Ludovici 1754/III
Carl Günther Ludovici, Eröffnete Akademie der Kaufleute: oder vollständiges Kaufmanns-Lexicon, woraus sämmtliche Handlungen oder Gewerbe, mit allen ihren Vortheilen, und der Art, sie zu treiben, erlernet werden können… III (H–M), Leipzig [Bernhard Christoph Breitkopf] 1754.
col. 1555–1559
Maler, oder Mahler, lat. Pictores, franz. Peintres, sind Künstler, welche vermittelst des Risses und der Farben alle sichtbare Sachen auf einer Fläche nachmachen. Italien hat insonderheit vortreffliche Maler erzeuget, darunter Michael Angelo, Paul Veronese, Titiani, Tintoretti, Caracci, und einige andere im ersten Range gehen: Guercini ist vornehmlich in dem Frescomalen hochgeachtet. In Deutschland habe Albert Dürer, Holbein, Kranach, einen grossen Ruhm erworben. Die (1) Eigenschaften eines rechten Kunstmalers sind: a) eine angebohrne Zuneigung und Fähigkeit zur Malerey, als welche vorzüglich erfordert wird: und eben diese ist Ursache, warum selbst in der Malerey die Kunst so unterschieden, und nicht einem allein alles gegeben ist, sondern dieser in großen und ein anderer in kleinen Stücken, ein anderer in Portraiten, ein anderer in Historien, ein anderer in Landschaften, in Seestücken, in Nachtstücken, in Blumenstücken, in Küchenstücken, &c. vortrefflich ist. b) Die Erkentniß der Historie, der Antiquitäten, der Mythologie; der Naturlehre oder Physik, besonders Botanik und Anatomie; der mathematischen Wissenschaften, als der Geometrie, Mechanik, der Civil- und Kriegsbaukunst, der Optik und Perspectivkunst, und der Astronomie. c) Eine fleißige Uebung und genaue Betrachtung der besten Meistersücke, denenselben nachzuahmen, und ihre Kunst, wo möglich, zu übertreffen; die Fehler hingegen, so sich einige daran befinden, zu meiden und zu verbessern. Wenn sich die Hand eine Zeitlang in Handrissen geübet, muß man sie zu Abzeichnung hoher Bilder und Statuen von Marmor und Gyps gewöhnen, und sodann von diesen stillstehenden Stücken, selbst zu lebendigen Dingen schreiten. Hierzu sind nun in Italien, und sonderlich zu Rom, in Frankreich, Wien, Dreßden und Berlin herrliche (2) Malerakademien aufgerichtet, woselbst man in Gesellschaft anderer, von einem wohlgestalten Manns- oder Weibsbilde unterschiedliche Stellungen absieht, und daraus am gründlichsten die Proportion des menschlichen Körpers erlernet. Die (3) Malerinstrumente sind der Farbstein, das Farbentäflein oder Palet, franz. Palette, der Malerstock, franz. Appuy-main, die Staffeley, oder Stellage, franz. Chevalet, allerhand Arten von Pinseln, als Borst- Schwan- Fisch- Spitz- und Miniaturpinsel; u. a. m. Die (4) Malerfarben, franz. Couleurs des Peintres, betreffend; so sind die vornehmsten von denenselben, und mit welchen am meisten gehandelt wird; Bleyweiß, Kreide, gelbe und rothe Ocher, Mennige von verschiedenen Gattungen; allerley Arten von Erden, als Umbra, cöllnische Erde, veronesische Erde, Erdschwarz, &c. Operment, Wasserbley, Zinnober, Lack, blaue und grüne Aschen, Schüttelgelb, Indigo, Grünspan, Kühnruß, Beinschwarz, neapolitanisches Gelb, Dunkelgelb, endlich Schmelzglas, Ultramarin, Karmin, &c. Von allen diesen Farben sind besondere Artikel nachzusehen. Es handeln mit denselbigen die Specereyhändler, die solche sowohl im Ganzen, als Einzelnen, verkaufen. Außer diesen bisher erzählten Farben, hat man auch noch andere, die bloße Extracte aus Pflanzen und Blumen sind; es wird aber mit denenselben nicht von den Specereyhändlern gehandelt. Einige von denen vorerwähnten Farben, mit welchen die Specereyhändler handeln, werden zu Oelfarben; andere nur zur Malerey in Fresco; noch andere zu Wasser- und Gummifarben; wieder andere zum Mignaturmalen gebraucht. Die Specereyhändler, welche mit ganz zugerichteten Farben handeln, verkaufen die Farben, welche für Drücker mit Oelfarben dienen, nach dem Pfunde; und diejenigen, so von den Malern gebraucht werden, in Blasen von verschiedenem Gewichte. Die Wasserfarben werden gemeiniglich so verkauft, wie die Kaufleute solche bekommen, nämlich als Steine, Brode, oder Pulver; die Zurichtung aber derselben wird den Malern überlassen. Die Mignaturfarben, welche allezeit die schönsten und feinsten unter allen Gattungen von Farben sind, werden nach dem Quenteschen oder Lothe verkauft, nach dem sie kostbar sind, und zwar entweder zerstoßen und mit ein wenig Gummiwasser angefeuchtet, zu kleinen Stückchen, in der Größe eine Erbse geformt, auf welche Art die weißen und schwarzen Farben, der Indigo, die Mennige und Umbra verkauft werden; oder in der Gestalt eines sehr feinen und fast unfühlbaren Pulvers, wie der Carmin, das Ultramarin und andere; oder endlich auch so, wie sie di Natur oder die Kunst hervorbringt, auf welche Art das Blasengrün und der Gallenstein, imgleichen das Gummi, so von den Mignaturmalern zur Zubereitung ihrer Farben gebraucht wird, verkaufet werden. Manchmal pflegen auch die Specereyhändler, die diese Handlung treiben, mit diesen Farben verschiedene andere, für die Maler dienliche Waare, als Nuß- oder Leinöl, Pinsel, Farbentäflein, Firniß &c. z führen. Die (5) Producte der Maler werden Gemälde. Endlich die (6) Malerkunst, franz. Art de peindre, selbst anlangend; so besteht solche aus drey Theilen, und zwar sind selbige: a) die Zusammensetzung, oder Composition, welche wieder um zwey Stücke unter sich faßt: (a) die Erfindung oder Invention, durch welche ein Maler in seinem unterhabenden Gemälde die zu der Ausdrückung und Auszierung der Sache eigentlich gehörigen Objecte zu erfinden, und mit einzubringen weiß; (b) die Disposition oder Ordnung und Eintheilung, vermöge deren er die Sachen an ihre gehörige Orte zu stellen weiß; denn es mögen die in das Gemälde eingebrachten Objecte noch so treulich und sinnreich ausgesucht seyn, so werden sie doch niemals eine gute Wirkung thun, dafern sie nicht vortheilhaftig nach der Oeconomie und den Kunstregeln eingetheilt sind. b) Der Abriß oder die Zeichnung, französisch Dessein, und c) die Colorit, welche abermals zewy Stücke in sich begreift; (a) Local- oder Grundfarbe, oder diejenige, welche jedem Objecte, es sey and welchem Orte es wolle, in seiner Natur und Wesen bestimmet, und dessen Character vollkommen bezeichnet; und (b) die Schattirung, da man Licht und Schatten, sowohl bey denen besondern Objecten, als auch in dem Gemälde insgemein, mit guter Ordnung mäßiget und austheilt. Und eben diese Theile der Malerkunst, sind nebst der Manier oder Ausarbeitung zugleich diejenigen Stücke, auf welche bey einem Gemälde hauptsächlich zu sehen sind; daher man hiervon im Artikel: Gemälde, ein mehrers findet.
