Kunckel 1707/II
J[ohann] K[unckel ?], Der Neu-aufgerichteten und Vergrösserten In Sechs Bücher oder Theilen verfasten curieusen Kunst- und Werck-Schul/ sehr verlangter nunmeer erfolgter Anderer Theil/ darinnen jedes Theils oder Buches Innhalt/ auf folgendem Blat zu ersehen: Ein Werck so vielen Kunst- begierigen und curieusen Liebhabern sehr dienlich und nutzlich/ dergleichen auch noch nie also beysamm heraus kommen/mit überaus grosser Müh und Fleiß/ und vielen angewanden Unkosten von vielen Jahren her meistens an grossen und hohen Orten zusammen getragen/ und selbsten viel daran experimentirt und experimentiren helffen/ nun aber aus Christlicher Liebe und Zuredung grosser Liebhaber treuhertzig und ohne einigen Vorbehalt mitgetheilet und an Tage gegeben Von J. K. Chymiæ ac aliarum Artium Cultore, Nürnberg [Johann Zieger] 1707.
BONO CUM DEO
Der vermehrten curiosen
Kunst und Werck-Schul
Endern Theils
Erstes Buch.
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CAP. VI.
Von allerhand künstlichen und seltenen Holtz-
Arbeiten als nemlich von der schönen marmelirten Holtz-Arbeit/
fürtreflichen Bilder und Spiegel/ und anderen schönen
Bildhauers/ Schreiners/ und Drechslers-Künsten
mehr.
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pp. 296–299
15. Das grosse Geheimnuss des durch Kunst zubereiteten
Marmels oder Stucator-Arbeits.
Erstlichen muss man guten fetten Käss nehmen so 8. Tage alt ist 20. Pfund/ desgleichen 40. Pfund ungelöschten Kalck/ welchen man mit gemeinen Wasser löschen muss/ und 4. Pfund weissen Weinstein ganz subtil gepulvert und durchgesiebet/ der Kalck muss auch durch das Sieb gebeutelt werden/ und dieser Kalck samt den Weinstein vermischen/ dieses ist nun die Materi.
Solchen Teig anzumachen muss man darzu Fisch-Leim (oder Hausen-Blasen haben) so ganz klar angemachet/ das ist/ welcher nicht dicke seyn muss. Um dann diesen Teig recht zu machen/ so nimmt man einen sauberen Kessel so ganz rein und nicht schmutzig ist/ setzet solchen auf Aschen so etwas warm ist/ und würfft den Käss hinein/ rühret solchen mit einen Stecken (welcher eines halben Armsdick seyn muss) wohl ab/ biss das er ganz geschlackt und bald gar zerschmolzen ist/ hernach schüttet man den Kalck und Weinstein hinein/ welche zuvor schön untereinander gemischet worden/ wie gemeldet/ doch muss man nicht alles auf einmal hinein schütten/ sondern nach und nach und immer zu starck mit den Stecken untereinander rühren und zugleich/ wann man dieses Pulver hinein schüttet/ so muss man auch darbey von dar mit Fisch-Leim angemachten Wasser hinein giessen/ welches zuvor muss etwas warm gemachet werden/ doch nicht zu viel dass der Teig etwas zügig und dicklicht verbleibe/ da nun alles wohl untereinander vermischet und mit den Stecken wohl abgerühret/ so muss man NB um ihme solche Farbe zu geben/ als welche E. H. G. am besten gefallen/ dieselben Farben mit ein wenig Fisch-Leim angemachet/ nicht zu dünne/ sondern mehr dicklicht/ und hin und wieder mit den Farben bewerffen/ untereinander mit den Stecken ein wenig rühren/ dann wann man zu starck rührete/ so würden sich die Farben gar zu viel untereinander vermengen/ die Erfahrung wird es am besten lehren/ und dann gar geschwind diese Materi in denselben Form geschüttet/ deme E. H. F. G. hinzu gebrauchen wollen.
NOTA.
Den Form muss man zuvor ein wenig mit Oluren oder Baum-Oel anschmieren/ damit die Materi nicht an den Form hangen bleibe/ wann man solche will heraus nehmen/ alsdann muss man es in den Schatten trocknen lassen/ und gar nicht bey dem Feuer/ oder an der Sonnen. Wann die Materi nun fast trocken/ so muss man solche heraus nehmen aus der Form/ und muss die Form allezeit von zweyen Stücken gemacht seyn/ damit man es besser heraus bringen möge. Soviel nun von der Materi und der Form.
Diese Materi nun/ wann solche wohl trocken/ zu poliren und glänzend zu machen/ damit solche glatt und hell glänzend werde. So muss man/ wo es uneben wäre/ erstlichen mit einer Feilen überfahren/ wann man etwann einige unebene davon verspührete/ welches sich doch fast nie oder gar selten begiebt/ und dann mit einer noch zärtern Feilen noch einmal überfeilen wie zuvor : Wann dieses geschehen/ so nimmt man von den Katzen-Schwänzen ( ich verstehe hierdurch die Schachtel-Halmen/ ) und überreibet es über und über wohl damit/ durch dieses Mittel nun kan man alle Riss und Striche so mit der Feilen gemachet werden heraus bringen/ und hiervon fängt auch der Marmol an seinen Glanz zu bekommen/ damit er aber recht glänzicht werde/ so muss man Trippel-Pulver nehmen solches auf ein Stück Elend-Haut oder Leder streuen damit so offt und viel überreiben/ biss er schön hell glänzend werde/ und endlichen mit einen stücklein weissen Wachs subtil überall überfahren/ und dann mit den Elend-Leder wohl überreiben/ so wird der Glanz so schön und helle werden/ dass man sich darinnen wird spiegeln können/ als in einen Spiegel/ auch so glatt und lind als ein Atlas oder Sammet.
Was nun die Stärcke und Härte dieses Marmels betrifft/ so ist dieser gekünstelte und zugerichte Marmel viel härter als der Natürliche/ ja man wird keinem Stein finden/ so diesen der Härte nach zu vergleichen/ dann wann der Käss/ Kalck/ Weinstein und Fisch-Leim zusammen incorporirt seyn/ so können E. H. G. G. leichtlich ermessen/ was es mit diesen Marmelstein für eine Beschaffenheit habe/ dieses ist eines von den grossen Geheimnussen des gross Herzogs von Florenz/ welches sie dem Churfürsten in Bayern gelehret/ dahero hat einer meiner guten Freunde dieses geheime Kunst-Stück mit harter Mühe gegen Communication anderer grossen Secreten überkommen/ Eure hoch G. G. bittend um GOttes Willen/ sie wollen es Niemanden entdecken/ dass solches von mir herkomme/ und bey meiner Seele/ die ich GOTT wiederum aufzuopffern begehre/ so versichere Dieselbige/ dass ich solches Keinen gelehret als anjetzo E. H. G. G. mit unterthänigster Bitte/ solches niemanden als dero Anverwandten und ausser solchen nur allein den lieben und tapfern König in Schweden zu lehren/ und sonsten ja keinen andern Potentaten.
Es ist zwar noch etwas und einige Umstände in acht zu nehmen/ wie folget : Nemlichen die rechten Farben/ und auch wie man solchen mit Laub-Wercke und als eingelegt machen solle/ und dass man solchen auf der Drechslers-Banck drähen kann.
Auch wie man Wappen/ Blumen/ Früchte/ Buchstaben oder Namen/ und tausenderley Veränderungen darauf bringen könne; und ist dass wohl zu merken/ dann man kan auch Thiere und alles was man nun selber will darein machen.
Was nun erstlichen das Laub-Werck betrifft/ so muss man vor den obgemelten Teige haben/ so ganz weiss ist/ und darunter eine solche Farbe thun/ als nemlichen nur eine Farbe/ eine jedwedere absonderlichen/ und nicht viel untereinander. Als zum Exempel/ das Schwarze absonderlich/ das Blaue absonderlich/ grün/ gelb/ roth/ purpur/ und endlichen ein jedweders Stuck besonders ingleichen auch gar das weiste absonderlichen. Zu der weissen nimmt man nun die blose Materi ohne Farbe/ dann sie ist von sich selbsten weiss genug.
Wann man nun diese gefärbte Stucke hat/ so lässet man solche trocken werden/ hernach stösset man es gröblicht/ darzu muss man dreyerley Siebe haben/ dass so das eine etwas gröber/ das andere feine/ das dritte aber noch feiner oder reiner seyn muss. Das grosse oder gröbste Siebe muss löcher haben/ in der grösse einer Erbis. Das andere und dritte aber kleinere löcher/ auch muss man ein jedes absonderlichen hindurch beuteln/ endlichen kan man alles so man will untereinander mengen/ und an statt dass man die Farben mit Fisch-Leim vermischt/ wie gemeldet worden/ so ist es hierum von nöthen/ sondern nur die Körner hinein werffen/ und wohl untereinander rühren/ und hat man sich nicht zu besorgen/ dass solche möchten zerrühret werden/ dann sie bleiben allezeit ganz und vereinigen sich mit der Materi/ welches schön und lustig zu sehen ist.
Was nun das Drechseln anlanget/ so lässet sich diese Materi drehen/ gleich wie Holtz/ und wird glänzicht von sich selbsten/ wann man es aber darnach mit der Elendshaut und Trippel abreiben will/ und dann mit den Wachs/ wie gemeldet worden/ so wird es nur desto schöner/ man kan solches abreiben in wehrenden Drähen/ so wird es fürtrefflich.
Was nun die Wappen/ Blumen/ Früchte/ Thiere/ Buchstaben und andere Figuren anbelanget/ muss man solches durch einen Siegel-Graber oder dergleichen Künstler lassen ausgraben. NB. verstehet sich dass solche Materi ganz weiss seyn muss/ und trocken ohne Vermischung einiger andern Farbe/ wann es nun ausgegraben ist worden/ was man verlanget hat/ so nimmt man frische angemachte Materi und füllet das jenige so ausgegraben worden/ mit der Farbe die darzu von nöthen/ als zum Exempel/ wann der ausgegrabene Löw roth seyn solle/ so füllet man solches mit röth an/ ist es ein ausgegrabenes wildes Schwein/ so wird es mit schwarz ausgefüllet/ ist es aber etwas anderes/ darzu Blau-Farbe von nöthen/ oder gelb/ oder grün/ so muss man das Ausgestochne oder Gegrabene allezeit mit derselbigen Farbe anfüllen so darzu gehöret/ und es dann lassen trocken werden/ und hernach poliret wie gebräuchlich. Auf diese Weise ist es meines Bedunckens ausführlich genug beschrieben.
Die Buchstaben/ Blumen/ Thiere und andere Sachen/ als Vögel und dergleichen werden eben auf diese Weise/ als wie die Wappen gemachet/ in dem man das Ausgegrabene mit den jenigen Farben ausfüllet/ so sich am besten darzu schicken.
Zum Beschluss will ich auch die Farben/ welche man darzu gebrauchet nehmen/ als:
Zum rothen/ nimmt man Zintiober/ zur Pomerantzen Farbe/ Mennig oder Minium mit schütt gelbe vermischet/ zum grünen Ungarisch/ Berggrün/ zum blauen/ gemeines Bergblau oder Schmalten/ so man es aber schöner haben will/ so nimmt man darzu Ultramarin, zur Purpur Florentinischen ( oder welches noch schöner Türckischen-Lac ) zum schwartzen/ die gemeine schwartze Farbe oder Kühnruss/ welcher doch zuvor muss gebrannt seyn/ zum gelben/ gelben Ogger/ oder Schüttgelb/ zum weissen die blose Materi.
Diese seynd nun die Hauptfarben/ und aus diesen kan man noch wohl 100. andere durch Vermischung zu wegen bringen/ welches die Mahler leichtlich können zu wegen bringen/ und zu Wercke richten/ und ist hierinnen die Übung der beste Meister.
E. H. G. G. können es anfänglichen nur mit wenigen probiren/ und dann mehr und mehr/ so werden sie hernach immer je mehr und mehr besser damit umgehen können.
pp. 299–200
16. Marmelstein und anderes zu poliren/ dass sie gläntzen wie ein
Spiegel und man sich darinnen ersehen kan.
Erstlichen solle man ihnen die Rauhe abziehen/ darzu nimmt man einen Reibstein/ oder gar nur Pflasterstein und klein zerstossenes Glass/ oder Fliess-Sand darunter/ damit so lange gerieben/ biss solcher Steine ganz eben wird.
Wann nun solcher ganz gleich abgerieben worden/ so nimm Schmirgel/ giess ein wenig Wasser darauf/ nimm dann darzu einen Stein/ damit man sonsten die Farben pfleget abzureiben/ oder ein Stück von solchen wie der Tisch ist/ reibe ihn damit ab/ eine viertel Stunde/ darnach nimm Trippel/ schabe ihn und geuss auch ein wenig Wasser darauf/ reibe ihn wieder wie zuvor/ hernachmals nimm Binnss/ und so viel Allaun/ und halb so viel Schweffel/ stosse es alles wohl zusammen gar klein/ thue es in ein zartes Tüchlein/ steube davon ein wenig heraus auf den Stein/ mache dir auch vorhero ein Holtz in Form eines Geiss-Fusses/ mache darüber einen weissen barchenten Fleck/ reibe dann damit den Stein/ abermals ein viertel Stunde damit/ und streue immer zuvor dessen Pulver darauf/ wie es durch das Flecklein oder Bällelein heraus fället oder stäubet/ wann du es beutelst. Darnach mache dir ein feines Bällelein/ wie man damit ballet/ und mache darüber einen barchenten Fleck der zart seye/ streue dann durch das andere Flecklein heraus/ wie du zuvor auch gethan/ nimm dann den Ballen den du gemachet hast/ und reibe damit auf den Stein/ und wann du das Pulver einmal verreibest/ so streue oder stüppe mehr darauf/ aber allezeit durch das Bällelein/ solches treibe wieder eine gute viertel Stunde/ so wird solcher Stein also schön und gläntzig/ dass man sich darinnen ersehen kan.
Der vermehrten curiosen
Kunst und Werck-Schul
Andern Theils/
Zweytes Buch.
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pp. 385–387
CAP. VI.
Num. I.
Vom Fresco-Mahlen.
Diese Kunst/ auf Mauern und nassen oder frischen Kalch zu mahlen übertrifft alle andere Mahlerey/ weilen solche in einen einigen Tage geschehen muß/ da man sonsten in andern Sachen viel Monat und Jahre mit ändern wieder übergehen und verbessern zu bringet. Diese Mahlerey in Fresco genannt/ wird von vielen sehr geliebet/ sonderlich in Italien/ auch etwas in Teutschland. Es ist aber das Fresco mahlen/ wann man eine Mauern mit Märtel bewerffen lässet/ und also auf den nassen frischen Kalch mahlet; und muß der Mahler/ so viel er beworffen/ also fort übermahlen/ dann sonsten vertrocknet der Anwurff samt der darauf angefangenen Arbeit also hart/ daß solche hernach mit dem darneben zustehen kommenden Anwurffe sich nicht vereinbahren/ noch denselben annehmen kan/ sondern sie scheiden sich spättlich von einander/ zerspringen endlichen und fallen ab. Will also dieses Mauer-Mahlen hurtig in nassen Kalch nach einander verfertiget seyn.
Es müssen dem hierzu lauter Erd-Farben/ und keine Mineralien genommen werden/ sondern das Weise von gekochten Trevertin-Stein oder gebrannten Kalch/ gelb Ogger/ braun-roth/ Terra-Verda, ultramarino, oder blau Azur, Smalta/ braun Ocker/ Ombra schwartz Kienruß und dergleichen Farben von starcken Wesen/ die der Kalch nicht aufzehren kann/ wie man hingegen erfähret/ daß der Lack/ Schütt-Gelb/ und alle andere von Safften gemachten Farben/ hierbey gleich Anfangs verschwinden; der Zinnober aber und Mennig samt allen Bleygelb und dergleichen sich in schwartz verwandeln.
Diese Mahlerey erfordert eine geschwindte Hand und guten reiffen hurtigen Verstand: Weiln die Farben/ wann sie naß ein Ding anderst præsentiren/ als wann sie trocken sind.
Es muß auch in dieser Arbeit der Meister mehr der Vernunfft/ als der Arbeit sich bedienen/ alles schon im Griff haben/ und ein guter geübter Practicus seyn. Weil die Arbeit keine Saumseligkeit oder Zech-Brüder dultet.
Hierbey ist zu mercken/ daß man nichts zu retochiren übrig lassen/ und daß keine Leim-Farben/ noch mit Eyergelb/ Gummi oder Tragant angemachte Farben darzu kommen müssen; weiln hierdurch der Mauer ihre natürliche Weise entfället/ und nachmals alle Farben abstehen/ sehr gelb/ häßlich und schwarz werden.
Wer eine fürnehme Historie auf frischen Kalch zu mahlen gewillet ist/ des durch sinne und bedencke erstlichen die Historie wohl/ darnach setze er seine Gedancken mit der Feder oder Kreyde auf Papier. Wann ihme nun solcher Abriese beliebig/ so mache er die Bilder der vorhabenden Historia auf eine gantze Tafel/ von Erde oder Wachs/ (auch bekleidet nach Nothdurfft/ mit fein genetzter Leimmat/ oder dünn seidenen Zeug/) ein oder zwey Spannen hoch. Wann alsdann das Modell volbracht ist/ so setze er dasselbige so hoch und weit von sich wie es sein Horizont, das Liecht und die Distanz erfordert/ und die Historie-Ordnung mit sich bringet; alsdann wird sich erzeigen der Figuren Proportion-Ordnung Liecht und Schatten/ halbe und beyde Theile/ völlig nach der Natur schlag und Brauch.
Nach solchen nimmet der Mahler ein darzu zusammen gepaptes Papier der rechten Größe/ wie er Vorhabens ist/ daß gantze Werck zu machen/ zeichnet darauf mit etwas behelff der fürnehmsten Theile des Leibes/ die gantze Historia wohl ausgeführet. Und dieses wird alsdann ein Carton genennet. Wann dieses fertig ist/ so schneidet man ein Stuck oder Figur ab/ just so viel als man selbigen Tages zu verrichten ihme vorgenommen/ und leget solches auf den Platz des angeworffenen nassen Kalchs/ und fähret alsdann mit einen spitzigen Pfrimen oder Eisen sauberlich über den Umriß des Papiers.
Wann solches geschehen ist/ so findet der Mahler darunter dem Umriß/ seines Vornehmens durch gezogen/ weiln der frische Kalch gehorsam ist: Und hierauf wird mit Farben nach dem Rieße gemahlet. Des andern Tages wird wieder als ein Stuck von den Carton abgeschnitten und darmit/ wie gemeldet/ verfahren/ und also alle Tage fort gesetzet/ biß das Werck vollbracht ist. Man kan also nicht fehlen/ weiln jedes mahlen bey Auflegung des neuen abgeschnittenen Bildes/ auf die Mauer des vorigen Ende erscheinet.
Wann man aber auf eine Tafel/ oder Tuch/ nach dem Model oder Carton von Papier mahlen will/ alsdann ist das Verschreiden unnöthig / sondern man überfähret solchen Model hinten mit trucken geschabten Kohlen wohl schwartz/ leget es also auf die Tafel fest nieder/ und zeichnet den Umriß mit dem vorgemeldten Stefft oder Eisen überall ab/ oder durch pauscht solches; alsdann findet man denselben gantz auf der Tafel/ und ist hierauf mit Oel-Farben darüber zu mahlen.
Dieses ist der Proces, und Gebrauch bey den meisten Italienern/ sonderlichen bey den Florentinern/ aber andere sonderlichen die das Meinste nach dem Leben mahlen/ bedienen sich allein der natürlichen Modellen: Nach welchen sie ihr Vornehmen mit guten Urtheil durch Verhülff der Kreyden/ auf ihre Tafel zeichnen und also ohne fernere Mittel das Wercke fort setzen.
p. 387
2. Die schöne rare Wissenschafft trockene Farben zu machen.
Nimm alten verfaulten Leim/ der wohl aufgeweichet ist/ thue denselben in frisch Wasser/ daß ein Leim-Wasser daraus wird/ aber nicht zu viel/ dann es sonsten zu starck wird/ alsdann reibe Farben unter solches Wasser auf einen Stein gar klein/ oder nimm Farben was du selber wilst daraus machen/ vier eckichte breite Stücklein/ laß liegen/ biß sie schier gar trocken/ jedoch noch ein wenig feucht/ schneide daraus länglichte Stücklein/ wälgere dieselben in der Hand auf beyden Seiten Spitzen/ lasse sie trocken werden/ so seynd sie fertig.
Wilst du es nun probiren ob solche recht seyn/ so nimm grün gefärbtes Papier/ oder solches nicht vorhanden/ blaues dafür/ reise darauf/ lässet die Farbe gerne/ und ist doch härtlich/ so ist es recht/ lässet es aber noch nicht gerne/ so ist das Leim-Wasser zu starck/ und werden die Stücklein sich ganz zerbröckeln/ es muß also auf der Übung die Probe recht gelernet werden.
Es thun nicht alle Farben darzu gut/ als zum Exempel/ Lack/ Bergblau/ Berggrün und andere mehr/ die müssen ein wenig mit haffners Dohn vermischet werden/ damit es ein Corpus bekommt/ und es zusammen hält/ dann ohne solchen Zusatz thun sie nicht gut.
pp. 387–388
3. Auf eine andere Manier.
Reibe die Farben erstlichen ganz trocken auf einen Reibstein so klein als ein Stäub/ sähe solche durch ein enges Haar-Sieblein/ was grob ist/ zerreibe noch einmahlen/ damit es lauter wie ein Staub wird. Alsdann nehme süsse Milch/ thue ein wenig Gummi-Wasser darunter/ ingleichen auch Seiffen-Wasser/ von der allerbesten/ und gar ein wenig Menschen-Harn/ giesse solches alles unterein-ander/ mache alsdann die Farben mit solchen an daß es wie ein Teig wird/ (wann sich die Farbe an den Unter-Stein will etwas anhencken und noch zu feucht) so streue ein wenig von der trocknen Farbe darauf/ wälgere es alsdann auf beyden Seiten hinaus werts ganz spitzig/ damit solche zu den Reissen oder Zeichnen desto bequemer seye/ laß solche Farben fein allgemach an der Sonnen/ oder bey einer schlechten Wärme trocken werden/ so seynd sie fertig.
Einer meiner guten Freunde mischt gekochten Gips unter alle solche Farben/ verstehe von den gegossenen Bildern. Herrn Joach. N. aber unter alle Farben weißes Bleyweiß gemischt/ mit Seiffen-Wasser/ oder frischen Wasser ange-macht und nur einen tropffen Tragant darunter gethan/ so lasse sie gerne. Prob.
Ingleichen lassen sie ihnen bey einen Haffner schönen weißen Dohn zurichten und ganz zart machen/ von solchen gebrauchen sie auch zu einem Fundament der trocknen Farben zu machen/ welches auch gut thut und Probat. ist.
CAP. XXVI.
Von den Oel-Farben.
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pp. 722–725
20. Alte Gemählde von Oel an Häussern und Wänden wieder zu verneuern/ als wann solche erst vor kurzer Zeit wären gemahlet worden.
Lasse in frischem Röhren-Wasser/ gute Soda und Potaschen/ eines so viel als des andern sieden und zergehen/ hernach durch ein rein leinen Tuch laussen/ so hast du eine scharffe Laugen in solcher netze einen Schwamm oder linden grossen Tünchers-Pensel/ und überfahre das Gemählde lindiglich darmit/ so offt bis aller Schmutz und Unflat darvon kommen ist/ lasse es wieder ertrocknen/ und reinige solchen Pensel oder Schwammen wieder aus/ und überfahre alsdann solches Gemählde wieder mit reinem Wasser/ so wird es schön hell/ dann giebe ihme mit folgenden Fürniß feinen Glantz wieder.
Nimm des reinesten Terpentins 4. Loth/ giesse darauf guten Terpentin-Spiritus 8. Loth/ dann thue noch darzu 1. Quint trocknen Gummi-Fürniß/ laß in einem in Balneo Mariæ oder kupffern Kessel mit Wasser zergehen/ so hast du auch darzu solchen Fürniß.
21. Schöner Unterricht von Kalck / wie nicht allein solcher zum Bauen/ sondern auch zum Anweissen der Wänden und Mauern absonderlich aber zum Gründen/ daß man darauf beständig mit Farben mahlen kan/ zubereiten seyn mag.
Erstlich/ so bald der Kalch aus dem Ofen kommet/ so leget man solchen auf einen schönen ebenen Platz fein gleich und in einer Höhe/ etwann 2. oder 3. Schuh hoch/ so lang und breit als man will/ nach diesem bedecket man denselbigen mit gutem Feld- oder Wasser- Sand/ auch 2. oder 3. Schuh dick/ alsdann schüttet ein Theil Wasser darüber/ daß der Sand so naß werde/ daß auch der Kalch darunter durchnetze/ damit er sich nicht entzünde NB. und verbrenne.
Siehet man aber daß sich der Sand reisset reisset/ oder spaltet vom Dampff/ so wirfft man ihn bald wiederum zu/ damit der Dampff und Vapor des Kalchs nicht heraus kan.
Wann dann die Kalch-Steine/ so gebrandt/ solcher Gestalt mit Sande zu gedeckt bleiben/ so werden dieselbige zu lauter Feiste/ also daß/ so man ihn kurtz oder lang brauchen und anschneiden will/ so wird er seyn von Fette und Zähe wie ein Käs/ so von eitel Milch-Ram gemachet worden/ daß man auch das Häfft-Kübelein/ damit man den Mörtel anfeuchtet/ kaum wird können heraus bringen oder siehen/ wird auch den Werck oder Mauer-Stein sowohl anziehen und hafften/ als das beste Kütte oder Cement.
Allein man muß gut Acht haben/ wann man den Sand naß machet/ daß der Kalch-Stein überall mit dem Sand bedecket seye/ damit er keine Lufft empfahe/ dann die Hitze und Dampff des Kalchs trennet den Sand/ und suchet Oeffnung/ dardurch er sich dann verzehret/ und gleichsam verschwindet.
Dieser Kalch ist sehr gut zur erhabenen Arbeit/ und Wände damit zu bekleiden/ wie auch den Grund auf die Wande damit zu machen/ die bemahlet werden sollen/ dann solcher Kalch verfället nicht/ oder frisset und erbleichet die Farben des Gemähldes in die Länge nicht/ wie andere Märtel dann es sich vielmal begeben und zugetragen hat.
Wann ein Mahler vermeynt gehabt/ er habe seiner Sache ein Genügen gethan/ und etwas gar schönes gemahlet/ daß über etliche Zeit hernach der Kalch ober Märtel die Farben gefressen und ertödtet gehabt/ der Ursachen daß der Kalch nicht recht/ und mit langer Hand zubereitet und zugerichtet worden; dann die Schärffe des Kalchs hat die Farben/ so zuvor schön und lebhafft gewesen/ ermattet und geändert/ ja hat auch wohl den Grund in Gemählden zerrissen/ und Stückweiß zerfället/ oder Plattern aufgeworffen/ welches nicht allein dem Bau-Herrn Schaden gebracht/ sondern hat auch den Mahler und die Gemächer beschämet.
22. Einen Leim für die Mahler oder Tüncher/ die alten Mauern wieder weis zu machen.
Nimm Abschnitzlein von Schweinen Leder/ und des Pergaments/ daraus man die Siebe zu machen pflegt/ so viel du wilst/ laß bis es weich worden miteinander sieden/ nachmahls bis sich die Feces hinabwärts gethan/ und gesetzet/ ruhen und seihe es alsdann durch/ er giebt einen Leim/ mit welchem die Mahler ihre Farben temperiren/ wann sie auf Holtz / Tuch oder Mauren zu mahlen in Willens seynd/ ja es pflegen auch die Tüncher diesen Leim unter ihren Kalch zu vermischen/ Dann es macht daß die Weis desto besser und länger an den Mauern hänget/ und den Rauch nicht so leichtlich annimmt.
23. Die Gips-Mauern weis zu machen/oder vielmehr wieder zu weissen.
Man muß stets dafür halten/ daß die Mauern recht wohl gemacht/ und mit einem sehr guten und wohlvermengten Gips überzogen seyn/ hernach weisset man sie mit Milch/ sammt recht feinen Kalch auf seine Art/ wie hernach angezeigt und vermischt wird/ man muß die Mauern mit Wasser ziemlich wohl feuchte machen/ dann das ganze Geheimnuß bestehet darinnen/ daß das Weisse nicht sogar eilig trockne/ sondern gar langsam dardurch dem Kalch Raum gegeben wird/ sich desto vester zu setzen/ und nach und nach zu trocknen/ und dergestalt machen die Mauern weder die Hände noch die Kleyder weis/ und wann etwan etwas faltzigtes an den Mauern hienge/ so muß man es abschaben/ und also auch von den Mauer-Steinen und mit der Quäste 2. oder 3. mal darüber fahren es gleich zu machen/ und dann ein paar Stunden hernach mit der flachen Hände darüber fahren/ so wird es so polirt werden wie Marmor oder Alabaster.
Die Milch von Kalch wird zum allerbesten gemacht: Nachdeme der Kalch langweilig gelöschet wird/ indeme man in denselben Wasser genug gegossen und umgerühret/ so lange bis oben ein Schaum darauf kommet/ denselben muß man gar genau abnehmen und zu seinem Gebrauch verwahren/ der letzte Überstrich muß mit dieser Milch von lebendigem Kalch geschehen/ damit das Weisse dadurch desto besser polirt aussehe.
Auf andere Art.
Der Uberstrich muß gemachet werden von Kalch und Sand/ welcher nach der Richtschnur wohl angelegt seyn solle/ und muß man mit dem Glättscheid darüber fahren/ und es hernach mit der Kalchmilch alsbald 2. oder 3. mal weissen/ die erste Weis dicker/ die dritte noch etwas dicker/ der man mehr oder weniger Wasser nach Beliebung kann zugiessen/ diese ist unter allen die beste/ schönste und geschwindeste.
24. Gips-Mauern schön weis auszuputzen.
Der Überstrich muß gemachet werden von Kalch und Sand/ welcher nach der Richtschnur wohl geleget werden solle/ und muß man mit dem Glättscheide darüber/ und es hernach mit der Kalchmilch alsbald darauf 2. oder 3. mal weissen/ die erste Weis muß gantz klar und dünne/ die andere ein wenig dicker/ noch etwas dickerer/ deren man mehr oder weniger Wasser nach Belieben zugiessen kan/ diese Art zu weissen wird genannt Kalchweisse/ und ist unter allen die beste/ schönste und gewisseste.
25. Eine getünchte Wand schön weis und glänzend zu machen.
Wann du Wände auf eine neue und wunderliche Weise zu weissen begehrest/ so zerschneide weis Pergament in sehr kleine Stücklein/ beitze es 2. Tage in Wasser und wässere es also/ und koche es so lange bey dem Feuer/ bis ein Leim daraus wird.
Mit selbigem bestreiche die Wand vermittelst eines Schwammes/ und wann es wird trocken seyn/ so fahre hernach mit einem Glattstein darüber/ daß es recht glatt wird.
NOTA.
Darvon schreibet P. Schott dieses: Mir zwar in Sicilien/ ein Geistlicher sehr wohl bekannt/ der die Bilder-Säulen aus gemeinem und sandigten Gips-Stein überzoge/ und darnach glänzend machte/ daß man sie für Marmorsteinern ansahe; derselbe wollte das Kunst-Stück niemand eröffnen/ da es doch vielleicht von diesem jetzt erzehlten schlecht zu unterscheiden gewessen/ und mit dergleichen Geheimnussen bringen ihrer etliche manchmal grosse Güter zusammen.
