Jablonski 1721

Johann Theodor Jablonski, Allgemeines Lexicon Der Künste und Wissenschafften; Oder Kurze Beschreibung des Reichs der Natur, der Himmel und himmlischen Körper, der Lufft, der Erden, samt denen bekannten Gewächsen, der Thiere, Steine und Ertze, des Meeres und der darinn lebenden Geschöpffe; Ingleichen Aller Menschlichen Handlungen, Staats- Rechts- Kriegs-Policey Haußhaltungs- und Gelehrten Geschäffte, Handthierungen und Gewerbe, samt der Erklärung der darinn vorkommenden Kunst-Wörter und Redens-Arten, Mit Beysetzung der Lateinischen und Französischen Benennungen, wo solche vorhanden; In gehöriger Ordnung verfasset und mit Fleiß zusammen getragen, Leipzig [Thomas Fritsch] 1721.


p. 332

Kalch

Kalch, Kalck: Calx, Chaux. Eine weisse materie, so aus gebrannten steinen, wenn sie mit wasser abgelöscht, gezeuget, und zum mauren gebrauchet wird. Der gemeineste stein hiezu ist der kalckstein, weiß oder blaulich an farben, doch kann man auch aus gewissen kiesel-steinen, die in bächen gefunden werden, Kalck brennen. Eine gewisse art marmor, dessen in der Wetterau und am Ober-Rhein viel gefunden wird, gibt auch einen vortrefflichen weissen kalck, der zu mauren und tünchen gut ist: der aus schiefer-steinen gebrannt wird, muß alsobald verbraucht werden, sonst verzehrt er sich selbst. Die steine werden in einem darzu erbauten ofen gebrannt, und wenn sie erkaltet, in eigenen kasten mit darauf gegossenem wasser, welches davon siedend wird, zerrührt, in grosse gruben gelassen, und dieselbe, wenn der kalck in vorrath bleiben soll, mit sand bedecket. Eine bessere art den kalck zu löschen ist, wenn aus dem ofen die steine auf einem ebenen platz bis 3. fuß hoch geschichtet, eben so hoch mit sand beschüttet, und derselbe mäßig befeuchtet, auch wo er von dem dampff risse bekommt, wieder zugestrichen wird, so bleiben die steine ganz und werden weich wie ein käse. Aus demselben, vermischt mit einem gewissen theil sandes, nachdem der sand von art ist, oder der vorhabende gebrauch es erfordert, vermengt, und durch einander geschlagen, wird der mörtel bereitet, so dann zum mauren, bewerffen, und d. g. dienet. Wenn der kalck von selbst in der lufft ablöscht, zerfällt er in staub, und taugt sodann nicht zum mauren. Wer bey einem guth einen kalck- und ziegel-ofen hat, erlangt dadurch einen grossen vortheil im bauen. Es muß aber einer dazu besonders berechtiget seyn. Man erkennet, ob der kalck wohl gebrannt, wenn die steine mercklich leichter, als sie vor dem brandt gewesen, weiß und hellklingend sind. Man findet auch kalck in gruben, welcher weich wie letten, in viereckigen stücken ausgestochen, und an der sonne getrocknet wird, bis er erharte, ehe er kan gebrannt werden. Wo keine steine zu haben wird, aus see-schnecken und muscheln kalck gebrannt, dergleichen in Holland und Indien geschiehet, er dienet aber nicht zum tünchen an freyer lufft. Hohb. Goldm. Besold. In der artzeney dientet von dem kalck das wasser, wenn lebendiger kalck einer faust groß in einem glasirten topff mit zwey maß reinen wassers abgelöscht, nach zweyen tagen wohl durch einander gerührt und wenn es wieder klar worden, sauber abgegossen, kampffer einer nuß groß darein gethan, etliche mahl wohl durch einander gegossen in einem kupffernen gefäß, bis es sich blau gefärbet, wohl bedeckt gelassen, und endlich in ein glaß abgegoffen wird. Dieses dienet zu frischen und alten wunden. Hohb. Das kalck-öl wird also bereitet: Nimm kalck, wasche ihn mit gemeinen distillirten wasser so lange, bis alles saltz davon gehe. Dieses stelle mit rosenscabiosen- und wegrich-wasser in einer viol, hermetisch verschlossen, in pferde-mist 14. tage lang. Wenn es nach diesem heraus genommen, und geöffnet, wird über dem wasser ein öl schwimmen, welches durch mählig abneigen davon gebracht wird. Auf die hefen kan man frisch wasser giessen, und es nochmahls einsetzen. Zimara.


pp. 419–420

Mahler, Mahlerey

Mahler, Mahlerey: Pictura, Peinture. Eine kunst, die sich der farben bedienet, allerley sichtbare dinge abzubilden und künstlich vorzustellen. Sie hat, wie viele andere, einen geringen anfang gehabt, indem der schatten eines mannes an der wand mit einer kohlen oder kreiden umzogen, ihr den ersten ursprung gegeben, auch anfänglich nur eine farbe gebrauchet worden; doch ist sie nach und nach durch sinnreiche liebhaber mercklich verbessert, endlich zu einer grossen vollkommenheit aufgestiegen. Ihr ursprung ist in Griechenland gewesen, allwo sie um die zeit des grossen Philippi und seines sohns Alexandri aufs höchste gekommen, und so hoch geachtet worden, daß leibeigenen knechten dieselbe zu treiben, nicht verstattet gewesen. Bey den Römern ist sie viel später aufkommen, und anfänglich gering geachtet worden, indem man sie die knechte zum dienst des hauses lernen lassen: wiewohl sie nach der seit ansehnlichere liebhaber gefunden, worunter die Kayser Hadrianus und Antoninus Philos. gezählet werden. Bey den Juden sowohl als bey den ersten Christen ist sie verabscheuet worden, und hat man erst in dem fünfften jahrhundert angefangen historische gemählde aus heiliger schrifft zu dulten. Die barbarey der mittleren zeiten in Europa, hat mit anderen edlen künsten und wissenschafften auch diese, wo nicht gar vertilget, doch aufs äusserste verderbet, bis sie in dem 14. und 15ten jahrhundert wieder aufgelebt, und durch unermüdeten fleiß sinnreicher künstler, so sich hin und wieder, sonderlich zu Bologna, Florentz und Rom hervorgethan, und nach und nach zu ihrem vorigen glantz und ruhm hergestellet worden. Ob diese wiederbringung der mahlerey zu Bologna oder Florentz bey anfang genommen, darüber haben Vasari, ein Florentiner, und Malvasia, ein Bologneser, jeder vor den ruhm seines vaterlandes hefftig gestritten. Im Orient ist die kunst wenig geachtet, und noch weniger ausgeübt. Bey den Türcken sind alle bilder ein greuel. Die Perser bedienen sich derselben, und haben vortreffliche farben, aber schlechte wissenschafft, sie wohl anzuwenden. Chard. Die Indostaner mahlen gut genug allerhand historien, geben ihren gemahlen eine ziemliche schattirung und stellung, wissen aber die gleichheit der gesichter nicht zu treffen, und mißbrauchen der kunst, sonderlich die zu Agra, mit schandbaren bildern. Theven. Die Tsineser mahlen mit vortreflichen farben, aber sehr schlecht ohne licht und schatten, und mit unschicklichen stellungen. Die Japoneser brauchen zu ihren bildern nur die schwärtze, und nichts buntes. Trigaut. Die berühmtesten mahler sind aus der alten zeit bey den Griechen, Zeuxis, Parrhasius, Apelles und Protogenes, von welchen Mexia aus dem Plinio viel aufgezeichnet. Bey den Römern C. Fabius, dem davon der zuname erwachsen, daß er Pictor genennet worden und der poet Pacuvius. In denen uns näheren zeiten hat vornemlich Italien vortreffliche meister erzeuget, darunter Mich. Angelo, Paul Veronese, Titiani, Tintoretti, Caracci, und einige andere im ersten rang gehen. Gvercini ist vornemlich in dem Fresco-mahlen hochgeachtet. In Teutschland haben Albert Dürer, Holbein und Kranach einen grossen ruhm erworben. Die berühmtesten mahler der näheren und bis auf unsere zeiten haben erzählet, Felibien in seinem buch, so er von dem leben der vornehmen mahler geschrieben, und Flor. le Comte, in seinem Cabinet des singularités d’ Architecture, Peinture &c. In der berühmten Galeria des Groß-Herzogs von Toscana zu Florentz ist ein besonderes gemach, in welchem über 200. portraits der vortrefflichsten mahler, so seither 300. jahren gelebt, darunter die meisten von ihren eigenen händen, gezeiget werden. Die kunst der mahlerey begreifft vier stücke, die erfindung, die ordnung und eintheilung, die zeichnung, und die ausnehm- und schattirung der farben. Das erste betrifft die vortrefflichkeit, sinnlichkeit, oder artigkeit der sache, die da soll vorgestellet werden: Das zweyte die einrichtung aller theile und stücke des gemähls, damit ein jedes an seinem gehörigen ort erscheine: Das dritte die bildung eines jeden stückes in seiner eigentlichen gestalt, ebenmaß, und in der stellung die nach beschaffenheit der fache daran erfordert wird: Das letzte dienet einem jeden ding nicht nur seine natürliche farbe zu geben, sondern auch licht und schatten dergestalt durch einander zu flechten und mit einander zu verbinden, damit ein jedes sich gehörig ausnehme und geschicklich in die augen falle, wie davon H. Testelin, Professor bey der Königl. mahler-Academie zu Paris, in seinen sentimens sur la Pratique de la Peinture mit mehrern handelt. Alles dieses zu erhalten, und einen rechten kunst-mahler zu machen, gehöret nebst einer grossen erkänntniß der natur und derer darin befindlichen reichthümer, die wissenschafft der geometrie, der optick, der antiquität und insonderheit der mythologie und getichte der alten poeten, wie nicht weniger der historie. Daneben eine fleißige übung und genaue betrachtung der besten meister-stücke, denselben nachzuahmen, und ihre kunst wo möglich zu übertreffen, die fehler aber, so sich einige daran befinden, zu meiden und zu verbessern. Vor allen dingen aber eine angebohrne zuneigung und fähigkeit, ohne welche niemand etwas sonderliches, in welcher kunst oder wissenschafft es wolle, leisten wird: und eben diese ist die ursache warum selbst in der mahlerey die kunst so unterschieden, und nicht einem allein alles gegeben, sondern dieser in historien, ein ander in portraiten, ein ander in grossen, ein ander in kleinen stücken, ein ander in landschafften, in see- nacht- blumen- küchen-stücken u. s. w. übertrefflich ist. Die mahlerey an sich selbst ist unterschiedlich. In Fresco oder frischen kalck wird auf mauren und gewölber gemahlt. Zu dieser mahlerey dienen keine durch kunst zubereitete oder mineralische farben, sondern nur erden oder kreiden. Mit wasser-farben zu mahlen, dienen allerley farben, welche mit einem gewissen leim-wasser angemacht werden. Man mahlet damit auf holtz und leinwand, welche aber zuvor mit einem kreiden- oder gips-grund überzogen wird. Mit ölfarben zu mahlen hat ein Brabandischer mahler Jan van Eyck, ingemein van Brugge genannt, weil er sich daselbst wohnhafft niedergelassen, in den funfzehenden jahrhundert zu erst erfunden. Die gemählde empfangen davon mehr glantz und dauerhafftigkeit: sie können mit mehrerem fleiß ausgearbeitet, und so offt es nöthig verbessert werden, die farben können auch stärcker aufgetragen, und anmuthiger vermischet werden. Es dienen dazu allerley farben, und das öl welches ein lein- oder nuß-öl seyn muß, wird auf gewisse weise zu einem fürniß bereitet. Man mahlet damit auf mauren, holtz, leinwand, stein, und allerley metall, auch auf glas, da aber die anmuthigste weise diese ist, wenn das gemähl also darauf gebracht wird, daß es durch das glas angesehen werde, wobey man einen besonderen handgriff brauchen, und die farben, welche sonst zuletzt angebracht werden, zu erst anlegen muß. Eine andere art auf glas zu mahlen, so an fensterscheiben dienen soll, geschiehet mit wasser-farben, wovon wie von den andern arten allen Felibien ausführlichen unterricht gibt. Das miniatur-mahlen geschiehet mit den feinesten wasser-farben mit gummi angemacht, auf papier oder pergamen, wovon vor einiger zeit ein eigener unterricht in Frantzösischer sprache, der aber bald ins Teutsche übersetzet worden, heraus kommen. Ob die mahlerey oder die bildhauerey in der kunst den vorzug habe, wird unter den kunstlern gestritten. Jener blinde, als er zum schiedsmann angenommen worden, gab den ausschlag für die mahlerey. Denn, sagt er, ihr gestehet beyde, daß das geschnitzte sowohl als das gemahlte bild einem menschen gleiche: bey dem einen fühle und finde ich es auch, bey dem andern aber nicht, sondern nur ein glattes bret, so muß ja dieses etwas künstlichers seyn. Der gebrauch, den die mahlerey in auszierung ansehnlicher gebäude, in erhaltung des andenckens würdiger thaten und personen, und zu einer nützlichen gemüths-ergetzung leistet, ist grösser, als mit wenig worten kan angezeiget werden, und wird durch den beyfall aller zeiten bestätiget. Doch ist dabey zugleich ein schädlicher mißbrauch eingeschlichen, dem schon zu Aristotelis zeiten durch scharffe gesetze gewehret werden müssen, und noch heute dergleichen wohl nöthig wäre, daß nehmlich alle schandbare und ärgerliche gemähle verboten und abgeschaffet würden. Beyde werden mit fleis erwogen bey Hardorf. im Gr. Schaupl. Von den irrthümern so die mahler bey vorstellung alter geschichte, sonderlich aus heiliger schrifft gemeiniglich begehen, haben verschiedene ansehnliche gelehrten hin und wieder etwas erinnert, und das meiste davon einer der hinter den buchstaben M.M. verborgen bleiben wollen, in einem eigenen büchlein zusammen getragen. Von der mahlerey haben geschrieben, der alten nicht zu gedencken, Alb. Dürer, Jo. Schefferus, Graphice, s. de Arte pingendi. Alb. Leo Baptista, de Pictura: Fr. Junius, de Pictura: Sandrat hat eine mahler-Academie heraus gegeben, in welcher er die vornehmsten kunst-stücke, so von berühmten mahlern übrig sind, beschreibet, deme Fl. le Comte, in seinem Cabinet des singularités d’ Archit. Peinture, Sculpt. & Graveure gefolget. Das leben der berühmtesten mahler hat beschrieben Felibien in seinen Entretiens dergleichen Rodolfi vorher gethan. In Italien haben Malvasia und Vasari ihre landes-leute zu Bologna und Florentz, so diese kunst berühmt gemacht, beschrieben. Der vortreffliche le Brun hat in einem eigenen büchlein gelehret, wie die gemüths-regungen der menschen an ihren gesichtern und geberden künstlich ausgedrucket werden mögen, welches teutsch zu Angspurg ausgangen. In der bilder-kunst wird die mahlerey vorgestellet, als ein junges schönes weib mit schwarzen krausen haaren, verbundenen mund, einer goldenen ketten am halse, woran eine larve hänget, bekleidet mit einem rock von spielender farbe, in der einen hand eine tafel, und in der andern etliche pensel haltend, mit den bey-wort Imitatio. Ripa.


p. 509

Ocker

Ocker, Ocher, Ochra, Ochre, Ocre. Eine gelbe, mürbe, sanffte erde, so in den kupffer- und bley-gruben gefunden wird. Wenn sie im feuer calcinirt, wird sie roth. In Engelland hat man einen ocker, welcher braun-roth. Der ocker dienet vornehmlich den mahlern zu ihren farben, und weil er trocknet und anziehet, wird er zu einigen pflastern mitgenommen. Helw.