Jacobsson – Rosenthal 1793/V
Johann Karl Gottfried Jacobsson – Gottfried Erich Rosenthal (edd.), Johann Karl Gottfried Jacobssons technologisches Wörterbuch oder alphabetische Erklärung aller nützlichen mechanischen Künste, Manufakturen, Fabriken und Handweker, wie auch aller dabey vorkommenden Arbeiten, Instrumente, Werkzeuge und Kunstwörter, nach ihrer Beschaffeneheit und wahrem Gebrauche V (A–G), Berlin – Stettin [Friedrich Nicolai] 1793.
pp. 240–241
Blaufarbenfässer
Blaufarbenfässer, sind gewisse Fässer, deren eins gemeiniglich 3 zentner hält, und worin die blaue Farbe gestoßen, und zum Verkauf aufbehalten wird, nachdem sie vorher mit einem gewissen Zeichen, die Beschaffenheit der Farben zu kennen, bemerkt worden.
Blaufarbenfässer-Zeichen.
Blaufarbenfässer-Zeichen. Die sächsische führet durchgängig, oben an dem Ausschlagebogen des Fasses zum allgemeinen Brandzeichen:

welches man aus folgender Erklärung verstehen kann: Das mittelste Zeichen heißt ein Rautenkranz mit den churfürstlichen Schwerdtern. Das neben an auf der linken Hand ein Herz, über dasselbe eine Krone, welche offen gebrannt. Das zur rechten heißt eine Lilie, oder wie sonst genannt wird, eine Brandsäule, welches zwar die Böhmische Farbe auch führet, doch mit einiger Veränderung; das oberste Zeichen eine vollgebrannte Krone, welche gerade über dem Rautenkranze stehet. Das unter dem Rautenkranze ist ein vierecktes, mit vier Nägeln klein angemachtes Bretchen, welches an dem Faßboden mit angenagelt ist. Dieses befindet sich darum allhier, damit man die Proben von Farben herauslangen kann, und nicht nöthig hat, den ganzen Faßboden deswegen zu öffnen. Unter dieses Zeichen kommen die allgemeinen, oder Generalbrandbuchstaben, als z. E. F. C. oder M. C. um damit anzuzeigen, was für eine Sorte Farbe sich in diesem oder jenem Fasse befindet. Alle sächsische blaue Farbe in durchgängig viel feiner, als alle böhmische. Bey der böhmischen ist durchgängig das Hauptbrand- und Generalzeichen der Buchstaben oben; und unter solchen Buchstaben drey gebrannte Brände, als z. E.

Die drey Brände unten bleiben durchgängig bey allen böhmischen Farben. Die Hauptbrandbuchstaben aber oben verändern sich jedesmal bey dem Sortiment der Farbe. Denn in diesem Fasse ist bald diese, und in dem andern wieder jene Farbe. Die sächsis. Farben aber insbesondere nach ihren Sortimenten beschreiben, bestehet darin: FFFE. ist die extra feinste Eschelfarbe, FFE. extra feine Eschel, wo die 3 ersten oder 2 F. gemeiniglich in eins gezogen oder an einander gezogen sind. FE. feine Eschel, ME. gesiebte, Mittel- (feine) Eschel; ME. in Stücken Mitteleschel, OE. gesiebte, ordinaire (feine ) Eschel, OE. in Stücken, ordinaire Eschel FFFC. extra feineste C. Farbe FFC. extra feine C. Farbe: FC. FH. feine C. Farbe. MC. MH. Mittel- feine Farbe. C. CH. OC. ordinaire (feine) C. Farbe; GMC. (feine ) schlechte C Farbe, OB. schlechte Farbe, oder ordinair Blau. FFS, extra feinen Zaffer oder Saflor- Farbe. FS. feinen Saflor, MS. mitlern Saflor, OS. ordinairen Saflor. Dieses wäre also die Eschel, C. Farbe, nebst Saflor, von den Sächsischen blauen Farben beschrieben, woran jedesmal eine jede Sorte richtig zu unterscheiden und zu erkennen, nach ihrer Feine und Schlechte: Von den böhmischen aber will man eben nicht alle Sorten beschreiben, sondern nur diejenigen hier anführen, welche insbesondere courant, gänge und gäbe sind. Dieses sind folgende: FFC. extra feine böhmische C. Farbe; FC. feine böhmische C. Farbe; ME. gesiebet, mittel (fein ) böhmische Eschel. ME. in Stücken, mittel böhmische Eschel, MC. mittel böhmische C. Farbe. OE. gesiebte ordinaire (fein) Eschel, OE. in Stücken, ordinair Eschel. OC. ordinair böhmisch Blau. Alle Eschelfarbe ist feiner, als die C. Farbe und des Zaffers. Bey OE und ME in Stücken steht auf dem Aufschlageboden allezeit noch mit unter den zwey Generalbrandbuchstaben ein gebranntes S, als z. E. so OSE, welches anzeigt, daß in diesem Fasse Farbe OE. K. M. E. geliebt, von der OE und ME in Stücken, demnach wohl und richtig zu unterscheiden. Wer sich nun mit sächsischer und böhmischer blauer Farbe belegen will, der kann nachfolgende Courantsorten sich auf das Lager schaffen, weil davon stets ein starker Abzug nach Amsterdam, Hamburg, auch zuweilen nach London sich ereignet. Es sind aber diese: von dem C. Farben: FFC. FC. MC. OC. OB. am allermeisten aber: FEC. FC. MC. OC. Von dem E Farben oder Eschel: FEEEE. ME. gesiebet. ME. in Stücken, OE gesiebt. OE in Stücken. Von dem S Farben oder Zaffers ist sich nicht mit vielen zu belegen, weil dabey wenig Abgang ist; sondern nur meist zur Nachfrage mit auf das Lager zu schaffen sind. Die C. Farbe, Eschel und Zaffers, eines von den andern zu erkennen und zu unterscheiden, bestehet darinnen: die C. Farbe führet allemal in den letzten Brandbuchstaben ein C als z. E. FFC, und niemals das C vorne an, sondern zuletzt; auch nie ein E oder S zuletzt oder vorne an. Die E Farbe oder Eschel führt je derzeit im letzten Brandbuchstaben ein E, als z. E. FFE, niemals aber das E vorne an, sondern zuletzt. Die Saffers, S. Farbe, oder Safflor, hat allemal im letzten Brandbuchstaben ein S; als z. FFS. niemals aber das S vorne an, sondern zuletzt auch führet keine Sorte der andern ihren besondern Hauptbrandbuchstaben.
pp. 512–513
Farbebreter
Farbebreter (Blaufarbenwerk) Diese sind 5–6 Fuß lang, 1 bis 2 Fuß breit, auf alle Seiten mit genau ausschließenden 2 Zoll hohen Leisten versehen, aus hartem und trocknen Holze gemacht. Man gebraucht sie zum Trocknen der Farben in einem warmen Zimmer.
