Böckler 1648

Georg Andreas Böckler, Compendium Architecturae Civilis Erster Theyl. Kurtze unnd gründtliche Verfassung oder Bericht von der Bawkunst/ darinnen nicht allein die nothwendigste Observationes eines Bawplages/ sondern auch die Steine/ Sand/ Kalck/ Mawren/ Fundamenta und Holzwerck betreffend/ neben den Fünff Ordinibus deren Säulen/ in solcher Maaß und Proportion, wie dieselbige von Vitruvio, Iac. Baroz. von Vignola, Palladio, Seb. Serlio, und Vinc. Scamozzi, inventirt und gebraucht worden/ auch was noch heutiges Tages ferner dabey solle in Acht genommen werden/ alles auffs getrewlichste beschrieben und gewiesen wird, Franckfurt am Mayn [Thomas Matthias Götzen] 1648.


pp. 13–14

CAPVT V.

Vom Sandt/ und wie derselbige solle beschaffen seyn/ welchen man zu dem Bawenbrauchen will.

Der Sandt ist von unterschiedlichen Farben/ als weiß/ schwartz/ roth und graw/ &c. wird aber ins gemein auff dreyerley Art unterschieden.

Die erste Art findet man in den Sandtgruben/ welcher gegraben wird.

Die andere Art findet man in den fliessenden Wassern.

Die dritte Art wird im Meer gefunden.

Der Sandt/ welchen man auß den Gruben gräbt/ und von guter knirschender Erden ist/ trocknet geschwind im Bawwerck/ fällt auch nicht bald ab/ was damit bestochen oder gedüncht wird/ ist sonderlich zu Bögen und Gewölb dienlich/ doch wo derselbige/ nach deme er gegraben/ frisch gebraucht/ und nicht lang am Wetter gelegen/und von Sonn/ Mond/ Reiff/ Nebel/ gefroren/ oder von Hitze außgebrant/ dardurch er leicht wieder in Erde resolvirt und zerfliest/ welches dann nicht geschihet/ wann er noch frisch ist/ und gerne trocknet im Werck.

Nota. Hierbey ist zu mercken/ daß der außgegrabene Sandt nicht so gut zum Dünchen/ als er zu dem Mawerwerck düchtig/ dann er nicht wohl an den Schrunden trocknen mag/ feiste halben vom Kalck vermischt.

Sande/ der auß fliessenden Wassern kompt/ und auß Mangel deß gegrabenen Sandes gebraucht werden muß/ verharter leichtlich/ ist gut zum Dünchen und außwendigen Bewerffen.

Den Kießsand mag man durch die Hürten werffen/ wiewol solcher Wassersand nicht gerne trocknet (als wie der Meersand) ist solcher auch ungebräuchlich zu gewölben.

Sand auß dem Meer/ ist einer versaltzenen Art/ und ist unter allen der schlimbste unnd ärgste/ dann so man hiervon Mawren macht und dünchet/ so schwitzt dessen versaltzene Feuchte herauß/und frist den Dünch außwendig darvon/ macht die Mawren röhrig und schädlich/ jedoch unter solchen ist der am bösesten/ welcher sich auff eine schwarze und gläntzende Art beziehet/ und derjenige am besten/ welcher am Uffer ligt/ und grob ist.

Zu  rauhem Gemäwer/ mag mannach Gelegenheit Sand erwehlen.

Zureinem Gemäwer/ solle man reinen Sand nehmen/ darunter keine Erde vermischt.

Zum Decken gehört riescher und gröblicher Sand.

Zum inwendigen Verwerffen unnd Bestechen wird ein schlimmer und glatter Sand gebraucht.

Den Meersand kan man auch zuvor im Wasser schwemmen/ damit jhme seine saltzichte Feuchte genommen werde/ und alsdann verarbeitet.

Von solchen Gattungen ist der beste/ wann man solchen zwischen den Händen reibt/ daß er knirscht. Item wann man solchen auff ein rein Tuch legt/ solchen wieder davon schüttet/ wann er keine Flecken hinter sich läst. (Prob deß Sands Vitruv. l. 2. cap. 4).

Unter den Sänden in fliessenden Wassern/ welche einen Abfall haben/ unter welchem (Abfall) sich der Sand versamblet/ wird solcher auch für gut gehalten/ welcher unter dem Abfall gefunden wird/ dann der selbige durch den Abfall deß Wassers genugsamb geläutert wird (Pallad. lib. 1. cap . 4.).

Der weisse Sand wird für den schlimbsten erkant/ dieweil solcher in der Erfahrung nicht beständig erfunden.

Item/ wann der Sand in ein Wasser gerühret wird/ und dasselbige trüb macht/ ist solcher nicht gut.

Nota. Von obigen dreyerley Arthen deß gegrabenen Sandes/ wird der gelb oder goldfarb für den besten gehalten/ nach solchem der graw/ alsdann der schwartze (Pallad. lib. 1. cap. 10.)


pp. 15–16

CAPVT VI.

Vom Kalck/ und desselben Gebrauch.

Der Kalck wird von unterschiedlichen Steinen gemacht oder gebrant/ unnd werden solche entweder in den Bergen gebrochen/ oder auß dem Wasser genommen (Vitruv. lib. 2. cap. 5.).

Ein jeder Stein/ so in dem Gebürg gebrochen wird/ welcher trocken ist und gerne bricht/ auch inwendig keine andere Matery hat/ wann solche vom Fewer verzehret/ den Stein kleiner lasse/ der ist gut zum Kalck/ dann je härter der Stein/ je nutzlicher der Kalck.

Es wird der Kalck von harten Steinen am besten zu dem verbinden der Mawren gebraucht.

Die gute Kalckstein sollen weiß und dicht oder von Kießlingstein seyn.

Es seynd auch noch andere Gattungen von Lucken- Schwammen- oder löcherichten Steinen/ solche geben einen sehr mürben Kalck/ welcher zum Dünchen/ Bestechen oder Bewerffen der Mawren am dienlichsten.

Sonsten werden in dem Gebürg bey Padua in Italia etliche Schifferstein gebrochen/ welche uberauß guten Kalck geben/ nicht allein ins Wetter/ sondern auch ins Wasser/ dann solcher wird geschwind fest/ und hält sich lange Zeit (Pallad. lib. 1. cap. 5.)

Die Kießlingstein seynd dreyerley Arten/ auß welchen man Kalck brennen kan/ nemblich roth/ schwartz und weiß/ sollen aber gebraucht werden/ so bald sie auß der Gruben kommen.

Die Kießling- und Wackensteine/ welche man auß den Bächen und Wassern nimbt/ geben einen sehr guten Kalck zu weisser und sauber Arbeit/ dahero man gemeiniglich solchen zum Dünchen der Mawren nimbt.

Es wird auch von Daucht- Lufft- Schwamm- Pinsen- und groben rauhen Steinen Kalck gebrant.

Nota. Alle gebrochene Steine zum Kalckbrennen seynd besser/ dann die zusammen geklaubten/ im gleichen die jenige/ so an einem schattichten und feuchten Bruch gelegen/ seynd besser/ als an einem trockenen Orth.

Die weissen seynd besser zum Gebrauch/ dann die schwartzen.

Alle gebrante Kalcksteine halten gemeiniglich den dritten Theyl weniger im Gewicht, als sie vor dem Brandt gewesen.

Alle Steine vom Gebürg oder auf den Wassern genommen/ brennen sich/ nach deme man jhnen Fewer gibt/ geschwind oder langsamb.

Zu einem rechten Kalckbrandt aber/ werden ins gemein 60. Stunden erfordert.

Die Kalcköffen seynd ohngefehr in gemeiner Grösse 20. Schuh lang und breit/ 40. Schuh tieff.

Je höher sie seynd/ je besser/ dann solche seynd erschützlicher zu erhitzen.

Wann der Kalck gebraucht ist/ so solle man solchen in einer Gruben fein sittiglich/ jedoch continuirlich/ mit Wasser anfeuchten/ biß solcher durchauß wohl erweicht und temperirt, dann je mehr er eingeweichet wird/ je zäher/ vester und besser er seyn wird/ außgenommen der Schifferstein/ sobald derselbe genetzet worden/ muß er verbrauchet werden.

Nach deme der Kalck angefeucht worden/ solle man solchen an einen feuchten und schattichten Orth legen/ und jhne mit nichts vermengen/ sondern nur mit einem leichten Sand zu decken.