derer Farben an ihnen herrühre, von dem Unterscheid derer Figuren an denen kleinen Cörpergen, welche die rauhe Fläche eines gefärbten Cörpers ausmachen; durch welche bey der Reflexion des Lichts die Vermischung des Lichts und Schattens sich zutrage, durch welche wir auf diese oder jene Art den Cörper gefärbt sehen. Zudem so mercket er an, daß man zugleich auf die Lage gedachter Theile des Cörpers in Ansehung des Auges und Lichts, welches den Cörper erleuchtet, ingleichen auf die Bewegung derer Theile des sichtbaren Objecti, Acht haben müsse. 3.) Was die Farben anlanget, so man emphaticos zu nennen pfleget, die nemlich nicht würcklich an einem Cörper wahrgenommen, sondern unter einer gewissen Veränderung des Lichts, z. E. wenn man einen Licht-Strahl durch ein gläsernes prisma triangulare, oder ein mit Wasser gefülltes conisches Glaß fallen läßt, hervorgebracht werden; so meynet er, es sey in diesem Falle klar genug, daß das durch den Schatten modificirte Licht lediglich an ihrer Erzeugung Ursache sey. 4.) Endlich behauptet er noch, daß zur Production derer Farben der Grad der Geschwindigkeit und die Ordnung, nach welcher die von einem Object ausgehende Licht-Strahlen zu unserm Auge gelangen, das ihre beytragen. Diese Meynung von dem Ursprunge derer Farben durch die Modification des Lichts war kaum in der gelehrten Welt einiger Massen bekannt Isaac Nevvton an, 1675, der Königlichen Societät derer Wissenschafften seine Gedancken von denen Farben eröffnete, und viel Experimente, so der vorigen Theorie zuwieder lieffen, vorbrachte, biß er endlich an. 1704. seinen Tractatum opticum zu erst in Englischer Sprache heraus gab, und darinnen seine Theorie von denen Farben, benebst denen dahin abzielenden Experimenten bekannt machte. Es ist solche dergestallt beschaffen, daß sie die wahrscheinlichste Raison von dem Ursprunge derer Farben vor Augen leget; da hingegen die vorige Hypothesis subponiret, daß durch Vermischung des Lichts mit dem Schatten, das ist durch Schwächung des Lichts Farben entstehen können, welches ermeldeter Massen, der Erfahrung zuwieder. Wir wollen dahero die Newtonianische Theorie kürtzlich anführen, und dieselbe aus denen anzuführenden Experimenten erweisen; nachdem wir zuvor kürtzlich werden voraus gesetzet haben, was zu mehrerer Erläuterung in dieser Abhandlung dienet. Die Farbe steckt in denen Cörpern, die wir als gefärbt sehen, nicht selbsten. Denn was wir sehen, nehmen wir durch Hülffe des Lichts wahr, und also muß auch das Licht, so von einem Cörper ausgehet, in uns die Empfindung dererjenigen Farben erregen, so wir dem Cörper beylegen. Im finstern sehen alle Cörper schwartz aus; so bald es aber wieder lichte wird, kommen auch die Farben wieder zum Vorschein. Es hat demnach ein Cörper im finstern keine Farbe. Man darf sich hier nicht einbilden, als wenn ein mit Grünspan überstrichener Cörper, der im Lichte grün aussiehet, im duncklen diesen Ueberzug von Grünspan verliere; sondern er behält solchen, und auch das Vermögen, so bald es wieder lichte wird, solche Licht-Strahlen in unser Auge zu schicken, die in uns die Empfindung der grünen Farbe erwecken. Es kommt die gantze Sache hier auf die Empfindung an, so unserem Organo von dem Lichte des ausstrahlenden Cörpers imprimiret wird, deme die Empfindung der Farbe, so wir an dem Cörper wahrnehmen, in der Seele respondiret; wir haben solches alles schon im Anfange dieser Abhandlung dargethan; und die Tinctura ligni nephritici verificiret solches à posteriori. Es wird solche zubereitet, indem man von dem ligno nephritico, welches ein braunes Holtz ist, kleine Spänlein abschneidet, und reines helles Brunnen-Wasser darauf geußt; da sich eine Tinctur herauszeuhet, die sich in Farben recht wunderbar verhält. Wenn die Tinctur in ein Wein-Glaß gegossen wird, und man hält das Auge zwischen das Fenster, wo das Licht hereinfällt, und zwischen das Glas, darinnen die Tinctur ist; so siehet sie blau aus; hält man aber das Glaß mit der Tinctur zwischen das Auge und das Licht, so siehet sie roth aus, wenn sie starck ist, aber wie gelb-braun, wenn sie schwach ist. Wenn die Tinctur von dem Sonnen-Lichte erleuchtet wird, so nimmt auch die blaue Farbe zu, und fällt, wenn sie starck ist, ins grünlichte, wie ein Türckis. Oben um den Rand des Glases siehet sie gleichfalls Meer-grüne aus, und wenn man die Sonne von oben hinein scheinen läßt, so wird die gantze obere Fläche Meer-grüne. Von der blauen Seite ist sie undurchsichtig, von der rothen oder gelb-braunen durchsichtig. Man mag das Glaß wenden wie man will, so ist alle Zeit die blaue Farbe von der Seite, wo die Tinctur erleuchtet wird, und das Licht reflectiret; die rothe oder auch gelb-braune von der andern Seite, wo das Licht durchfällt. Die Mixtur bleibt hier einerley, und wenn demnach die Farbe ihr eigenthümlich wäre, so müste sie auch allenthalben gleich gefärbt aussehen: allein da nach verschiedener Position des Auges in Ansehung des einfallenden Lichts, durch dessen Refraction und Reflexion, als wodurch wir von der Tinctur das ausstrahlende Licht erhalten, die Empfindung einer andern und andern Farbe in uns erreget wird; so muß bey der Refraction u. Reflexion eine Veränderung mit dem Lichte vorgehen, Vermöge welcher solches in den Stand gesetzet wird, unser Organum anders und anders zu afficiren und uns eine verschiedene Empfindung von der Farbe beyzubringen. Alle Hypotheses stimmen darinnen überein; und ist demnach die Frage: wie wird das Licht verändert, daß wir bey einem gewissen Grad der Veränderung auch eine Farbe empfinden? Fabri und Boyle schreiben gedachter Massen diese Veränderung der Vermischung des Lichts mit dem Schatten zu; Nevvton hingegen hat die Licht-Strahlen selbst untersucht, und durch Experimente dargethan, daß in denen Licht-Strahlen selbst die Ursache vorhanden sey, die uns die Empfindung der Farbe beybringe, ohne auf eine Vermischung des Lichts mit dem Schatten, als wodurch nur ein schwächer Licht, keines Weges aber Farbe hervorgebracht wird, Acht zu haben. Er zeiget nemlich, daß ein Sonnen-Strahl, wie man ihn z. E. durch ein kleines Loch in die Cameram obscuram einfallen läßt, aus vielen andern Strahlen bestehe, die unter einerley Umständen nicht einerley Refraction leiden; oder nach seiner Sprache zu reden, daß die Licht-Strahlen von verschiedener Refrangibilität wären. Diejenigen Strahlen, welche unter einerley Umständen gleich viel gebrochen werden, heissen Radii homogenei; heterogenei hingegen, die unter einerley Umständen nicht gleich starck gebrochen werden. Daß es dergleichen Strahlen gebe, erweiset das Experiment mit dem gläsernen Prismate triangulari. Wenn man einen Sonnen-Strahl durch ein kleines rundes Loch in ein wohl verfinstert Zimer fallen läßt, so bleibet derselbe allenthalben rund und repraesentiret das Bildniß der Sonnen auf einem gerade dagegen gehaltenen Papir, ohne einige Farben wahrzunehmen. Wenn man ihn aber mit dem horizontal daran gehaltenen Prismate dergestallt auffängt, daß er durch die zwey Seiten des Prismatis passiren muß, die einen spitzigen Winckel einschlüssen; so werden die Strahlen durch die Refraction von einander abgesondert, und formiren der Höhe nach ein länglicht Bildniß der Sonnen, welches farbicht erscheinet. Würden die Strahlen, so den einfallenden Sonnen-Strahl componiren und unter einander parallel sind, gleich starck gebrochen, so würden sie nach denen Principiis Dioptrices, weil sie vor der Refraction parallel gewesen sind, auch nach der Refraction parallel verbleiben, und ein rundes Bildniß der Sonnen formiren; allein da dieses nach der Refraction der Höhe nach länglicht erscheinet, so müssen die Strahlen, so den Sonnen-Strahl componiren, nicht allein gleich starck, sondern einige mehr, die andern weniger gebrochen seyn. Das Experiment giebt an, daß nach der verschiedenen Refraction derer Strahlen sich auch verschiedene Art Farben repraesentiren. Diejenigen, die am schwächsten gebrochen werden, mahlen auf dem dagegen gehaltenen Papire eine rothe Farbe ab. Diese nächst anliegende Strahlen, die der Höhe nach etwas mehr gebrochen sind, stellen eine gelbe Farbe dar; ihnen folgen die noch etwas mehr gebrochenen Strahlen und bilden eine grüne Farbe ab; hierauf erscheinet von denen noch etwas mehr gebrochenen Strahlen eine Himmelsblaue Farbe; und die Strahlen, so am stärcksten gebrochen sind, zeigen eine violet-blaue Farbe. Das Licht mag durch das prisma gebrochen werden, wie es will, in die Höhe oder in die Tiefe, oder zur Seiten, so zeiget sich diese Veränderung in der verschiedenen Refraction derer Strahlen, die Farben bleiben alle gleich breit, und folgen beständig in angeregter Ordnung aufeinander. Man mag an Statt des Prismatis, ein conisches mit Wasser gefülltes, oder auch ein gläsern hohles, und mit Wasser gefülltes prisma substituiren; so werden dadurch die Farben und ihre Ordnung keines Weges verändert, sondern einem gewissen Grad der Refrangibilität des Licht-Strahls respondiret alle Zeit eine gewisse Farbe; das ist, diejenigen Strahlen, welche in jedwedem Falle am wenigsten gebrochen werden, stellen alle Zeit eine rothe Farbe dar; diejenigen, so am stärcksten gebrochen werden, praesentiren alle Zeit eine violet-blaue Farbe, und so auch mit denen übrigen zwischen diesen Grenzen der Refrangibilität befindlichen Strahlen nach ihrer Ordnung. Weil bey Veränderung des medii, das ist, desjenigen durchsichtigen Cörpers, in welchem die Refraction geschiehet, keine Veränderung in der Art der Refrangibilität, und denen ihr respondirenden Farben erfolget; so muß die Ursache dieser Refrangibilität in denen Strahlen selbst vorhanden seyn, das ist, ein jeder Strahl hat eine besondere Natur oder Beschaffenheit, nach welcher er sich nur auf diese Art, und nicht anders brechen läßt, und wenn er solcher Gestallt von denen übrigen abgesondert ist, und also allein in unser Organum würcket, derselbe auch seine besondere Krafft habe, die Empfindung einer gewissen Farbe, die seinem Grad der Refrangibilität respondiret, in uns zu erregen. Es bestehet demnach ein Licht-Strahl aus verschiedenen andern Strahlen, deren jeder seine besondere Natur hat, und ein jeder, wenn er von denen andern abgesondert, alleine würcket, eine gewisse Farbe hervorbringet; hingegen wenn alle diese radii heterogenii beysammen, und mit einander vermischet sind, (als bey dem einfallenden Sonnen-Strahl, ehe er in dem prismate gebrochen, und in mehrere Strahlen abgesondert wird,) wir eine Empfindung davon haben, so wir weisse Farbe nennen. Man fange nach geschehener Refraction in dem prismate das gefärbte Bildniß der Sonnen mit einem Brenn-Glaß auf; so werden in dem Brenn-Puncte diese Strahlen zusammen gebracht, da sie zuvor zerstreuet waren; und siehe! es erscheinet in dem Brenn-Puncte keine Farbe, sondern das Bildniß der Sonnen, so dadurch abgemahlet wird, praesentiret sich wieder weiß. Durch die Vermischung demnach derer radiorum heterogeneorum entstehet eine weisse Farbe; ein jeder hingegen vor sich, wenn er alleine würcket, bringet nur eine gewisse Farbe hervor. Um diese radios heterogeneos nun von einander zu unterscheiden, wollen wir denjenigen einen rothen Strahl nennen, welcher die Krafft hat, in uns die Empfindung einer rothen Farbe zu erwecken, und solcher Gestallt auch einen gelben, grünen, blauen Purpur-Strahl heissen, durch welchen die Empfindung der gelben, grünen, blauen und Purpur-Farbe entstehet. Es hat die Erfahrung gezeiget, daß ein Strahl, der unter einerley Umständen mehr refringiret wird, als der andere, auch eine stärckere Krafft zu würcken, als der andere, habe. Das blaue licht, so wir an der Flamme des entzündeten Spiritus vini wahrnehmen, erreget bey weiten nicht so viel Wärme, als das rothe Licht, welches das brennende Holz von sich giebet; und man kann auf eine mechanische Art darthun, daß, Vermöge der Cohaesion des Lichts mit denen Cörpern, welche solches eben bey denen durchsichtigen zur Refraction zwinget, und von der vorigen Direction, nach welcher es eingefallen, abzuweichen nöthiget, ein Strahl, welcher mehr gebrochen werde, als ein anderer, auch eine geringere Krafft als dieser habe, indem nemlich die Krafft, womit der Cörper den Strahl gleichsam an sich zuhet, jenen mehr als den andern zu sich nöthiget, und ihn näher zu dem perpendicul zwinget, nach welcher Direction die Cohaersion sich ereignet, das ist, jenen mehr als diesen refringire. Hieraus kann man begreiffen, wie die radii heterogenei anders und anders unser Auge afficiren, und dadurch eine Empfindung von einer andern Farbe verursachen könne. Die Radii heterogenei werden nicht gleich starck gebrochen, und haben dahero auch nicht eine gleich starcke Krafft, der retinae unsers Auges eine gleich-starcke Bewegung zu imprimiren; sondern ein rother Strahl wird solche in eine stärckere und andere Bewegung setzen, als ein blauer Strahl; dahero auch bey jenem eine andere Empfindung als bey diesem entstehen muß; indem nach der verschiedenen Impression der Retinae, welche sie von dem einfallenden Lichte erhält, eine verschiedene Empfindung in der Seele vorgehet. Ist die Art der Bewegung der Retinae einerley, so muß auch die Empfindung von einerley Farbe geschehen, ungeachtet nicht alle Zeit Licht zugegen, so diese Bewegung verursache, wenn nur von einer andern Ursache eben dieselbe hervorgebracht werde. Ein Exempel giebt uns hiervon an die Hand, wenn man das Bild der Sonnen im Wasser, oder in dem Foco eines Brenn-Glases oder Brenn-Spiegels etwas steif ansiehet, da uns dieses starcke Licht nöthiget, die Augen wegzukehren, und solche zu zuschlüssen. Bey solcher Gestallt verschlossenen Augen hat man noch eine fortdaurende Empfindung von dem Bildnisse der Sonnen, jedoch unter verschiedenen Farben, indem dasselbe Anfangs roth, hernachmahls gelb, denn blau, hierauf Aschen-farbicht, und endlich schwartz erscheinet. Hier hat das starcke einstrahlende Licht der Sonnen die retinam unsers Auges in eine hefftige Bewegung gesetzet, welche nicht sogleich, wenn man die Augen zumacht aufhöret, sondern fortdauret; doch, weil die agirende Ursache der Bewegung aufgehöret, so wird dieselbe immer schwächer und schwächer, biß sie endlich gantzlich destruiret ist. Ein rother Strahl, hat Vermöge des obigen eine stärckere Krafft, die retinam zu bewegen, als ein gelber; ein gelber Strahl eine stärckere als ein blauer, und so ferner; daher kann man erkennen, wie bey abnehmender Bewegung der Retinae die Empfindung derer Farben nach obiger Ordnung entstehen könne, als worbey nichts von Nöthen, als daß nur eine gewisse Bewegung die Retina habe, mit welcher eben dieselbe afficiret ist, wenn wir eine gewisse Farbe empfinden. Es führet dieses Phaenomenon Prof. Weidler in Explicatione nova Experimentorum Newtonianorum de coloribus veteri hypothesi accommodata (Witteberg. 1720.) p. 16. an, und meynet, daß solches aus der Newtonianischen Theorie sich nicht erklären lasse, oder man müsse, (wie wir jetzo gethan) eine diverse Art der Bewegung der Retinae zugeben, wenn eine verschiedene perception derer Farben sich ereignen solle; daher schlüsset er p. 18. quid igitur prohibet, quo minus in radios diuersa virtute pollentes, diuersimodeque conjunctos disjunctosue, caussam colorum omnium conjiciamus. Wir sind hierinnen mit ihm einig, daß die Strahlen des Lichts eine verschiedene Krafft haben müssen, und nachdem die homogenei radii besonders oder vermischt, mit andern heterogeneis würcken, eine besondere und andere Farbe erregen, wie er denn auch die meisten Experimente des Newtons einräumet, nur daß er solche auf die alte theorie zu appliciren sich bemühet: Allein darinnen können wir ihm nicht beypflichten, daß er diese verschiedene Krafft derer Strahlen von deren Vermischung mit dem Schatten, das ist, wenn sie geschwächt worden, und nicht mehr so dichte und häuffig in das Auge fallen, herleiten will; indem sonst auf solche Art eine jede Verminderung und Schwächung derer Strahlen Farben hervor bringen müste, da wir Vermöge der Erfahrung, in diesem Falle zwar eine Empfindung von einem schwachen lichte, keines Weges aber von Farben wahrnehmen. Eine andere Krafft derer Strahlen, und eine daher rührende Bewegung der retinae muß seyn, wenn wir Farben empfinden; und auf eine andere Art muß ein geschwächtes Licht die Retinam afficiren, weil wir in beyden Fällen verschiedene Empfindung haben. Jene Krafft ist mit der Refrangibilität derer Strahlen unveränderlich verknüpffet; die andere rühret von der Veränderung des Lichts in dessen Dichtigkeit her. Das erste bekräftigen die Newtonianischen Experimente auf das beste. Man hat einen gefärbten Strahl von dem auf einer Tafel gefärbten Bildniß der Sonnen, so daran von einem Sonnen-Strahl durch die Refraction in einem gläsernen prismate gebildet worden, besonders durch eine Eröffnung derselben Tafel, durchfallen lassen, solchen von neuen mit einem prismate aufgefangen; aber weder eine Veränderung in der Farbe desselben gefärbten Strahls, noch auch eine dispersion desselben in mehrere Strahlen wahrgenommen. Hier ist der Grad der Refrangibilität einerley, und die ihr respondirende Farbe einerley verblieben. Da nun dasjenige, wornach die radii heterogenei, woraus das Licht componiret ist, von einander unterschieden sind, unveränderlich verbleibet; so muß man allerdings denen radiis homogeneis von jeder Art eine besondere und unveränderliche Krafft zuschreiben, die beständig einerley Empfindung von der Farbe hervor bringet. Diese kann, Vermöge des Experiments durch neue Refractiones nicht verändert werden. Mariotte Essay de Nature des couleurs p. 207. seqq. edit. Paris mercket zwar an, er habe das Purpur-farbene Licht durch einen Ritz durchfallen lassen, und zwar in einer Weite von 30. Schuhen, wo es einen grössern Raum als 3. Linien einnahm, und es mit einem Prismate sehr schief aufgefangen, damit nemlich das Purpur-farbene Licht sich von dem andern recht abgesondert hatte und nun im Prismate von neuen starck gebrochen würde; habe aber gefunden, daß ein Theil davon in rothes und blaues Licht verwandelt würde: daher schlüsset er, daß das verschieden färbichte Licht keine besondere eigenthümliche Krafft haben könne. Es scheinet aber der Versuch gleich verdächtig, daß nicht das gantze Licht, sondern nur ein Theil davon in anderes verwandelt worden, der größte Theil aber unverändert geblieben und seine Purpur-Farbe behalten. Denn man bleibet nicht bloß zweiffelhafftig, ob vielleicht nur noch fremdes Licht mit dem Purpurfarbenen vermengt gewesen, welches durch eine neue Refraction abgesondert worden; sondern man hat auch grosse Vermuthung darzu, weil nicht allein der gröste Theil seine Farbe behalten, sondern auch dasjenige Licht, welches bey der andern Refraction andere Farben bekommen, doch keine erhalten, die von denen wären unterschieden gewesen, welche durch die erstere Refraction im Prismate geschehen, wenn das weisse Licht der Sonnen gebrochen wird. Nevvton hat dieses gewiesen, daß Mariotte die radios heterogeneos nicht genugsam voneinander abgesondert habe, als an. 1716, Desaguliers die Experimente von denen Farben vor der Königlichen Societät in Engelland, auch in Gegenwart einiger von der Academie derer Wissenschafften zu Paris wiederhohlen muste. Transact. Anglic. Philos. N. 348. p. 435. seqq. Man muß nemlich, wenn das Licht im Prismate sich völlig voneinander absondern soll, gewisse Umstände beobachten, darauf Mariotte nicht Acht gehabt, weil sie Newton erst nach dessen Tode in seiner Optic prop. 4. L. I. P. I. bekannt gemacht. Wenn man diese genau obseruiret, hat man niemahls eine Veränderung mit denen gefärbten Strahlen durch eine neue Refraction angemercket. Woraus zur Genüge erhellet, daß sich die Radii homogenei in ihrer Refrangibilität und dieser ihrer respondirenden Farbe, unveränderlich erweisen, und also ihre besondere Natur haben. Eben dieses thun sie bey der Reflexion. Wenn man in einem wohl verfinsterten Zimmer einen einfallenden Sonnen-Strahl durch Hülffe eines Prismatis in seine gefärbten Strahlen absondert, und in selbige allerhand gefärbte Cörper, als Menige, Auripigmentum, Bergblau, Tuch von allerhand Farben etc. in einen von denen gefärbten Strahlen leget, so stehet derselbe Cörper, ungeachtet er an sich anders gefärbt ist, alle Zeit so gefärbt aus, wie der Strahl, der ihn erleuchtet, das ist, die Cörper, die in den rothen Strahl geleget werden, sehen roth aus; die Cörper, welche mit dem blauen Lichte erleuchtet werden, erscheinen blau; und so ferner. Hier reflectiren die Cörper, ungeachtet sie unter sich verschiedene superficies reflectentes haben, das gefärbte Licht auf einerley Art; und das Experiment giebt zugleich an, daß ein Cörper roth aussehe, wenn er rothes; blau, wenn er blaues; grün, wenn er grünes Licht reflectire, und so weiter; woraus man schlüssen kann, daß diejenigen Cörper, die von dem Sonnen-Lichte erleuchtet werden, wenn sie roth erscheinen, nur die rothen Strahlen des Sonnen-Lichts; wenn sie grün aussehen, nur die grünen Strahlen desselben zu uns reflectiren, die übrigen aber in sich eindringen lassen, und solche gleichsam verschlucken. Gleichwie sich die radii homogenei weder durch die Refraction noch Reflexion in ihrer Natur verändern lassen, so erweisen sie solches auch bey der Vermischung mit denen heterogeneis. Wenn man einen rothen und violetblauen Strahl durch Hülffe zweyer Prismatum in einem verfinsterten Gemache mit einander vermischet, so entstehet dadurch eine Farbe, so dem blossen Auge Purpur-roth aussiehet; betrachtet man aber solche durch ein Prisma, so erscheinen diese vermischten Farben wieder abgesondert, und erleiden also keines Weges eine Veränderung ihrer Natur, während ihrer Vermischung. Wenn man die gefärbten Strahlen mit einem Brenn-Glase auffängt, so produciren sie bey ihrer Vermischung in dem Brenn-Puncte eine weisse Farbe; hingegen hinter dem Brenn-Puncte, da sie wieder auseinander fahren, zeigen sie eben die vorigen Farben wieder, aber nur in umgekehrter Ordnung, wegen der geschehenen Intersection derer Strahlen in dem Brenn-Puncte, da nemlich die Farben, die zuvor oben erschienen, jetzo den untersten Platz einnehmen; und die zuvor unten waren, anjetzo oben gesehen werden, daß also die Vermischung keine Veränderung in der besondern Beschaffenheit jeder Strahlen hervorbringet. Es behalten demnach die radii in ihrer Vermischung, ein jeder vor sich, noch ihre Natur, z. E. ein rother Strahl seine Krafft, die Empfindung der rothen Farbe zu erwecken; ein grüner seine Krafft, eine grüne Farbe uns darzustellen: allein durch ihre Vermischung und Composition werden sie in einen andern Zustand gesetzet, die retinam anders zu afficiren, als wenn ein radius homogeneus besonders die Retinam in Bewegung setzte; es entstehet ein motus compositus der retinae, der von einem simplici, dergleichen ein radius homogeneus vor sich erzeugte, unterschieden ist; und der folglich auch die Empfindung einer andern Farbe respondiren muß. Hieraus erhellet, daß nach verschiedener Composition derer Haupt-Farben, welche durch die Refraction in Prismate entstehen, und daraus alleine das Sonnen-Licht zusammen gesetzet ist, eine unzählige Menge anderer Farben könne hervorgebracht werden. Die Vermischung derer Haupt-Farben geben ein weisses Licht; wiewohl die Strahlen der Sonnen selbst etwas gelbe annoch aussehen; daher wenn man diese gelbe Farbe noch davon separiret, die übrigen aber mit einem vermischt, so erhält man eine weit weissere Farbe. Wenn man ein weisses Papir mit verschiedenen materiellen Farben überstreichet, und im Lichte (nicht in der Camera obscura) mit denen Farben des Prismatis erleuchtet, so werden die Farben des Papirs gantz anders aussehen und in andere Farben verwandelt worden seyn, als diejenigen gewesen sind, die sie zuvor gezeiget. Nemlich die Farben des Papirs reflectiren vor sich, weil sie von dem Lichte des Tages erleuchtet werden, nur diejenigen Strahlen, welche die Empfindung derselben Farbe, womit das Papir überstrichen ist, in uns erregen können. Z. E. eine rothe Farbe reflectiret die rothen Strahlen des Tages-Lichts; eine blaue die blauen. Wenn man nun die Farben des Papirs mit gefärbtem Lichte des Prismatis erleuchtet, dieses aber ermeldteter Massen, durch die Reflexion keine Veränderung erleidet, so bleiben die rothen, grünen, blauen &c. Farben des Prismatis auch nach der Reflexion roth, grün, blau. Wenn nun ein rother Strahl des Prismatis auf die rothe Farbe des Papirs fällt, so kommt nicht nur das von rothes Licht von der Farbe des Papirs, sondern auch von dem zurück prallenden rothen Lichte des Prismatis in unser Auge; dahero erscheinet die rothe Farbe weit schöner und rother auf dem Papir. Fällt hingegen die blaue Farbe des Prismatis auf die rothe Farbe des Papirs, so kommen zugleich rothe Strahlen von der Farbe des Papirs und blaue Strahlen von dem Lichte des Prismatis in unser Auge; dahero entstehet aus der Vermischung dieser radiorum heterogeneorum eine Empfindung einer andern Farbe in uns, und wir sehen auch die zuvor rothe Farbe des Papirs in eine andere verwandelt. Es wird einer nicht leichtlich in Zweiffel ziehen, ob denn das Licht des Tages, oder auch ein ander Licht zur Nacht-Zeit aus eben dergleichen farbigten Strahlen zusammen gesetzet sey, wie wir solches an dem Lichte der Sonnen befunden haben: denn von dem Lichte des Tages ist solches vor sich klar, indem es von der Sonnen herrühret, deren Strahlen von denen Objectis allenthalben hin reflectiret werden, wo auch die Sonne gleich nicht immediate hinscheinet; man nimmt auch solches durch die Prismmata wahr, wenn man damit die Objecta, so nicht von der Sonnen beschienen werden, betrachtet, indem man alsdenn die unveränderlichen Farben des Prismatis eben so wohl wahrnimmt, als wenn man einer Sonnen-Strahl damit auffängt. Von denen andern Lichten ist dieses ebenfalls aus der farbigten Ausstrahlung eines Diamanten klar. Denn wenn man einen Diamanten, der viereckigt geschliffen ist und ein Rauten-Stein genennet wird, des Abends in einiger Weite von dem Lichte hält, daß die Strahlen davon hinein fallen, und darinnen gebrochen werden; so wird man bald rothe, bald blaue, bald andere Farben gleichsam heraus brennen sehen: Denn wenn der Diamant gut ist, so ist es nicht anders, als wenn man eine kleine Flamme, die eine bunte Farbe hat, aus dem Diamant herausfahren sähe, die so lange unbeweglich verbleibet, als der Diamant und das Licht unverrückt in ihrem Orte verharren. Eben dergleichen Farben, wie im Prismate zeigen sich bey Tage durch die Refraction von einem Diamanten im Sonnenlichte. Da nun das gemeine Licht des Abends durch die Refraction im Diamanten in solchen Farben verwandelt wird, wie bey Tage das Sonnen-Licht, so wohl durch die Refraction in ihm, als im Prismate; so ist daraus klar, daß das gemeine Licht eben auf solche Art zusammengesetzet sey, wie das Sonnen-Licht. Man kann demnach aus obiger Manier abnehmen, wie aus der Vermischung derer Haupt-Farben des Lichts unzählig andere Neben-Farben entstehen können, wenn jene auf verschiedene Art mit einander vermischt worden. Es erhellet auch dieses ferner daraus: Wenn man durch ein gefärbtes Glaß gegen die Glaß-Scheiben des Fensters oder auch gegen dem Himmel siehet; so nimmt der Himmel so wohl als die Glaß-Scheiben die Farbe des Glases an, indem alsdenn die constitution des Glases dergestallt beschaffen, daß es nur die Strahlen des Lichts, die seiner Farbe respondiren, durchpassiren läst. Durch ein blaues Glaß sehen die Sachen blau, durch ein rothes roth, durch ein grünes grün, durch ein gelbes gelb aus. Leget man aber zwey Gläser von verschiedener Farbe über einander, so kommt eine neue zusammen gesetzte Farbe aus, die von beyden unterschieden. Z. E. wenn man ein blaues und grünes Glaß übereinander leget, so siehet alles dadurch wie blasse Dinte aus; und ein blaues und rothes übereinander geleytes Glaß zeigen eine Violet-Farbe. Es ändern sich auch die Farben mit dem Lichte, welches man aus folgendem Versuche abnehmen kann: Man nimmt ein wenig Werck, und salzet es mit gemeinem Salze; darauf gusset man Branntwein oder auch Spiritum vini und an Statt des Phlegmatis, welches der Branntwein in dem ersten Falle schon bey sich hat, ein wenig Wasser. Den Branntwein zündet man an, nachdem man alles auf einem zinnernen Teller oder auch auf einem irrdenen wohl untereinander gerühret. Bey diesem Lichte verändern sich alle Farben und wird absonderlich nichts rothes, noch grünes gesehen. Die schönste rothe Farbe wird gantz braun; derowegen verlieren auch die Lippen ihre rothe Farbe, und weil alles Fleisch etwas Röthe hat, so verändert sich auch das Angesicht, und wird um so viel heßlicher, je röther und weisser es auch sonst aussiehet. Unterdessen bleibet doch das weisse gantz weiß, welches man an denen Zähnen und weissen leinenen Zeuge siehet. Das gelbe bleibet zwar gelbe, wird aber gantz blaß, also daß die hohe gelbe Farbe, die fast einer Posmeranze beykommt, blaß als zerriebener Schwefel siehet, die Farbe des Angesichts siehet scheuslicher aus, als eines Menschen, der einige Tage im Grabe gelegen. Es erhellet hieraus von neuen, daß die Farben denen Cörpern nicht eigenthümlich sind, sondern von der Veränderung des Lichts her rühren. Verschiedene Lichter haben verschiedene Farben, als das Licht von brennendem Holze siehet roth, vom Spiritu vini, blau aus, und so ferner; dahero mangeln einige von denen Haupt-Farben in diesem Lichte, welches inzwischen noch aus denen andern kann componiret seyn, welches Vermöge der verschiedenen Constitution derer Cörper auf verschiedene Art reflectiret, an ihnen dergleichen verschiedene Farben zeiget, so sie zuvor nicht gehabt. Aus allen diesen erhellet nun zur Gnüge, daß wir an denen Cörpern diejenigen Farben wahrnehmen, deren Empfindung uns die von ihnen reflectirten Strahlen beybringen können, das ist, ein Cörper, der roth aussiehet, muß lauter rothes, oder doch mehr rothes Lichts als anderes zurücke werffen; einer, der gelbe aussiehet, muß mehr gelbes als anderes, und ein grüner mehr grünes als anderes Licht zurücke werffen. Und da durch die Vermischung einfacher Farben mit einander die zusammengesetzten entstehen, nachdem entweder diese oder andere von denen einfachen, entweder in dieser oder einer andern Proportion mit einander vermischt werden, so werffen die andern Cörper, welche zusammengesetzte Farben haben, mehr als einerley Art Strahlen, jedoch in verschiedener Proportion zurücke. Alles dieses flüsset aus der Newtonianischen Theorie von denen Farben. Nun ist nur noch die Frage, wie es möglich sey, daß, da die Cörper von einem componirten Lichte, dergleichen das Licht der Sonnen ist, auf einerley Art erleuchtet werden, diese doch ein ander Licht, nemlich das gefärbte zurücke werffen, so ihrer Farbe, so wir an ihnen wahrnehmen, respondiret. Z. E. die Newtonianische Theorie bringet uns auf den Weg, solches zu bestimmen. Weil die Strahlen von verschiedenem Lichte in dem weissen Lichte, womit die Cörper erleuchtet werden, mit einander vermischet sind; inzwischen aber diejenige doch nur von ihnen, nemlich die gefärbten, so ihrer Farbe respondiren, sollen zurücke geworffen werden, die übrigen aber nicht; so muß eine Absonderrung derer Strahlen an der Fläche des Cörpers vorgehen. Nun ist die Eigenschafft derer radiorum heterogeneorum, daß sie nicht gleich starck unter einerley Umständen gebrochen, sondern durch die Refraction von einander abgesondert werden; Derowegen muß eine Refraction des Lichts an der Fläche derer Cörper geschehen, ehe solches zu unserm Auge reflectiret wird, damit durch bemeldete Refraction die farbigten Strahlen können abgesondert, und nur allein diejenigen, so der Farbe des Cörpers respondiren, können zurück geworffen werden. Eine Refraction geschiehet in einem Cörper, der durchsichtig ist; und solcher Gestallt müsten alle Cörper an denen Theilgen ihrer Fläche durchsichtig seyn; welches wunderlich zu sagen scheinet. Allein die Sache hat seine Richtigkeit. Die kleinsten Theile von allen Cörpern sind durchsichtig; welches die Microscopia bekräftigen. Die Stäublein und Fäselein derer festesten Materien erscheinen endlich dadurch durchsichtig, wenn man sie genug vergrössert. Die kleinsten Stückgen eines Metalls sind noch undurchsichtig; wenn man aber die Metalle in denen Menstruis auflöset, das ist, in die kleinsten Theile zertheilet, so werden sie durchsichtig, indem die Solution entweder helle verbleibet, oder auf gewisse Art gefärbt erscheinet; welches beydes eine Durchsichtigkeit angiebet. Wenn man in einer Camera obscura den Finger an das Loch, wodurch das Licht hineinfällt, leget, so siehet derselbe durchsichtig und gleichsam feurig aus. Weil nun alle Materie in ihren kleinsten Theilgen durchsichtig ist, so kann die Dunckelheit derer zusammen gesetzten Cörper nicht daher rühren, daß die Passagen, wodurch das Licht in den Cörper dringen soll, von denen Theilen der Materie des Cörpers verstopffet seyn; sondern sie muß ihren Ursprung anderswoher nehmen. Nevvton thut dar, daß die Dunckelheit derer Cörper ihren Ursprung von denen poris dererselben nehme, welche mit einer Materie erfüllet sind, welche einen weit andern Grad der Dichtigkeit haben, als die Theile des Cörpers selbsten. Zu der Dunckelheit eines Cörpers wird erfordert, daß das Licht reflectiret, und von seiner geradlienigten Bewegung weggebracht werde, damit es nicht zu unsern Augen gelange. Solches so wohl als die Refraction dependiret von der Absonderung zweyer Mediorum oder Materien dadurch das Licht gehet, die der Dichtigkeit nach von einander unterschieden sind. Die Refraction geschiehet Vermöge der Action derer Cörper, die sie gegen das Licht haben, durch welche sie solches von seiner geradlienigten Direction abbiegen. Keine Refraction äussert sich, ausser wo zwey Media von verschiedener Dichtigkeit, z. E. Lufft und Glaß, an einander anliegen; als welche eine verschiedene Action gegen das Licht haben; und zwar geschiehet solche an der Fläche, mit welcher diese Media an einander liegen. Auf gleiche Art ereignet sich die Reflexion an der Fläche, mit welcher zwen Media von verschiedener Dichtigkeit mit einander combiniret sind, und rühret ebenfalls aus der Action derer Cörper gegen das Licht her. Nevvton hat längst erwiesen, daß das Licht nicht an die dichten Theile derer Cörper anstosse, wenn es von diesen zurücke geworffen werde; sondern, daß daselbst eine Reflexion Stat finde, wo das Licht frey durchpassiren kann. Die Reflexion hat mit der Refraction eine starcke Verwandniß; und man erweiset durch Experimente, daß, wo keine Refraction Stat finde, auch keine Reflexion sich ereigne; und hingegen, wo die Refraction am stärcksten, daselbst sey auch die Reflexion stärcker. Gravesande Elem. Phys. L. III. c. 13. Der Unterscheid in der Stärcke der Refraction rühret von dem Unterscheide in der Dichtigkeit unserer Mediorum her, aus deren einem ein Licht-Strahl in das anderere dringet, und bey eben diesen Umständen ereignet sich auch eine Reflexion, wie denn die reflectirende Krafft, ermeldeter Massen, desto grösser befunden wird, je mehr die Media, welche von der reflectirenden Fläche abgesondert werden, der Dichtigkeit nach von einander unterschieden sind. Wo demnach dergleichen Media von verschiedener Dichtigkeit ein Licht-Strahl antrifft, daselbst erleidet er eine Refraction und Reflexion. Da nun ein Cörper in seinen Poris Materien hat, die eine andere Dichtigkeit als die eigenthümlichen Theile des Cörpers haben; jene so wohl aber, als diese in ihren kleinsten Theilen durchsichtig sind; so muß das Licht, wenn es in einen solchen Cörper eindringet, alle Augenblicke auf Flächen treffen, welche die Theile des Cörpers und die der Dichtigkeit nach differirende Materien in denen Poris des Cörpers voneinander absondern. Hierdurch muß das Licht unzählige Refractiones und Reflexiones in dem Cörper erdulten, also, daß es durch den Cörper nicht durchdringen kann, und solcher Gestallt wird ein Cörper undurchsichtig oder dunckel. Dergleichen Refractiones und Reflexiones äussern sich demnach auch auf der äusserlichen Fläche des Cörpers, und können davon einige Strahlen wieder ausserhalb dem Cörper reflectiret werden; woraus man die Möglichkeit erkennet, daß ein Cörper nur eine gewisse Art Licht-Strahlen reflectiren kann. Nemlich durch die Refraction derer Strahlen an der Fläche des Cörpers werden solche von einander abgesondert, und gehen alsdenn die farbigten Strahlen, ein jeglicher nach seiner besondern Direction fort; sie treffen aber inzwischen Flächen an, welche die Materien von verschiedener Dichtigkeit, aus welchen der Cörper bestehet, von einander absondern; an solchen werden sie nun Theils refringiret, Theils reflectiret. Ist nun die Textur und Composition derer Flächen, welche gedachte Materien von verschiedener Dichtigkeit voneinander absondern, dergestallt beschaffen, daß sie nur eine gewisse Art derer gefärbten Strahlen wieder aus der obern Fläche des Cörpers heraus reflectiren, die übrigen aber weiter refringiren und reflectiren, welches von der verschiedenen Dichtigkeit gedachter Materien, mit welchen die verschiedene Action besagter Materien gegen das Licht, und der daher rührenden Refraction und Reflexion verknüpffet ist, herrühret; so kommt auch nur dieselbe Art von denen Strahlen in unser Auge, und bringen uns die Empfindung derer ihnen respondirenden Farben bey. Ein Cörper demnach, der roth aussiehet, hat auf seiner Fläche eine besondere Textur, Vermöge welcher er die auf der Fläche durch die Refraction abgesonderten rothen Strahlen allein zurücke wirfft, die übrigen aber gleichsam verschlucket. Und auf gleiche Art hat ein anderer Cörper, der eine andere Farbe bezeiget, eine andere Textur, die uns die seiner Farbe respondirenden Strahlen reflectiret. Wenn man demnach die Fläche eines Cörpers dergestallt ändert, daß sie eine Textur bekommt, bey welcher sie nur eine gewisse Art farbigter Strahlen zurücke wirfft, so hat man den Cörper gefärbt, das ist, in denjenigen Stand gesetzet, darinnen er das Licht unter solchen Umständen zu uns reflectiren kann, welches in uns die Empfindung einer gewissen Farbe erreget. Es geschiehet solches mit gewissen Materien, die schon die Textur haben, nur eine gewisse Art Strahlen zu reflectiren, und die man Farben nennet, dergleichen z. E. Zinnober, Berggrün, Indigo, Gummi-Gutte, Grünspan, &c. sind; wenn man mit solchen die Fläche eines Cörpers überzühet. Weil die Cörper nicht alles, sondern nur dasjenige Licht zurücke werffen, so ihrer Farbe respondiret, das übrige aber verschlucken; so ist es kein Wunder, daß Cörper, die dunckele Farben haben, in der Sonne wärmer werden als die hellern Farben. Jene werffen weniger Licht zurücke, als diese, und nehmen also mehr Licht in sich, welches das in denen Cörpern verborgene Feuer in eine heftigere Bewegung setzet, und uns daher einen grössern Grad der Wärme zu erkennen giebt. Weiß Tuch wird in einerley Wärme der Sonnen nicht so warm als blaues; und schwartzes Tuch, welches sehr wenig Licht zurücke wirft, wird sehr stark erwärmet. Weil von der besondern Textur derer Cörper an ihren Flächen, eine besondere Refraction und Reflexion und der ihr respondirenden Farbe des Cörpers herrühret; so sind auch die Cörper, so andere Farben zeigen, ihrer textur an der Fläche nach von einander unterschieden; und kann man daher begreiffen, wie es möglich sey, daß ein blindgebohrner durch blosses fühlen die Farben von einander unterscheiden kann, dergleichen Exempel Boyle in Considerationibus de coloribus p. 42. seqq. auführet. Merckwürdig ist das Exempel, so er aus der Observation D. Finchs, von einem blinden, Namens Jo. Vermaaien erzählet. Dieser war in seinem zweyjährigen Alter an denen Blattern gänglich blind worden; dennoch aber hat er nach der Zeit die Farben, wenigstens die Haupt-Farben, durch das fühlen unterscheiden lernen; am meisten durch Hülffe des rechten Daumens, wobey er aber jeder Zeit hat nüchtern seyn müssen. Von der weissen, schwartzen, rothen und blauen Farbe hat er zweiffelhafft, von denen übrigen aber alle Zeit genau sein Urtheil gefället. Er hat gegen D. Finch bezeuget, daß er den Unterscheid an der grössern und geringern Rauhigkeit, die er an denen Flächen derer Cörper fühle, abnehme; und zwar daß besonders die schwartze und weisse Farbe am rauhesten seyn, und einander sehr ähnlich, daher es schwer sey, ein genaues Urtheil davon zu fallen; doch wäre die schwartze Farbe noch etwas rauher als die weisse. Die grüne Farbe komme der weissen am nächsten an der Rauhigkeit bey, hierauf folge die graue, welche weniger rauh sey als die grüne; denn die gelbe Farbe; ferner die rothe und blaue, wiewohl diese beyden ebenfalls einander so ähnlich wären, daß sie nicht wohl von einander können unterschieden werden. Die textur derer Flächen an denen Cörpern machet solche geschickt, eine gewisse Art farbichter Strahlen zurücke zu werffen, und wenn diese verändert wird, bekommt auch der Cörper eine andere Farbe. Wenn nun eine flüßige Materie gefärbt seyn soll, so muß auch eine gewisse textur oder Lage derer Theile derselbigen zu Wege gebracht werden, welche geschickt ist, die Licht-Strahlen dergestallt zu refringiren und reflectiren, daß sie die ihrer Farbe respondirenden Strahlen allein zu uns bringet. Wird diese Lage derer Theile verändert, so geschiehet auch eine andere Refraction und Reflexion, und es kommt auch eine andere Farbe zum Vorschein. Die Experimente bekräfftigen solches. Wenn man in die eben angeführte tincturam ligni nephritici einige Tropfen von dem Oleo oder Spiritu vitrioli tröpfelt, so verschwindet die blaue Farbe, und die tinctur siehet von beiden Seiten goldgelbe aus, bekommt auch keine andere Farbe, man mag sie gegen das Licht halten, wie man will. Durch Vermischung dieser Materien kommen ihre vires cohaesionis in action, und verändern die Grösse, Figur, Lage und Beschaffenheit derer Flächen, an welchen innerhalb dem fluido die Refractiones und Reflexiones geschehen; dahero diese selbst verändert werden und andere Farben hervor bringen. Und dergleichen Veränderung gehet auch vor, wenn man andere liquores hinein geußt, welche Vermöge ihrer Cohaersions-Krafft, die Mixtur in der position derer kleinsten Theile verändert: Güeßt man in die besagter Massen veranderte tincturam ligni nephritici etwas von Oleo Tartari per deliquium, oder auch von Sale Tartari in Wasser soluiret, kommt die blaue Farbe wieder. Es ist aus der Chymie bekannt, daß das Oleum Tartari per deliquium praecipitiret, und die kleinen Theile coaguliret; daher bringet es wieder zurechte, was das Oleum oder Spiritus vitrioli zuvor umgekehret hat; Und solcher Gestallt bekommt die tinctur ihre Farbe wieder, wenn die aus dem Nephritischen Holtz gezogene Materie wieder in ihren vorigen Stand gesetzet wird, in welchem sie eben dieselbigen Refractiones und Reflexiones zu Wege bringen kann. Man hat noch mehrere Versuche von dergleichen Beschaffenheit, davon man verschiedene bey dem Boyle in considerationibus de coloribus, Mariotte Essais de couleurs, P. IX. in Actis Erud. 1709. p. 321. und bey andern aufgezeichnet findet, z. E. wenn man Mercurium sublimatum in Wasser auflöset, so bleibet solches gantz helle. Güsset man etliche Tropfen von dem Oleotartari per deliquium hinein, so wird das Wasser undurchsichtig, und bekommt die schönste Pomeranzen-Farbe. Wenn man alsdenn etliche Tropfen von dem Oleo Vitrioli darein tröpfelt, so verschwindet die Farbe, und das Wasser wird wieder gantz helle und durchsichtig, wie vorhin. Gleicher Gestallt wenn man Wasser aufgestoffene Gall-Aepffel güeßt, und anderes auf Vitriol, hernach beydes filtriret und untereinander mischet, so wird im Augenblick schwartze Dinte: So man aber etwas von Vitriol, Oele hinein tröpfelt, so wird die schwartze Farbe verschwinden, und wieder ein durchsichtiges Wasser aus der Dinte werden. Und dieses ist die Ursache, warum das Saure die Dinten-Flecken heraus bringet, als Citronen-Safft, weisser Johannis-Beer Safft, und dergleichen. Wenn aber ein Dinten-Fleck in einem Gewand ist, welches von auren flecket; so gehet er zwar heraus, aber es kommt ein anderer hin in, der durch das Oleum Tartari per deliquium herausgebracht wird. Es hat auch dieser Versuch zu einer sympathetischen Dinte Anlaß gegeben: denn man schreibet mit Gall-Aepfel-Wasser, so kann man auf dem Papir nichts sehen, wenn es trocknet, so bald man aber das Papir mit Vitriol-Wasser überstreichet, werden die Buchstaben davon schwartz, und die Schrifft wird sichtbar. Auch durch die Dämpfe werden die Cörper an ihren Flächen in einen andern Zustand gesetzet, und daher an ihren Farben verändert, wenn man blaue Violen mit Schwefel beräuchert, so werden sie weiß. Hieher gehöret auch das Kunst-Stück, dadurch unwissende in Verwunderung gesetzet werden. Man nimmt Silber, das im Feuer nicht anlauffet, und lässet durch einen Gold-Schmid ein Silber-Loth zubereiten, das ihm an Farbe gleichkommt, aber im Feuer anlaufft und schwartz wird. Von dem Silber läst man runde Stücken wie ein Groschen ausschneiden, und mit dem Lothe gewisse Buchstaben, oder auch Worte hinein löthen. Weil nun das Silber und Loth einerley Farbe haben, so kann man die Schrifft nicht sehen: der Pfennig siehet überall weiß und ungeprägt aus. Sobald man ihn aber aufglüende Kohlen leget, lauffet das Loth schwartz an, und das Silber bleibet weiß; deroweegen kommet eine schwartze Schrifft zum Vorschein, die um so viel schwartzer wird, je länger man sie auf dem Feuer liegen läst. Dieses sind die vornehmsten phaenomena von denen Farben und ihrem Ursprunge nach der Newtonianischen Theorie, und kann man von der Beschaffenheit derer gefärbten Cörper noch ein näheres Urtheil fällen, wenn man auf die Farben, deren Beschaffenheit und Veränderung an denen zarten lamellis, z. E. von Glaß, Wasser, dergleichen von dem letztern die Blasen sind, so man aus Seiffen-Wasser aufbläset, genau Achtung giebet; wie solches Gravesande Elem, Phys. L. III. c. 22. gethan. Denn daß man die Theile des Cörpers an seiner Fläche, auch als durchsichtige und zarte lamellas betrachten könne, erhellet daraus, da wir oben erinnert, daß alle Cörper in partibus minimis durchsichtig seyn; und diese kleinsten Theile müssen auch zarte seyn, weil sonst die obere Fläche gleichsam mit einem durchsichtigen Cörper überzogen zu seyn erscheinen, und die Farbe alsdenn von denen Theilen unter denenselbigen herrühren müste. Gravesande erweiset hieraus l. c. cap. 23. daß die Farbe eines Cörpers von der Dicke und Dichtigkeit derer Theile des Cörpers herrühre, die an dessen Fläche zwischen denen poris desselben inne liegen; daß weit lebhaffter und von gleicher Art die Farben erscheinen, je zärter diese Theile sind; daß diese Theile die gröste Dicke haben, wenn Cörper roth, und geringste, wenn er violet-blau aussiehet; daß die Theile des Cörpers die Materie, welche die poros desselben erfüllet, an Dichtigkeit weit übertreffen müsse; daß diese Dichtigkeit geringer sey in denen Schwäntzen derer Pfauen, einiger seidenen Zeuge, und überhaupt in allen Cörperrn, deren Farben mit der veränderten Lage des Auges veränderlich sind; daß die Farbe eines Cörpers dunckler sey, wenn eine dichtere Materie in die poros desselben eindringe; daß eben diese ermeldete Veränderungen bey denen mixturen verschiedener liquorum sich ereignen; da z. E. die Salz-Theilgen, so in der einen Solution sich befinden, mit denen Salz-Theilgen der andern Solution zusammen hangen, oder durch die Action anderer darzu kommenden Dinge von einander abgesondert werden, wodurch allerdings die Dicke derer Theile der flüßigen Materie und mit ihr die Farbe derselben verändert wird; und was dergleichen Umstände mehr sind, so uns zu der Beschaffenheit derer farbigten Cörper leiten.
col. 1820–1821
Fresco
Fresco mahlen ist, wenn man eine trockene Mauer mit Kalck bewerffen läßt, und also auf den nassen frischen Kalck mahlet. Es muß der Mahler, so viel er bewerffen lassen, sogleich übermahlen, sonst vertrocknet der Anwurff samt der darauf angefangenen Arbeit also hart, daß selbige hernach mit dem daneben zu stehen kommenden Anwurff sich nicht mehr vereinbaren, noch solchen annehmen kann. Die Farben verschwinden anfändlich al fresco, wenn sie aufgestrichen werden, kommen aber hernach, jemehr der Kalck trocknet, wieder hervor. In England und denen Niederlanden wird diese Art in Fresco nicht gebraucht, weil selbige wegen der feuchten gesaltzenen See-Lufft allda nicht trocknen kann.
