Jacobsson – Hartwig 1784/IV

Johann Karl Gottfried Jacobsson – Otto Ludwig Hartwig (edd.), Johann Karl Gottfried Jacobssons technologisches Wörterbuch oder alphabetische Erklärung aller nützlichen mechanischen Künste, Manufakturen, Fabriken und Handweker, wie auch aller dabey vorkommenden Arbeiten, Instrumente, Werkzeuge und Kunstwörter, nach ihrer Beschaffeneheit und wahrem Gebrauche IV (Schm–Z), Berlin – Stettin [Friedrich Nicolai] 1784.


p. 200

Spartbrett

Sparbrett, (Maurer) ein viereckigtes Brett mit einer auf der untern Seite befindlichen Handhabe, den Kalk und Mörtel darauf zu thun, wenn gemauert wird.

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Sparkalk

Sparkalk, Erdkalk, Mergelkalk, Kalk, der aus Mergelerde gebrannt wird, welches eine mit etwas Sand vermischte Kalkerde ist. Dieser gebrannte Kalk wird ungelöscht verbraucht, er ist weißer als der Steinkalk, aber nicht so bindend. Man vermischt ihn beym Gebrauche gleichfalls mit etwas Sand. Einige Maurer behaupten, daß man auf einen Anwurf von Sparkalk nicht so gut weißen kann. Einige nennen auch eine Mischung von Steinkalk und Lehm Sparkalk.


p. 201

Spath, Spat, eine Gangart oder Gestein, meist blätterig, bisweilen brocklicht, zum Theil aus würflichen oder rautenformigen Theilen bestehend, von verschiedenen Farben, weiß, gelblich, roth, braun, grünlich, von verschiedener Harte, allezeit schwer. Er führet öfters Metall, und ist eine von den vornehmsten Erzmüttern, indem er für eine Anzeige des Erzes gehalten wird, und alle Metalle und Mineralien im Spath brechen. Insgemein hat er etwas eisenhaftes, und einige wollen gar Gold darinn suchen. Er ist von verschiedener Natur, mancher ist kalkartig, mancher matt, mancher spiegelicht, eine Art brauset mit Scheidewasser, die andere nicht, in welchem Falle er zu den Phengiten zu rechnen, mancher ist durchsichtig, mancher undurchsichtig, mancher läßt sich mit den Fingern zerreiben, mancher ist vest, mancher kristallisiret, mancher in ganzen Stücken. Im Feuer zerspringt er und knistert. Wenn er stark geglühet, und mit Wasser oder Salmiakwasser abgelöschet wird, so verhält er sich wie Kalkstein. Nur der Feldspath schlägt mit dem Stahl Feuer, die andern aber nicht, der halb oder ganz durchsichtige, kristallische, würflichte, insbesondere der grünliche, phosphoresciret, wenn er heiß gemacht wird.


pp. 477–478

Ultramarin

Ultramarin, Fr. Outremer, eine blaue Farbe, dess wegen also benannt, weil sie sonst aus der Levante gebracht ward. Diese Farbe ist die theuerste unter allen, weil theils der Lapis, mit welchem sie versetzt wird, sehr selten ist, theils, weil sehr wenige Leute diese Farbe zu verfertigen wissen. Man macht sie nach dem Kunkel auf folgende Art: Man nimt Lasurstein, und zerbricht ihn zu Stücken von einer Erbse groß, läßt ihn im Feuer glühend werden, löschet ihn im starken Weinessig ab, alsdenn wird er in Essig gerieben und zu einem feinen Pulver gemacht. Hierinn besteht der wichtigste Kunstgriff der Operation. Man nimt alsdenn am Gewicht eben soviel, als das Pulver wiegt, halb reines Jungfernwachs, halb Kolophonium, läßt es in einer irdenen glasurten Schüssel zergehen, und wirft nach und nach unter beständigem Umrühren das Pulver hinein. Alsdenn gießt man diese Masse in kaltes Wasser, in welchem man sie & Tage stehen läßt. Nach diesem füllet man zwey Gefäße mit warmen Wasser an, so daß man sie kaum vor Wärme halten kann, nimt ein Stück von der Masse, und knetet es in diesem warmen Wasser. Wenn man nun glaubt, das schönste daraus gezogen zu haben, so thut man es in ein anderes Gefäß. Allein was aus diesem zweyten Kneten heraus komt, ist mit dem ersten nicht zu vergleichen, denn das Blaue ist bleicher und nicht so gut. Man läßt dieses Wasser vier Tage stehen, und es setzt sich in dieser Zeit das Pulver auf den Boden, welches man sorgfältig sammlen muß. Von der feinsten Art giebt es nur sehr wenig, und man kann von einer einzigen gedachten Masse, nach der Quantität, die man davon macht, und nachdem man sie in verschiedenen Wassern knetet, drey bis vier unterschiedene Arten dieser Farbe machen, wovon eine immer schlechter ist, als die andere. Vor allen Dingen muß man sehr reine Hände haben, denn diese Farbe nime leicht alle Arten von Schmutz an. Einige Maler begnügen sich, den Lapis Lasulii nur zu reiben, und ohne Zubereitung zu gebrauchen; allein auf diese Art giebt er nur eine Farbe, die schmutzig und weit unter dem Ultramarin ist. Oefters wird das Ultramarin mit Smalte verfälscht. Um nun dieses Verfälschte zu erkennen, thut man nur ein wenig auf eine eiserne Platte, und läßt es auf der Scheibe heiß werden, wenn es nicht die Farbe verändert, und ein Pulver bleibt, ohne zu Klumpen zu werden, so ist es gut und rein. Wenn sich aber Klumpen formiren, so ist es ein falsches, oder wenigstens vermischtes Ultramarin. Das Blaue von dieser Farbe ist sehr zärtlich und luftig. Man braucht es in allen schönen Gemälden, besonders zum Fleische des zweyten Geschlechts und der Kinder. Es giebt den hellen Schatten, ein zartes und markiges Wesen. Diese Farbe ist beständig. In der Freskomalerey aber kann man sie ersparen, wo die Smalte fast eben die Wirkung thut. Allein in der Miniatur ist es eine unentbehrliche Farbe, und kann durch keine andre ersetzt werden. Man macht von Silber ein Blau, welches dem Ultramarin sehr nahe komt.


pp. 478

Umbra

Umbra, Umber, Umbererde, Bergbraun, brauner Ocher, Fr. Terre d’ombre, (Bergwerk) eine dunkelbraune, zarte, leichte und mürbe Erde, welche sich im Feuer ein wenig entzündet, durch das Glühen roth, und durch starkes Brennen weiß wird, riechet während des Brennens, welches zu erkennen giebt, daß sie etwas von Erdpech bey sich habe. Man hat lichte und dunkle. Den Namen hat sie von der Stadt U[m]bria in Italien, woher sie zuerst gebracht worden. Die Maler brauchen sie insbesondere.