Kunckel 1679
Johannes Kunckelius, Ars Vitraria Experimentalis, Oder Volkommene Glasmacher-Kunst…, Franckfurt – Leipzig [Christoph Riegel] 1679.
ANTHONII NERI
von Florentz
Erstes Buch/
Von der Glasmacher-Kunst
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p. 25
Das 12. Capitel.
Wie man die Zaffera zu denen Glasmacher-Farben dienlich/ bereiten soll.
MAn soll die grössern Stücke der Zafferæ, in irdine Geschirr gethan/ einen halben Tag in der Ofen-Kammer halten; hernach beym Ofen-Feuer/ auff einen eisern Rost glüen lassen; und/ nachdem sie heraus genommen/ mit einem scharffen Eßig besprengen/ wenn sie nun wieder getrucknet/ und kalt worden/ soll man sie auff einen Reibstein gantz subtil reiben/ und hernach in gläsern Geschirren/ öffters mit warmen Wasser waschen; doch also/ daß die Zaffera sich allemal niedersetze; alsdenn das Wasser sachte abgegossen/ so wird sie von aller irdischen Unreinigkeit abgesondert/ auffn Grunde liegen bleiben/ welche/ nachdem sie getrocknet/ in vermachten Geschirren muß zum Gebrauch auffgehoben werden; sie färbet das Glas alsdenn viel schöner als sie vorhin gethan hätte.
Joh. Kunckels
Anmerckungen über das Erste Buch
ANTHONII NERI
von der Glas-Kunst.
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p. 57–60
Vom 12. Capitel.
DIeses Capitel handelt von der Zaffera, einer zu Tingier- und Färbung der Gläser sehr nützlichen Materia. Es ist aber die Ableschung derselben in Eßig nichts nütze/ sondern all-genug/ wenn sie/ die Zaffera, nur wohl und klein gerieben wird/ da sie denn eben so wohl und gut als die so abgeleschet ist/ kan gebraucht werden.
Ich sehe hier/ daß der offt gedachte Herr D. Merrett, wie auch selbst unser Autor, sich sehr/ was doch die Zaffera vor ein Ding sey/ zu wissen bemühen; achte derowegen wohl von Nöthen/ dieselbe etwas weitläuffiger zu beschreiben. Berichte demnach hiermit dieses: Es wird ein Ertz-Stein/ zu Schneeberg in Meissen/ von denen Bergleuten aus der Erden gebracht und gegraben/ den sie Cobolt nennen/ weiln solcher gantz kein gut Metall/ ohne manchmal der Centner ein Loth/ mehrentheils aber gar nichts hält und gibt. Dieser Cobolt/ wird anfänglich in einen dazu behörigen Ofen/ dessen Gestalt uns beygefügte Figur weiset/ geschmissen; solcher zu diesen Werck eingerichteter Ofen/ ist fast gleich einem Back- Ofen/ und also auffgesetzt/ daß das Holtz oder Flammen- Feuer/ so an der Seiten lieget/ über diesen Mineral-Stein oder Cobolt/ zusammen schlagen kan; so bald solcher nun anfänget zu glüen/ so raucht ein weisser Rauch davon/ selbiger wird in einen (hier beygefügten) höltzern Gebäu/ in welchem er sich allenthalben anlegt/ auffgefangen/ und dieses ist alsdenn der Arsenic. Es ist sich zu verwundern/ daß/ obwohl dieses Gebäude sehr/ ja bißweilen 100. Klafftern lang ist/ den- noch der Rauch/ es sey so lang als es immer wolle/ allezeit zum letzten Ende ausgehet. Dieser abgerauchte oder geröstete Cobolt nun/ wird alsdenn in einer dazu gehörigen Pochmühle gepocht/ alsdenn wieder calciniret/ und ferner gepocht/ wenn denn dieses etliche mal gethan/ so wird er (der zurück gebliebene Cobolt) auffs kleinste durch ein enges Sieb/ welches in Riemen und Schwange gehet/ auch sonsten gnugsam verwahret daß es nicht stäuben kan/ gesiebt und in Verwahrung genommen. Von diesem Cobolt Meel wird genommen 1. Theil/ und darunter wohl 2. oder mehr Theil/ gleichfalls auffs fein- und kleinste gestossene Kießlinge (welche die Bergleute Qvärtze nennen) gemischt/ und alsdenn angefeuchtet/ in Tonnen geschlagen/ so wird es so hart und fest in einander wie ein Stein/ also daß/ nachdem es lange gestanden/ solches endlich wieder (wie bekannt) mit eisern Schlägeln von einander muß geschlagen werden. Solche zugerichte Materia wird alsofort denen Holländern und andern Nationen zugesandt/ umb ihre feine Töpffer-Geschirr und andere Dinge damit zu bemahlen: und ist eben dieses/ was von vielen/ sonderlich denen Bergleuten/ Zofloer, ins gemein aber/ gleich wie auch von unserm Autor, und seinen gelehrten Commentator D. Merreto, Zaffera genennet wird.
Der Sand wird in Meissen bloß derent- und um keiner andern Ursach wegen/ darunter gemischt/ als daß man in andern Ländern die blaue Stärcke/ die die Weiber brauchen (von denen Mahlern auch blaue Smalta genannt) nicht mit Profit daraus oder nachmachen könne und soll. Denn es ist ferner zu wissen/ daß/ wenn dieser abgerauchte Cobolt/ mit einen gewissen Theil Sand und Potasche/ wieder versetzt und zum Glas geschmoltzen wird/ ein dunckel und dickblaues Glas daraus wird/ welches gar subtil zerstossen/ und auff einer gewissen Mühl/ zwischen zweyen sonderlich harten Steinen/ zu einen Meel gemahlen/ alsdenn geschlemmet/ und in unterschiedliche Sortemente/ da immerzu eines schöner als das andere/ getheilet und gestellet wird; hierinnen besteht ein grosser Handel/ der Seiner Churfl. Durchl. zu Sachsen nicht wenig einträgt. So sie aber den Cobolt so rohe wegschicketen/ welches zu thun aber denen Factorn sehr hoch verboten/ so könnte die blaue Stärcke anderwerts auch gemacht/ und Nutzen daraus gezogen werden/ derohalben machen sie Zaffera daraus. Der aber einen reinen Cobolt haben will/ da ein Theil mehr/ als 3. oder 4. Theil Zaffera thut/ der muß es absonderlich in diesen Landen suchen/ und desto theurer bezahlen.
Diese blaue Stärcke/ wenn sie zum ersten mal gemacht oder zum Glase gebracht wird/ so setzt sie insgemein einen Regulum, den dieselben Arbeiter Speisse nennen; dieser regulus gibt gleichfalls wieder ein blaues Glas/ sonst aber ist er gantz spröde und kurtzspießig.
Das Arsenic-Meel aber wird nach der hier beygesetzten Figur/ auch wieder sublimirt/ so wird es in solche dicke Stücken/ wie bey denen Materialisten/ allwo Arsenic verkaufft wird/ zu sehen. Also ist hier hoffentlich denen Liebhabern aus dem Zweiffel geholffen/ so viel die Zaffera und den Arsenic betrifft/ ob nemlich solche factitia oder Naturalia, das ist/ durch Kunst gemachte oder natürlich gewordene Dinge sind; und so viel von diesen.

p. II/135
Fig. B.
Ist wie der Coobold [sic!] calcionieret/ und das Arsenic-Pulver gefangen wird/ wobey zu erinnern/ daß der Rauch oder Arsenic. A. nicht durch ein besonder Loch oder Röhren/ sondern aus dem Loch B. vor welchen der Kerl steht und rühret/ stracks seitwärts ab in einen höltzern darzugebaueten langen Kasten/ der an der Seite etliche Thüren hat/ gehet/ worein die Arbeiter steigen/ und das Mehl vom Arsenic heraus tragen: wie albereit in meinen Anmerckungen über das erste Buch Anthoni Neri von mir ausführlicher beschrieben worden.
Das Sechste Buch/
von der Glasmacher-Kunst/
ANTHONII NERI
von Florentz.
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p. 132
Vom 83. Capitel.
IN diesem Capitel ist der Zaffera zu viel/ zumalen 14. Gran mehr als gnug seynd: Denn es ist zuwissen/ wenn derselben so viel dazu kömmet/ daß die Massa gantz dunckel und nicht durchsichtig bleiben würde. Ja so die Zaffera recht gut/ oder so man einen puren und reinen Cobelt hätte/ könnte solches/ nach dem einer die Farbe hoch oder niedrig haben wolte/ mit 8. 9. oder 10. Gran verrichtet werden.
Vom 84. Capitel.
DIeses und das vorige Capitel seynd fast einerley/ nur daß dieses etwas strenger im schmeltzen ist. Sonst ists gar wohl zu sehen/ daß der Autor nicht gewust/ daß die blaue Smalta aus der Zaffera gemacht wird/ und nur der Unterscheid darinnen bestehe/ daß die Smalta zum Glas geschmoltzen ist. Sonst ists eben eins/ ob ich die Verhöhung in der Zaffera, oder in der blauen Smalta suche; wer es aber auff die Viol-Farbe haben will/ der muß nur etwas von der Magnesie oder Braunstein zu der Zaffera setzen/ wie denn solches im vorhergehenden Buch/ bey der Amethist- und andern Farben/ vom Authore selbst gnugsam gedacht und erinnert worden.
pp. 137–138
Das 95. Capitel.
Eine Smalte oder Schmeltzglas an der Farb wie ein Türckis.
MAn nimmt von der Materia, daraus die Smalten bereitet werden/ 6. Pfund; solche in einen weiß-verglasurten Topff gethan/ darinnen geschmoltzen und gereiniget/ wird ins Wasser geworffen; Hernach thut man solche wiederum in den Topff/ und verfähret im übrigen darmit wie zuvor.
Nachdem nun solche wohl gereiniget worden/ so füget man noch darzu 6. Loth von dem Kupffer-Hammerschlag/ welcher/ wie anderwerts berichtet/ zum dritten mal gecalciniret sey/ wie auch 96. Gran von der præparirten Zaffera, und 48. Gran von der præparirten Magnesie.
Diese 2. letzten Pulver werden wohl in einander vermischet/ und in 4. gleiche Theil abgetheilet/ auff vier unterschiedliche mal zu dem obigen gethan/ auch wohl untereinander gemischet/ damit sich alles wohl incorporire: Wann nun die Farbe nach versuchter Probe/ voll genug zu seyn scheinet; so kan man solche dem Goldarbeitern zum Gebrauch hingeben.
Vor allen Dingen aber soll man sich dahin bemühen/ daß man die Farben an der herausgenommenen Massa/ oder Probe/ mit dem Gesicht recht beurtheilen lerne; dergleichen ich iederzeit gethen habe; denn es kan allhier das Gewicht so genau nicht beschrieben werden; indem die Farben bald viel/ bald wenig tingiren; müssen derohalben solche durchs Gesicht geurtheilet werden.
Und im Fall eine Farbe zu völlig wäre/ so muß man ein mehrers von der materia, davon die Smalta bereitet wird/ zu setzen; denn es wird solche alsobald auffgelöset/ und die Farbe hingegen schwächer werden; Wann die Farben im Gegentheil zu dinne oder zu schwach wären/ so muß man des Pulvers/ damit die materia getingiret worden/ etwas mehrers zusetzen: Und auff solche Weise kan man die Farbe/ nach Belieben völliger oder dinner machen/ je nachdem es die Sache erfordern wird.
Solches habe ich zu Pisis/ allezeit dem Augenmaß folgend/ zum öfftern gethan/ ohne Inachtnehmung einer gewissen Maß oder Gewichtes.
pp. 138–139
Das 96. Capitel.
Eine blaues Schmeltz-Glas zu machen.
MAn nimmt der bewusten und præparirten materia zu den Smalten 4. Pfund/ der præparirten Zafferæ 4. Loth/ des zum dritten mal calcinirten Kupffer-Hammerschlags 48. Gran.
Erstlich werden die Pulver absonderlich wohl unter einander gemenget/ alsdann zu der Materia gethan/ und ferner in einen weiß verglasurten Topff/ in den Ofen gesetzet.
Nachdem nun alles wohl auffgelöset/ und sich vereiniget hat/ so wird solches ins Wasser geschittet und wiederum in den Topff gethan/ gekochet und auffs beste vereiniget; nach solchen nimmt mans aus dem Ofen/ so wird es/ für die Goldarbeiter/ ein sehr schöne Smalte geben.
p. 143
Das 106. Capitel.
Eine blaue Smalte zu machen.
EIne blaue oder Meerwasser-Farb zu bereiten/ werden erfordert des obgelehrten calcinirten dünnen Zitter-Kupffers 4. Loth/ der præparirten Zaffera 48. Gran: diese Pulver/ nachdem sie wohl vermischet/ und miteinander vereiniget/ werden mit 4. Pfund der erwehnten Smalten-Materia/ daraus die Smalten bereitet werden/ vermenget.
Wann sie nun auffgelöset/ und im gewöhnlichen Topff vereiniget worden/ so schüttet mans in das Wasser/ und thuts/ wie gebräuchlich/ aus diesem wieder in den Topff/ damit sie völlig gereiniget werde.
Nachdem sich nun alles wohl vereiniget und gereiniget hat/ so besiehet man die Farb/ damit man solche/ wie auch anderwerts erinnert worden/ verstärcken oder schwächen könne; nachdem sie etwan zum Gebrauch erfordert wird. Im übrigen kan man ferner nach Kunst-gebühr damit verfahren.
Joh. Kunckels
Anmerkungen über das Sechste Buch
ANTHONII NERI
Von der Glas-Kunst.
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p. 145
Im 95. und 96. Capitel
ISt dieses nur der Unterscheid/ daß der Autor die Magnesia oder Braunstein in dem einen gesetzt/ in dem andern aber ausgelassen hat. Sonst kan man beyderley Art fast aus einen haben: in deme gar sehr wenig/ oder bey nahe kein Unterscheid darinnen ist. Diß muß ich aber hier erinnern/ daß man ja in allen Stücken rechten Fleiß anwende/ denn gewiß so schlecht man diese Arbeit ansihet/ so genau will sie gleichwol gemacht oder beobachtet seyn/ zumahl so die rechte
Türckis-Farbe eigentlich will getroffen werden. Es hat unsern Autor beliebt/ hier in diesem Capitel sich der Weitläufstigkeit zu befleissen/ indem er so offt/ und allemahl unnöthiger weise/ wiederhohlet/ und saget/ wie man die Materia schmeltzen und reinigen soll. Dieses macht gewiß zum öfftern/ sonderlich denen Ungeübten und die sich an die Worte binden/ viel Verdruß und Ungelegenheit; Solchen aber abzuhelffen will ich hiemit einen sichern Weg zeigen/ nemlich: Schmeltze zusammen 10. 20. oder 30. Pfund/ nachdem du viel Schmeltzglas machen wilt/ lösche es ab/ schmeltze es wieder/ aller dings wie der Autor lehret/ und verwahre dieses zum Gebrauch. Wann du nun wilst ein Schmeltzglaß machen/ so nimm so viel Pfund davon als dir beliebt; so ist dann folgends die Farbe in wenig Stunden hineingebracht. Denn man kan hier innen kein Gewicht/ wie viel auff ein Pfund von den Farben muß zugesetzt werden/ so genau vorschreiben/ weil es eine Sache ist/ die bloß nach dem Gesicht muß geurtheilet werden. Dennoch ist das Gewicht so wohl von denen zusammen gesetzten Materien/ als auch was die Farbe betrifft und geben soll/ nach des Autoris Lehr und eines ieden Capitels Inhalt/ wohl in acht zu nehmen/ iedoch auch also/ daß solches ein ieder Verständiger nach seinen Belieben ändern könne. Der aber ungeübt in der Versetzung ist/ der halte sich nur durchaus an des Autoris Worte/ als (zum Exempel) wenn er sagt: so viel Magnesia, so viel Zaffera, &c. so bleibe er gäntzlich dabey. Gleichwol muß man den Autor nicht alsobald beschuldigen/ wann die Coleuren so genau nicht zutreffen/ zumal wo Zaffera dazu kommt/ als mit welchen (weiln immerzu eine viel bessere als die andere/ wie oben erwehnt) es eine sonderliche kützliche Sache umbzugehen ist. Derowegen wenn du mit dieser/ oder der Magnesia, oder Zaffera wilt oder solt Farben machen und bereiten/ so nimm erstlich ein helles und klares Glaß/ und setze anfänglich auff 2. Loth desselben ein Gran/ oder Gerstenkorn schwer/ deiner Magnesia, oder Braunsteins bey/ (also verfahr auch mit der Zaffera,) und sihe wohl zu/ wie viel oder starck solche Farben; ist es zu wenig/ so nimm 2. Gran &c. und hiernach/ als einer gewissen Probe/ kan man sich auch einen unbetrüglichen Schluß machen. Solches kan und soll man billig bey allen Farben thun/ und so lang man dann von dieser Farb oder Materia hat/ so lange kan man auch einerley Art Farben machen; kaufft man was frisches/ so muß man auch damit wider neue oder andere Proben vornehmen/ sonst ist man/ sonderlich in obig erzehlten Farben/ nimmer gewiß; und kriegt immerzu diß vor das &c. Doch ist auch dieses in acht zu nehmen/ daß man nemlich/ wenn man etwas probiren will/ als zum Exempel Magnesia oder Zaffera, man zuvor den gantzen Vorrath derselben Species zum kleinsten und subtilsten Pulver reiben muß/ weiln sonsten auch ein Stückgen andere Beschaffenheit der Farben in sich halten und mittheilen kan/ als das andere. Dieses/ als etwas sehr nothwendiges/ habe ich denen Glas-Künstlern nicht unberichtet lassen sollen und wollen.
Anmerckungen
CHRISTOPHORI MERRETTI
in
Das erste Buch/
von Glasmacher-Kunst
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p. 265
Das 12. Capitel.
Die Zaffera.
DIese und die Magnesie werden allhier nicht anders bereitet/ als daß sie auff der Mühl zu einen zarten Pulver gemachet/ und durch ein Sieb/ gleichwie das Pülverlein und die übrigen Materialia/ gesiebet werden.
Was die Zaffera sey/ finde ich bey keinem Autore, und sind derselben gar wenig/ die davon etwas gedencken. Cardanus nennet es im 5. Buch seiner Subtilitäten/ eine Erden: Es ist/ saget er/ auch eine „andere Erden/ welche das Glas also blau färbet/ welche ihrer etliche Zafferam nennen.“ Allein Cæsalpinus, nachdem Cardano, rechnet solche/ zu den Steinen/ im 55. Capitel seines andern Buchs; Noch ist ein anderer Stein/ sind des Cæsalpini Worte/ der das Glas „blau färbet/ und wenn man des gedachten Steins ein wenig zu viel nimmt/ so wird das Glas schwärtzlich: Solcher Stein aber wird Zaffera genennet/“ ist an der Farb grauröthlicht/ schwer und zerreiblich; im Feuer fliesset er/ für sich allein aber nicht; sondern wenn er mit dem Glas vermischet wird/ fliesset er gleich einem Wasser.
Aldrovandus in seinem Musæo, folget obgedachten Autoribus, und nennet es an einen Ort eine Erde/ an einem andern aber einen Stein. Ferr. Imperatus vergleichet im 8. Capitel des 28. Buchs die gedachte Zafferam, dem Bleystein und der Magnesie. Allein es ist keine Erde/ dieweil es sich mit Wasser nicht vermischet/ noch mit demselben kan vereiniget werden: zu dem/ so ist kein Stein gleichwie die Zaffera so zerreiblich/ als welche mit den Fingern/ und geringer Müh/ zu einer zarten und sandichten Substantz gemachet wird/ welche man kaum betasten oder fühlen kan.
Und gewißlich/ wann diese Materia ein oder andere dergleichen Eigenschafft/ oder eine gewisse Farb hätte/ sie würde von denen Schreibern/ die von dergleichen Sachen geschrieben/ und solchen nachgeforschet haben/ nicht gäntzlich seyn aus der Acht gelassen worden; Insonderheit nachdem sie bey allen in so starcken Gebrauch ist/ und derselben eine grosse Menge/ so wohl von den Glasmachern/ als auch von den Töpffern verarbeitet wird. Der embsige und gelehrte Bergman Agricola, kennet solche nicht/ und thut auch nicht die geringste Meldung davon. Julius Scaliger, welcher ein Buch/ die Gläsersachen betreffend/ geschrieben hat/ saget nichts davon/ hat auch den Cardanum, umb daß er solche eine Erde nennet/ in geringsten nicht gestraffet.
Derohalben bin ich dieser Memung/ und halte dafür/ daß dieses eine neu-erfundene Sache sey/ und durch Kunst von irgend einen Teutschen Künstler bereitet/ auch der Ursach halben annoch in geheim gehalten werde; denn es ist gewiß/ daß es aus Teutschland komme: und so ich muthmassen folte/ wolte ich dafür halten/ daß es aus Kupffer/ Sand und vielleicht ein wenig Gallmeystein/ bereitet werde.
Die blaue Farb/ so es hat/ ist meiner Meinung nach dem Kupffer beyzumessen/ nicht anders als die Farb der Magnesie dem Eisen: Auch ist dieses gewiß/ daß nichts ist/ welches dem Glaß eine Farb mittheilet/ ausser die Metallen/ denn es wird das Glas von einem iedem Metall getingiret. Der Lasurstein/ ungeachtet er ziemlich hart ist/ giebet im Feuer seine Farb von sich/ und also auch die übrigen Mineral-Steine: Das Spiesglas tingiret zwar das Glas auch; allein solches geschiehet nur von seinem metallischen Theil oder dem Regulo: Vielweniger kan einige Erden/ dergleichen starckes Feuer ausstehen; Wiewohl sich die Scotische Ochergelb/ wie auch die Indianische Röthe/ durch die Calcination in keine unliebliche Farben verändern/ so sie anders recht angeordnet werden/ jedoch können sie die Hitze des Glasofens nicht aushalten.
Ist also der endliche Schluß/ daß diese Zaffaræ-Farb von keinen andern/ als einem metallischen Dinge ihren Ursprung habe. Und so dieses ist/ was kan es wohl anders/ als das Kupffer seyn? Denn ob man schon glauben wolte/ daß diese Farb vom Silber herkäme/ so ist doch solche nur dem Kupffer/ als welches mit dem Silber eine Verwandschafft hat/ zuzuschreiben; denn das Silber/ nachdeme es zum drittenmahl ist ausgesotten worden/ färbet das Scheidwasser gantz und gar nicht mehr.
Das zweyte Stück/ welches zu der Composition der Zafferæ kommet/ ist der Sand/ welches man mit der Zung und Hand fühlen und unterscheiden kan: und wann man ein Aqva fort darzu nimmt/ so wird man augenscheinlich befinden einen weissen und durchsichtigen Sand-Kieß/ welcher dem Pulver derjenigen durchsichtigen Steinlein (bey uns in Engelland Pebles, in Italien und von Feranto aber Qvocolos genannt) gäntzlich gleich kommet: noch über dieses/so wird sich eine Art des Sandes/ bey der obigen Solution befinden/ welcher unsern Englischen gemeinen Sand nicht gar unähnlich ist/ schwärtzlich an der Farb und leichtlich in den Fluß zu bringen.
Zum dritten/ warumb ich dafür halte/ daß auch Gallmeystein mit der Zaffera vermischet seye/ ist dieses die Ursach/ daß weder ein Aqva fort, noch Spiritus Vitrioli, über die Zaffera gegossen/ eine merckliche Operation thut/ als daß sie solten Blasen auffwerffen/ solviren oder tingiren: Solches habe ich versuchet/ mit der Angiessung eines gemeinen Scheidwassers und Vitriol-Spiritus, allein ich habe niemahls vermercken können/ einige ebullition und Bewegung der Liqvorum, noch einige Entfärbung oder Getöß/ gleich wie sonsten in Aufflösung der Metallischen Cörper zum öfftern zu geschehen pfleget.
Daß aber der Gallmeystein die Solution verhindere/ und das übrige verursache/ soll aus nachgesetzter Versuch-Prob/ welche wir darumb anführen wollen/ zu ersehen seyn: Es kan auch über dieses ein Hartz oder Gummi/ so sie bey obiger Composition der Zafferæ vermischet wären/ die Ebullition oder Auffwallung des Aqvæ fortis verhindern/ dieweil dergleichen schwefflichte Materien von solchen Wassern nicht angegriffen werden.
Auff was Weis aber das Kupffer zu gedachter Composition der Zafferæ müsse gepræpariret werden/ und ob solches nur auff gemeine Art/ wie die Chymici lehren/ oder aber auff eine andere Manier geschehen soll/ kan ich allhier nicht beschreiben; es solten aber etliche wenige Experimenta dieses Secret entdecken/ und diesen Knopff aufflösen können/ als dahin wir den Leser wollen gewiesen haben.
Endlich wer das Gewicht/ den Preiß/ und die Farb (welche nur Purpurfärbicht/ und schwärtzlicht/ was wir biß dato gesehen/ fürgekommen ist) in acht nehmen und betrachten wird/ der wird meiner obigen Meinung leichtlich Beyfall geben.
Das Wort Zaffera hat sonder allen Zweifel seinen Nahmen von Saphiro, als mit dessen blauen Farb es sich mehrentheils vergleichet.
p. 294
Das 72. Capitel.
Von der blauen Mahler-Smalte.
DIe Composition dieser Smalte finde ich nirgend bey einigen Autore; ich bin aber von einen wohlerfahrnen Glasmacher berichtet worden/ daß solche aus Zaffera und Seiffensieder-Aschen/ indem sie beyde mit einander gecalciniret/ bereitet werde/ in einen Ofen/ welcher in der Form dem Glasmacher-Ofen nicht gar ungleich kommet: Gedachter Glasmacher sagte/ daß sie/ auff solche Weise/ von ihm/ in Teutschland wäre bereitet worden; Von diesem aber/ und allen andern natürlichen und künstlichen Farben/ soll geliebts Gott künfftig ein mehrers/ in einen sonderlichen hierzu gehörigen Tractat/ gehandelt werden.
p. 305
Das 95. Capitel.
DIe Türckisfarb bereitet Porta nur eintzig und allein mit der Zaffera.
