Goldmann – Sturm 1699

Nicolaus Goldmann – Leonhard Christoph Sturm, Nicolai Goldmanns Vollständige Anweisung zu der Civil Bau-Kunst/ In welcher nicht nur die fünf Ordnungen/ sampt den dazu gehörigen Fenster-Gesimsen/ Kämpfern/ Geländer-Dokken/ und Bilderstühlen/ Auf eine neue und sonderbahr leichte Art aufzureissen deutlich gewiesen, sondern zugleich getreulich entdekket wird…, Braunschweig [Heinrich Keßler] 1699.


Das I. Buch
Der Bau-Kunst.

Von den allgemeinen Anfängen.

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pp. 61–62

Das XVI. Capitel.

Vom Sande.

Zur Befestigung der Steine und Ziegel dienen vornehmlich der Kalck/ und der Gips/ aber des Kalckes  halben muß man zuförderst den Sand kennen lernen. Denn es wird der Sand unter den Kalck gerühret/ welcher bald/ nachdeme der Kalck gelöschet ist / darein geschüttet wird: also daß auf vier Theilen Zeuges/ drey Theil Sandes mit einen Theil Kalckes vermischet werden: Welche Vermischung Vitruvius vor die Beste vorschreibet. Unter dem Flüß-Sand oder Meer-Sand soll man gestossen und gesiebte gebrandte Ziegel/ und derer wohl den dritten Theil einmischen / damit der Fehler derogleichen Sandes verbessert werde. Auß den gegrabenen Sande soll man denjenigen außlesen/ welcher in der Hand gerieben ein Geräusche machet/ und welcher auff ein weiß Tuch geworffen keine Flecken hinterlässet. Palladius will haben/ daß man den Meer-Sand in süssen Wasser seiffen/ und ihme also die Saltzigkeit abwaschen solle/ dann sonsten wird der Tünch durch dessen Schärffe schründicht. Frisch gegrabener Sand/ wann er neu aus der Sand-Gruben kommet/ ist zum Mauren und Wölben dienlich/ aber wann er lange lieget/ wird er halb zur Erden: aber derogleichen frisch gegrabener Sand/ ist zum Tünchen nicht gut/ weil der damit gemischte Kalck / nicht ohne kleine Risse an der Wand erdrockenen mag. Auß dem gegrabenen Sande ist der röthlichte der beste/ hernach der graue und zum dritten der schwärtzlichte. Es ist auch eine Arth Sandes besser/ als aller erwehnter/ welchen Vitruvius Carbunckel nennet/| andere nennen ihn auch Gemmam, daß er gleichsam funckelt. Wann man keine Sandgruben hat/ und des Fluß-Sandes kein Überfluß ist/ mag man den Stein-Sand außsieben/ solcher Stein-Sand ist voll kleiner Steinigen/ und wird am Ufer der Flüsse viel gefunden. Der Puteolanische Sand (von den Italiänern Puzzolana genandt/) dessen Überfluß bey Bajis und um den Berg Vesuvium gefunden wird/ wann er mit Kalck und Mauerwerck vermischet wird/ ist auch unter dem Wasser so gut als eine Kütte. Dergleichen würde auch anderer Sand verrichten/ wann er durch Hitze in der Erde außgekochet wird; Doch sonderlich/ wann er auß Bimsteinen gezeuget ist.

Die Vermischung des Kalckes mit dem Puteolanischen Sande/ giebet auch diese Gütigkeit/ daß die Mauren bald druckenen/ und die neuen Gebäue unverzüglich bewohnet werden mögen/ also daß es niemanden an seiner Gesundheit schadet/ wie solches zu Rom männiglich bekandt ist. Eben durch Vermischung dergleichen Sandes/ werden die Mauren zu einem Stücke/ ja auch die grossen auffgemauerten Pfeiler/ wann sie umgestürtzet werden/ zerbrechen nicht/ sondern fallen ganz zugleiche um. Auß derogleichen Mauren bricht man gantze Schreib-Taffeln auf/ welche die Rechenmeister daselbst gebrauchen. Endlich ist nöthig/ daß man an jedem Orte die Eigenschafft des Sandes wohl erkundige/ und nach dessen Beschaffenheit sich zurichten wisse.


p. 62

Das XVII. Capitel.

Vom Kalcke.

In Zubereitung des Kalckes muß man unverdrossen seyn/ seinen Fleiß anzuwenden/ und ist am besten/ daß man ihn auß den härtesten Steinen/ besonders auß den schönen weissen/ die nicht vermischten Zusatzes seyn/ oder auß Kieselsteinen brenne. Der Kieselsteine seyn aber dreyerley Arten/ nehmlich der schwärzlichte/ der weisse und der röthlichte/ man mag auß allen Kalck brennen/ wann man alsbald/ wann die Kießlinge frisch gegraben seyn/ sie zu Kalcke verbrauchet. Auß unlöcherichten dichten und harten Steinen/ kan man nicht weniger Kalck brennen/ welcher zum Mauren gut befunden wird; aber auß löcherichten und leichten Steinen gebrandter Kalck ist zum Bewerffen und Tünchen besser. Und diese erzehlte Arten Kalckes werden denen andern vorgezogen. Man pfleget auch auß Müscheln Kalck zu brennen/ welcher sonsten gut ist/ aber zum Tünchen an der freyen Lufft haben wir angemercket/ daß er nicht bestehen möge/ dann der Regen schälet bald derogleichen Tünch von den Wänden ab. Der gegrabene Kalck auß den Kalckgruben ist keines Sinnes zu verwerffen/ aber diese Art wird durch die Länge der Zeit gehärtet/ dann anfangs will er nicht bald in neuen Wercken bekleiben. In Franckreich/ besonders zu Pariß / wird gemeiniglich Gips vor Kalck verbrauchet/ welcher überflüssig an der Wurtzel des Berges/ Montmartre genandt/ gefunden wird/ und zwar in Feuersnoth kan der Gips gepriesen werden/ aber die Nässe mag er übel vertragen: also könte man ihn zum Bewerffen und Tünchen inwendig in den Zimmern wohl gebrauchen/ aber außwendig am Regen dienet er nicht: Derohalben pflegen sie viel die Gewölber und wohl platte Decken/ damit zu übertünchen/ und schöne Formen darauff zu erheben. Man machet auch kleine Bildlein herauß/ und heissen diejenigen Gipsgiesser/ welche derogleichen Werck bereiten. In Italien machen sie einen schönen Zeug/ welchen sie Stucco nennen/ und wird auß Marmelsteinernen Abgängen/ welche mit eisernen Stempffeln zerstampffet werden/ und zu einen kleinen Mehlpulper gemachet seyn/ bereitet; wird fleissig gesiebet/ und mit dem feinesten Kalcke in der Mulde zum Teige gemacht. Es soll noch schöner außsehen/ wann man an statt des Marmels/ Kieselsteine auß den Bächen brauchet/ und muß man die Weissesten und Durchsichtigsten außlesen/ und derer zwey Theile mit einem Theil Kalckes vermischen/ derogleichen Teig wird viel glänzender und funckelnder. Von der Bewerffung soll in dem Capitel von den Mauren gehandelt werden.


p. 66–68 (68)

Das XXI. Capitel.

Von den Mauren/ und von bewerffen/ bekleiden und Tünchen deroselben.

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Der neuen Mauren auf Ziegeln hat Scamozzi zweyerley Arthen beschrieben/ welche zu Venedig bräuchlich seyn: so saget er nun daß sie die Ziegel nacheinem rechtwincklichten Rautenleibe geformet/ gebrauchten/ und würden die Mauren in besondern Wohnungsbauen anderthalb zieglich oder zweyzieglich: In öffentlichen auch wohl dreyzieglich (das ist so viel Längen der Ziegel dicke) auffgeführet: und dergleichen Dicke hält er vor genugsam zu allerhand Höhe der Gebäue. Die Fugen hat er zweyerley vorgestellet: Die erste Art ist/ wann um einander verwechselt/ allzeit ein Ziegel nach der Länge/ der andere nachder Breite gesehen wird; Die andere Arth ist/ wann ein Ziegel nach der Länge/ und zwey nach der Breite einander folgen. In Niederland legen sie eine ganze Reyhe nach der Länge/ und darüber eineganze Reyhe nachder Breite. In Deutschland werden die Mauren außwendig offtmahls mit Kalck beworffen/ und getünchet/ daßman keine Fugen sehen kan.

Es sollen aber die Mauren inwendig/ wohl Rauhe beworffen werden/ wann nun sölche Bewerffung geschehen ist/ wird mit der Mauerkelle ein Überzug/ darauff der andere/ und dann der dritte auffgestrichen: Dieser Überzug geschiehet mit Kalck der mit Sande vermischet ist/ und muß der Kalck sowohl gerühret seyn/ daß wann man mit dem Zimmerbeil hinein hauet/ keine Steinlein befunden werden/ die das Zimmerbeil schärtig machen/ so soll auch dieser Kalck in einrühren nicht an der Rührkrücke kleben bleiben/ sondern abfallende dieselbe rein lassen. Auss die Überzüge haben sie vorzeiten noch einen dreyfachen Uberzug auf Marmormehl gestrichen/ also daß wann ein Uberzug trocknete/ der andere dünnere/ und auff Diesen der dritte allerdünneste auffgestrichen ward. Wann also der Marmel Überzug gläntzete/ so wahren sie gewohnet/ auss diesen feuchten Tünch/ Farben anzulegen/ welche nicht leicht vergiengen/ und einen feinen Glantz von sich gaben.

Des Tünches der Mauren seyn unterschiedene Arthen/ dero Geschlechte hierzu erlernen seyn: Erstlich auß Gips oder feinen Kalcke/ diesen Tünch nennete man albarium opus, das ist weißlichten Tünch; wann es aber mit Kalck und Sand geschahe / hieß es arenatum, das ist Sand-Tünch; wann es auf Marmor und Kalck bereitet ward/ hieß es marmoratum, Marmor-Tünch. Es pflegeten aber die alten/ so dicke Bewerffungen und Tünch zu gebrauchen/ daß darauß die Rechenmeister heut zu Tage gantze Tafeln schneiden konten. Unter dem Nahmen Tectorii welches bißhero Tünch gegeben ist in einer eigentlichen Bedeutung/ verstehen wir auch die Überkleidungen/ wann man die Mauren mit Taffeln auß Marmor/ Alabaster/ oder Glase/ oder auch mit Muscheln überkleidete/ welche letzte in den Lufthöhlen/ besonsders wo Wasserwerck ist/ wohlstehet. Zuletzt ist die Ordnung auch wohl zu behalten/ dann zuförderst werden die Gewölbe/ hernach die Mauren beworffen und getünchet/ endlich der Aestrich und die Böden vollendet.


Das III. Buch der Bau-Kunst.

Von der inneren Eintheilung der Gebäue.

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pp. 117–118

Das VII. Capitel.

Von den Felder-Decken.

Die Felder-Decken nennen wir allhier vornemlich die höltzerne Decken/ welche eben und nicht gekrümmet seyn. Von diesen haben wir keine rechte alte Uberbleibungen/ sondern müssen dieselbe auf Anleitung der Marmelsteinernen/ davon bey etlichen Tempeln Uberbleibungen seyn/ erlernen. Die Höltzerne wurden in Tempeln nicht viel gebraucht/ weil man wegen des Brandes sich zu besorgen hatte. Es haben die Alten bißweilen Felder-Decken gebraucht auß schönen wohlgefärbten und bißweilen wohlrichenden Holtze: vornemlich auß Cedern und Cypressen: damit hat man sich hernach nicht vergnüget/ sondern ist auffgestiegen zum Ebenholtze und endlich zum Elphenbein. Man hat auch metallene Felder-Decken angegeben/ und dazu vergüldt Kupffer/ ja endlich Silber und Gold gebrauchet. In den Tempeln macheten sie die Abseiten mit Felder-Decken/ welche auf weissen Marmor schön gebauen/ und mit Schnitzwerck auffs herrlichste außgezieret waren. Das Schiff an sich selbst deckten sie zwar gemeinlich mit einem Gewölbe/ aber die Halle bißweilen/ und die Abseiten allezeit mit Felder-Decken. Palladius hat in Italien diese Gewonheit auffgebracht/ daß in den Wohnungs-Bäuen/ die untersten Gemächer gewölbet/ und die Obersten mit platten höltzenen Decken/ seyn bereitet worden. Aber die ebene Decken zu gebrauchen und gleichwohl zum Brande keinen Zunder zu geben/ könte man keine bessere Art/ als die folgende anwenden/ daferne nur das Vermögen zuläst/ daß man so viel darauff wenden kan. Das Zimmer da man eine Felder-Decke brauchen wil/ kan mit einem niedrigen Bogen gewölbet werden/ hernach soll man eisene Stangen/ unter dem Gewölbe durchziehen/ in solcher Dicke und Nähe/ daß man die ganze Felder-Decke sicher daran hängen kan: und könte man die Stangen mitten auch hin und wieder mit Eisen an das Gewölbe hefften. Die eiserne Stangen solten alle mit zerlassenem Peche eingesalbet werden/ daß sie nicht vom Rost verderben: es wäre noch besser/ wann man sie gar dünne mit Bley überzöge/ dann das Bley bewahrt das Eisen am besten. Die Felder-Decken an sich selbsten könten auß dünnen Kupffer getrieben werden/ also daß darauffschöne erhabene Figuren sichtbar waren/ es muß aber alles holl gemacht werden/ auch die Sparrenköpffe/ dafern man dieselben gebrauchet/ damit nicht die Decke allzu schwer werde. Die untere sichtbare Seite kan gantz vergüldet werden/ ausser die Felder/ welche die Italiäner Sfondri nennen/ dieselbe werden mit köstlichen Gemählden vollgefüllet. Die Felder-Decken solten auss diese Weise eingetheilet werden/ mitten solte ein grosses viereckichtes/ vieleckichtes/ rundes oder langrundes Feld angelegt werden. Umb dieses Mittelfeld können allerhand andere kleine Felder angegeben werden/ darinnen der Baumeister seine Freyheit gebrauchen mag; an den Wänden gantz umbher soll ein Unterbalcken gezogen werden. Die kleinen Felder können so viel vertieffet werden/ als der Borten/ in der gebrauchten Ordnung hoch seyn soll: aber das Mittel-Feld kann man noch mit einem Kranze höher hinauff führen/ zum wenigsten biß über die Sparren-köpffe/ nemlich biß über den Krantzleisten: aber am schönsten ists/ daß dessen Vertieffung dem Borten und Krantze gleich sey. Die Zwischen-Balcken zwischen den Feldern/ sollen unten so breit seyn/ als der unterbalcken erfordert würde/ nemlich so viel als der oberste Durchmesser des Pfeilers wäre/ wann man einen untersetzte. Die Gemählde sollen angegeben werden/ daß sie den Eingehenden/ so viel möglich alsbald zugleiche ins Auge fallen/ welches geschehen wird/ wann man die Zimmer hoch genug machet/ entweder nach Vitruvii Vorschrifft/ oder nach Palladii, welcher die Höhe in den Zimmern mit Felder-Decken so groß haben wil/ als die Breite des Zimmers ist: Es könten zu Zeiten die Felder-Decken/ den Gesimsen der äussern Wand an Höhe und Abtheilung zustimmen. Man kan allerhand Gemählde gebrauchen/ jedoch loben wir die jenige/ welche auf einer Farbe angelegt werden/ wie davon oben gemeldet ist. Wann man auff die Geziemenheit ein rechtes Absehen hat/ so solte man himlische Sachen/ und die in der Lufft schweben/ außlesen/ nemlich fliegende Kindlein/ der Götter Gastereyen/ das Ausleben in ein halb Kugel-Gewölbe/ oder in einen Helm/ Geländer mit verkürtzten Bildern/ der herabsehenden; und derogleichen. Die Marmelsteinerne Felder waren fast der Kirchen Eigenthum/ aber in den Abseitender Vorhäuser/ und der Haupt-Sahle/ konten sie auch dienen. Die Felder über den Abseiten pflegten sie folgender Gestalt anzuordnen. Die Unterbalcken lagen mit dem einen Ende auff der Mauer/ mit dem andern auff den Seulen/ hernach worden Balcken übergelegt/ Wagrecht mit dem Borten/ zwischen diesen Balcken/ blieb ein viereckicht Feld/ welches mit einein niedrigen Borten und mit einem Krantze darüber umbzogen ward. Mitten im Felde hing eine außgehauene Rose/ auß zusammen gebundenen/ und bißweilen gekrümten Blättern herab/ alles auß Marmel zierlich gehauen. Man kan auch Perlen und Perlenmutter/ desgleichen Muscheln zur Außzierung beyfügen: jedoch dieses Letzte geziemet sich vornemlich in den Luft-Hölen/ die man gemeinlich Grotten nennet. Wo man aber der Sparsamkeit sich befleissen muß/ kan man unten an die Balcken Breter annägeln/ welche um und um mit einem Gesimse unterzogen werden/ hernach kan man Rähmen/ von schlechter Erhebung machen/ und dardurch gleichsam Felder einthetlen/ in welche schöne Gemählde oder vergüldete Rosen gesetzt werden/ welche herab hangen.


pp. 118–119

Das VIII. Capitel.

Von den gekrümten Decken/ und von den Gewölbern.

Die gekrümte Decken nennen wir/ wann man hölzerne Decken gebraucht/ die unten krumm wie ein Gewölbe aufsehen/ und können derogleichen auch auß Mauerwercke bereitet werden/ alsdann werden sie Gewölbe genandt. Wann sie aus Holtze seyn/ kan man sie unten mit Gips oder Stucco anstreichen/ und zierlich weiß machen: Von dieser Art hat Vitruvius folgende Zubereitung hinterlassen. Man soll erstlich Latten nach der Länge der Decke anschlagen/ welche über zwey Fuß nicht sollen von einander entlegen seyn: Diese Latten wil er auß Cypressen Holtze haben/ und werden nach der krümme Erfoderung eingetheilet: hernach will er/ daß man sie an die Zwerchbalcken (die er Catenas nennet) und an die Stutz-Sparren annagele; die Balcken selbst sollen nachseiner Vorschrifft auß Burbaum/ Wacholdern/ Oel-baum oder Stein-Eichen (nicht gemein Eichen) oder auß Cypressen bereitet werden/ und diese sollen an die Oberdecke/ oder ans Tach befestiget werden: hernach soll man dünne Rohr/ auß den stehenden Wassern/ mit Bastenen Bändern an die Lattenfeste Binden/ und mit hölzerne Spetlichen anhefften: Wand also die gekrümte Decke bereitet ist/ soll man sie unten am Himmel/ mit Gips anstreichen/ und mit Stucco außpolieren; auch unten Kräntze unterziehen; welche in den Oertern / da man den Rauch besorgen muß/ glatte Glieder erfodern/ aber sonsten auch geschnitzet werden können/ wo kein Rauch weder von innen/ noch auß der Nachbarschafft zu besorgen ist.

Die gekrümte Decken/ welche man auß Mauerwercke bauet/ werden eigentlich Gewölber genandt/ derer seyn viererley Arten/ wie in den Deutungen dieselbe erzehlet seyn. Ein Tonnen-Gewölbe ist ein lang Gewölbe in einem Bogen fortgeführet/ welches wie eine halbe holle Welle aussiehet. Ein Kreutz-Gewölbe ist/ wann die Bögen übereckicht geführet/ mitten ein Creutze vorstellen. Ferner seyn noch Mulden und Spiegel-Gewölbe/ derer jenes umb und umbmit einem Viertelkreisse auß der Wand sich beuget/ und im mitten ein Platt viereckicht Stücke einschleußt: dieses beuget sich von allen Wänden mit gesagter Krumme/ und kommt mitten in einem Kreiß/ welchen man den Nabel nennet /zusammen. Im übrigen/ überall wo Eröffnungen an den Wänden seyn/ soll man ein Ohr-Gewölbe darüber an die Gewölbe anfügen und dieses nur wo sonsten das Gewölbe auffliegen solte/ welches über eine Eröffnung nicht füglich geschehen mag: Also ist keine besondere Art der Öhrgewölbe/ sondern es werden nur Ohren/ an die letzte beyden Arten umher angefügt. Es seyn die Ohren-Stücke eines Tonnen-Gewölbes/ die man über den Eröffnungen vonnöthen hat.

Ja allen Gewölben müssen erstlich auß Holtze Bogenstühle bereitet werden/ deren runder Umbfang auß einem Halbkreise oder Langkreyse bestehets alle andere Arten der Gewölber möchten verlassen werden/ besonders die Gothische übelstehende Art/ da sie auß zweyen Bögen Gewölbe machen/ welche mitten scharf oder spitzig werden. Es müssen aber die höltzerne Bogenstühle nahe beysammen auffgericht werden/ allzumahl durchgehends gleicher Höhe und Form/ und wagrecht anfangende. Nachdeme man nun in der Probe befindet/ daß die Bögenstühle wohl gesetzet seyn / (welches durch Hülffe eines Richtscheidts / und einer Schnur geschiehet) sollen sie mit Bretern bedecket/ und etwas Sand darauff geworffen werden/ und als so mag man das Gewölbe darüber schliessen/ das übrige ist den Mäurern so wohl bekant/ daß sie des Baumeisters nicht bedürffen: es ist aber anzumercken/ daß man Keile unterschläget / unter die Bogenstühle/ welche man hernach wegziehen kan/ so sencket sich das höltzerne Gerüste/ und also schleußt der Bogen desto besser/ endlich nachdeme das Gewölbe gedrocknet ist/ wird das Gerüste gantz hinweg genommen; Man kan auch auf Marmelstücken/ welche darnach gehauen sind/ ein Gewölbe machen/ und wird der Himmel des Gewölbes mit schönen gehauenen Schnitzwercke gezieret. Die Gewölbe auß Ziegeln/ werden allen platten Decken/ und auch andern gekrümten Decken vorgezogen: durch Mittel derogleichen Gewölbe/ haben der Römer Gebäue nicht nur ein tausend Jahre gewehret/ und hat ihnen weder das Wetter/ noch der wilden Völcker Sturm schaden können. Derohalben sollen in offentlichen Gebäuen/ vornemlich in den Rath-Häusern alle Zimmer gewölbet werden/ so werden sie durch dieses Mittel vor dem Brande versichert seyn. Die Bau-Verständigen loben vielmehr die Gewölbe die schlecht in einer Länge fortgeführet seyn/ als die lächerliche Gothische dreycckiche und verwürrete Fächer/ welche sie in grosser Menge machten. Jedoch kan man die Gewölbe anderwarts stattlich außzieren/ wann man nemlich darein tieffe Felder eintheilet/ und mit Rähmen umbgiebet; also daß mitten eine Rose herab hänge. Die Halbkugel Gewölbe seyn/ welche die Gestalt einer halben hohlen Kugel besitzen/ und gehören eigentlich zu den runden Gebauen. Man waget sie nicht zum besten auff viereckichte Pfeiler/ obschon Palladius solches zulässet; wiewohl in solchen Falle behutsam zu gehen/ man an den Ecken die Tieffen über dem Gewölbe mit leeren Tönnernen Gefässen/ zu Vermeidung der übrigen Last außfüllen könte. Wann die Gewölbe sehr groß und weitläufftig seyn/ machet man tieffe und grosse Vertieffungen der Felder/ in mittlern mitlere/ und in kleinen kleine: es werden auff dem Gerüste/ wo die Felder hinkommen/ Ziegel auffgesetzet/ welche die rechte Gestalt des Feldes haben/ also daß wann man sie mit dem Gerüste wegräumet/ die Vertieffungen daselbst übrig bleiben wo die Ziegel gesetzet waren; In kleinen Gemächern seyn die glatten Gewölbe/ welche solche Vertieffungen nicht haben vorzuziehen; jedoch kan man wohl formen darauff niedrig erheben/ und dieselbe übergülden. Wann man keine Formen beliebet/ so seyn die Gemälde zuläßlich/ welche doch nicht von vielerhand Farben allzu bundt seyn sollen: im Gegentheil können sie mit grauer Farbe gemahlet/ und mit weisser erhöhet werden/ welche Mahlwercke die Italianer di chiaro & scuro nennen/ daß ist gleichsam lichtdunckel: oder so diese Farbe allzu betrübt außsiehet/ so loben wir die Messing-Farbe/ dadurch werden die Gemählde starckscheinende/ als wann sie auf Ertzt wären: in beyden Arten sehen die Gewölbe starck und artig auß. Aber das Grillwerck geziemet sich weder in den Gemächern/ noch in den Gewölbern/ sondern man mag lieber Gemählde außsinnen/ welche scheinen den Gewölbern stärcke und gantzheit zugeben.