Pozzo 1709/II

Andrea Pozzo, Perspectiva Pictorum et Architectorum | Mahler und Baumeister Perspectiv II, Augsburg [Jeremias Wolff] 1709.


s. p.

Kurtze Unterweisung zum fresco mahlen.

Nach deme durch dieses gantze Werck hindurch theils geflissentlich/ theils bey vorkomender Gelegenheit viel von der Mahleren geredet worden; so habe ich wohl gethan zu seyn erachtet/ daß zu End gegenwärtigen Buchs ein kleiner Tractat/ oder Anweisung zu dem fresco mahlen/ als ein Neben-Werck oder Anhang beygerucket/ und mithin denen Mahlern/ welche Gelegenheit haben sich öffters in dergleichen Mahlerey-Art zu üben/ gedienet werden möchte; Zumahlen da sie nicht jederzeit erfahrne Leute antreffen könten/ die gesinnet wären, ihnen von allem Weilen ich nun durch stetige Ubung in diser Kunst einen benöthigten genauen Unterricht zu geben. eine gute Wissenschafft mir zuwegen gebracht/ so kan ich auch disfalls ein und andere Lehr-Säße vorschreiben. Damit aber solches in rechter Ordnung geschehe/ als wollen wir den ganzen Tractat in zwey Theile/ und diese hinwiederum in zerschiedene Sectiones oder Absätze eintheilen: da dann in dem Ersten von den Vorbereitungen/ ehe man zum mahlen selbsten schreitet (wiewolen eben selbige nicht eigentlich den Mahler/ sondern vielmehr den Maurer angehen;) in dem Andern aber von deme/ was furnemlich den Mahler betrifft/ und ihme zu thun oblieget gehandelt werden solle.

Erster Theil/

1. Absatz.

Ein Gerüst zum mahlen aufrichten.

Obwohlen der Maurer sich zum ersten der Gefahr unterwerffen muß; so soll doch gleichwolen auch der Mahler gute Obacht haben/ was für einem Gerüst er sein Leben vertraue: und müssen wir deßwegen/ daß etwa ein Maurer sich wagt/ und das Fallen nicht förchtet/ seines weges gleichfalls es auf das Glück ankommen lassen: dann wann es schon einem andern gelinget/ so folget doch darum nicht/ daß wir vor dem Sturtzen auch gesichert seyen.

2. Absatz.

Die Maur mit Mörtel bewerffen.

So redet man/ wann die Mauer mit Kalch überzogen wird. Es ist aber hiebey der Mahler zu erinnern; daß er niemahls die Arbeit an Orten/ die da erst mit Mörtel beworfen worden/ vielweniger an beschlossenen Orten/ wo kein Wind durchwehen kann/ anfahe; weilen allda nebst der Feuchtigkeit/ so der Gesundheit höchst schädlich, aus dem Kalch oder Mörtel auch ein hetzicher/ und dem Haupt sehr gefährlicher Geruch äusdämpffet.

3. Absatz.

Überdünchen.

Wann die beworffne Maur hart, und nach beschaffner Drucknung befeuchtet worden; so muß sie hernach mit einem Kalch/ so dunner als der vorige ist/ auch folgends noch mit einem dünneren/ den man eine Tünche nennet/ überzogen werden. Zu solchem Ende nehmet man einen vor einem gantzen oder halben Jahr abgelöschten Kalch/ und vermenget ihn mit einem gereinigten Fluß-Sand/ der nicht gar zu grob/ und nicht gar zu klein ist. Zu Rom bedienen sich die Mahler des Puteolanischen Sandes; weilen aber derselbe ungleiche Körner führet; als fället es sehr schwer/ ihn vollkommlich und gleichaus rein zu machen; noch schwere aber/ ihn nach Verfliessung etlicher Stunden wider anzufeuchten, wiewohlen dises sonsten wol etlichmal geschehen muß. Derowegen soll man sich nach einem erfahrnen und fleissigen Maurer umbsehen/ welcher den Sand gleichaus rein mache/ und auch dem Mahler so viel Platz lasse/ daß er das getünchte auf eben denselbigen Tag gantz übermahlen könne.

4. Absatz.

Abkörnen.

Sobalden als die Maur übertüncht worden/ ist es sehr wohl gethan/ daß man mit einem Pinsel die kleine Sand-Kornlein hinwegnehme/ damit die Farben desto besser darob haften mögen. Solche Arbeit heisset man in Welschland granire/ das ist/ abkörnen; und beschiehet nur bey grossen/ und vom Aug weit abstehenden Dingen; wiewolen es bey nahe gelegnen auch kan vorgenommen werden: damit aber doch die rauhe Mahlerey nicht so ins Geficht falle/ so pflegt man zu End der Arbeit einen Bogen Papier darauf zu legen/ und mit der Källe sachte zudrücken/ damit die allzuviele Rauhigkeit dardurch vertrieben werde.

5. Absatz.

Zeichnen.

Es ist jederman bekannt/ bevor man anfahet zu mahlen/ daß man einen Riß oder gemahltes und vollkomnes Modell machen/ und sich dass selbe vor die Augen stellen müsse/ damit unter dem Arbeiten die Gedancken nicht anderwerts auss schweiffen möchten: ja man hat noch einen andern Riß aufs Papier zu verfertigen/ welcher so groß seyn solle/ als das Werck selbsten; auf daß man selbigen an der Wand anbefestigen/ und so dann von ferne sehen könne/ ob einige Fehler vorhanden seyen/ die zu ändern wären.

6. Absetz.

Gettern.

Wann man grosse Dinge/ als Kirchen/ Sääle oder krumme und irregulare Gewölbe/ woman das Papier nicht so groß machen/ oder nicht fügelich ausbreiten kan/ zu mahlen vor sich hat; so muß man sich nothwendig des Getters / welches bey Übertragung eines Dinges aus dem Kleinen in das Grosse sehr grossen Nutzen hat/ bedienen. Sonsten wird auch das perspectivische Gettern insonderheit bey Gewölben und andern irregularent Orten erfordert/ damit eine Architectur im Persspectiv gerad und eben heraus kome: wovon aber in dem ersten Buch bey der 100ten/ und in disem andern Buch bey der 67ften Figur gehandelt worden. Es muß demnach erstlich das kleine Modell gegettert/ und eben die Anzahl der Vier-Ecke/ so nur an der Grösse sich vermehren/ auf die beworffne Maur übergetragen werden: wann dieses geschehen/ so nimmt der Mahler alsdann aus dem Getter so viel Vier-Ecke für sich als er in einem Tag etwa mahlen kan; und laßt denselbigen Platz an der Maur übertünchen/ trägt auch das Getter so dadurch bedeckt worden, von neuem wieder auf die beschehene Ubertünchung/ damit er seine Arbeit darnach führen und einrichten könne. So aber bey Endigung des Tags noch etwas von dem übertünchten Stuck übrig wäre/ müste felbiges wieder abgehauen/ jedoch wohl in acht genommen werden, daß es weder in Mitten eines nackten Leibs oder eines Kleids/ sondern bloß an ihren aufseren Rissen geschehen möge. Und solcher Gestalten gehet man von einem übertünchten Stück zu dem andern immer fört/ und erinnert immerzu den Maurer/ daß er geschlicklich und fürsichtig in der Sache verfahre/ und an den äussersten Theilen der Mahlerey nichts überziehe oder sonsten beschmitze. Dahero dann wohl gethan seyn wird/ wann man disem besorgenden Unfug begegnen will/ daß man das Werck von oben beanfahe.

7. Absatz.

Umbreissen.

Wann die Umbrisse der Zeichnung auf dem grossen Papier/ wie gemeldet/ gezogen worden/ so legt man sie auf das übertünchte Theil; welches/ weil es noch frisch und weich ist/ alles in sich drucken laßt: und alsdann hat man mit einem gespizten Eisen ob den Umbrissen sachte umzufahren. Bey kleinen Rissen ist es genug/ daß man die besagte Umbrisse mit kleinen Lochlein bestupffe/ und mit gepulvertem Koh-Staub durch ein Lämplein bestäube; wodurch eine subtile Anzeig der Umbrisse geschihet.

8. Absatz.

Vorbereiten.

Ehe und bevor man die Hand an das mahlen selbsten leget/ so sollen die Farben/ und zwar so viel als zu einer Figur genug ist/ vorhero zubereitet werden/ ja/ wann man eine grosse Architectur verfertigen hätte/ so muß man nothwendig eine Haupt- Farbe die zu dem gantzen Werck dienet/ zubereiten: sintemahlen sie sonsten/ wann sie zu zerschiedenen Zeiten gemacht würde nicht vollkommlich und durchaus gleich wäre. Von andern gehörigen Vorbereitungen ist im übrigen unnöthig viel zu melden/ weilen sie auch bey denen Oel-Mahlern fürkommen und bekannt seynd.

Zweyter Theil/

9. Absatz.

Mahlen.

Das fresco-mahlen ist von dem Oel-mahlen bloß darinnen unterschieden/ daß bey dem Ersten eine grössere Geschwindig- und Hurtigkeit darum erfordert wird/ weilen es sehr unbequem fället/ daß man sich nach der Beschaffenheit des Orts/ der gemahlet soll werden/ richten muß: daherd hat man sich nebst den Farben/ die ordentlich in ihren Geschirrlen sollen eingefaßt seyn/ auch einer Mahler-Paleten/ wie vornen in dem Kupffer-Blat angedeutet/ zu bedienen; dieselbe soll aus Blech verfertiget, und rings um einen aufgesetzten Ranfft/ damit die Farben/ so für andern absonderlich wässerig sind/ nicht abrinnen; wie auch in der Mitte ein Geschirrlein mit lauterem Wasser haben/ welches man alsbald zur Nätzung der Farben gebrauchen könne. Im übrigen ist wohl in acht zu nehmen/ daß man nicht anfänge zu mahlen/ ehe und bevor der Mörtel also beschaffen seye/ daß man nicht leicht einen Finger darein drucken möge; dann sonsten/ wann man auf die allzu frische Dünche mit dem Pinsel arbeiten wolte/ so würde das ganze Werck verderbet/ und nur eine blosse Anzeigung von dem jenigen geben/ was man zu mahlen sich vorgenommen.

10. Absatz.

Uberfahren

Bey dem fresco-mahlen ist dises absonderlich zu mercken/ daß die erste farben/ so balden sie auf den Mörtel Kommen/ ihr Liecht un Schönheit verlieren: dahero es denn nöthig seyn will/ daß man sie noch einmal überfahre/ und ja absonderlich das/ so man unter handen hat/ nicht assetze/ biß es seine völlige Vollkommenheit erlanget: dann ein jeder Strich/ den man nach Verfliessung etlicher Stunden fürnehmen wollte/ würde einen Flecken und Mackel geben: so daß man so lange zu warten hat/ biß das gemahlte wol eingetrucknet: welchen falls es so dann wieder kann überfahren werden.

11. Absatz.

Mit frischen Farben wieder überziehen.

Wann man die Arbeit verfertigen kan/ da die Maur noch frisch und feucht ist/ so wird nicht nur die Mahlerey schöner/ sondern bleibt auch beständiger: Dieweilen aber die Tünche eine Enderung der Farben/ insonderheit bey denen Schatten, verursachet; als kan und solle man auch diese Entfärbung mit kleinen Strichen oder mit Eyers-Schaalen-Teig/ oder mit einem Pinsel/ der nur ein wenig in die darzu behörige Farbe eingetunckt ist/ widerumb von neuem überziehen. Allein dise neue Farben-Uberziehung mag nur in bedecken/ nicht aber in offenen Orten practiciert werden: allermassen die frische Farben gar leichtlich von dem Regen abgewaschen würden.

12. Absatz.

Die Farben abtuschen und lindern.

Zur Abtuschung und Linderung der Farben gebraucht man weiche Pinsel; die zwar aus Säu-Börst gemacht/ aber ein wenig beneßt sind: wiewohlen man sich bey Abtuschung der Häupter/ Hände/ und anderer kleiner Dinge der Finger bedient; absonderlich wann der Mörtel bereits erhärtet ist. Falls man aber die Farben in einem Gemählde/ da ein himmlischer Triumph vorgestellt wird, abzutuschen hat; so muß solches alsbald geschehen/ wann die Tünche noch ganz frisch ist; oder auch wann sie bereits ganz eingetrocknet/ jedoch mit solchen Instrumenten/ die die Kunst und Fleiß einem Mahler selbsten an Handen geben.

13. Absatz.

Hinwegnehmen.

Es begiebt sich öffters/ daß einem Mahler das Gemählde nicht nach Willen gelingt/ so daß er dasselbe gern wider hinwegnehmen möchte: Dahero soll er selbiges abschrotten lassen; doch dabey wohl beobachten/ daß die übrige Arbeit nicht beruhret werde: Und wann dann der verlangte Ort aufs beste gesäubert worden; so muß man selbigen mit sonderbarer Geschicklichkeit zu nützen wissen/ und zur neuen Mahlerey eine frische Tünche anwerfen: wiewohl man an bedeckten Orten auf die alte Tünche neue Figur mahlen kann/ so fern sie nur linder als die übrige gemahlt seyn. Welches bloß darum gemeldet wird/ damit euch irgendwo dießfalls kein Scrupel mehr erwachsen möge.

14. Absatz.

Die Farben auswählen.

Ich habe mir vorgefeßt/ allhier alleinig von den jenigen Farben Unterricht zu geben/ welche zum fresco mahlen tauglich seynd; sintemahlen es einen schlechten Nutzen brächte/ wann man gleich eine schöne Mahlerey verfertiget hatte/ und dieselbe doch wegen der Widerwärtig keit/ so ihre Farben gegen einander/ oder mit dem Mörtel haben/ bloß eine geringe Zeit dauren könten: Ich will derohalben einige Farben benennen/ und zwar von denen den Anfang machen/ die zu unserem Vorhaben dienstlich erscheinen.

Das Weisse vom Kalch.

Das Weisse vom Kalch ist das allerbeste/ die Farben darmit zu temperiren/ wann man nackte Leiber oder etwas fleischichtes, oder auch Gewand und Kleider zu mahlen hat: Doch daß der Kalch ein oder ein halbes Jahr zuvor abgelöscht worden seye. Im übrigen muß man ihn mit Wasser anmischen/ hernach durchseyhen/ und in einem weiten Geschirr stehen lassen/ biß es sich an dem Boden setzet; alsdann schüttet man das darob schwimmende Wasser davon ab/ damit man sofort das hinterbliebene Weisse auf das Mahler-Tablet nehmen könne.

Das Weisse von Eyer Schaalen.

Dieses ist auch treflich weiß/ und tauglich so wol zum trucken- und auch fresco- oder naß-mahlen/ als nicht minder zum überfahren/ wann man einen Teig daraus macht. Man nimmt demnach eine grosse Anzahl solcher Eyer-Schaalen/ reiniget sie von allem Unflat/ und siedet sie zu dem Ende mit einem Stück ungelöschten Kalch in Wasser; doch soll man sie vorhero auch ein wenig zerstossen/ folgends durchseyhen/ und mit Brunnen-Wasser waschen: Nach diesem stoßt man sie von neuem gantz rein/ und thut solches so offt/ bis das Wasser gantz klar davon abrinnet: alsdann reibt man sie auf das allerzärteste mit einem Farb- oder Reib-Stein/ und machet kleine Leiblein daraus: Diese trücknet man folgends an der Sonne/ und bedient sich derselben zu fleischlichen Dingen/ oder weissen Gewandten/ oder worzu es sonsten gefällig ist. Doch hat man hiebey zu merken/ daß/ wann dergleichen gestoßne Eyer-Schaalen eine Zeit lang eingeweicht stehen/ sie einen unleidentlichen Gestacnk von sich geben. Welchem aber zu begegnen/ man sie in irrden Gefäß wohl beschliessen/ und in einem Ofen verbrennen lassen solle.

Das Weisse von Ligustischem Marmor.

Diser Marmor wird zu Pulver gestoffen/ mit Kalch vermischt (damit er nemlich desto Zeugiger werde) und mit Wasser abgerieben: Er gibt zwar auch eine gute weiffe Farb/ allein kan sich der/ so einen alten abgelöschten Kalch/ oder Eyer-Schaalen im Vorrath hat/ solche Mühe erspahren.

Der Zinober.

Dise Farbe ist die allerhelleste/ dabey aber dem Kalch im höchsten Grad zuwider; absonderlich wan sie an der Lufft stehen muß: Ich habe mich demnach derfelben/ wann nemlich die Mahlerey bedeckt oder beschlossen gewesen/ öffters zu vielerley Gewandten bedienet; wiewolen ich erdeute Farbe vorhero folgender Gestalten purgiert habe: man nimmt einen gestoßnen puren Zinober/ und thut ihn in ein Geschirr von Buchbaum; schüttet hernach ein siedend wasser/ darinn ein lebendiger Kalch zerlassen worden/ darüber; doch soll man das alleklarest- und reineste Wasser/ so man haben kann/ darzu nehmen; hernach dasselbe wider davon abgiessen/ und solches etlichmahlen also widerhohlen: dadurch dann geschiehet/ daß der Zinober die Eigenschafften des Kalchs an sich ziehet/ und auch dieselbe nimmermehr verliehret.

Der gebrannte Vitriol.

Der Römische Vitriol im Ofen gebrannt/ taugt unvergleichlich wol zum fresco-mahlen/ wann er mit gebrannten Wein angemischt wird: indem er von sich selbsten eine Röthe wie ein Purpur gibt. Absonderlich aber ist er gut zum unterlegen unter den Zinober; da dann dise zwey/ wann man sie zu einem Gewand zugleich gebraucht/ und gebührlich zu mischen weißt/ die schönste Purpur-Farbe machen/ so daß man meinen solte/ das Gemähld bestünde aus Oel-Farben.

Englisch-Roth.

In Ermanglung des gebranten Vitriols kan das Englisch Roth/ weil es eben auch aus Vitriol gemacht ist/ einen gleichmässigen Dienst thun. Wann man derhalben in Liecht und Schatten/ auf eine frische Maur darmit arbeitet oder mahlet/ so scheinet es/ wann selbige drucken worden/ wie Purpur Farbe.

Berg-Röthe.

Diese/ wie auch andere dergleichen Farben/ schicken sich alle sehr gut zum fresco-mahlen; und werden sowohl zu leib-färbigen Dingen/ als auch zu gewandten/ oder wo es sonsten nöthig seyn mag/ gebraucht.

Gebranntes Erd-Gelb.

Ist fast bleich-roth; und taugt sehr wohl/ wann es mit venetianischer Erd-Schwärze vermischt wird/ zur Schattierung fleischlicher Dinge: kann auch gar nützlich zur Schattierung gelber Kleider und Gewandten gebraucht werden.

Gemeines Erd-Gelb.

Zu Rom sind zweyerley Erd-Gelbe im Gebrauch; davon das eine hell- und das andere dunkel- oder schwarz-gelb ist: beyden kann nach ihrer Art an der Schönheit nichts abgesprochen werden; und wann man sie bey Gewandten und Kleidern geschicklich anzubringen weißt/ so geben sie dem Neapolitanischen Gelb im geringsten nichts nach. Sonstten finden sich an andern Orten Italiens noch mehr andere gelbe Farben.

Ofen-Gelb.

Wird zu Rom auch Neapolitanisch Gelb genannt. Ich hab mich zwar wohl desselben auch zum fresco-mahlen bedient; aber doch niemals getrauet/ damit an die offene freye Lufft zu kommen.

Grün.

Wird aus dem Safft von Spincervin ge macht: Selbiger wird gelb/ wann man Kalchweiß darunter thut; doch schiest die Farb ein wenig ab.

Erd-Grün.

Das Veronesische Erd-Grün ist das schönste/ und bey dem fresco-mahlen alleinig zu den Kleidern zu gebrauchen: inmassen alle andere grüne Farben durch Kunst zubereitet/ und dem Kalch zuwider seynd. Es finden sich zwar noch andere Erd-Grüne; die aber disem nicht zu vergleichen.

Erd-Schwärtze.

 Taugt wohl zu den Schatten/ absonderlich bey gelben Kleidungen.

Gebrannte Erd-Schwärtze.

Ist vortrefflich gut zur Schattierung der leibfärbigen Dinge/ wann sie nemlich mit Venetianischer Erd-Schwärtze vermischt wird; und zwar insonderheit wo starcke Schatten erfordert werden.

Venetianische Erd-Schwärtze.

Sie ist die allerschwärzeste unter den Farben/ die man zum fresco-mahlen brauchen kan: die leibfarbige Dinge lassen sich wohl darmit schattieren; und thut selbige eben so viel/ als sonsten beym trucknen mahlen der Kien-Ruß/ oder die Oelschwärtze.

Römische Erd-Schwärtze.

Thut so viel als die Kohlen-Schwärtze; und kan allenthalben gar wohl gebraucht werden.

Kohl-Schwärtze.

Hierzu nimmt man Reben-Holtz/ brennt es zu Kohlen/ und zerreibts: welches dann hernach zu allerhand Gattungen der Schwärtzen tauglich ist: sonsten gibt es noch mehr andere Schwärtzen ab/ die aus gebrannten Pfersich-Kernen/ aus Papier/ aus Weinheffen und dergleichen gemacht werden: welche alle zum fresco-mahlen dienstlich seyn/ ausgenommen das Letztere.

Die Schmalte.

Ist sehr gut zum fresco-mahlen; doch muß sie vor allen andern Farben angelegt werden/ und zwar wann die Tünche oder Mauer noch frisch und feucht ist: dann sie sonsten nicht bleiben würde: nach Verfliessung einer Stund muß man sie noch einmal überfahren/ damit sie ihre Farbe behalte. Zu dem Schatten ist sie gar tauglich; allein bey gar dunkeln und schwarzen Dingen bedient man sich der Kohl-Schwärtze. Von allen obbesagten Farben ist zu wissen/ daß sie mit Weiß müssen gemischet werden/ um Schatten und Licht in den Gemählden recht heraus zu bringen/ und die mittelmäßige Coloritten für die Mahler zu machen.

Ultromarin.

Dient sowohl zum fresco- als auch zum trucken mahlen/ wird aber nicht von vielen gebrauchet/ weil es sehr theuer ist.

Saltz-Braun.

Wann es mit der Schmalte gemischt wird/ so bekommt es eine Viol-Farbe; wiewohlen es dieselbe auch an sich selbsten hat. Und dises sind die Farben/ so sich zum fresco-mahlen können gebrauchen lassen.

Farben die den Kalch nicht leiden/ und
dahero zum fresco-mahlen nicht zu
gebrauchen sind.

Bleyweiß/ Mini oder Zinober/ Brosilroth/ fein Roth/ grau Grün/ blau Grün/ Graß-Grün/ distilliert Grün/ Oel-Gelb / Flandrisch-Gelby/ Operment/ Indigo/ Bein-Schwartz/ Himmel- Blau.

Trucken-mahlen.

Es ist anjetzo zu Rom der Gebrauch auffgekommen/ daß man auf trucknen Mauren zu mahlen pfleget/ die vorhero mit einem nicht gar zu dünnen Gipß beworffen worden: und auf solche Weiß kan man sich aller Farben ohn Unterscheid dabey bedienen. Doch ist hiebey zu mercken/ daß die Mauren/ die man offt überweißt hat/ müssen abgekratzt werden: dann sonsten würde bey trucknen und heissen Zeiten die Weisse biß auf die Maur-Stein hinein/ abspringen/ und die Mahlerey mithin verderbt werden. Bey neuen Mauren wird der Gipß/ wann der Mörtel noch frisch ist/ angeworffen: dann solcher Gestalten nimnt er alle Farben an.