Penther 1744
Johann Friedrich Penther, Erster Theil einer ausführlichen Anleitung zur Bürgerlichen Bau-Kunst enthaltened ein Lexicon Architectonicum oder Erklärungen der üblichsten Deutschen/ Frantzösischen/ Italiänischen Kunst-Wörter der Bürgerlichen Bau-Kunst/ nicht minder derer schweren lateinischen Vitruvianischen zu gemeldter Bau-Kunst gehörigen Wörter, Augspurg [Johann Andreas Pfeffel] 1744.
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Al Fresco
Al Fresco, al Fresque ist eine Mahlerey in Kalck, wenn er noch naß ist, worzu sich nur Erd-Farben schicken, welche, wenn sie aufgetragen, sich in den nassen Kalck hinein ziehen, und nicht eher wieder gesehen werden, bis der Kalck getrocknet. So lange nun der Kalck nicht abfällt, so lange dauert auch die Mahlerey, und sind davon gantz unvergleichliche Decken-Stücke von den Händen eines Jesuiten Pozzo in etlichen Römisch-Catholischen Kirchen verhanden, der acuh carzu in seinem ansehnlichen Perspectivischen Werck einige Anleitung gegeben. Die Mahlerey, worzu die farben nur mit Leim-Wasser oder Brandwein gemischet werden, und auf trockenen Kalck, Leimen oder Brettern geschiehet, nennet man a detrempe, a tempera. Werden sie aber mit Oel-Firnis gemischt, nennet man es Oel-Farben-Mahlerey, a huile, a olio.
p. 57
Echafaut
Echafaut, Gerüste, TABULATUM, Tavolato, Palco ist ein aus Zimmer-Holtz zusammen gesetztes Gestelle, so bey einem aufzuführenden Gebäude errichtet wird, daß die Maurer und andere darbey arbeitende Leuthe füglich ihr Werck verrichten, und nahe bey der immer höher anwachsenden Mauer seyn können. Wenn es nur aus Stangen gemacht, und mit Stricken befestiget wird, heist es Echafaut volant. Auf das Gerüste, welches Etagen weise errichtet, jede Etage aber nur 7. oder wenige Fuß drüber gemacht wird, gelanget man durch ein Lauff-Gerüste, (siehe Lauff-Gerüste) und bringet durch Hülffe dieses letztern die Bau-Materialien hinauf, oder solche werden in die Höhe gewunden. Sonst zeiget auch das Wort Echafaut eine Schaubühne an, welche aus Holtz und Bretern errichtet wird, daß darauf Personen sich befinden, und etwas solennes andeuten, oder mit ansehen können, und einen geraumen Platz zu übersehen fähig werden. Nicht minder wird eine solche Bühne, worauf eine öffentliche Hinrichtung grosser Delinquenten vollzogen wird, ein Echafaut genennet, so aber auch wohl eine Richt-Bühne heißt.
pp. 91–92
Kalck
Kalck, CALX, de la cheau, Calce ist ein aus Kalcksteinen, Albaster oder See-Muscheln gebrannte weisse Materie, welche, wenn sie angefeuchtet, auch wohl mit etwas reinem Sand vermischet, die Steine in den Mauern zusammen binden, und mit selben eine Mauer ausmachen kan, auch zu Estrichen, und zu Abweisungen der Mauern dienet. Der Kalck wird unterschieden in Leder- und in Gyps-Kalck; Ersterer heißt auch Bitter- und letzterer Spar-Kalck. Der Leder-Kalck wird, wenn er gebrannt, in ein Behältnis gethan, und mit Wasser überschüttet, welches man den Kalck löschen nennet, da er denn von selbsten zu kochen anfängt, zerfällt, mit dem Wasser sich vermischt, zu einem Brey durch stetes umrühren gebracht, und in eine Erd-Grube gelassen wird, worinnen er viele Zeit aufgehoben werden kan, und fast immer besser wird, je länger er darinnen liegt, indem sich die überflüssige Feuchtigkeit, so sich mit den Kalck-Theilen nicht vermenget, desto besser ab und in die Erde ziehet. Beym Gebrauch wird er aus den Gruben geholet, mit Sand vermenget, und zum vermauern gebraucht. Ist er sehr fett, nimmt er mehr Sand an, als feine Massa ausmacht, ist er es aber nicht, muß weniger Sand darzu genommen werden. Der Gyps-Kalck, Französisch Platre, worzu die Alabaster-Steine gut sind, wird, wenn er gebrannt, zu Mehl geklopfft, so mit besondern Hölzern geschiehet, oder er wird auf eigenen Kalck-Mühlen gemahlen. Nach dem klein klopffen oder mahlen muß er bald entweder mit etwas Sand vermenget, oder allein verbraucht werden, und dienet zum mauern zu Gyps- oder Stuccatur-Arbeit, zu Estrichen. Wobey zu mercken, daß er weit geschwinder trocken wird und bindet, als der Leder-Kalck. Florinus, Hohberg und andere mit ihme gedencken zwar, daß aus Marmor ein guter Kalck gebrennet werden könne, sie werden aber wohl den Albaster, welcher an Schönheit und verschiedenen Farben dem Marmor ziemlich nahe tritt, verstehen. Da der eigentliche Marmor gantz von anderer Art und sehr hart ist, im Feuer wohl zu Glas geschmoltzen, aber nicht zu Kalck gebrannt werden kan.
p. 92
Kalck-Ofen
Kalck-Ofen ist ein vierecktes, besser aber rundliches, unten mit einem Rost versehenes Gemäuer, worein unten Holtz, und auf dieses Kalcksteine gethan, ersteres nachhero angezündet, und letztere dadurch gebrannt werden, so bisweilen, nach Beschaffenheit der Steine, wohl 48 Stunden dauert. Wie mit den gebrennten Kalcksteinen nachher weiter verfahren wird, ist unter dem Worte Kalck berühret.
Kalck-Rost
Kalck-Rost ist die Quantität Kalcksteine, so auf einmahl gebrennet wird, oder man nennet auch das wohl einen Kalck-Rost, wenn nicht gleich ein Kalck-Ofen in der Nähe, und bey der Hand, und man doch Kalck brennen will, dieserwegen aber einen Kreis von Klufft-Holtz etwan 3 Fuß hoch und 20 bis 30 Fuß im Diametro breit macht, unter dem Klufft-Holtz eine Lage Hecke oder Reis-Holtz, so leicht brennet, leget, auf das Klufft-Holtz aber einen Hauffen Kalcksteine aufthürnet, die Hecke und das Holtz darauf anzündet, und also den Kalck unter freyem Himmel so lange brennet, bis das gesamte Holtz verbrennet ist; Worzu, wie leicht zu erachten, mercklich mehr Holtz erfordert wird, als wenn der Kalck in einem Kalck-Ofen gebrannt wird.
p. 113
Oehlfarben Mahlerey
Oehlfarben Mahlerey a huile, a olio ist, wenn Erd-Farben mit einem Oehl-Firnis, der aus Lein- oder Nuß-Oehl gekocht, wohl gerieben, und nachher auf Mauern, Stein, Holtz, Leinwand, Metall, so wie es die Zeichnung oder die anzulegende Sache haben will überziehet, ja die Farben offt verschiedentlich überleget, und dadurch eine einfarbichte Sache vor die Witterung wohl conserviret, oder ein artiges Gemählde raus bringet, dessen Farben lebhafft und gläntzend sind, lange dauern, und wenn das Bild beschmutzet, beschmiert und staubicht, wieder rein gemacht werden könne. Der Erfinder dieser Mahlerey ist ein Brabander Jan von Eick oder von Brugge, der im 15. Jahr-Hundert gelebet.
p. 123
Plafond
Plafond, Decken-Stück, Soffito ist eine von Gyps-Werck zirelich verfertigte Decke in Sählen oder Zimmern, oder an der Decke eines Saals, ansehnlich Zimmres oder einer Kirche in wohl gemahltes al Fresco-Stück, so durch die Mahlerey sich noch mehr in die Höhe ziehen, und dem Auge ein grosses Blend-Werck machen kan, falls es perspectivisch gemacht ist; wovon Paul Decker in seinem Fürstlichen Baumeister artige Entwürffe mittheilet. Pozzo aber verschidene in der That ausgeführet hat, die einem curieusen Auge ein grosses Vergnügen machen, indem die auf geraden Decken perspectivische gemahlte Kuppeln scheinen, als wenn sie würcklich perpendiculariter in die Höhe giengen. Ist der Anschauer aber ausser dem Augen-Punct, läßt das Gemählde als eine schröge erhabene Kuppel, und dieses immer schröger, je weiter er von Dem Augen-Punct entfernet. Dergleichen findet sich zu Wien in einer der Jesuiter Kirchen, worzu der Augen-Punct aufm Fuß-Boden mit einem weisen Marmor-Stein bemerckt, worauf man sich stellen muß, falls die Kuppel perpendiculariter erhaben scheinen soll. Das in der Ignatii Kirche zu Florentz befindliche perspectivische Decken-Stücke rühmet Keysler in seinen neuesten Reisen, und theilet das Distichon mit, welches auf dem im Augen-Punct aufm Fuß Boden liegenden Marmor enthalten, und also lautet:
In medio virtus sua sic miracula pandit,
Ars melius medium sic tenet illa suum.
