Becher 1682

Johann Joachim Becher, Närrische Weiszheit Und Weise Narrheit: Oder Ein Hundert/ so Politische alß Physicalische/ Mechanische und Mercantilische Concepten und Propositionen/ Deren etliche gut gethan/ etliche zu nichts worden/ Sampt den Ursachen/ Umbständen und Beschreibungen derselben. Ein Tractätlein vor die Liebhaber/ sehr curios und nützlich zu lesen/ als worinnen viel nachdenckliche Sachen enthalten, Franckfurt [Johann Peter Zubrod] 1682.


Johann Joachim Becher (1635–1682) was a German polymath who worked in various European centres and at several courts. He authored numerous treatises in the fields of natural science and economics. From his 1682 book Närrische Weiszheit und Weise Narrheit, which discusses various contemporary inventions and ideas, we present an excerpt concerning Bavarian stucco work that contains a brief reference to casein.


pp. 44–46

27. Bayrische Stocator-Arbeit.

Der alte Churfürst Maximilian in Bayern/ war ein sehr ingenioser Herr/ welcher neben seiner Magnificentz und Generosität die Künste auch sehr liebte/ und unter andern eine mehr als Kayserliche Residentz gebauet/ ven allerhand Köstlichkeiten/ Raritäten und Antiquitäten /darunter nun feynd einige große Stücke von Gips auf Marmor Art oder Florentinisch Steinwerck/ und es nun zwar eine gemeine Kunst ist/ so kan es doch niemand in solcher perfection machen/ und in so grosser Härte und Polirung als aldorten/ der Churfürstl. Successor Ferd. Maria hätte zugelassen, dz ich nie allein dieses Werck mit den Operanten selbsten/ sondern noch viel andere Dinge hätte fortsetzen und excoliren können/ aber sein Vice-Cantzler D. Casp. Schmid/ der Schwäbisch. Franzose/ welcher den alten ehrlichen D. Oxel ausgebissen/ nehmlich den rechten Cantzler/ hat auch mich vertrieben und verhindert. Hierbey muß ich erinnern/ was mir mein Landsman der ehrliche alte Herr Hacke hier in Londen erzehlet/ daß nehmlich einer hier sey/ der aus Wasser könne grosse Stücken Stein machen/ so dz man Quater-stücke daraus hauen könne/ und daß er dem Könige darvon einen gantzen seehafen bauen wolle: as darvon kommen sey/ weiß ich nit/ aber daß aus Kalck und neuem Käse ein Stein oder Riß kann werden/ welcher an Härte dem Demant nicht vil weicht/ ist mir bekandt. Wann ich erhzelen sollte/ was ich für wunderliche Arten von Erben und Steinen in Schottland gesehen und selbsten mi Händen betastet habe/ die theils unsichtbar und hörend und unempfindlich machen/ und wie zu Path auf deß Hertzogs von Lauderdale Felsen/ Gänse die Eyer mit eine Fusse ausbrüten/ und wie andere Gänse auff dem Bäumen und Höltzern wachsen/ würde man mich für Münsterum, Wolfium, Ortelium und dergleichen Narren halten/ wiewol es dochl wahr ist. Printz Printz Ruprecht alhier in Engelland hat eine Manier die natürliche Marmorsteine zu beitzen und zu poliren/ daß gantze Historien darauf gemahlt werden/ sehr schön/ welches noch über die Bayerische Stocator gehet/ ich habe auch dergleichen gebeitzte Marmorsteine zu Nürnberg gesehen/ Toback-Büchslein/ Schüsseln und Flaschen/ man kann auch den Crystal ohne Schmeltzen färben/ davon Glauber in dem ersten Appendice über Pharmacopœæ Spagyricæ Siebenden Theil/ p. 23 und Philippus Nerius in Arte vitraria ingleichen Meldung thut. Es ist alhier dem König in Engelland proponirt worden.