André 1791
[Christian Carl André], Vom Gipse und dessen nützlichen Gebrauche, Neues Hannoverisches Magazin 8 (28. & 31. Januar), 1791, col. 114–128, 130–134.
Christian Karl André (1763–1831) was a German educator, economist, and musician. He is likely the author of an essay on the use of plaster, published in Hanover in January 1791. Among other observations, this treatise contains a brief but noteworthy reference to the crusts that form on lime-based plasters in relation to fresco painting.
Vom Gipse und dessen nützlichen Gebrauche.
. . .
col. 125–126
Der zugesetzte Lederkalk benimt hingegen dem Gips die geschwind bindende Eigenschaft, die dessen Verarbeitung so beschwerlich macht, und verursacht, daß er nach dem Einrühren noch lange weich und verstreichbar bleibt. Außerdem aber schützt der Zusatz vom Lederkalk den Gips vor der Auflösung vom Wasser und vor dem Verwittern. Hiemit geht es folgendergestalt zu. Man kennt die besondere Eigenschaft des so genannten Kalkwassers, oder des in Wasser aufgelöseten gebrannten Kalks, daß nemlich auf dessen von der freien Luft berührt werdenden Oberfläche sich eine kristallische Haut oder Kruste erzeuget, die im Wasser unauflösbar ist. Eben dieses geschiehet auf der Oberfläche eines gut zubereiteten Kalkmörtels, und erstreckt sich, so wie der Mörtel trocknet, mit ins Innere. Diese kristallinische Kruste ist es, welche wohl gerathene Fresco Gemälde wie mit einem Firniß überzieht, und auf lange Jahre erhält. Sie ist es aber auch, welche obigen mit Gips gemischten Mörtel vor allem Verwittern bewahrt. Ihre Erzeugung schreiben die Chemiker der in der Luft befindlichen Säure zu, die mit dem Kalk zu diesem unauflösbaren Selenit anschießt.
. . .
